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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
botenamt bis botengang (Bd. 2, Sp. 274 bis 276)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) botenamt, n. nuntii munus.
 
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botenblech, n. lamella, insigne nuntii: ein ihnen mit botenblech und ranzen nachkommender amtsbote. J. P. Tit. 3, 140; ich machte mich sogleich ins wäldchen und wurde erst spät jener botenbleche an den bäumen ansichtig, die mir so gut bekannt waren als einem. paling. 1, 65.
 
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botenbrot, n. viaticum nuntio datum. dem boten, wenn er geworben, d. i. seines auftrags sich entledigt hatte, wurden von dem, an welchen er entsandt war, drei schnitten brots vorgelegt, wie den hergang noch im 16 jh. Sigmund von Herberstein in der nachricht von seinen gesandtschaften schildert: sagte mein werbung ... spricht der fürst, Sigmund, du wirst mein brot mit mir essen ... dann so rueft der fürst dem tischdiener und gibt ime drei schnitten prots, die nach lengs geschnitten vor sein (vor ihm) etliche lagen, gibt sie dem auf die flache hand, bevilht ime, die dem Sigmunden, unsers brueders Maximilian, erwelten romischen kaiser und hochsten kunigs pottn zu geben. der geet zu mir und spricht laut: Sigmund, der grosz herr Basilius, kunig und herr aller Reuszen und groszfurst thuet dir die gnad und schickt dir das brot von seinem tisch ... so nimb ich das brot, legs fur mich nider und neig mich gegen dem fürsten und allen andern, die mit mir aufstunden, damit zu danken, alsdann bracht man die speis, etlich gebratne schwanen u. s. w. (Kovachichs saml. 1, 155. 156). andern Slaven heiszt der botenlohn kolač, poln. kolacz, d. i. kringel, semmel, wie man auch den opferkuchen benannte. in der Schweiz empfangen die leichenbitter noch hie und da ein stück brot, ein botenbrot. Kirchhofer 66. Ohne zweifel war schon der ahd. ausdruck potinprôt, Ducange 5, 56c führt aus einer vita S. Wilibaldi die worte an: da mihi panem nuntii, soror tua advenit te benigne salutatura. Notker ps. 29, 10 verdeutscht praedicare evangelium, die frohe botschaft verkünden durch predigôn petinbrôt, wie die hs. auch in Hattemers abdruck liest. er nahm es wol für pëtan prôt, erbetnes brot, und die lesart ist um so weniger anzufechten, als auch Nib. 518, 1. 650, 2 Jh. betenprot liest, 1156, 3 A. petenbrot, und noch Wirsung Cal. R 3b: kompt bald umb das betenbrot und fastn. sp. 727, 13 pettenprot steht. vgl. Stalder 1, 144 bättenbrot (selbst mättenbrot) trinkgeld, Schmeller 1, 223 böttenprot. richtiger aber ist botenbrôt.
Alle mhd. stellen zeigen schon die bedeutung einer gabe, die dem boten zu theil wird, und oft einer reichen) oder auch übeln, ohne den gedanken an brot oder speise; einer suchte dem andern das botenbrot abzugewinnen und es zuerst zu heischen:

obe got wil, dir sol geben
dîn neve daʒ boten brôt. Reinh. 1779;

unde gif mir daʒ boden brôt. Roth. 3511;

gebet mir botenbrôt! Gudr. 1289, 1. Nib. 518, 2;

silber und golt swære was ir botenbrôt. 650, 2;

ir muget mich gerne grüeʒen und geben botenbrôt. 1156, 3;

die boten strichen sêre, in was der reise nôt,
durch die grôʒen êre unt durch rîchiu potenbrôt. 1229, 6;

des emphieng er rîcheʒ botenbrôt. Er. 2886;

gebent mirʒ botenbrôt! Iw. 2204;

und iesch vil grôʒiu botenbrôt. Parz. 21, 1;

[Bd. 2, Sp. 275]



wan einiu sol gewinnen
an vier küneginnen
daʒ potenbrôt, ir lebet noch. 577, 17;

wander die botschaft het vernomen
von ir garzûne Schandalec,
der was an loufen alsô quec,
daʒ er von im daʒ botenbrôt
enpfie, dâ mit er sîne nôt
überwant mit rîcheit. Wigal. 8933;

ich sagiu guotiu mære,
und gebet mir daʒ botenbrôt.
Ulr. Trist. 1041;

Isôt. diu wîʒgehande
an Tristanen iesch daʒ botenbrôt. 3381;

daʒ botenbrôt soltu mir geben.
Türl. Wh. 92b;

wer daʒ botenbrôt erwürbe? Helmbr. 708;

daʒ er in vor daʒ botenbrôt
wolde erbieten grimmen tôt. pass. H. 221, 33;

der paruch gap im boten brôt daʒ rîche. Tit. 2772, 3;

sîn botenbrôt wart smæhe,
im wart daʒ houbt benomen zeiner miete. 3746, 2;

der mære wil ich mich gerne mâʒen,
diu solhiu botenbrôt kunnen werben. 3747, 3;

dô gab si in ze botenbrôt
ein vêhen mantel, was durchsticket mit golde rôt. Morolt 1615;

Morolt mit sîme swerte
er im sîn houbet abe swanc:
daʒ soltu zeinem botenbrôte hân. 1645;

si sagt im daʒ potenbrôt,
ir sult nimmer haben nôt. Diut. 3, 392.

Hierzu stimmen auch die nhd. belege, botenbrot steht nicht nur für botenlohn, sondern auch für lohn überhaupt, ja einige brauchen es im sinne von botschaften, wie schon Notker that: da kam einer und wolt das bottenbrot verdienen. Keisersb. s. d. m. 29b; da nun die jungfraw disz ersehen, gieng sie eilends zur frauwen und begerte bottenbrot, und saget, der ritter were wider funden. buch der liebe 389, 1; gab dem botten ein reiches bottenbrot. 274, 1; so wöll sie ime zu bottenbrot ein hübsch new hembd geben. Götz von Berl. herausg. von Zöpfl s. 10; als er nu des herzogen vatter solche botschaft zu wissen thet, ein ehrlich bottenbrot von ihm erlanget. Galmy 357; der tod ist des lebens bottenbrot. Frank spr. 1, 149b;

herr der wirt, nu gebt mir das pettenbrot! fastn. sp. 727, 13;

wir schullen han das pettenbrot. ring 32c, 40;

ach frewlein, gebt mirs potenbrot,
ewer edler herr und der ist tot
sofern auf breiter heide.
Uhland 208;

ich hab vierhundert guldin,
die seind dein bottenbrot. 321;

min zukunft (ankunft)
wirt sin ein angnems bottenbrot. trag. Joh. G 1;

o der mir saget, sie wer todt,
dem geb ich ein gut bottenbrot.
H. Sachs I, 521a;

nun bin ich kommen aus der not,
bring euch allen das bottenbrot (die botschaft!). I, 536b;

bringen das allerfrölichst bottenbrot. III. 2, 129b;

drumb bringt uns bald gut bottenbrot.
Ayrer 46a;

wollte dessenthalben der gemeinde das botenbrot angewinnen, darum läuft er ganz eilends, damit ihm nicht jemand das botenbrot absteche, nach dem flecken Schilde. schildb. cap. 16; ein kreuzer zum bottenbrot verschenken. Garg. 73a; mir nit des bottenbrots! ich will mich des trinkgelts behelfen. 125b; das bottenbrot verdienen. Helvicus 1, 26; ein klein pottenprot schicken. Elisab. von Orleans 244;

dem guten boten
kein botenbrot?
Lessing 2, 330;

es gibt gut botenbrot, Steffen, wenn du antwort bringst, wie man sie gern hört und braucht. Fr. Müller 3, 210. Später kommt dieser alte, naive ausdruck, den Stieler 246, Frisch 1, 122c noch anführen, Adelung natürlich für gemein erklärt, ganz ab, und weder Göthe noch Schiller bedienen sich seiner. Weiland hat auch nnl. bodenbrood, boonbrood.
 
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botenbroten, nuntiare: Paulus, der als Saulus die kirche verfolget, hat nachmals den glauben gepredigt und das evangelium bottenbrotet. Hedion kirchenhist. 245b.
 
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botenbroter, m. nuntius. Schm. 1, 223.
 
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botenbrunne, m., an dem sich die fahrenden boten niederlassen und laben. mhd. ze Botenbrunnen, ein ortsname bei Neidhart MS. 2, 71b. Ben. beitr. 426; heute Pottenbrunn, ein östr. dorf unweit sanct Pölten.

e cosi ragionando una fontana
trovoron, dove due fan gran contesa:
eron corrier con lettere mandati,
e come micci si son bastonati.
Pulci Morg. magg. 2, 41.

[Bd. 2, Sp. 276]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) botenbüchse, f. pyxis, qua nuntius epistolas condit: wir tun uch wissin, daʒ lantgr. Hermann nu an mittwochin ubir unsin bodin rante, der unse bussin drug und brach ime di af. Landau ritterges. 109 (a. 1371); ein bäpstlicher bott, der des bapsts schlüssel auf seiner bottenbüchs füret. bienenk. 13a, etlich füren judenringlein auf der brust, die andern zwei schwerter, die dritten ein crucifix für ein bottenbüchs. 29b; die bottenbüchs der verdienstlichen werk. 101b; kompt Jahn, hat ein bottenbüxen an und ein spieszlein. Ayrer 398d.
 
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botendienst, m.
 
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botenfahrt, f. iter nuntii.
 
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botenfrau, f. mulier epistolas perferens.
 
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botengang, m. incessus nuntii: wie könnte der schwerfällige botengang unserer sprache jene französischen feinheiten erreichen, die gleich den schwalben vorbeischieszen. Thümmel 6, 151.

 

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