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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bosz bis boszkugel (Bd. 2, Sp. 268 bis 270)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bosz, n. domus, rothwelsch bos, herberge, haus: geloben sich zu unser frawen ins dalingersbosz (dollingers bos, henkers haus); schreffenbosz, lupanar, hurenhaus. Fischart groszm. 50.
 
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bosze, m. f. fasciculus lini, ahd. pôʒo und harapôʒo lini stipula (Graff 3, 233) von boszen tundere, percutere, weil der rohe flachs geschlagen wird. von hanf den zehenden boszen. weisth. 1, 352. heute weiblich, die bosze, flachsbosze. im teutonista bote vlasses, colligatura lini.
 
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boszeckel, m. malleus, tudes fabri, eine uralte, bisher unverstandne wortbildung, bei Adelung possekel geschrieben; das zweite wort ist ahd. ecchol chalybs, mhd. eckel, bôʒeckel drückt also den stahl aus, womit geschlagen wird. mehr unter eckel. der hauptton ruht natürlich auf der zweiten silbe. kommt noch heute in den eigennamen Boszigel, Possegl, Possehl vor. vgl. DWB boszhammer.
 
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boszen , tundere, percutere, die aufstellung dieses alten worts, aus welchem wir im vorhergehenden schon so manches andere herleiteten, hat ihre schwierigkeit. die goth. form bleibt uns aus, wäre aber zu vermuten bautan baibaut, wie stautan staistaut, dessen bedeutung sogar ganz nahe liegt. wahrscheinlich ist der nach Byzanz versetzte Bauto ein goth. Bauta, propulsor, compulsor, hostes contundens, wie auch altn. Bauti eigenname war. am vollständigsten und reichlichsten erscheint das ags. beátan, beot, part. gebeáten; engl. beat, part. beaten; dagegen altn. bauta nur schwach geht, praet. bautadi, bautasteinn hiesz der aufs grab geschobne, gewälzte stein. ahd. pôʒan, pioʒ, part. pôʒan, obwol im praet. unbelegt, aber wieder nach stôʒan stioʒ stôʒan. mhd. bôʒen, bieʒ noch belegbar:

ob ich etewenne
korn ûf dem tenne
mit drischeln ûʒ gebieʒ. Helmbr. 317;

die kurzen und die grôʒen
ze knorren sint gebôʒen. Ls. 3, 423,

doch galt auch schwaches bôʒen bôʒete, verberare, klopfen:

er bôʒete an daʒ bürgetor. Er. 6829;

bôʒen an die want. a. Heinr. 1258;

die mangen vaste bôʒten. Servat. 1796.

bei Ben. 1, 190a wird alles verwirrt durch ein nach Lachmanns einfall (zu Nib. 1823) neben bôʒen bieʒ gebôʒen angenommnes,

[Bd. 2, Sp. 269]


ganz unbegründetes bieʒen bôʒ geboʒʒen, da sich die subst. bûʒ, biuʒ, gebiuʒe und die kürzung boʒʒe, boʒʒen auch anders deuten lassen.
Das nhd. wort ist ziemlich selten und bedeutet
1) stoszen, schlagen, klopfen, hauen:

ein ander turner wart sich haben
zwischen eseln und den rossen,
die wurden gumpen und auch boszen (ausschlagen),
so ser, dasz niemand gtorst genahen. ring 9a, 19;

ein zabeln huob sich und ein boszen,
dasz die milch ward umb gestoszen. 10b, 40;

und welcher nicht wolt ablaszen,
den solt man mit knütteln poszen. fastn. sp. 120, 5;

kum spet oder fru, so wil ich dich ein laszen,
und wil dich nicht lang an der tur lan poszen. 1335;

ein gschlecht tt sich rottieren,
mördt, brennt, roubt, stilt und boszt,
lot niemand für bassieren,
was in z handen stoszt.
Uhland 370.

die steine boszen hiesz hauen, behauen, steinpôʒil ahd. latomus (Graff 3, 233), womit die oben entwickelte ursprüngliche bedeutung von bosse, d. i. bôʒo genau zusammenhängt. vgl. DWB anboszen, anklopfen; ausboszen, ausstoszen, ejicere 1, 834.
2) anstoszen, angrenzen:

wird Hochenzolleren genandt,
ligt in dem zollerischen land.
an Balingen es oben stoszt,
unden an Ofterdingen boszt.
Jac. Frischlin hohenzoll. hochzeit 1599 s. 10.


3) die kugel stoszen, kugeln beim kegelspiel: boszen oder kugeln, globare, globisare, globis ludere. voc. 1482 e 2a, was oben unter bosseln und bosselleich angeführt wurde. wenn aber H. Sachs V, 357b (vgl. I, 518b) sagt

weisz auch ein spiel, das heiszt das bossen,
das het ich auch gar weng genossen,

so scheint dem zusammenhange nach ein würfel- oder kartenspiel darunter gemeint, wobei gleichfalls aufgestoszen oder gebocht wurde, vgl. DWB bochen 2. vielleicht meint auch das unter 1 aus Uhland 370 beigebrachte boszen ein spiel.
4) stoszen oder schieben beim tanz, vgl. hernach boszolt:

vors künigs disch fin artlich spring,
mit danzen bruch schön kunstlich boszen. trag. Joh. N 7,

wo es sich auch für den pl. des subst. bosse nehmen liesze.
5) boszen, dreschen, wie in der mhd. stelle aus Helmbrecht.
6) so kann man sich boszen noch in andern bedeutungen des sinnlichen stoszens denken, z. b. aus den unter bosz angeführten zusammensetzungen ein glocken boszen, pulsare campanam, ein boszen (stoszen, franz. fondre) des falken auf seine beute folgern.
Erwägt man nun, dasz wie stautan, stôʒan das lat. tundere ist (denn S schlägt hier blosz vor und schützt die folgende tenuis), auch bautan, pôʒan das lat. fundere sein müsse; so erscheint der 1, 1051 angesetzte bezug von bautan auf fodere ungenau, die 2, 4 und 209 behauptete verwandtschaft zwischen bieten und fundere unsicher. deutlich erfüllen tundere: stautan, stôʒan und fundere : bautan, pôʒan die regeln der lautverschiebung anlautend und inlautend am genausten, während bei biudan : fundere der inlaut stört.
Noch mehr, bautan steht zu fundere fast ganz wie beitan zu findere und die ahd. pôʒan und pîʒan laufen parallel, nur dasz bautan wie stautan redupliciert. erinnert man sich ferner aus 1, 1451. 2, 25, dasz neben pîʒan ein pîlan bestand, so wird die vermutung sich empfehlen, auch neben bautan könne ein 1, 1745 gemutmasztes biulan gegolten haben, das vielleicht aufschwellen, stoszen, nicht nothwendig blasen bedeutete. wie aber, wenn dennoch zwischen bautan und biudan vermittlung eintreten und beiden ein bezug aufs lat. fundere nachgewiesen werden dürfte? lieszen sich doch bei boden fundus zwiespalte der inlaute podam und potam, podam und ags. botm, altn. botn erkennen (s. 209). sollte botm fundus zu beátan, altn. botn zu bauta gehören? von beodan, bioða sind sie kaum herzuleiten, welchen umgekehrt beod und bioðr mensa zufallen. fundere ist sowol gieszen als stürzen, im dunkel liegt noch seine berührung mit fendere und findere, die analogie hätte zu der von boszen und bieten. merkwürdig heiszt es vom stoszenden, schlagenden falken sp. hender, franz. aber fondre, während hender sonst franz. fendre ist. das merkwürdigste wäre, wenn unser böse, das vermutete goth. bausis aus der wurzel bautan sprösse, wie lat. fensus = infensus aus fendere. die zahllosen mischungen von bös und bosz in der

[Bd. 2, Sp. 270]


rohen sprache des 16. 17 jh. würden gleichsam dadurch gerechtfertigt.
Abseits liegt uns hier die der lautverschiebung spottende höhere verwandtschaft zwischen bautan und lat. batuere, franz. battre, it. battere, neben der mit fundere und fendere (wie sich z. b. bilis und fel berühren), denn alle auf B anlautenden wörter verwickeln in höhere untersuchungen. auch wie sich boszen zu bauschen, bausten und bausen verhalte, bleibt jetzt unerörtert.
 
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boszgesell, m. nauta, matrose, nnl. bootsgezel, engl. boatswain in diesen und einigen der folgenden gleichbedeutigen zusammensetzungen scheint die schreibung bosz für boots vielleicht an bosz oder bossel, bosseler, handlanger anzuklingen (vgl. hernach boszler): so aber ein schif etwan ohngefär in denselben hafen gefahren war, so warnete der patron oder schifmann alle die boszgesellen und mitgefehrten, dasz sie bei leib und leben den baum nit anrührten. Spangenberg lustg. 592;

es wird Neptun geehrt von seinen boszgesellen,
die auf dem wasser sind, und laufen durch die wellen.
Opitz 1, 441.

auch Argenis 1, 543.
 
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boszhammer, m. was boszeckel, tudes, auch als eigenname hergebracht Boszhammer, Puszhammer. nd. botthamer.
 
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boszhart, m., was der eigenname Possart. Schmelzl setzt poschart in üblem sinn:

habt ir gesehen den poschart,
welcher uns schmecht und redt so hart? David 19a;

weil der unbeschnitten poschart
so oft nun kumpt z diser fart. 20a.

in Ayrers fastn. spielen tritt ein Jann Posset auf, das aus possert, poszhart verdünnt scheint. bushart, falco buteo, engl. buzzard, franz. busard geht zwar auf buteo zurück, mahnt aber an jenes boszen und stoszen der raubvögel; könnte auch buteo rühren an batuere?
 
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boszklotz, m. globus: boszklotz oder poszkugel. voc. 1482 e 2a, kugel, die man stöszt oder schiebt; im teutonista boitkloit. im Athis C *, 87. 88 stehn kûle und klôʒ gleichbedeutend nacheinander.
 
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boszknabe, m. nauta, matrose. Kirchhof wendunm. 341.
 
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boszknecht, m. dasselbe:

der walfisch scherzend
die boszknecht erschröcket.
Weckherlin 227;

boszknecht zu Marsilien, galeenbuben zu Genua. Fischart groszm. 71; der könig kompt an bort, wird aber darüber von den boszknechten ertappet und in den kahn geworfen. Micrälius 2, 185.
 
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boszkugel, f. was boszklotz: ein runder kopf wie ein boszkugel. Katziporus l 8; zuweilen legten sich ihre (der kranken) gliedmaszen in einander, dasz sie sich selbst wie eine boszkugel in der stuben herumb welzte. colica 267; poszkugel. Beham Wien 378, 28. vgl. DWB botzkugel.

 

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