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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bösthier bis boszen (Bd. 2, Sp. 267 bis 268)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bösthier, n. panaritium, das böse ding, der fingerwurm, umlauf, ein nagelgeschwür. Stalder 1, 207.
 
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bösweh, n. epilepsia, das böse weh, auch blosz das böse, das böse wesen. Stalder 1, 207.
 
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böswilligkeit, f. Keisersb. bilg. 60.
 
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böswünschung, f. maledictio: also hiesz diser berg ein berg der verflchung und böswünschung. Frank weltb. 178a.
 
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bosz, m. mit langem o, mhd. bôʒ, ahd. pôʒ, folglich goth. bauts bedeutet einen stosz, pulsus, wie es sich noch in ambosz, mhd. anebôʒ erhalten hat, vielleicht in beifusz, mhd. bîbôʒ steckt. Ls. 1, 301 findet sich bôʒ als n., wenn der lesart zu trauen ist, auch im Lanz. 1484 slahen manec gebôʒ; das richtigere m. bewähren folgende zeilen eines pergamentstreifens:

zuo einander einen bôʒ,
da wirt vil manig herter stôʒ.

in Ulrichs Wilhelm 110b. 113b ist die handschriftliche lesart valkenbôʒ dem von Lachmann zu Nib. 1823 vermuteten backenbôʒ vorzuziehen, weil der falke auf seinen raub mit den klauen stöszt oder schlägt, was ebenso gut durch bôʒen ausgedrückt werden kann. im gedicht von Dietrichs kämpfen mit den drachen begegnet ein riese Glockenbôʒ, campanas pulsans. einen steilen, die knie stoszenden, brechenden felsenweg nannte man chniebôʒ, kniebosz, entstellt in kniebis, kniebes. Schm. 2, 367.
 
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bosz, m., wo es ein persönliches wesen ausdrückt, scheint aber auf das mhd. bôʒe (Ben. 1, 230b) zurückzugehn, dessen bereits oben sp. 262 zu gedenken anlasz war. ein säufer hiesz trunken bôʒe und so gerade sagt auch Waldis, wie es scheint, mit gekürztem vocal, bosz, acc. bossen:

hett einen pfaffen zum capellan,
ein trunkner bosz, ein wüst kompan. Esop 3, 87;

so nennt er sich den schwarzen Turk,
und war geborn von Offenburg,
gar einen wundernassen bossen. 4, 6;

du bist ein junger man,
man solt ein solchen starken bossen
von jugent handwerk lehrnen lassen. 4, 45;

mancher in disem schif gern fert,
dann es sint vil gt bossen drin,
die grosz arbeit und kleinen gwinn (hant).
Brant 48, 72;

ein dicker, verwachsner kerl, ein knorz, ein zwerg wurde mhd. knodebôʒe genannt, und voc. 1482 e 2b hat boszer oder zwerg, manganus, ohne zweifel mit bezug auf den buckel, franz. bosse, Tobler 72a hat en chorza boser, eine kurze, dicke kreatur und die hirten nennen eine kurze, dicke geisz boser, boserli.

[Bd. 2, Sp. 268]


manganus aber führt auf mango, vagabund, betrieger, taschenspieler und das gr. μάγγανον. boszer in jener glosse scheint nichts anders als was bossierer und bossenspieler, gaukler, jeder auf dem brunnen oder sonst als parergon angebrachter persönlicher bosse könnte auch ein bôʒe sein, wodurch neues licht auf bosse = bildwerk fällt, das von bôʒen sculpere, tundere geleitet werden musz, wie der mhd. bôʒe. schumpfierbosz war ein spottvogel, lästerer: solt aber darum ich oder ein anderer schumpfierbosz ein unflat sein, weil wir villeicht euch und ewersgleichen unfläter unflätig beschrieben? Garg. 4; kalenderbosz ein kalenderbild oder kalendermacher: das practiken machen ist so gemein geworden, dasz heut ein jeder luginsland, uhrenmacher, kalberarzet, calenderbosz, cisiojanussingler solche kan stümpeln. groszm. 7. in Baiern und der Schweiz, wie in Brants stelle, hat das einfache bosz auch ganz die bedeutung von bossel und bosselierer, wodurch das ineinandergreifen aller dieser ausdrücke vollends bestätigt wird: posz heiszt zu Nürnberg der geringere arbeiten verrichtende mühlknecht; dem groszen posz fallen die besseren, dem kleinen posz die schlechtern arbeiten zu. Schm. 1, 298; ist er ein gut gesell, ein guter bosz? fragt Keisersberg von einem jungen der doctor werden will. nach Tobler 72a ist posz bursche, jüngling, ein hauptposz, ein groszer, wackrer bursche, das poszli der knabe, e chlises poszli ein kleiner knabe. Schmeller erinnert ans it. putto puer.
 
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bosz, m. cothurnus, obstrigillus: posz oder schuch der hoch und oben weit ist, obstrigilis. voc. 1482 z 5a; böszle halbstiefel, cothurni. Maaler 74b; bossen, ocreae humiliores neque ad genu omnino pertingentes, cujusmodi sunt eorum, qui Compostellam aut alio longius peregrinantur. Henisch 467, 27; der bosz, boszen kurzer stiefel, bundstiefel. Schm. 1, 211; bossen schnürstiefel. Schmid schw. wb. 88; bosz, posz, überstrumpf, halbstiefel, böszli. Stald. 1, 208; pöszli pl. Tobler 72a. man erkennt darin das engl. boot, franz. botte und die wurzel boszen, weil solche weite schuh angestoszen, angeschoben wurden. die ahd. mhd. form würde pôʒo, bôʒe m. lauten, bei Ben. 1, 230b ist boʒʒe nur aus Schmeller aufgenommen.
 
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bosz, n. domus, rothwelsch bos, herberge, haus: geloben sich zu unser frawen ins dalingersbosz (dollingers bos, henkers haus); schreffenbosz, lupanar, hurenhaus. Fischart groszm. 50.
 
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bosze, m. f. fasciculus lini, ahd. pôʒo und harapôʒo lini stipula (Graff 3, 233) von boszen tundere, percutere, weil der rohe flachs geschlagen wird. von hanf den zehenden boszen. weisth. 1, 352. heute weiblich, die bosze, flachsbosze. im teutonista bote vlasses, colligatura lini.
 
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boszeckel, m. malleus, tudes fabri, eine uralte, bisher unverstandne wortbildung, bei Adelung possekel geschrieben; das zweite wort ist ahd. ecchol chalybs, mhd. eckel, bôʒeckel drückt also den stahl aus, womit geschlagen wird. mehr unter eckel. der hauptton ruht natürlich auf der zweiten silbe. kommt noch heute in den eigennamen Boszigel, Possegl, Possehl vor. vgl. DWB boszhammer.
 
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boszen , tundere, percutere, die aufstellung dieses alten worts, aus welchem wir im vorhergehenden schon so manches andere herleiteten, hat ihre schwierigkeit. die goth. form bleibt uns aus, wäre aber zu vermuten bautan baibaut, wie stautan staistaut, dessen bedeutung sogar ganz nahe liegt. wahrscheinlich ist der nach Byzanz versetzte Bauto ein goth. Bauta, propulsor, compulsor, hostes contundens, wie auch altn. Bauti eigenname war. am vollständigsten und reichlichsten erscheint das ags. beátan, beot, part. gebeáten; engl. beat, part. beaten; dagegen altn. bauta nur schwach geht, praet. bautadi, bautasteinn hiesz der aufs grab geschobne, gewälzte stein. ahd. pôʒan, pioʒ, part. pôʒan, obwol im praet. unbelegt, aber wieder nach stôʒan stioʒ stôʒan. mhd. bôʒen, bieʒ noch belegbar:

ob ich etewenne
korn ûf dem tenne
mit drischeln ûʒ gebieʒ. Helmbr. 317;

die kurzen und die grôʒen
ze knorren sint gebôʒen. Ls. 3, 423,

doch galt auch schwaches bôʒen bôʒete, verberare, klopfen:

er bôʒete an daʒ bürgetor. Er. 6829;

bôʒen an die want. a. Heinr. 1258;

die mangen vaste bôʒten. Servat. 1796.

bei Ben. 1, 190a wird alles verwirrt durch ein nach Lachmanns einfall (zu Nib. 1823) neben bôʒen bieʒ gebôʒen angenommnes,

[Bd. 2, Sp. 269]


ganz unbegründetes bieʒen bôʒ geboʒʒen, da sich die subst. bûʒ, biuʒ, gebiuʒe und die kürzung boʒʒe, boʒʒen auch anders deuten lassen.
Das nhd. wort ist ziemlich selten und bedeutet
1) stoszen, schlagen, klopfen, hauen:

ein ander turner wart sich haben
zwischen eseln und den rossen,
die wurden gumpen und auch boszen (ausschlagen),
so ser, dasz niemand gtorst genahen. ring 9a, 19;

ein zabeln huob sich und ein boszen,
dasz die milch ward umb gestoszen. 10b, 40;

und welcher nicht wolt ablaszen,
den solt man mit knütteln poszen. fastn. sp. 120, 5;

kum spet oder fru, so wil ich dich ein laszen,
und wil dich nicht lang an der tur lan poszen. 1335;

ein gschlecht tt sich rottieren,
mördt, brennt, roubt, stilt und boszt,
lot niemand für bassieren,
was in z handen stoszt.
Uhland 370.

die steine boszen hiesz hauen, behauen, steinpôʒil ahd. latomus (Graff 3, 233), womit die oben entwickelte ursprüngliche bedeutung von bosse, d. i. bôʒo genau zusammenhängt. vgl. DWB anboszen, anklopfen; ausboszen, ausstoszen, ejicere 1, 834.
2) anstoszen, angrenzen:

wird Hochenzolleren genandt,
ligt in dem zollerischen land.
an Balingen es oben stoszt,
unden an Ofterdingen boszt.
Jac. Frischlin hohenzoll. hochzeit 1599 s. 10.


3) die kugel stoszen, kugeln beim kegelspiel: boszen oder kugeln, globare, globisare, globis ludere. voc. 1482 e 2a, was oben unter bosseln und bosselleich angeführt wurde. wenn aber H. Sachs V, 357b (vgl. I, 518b) sagt

weisz auch ein spiel, das heiszt das bossen,
das het ich auch gar weng genossen,

so scheint dem zusammenhange nach ein würfel- oder kartenspiel darunter gemeint, wobei gleichfalls aufgestoszen oder gebocht wurde, vgl. DWB bochen 2. vielleicht meint auch das unter 1 aus Uhland 370 beigebrachte boszen ein spiel.
4) stoszen oder schieben beim tanz, vgl. hernach boszolt:

vors künigs disch fin artlich spring,
mit danzen bruch schön kunstlich boszen. trag. Joh. N 7,

wo es sich auch für den pl. des subst. bosse nehmen liesze.
5) boszen, dreschen, wie in der mhd. stelle aus Helmbrecht.
6) so kann man sich boszen noch in andern bedeutungen des sinnlichen stoszens denken, z. b. aus den unter bosz angeführten zusammensetzungen ein glocken boszen, pulsare campanam, ein boszen (stoszen, franz. fondre) des falken auf seine beute folgern.
Erwägt man nun, dasz wie stautan, stôʒan das lat. tundere ist (denn S schlägt hier blosz vor und schützt die folgende tenuis), auch bautan, pôʒan das lat. fundere sein müsse; so erscheint der 1, 1051 angesetzte bezug von bautan auf fodere ungenau, die 2, 4 und 209 behauptete verwandtschaft zwischen bieten und fundere unsicher. deutlich erfüllen tundere: stautan, stôʒan und fundere : bautan, pôʒan die regeln der lautverschiebung anlautend und inlautend am genausten, während bei biudan : fundere der inlaut stört.
Noch mehr, bautan steht zu fundere fast ganz wie beitan zu findere und die ahd. pôʒan und pîʒan laufen parallel, nur dasz bautan wie stautan redupliciert. erinnert man sich ferner aus 1, 1451. 2, 25, dasz neben pîʒan ein pîlan bestand, so wird die vermutung sich empfehlen, auch neben bautan könne ein 1, 1745 gemutmasztes biulan gegolten haben, das vielleicht aufschwellen, stoszen, nicht nothwendig blasen bedeutete. wie aber, wenn dennoch zwischen bautan und biudan vermittlung eintreten und beiden ein bezug aufs lat. fundere nachgewiesen werden dürfte? lieszen sich doch bei boden fundus zwiespalte der inlaute podam und potam, podam und ags. botm, altn. botn erkennen (s. 209). sollte botm fundus zu beátan, altn. botn zu bauta gehören? von beodan, bioða sind sie kaum herzuleiten, welchen umgekehrt beod und bioðr mensa zufallen. fundere ist sowol gieszen als stürzen, im dunkel liegt noch seine berührung mit fendere und findere, die analogie hätte zu der von boszen und bieten. merkwürdig heiszt es vom stoszenden, schlagenden falken sp. hender, franz. aber fondre, während hender sonst franz. fendre ist. das merkwürdigste wäre, wenn unser böse, das vermutete goth. bausis aus der wurzel bautan sprösse, wie lat. fensus = infensus aus fendere. die zahllosen mischungen von bös und bosz in der

[Bd. 2, Sp. 270]


rohen sprache des 16. 17 jh. würden gleichsam dadurch gerechtfertigt.
Abseits liegt uns hier die der lautverschiebung spottende höhere verwandtschaft zwischen bautan und lat. batuere, franz. battre, it. battere, neben der mit fundere und fendere (wie sich z. b. bilis und fel berühren), denn alle auf B anlautenden wörter verwickeln in höhere untersuchungen. auch wie sich boszen zu bauschen, bausten und bausen verhalte, bleibt jetzt unerörtert.

 

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