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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bossierung bis bosz (Bd. 2, Sp. 267)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bossierung, f. plasma. Stieler 266.
 
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bossig, gestuosus. Dasypodius 307c. in Schmids schw. wb. 88 possig, scherzhaft, närrisch. dän. pudsig.
 
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bosten, ire, festinare:

dann ist all lieb und trüw verlorn,
die einer an si leit mit kosten,
gar bald thuend si von eim bosten. trag. Joh. C 7;

zum küng wil ich gern mit dir bosten,
mein schwert würd mir sust gar verrosten. R 5.

die form des worts liesze vergleichung mit bausten, baustern 1, 1201, so wie altn. beysta concutere, schw. bösta, dän. böste zu, doch weicht der sinn ab. Stalder 1, 208 hat ein entsprechendes posten und posteln hin und her laufen, vgl. posterli und posternächten, auch engl. bustle.
 
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bosthat, f. maleficium, facinus: und dieser Seleucus, als er seine stiefmutter erwürget, hat er im durch diese bosthat einen groszen krieg uber den hals gezogen. Melanchthons Daniel, verdeutscht von Jonas. Wittenb. 1546 s. 125.
 
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bosthätig, iniquus. Stieler 2354, auch ohne umlaut des o.
 
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bösthier, n. panaritium, das böse ding, der fingerwurm, umlauf, ein nagelgeschwür. Stalder 1, 207.
 
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bösweh, n. epilepsia, das böse weh, auch blosz das böse, das böse wesen. Stalder 1, 207.
 
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böswilligkeit, f. Keisersb. bilg. 60.
 
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böswünschung, f. maledictio: also hiesz diser berg ein berg der verflchung und böswünschung. Frank weltb. 178a.
 
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bosz, m. mit langem o, mhd. bôʒ, ahd. pôʒ, folglich goth. bauts bedeutet einen stosz, pulsus, wie es sich noch in ambosz, mhd. anebôʒ erhalten hat, vielleicht in beifusz, mhd. bîbôʒ steckt. Ls. 1, 301 findet sich bôʒ als n., wenn der lesart zu trauen ist, auch im Lanz. 1484 slahen manec gebôʒ; das richtigere m. bewähren folgende zeilen eines pergamentstreifens:

zuo einander einen bôʒ,
da wirt vil manig herter stôʒ.

in Ulrichs Wilhelm 110b. 113b ist die handschriftliche lesart valkenbôʒ dem von Lachmann zu Nib. 1823 vermuteten backenbôʒ vorzuziehen, weil der falke auf seinen raub mit den klauen stöszt oder schlägt, was ebenso gut durch bôʒen ausgedrückt werden kann. im gedicht von Dietrichs kämpfen mit den drachen begegnet ein riese Glockenbôʒ, campanas pulsans. einen steilen, die knie stoszenden, brechenden felsenweg nannte man chniebôʒ, kniebosz, entstellt in kniebis, kniebes. Schm. 2, 367.
 
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bosz, m., wo es ein persönliches wesen ausdrückt, scheint aber auf das mhd. bôʒe (Ben. 1, 230b) zurückzugehn, dessen bereits oben sp. 262 zu gedenken anlasz war. ein säufer hiesz trunken bôʒe und so gerade sagt auch Waldis, wie es scheint, mit gekürztem vocal, bosz, acc. bossen:

hett einen pfaffen zum capellan,
ein trunkner bosz, ein wüst kompan. Esop 3, 87;

so nennt er sich den schwarzen Turk,
und war geborn von Offenburg,
gar einen wundernassen bossen. 4, 6;

du bist ein junger man,
man solt ein solchen starken bossen
von jugent handwerk lehrnen lassen. 4, 45;

mancher in disem schif gern fert,
dann es sint vil gt bossen drin,
die grosz arbeit und kleinen gwinn (hant).
Brant 48, 72;

ein dicker, verwachsner kerl, ein knorz, ein zwerg wurde mhd. knodebôʒe genannt, und voc. 1482 e 2b hat boszer oder zwerg, manganus, ohne zweifel mit bezug auf den buckel, franz. bosse, Tobler 72a hat en chorza boser, eine kurze, dicke kreatur und die hirten nennen eine kurze, dicke geisz boser, boserli.

[Bd. 2, Sp. 268]


manganus aber führt auf mango, vagabund, betrieger, taschenspieler und das gr. μάγγανον. boszer in jener glosse scheint nichts anders als was bossierer und bossenspieler, gaukler, jeder auf dem brunnen oder sonst als parergon angebrachter persönlicher bosse könnte auch ein bôʒe sein, wodurch neues licht auf bosse = bildwerk fällt, das von bôʒen sculpere, tundere geleitet werden musz, wie der mhd. bôʒe. schumpfierbosz war ein spottvogel, lästerer: solt aber darum ich oder ein anderer schumpfierbosz ein unflat sein, weil wir villeicht euch und ewersgleichen unfläter unflätig beschrieben? Garg. 4; kalenderbosz ein kalenderbild oder kalendermacher: das practiken machen ist so gemein geworden, dasz heut ein jeder luginsland, uhrenmacher, kalberarzet, calenderbosz, cisiojanussingler solche kan stümpeln. groszm. 7. in Baiern und der Schweiz, wie in Brants stelle, hat das einfache bosz auch ganz die bedeutung von bossel und bosselierer, wodurch das ineinandergreifen aller dieser ausdrücke vollends bestätigt wird: posz heiszt zu Nürnberg der geringere arbeiten verrichtende mühlknecht; dem groszen posz fallen die besseren, dem kleinen posz die schlechtern arbeiten zu. Schm. 1, 298; ist er ein gut gesell, ein guter bosz? fragt Keisersberg von einem jungen der doctor werden will. nach Tobler 72a ist posz bursche, jüngling, ein hauptposz, ein groszer, wackrer bursche, das poszli der knabe, e chlises poszli ein kleiner knabe. Schmeller erinnert ans it. putto puer.

 

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