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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bösgesit bis bosheitspiegel (Bd. 2, Sp. 258 bis 260)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bösgesit, was bösgenaturt. vocab. 1482 e 2a, übelgesittet.
 
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bösgewillt, was böswillig, molestus: wer sich diesen käfigen nicht fügen will, ist ketzer, unwissend, unfähig oder bösgewillt. Tieck ges. nov. 9, 14.
 
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bösgierig, was bösfertig: diser bösgirig man, ein verfürer aller misthätigen. Frank chron. 111a.
 
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boshaft, malitiosus, saevus, petulans: ein boshafter mensch, ein boshaftes kind;

und wes gewalt wirt boshaft sein,
der leit gewaltig ewig pein.
Schwarzenberg 134, 1;

ein boshaftes gemüt; man musz boshaft sein einen weisen urheber zu verkennen. Kant 6, 83; eine vom moralischen gesetze freisprechende, gleichsam boshafte vernunft. 6, 195; voller boshafter schnurren. Lessing 7, 79, wie bosheit 4; eine boshafte freude. Gotter 3, 53. unter dem volk auch für sinnlich scharf: die wunde ist boshaft, bösartig, friszt um sich, vgl. DWB bosheit 6. in der älteren sprache war das folgende weit häufiger.
 
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boshaftig, dasselbe: der man war hart und boshaftig in seinem thun. 1 Sam. 25, 3; darumb sihe, das gott nicht verwirft die fromen und erhelt nicht die hand der boshaftigen. Hiob 8, 20; ich hasse die versamlung der boshaftigen und sitze nicht bei den gottlosen. ps. 26, 5; und mein ohre wird seine lust hören an den boshaftigen. 92, 12; wer stehet bei mir wider die boshaftigen? 94, 16; o weh des sundigen volks, des boshaftigen samens. Es. 1, 4; weh aber den gottlosen, denn sie sind boshaftig. 3, 11; rümet den herrn, der des armen leben aus des boshaftigen hende errettet. 20, 13; und verwerfen ewern namen als einen boshaftigen (goth. svê ubilamma). Luc. 6, 22; er ist gütig über die undankbaren und boshaftigen (goth. þaim unfagram jah unsêljam). 6, 35; ein boshaftiger mensch bringet böses hervor (goth. ubils manna). 6, 45; auch lasz ich mir sagen, das etliche so verzweivelt boshaftig sind. Luther 3, 397; und oft zweivele ich, obs zu gleuben sei, das ein prediger oder seelsorger so verstockt und boshaftig sein künde. 6, 108a; ein boshaftiger mann. Münster 1329; das ist ein schalkhaftiger mensch, ein gescheider, ufsetziger, boshaftiger mensch. Keisersb. s. d. m. 13b;

wer straft ein boshaftigen man,
der henkt im selbst ein spätlin an.
Brant 42, 13;

von etlichen ketzern oder boshaftigen verfälschet und verbastern. bienenk. 17a; ein boshaftiger mensch. pers. rosenth. 4, 1; boshaftige leute. 1, 19; solche boshaftige, mit glatten worten vermischte klugheit. Schuppius 1, 143; da ist der knecht und die magd diebisch, boshaftig, frech und trotzig. 155.
 
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boshaftig, adv.

sucht man wie uns zu mut boshaftig auszuspüren.
Gryphius 1, 171.


 
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boshaftigkeit, f. pers. rosenth. 1, 23. Butschky Patm. 872. 888. Schuppius 722.
 
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boshaftiglich, adv. Maaler 75b.
 
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bosheit, f. schon mhd. bôsheit sehr häufig (Ben. 1, 225).
1) iracundia, furor, ganz mit dem subjectiven sinn von böse: ich kenne deine vermessenheit und deines herzen bosheit. 1 Sam. 17, 28; denn gleichwie ein born sein wasser quillet auch ire bosheit. Jer. 6, 7; ward noch wütiger und brannte fur bosheit. 2 Macc. 9, 7; aus teufelischer bosheit. Keisersb. s. d. m. 55a; sie freuen sich, so sie ubels gethon hond, und springen in irer allerungeschaffensten bosheit. 55b; der pfaf vergasz seiner bosheit. Eulensp. cap. 38; er geriet in solche bosheit, dasz er nicht sprechen konnte; das kind steckt voll bosheit. in diesem sinn heiszt es bersten, platzen, zittern, sterben, weinen von oder vor bosheit: wiltu fur bosheit bersten? Hiob 18, 4; er zittert von bosheit. Aimon i;

vor bosheit möcht ich sterben!
Göthe 7, 28;

denk ich nur dran, mein herz möcht da vor bosheit reiszen! 7, 32;

als er ihn so hart anliesz, dasz er vor bosheit weinte. Schiller 1104. die bosheit steht dir in den augen.
2) perversitas, malitia: der herr sahe, das der menschen bosheit grosz war auf erden. 1 Mos. 6, 5; sei gnedig uber die bosheit deines volks. 2 Mos. 32, 12; und ist des armen hofnung, das die bosheit wird iren mund müssen zuhalten. Hiob 5, 16; und aller bosheit wird das maul gestopft werden. ps.

[Bd. 2, Sp. 259]


107, 42; das unkraut sind die kinder der bosheit (ahd. ther beresboto thaʒ sint kind thes abuhen). Matth. 13, 38; aber ewer inwendiges ist vol raubs und bosheit. Luc. 11, 39; im sauerteig der bosheit und schalkheit (goth. in beista balvavêseins jah unsêleins). 1 Cor. 5, 8; an der bosheit seid kinder. 14, 20; geschrei und lesterung sei ferne von euch, samt aller bosheit (goth. miþ allai unsêlein). Eph. 4, 31; leget alles ab von euch, den zorn, grim, bosheit, lesterung, schandbare wort aus ewerm munde (goth. iþ nu aflageiþ jah jus þô alla hatis, þvairhein, unsêlein, anaqiss, aglaitivaurdein us munþa izvaramma). Col. 3, 8; das wir bekennen sollen unser bosheit. Luther 4, 18b; Heli fiel ab einem sessel ze tod, darumb das er seine sün umb ire bosheit und mtwillen nit het gestraft. Keisersb. s. d. m. 4b; kein widerwertikeit wirt dir schaden, so nicht herschet die bosheit. 13b; und helfen einander ir bosheit beschirmen und die warheit undertrucken. 15a; die seel wirt gesunt von allen bosheiten durch widerwertikeit. 17b; woltestu auch, das man dein bosheit von dir also sagt? 28a; von natur stecken sie vol bosheit und leckereien. 63b;

es ist kein gröszer ruhm, als schmach und tadel leiden,
aus seiner bosheit nicht, aus böser leute neiden.
Logau 3, 10, 78;

der anfang aller bosheit in der welt war erst geringe. pers. rosenth. 1, 22; den neckereien der bosheit ausbiegen. Gotter 1, 168; die bösartigkeit der menschlichen natur ist nicht sowol bosheit, wenn man dieses wort in strenger bedeutung nimmt, nemlich als eine gesinnung, das böse als böses zur triebfeder in seine maximen aufzunehmen, sondern vielmehr verkehrtheit des herzens. Kant 6, 198, wogegen doch zu erinnern ist, dasz das böse ursprünglich den aufwallenden zorn, und weder die bosheit des verstandes noch des herzens bezeichnet.
3) malum facinus, scelus, böse that, übelthat: du weist alle die bosheit, der dir dein herz bewust ist, die du meinem vater David gethan hast, der herr hat deine bosheit bezalet auf deinem kopf. 1 kön. 2, 44; under solchem schein treibestu ie mehr und mehr bosheit. Jer. 2, 33; und wil ire bosheit uber sie schütten. 14, 16; alle ire bosheit geschicht zu Gilgal. Hosea 9, 15; nicht wöllen ungleich oder bosheit wirken, nolite inique agere. Keisersb. s. d. m. 15b; als da dein gesind oder dein kind hond hosheit gethon. 35b; der du keine offentliche erkantnüs, bekantnüs und reu über die begangene bosheit erscheinen lassen. Schuppius 679. wir sagen heute dafür nur böse that, böse, schlechte handlung.
4) petulantia, schelmerei, schelmstück im milderen sinn eines scherzes und lustigen streichs: es kümpt do einer, ist vor nie in disem land gesin, lieber, thn im ein bosheit! Keisersb. bilg. 207d, wo ein wirt einem pilger, der nie krebse asz, solche vorsetzen soll, um ihn in verlegenheit zu bringen. dies bosheit thun ist ganz unser heutiges einen possen thun, einen possen spielen, einen bösen streich verüben und wirft ein schiefes licht auf die abkunft des wortes posse. s. bosse.
5) nequam. gleich andern sächlichen vorstellungen tritt auch bosheit über in die persönliche, und wie wir unart, unflat, unverstand setzen für den unartigen, unflätigen, unverständigen, bezeichnet bosheit den bösen, vorzugsweise im sinne von 4, den schelm, den bösewicht:

mhd. bôsheit, var verwâʒen! MS. 2, 172b;

nhd. Liesel, Liesel, du bosheit! hasts gewust, hast mirs nicht gesagt. Fr. Müller 1, 317. sie bosheit! sie bosheit, sie porzellanene! Schmeller 1, 210 in scherzhafter abwehr. du kleine bosheit! gerade so lat. scelus für homo sceleratus.
6) bosheit kommt auch vor für die schärfe eines gifts, eiters, einer wunde: sevenbaum auf die wunden gelegt, die weit um sich fressen, benimmt ihnen die bosheit. Hohberg 1, 307b; so kann von bosheit (malignitas) der blattern, des fiebers die rede sein. die bedeutung greift in die erste, wie es auch heiszt vor gift bersten; die kröte will vor bosheit platzen.
7) dagegen ist bosheit unüblich im sinne von böse, geringhaltig, werthlos, wie es mhd. verwendet wurde (Ben. 1, 225b). man sagt ein böser heller, nicht aber die bosheit eines hellers. deutlicher beweis, dasz die bedeutung des schnöden und geringen in böse weniger wurzelt als die des wütigen, herben.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bosheitseid, m. calumniae jusjurandum. Martin lehrbuch des bürgerl. processes. 1800 §. 174.

[Bd. 2, Sp. 260]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bosheitspiegel, m. os impudens, lasterspiegel. Stieler 2066.

 

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