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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bosch bis boseln (Bd. 2, Sp. 248 bis 256)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bosch, m. was bausch: ein bosch stroh, bündel strohes.
 
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boschen, turgendo prominere, bauschen: auch must es pfausecht, bauschecht sein zwischen den schnitten, dasz der blau damast und taffat herausz boschete. Garg. 114a.
 
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böschen, fastigare, einen wall, graben schräg abhängig machen: die abhängige seite ward geböscht und mit rasen belegt. Göthe 30, 291. s. DWB abböschen.
 
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böschung, f. fastigatio, proclinatio.
 
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bösding, n. epilepsia, das böse ding, das man nicht näher nennen kann, auch eine krankheit des rindviehes. Stald. 1, 207.
 
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bösdings, adv. vix, fast gebildet wie schlechterdings, omnino: und wenn man es mit dem ganzen gut bösdings machen könnte, wie sollten es dann die kinder machen mit dem halben oder einem viertel? Gotthelf sagen 2, 10; dann mag sie um eilf uhr nicht zurück sein, oder bösdings. schuldenbauer 84.
 
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bose, f.
1) im bergbau für pause.
2) für bausch, eine bose flachs, ein bündel.
3) ein federkiel, gewöhnlich pose.
 
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böse , malus, pravus, iratus, oft in bös gekürzt und schon im 16 jh., mit der falschen schreibung bösz, z. b. der bösz geist. Keisersb. bilg. 55d, doch Luther in der bibel von 1545 schreibt nur böse. wichtiger als diese schreibung ist die geschichte eines uns heute so geläufigen wortes.
Es ermangelt goth. alts. ags. altn., ebenso engl. schw. dän. durchaus, zeigt sich nur ahd. mhd. nhd., mnl. nnl., dem anschein nach auch fries. die noch seltnen beispiele des ahd. pôsi vilis, infirmus, ineptus, hauptsächlich aus Notker, verzeichnet Graff 3, 216; mhd. bœse ist desto häufiger (Ben. 1, 224. 225); mnl. bose aber dünn gesät, auszer Partonopeus 30, 21. 33, 22. 111, 3 und Fergût 5345 (wo aber bois: Walois) keine stelle, namentlich hat das wort Maerlant nie, nnl. kommt boos öfter vor. das fries. bâse (wie lâs = lôs) beruht blosz auf thi bâse feng Richth. 96, 17, der böse grif, scheint aber unbedenklich.
Schwierig sind ursprung und urverwandtschaft. der nächste gedanke wäre ans mlat. bausiare, fallere, decipere, bausia felonia (Ducange 1, 629. 630), prov. bauzar tromper, bauzia, bauza fraus, bausios fallax (Rayn. 2, 202. 203), was genau einem für ahd. pôsi anzusetzenden goth. bausis entspräche, und ohne lat. wurzel ist; altfranz. steht für bauzar boiser, für bauza boisie, boisdie, was jenem mnl. bois gliche. auch Diez etym. wb. 76 leitet die romanischen wörter aus unserm pôsi und böse her. bausis aber würde starken anklang haben an litt. baisus terribilis, crudelis, greulich, schrecklich, fürchterlich von der wurzel bijoti fürchten (Nesselm. 329), dann aber an běsas teufel (Nesselm. 328a) und durch alle slavische sprachen geht ein subst. altsl. russ. bjes'', poln. bies (Linde 1, 106b), böhm.

[Bd. 2, Sp. 249]


běs (Jungm. 1, 101) teufel, serb. bijes rabies, illyr. běs furor, ein adj. kommt nicht vor; aber auch finnisch begegnet piessa, piessahainen, genius malus. gerade so heiszt uns vorzugsweise der teufel der böse, der böse geist (siehe hernach unter 4), und die berührung scheint unabweislich. wenn it. bugiare lügen, bugiardo lügner, betrieger gleichzustellen ist dem prov. bauzar und bauzador ist wiederum der teufel der lügner und vater der lügen. übergänge des AU in AI, wie zwischen bausis und baisus, zwischen bausiare und boiser, zwischen bose, boos und bois erheben sich oft.
Eben mit rücksicht darauf möchte man auch irgend einen bezug von böse auf die wurzel beiszen, goth. beitan suchen, aus welcher goth. beist, ζύμη, fermentum und altn. beiskr, ahd. peiskar amarus entsprosz. es soll hernach unter 6 belegt werden, dasz 'nicht böse' wie 'nicht bitter' gebraucht wird, und der teufel heiszt, wie der tod, der bittere (Grieshaber 1, 52). finnisch paholainen, pahoillinen, lapp. pahakes, wiederum von paha malus, welches nach dem wechsel des H und S pasa lauten, folglich bausis und pôsi erreichen würde. noch wichtiger ist der anklang von lat. infensus, fostis (s. 5).
Diese etymologien können licht werfen auf die bedeutungen.
1) der echten sinnlichen, ohne welche doch über den ursprung kaum zu entscheiden ist, hält es schwer habhaft zu werden. auf leibliche gegenstände angewandt bezeichnet böse das schmerzende, wehthuende und kann dann oft mit schlimm tauschen: er hat einen bösen finger, das böse ding am finger; das ich sie mit der lautern warheit etwa unversehens an die böse zeh hart getroffen hette. Ringwald vorrede A 5b; ich leide an bösen augen; sie konnte nicht mitgehn, weil sie einen bösen hals hatte; ein böses maul, das ausgefahren ist; ein böser kopf, grindiger; mein fusz schon lange böse;

zohe einen bösen schenkel nach.
Alberus 1;

und es war ein mann zu Lystra, der muste sitzen, denn er hatte böse füsze und war lahm von mutterleibe, der noch nie gewandelt hatte. apost. gesch. 14, 8, wo das original setzt ἀδύνατος τοῖς ποσὶν ἐκάθητο, vulg. infirmus pedibus sedebat; an ihm ist keine böse ader, kein bös härchen; ein böser zahn;

her her, wer hat ein bösen zan?
ein böser zan, ein böser gast,
leszt dem man weder ru noch rast.
H. Sachs I, 529e;

wird aber auch gesagt von einem eszlustigen, leckeren: bisz und lachet, lachet und bisz, hett zwen böse zän, der ein asz gern weiszbrot, der ander lebkuchen. Garg. 129a. in allen diesen fällen dürfte schlimm stehn, nicht aber schlecht, denn er hat schlechte zähne ist etwas andres als böse zähne.
2) die krankheit selbst heiszt böse, im sinne von bösartig, malignus: so wird der herr wünderlich mit dir umbgehen mit plagen auf dich und deinen samen, mit bösen und langwerigen krankheiten. 5 Mos. 28, 59; und er starb an bösen krankheiten. 2 chron. 21, 19; der herr wird von dir thun alle krankheit und wird keine böse seuche der Egypter dir auflegen. 5 Mos. 7, 15; das böse schwarze blattern auffaren. 2 Mos. 9, 9; da furen auf böse schwarze blattern, beide an menschen und vieh. 9, 10; die herschenden blattern sind böse; der herr wird dich schlahen mit einer bösen drüs an den knien und waden. 5 Mos. 28, 35; und es ward eine böse und arge drüse an den menschen, ἕλκος κακὸν καὶ πονηρόν, vulg. vulnus saevum ac pessimum. offenbar. Joh. 16, 2; da fuhr der satan aus vom angesicht des herrn und schlug Hiob mit bösen schweren von der fuszsolen an bis auf seine scheitel. Hiob 2, 7; und unser wunden sind so gar böse, das sie niemand heilen kan. Jer. 15, 18; dein schade ist verzweivelt böse und deine wunden sind unheilbar. 30, 12; aber er wird zuletzt ein böse fieber davon kriegen. Sir. 41, 32; das böse wesen, die epilepsie, finn. pahan pieksiä, vgl. bösding.
3) böse von maul und zunge gebraucht bedeutet beiszend, bissig, verletzend, wie Freidank sagt 164, 3:

daʒ wirste lit, daʒ ieman treit,
deist diu zunge, sô man seit,
dein pos maul. fastn. sp. 254, 2;

und hast erwelet ein schalkhaftige zunge. Hiob 15, 5; fur den zenkischen zungen. ps. 31, 21; die orenbläser und falsche, böse meuler sind verflucht. Sir. 28, 15; ein böses maul macht viel leute uneins. 28, 16; ein böse maul wird kein glück haben auf erden. ps. 140, 12; er hat eine böse zunge, eine scharfe, beiszende; gräfin. wissen sie auch, dasz man viel in der stadt von ihnen spricht? Marie. ich weisz, dasz es allenthalben

[Bd. 2, Sp. 250]


böse zungen gibt. Lenz 1, 296; ich verschwieg nicht, wenn ich etwas abgeschmackt fand und man hatte immer von meinem bösen maule zu reden. Göthe 20, 23. in solchem sinne sagen wir ein böser hund, ein bissiger: böser dann ein wütender hund. Keisersb. s. d. m. 20a; überhaupt ein böses thier, böser wolf, oft auch ein böses weib. lasset uns sagen, ein böses thier habe in gefressen. 1 Mos. 37, 20; ich wil die bösen thier aus ewrem lande thun. 3 Mos. 26, 6; die Creter sind immer lügner, böse thier und faule bäuche. Tit. 1, 12 (goth. liugnjans, ubila biarja, vambôs latôs, gr. ψεῦσται, κακὰ θηρία, γαστέρες ἀργαί, vulg. mendaces, malae bestiae, ventres pigri). hier verdeutscht also Ulfilas ubila biarja, doch heute wäre übele thiere unstatthaft. und wenn ich böse thiere in das land bringen würde, die die leute aufreumeten. Ez. 14, 15; wurden durch die menge der bösen würme gemartert. weish. Sal. 16, 1. nicht anders heiszt der beiszende, versehrende pfeil, wie sonst bitter (πικρὸς ὀϊστός), der böse: wenn ich böse pfeil des hungers unter sie schieszen werde. Ez. 5, 16.
4) die bisher erörterten vorstellungen führen schon von sachen auf lebende wesen, thiere und menschen, wie auch die krankheiten und plagen personificiert werden, böse ist mordax, saevus, crudelis, rabidus, was unmittelbar dem litt. baisus entspricht, aber zugleich den begrif des sl. subst. bjes, bies vollkommen erreicht, wodurch der satan, kakodaemon, teufel, der böse feind oder geist bezeichnet wurde: des andern tags geriet der böse geist uber Saul. 1 Sam. 18, 10; aber der böse geist vom herrn kam uber Saul. 19, 9; der hös geist gibt im die ding in. Keisersb. s. d. m. 19a; owee vatter, sich (siehe) vil schwarzer mann! das waren moren und böse geist. 21a; ein fraw, die was besessen mit dem bösen geist. wenn man den vers raunet einem besesznen in das or, so wirt der bös geist bewegt z antwurten. 24a; da gieng erst der bös geist von der frawen. 24b; sie wollen kurzum im schif Noe nit pleiben, so ersaufen sie (mergantur) auszerhalb dem schif in aller bösen (d. i. geister) namen. bienenk. 13b; als ob die kindlin vom bösen feind besessen weren. 22c; unter den spielen verzeichnet Fischart no 484 'alle bösen', was wol auch heiszen soll alle bösen geister. dieselbe ellipse gilt noch heute:

und ich dacht, es kann der knabe
mit der schönen lichten gabe
wahrlich nicht der böse sein.
Göthe 1, 199;

welch entsetzliches getöse!
laszt uns, laszt uns alle fliehen,
oben flammt und saust der böse! 1, 235;

sieh, da flammt, da zieht der böse! 1, 236;

den bösen sind sie los, die bösen sind geblieben. 12, 128.

hierüber sind auch noch die mythol. 940—943 gesammelten benennungen nachzusehn. wie der böse hiesz der teufel früher auch der üble, der leidige, leide, unholde, ungeheure, alts. wrêtho, ags. vrâða = altn. reiði, der nie gutes rieth oder that, daher lett. ne labbais, der ungute und wir sagen es stinkt hier wie nichts gutes, stinkt teuflisch. wiederum war den Gothen zulässig mit ahma zu verbinden ubils: ahmanê ubilaizê. Luc. 7, 21. 8, 2, wo wir heute nur böser geist setzen, mhd. der ubel âtem. fundgr. 2, 18, was jetzt einen verderbten athem ausdrückt. böser geist ist böser wicht, bösewicht, mhd.

du bœser wiht ungehiure! Geo. 3508;

nhd. Markolf, du alter poser wicht! fastn. sp. 536, 25.


5) aus diesem wrêth, altn. reiðr, schw. dän. vred, zornig, zürnend, feind oder feindlich ergibt sich dieselbe subjective bedeutung auch für böse und wir fügen den dat. der person, oder die praep. auf, über hinzu. ein solcher gebrauch von böse läszt sich weder ahd. noch mhd. aufweisen, ist aber nhd. und nnl. so häufig und eingewurzelt, dasz er leicht der ursprüngliche sinn des worts gewesen sein kann. pôsi, bausis würde auf ein verbum biusan baus furere zurückgehn, woneben auch beisan, bais denkbar wäre, vgl. bîse boreas (1, 1398), bisen lascivire (2, 46), biswurm oestrus (2, 48) und anklang an beitan, bait mordere möglich, unmittelbare berührung mit lat. infensus, infestus, fostis = hostis, die ebenso den pers. dat. bei sich haben, glaublich. böse sein, böse werden ist succensere, irasci: du wirst gleich böse, du fährst auf; er ist sehr böse, er zürnt heftig; er thut böse, stellt sich zornig an; mache mich nicht erst böse, bring mich nicht auf; sie neckte ihn damit, Woldemar wurde nie böse. Woldemar 61; Schulz. nu nu, schwager nit gleich bös, nit gleich bös! Walter. ei was bös, das mädel soll singen. Fr. Müller 1, 244; da wurden die schneider

[Bd. 2, Sp. 251]


ganz bös uf in. Eulensp. cap. 50; er ist bös auf mich, bös über dich? du wärst bös über ihn? Göthe 57, 168;

du bist mir bös, Octavio?
Schiller 355b;

ich bin dir böse, wie ich bin dir feind, hostis, mhd. vîent, gevê, und umgekehrt, ich bin dir gut, geneigt, hold, mhd. ich bin dir wæge, ich bin dir holt (Tit. 77, 1); sie sind böse mit einander, haben sich erzürnt, überworfen. für alle diese böse können wir wieder nicht sagen übel, schlimm, schlecht, arg, weil in böse der stärkere begrif des zürnens und wütens enthalten ist. nnl. boos zijn, boos worden, op iemand. altn. vera, verða reiðr, doch auch illr, dän. väre, blive ond.
6) milder ist böse = schlecht, gering, verdorben, falsch, ganz objectiv genommen: und was fur ein land ist, darinnen sie wonen, obs gut oder böse sei. 4 Mos. 13, 20; ein böser, schlechter weg, boden; hier aber ist ein böser boden, kleine steine und kurzes gras, schnelles reiten ist unsicher. Göthe 15, 314; es ist gut wonen in diser stad, aber es ist böse wasser und das land unfruchtbar. 2 kön. 2, 19; böse luft, aria cattiva, auch schlechte luft; die bösen wetter, im bergwerk; böses wetter = schlechtes wetter, mauvais temps; kelte und böses gewitter. Schertlins br. 135; hierher böses blut, das wird böses blut machen, setzen (oben sp. 171). ein schädliche, böse wurzel. 1 Macc. 1, 11; böses korn; so will die spreuer allzeit oben schweben, und wann man das bös korn nit bald malet, so fliegets doch aus. bienenk. 35b; böses gras, böses kraut, altfranz. male herbe (woher der eigenname Malesherbes), sp. mala hierba; böse blume, böser Heinrich (oben sp. 178) im gegensatz zu der herba boni Henrici; böse frucht tragen; gute und böse feigen, das man sie nicht essen kan, so böse sind sie. Jer. 24, 2. 3; und wil mit inen umbgehen, wie mit den bösen feigen, da einem fur ekelt zu essen. 29, 17; böse speise; blanke und lautere weine sind nicht böse. Mülman 29;

pfeffer und sulz die warn nit bös.
H. Sachs I, 530d,

wie sonst nicht bitter, nicht übel. zumal oft von geringen, schlechten, schnöden kleidern, si (die bauern) trgen auch:

das nu lützel keiner tht
ein grabe kappen und ein bösen ht. fastn. sp. 440, 10;

und wer do gte kleider hat,
dem werden böse an die stat.
Uhland 613;

man schet dir aus das bösest hembdlin, das man findet, und legt es dir an, und brecht man ein gt hembd, so sprechen die erben, was wil man das gt hembd verderben und in grund zlegen und legt dir ein strouwens ringlin under das haubt und laszt dich anhin faren. Keisersb. wannenkr. 108c; gekleidet mit einem schwarzen bösen rocke und hatte einen bösen huet auf seinem heubte. L. Döner bei Luther 6, 333a; da man nu geessen hatte, da thet s. Johannes als er im gedacht hatte, und stal sich heimlichen von inen und legt böse kleider an, das man in nicht erkennet. legende bei Luther 6, 501b;

bawerleins ... mit bösen kleidern.
Alrerus 10b;

so zeucht es (das vollsaufen) gute kleider ab,
gibt hänfen schauben, böse schuh.
Ringwald laut. warh. 70 (67);

ein solcher frecher bruder nasz
bekömpt die leng ein ledig tasch,
geringe kleider und darzu
viel kleine vieh und böse schuh. 306 (299);

böse kleider bedürfen viel flickens, also auch böse händel viel schmückens. Ayrer proc. 3, 4;

sie werden allesammt durch letzten sturm zerreiszen
und wie ein alt gewand und böses kleid verschleiszen.
Fleming 24.

böse steine, unechte, falsche edelsteine, böses geld, würfel, karten und gewicht, falsches: das es nicht alles keiserstein seind, sunder vil böser stein und sünden. Keisersb. s. d. m. 30b; nim war, wie vil böser stein du darinnen erfinden werdest. 38a; in dem see zu Laich (Laach) findt man stein grün, gäl und rotfarbe gleich den bösen smaragden und hyacinthen. Münster kosmogr.;

phening vier und nit der bösen. ring 7c, 13;

ir seit all ungetreu einander,
und habt bös münz, das ist das ander,
und falsch richter und ungetreu amptleut. fastn. sp. 296, 12;

da behieltens pöser karten zwu
und trugen andre unter dem tisch zu,
das triben sie da mit mir an
als lang pis das mir gelts zuran. 757, 4;

[Bd. 2, Sp. 252]



wucher, kauf, pöses gewicht
ist nit mein minste zuversicht.
Schwarzenb. 137, 2;

wie der bös pfennig unter dem geld mit unter get, also ist Witzel im anfang auch evangelisch worden. Alberus wider Witzel F 6a; kaufleut, die nimmer bös gelt nemen. Fischart groszm. 53; und ferner hat er tausend jar ablasz verordnet, daran wird kein guter heller bös. bienenk. 212a; durchstreichen und für bös umgänge münz verwerfen. 37a; wenn denn i. f. gn. nach Prag fort musten, als bracht ich bei einem tuchmacher Griebel genannt i. f. gn. lauter böses geld als 40 rth. zu wege. Schweinichen 2, 11; ein böser thaler, adulterinus; heute schlechtes, falsches, auszer umlauf gesetztes geld. man sagt aber noch: er ist bekannt wie ein böser kreuzer = von allen gekannt, im schlimmen sinne; in Schwaben, er geht zu bösen häusern. Wagners handstreich 4, 29, gewöhnlich, in schlechte häuser. gedenk du habest vil böser stein in deinem kartenspil. Keisersb. s. d. m. 27b; die sieben bösen ins teufels carnöffelspiel. Fischart bienenk. 164a.
7) Stalder 1, 206. 207 führt auch für böse die bedeutung von fein, gelehrt, erfahren an, die sich aus der von schlau und listig leicht entfaltet: ein böser, ein feiner mann; ein böser, erfahrner schütz. ebenso hat Tobler 70b en bösa jeger, ein geschickter, treflicher; en bösa spiller, ein geschickter spieler.
8) nun werden sich auch die abstracten verwendungen erklären lassen. böse drückt sehr oft den gegensatz des guten oder nützlichen, frommen, das untaugende, nichtsnutze aus.
a) von leuten gebraucht, improbi: die augen des herrn schawen an allen orten, beide die bösen und fromen. spr. Sal. 15, 3; ein böser achtet auf böse meuler. 17, 4; erzürne dich nicht uber den bösen und eiver nicht uber die gottlosen, denn der böse hat nichts zu hoffen, und die leuchte der gottlosen wird verleschen. 24, 19. 20; hunde haben mich umbgeben und der bösen rotte hat sich umb mich gemacht. ps. 22, 17; das heiszt gemurmlet, so du beredest das kalt wetter, das du arm bist, das es dem bösen wol gat. Keisersb. s. d. m. 17a; und das es dem bösen menschen so wol gat und manigem schalk. 17b; errette mich herr von den bösen menschen. ps. 140, 2; ein frevel, böser mensch wird verjagt und gestürzt werden. 140, 12; ein böser mensch bringet böses her aus seinem bösen schatz (ahd. ubil man fon ubilemo tresowe bringit ubilu). Matth. 12, 35; aber die leute zu Sodom waren böse. 1 Mos 13, 13; und Ger war böse fur dem herrn. 38, 7; Ger aber, der erste son Juda, war böse fur dem herrn, darumb tödtet er in. 1 chron. 2, 3; was böse und lose leute waren. 1 Sam. 30, 22; o wie fro wolten wir sein, wenn er gleich alle bewme zu ruten machet uber die bösen kinder. Ez. 21, 10; sihe, da kamen die leute der stad, böse buben, und umbgaben das haus. richt. 19, 22; so gebt nur her die menner, die bösen buben. 20, 13; aber die söne Eli waren böse buben, die fragten nicht nach dem herrn. 1 Sam. 2, 12; da er z der statt kam, in deren bös knaben waren, die giengen im entgegen. Keisersb. s. d. m. 38b; du bist gefallen, wie man fur bösen buben felt. 2 Sam. 3, 34; mein kind, wenn dich die böse buben locken, so folge nicht. spr. Sal. 1, 10; war ists, kein bube ist so böse, wenn er in der kirche solchen vers singt oder sonst höret, er leszt sich dünken, er verstehe in uberaus wol. Luther 5, 45a; als Ovidius die bösen knaben leret, sie sollen den weibern vil verheiszen umb böser lieb willen und nüt halten. Keisersb. s. d. m. 64b; das thn die bösen (unartigen) kinder gern. 32b; so sich zimpt, das du deine kind magst mit ruten houwen und dem bösen knaben eins an den backen geben. 35b; und liesz im (dem Hiob) gott nummen ein bös weib. 13b; so man doch selten hört, dasz ein frommer vorfar böse nachfaren habe. Fischart bienenk. 14b; das gibt gemeiniglich böse eheleut, böse meister, hümpler und stümpler. Schuppius 8; juristen sind böse christen;

und eh vier wochen noch vergiengen,
war sein Johann fromm wie ein kind.
wie? liesz er ihn ins zuchthaus bringen?
ich dachte gar. warum nicht lieber auf den bau?
er wust ihn besser zu bezwingen,
er gab ihm eine böse frau.
Gellert 1, 235;

sehet auf die hunde, sehet auf die bösen arbeiter (goth. þans ubilans vaurstvjans). Philipp. 3, 2; bös reuter zu Venedig, bös mörleut im Turgöw. Fischart groszm. 135;

soll wie ein böser schuldner sitzen.
Göthe 12, 192.

die ältere sprache gestattete hier meistentheils übel statt unseres

[Bd. 2, Sp. 253]


böse, aber für böse buben können wir heute weder üble noch schlechte sagen, allenfalls schlimme buben, schlimme leute, ein schlimmes oder arges weib. ein schlechtes weib wäre etwas anders, ein sich schlecht aufführendes, während das böse weib eins von bösem gemüt ist. ein schlechtes weib, ein schlechter kerl sind sittlich verdorben, ein böses weib, ein böser kerl solche, vor denen man sich zu hüten hat, auf deren lebensart aber kein vorwurf fällt. in böse blickt das zornige, trotzige durch, das sich freilich mit frech, schlecht, frevelhaft berührt.
b) die allgemeinste vorstellung des bösen wie seines gegensatzes drücken wir nur durch das neutrum böse und gut, böses und gutes, ohne beigefügtes subst. aus. so neben thun, reden, sagen, denken, wissen, finden u. a. m. wo sich der gerechte keret von seiner gerechtigkeit und thut böses. Ez. 18, 24; sol man am sabbath gutes thun oder böses thun? (goth. skuldu ist in sabbatim þiuþ taujan aiþþau unþiuþ taujan? ἀγαθοποιῆσαι ἢ κακοποιῆσαι; vulg. bene facere an male?) Marc. 3, 4. Luc. 6, 9; ehe die kinder geboren waren und weder gutes noch böses gethan hatten (goth. tavidêdeina hva þiuþis aiþþau unþiuþis, μηδὲ πραξάντων τι ἀγαθὸν ἢ φαῦλον, vulg. aut aliquid egissent bonum aut malum. Röm. 9, 11;

daʒ ir im niemer mê getuot
enweder übel noch guot. Iw. 5006;

darumb können wir nichts wider dich reden, weder böses noch guts. 1 Mos. 24, 50; und der herr hat böses uber dich geredt. 1 kön. 22, 23. 2 chron. 18, 22; dein maul lessest du böses reden. ps. 50, 49; du redest lieber böses denn gutes. 52, 5; ir otterngezüchte, wie könnet ir gutes reden, dieweil ir böse seid? (ahd. barn natrôno, wie mugut ir guotu sprechan, mit thiu ir ubilê birut, wo der pl. guotiu dem gr. ἀγαθά, lat. bona entspricht). Matth. 12, 34; der klapperer sagt auch böses von eim. Keisersb. s. d. m. 46b; und gond dan von dir z einem andern und sagen demselben böses von dir. 35b; es möcht mir böses nachreden. 78a; alle dise menschen reden gts von einem in seiner gegenwertikeit, aber so einer von inen kümpt, so reden sie böses. 67b; fluchen ist nit anders weder eim böses sagen wünschlich. 38b; was gedenkent ir böses in euwerm herzen? 70b; da aber David merket, das Saul böses uber in gedacht. 1 Sam. 23, 9; lasz kein böses an dir gefunden werden dein lebenlang. 25, 28; wird aber böses an im funden, so sol er sterben. 1 kön. 1, 52; gedenke, son, das du dein gutes empfangen hast in deinem leben und Lazarus dagegen hat böses empfangen. Luc. 16, 25; hörest du was böses, das sage nicht nach. Sir. 19, 6; vergeltet niemand böses mit bösem (goth. ni ainummêhun ubil und ubilamma usgibandans). Röm. 12, 17; du meinst erlangen gts, so erlangest du böses. Keisersb. s. d. m. 34a; darumb wünschet er im böses. 38b; die kunstrichter haben vil böses davon gesagt. Lessing 7, 68;

dreihundert jahre sind vorbei,
werden auch nicht wieder kommen,
sie haben böses, frank und frei,
auch gutes mitgenommen.
Göthe 3, 289.

man sieht, die alte sprache setzte dem guten in diesem sinne entgegen das üble, wo wir heute sagen das böse; nur im gebet des herrn Matth. 6, 13 hielt Luther das kirchlich hergebrachte 'erlöse uns von dem übel' fest, goth. lausei uns af þamma ubilin, ahd. arlôsi unsih fona ubile, wo die reformierten beten: 'von dem bösen', was auch Luther hätte setzen müssen, wie er Matth. 5, 45 schreibt: lasset seine sonne aufgehen über die bösen und über die guten (ahd. ubar guotê inti ubar ubilê, goth. ana ubilans jah gôdans); 12, 35 ein böser mensch bringet böses her aus seinem bösen schatz (ahd. ubil man fon ubilemo tresowe bringit ubilu); 22, 35 brachten zusammen wen sie funden, böse und gute (ahd. ubilê inti guotê). schlimmes, arges, schlechtes thun oder reden wäre nicht mehr der reine gegensatz des guten, wie er in übles oder böses liegt, sondern empfienge die nebenbedeutung des verkehrten, lasterhaften, untaugenden. unflectiertes böse, übel, schlimm, schlecht müste an sich gestattet sein, kommt auch früher nicht selten vor, z. b. bös von den leuten sagen. Keisersb. s. d. m. 67b;

und wil es frischlich mit euch wagen,
ee das man pös von mir solt sagen. fastn. sp. 636, 22;

man meidet es aber heute, weil unter gut, übel, schlecht thun, reden adverbiales bene, male agere, loqui verstanden wird. beim verb. subst. oder bei nennen ist das praedicative adj. unverkennbar,

[Bd. 2, Sp. 254]


und steht dann, wie überall, ohne flexion: werdet wissen was gut oder böse ist. 1 Mos. 3, 5. 22; die meinung scheint nicht böse zu sein. Hoffmansw. st. Socr. 127, wofür doch gewöhnlich gilt, nicht übel; der gröszte theil des unheils und dessen, was man bös in der welt nennt, entsteht blosz, weil die menschen zu nachlässig sind ihre zwecke recht kennen zu lernen. Göthe 19, 339. Kaum gesagt zu werden braucht, dasz auch mit dem artikel das böse als subject stehen kann: wirfst dich hervor, wie das bös in der wannen. Frey garteng. cap. 56; wissen das bös und das gt = das böse, das gute. Keisersb. s. d. m. 12b;

dem guten fördernd meine hände reichte,
dem bösen wie dem übel widerstritt.
Göthe 9, 306.

Keisersb. setzt 'ein böses' für etwas böses: es ist nicht anders weder ein böses wünschen. s. d. m. 38b. bemerkenswerth sind die redensarten 'im bösen, nicht im bösen, in keinem bösen', wie 'im guten': er that es im bösen, in böser meinung oder absicht; ich sage dirs nicht im bösen, sondern im guten; es geschah im bösen, in keinem bösen:

das binden steht bei uns, gleichwie bei euch das lösen,
und gläubt, dis was wir thun, geschicht aus keinem bösen.
Fleming 55.


c) oft steht nun auch böse neben substantiven: das ist ein böses ding, eine böse sache, ein böser handel, böser brauch; den umständen nach gleichviel mit übel, schlimm, schlecht: ich neme mir keine böse sach fur. ps. 101, 3; wan einem böse ding ze handen gond, die er vorhin hatt gewüst, dieselben thnd im nit also we, als het er sie nit gewüst. Keisersb. s. d. m. 65a. in so allgemeinem ausdruck kann es bald nur eine schwierige, bedenkliche, misliche sache, bald eine ungerechte, verworfne, schlechte bezeichnen. wir sagen, in völlig gleichem sinn, eine böse, üble, schlechte gewohnheit ablegen. das geschieht nicht in böser, übler meinung, dasz ich dich offen tadle; dagegen ich habe eine schlechte = geringe meinung von der sache; sich rümen aus böser meinung. Keisersb. s. d. m. 56a; usz böser meinung. 27b. einen bösen rath geben heiszt einen bösgemeinten, verderblichen; einen schlechten rath geben, einen unbrauchbaren. böse gesellschaft = schlechte. eins sein in bösen dingen. Keisersb. s. d. m. 47a, in allem schlechten, bösen; Ipocras wurd einist gefragt von bösen, schamperen (schandbarn) dingen. da sprach er, antwurt z diser frag ist schweigen. 77b. böse worte sind schlechte, einem böse worte geben, einen hart und zornig anfahren; gab er mir etliche böse wort. Götz von Berl. lebensb. 83; böse, lästerliche wort darunter mischen. Keisersb. s. d. m. 51b; das du hinfür die alte sprach der bösen wort nit me brauchest. 89b; es ist nichts anders dann böse rede. 46a, üble nachrede, verleumdung. schlechte worte sind unbrauchbare, unnütze. ein böser grund, ein bösgemeinter, ein schlechter grund, ein nichts taugender, nichts beweisender. böser wille, böse absicht, böser vorsatz gehen darauf aus zu schaden; man sagt auch DWB schlechte absicht, nicht schlechter wille. böse list, dolus malus:

die gsellschaft auch versamlet ist,
on bösen list. Garg. 87b;

was kümmert dich
der böse schein bei der gerechten sache?
Schiller 420a;

eine böse that, maleficium, übelthat, missethat. unw. doct. 660; ebenso ein böses stück (was auch den übelthäter bezeichnen kann): wer sich nicht vollsaufen darf, hat entweder ein bös stuck gethan oder wils begehn. Garg. 101a; bösen lohn empfangen;

ja kamen beid umb leib und leben,
solch böser lohn ward in gegeben.
Alberus 17b;

eins bösen tods ersterben. Aimon X 1. ein böses spiel (foul play); ei, ei, herr baron, wie verzagt! sind sie ein weltmann und wissen nicht, dasz die ängstlichkeit des spielers ein böses spiel verräth? Gotter 3, 22. böses beispiel verdirbt gute sitten; ein böses gewissen; ein böses herz; böser geschmack was schlechter geschmack: in verhältnismäszig bösem geschmack ausgeziert und meubliert. Göthe 3, 81, dagegen heiszt es ein übler geschmack im munde; böse wege, was schlechte, schlimme, abführende; ein iglicher bekere sich von seinem bösen wege. Jonas 3, 8; böse tage, böse zeit und stunde: am guten tage sei guter dinge und den bösen tag nim auch fur gut. pred. Sal. 7, 15; gedenk an deinen schepfer in deiner jugent, ehe denn die bösen tage komen. 12, 1; so werden auch die menschen berückt zur bösen zeit. 12, 1; denn es ist eine böse zeit. Amos 5, 13;

[Bd. 2, Sp. 255]


ob etwan kämen böse tag.
H. Sachs I, 536a;

ihr same sei
als unsrer väter war, von dir gebenedeit,
und breche, wie vor (antea) sie, durch alle böse zeit.
Fleming 25;

damit sie für einen bösen und mühsamen tag ein guten abend bekommen. Schuppius 740;

in raschen jahren gehts wol an,
so um und um frei durch die welt zu streifen;
doch kömmt die böse zeit heran,
und sich als hagestolz allein zum grab zu schleifen,
das hat noch keinem wol gethan.
Göthe 12, 161;

entflöhe der gelegenheit, mich kühn
der hohen ahnen würdig zu beweisen,
und jeden, der mich ungerecht verletzt
in böser stunde hülfreich zu beschämen. 9, 380.

mhd. noch übel zît:

ich wæne ir swæren tac
und übele zît hinne tragt. Iw. 1740.

böse nachrichten, meldungen, botschaften, was üble, schlimme, schlechte; schon mhd.

dem brâhtes bœsiu mære. Iw. 1995;

ouch nâht im bœse mære. 3096;

alsô bœsiu mære. Nib. 960, 2;

eine böse nachricht über die andere traf ein; ich bringe böse neuigkeiten. böses, wie schlechtes, schlimmes ende: denn die ungerechten nemen ein böses ende. weish. Sal. 3, 19; die sache nimmt ein böses ende; die krankheit hat bösen verlauf; mhd.

diu gir nâch grôʒem guote vil bœseʒ ende gît. Nib. 1494, 2.


9) die ganze untersuchung von 1—7 ergibt, dasz, wie ein goth. bausis noch gar nicht aufzuweisen war, ahd. pôsi geringen umfang hatte und ihm upil weit überwog, mhd. bœse dem übel bereits gleichstand, nhd. böse die anwendung von übel noch mehr beschränkt hat und vorherschend geworden ist. diesem entspricht nicht ganz das verhältnis der steigerung, die goth. und ahd. anomal ergehend den comp. vairsiza, wirsiro, den superl. vairsist, wirsist bildete. mhd. erscheint neben wirser, wirsest oft schon bœser, bœsest, in schwacher form der bœste, gekürzt aus bœseste (wie der beste aus beʒʒeste). nhd. sind böser und böst, bösest im 16 jh. häufiger als heute, doch meidet sie Luther und setzt dafür erger, ergst, wie wir jetzt ärger, schlimmer, schlechter, der ärgste, schlimmste, schlechteste vorziehen, wovon unter diesen wörtern das nähere einzusehen ist. hier folgen belege für böser: so bistu böser dann ein jud. Keisersb. s. d. m. 20a; das thorecht dunken der menschen macht, das wir das böser erwölen. 26a; darumb ist schmeichlen böser dann eer abschneiden. 33a; ie mehr er schmeichlet, ie mehr er es verhönet und böser macht. 34b; und was ist er dann dester böser, das er frembd ist? 37b; besunder wan du etwas böses von eim sagst mit halben worten, das ist böser, dan so mans sagt mit ganzen worten. 45a; unreinikeit (des herzens), die böser ist, dan schlechte unkeuscheit. 53b; je böser mensch, je besser glück. Mathesius 38a; aber der Luther sei böser dann der bapst. Kirchhof wendunm. 465a; so sol er holen den mittelmeszigen wein, nit den besten, auch nit den bösten. weisth. 2, 168; diser wein ist nit der bösest, ist aller wein ein fürst. Garg. 242b; der allerböst under allen, pessimus. Maaler 74b;

das ist das böste alles bösen.
Ayrer 445b.

Da der beste und böste gegensatz bilden, musz man auf seiner hut sein, beide nicht zu vermengen, wie bei der schreibung böste für beste geschehen könnte, vgl. 1, 1659. 1660. böste für beste hat kurzen vocal, böste = mhd. bœste langen oder gedehnten. in der Schweiz unterscheidet man richtig einem zbest reda und zböst reda, etwas zu gunsten oder zu nachtheil eines sagen. man sagt auch sböst machen, schaden leiden, den schlimmsten theil davon tragen. Stalder 1, 207. Frisch wagt einmal böser noch weiter zu steigern in böserer, was dem mehrere, ahd. mêriro für mehre, ahd. mêro, goth. maiza gleicht: die andern nach der welt urtheil böser und vor gott schier böserer, betrugen damit also die leut. chron. 1531. 479b vielleicht öfter. Übrigens mahnt, wenn man will, auch pejor und pessimus, neben fensus und fostis, an die gesuchte dunkle wurzel unseres böse. vgl. bitterböse, bodenböse, erzböse, grundböse.
 
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böse, male, adv. ist schwer von dem adj. zu scheiden, dessen neutrum gleichfalls adverbial genommen werden kann. das mhd. adv. sollte eigentlich bôse lauten und vom adj. bœse

[Bd. 2, Sp. 256]


abstehn, wie schône, suoʒe, harte von schœne, süeʒe, herte; allein der unterschied verwischt sich oft; nhd. wäre auch im adv. nur böse, wie schön und süsz zu erwarten, da adv. und adj. gleichen vocal haben. beispiele des adv. wären: böse handeln, es böse mit einem meinen, einen böse anfahren, der teufel wird leicht geladen, aber böse fortgeschickt. neben dem verb. subst. steht das adj.: es ist böse sein wider einen könig, denn er hat lange arme; es ist böse haar abschneiden, wenn der kopf kahl ward. Der comp. adv. lautete goth. vairs, ahd. mhd. wirs, wofür nhd. nur in der volkssprache wirsch haftet; wir sagen ärger, schlimmer, übler, selten böser: der kranke hat sich heint schlimmer, schlechter befunden; es wird dir noch übler ausgelegt, als andern. Maaler 74b hat: die sach kan nit böser werden, ie lenger ie böser werden, doch beidemal ists adj.
 
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böse, f. malitia, corruptio, ein seltnes wort, wofür gewöhnlich bosheit gilt, ahd. bôsa, gegensatz der milde, aber auch im sinne von nugae (Graff 3, 216). die lenge und böse der weg. Frank weltb. 101a;

nun gute nacht, die böse (das unheil) musz ich leiden.
Hofmannswaldau geschichtreden 21;

schweiz. dböse schlodem usa, die bosheit schlägt bei ihm aus, wenn einem das gesicht, der mund ausschlägt. Tobler 70b.
 
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boseln, s. DWB bosseln.

 

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