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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
borkdach bis börnen (Bd. 2, Sp. 242 bis 244)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) borkdach, n. tectum cortice obductum: sang, wie die eichenwände der fünischen häuser im brande knatterten, die

[Bd. 2, Sp. 243]


borkdächer der häuser einstürzten. Dahlmann dän. gesch. 1, 123.
 
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borke, f. cortex arboris, rinde, weder ahd. noch mhd., zuerst bei Henisch 453, dann bei Stieler 166; altn. börkr m. schw. dän. engl. bark. scheint verwandt mit birke betula und kann dessen wurzel aufhellen, da die birkenrinde sich abschält und vielfach gebraucht wird; man sagt die borken reiszen, abschälen, von rinden die zur gerberei taugen. von der baumrinde wird bark und borke hernach, mit der vorstellung crusta auf andere rinden und häute übertragen, z. b. miolkurbörkr ist altn. crusta lactis, die haut auf der gekochten milch, hönum vôx börkr um hrygg, ihm wuchs borke auf dem rücken, er ist erwachsen, erstarkt. ein geschwür wird mit borke, schorf umzogen.
 
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borkenkäfer, m. dermestes typographus, piniperda, ein die rinde der fichte verheerender käfer, dessen frasz zeichen hervorbringt, die man gedruckter schrift vergleicht. franz. heiszt er typographe, nnl. letterzetter.
 
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borkirche, f. suggestus, ambo ecclesiae, der empor ragende stul der prediger oder zuhörer in der kirche oder auch der chor: die weiber zanken sich hart umb die löcher von der borkirchen, wie die nunnen herab sehende. Frank weltb. 163b; hetten si die recht warheit gewüst, wurden sich on zweifel anders gegen im gehalten und den armen Judas auf der borkirchen im gesungen haben. Frey garteng. cap. 90; was, stehen nicht die heilige palmesel gemeinlich auf der borkirchen oder auf dem höchsten gewelb? Garg. 134a; da geht das kirchlermen an, dasz die porkirche wackelt. Weise hauptverderber 36; gedenket doch, wie wir die neue borkirche lieszen bauen, so habe ich die verse dran gemacht. freim. redner 773. Adelung schreibt emporkirche und erklärt das von ihm unverstandne por oder bor in dieser und ähnlichen zusammensetzungen für gemein. vgl. DWB borbühne, DWB borlade, DWB borwisch.
 
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borkwurm, m. vermis ligniperda.
 
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borlade, f. valva portae superior, worauf hinrichtungen vorgenommen zu werden pflegten: wirt der behaft und vor gericht bracht, er were umb das leben uf gnade. man sol ime richten mit dem swert vor der porten uf einer (s. l.) borladen und christlich bestaden. weisth. 2, 226.
 
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born, m. fons, aqua, puteus, gen. borns, pl. börne, diese nd. form setzt schon sehr lange sich an unsere sprache an. zwar hat ein dem ags. und fries. burna gleiches burno in ahd. denkmälern sich nicht gezeigt, selbst der alts. Heliand gewährt nur brunno. doch aus dem 13. 14 jh. hat neben brunne Ben. 1, 269b schon burne aufzuführen, wie 1, 254b burnen für brinnen, brennen, denn brunne unter die wurzel brinnen zu setzen wagt er noch nicht. Veldeke und Herbort, auch gr. Rudolf und Athis liefern die umstellung burne nicht; aber die abschreiber tragen sie Freidank 114, 18, quecbrunne fragm. 18c, 267, burnadre litan. 293 bei Maszm. ein, Hoffm. ausg. fundgr. 2, 221 liest brunnâder. entschiedner heiszt es:

ein burne under im entspranc. pass. H. 258, 2;

in was ein burne ûf ergraben. 291, 18;

sô hin an den burnen komen. 370, 39;

du bist in guteme sinne
ûf einen burnen alda kumen. 371, 13;

des herzen burne wirt gefult. Mar. leg. 121, 56;

er vant durch nutzes bejac
ein hol und einen burnen gut. pass. K. 455, 13;

nirgends im reim (und worauf sollte burne reimen?), während dieser dichter (wie er im reim die mhd. vocale einhält) im reim nur brunne setzt, vgl. DWB brunnen: gerunnen. K. 3, 58; brunnen: sunnen. 226, 25. burne aus den mystikern belegt Pfeiffer s. 579b; auch Elisabeth Diut. 1, 465 zeigt:

alse ein burne wielen.
Mnl. galt borne:
hine at ander dinc, no smaecte
els, dan borne en brôt. Maerl. 3, 332;

hine at anders clene no grôt,
dan borne en gherstîn brôt. 4, 312,

asz nichts anders als wasser und brot;

ganc hen te gonen stene dan,
alder soutu borne vinden. Francisc. 3955;

al daer hi drinkende waert
van enen borne bider strate. 9875;

een fonteine springen dede,
die goeden soeten borne gaf. lekensp. 1, 114;

doe sendene sîn moeder daer
om borne met enen stope. 1, 143;

[Bd. 2, Sp. 244]



quam ên kint, dat so stac
Jesus stope, dat hi brac
ende dat (= dat de) borne storte neder. das.

zuweilen borre, wie berren für bernen, sterre für sterne:

dat ic minen mont mochte leggen
an haren borre entien gerinen. Limb. 11, 171.

aus diesem mnl. borne m. ist nnl. born f. geworden, neben welchem doch häufiger bron, gleichfalls weiblich gebraucht wird. nd. bleibt born männlich, gibt aber auch seine schwache flexion auf, z. b. bi deme born. Reinke 5782. im teutonista born.
Nhd. finden wir in einem deutschlat. hexameter bei Haupt 5, 416:

palus pfücz puteus, fons (brunne) burn tibi signat;

borne, brunne. Mones zeitschr. 3, 255 (a. 1391); Dasypodius setzt 78a fons ein flieszender brun oder burn, doch 309d nur brun; Maaler 80a brunn, gen. brunnens; Alberus born, brunn, flieszend born, rörborn, sawerborn, ziegborn (ziehbrunne), bornwasser, wie man bis auf heute in der Wetterau immer born, nie brunne, in Hessen und Thüringen beide hört. Henisch 456 born, burn, beuren (?), brunn- und bornkresse, bornschwengel, bornwurz. Stieler 252 brunn und born, mit dem schlechten pl. börner. Luther schwankt zwischen born und brunne, ja beide folgen dicht auf einander, z. b. spr. Sal. 5, 15. 16. 18, doch überwiegt ihm brunne, gleichsam als das reinere, edlere wort bei weitem, born steht in folgenden stellen: und kamen an den born Mispat. 1 Mos. 14, 7; dein born sei gesegnet. spr. Sal. 5, 18; ehe der eimer zuleche am born und das rad zubreche am born. pred. Sal. 12, 6; du bist ein verschlossen quelle, ein versiegelter born. hohel. 4, 12; wie ein born lebendiger wasser. 12, 15; heulen bei dem born Elim. Es. 15, 8; gleichwie ein born sein wasser quillet. Jer. 6, 7; du bist uns worden wie ein born, der nicht mehr quellen wil. 15, 18; ists nicht gnug, das ir so gute weide habt und so überflüssig, das irs mit füszen trettet, und so schöne börne zu trinken, so überflüssig, das ir drein trettet und sie trübe machet? Ez. 34, 18; einen frei offenen born haben wider die sünde und unreinigkeit. Zach. 31, 1; born, rörkasten, badstuben, brawhaus. Luther 3, 391; die börn und bäche vertrocknen und verseigen. tischr. 251a; dieweil die reichsten börne (salzbrunnen) in diesem lande an der Sahle sein. Mathesius 125a; aus diesem glauben, als aus einem lüstigen, springenden born flieszen dan viel schöner tugenden. Alberus wider Witzel C 7a; ein born des wassers, das in das ewig leben quillet. D 3a (aus Joh. 4, 14, wo bei Luther brunn); nun wil ich kurzumb auch bekand werden und solt ich gleich in ein born scheiszen (allgemeines ärgernis geben?). H 6b; brots und borns genug zum pflug bringen. weisth. 2, 249; wer in dem dorf sitzet oder wonet und des borns trinket. 2, 254; einen krog mit borne. 2, 305; wo ist der frischeste kwell? in allertiefsten börnern. Wiedemann oct. 39;

ihr hirten, solt auch jemand sein,
so reinen born käm suchen,
weist ihn gerad zur hütten mein
an jener grünen buchen,
alsbald ich ihm dann geben will
born über born zu nieszen,
so stündlich mir in aller still
von augen ab kommt flieszen.
Spee trutzn. 206 (188).

die bedeutungen von born sind heute ganz denen von brunne gleich, es drückt sowol die quelle, als die einfassung der quelle und den trank aus der quelle aus; doch klingt und born jetzt fast höher und dichterischer als brunne und wird seiner einsilbigkeit wegen im vers oft bequem:

ein holder born, in welchem ich bade,
ist überlieferung, ist gnade.
Göthe 2, 227;

so fliesze denn der holde born der gnaden. 9, 292;

nur dem ernst, den keine mühe bleichet,
rauscht der wahrheit tiefversteckter born.
Schiller 72b;

schöpferin aus vollem borne.
Rückert 46.

von der wurzel unter brunne. merkwürdig: der becker sol den born (brand, das backen) ansagen. weisth. 2, 167.
 
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bornbunge, f., bunge, die in brunnen wächst.
 
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borndeckel, m. puteal, brunnendeckel. Alberus.
 
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borndistel, f. centaurea benedicta.
 
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börnen , ardere und urere, brennen: bornen oder brennen, comburere, ardere, cremare. voc. 1482 e 1b; burnen succendere. voc. ex quo 1469.
1) intransitiv, börn ardeo. Alberus; da ligt es alles an, da börnt es, lieber bruder. Luther 3, 66; die teufel lassen

[Bd. 2, Sp. 245]


sich oft sehen mit leiblicher gestalt, wie die flammen am himel daher ziehen, in drachengestalt oder andern figuren, item in welden und bei dem wasser, da man sie sihet wie die böcke springen, oder börnen wie die wische, kriechen in die sümpfe und tümpel, das sie die leute erseufen. 5, 521b. wetterauisch, es bornt! es brennt! feuerruf.
2) transitiv, ich gehe schwarz einher und börnet mich doch die sonne nicht. Hiob 30, 28; als auch s. Augustin spricht, ah gott, börne hie, haue hie, schlag hie, und schone unser dort. Luther 1, 19b; daher auch das sprichwort kompt, so man von solchen entschüldigern spricht, ei wie weisz börnet er sich! ei börne dich nicht zu helle! 4, 533b; der destiliert, zeucht ab und börnt. Thurneisser archidoxa 51. vgl. bernen.

 

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