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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
borg bis borgschwein (Bd. 2, Sp. 240 bis 242)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) borg, m. porcus, was barch, barg (1, 1125. 1133). Henisch 453.
 
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borg, m. mutuum, ahd. unüberliefertes subst., das dennoch vorhanden gewesen sein kann, wie sich aus dem ags. on borh gesyllan, auf borg geben, folgern läszt; mhd. belege stehn bei Ben. 1, 164a. mit unrecht will Adelung das nhd. wort auf die

[Bd. 2, Sp. 241]


sprache des gemeinen lebens einschränken. vocab. 1482 e 1b hat: borg, das man leihet einem; Dasypodius 307c auf borg geben, in diem dare; Maaler 75a auf borg nemen, kaufen, accipere mutuo, auf borg geben, dare mutuum; kauf dings oder auf borg baumöl, und verkauf es wider um bar gelt, eme die caeca olivum, id vendito oculata die;

der ist me dann ein ander narr,
wer stäts uf nimbt uf borg und harr.
Brant narr. 25, 1;

wem wol ist mit nemen uf borg,
der hat zu bzalen ganz kein sorg. 25, 23;

entlihest vil auf borg und bitt.
H. Sachs I, 228c;

da ist kein gnad, noch borg noch beit. trag. Joh. h 8;

auf borg kaufen. Wickram rollw. 66b; ein hutkrämer wolt einem junkern nicht ein hut uf borg zu kauf geben. Lehmann 120; man soll nicht gerne zu borge nehmen. pers. baumg. 6, 5; Stieler 163 führt das wortspiel an: besser éin borch (schwein) ohne borg, als zwei borch mit borg. Frisch 1, 120b hat auf borg nehmen, geben und bekommen, man sagt auch, auf borg spielen, auf borg tragen: wenn ich das verlieren müste, was ich auf borgs auf dem leibe trage, so hätt ich allenfalls morgen nichts mehr zu verlieren. Schiller 109a; und was im wirtshaus? zuerst trinken, darnach spielen, endlich saufen, anfänglich um bares geld, zuletzt auf borgs. Hebel schatzk. 137 (1846 s. 269 zuletzt auf die kreide), welcher gen. aus èiner ellipse zu fassen ist: auf borgs recht oder weise (s. borgsweise). über die schuldknechtschaft, welche nicht aus borg entstand, werde ich im 2. theil reden. Niebuhr 1, 641. s. DWB borgen, DWB bürge.
 
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borgbrief, m. literae mutuum argentum petentes: alle seine freunde soll er mit borgbriefen in furcht setzen. Tieck 12, 211.
 
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borgel, börgel, m. portulaca: mangolt, lattich und börgel. badebuch 41a. s. DWB borzel.
 
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borgelblume, f. borago.
 
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borgelicht, f. luna lucem mutuans, das licht von der sonne borgend:

komm Föbe, tag der nacht, Diane, Borgeliecht!
Fleming 632 (628).


 
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borgelkraut, portulaca.
 
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borgen , mutuari, ein wort, das Benecke 1, 162 schwieriger darstellt als nöthig ist. es entspringt aus bergen condere, tueri (1, 1507. 1508), die vorstellung tueri tritt aber in consulere sibi, cavere sibi über und cavere gewinnt zumal den rechtlichen sinn securum facere, fidejubere, spondere. nicht anders bezeichnet unser borgen das zwischen gläubiger und schuldner entstehende wechselseitige obligationenverhältnis, wodurch beide theile sicher gestellt werden und borgen, wie leihen, drückt sowol mutuum sumere, accipere als auch mutuum dare aus. die zweideutigkeit hebt der zusammenhang, man kann sich aber auch der bestimmteren ausdrücke abborgen, erborgen, entleihen für mutuum sumere, ausborgen, ausleihen für dare bedienen, oder umschreiben durch auf borg nehmen, auf borg geben.
Das ahd. porakên, porgên (Graff 3, 176) erscheint nur im sinne von cavere, parcere, spondere, nicht auf mutuum oder commodatum bezogen, wofür lîhan, antlîhan, farlîhan (Graff 2, 122. 123) goth. leihvan galt. mhd. borgen behauptet noch die bedeutung von tueri, warten, fristen, schonen, hat aber bereits sehr oft die von mutuum accipere und dare; beides wird bei Ben. 1, 162. 163 belegt, nur dasz er die beispiele des schonens und harrens nicht hinter die des leihens hätte stellen und daraus herführen sollen. nhd. herscht ganz der begrif des leihens, doch so, dasz zwischen beiden wörtern noch ein unterschied besteht. borgen geht nur auf bewegliche sachen, nicht auf liegende, man sagt ein gut leihen (wie ja lehen, feudum von leihen herstammt), einen acker, ein haus leihen, nicht borgen; dagegen ist geld, ein kleid, pferd leihen einerlei mit borgen. doch entfaltet sich für borgen der nebensinn des unbezahlt bleibens und nichtbezahlens, während an leihen die vorstellung des wiedererstattens haftet, insofern also leihen, entleihen, lehnen edler ist als borgen: er musz alles borgen, kann nicht dafür zahlen; er borgt geld auf geld und denkt nicht daran zu bezahlen, spart die bezahlung, wartet mit der zahlung, was an jenes alte borgen = warten, harren erinnert, wie sich auch die substantive borg und harr, borg und beit verbanden.
1) borgen, mutuum dare, δανείζειν, mit dem dat. der person, oft für hergeben, zuweilen noch für sparen:

[Bd. 2, Sp. 242]


mich reut, das ich im als lang han porgt. fastn. sp. 322, 13;

wenn einer seinem nehesten etwas borget, der sols im erlassen und sols nicht einmanen. 5 Mos. 15, 2; wenn du deinem nehesten irgend eine schuld borgst, so soltu nicht in sein haus gehen und im ein pfand nemen. 24, 10; sondern du solt hauszen stehen und er, dem du borgest, sol sein pfand zu dir eraus bringen. 24, 11; es musz ein schlechter wirt sein, der éiner zech nicht zu borgen hat. weise, kluge reden 61a;

bringt man den müden leib, die wundenvollen glieder,
den halb zerstückten kopf und brust nach hofe wieder,
so schaut er (Leo) uns als die, so ihm geborget, an.
Gryphius 1, 15;

weil die nacht uns unsre sorgen
wolte bis auf heute borgen,
soll man heute billich dran
abbezahlen was man kan.
Logau 2, 4, 56;

doch wirst du mir den rechten dank
bis in den himmel borgen.
Günther 25;

nu nu, geborgt ist nicht geschenkt. Lessing 2, 408 (sonst, lang geborgt ist nicht geschenkt. Simrock 1211);

hätte mir
ein holders schicksal diese wunden bis
zur letzten tödlichen geborgt (aufgespart). 2, 511;

die gerechtigkeit soll meiner wuth ihre arme borgen. Schiller 194;

nicht Thetis, der Erinnen eine hätte
das leben mir gegeben, wenn ich mich
des königs mordbegier zum werkzeug borgte. 226b;

darf meine bruderliebe
sich zur verkürzung meines bruders borgen? 278a;

kann sich, verzeihen sie mir diesen zweifel,
ihr edler stolz zu diesem amte borgen? 282a.

wolltest du mir nicht borgen? ich borge nicht, gebe nicht auf credit.
2) borgen, mutuum sumere, mutuari, δανείζεσθαι, von, bei einem: so wirstu vielen völkern leihen und du wirst von niemand borgen. 5 Mos. 15, 6; der gottlose borget und bezalet nicht. ps. 37, 21; wer borget, ist des leheners knecht. spr. Sal. 22, 7, was im sprichwort lautet: Borghart ist Lehnharts knecht; mancher meinet, es sei gefunden was er borget. Sir. 29, 4;

in Pegu borgt man weiber um ein gewisses pfand,
wie mancher wüntschte borgen auch her in unser land.
Logau 3, 8, 60;

borgen thut nur einmal wol; borgen und jucken thut eine weile wol;

wer will borgen, der komme morgen;
besser betteln als borgen.
Göthe 4, 331;

er borgt bei allen leuten; er borgt auf eines andern namen; ein geborgter meister heiszt ein obermeister, den sich die handwerker auf kurze zeit wählen; in diesen tagen kehrte ein reisender bei uns ein, wahrscheinlich unter geborgtem namen. Göthe 23, 177; der teufel, dessen füsze vom pferde borgen. J. P. grönl. proc. 1, 102; die schuld borgender jahre fordert irgend ein letzter martertag unbarmherzig ein. dämm. 17.
3) borgen macht sorgen. Lehmann 122, geht auf beide bedeutungen, da gläubiger und schuldner um das geld besorgt sind. es heiszt auch, borgen macht sorgen, wiedergeben macht sauersehen.
 
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borger, m. kann sowol den auf borg gebenden als nehmenden bezeichnen. Luther setzt es vom letzteren, leiher vom ersteren: und gehet dem verkeufer wie dem keufer, dem leiher wie dem borger, dem manenden wie dem schüldiger. Es. 24, 2. so auch im sprichwort: der borger musz auf den zahler denken. vocab. 1482 z 4b, hingegen: porger oder leiher, creditor; ein borger und wucherer ist erger denn ein dieb. Agricola spr. no 226.
 
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borgsbeutel, m. was läszt sich nicht in Hamburg reden, sonderlich wann man in den borgsbeutel geraten ist? Schuppius 648. vgl. DWB bocksbeutel.
 
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borgschwein, n. siehe barch, borg, porcus.

 

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