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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ach bis achselband (Bd. 1, Sp. 162 bis 164)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ach, n., schwer zu sagen, ob die substantivisch gesetzte interjection, oder ein ihr voraus gegangnes subst., wofür das ags. ace, ece dolor zu reden scheint:

gott lebt und hört dein ach.
Gellert 1, 212;

und der erhielt ein freudig ach. 1, 217;

ein banges ach. Lessing 1, 94; sie antwortete mit einem ach; ich vergesse nicht den klang dieses aches;

sag es mit einem durchdringenden ach, das meinem ach gleichet.
Klopst. 1, 22;

sie rühret noch kein ach und kein verliebtes flehen.
Zachariä 1, 104;

hier fliegt manch feurig o, und manch betraurend ach. 1, 119;

mit manchem süszen ach,
das ihr im busen zu ersticken unmöglich ist.
Wieland 9, 97;

um die mädchen an der Seine strande
winselt er ein falsches ach.
Schiller 1, 87;

seele haucht sie in das ach
klagenreicher nachtigallen. 1, 117;

und seufzet leise manches ach.
Göthe 1, 192;

seines jagdhorns liebeweckend ach.
Rückert 43;

sie klagte mir mit einem leisen ache. 184;

manches entzücken und manches ach.
Platen 84;

es scheint ein langes, ewges ach zu wohnen
in diesen lüften. 97;

das ach der sehnsucht. 106;

rings erklang der nachtigallen ach. 284.

häufig mit weh und krach verbunden: haben vieler Christen herzen mit ach und we erfahren. Kirchhof wendunm. 372b;

da hörte man sich bald — ihren frewdenklang
in ach und weh verkehren.
Weckherlin 70;

ach und weh ist mein gesang. 405;

jetzt trotzt er ihrem ach und weh.
Gotter 1, 34;

das ach und weh der creatur
hat laut dich vor gericht gefodert.
Bürger 71b;

half ihm kein weh und ach.
Göthe 1, 17;

es ist ihr ewig weh und ach
so tausendfach
aus einem punkte zu kurieren. 12, 99;

wie die falschen propheten, deren ach und krach ist, das si vilen gefallen. Frank weltb. 39a; also ist der knecht ach und krach nichts anders dann der herren hend zu entfliehen; seitemal aber die sünd allein ein arger will und widerwill ist wider gott, und nichts dann ein ach und krach, wider gott zu thun. Frank parad. 23b; sonder er ir (der mensch der creaturen) knecht, allein in musz dienen, mit ach und krach überkommen, mit angst und weh bewaren. 122b. noch heute, etwas mit ach und krach verrichten, unter seufzen und wehklagen.
 
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ach, ausgang mancher orts und flusznamen, wie Altach, Kronach, Biberach, Schwarzach, Wertach u. s. w. aus dem alten aha lat. aqua, goth. ahva entsprungen und oft in ich verdünnt: Biberich, Lussenich, Sinzich. s. DWB aa.
 
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achel, f. festuca, palea:

die bien hat ihren stachel,
die ähre spitzt die achel.
Voss 5, 97.

eigentlich drücken aber ähre und achel dasselbe aus, vgl. ahd. ahir, ahil spica, arista (Graff 1, 134b); agana acus, arista, festuca (1, 132) und man musz achel für die spitze der ähre nehmen. s. DWB agen, DWB ähre und DWB angel.
 
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acheln, edere, ein undeutsches, aus der jüdischen und gaunersprache entnommnes wort: wann sie den Hans von Geller (das grobe brot) nicht acheln mögen. Fischart groszm. 50.
 
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achen, ejulare, plangere, mhd. achen. Ben. 1, 6a; seufzen und achen. H. Sachs II. 1, 27c;

auch ich war krank in ihr,
in ihr hab ich geachet.
Fleming 618;

andere (kranke) kriechen mit achen und krachen an stecken den weg mehr dann sie gehen. Kirchhof mil. disc. 119. sich achen. Hadamar 494, 5. s. DWB abachen.

[Bd. 1, Sp. 163]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ächen, dasselbe. mit achtzen und echen. H. Sachs 5, 390b.
 
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achs, zuweilen geschrieben für acks, ackes, axt, was man sehe.
 
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achse, f. axis. ahd. ahsa, mhd. ahse, ags. eax, gr. ἄξων, skr. aka rota, litt. aszis, lett. asz, poln. oś, böhm. os, schw. dän. axel, alle von der wurzel agere, altn. aka, fahren, umdrehen. die waaren auf der achse kommen lassen; ihr güter auf der achs wolten lassen gehen. Wickram rollw. 44; sich ruhig um seine achse herum drehen. Wieland 13, 239; er war einmal auf seiner achse, alles, was er that, nahm eine leidenschaftliche gestalt an. Schiller 744; dasz hier die achse der ganzen kunstkentnis befestigt sei. Göthe 37, 37; in dem dombild zu Köln —, wie es denn überhaupt als die achse der niederrheinischen kunstgeschichte angesehen werden kann. 43, 414; wir nannten das dombild die achse, worauf sich die ältere niederländische kunst in die neue dreht. 43, 416; weil wir uns zunächst an der achse befinden, um welche sich der ganze streit umdreht. 59, 80. Begreiflich aber wird es auch mit dem folgenden achsel und mit uchse verwechselt:

das er (das kamel) so hoch ist auferwachsen
und tregt ein sattel auf der achsen.
B. Waldis Esop 1, 93;

die zitzen lumpten wie die fleck,
die achsen stunken wie ein dreck. froschmeus. II. 4, 4.


 
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achsel, f. axilla, fortbildung des vorigen, die stelle, wo sich der oberarm an der schulter (goth. amsa, lat. umerus, humerus, gr. ὦμος) dreht, ahd. ahsala, mhd. ahsel, ags. eaxl, altn. öxl, schw. dän. axel. von diesem wort sind alte und lebendige redensarten entnommen. quer über die achsel schauen und ansehn, geringschätzig, höhnend und stolz blicken, das homerische ὑπόδρα ἰδών, spätere ὑποδράξ,

mit smielindem munde si über ahsel sach. Nib. 423, 2;

dô blicte über ahsel Dancwart der degen. 1874, 2;

die freunde selbst zurinnen
und schielen seitenwerts uns über achsel an.
A. Gryphius 1, 280;

meinte, wer geringer oder unglücklicher wäre als ich, den dürfte ich nicht einmal über die achsel ansehen. Weise kl. leute 159; that er nichts dargegen als dasz er eine gnädige miene über achsel schieszen liesz. erzn. 222; manche jungfer steht sich selbst im lichten, die oft einen ehrlichen handwerksmann, der sie in allen ehren meinet, über achsel sieht. 323; schlims und über die achseln ansehn. Keisersb. brosaml. 80a; sah mich treflich über die achsel an. Felsenb. 1, 47; auch mein bruder sahe mich scheel und sauer über die achsel an. 4, 56; ich sähe sie nicht über die achsel an. Lessing 2, 412; wenn der, welcher dieses und jenes vereinigt, den wirklichen philosophischen untersucher über die achseln ansieht, weil dieser seines gleichen nicht ist. Klopst. 12, 136; wobei ich denn in meinem übermut wirtin und gesinde kaum über die achsel ansah. Göthe 23, 73; durchdrungen von den hohen ereignissen des eben erlebten sah ich unwillkürlich die menschheit über die achsel an. Bettine tageb. 85. man sagt auch einen über die achsel abfertigen, empfangen: da hat man mich uber die achsel enpfangen. fastn. sp. 321, 25. auf beiden achseln tragen gilt von zweideutigen, falschen, schmeichelnden: aber christlich leben ist nicht priscillianisch, das den baum also auf beiden achseln trage, sondern einfeltig, schlecht und recht. Luther 3, 400b; ich achte aber, euer früchtlin und kreutlin zu Halle hat nu ausgeheuchelt und lange gnug den baum auf beiden achseln getragen, wird nu seiner nesselart sich fleiszigen, das frömichen. Luther 6, 115b. br. 4, 503; schmeichler tragen wasser auf beiden achseln. Pauli schimpf 13a. es auf die leichte achsel nehmen, sich schweres leicht vorstellen: er aber nahm es auf die leichte achsel. Simplic. 1, 189; so war mein seliger mann nicht, er nahm nichts auf die leichte achsel. Gellert 3, 149; gut, sagte er, dasz du es auf die leichte achsel nimmst. Göthe 16, 105. der alles, was ihm begegnet, auf die leichte achsel nimmt. Kant 10, 320; der schreibende dulder nahm mancherlei auf die leichte achsel. J. Paul Siebenk. 2, 6. nam in einer bei der achsel. Luther 3, 418b. etwas auf die achsel, auf seine schulter nehmen, sich damit beladen. so wollte ichs auf meine achseln nehmen. Hiob 31, 36. die achseln zucken, einziehen, unangenehmes sich gefallen lassen, nicht weiter sich dawider sträuben dürfen, nicht helfen können: der wirt zog die achsel ein. Weise erzn. 247; sie zogen die achsel ein und hätten gern recht behalten. kl. leute 165. schwören bis an die achsel, bis auf einen

[Bd. 1, Sp. 164]


gewissen punct, nicht rein aus schwören: so schwere bisz gar hinden an die achsel. Ayrer proc. 1, 11. mit einem über die achsel sein, gespannt, so dasz man sich nicht offen, nur von der seite anblickt: darum denn die schwiegermutter mit mir über eine achsel war. Schweinichen 2, 153.
 
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achselader, f. vena axillaris.
 
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achselband, n. épaulette, binde, nnl. schouderband, bandschleife auf der schulter, auf die manigfaltigste weise geordnet, ein uralter schmuck.