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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abwendig bis abwesen (Bd. 1, Sp. 151 bis 153)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abwendig, abalienatus, abkehrig, abspenstig, abtrünnig: abwendig werden, abwendig machen; laszt euch kein ding darvon machen abwendig. H. Sachs 1, 237d; was soll ich von den empfindlichen und abwendigen gemüthern sagen? Günther vorr. s. 25; seinen ersten entschlusz wegen der compagnie durchzusetzen und sich von niemand abwendig machen zu lassen. Schiller 1094; einem die frau, den diener abwendig machen.
 
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abwendung, f. aversio, depulsio, abalienatio: die abwendung meines herzens von aller freude; die abwendung der gefahr, des unglücks.
 
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abwenken, deflectere, recedere, ahd. irwenchan, mhd. entwenken. Freid. 65, 21;

ir lieben sön,
von allem ubel thut abwenken.
H. Sachs II. 1, 3a;

[Bd. 1, Sp. 152]



vom glawben vil abwenken
an tewflisch leer sich henken.
Soltau 270.

heute abwanken, ahd. wanchôn.
 
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abwerf, n., nicht im sinn des ahd. âweraf abjectio, abortio (Graff 1, 1039), sondern, es scheint, eines entwurfs, bilds, imago: so ist zu erkennen, dasz in dem schnitzwerk des mysterii magni mancherlei abwerfen gewesen seind, etlichs in fleisch und das in wunderbarlich viel gestalt und form, etlichs in meerwunder mit vielerlei form und ansichtung, etliche zu kreutern, etlichs zu holz, etlichs in stein und metallen. Paracelsus 2, 2c.
 
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abwerfen, dejicere (von etwas anderm), abjicere (von sich), nnl. afwerpen, edler als abschmeiszen. äpfel, birnen, nüsse vom baum abwerfen; das pferd wirft den reiter vom rücken ab; den sattel (vom pferde) abwerfen; das joch (vom halse) abwerfen, ahd. werfen aba uns iro joh. N. ps. 2, 3; einer bildseule den arm abwerfen; der wind hat das dach (vom haus) abgeworfen; die brücke hinter sich (vom flusse) abwerfen: Falkenberg hatte die besatzungen zurück gezogen und die Elbbrücke abwerfen lassen. Schiller 928; das kleid von sich abwerfen: geschwind warf er den schlafrock ab. Göthe 18, 307. wo ein doppelter acc. dabei steht, ist das ab noch los: warf er ihn die stiegen ab. H. Sachs II. 4, 87c; einen den berg ab (hinab) werfen; man warf dich Veit die stiegen ab. Logau 3, 4, 77. einigemal kann in geläufiger redensart der acc. wegbleiben: weidmännisch, der hirsch hat abgeworfen (sein gehörn); die hündin, wölfin hat abgeworfen (junge), wofür auch blosz geworfen. Figürlich, leid, kummer, sorge von sich abwerfen;

jetzt ist es hohe zeit,
dasz du ihr gnädig seist
und werfest ab ihr leid.
Fleming 23;

der wein ist genug ausgerufen, man wöll ihn denn gar über die canzel abwerfen (verkündigen). Fischart Garg. cap. 8, 102b. abwerfen, ertragen, einbringen scheint von dem baum hergenommen, der seinem eigenthümer jährlich früchte trägt und niederwirft: der ölbaum seine blüt abwirft. Hiob 15, 33; wie ein feigenbaum abwirft (mittit grossos suos) apoc. 6, 13; ein gut das viel abwirft, uberrimi proventus; was jetzo die güter abwerfen. Weise erzn. 94; meine dienste hätten mir schon so viel abwerfen sollen. Lessing 1, 364; so viel wirft der dienst nicht ab; dreiszig bis vierzig tausend drachmen abwerfen würde. Wieland 20, 247; magern lohn abwerfen. Klinger 9, 201; auch wissen sie, dasz die erfüllung der gebote gottes uns ein ruhiges gewissen abwirft. 11, 229; er glich langsam aufsteigenden gebirgen, die stets mehr ausbeute abwerfen als schnell aufstehende. J. Paul Tit. 1, 163. sich abwerfen, sich empören, abfallen: als die unterthanen am Bodensee sich von ihren herrn, junkhern und obern abgeworfen. Luther 3, 104. sich abwerfen mit einem, für überwerfen, entzweien gebraucht zumal Wieland: seine leidenschaft vergnügen, ohne sich mit den gesetzen abzuwerfen. 1, 170; eine frage, ob du so wol gethan hast, dich um einer an sich wenig bedeutenden ursache willen mit Dionysen abzuwerfen. 3, 112; indessen wirft man sich doch nicht gern mit solchen leuten ab. 14, 248; ohne sich selbst dabei mit der justiz abzuwerfen. 19, 184. ist es von knaben entnommen, die sich mit schneebällen abwerfen, und im handgemenge sind?
 
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abwerk, n. stuppa, ahd. âwirchi (Graff 1, 964), was beim werk, beim wirken abgesondert wird, ähnlich dem andern ahd. ausdruck âsuinga quisquiliae, was abgeschwungen, âchampi, was abgekämmt. unser heutiges, mit werk opus selbst schädlich vermischtes werk ist, wie Schmeller 4, 139 richtig findet, aus aphaeresis des vorstehenden â oder ab entsprungen, und wol erst seit dem 16 jh. durchgeführt. das vocab. von 1482 setzt werk von flachs oder abwerch, und Pictorius werch und abwerch als gleichbedeutend nebeneinander, noch heute in Schwaben abwerk. vil alte lumpen, grob abwerk, alte seiler. Fronsp. kriegsb. 1, 121a. s. DWB werk.
 
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abwerken, stuppeus, ahd. âwirchîn, mhd. âwirkîn, bair. äwerken, ewerken (Schm. 4, 139), schwäb. abwerken (Schmid 7), zu Ulm früher ebwürkin (Jäger 616).
 
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abwerken, operari, opus absolvere, abarbeiten. sich abwerken, sich abmühen, schweiz. abwercha. Tobler 13b.
 
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abwerthen, taxare, abschätzen, von einigen neueren schriftstellern gebraucht. s. verwerthen.
 
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abwesen, abesse, aus dem substantivisch gesetzten inf abwesen und dem part. praes. abwesend zu folgern; auch

[Bd. 1, Sp. 153]


wagte Melissus in den psalmen M 1a noch: do dein antlitz gewend abwas = abgewendet war, gewendet war und fehlte. ab war würde heute bedeuten los war, nicht abwesend war. s. DWB absein.
 
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abwesen, n. absentia. in unserm abwesen. landfr. von 1522; im abwesen 2 Cor. 10, 1: 11 (Ulf. aljar visands); in abwesen seiner person. Luth. 3, 403b; lügen ist gar gerne im finstern und abwesen der warheit. 3, 441; im abwesen des geistes oder der gnaden. 1, 411a; wenn er von einem andern redet in seinem abwesen. 4, 68; wie es umb eine herd schafe stehet, wenn der wolf in des hirten abwesen unter sie komen ist. 4, 235b; hab ich doch nit lassen mögen mein leiblich abwesen zu entschüldigen. 5, 14a; in abwesen eines andern herren. Paracelsus 2, 76c; in seim abwesen. Fischart Garg. 69a; in abwesen des hauptmanns. Reutter kriegsordn. 2; in seinem abwesen. Pauli schimpf 61b; in abwesen und ohn vorwissen eines fürsten. Kirchhof wendunm. 49b; in des herzogen abwesen. Galmy 84; in deinem abwesen. das. 91. Würtz wundarzn. 224; in seinem abwesen. Agricola 247b; in abwesen seines herrn erkennt man den knecht. das. 209b; in abwesen keiser Heinrichs. Zinkgref 28, 7. 72, 17; in eurm abwesen. Ayrer 360a; des abwesens gift. Weckherlin 517; des abwesens schmerz. 771;

ach herzlieb, wan mich dein abwesen
nicht lasset ferr von dir genesen. 579;

in meinem abwesen. Opitz poeterei 25; vom abwesen seiner liebsten. 2, 154; in derselben abwesen an ihren ohmen übergeben. Fleming 54; in gegenwart oder abwesen. Philand. 1, 628; unter der zeit seines abwesens. irrgarten 95; bei gelegenheit des abwesens. Felsenb. 4, 445; bei seines vaters abwesen. Hahn 1, 187; bei Ottonis abwesen. 4, 120; bei dessen langem abwesen. 4, 186. später und heute entschieden durch abwesenheit verdrängt, während sich anwesen neben anwesenheit etwas länger behauptete.