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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abwelle bis abwerken (Bd. 1, Sp. 151 bis 152)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abwelle, f. semicanalis, in quo axis cylindri movetur, pfanne, worin der zapfe der welle, des wellbaums der mühle läuft.
 
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abwendbar, quod averti potest.
 
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abwenden, avertere, depellere. sinnlich, gleichviel mit abkehren, wie wenden mit kehren, umwenden mit umkehren: haupt, augen, blick, gesicht von einem abwenden; das auge von der erde zum himmel abwenden; abgewandtes blicks, mit abgewandten augen reden; die hände von einem abwenden; das pferd, den wagen vom wege, das schif vom lande abwenden; einen schlag, streich, stosz, hieb vom leibe abwenden, abhalten. figürlich, das herz, gemüt, den sinn von etwas abwenden, den feind, den krieg abwenden; ein kind vom vater, das volk von gott abwenden, ableiten, verführen:

ihr habt den menschen (Jesus) zu mir (Pilatus) bracht,
als einen der das volk abwandt,
sein unschuld aber ist erkant.
A. Gryphius 2, 222;

auch lieb und leid umb zeitlich hab
von rechter pusz mich wendet ab.
Schwarzenberg 114, 1.

je mehr die vorstellung des aufhaltens, verhinderns überwiegt, desto weniger kann abwenden mit abkehren tauschen und dann bleibt auch das, wovon abgewendet wird, unausgedrückt: das wolle gott gnädig abwenden; schaden und gefahr abwenden, das unheil ist abgewandt worden. für einen von etwas, von seinem vorhaben abwenden sagte man ahd. einan es irwentan. sich abwenden, sich abkehren.
 
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abwender, m. seductor: der seines volks ist abwender. H. Sachs II. 1, 58a.
 
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abwendig, abalienatus, abkehrig, abspenstig, abtrünnig: abwendig werden, abwendig machen; laszt euch kein ding darvon machen abwendig. H. Sachs 1, 237d; was soll ich von den empfindlichen und abwendigen gemüthern sagen? Günther vorr. s. 25; seinen ersten entschlusz wegen der compagnie durchzusetzen und sich von niemand abwendig machen zu lassen. Schiller 1094; einem die frau, den diener abwendig machen.
 
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abwendung, f. aversio, depulsio, abalienatio: die abwendung meines herzens von aller freude; die abwendung der gefahr, des unglücks.
 
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abwenken, deflectere, recedere, ahd. irwenchan, mhd. entwenken. Freid. 65, 21;

ir lieben sön,
von allem ubel thut abwenken.
H. Sachs II. 1, 3a;

[Bd. 1, Sp. 152]



vom glawben vil abwenken
an tewflisch leer sich henken.
Soltau 270.

heute abwanken, ahd. wanchôn.
 
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abwerf, n., nicht im sinn des ahd. âweraf abjectio, abortio (Graff 1, 1039), sondern, es scheint, eines entwurfs, bilds, imago: so ist zu erkennen, dasz in dem schnitzwerk des mysterii magni mancherlei abwerfen gewesen seind, etlichs in fleisch und das in wunderbarlich viel gestalt und form, etlichs in meerwunder mit vielerlei form und ansichtung, etliche zu kreutern, etlichs zu holz, etlichs in stein und metallen. Paracelsus 2, 2c.
 
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abwerfen, dejicere (von etwas anderm), abjicere (von sich), nnl. afwerpen, edler als abschmeiszen. äpfel, birnen, nüsse vom baum abwerfen; das pferd wirft den reiter vom rücken ab; den sattel (vom pferde) abwerfen; das joch (vom halse) abwerfen, ahd. werfen aba uns iro joh. N. ps. 2, 3; einer bildseule den arm abwerfen; der wind hat das dach (vom haus) abgeworfen; die brücke hinter sich (vom flusse) abwerfen: Falkenberg hatte die besatzungen zurück gezogen und die Elbbrücke abwerfen lassen. Schiller 928; das kleid von sich abwerfen: geschwind warf er den schlafrock ab. Göthe 18, 307. wo ein doppelter acc. dabei steht, ist das ab noch los: warf er ihn die stiegen ab. H. Sachs II. 4, 87c; einen den berg ab (hinab) werfen; man warf dich Veit die stiegen ab. Logau 3, 4, 77. einigemal kann in geläufiger redensart der acc. wegbleiben: weidmännisch, der hirsch hat abgeworfen (sein gehörn); die hündin, wölfin hat abgeworfen (junge), wofür auch blosz geworfen. Figürlich, leid, kummer, sorge von sich abwerfen;

jetzt ist es hohe zeit,
dasz du ihr gnädig seist
und werfest ab ihr leid.
Fleming 23;

der wein ist genug ausgerufen, man wöll ihn denn gar über die canzel abwerfen (verkündigen). Fischart Garg. cap. 8, 102b. abwerfen, ertragen, einbringen scheint von dem baum hergenommen, der seinem eigenthümer jährlich früchte trägt und niederwirft: der ölbaum seine blüt abwirft. Hiob 15, 33; wie ein feigenbaum abwirft (mittit grossos suos) apoc. 6, 13; ein gut das viel abwirft, uberrimi proventus; was jetzo die güter abwerfen. Weise erzn. 94; meine dienste hätten mir schon so viel abwerfen sollen. Lessing 1, 364; so viel wirft der dienst nicht ab; dreiszig bis vierzig tausend drachmen abwerfen würde. Wieland 20, 247; magern lohn abwerfen. Klinger 9, 201; auch wissen sie, dasz die erfüllung der gebote gottes uns ein ruhiges gewissen abwirft. 11, 229; er glich langsam aufsteigenden gebirgen, die stets mehr ausbeute abwerfen als schnell aufstehende. J. Paul Tit. 1, 163. sich abwerfen, sich empören, abfallen: als die unterthanen am Bodensee sich von ihren herrn, junkhern und obern abgeworfen. Luther 3, 104. sich abwerfen mit einem, für überwerfen, entzweien gebraucht zumal Wieland: seine leidenschaft vergnügen, ohne sich mit den gesetzen abzuwerfen. 1, 170; eine frage, ob du so wol gethan hast, dich um einer an sich wenig bedeutenden ursache willen mit Dionysen abzuwerfen. 3, 112; indessen wirft man sich doch nicht gern mit solchen leuten ab. 14, 248; ohne sich selbst dabei mit der justiz abzuwerfen. 19, 184. ist es von knaben entnommen, die sich mit schneebällen abwerfen, und im handgemenge sind?
 
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abwerk, n. stuppa, ahd. âwirchi (Graff 1, 964), was beim werk, beim wirken abgesondert wird, ähnlich dem andern ahd. ausdruck âsuinga quisquiliae, was abgeschwungen, âchampi, was abgekämmt. unser heutiges, mit werk opus selbst schädlich vermischtes werk ist, wie Schmeller 4, 139 richtig findet, aus aphaeresis des vorstehenden â oder ab entsprungen, und wol erst seit dem 16 jh. durchgeführt. das vocab. von 1482 setzt werk von flachs oder abwerch, und Pictorius werch und abwerch als gleichbedeutend nebeneinander, noch heute in Schwaben abwerk. vil alte lumpen, grob abwerk, alte seiler. Fronsp. kriegsb. 1, 121a. s. DWB werk.
 
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abwerken, stuppeus, ahd. âwirchîn, mhd. âwirkîn, bair. äwerken, ewerken (Schm. 4, 139), schwäb. abwerken (Schmid 7), zu Ulm früher ebwürkin (Jäger 616).