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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abträglich bis abtrennig (Bd. 1, Sp. 141 bis 143)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abträglich, nocivus, abtrag thuend: halte ich dafür, es solte ihm nicht abträglich, sondern in viel weg nützlich und bequem erscheinen. Kirchhof disc. mil. 17.
 
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abtränken, potu reficere: ceremonien, womit sie die gottheit abspeisten und abtränkten. Hippel 5, 229.
 
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abtrappeln, vacillando abire: und so trappelte ich schnell ab. Klingers theat. 4, 213. auch abtrippeln.
 
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abträufeln, destillare: thränen träufelten ihre wangen ab; das dach träufelt ab. die richtige intransitivform ist abtriefen und abträufeln eigentlich herabflieszen machen. s. DWB abtreufen, DWB abtröpfeln.
 
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abtreiben, abigere, depellere. wie abigere von agere, vieh treiben: das vieh von stellen abtreiben, wo es nicht weiden soll, oder das geweidete vieh von der alp abtreiben, heimtreiben; auf die sommeralp abtreiben; das vieh abtreiben, gewaltsam wegtreiben, rauben; die pferde abtreiben, zu sehr anstrengen, ermüden, abgetriebene, erschöpfte rosse. feindliche, böse thiere abtreiben, abwehren, verjagen: darumb sie ihn (den wolf) abzutreiben die hund und stecken gebrauchen.

[Bd. 1, Sp. 142]


Kirchhof wendunm. 293a; die mücken abtreiben, abigere muscas:

wer wil einer fetten kuchel alle mücken abe treiben?
Logau 2, 237, 166.

die bienen abtreiben, s. DWB abtrommeln. würme, würmer abtreiben, was im alterthum die helden thaten, heute die ärzte. auf menschen angewandt, ein kind abtreiben, foetum abigere; den feind (gleich dem wolf) vom lande, von der stadt abtreiben. Kirchhof wendunm. 33b; den dieb abtreiben, den so diebisch einbrechen wil, abtreibt. das. 229a; des vatterlandes feinde abzutreiben. das. 229b; hetten dann die feind leitern angeworfen und möchtest die nicht gefellen oder an der wehr abtreiben. Fronsperg kriegsb. 2, 196a; die menge, das volk abtreiben, um raum zu machen: dem profosen gebühret den umbstand abzutreiben und raum zu machen. Kirchhof mil. disc. 248. den wald, das gehölz abtreiben, ursprünglich das junge reisich, ein aufgeschossenes dickicht vom vieh abweiden lassen, hernach überhaupt die bäume tilgen, wegschaffen: dasz starke wälder hier abgetrieben werden. Göthe 39, 266; eichenbusch, welcher alle vierzehn jahre zum behuf der gerberei abgetrieben wird. 43, 298; stockausschlag eines abgetriebenen eichenbusches. 43, 307; dem andern seine bäume abtreiben. Frankf. ref. 9, 4, 12. 9, 5; die grenzsteine abtreiben. das. 9, 3, 9; bergmännisch, gestein abtreiben, lockeres gestein losbrechen; erz abtreiben; edlere metalle, die erst auf der kapelle abgetrieben und dann geschätzt werden. Hamann 5, 198; silber und gold abtreiben, reinigen; den rost von den alten gülden abtreiben. Kirchhof wendunm. 180b; papier abtreiben, abreiben. Nun manigfalte anwendungen des abtriebs, der abwehr, des zurückweisens:

und von den schuppen gedeckt und der härte des dunkelen balges
trieb es, wie unter dem panzer, den prallenden wurf von der haut ab.
Voss;

weil nichts meine zuversicht
kan, herr, von dir abtreiben.
Weckherlin 135;

ach, herr, wach auf,
treib deinen schlummer ab. das. 166;

bald kamen die Juden wider, Titus hat sie abermals abtrieben. Reiszner Jerus. 2, 130a; welcher von diesem überwunden und abgetrieben ward. Zinkgref apophth. 51, 6; einen vom kaufe abtreiben:

bisz mich das alter ab wirt treiben. fastn. sp. 521, 11. 24;

so will der nechst nachbaur darneben
mich abtreiben von solchem kauf,
und sagt, er hab den vorkauf drauf.
Ayrer 185b;

wie helft ihr dann die klag abtreibn. das. 24a;

und abzutreiben ihm sein kron. das. 122a;

ein gemeinverderbliches übel abtreiben. Wieland 28, 284;

abtreiben wollen wir verhaszten zwang.
Schiller 530;

zu wenig mit seinen kräften bekannt, schmeichelte sich der kurfürst gewalt durch gewalt abzutreiben. 942; ein wesen, welches macht genug besitzt, jede andere macht von sich abzutreiben. 1220; die dogmatischen angriffe eines speculativen gegners abtreiben. Kant 2, 684. abgetrieben ist abgejagt, ermüdet und gleich dem vieh heiszt der witz abgetrieben. Tieck 6, 4; die abtreibende (abwehrende) hand wird endlich schwach. J. Paul Tit. 1, 101. Intransitiv, der kahn, das schif treibt ab vom ufer, wobei man sich einen ausgefallnen acc. denke, doch s. DWB treiben.
 
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abtreiber, m. abactor: aufrührer und abtreiber der hülfe.
 
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abtreibung, f. abactio, defensio, repulsio. abtreibung der einwürfe. Kant 4, 88.
 
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abtreigen, s. DWB abtreugen.
 
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abtrennbar, separabilis.
 
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abtrennen, dissuere, der älteste sinnliche begrif scheint des losnähens, da ahd. zitrennan, intrennan dissuere glossieren (Graff 5, 534) und wir noch heute sagen, den kragen, den ermel vom hemde abtrennen. Keisersb. brösaml. 47b; die spitze von der haube abtrennen; doch liegt die vorstellung des auflösens schon im einfachen trennen, wie bei ablösen, absondern, abschneiden in lösen, sondern, schneiden. dann auf andere gegenstände angewandt, den knopf vom rock, die schleife vom arm abtrennen; ein stück von dem lande abtrennen, losreiszen; den freund vom freunde abtrennen:

allein und abgetrennt
von aller freude.
Göthe 19, 67;

metaphysik trennt sich gänzlich vom fortgange der erfahrungen ab. Kant 3, 280.

[Bd. 1, Sp. 143]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abtrennig, separatus, discedens:

wiewol derselben sind gar wenig,
ich halts darfür, das sie abtrennig
und widerstrebig gewesen sind.
B. Waldis Esop 2, 18;

auf das, wo einer wurd abtrennig,
ungehorsam und widerspennig. ders. P. Reych C iia.

vgl. abtrünnig, abtrinnig.