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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abthauen bis abtödten (Bd. 1, Sp. 137 bis 140)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abthauen, rorem spargere, von thauen, nnl. dauwen:

ich selbst seh aus rubinen
den liebesstern abthaun den saft,
womit er nur pflegt kaiser zu bedienen.
Lohenst. blum. 22;

die wolken thauen sanft ab, nieder.
 
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abtheilen, separare, nnl. afdeelen, eigentlich absondern, abtrennen, abscheiden: so ist ein ehebrecher auch schon gescheiden, nicht durch menschen, sondern von gott selbs, und nicht allein von seinem gemahl, sondern von diesem leben abgeteilet. Luther 5, 382b; in diesem sinne heiszt es ein kind von dem gute, einen bauer von dem hofe, einen prinzen von dem reiche abtheilen, apanagieren, vgl. DWB abmeiern, DWB abschichten, und man sagt abgetheilte kinder, fürstensöhne. die nothwendigkeit tat ein mit dem daheim bleibenden bruder abzutheilen. Schiller 882. im garten beete (von einander) abtheilen:

ihr bette theilt ein blumenrand nur ab.
Gotter 1, 23;

weit abgetheilte lichter im finstern bergwerk. J. Paul uns. loge 3, 44; das heer in haufen, die versammlung in bänke, die arbeit nach stunden abtheilen:

wie theilt der sonnenlauf so schnell die zeiten ab.
Canitz;

das gedicht nach versen, das werk nach capiteln abtheilen. Ulfilas verdeutscht Luc. 18, 12 ἀποδεκατοῦν durch afdaijan taihundôn dail, d. i. sejungere decimam partem, dare decimam.
 
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abtheilung, f. separatio, dispositio, particula.
 
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abthon [abdon], m. der name einer pflanze, den man auf

[Bd. 1, Sp. 138]


adiantum, ἀδίαντον, frauenhaar anwendet. da sich auch widerthon, für dasselbe oder ein andres kraut findet, so erhellt für ab die bedeutung von aber, wider, retro. ahd. dono ist das übergebreitete, sich überbreitende, dona palmes, ranke (Haupt 5, 182), älfþona oder þone war auch den Angelsachsen eine pflanze, albranke? hiernach darf ein ahd. abdono, widardono, mhd. abdon, widerdon angesetzt werden für ein kraut, dessen blätter und zweige sich ab oder zurückranken. die wurzel des worts ist dehnen, tendere.
 
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abthun, facere, conficere, interficere, perficere, abrogare, delere, nnl. afdoen. älteste, noch ins heidenthum reichende bedeutung scheint die des schlachtens der opferthiere, wie auch facere, agere, conficere, operari, ῥέζειν opferbrauch verkünden (mythol. s. 37). der bauer thet die gans ab. Er. Alberus 20;

und fragt die magd, 'wo ist der han'?
'ich mein, ihr habt ihn abgethan'. das. 128b;

der narr thet den vogel ab und briet ihn. Pauli 11; auf einmal thete er ein saw ab. das. 105a; ja haben die münch vil katzen, die ins feld laufen und vil unzifers abthun (hier delent?). Frank weltb. 17b; und als er wolt den ahl abthon. H. Sachs II. 4, 80d;

ich fürchte leider nur, es würde gar kein hahn
auf dieser ganzen welt zum essen abgethan.
Opitz 1, 91;

euch frischweg wie einen ziegenbock abthun zu lassen. Schiller 589; vgl. DWB abnehmen, DWB abstechen, DWB abschlachten, und man hat ein altes ab dem leben, ab der kehle, ab dem hals hinzu zu denken. Häufig wird es aber auf hinrichtung und abschlachtung der menschen angewandt: dasz die übelthäter mit ihm abgethan würden. Luc. 23, 32; denn so fromm ist dennoch sonst die welt, wenn man die ergesten ubeltheter abthut, das jederman mitleiden uber sie tregt. Luther 6, 172a;

so tut in ab. fastn. sp. 532, 7;

ein mann, ein bloszer mann,
hat, wie er sich gerühmt, vierhundert abgethan.
Opitz 3, 299;

da, da ists ihm vergunt zu fechten und zu schmeiszen,
den hauswirt abzuthun, das haus in grund zu reiszen.
Logau 1, 71, 80;

und warum ist es nicht vergunt
sich selber abzuthun?
Hoffmannwaldau Socr. 9;

der den Almonte hat im kampf einst abgethan.
Werders Ariost 20. 5, 8;

so fürcht ich wird schon sein der jüngling abgethan. das. 22. 45, 8;

jeder solcher lumpenhunde
wird vom zweiten abgethan.
Göthe 4, 350;

gehülfen des scharfrichters, die zugleich verbrecher mit abthun müssen. Lessing 8, 503; fort jetzt, mein inwendiges hüpft, dasz ich dich bald abthu, das gewehr her! Fr. Müller 3, 415; ehe sie marternd ihn abthaten und den feisten leib mit einem haken in die Tiber zogen. Stolberg 8, 13. Zunächst hieran reiht sich die vorstellung des abthuns, abmachens, fertig machens, gleichsam des ab, von der hand gebens, denn auch das schlachtopfer wird abgefertigt, hingegeben, vollbracht.

das tagewerk ist abgethan.
Voss 4, 270;

mein tagewerk ist noch nicht ganz geendet,
lasz mich geschwind noch ab es thun.
Gökingk 3, 212;

mag sies mit gott abthun und ihrem herzen.
Schiller 406;

wär es auch abgethan, wenn es gethan ist. das. 561;

wenn die geschichte aufsehen macht, so denken doch die menschen von der sache was sie wollen, und es ist also immer besser, man thut sie im stillen ab. Göthe 14, 227; das was er mit den andern abzuthun hatte. 17, 42; sie giengen zum wirth und zu dem alten paare und die sache war abgethan. 17, 74; geld ist eine schöne sache, wo etwas abgethan werden soll und ich wünsche nicht in dem andenken ihres hauses so ganz abgethan (deletus) zu sein. 19, 6; die sache soll gleich abgethan sein. 24, 165; niemand soll es erhalten, sagte ich, und die sache ist abgethan. 24, 271; es ist jetzt alles abgethan (der beweis durchgeführt). Kant 8, 92; thats mit ein paar ohrfeigen kurz ab. Hebels hausfr.;

weil es nie mein brauch gewesen
abgethanes neu zu thun.
Rückert 405.

Das abgethane, sowol getödtete als fertig gemachte ist zugleich aber auch ein bei seite gethanes, abgelegtes, abgeschaftes und

[Bd. 1, Sp. 139]


getilgtes: da ich aber ein mann ward, that ich ab was kindisch war. 1 Cor. 13, 11; desz höhen und altäre Hiskia hat abgethan. 2 kön. 18, 22; denn ich will die wagen abthun von Ephraim und die rosse von Jerusalem. Sacharja 9, 10; abgethan allen hasz, neid und zwitracht. Luther 1, 326a; das heiszt Carlstadisch die bilder abgethan. 3, 39b; sintemal es viel besser ist, das die taufe über die kinder gehe, denn das ich sie abthet. 4, 329b; thun wir gleichwol den misbrauch auch nicht abe. 4, 394b; und mich wundert, weil sie die wassertaufe so schendlich verachten, warumb sie selbs nicht irer lere folgen und dieselbige gar abthun. 6, 278b; als der ein mechtiger feind ist desselben, das er ihn wil rein abethun und gar vertilgen. 6, 240a; Jesus Christus hat die sünd abgethan. 8, 359b; dieweil das geschütz so gar in dem gebrauch, so wird alle mann und dapferkeit gar abgethan. Fronsp. kriegsb. 1, 70b; ein gesetz abthuen (abrogare). Rihel Livius 453; den unmut abzuthun. Logau 2, 70; ihr gedächtnis noch und namen abzuthun. A. Gryphius 1, 631; diesen gelingt nun wol, die eitelkeit abzuthun. Göthe 48, 27; sollten wir unsere axiome, maximen und behauptungen abthun, die wir von unsern vorfahren erhalten. 53, 151; die vernunft, die alle irrungen abzuthun berufen ist. Kant 2, 559.
Abthun ist zuweilen auch ein sinnliches ablegen, abnehmen und abziehen. so in der redensart gott wird seine hand nicht von uns abthun. 5 Mos. 31, 6. 8; bald thet ich von dir ab mein hendt. Schwarzenberg 121, 2;

Zeres springt auf allen reinen
ümm das abgethane (abgeerntete) feld.
Fleming 371;

ach dasz ich ihr mein leid nicht klagen kann,
ich bin von ihr zu weit itzt abgethan (entfernt). 527;

abgethan von aller noth. 538;

den hut (von dem kopf) abthun; den ring (von der hand), die schuhe (vom fusz) abthun; nnl. hoed, ring, mantel afdoen; aber de schoenen afdoen, reinigen, putzen. die frucht von der mühle abthun. weisth. 3, 834. er that den kaufmann ab (zog den k. aus, benahm sich nicht mehr als k.). Dahlmann fr. rev. 83.
Sich eines dinges abthun, entäuszern, etwas aufgeben, also wiederum ablegen: diejenigen, so sich der lutherischen lehre abthun. Luthers br. 2, 416; wann sie sich nicht endlich dessen abtheten. Zinkgr. apophth. 8, 21; narr, thu dich falscher hofnung ab. Schwarzenberg 145, 1;

der von der tugend sich des vaters nicht abthut.
Werders Ariost 3, 27;

mich des kleiderprachts in etwas abzuthun. Simpl. 1, 310; dessen sich abzuthun. Wieland 21, 108;

wie wenn der falsche mann
sich seines glaubens abgethan?
Bürger 13b;

so eile nun
der täuschung dieser schönen hülle dich abzuthun. 7b;

will mich abthun des dienstes. Musäus 2, 100. Sich von einem abthun, entfernen, trennen: als dieser sich von uns abgethan, steiget er über die mauer. pers. rosenth. 2, 5; Saleh aber musz sich auf gottes befehl von dem volke abthun. 7, 20; siehe nun zu, von wem du dich ab und zu wem du dich gethan hast. 8, 24.
Dies privative abetuon erscheint schon im mhd. genug: entuo dich des niht abe. Iw. 2856; tuo dich dîner habe gar durch mînen willen abe. Barl. 134, 38; si tet sich abe ir freude. Wigal. 11332. desto auffallender, dasz sinnliches abthun für ablegen, abthun für fertigen, abthun für schlachten sich weder mhd. noch ahd. darbieten, ja dies letzte auch der nl. sprache gebricht. dennoch darf man ein so lebendiges hochdeutsches wort, das gerade die volkssprache seit dem 16 jh. kund gibt, nicht, wie Adelung meinte, aus einem misverstandnen nd. afdoden, hd. abtödten erklären; der hochdeutsche ausdruck hatte sich von uralter zeit her bewahrt und fortgetragen, wenn ihn schon unsre ahd. und mhd. denkmäler nicht gewähren zum erweis dafür findet sich ein ags. ofâdôn amputare, gebildet wie ofâsnîdan, also einem ahd. aba irtuon, aba irsnîtan gleich, die sich leicht in abetuon abesnîden, abthun abschneiden verkürzen konnten, wenn das zwischentretende â und ar nothwendig scheint. auch dem abthun perficere steht in den quellen kein mhd. abe tuon, ahd. aba tuon, ags. ofdôn zur seite, wol aber ein do off, und ist dieser zeuge nicht gültig?
 
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abthuung, f., sowol für das abthun einer sache als die

[Bd. 1, Sp. 140]


hinrichtung, und besser bedient man sich dieses substantivisch gesetzten infinitivs. die grosze einigkeit der zünfte bei abthuung dieser sache. Klopst. 12, 326; die abthuung des malefikanten. Hippel 13, 91.
 
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abtilgen, abolere, delere, wegtilgen, mhd. abe tilgen: die schrift heiʒ alle tilgen abe. Barl. 358, 27. nach der mennige deiner erbarmung tilge ab meine ungerechtigkeit. Luther 1, 30b; ich werde, es geschehe gleich in welcher gestalt es wöll, abgetilget und von leuten gethan. Hutten 5, 28; zuletzt mit den römischen waffen ernider getruckt, abgetilkt und mit ihrem volk besetzt. Frank weltb. 81a; ich wil die götzen abtilgen. Reiszner Jerusal. 2, 25a; Christus hat das gesatz der gebott abtilgt. das. 2, 150a; der dich vermeint zu tilgen ab. H. Sachs 1, 29a; ich wil den menschen tilgen ab. fastn. sp. 11, 2.
 
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äbtissin, ahd. abatissa, mhd. eppetisse Diut. 1, 424. eptischin Bon. 48, 20.
 
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äbtlich, ad abbatem spectans. die äbtliche würde. Stolberg 10, 211.
 
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abtoben, desaevire, saevire desinere: der sturm hat abgetobt. auch sich abtoben: laszt ihn sich abtoben; wo der jugend ein gewisser zwischenraum gegönnt war, in welchem sie sich abtoben möchte. Göthe 43, 327.
 
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abtödten, interficere, goth. afdauþjan θανατοῦν: das fleisch (von dem leibe) abtödten; den baum (von der wurzel) abtödten; den tödten sie auch ab und lassen ihn mit nichten an dem schelmen sterben. Frank weltb. 194a; dasz du dein gefühl unterdrücken oder gar abtödten sollst. Tieck ges. nov. 4, 57; die bessern kräfte im menschen zu erlahmen und nach und nach abzutödten. Tieck Sternb. 1, 339; so läszt man die gerste erst lebendig keimen, ehe man sie auf dem darrofen zu gutem malz abtödtet. J. Paul dämmer. 85.