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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abstreich bis abstrickung (Bd. 1, Sp. 133 bis 135)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abstreich, n. hostorium, streichholz: das er mit einem silberin futermasz und abstreich auf dem rosz in ein mäsz masz und abstrich. Frank chron. 225b.
 
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abstreich, m. subhastatio, eigentlich das mindergebot, im gegensatz zu aufstreich mehrgebot: drei ducaten, und kams im abstreich herab auf drei batzen. Schiller 107.
 
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abstreichen, delinere, detergere, obducere, gegensatz von DWB streichen, DWB anstreichen, DWB aufstreichen, ahd. strîchan, mhd. strîchen, nnl. afstrijken. die butter vom brot abstreichen, den staub vom tisch, schaum vom bier, den leim von der wand abstreichen; das messer abstreichen, sowol abwischen, reinigen, als durch streichen auf dem leder oder stahl schärfen, novaculam obducere, conducere (Graff 6, 742); das korn, getraide, salz vom scheffel abstreichen, hostorio aequare: die steur mit einem besen abstreichen. weisth. 1, 394; er schöpfte das gefäsz übervoll (mit haber), strich es ab. Göthe 24, 323 (s. abstreich). dann den scheffel, das gemäsz abstreichen. bei den gerbern das fell, die haare abstreichen, abschaben. im hüttenwerk, die wilde materie abstreichen. neu ist mit der feder abstreichen, delere: in dem trauerspiele, was eben nicht gehen wolle noch könne, abzustreichen, mehrere personen in eine zu drängen. Göthe 19, 158.
Vom intransitiven streichen, vagari, ire, meare (Graff 6, 742) herzuleiten ist unser auf und abstreichen im lande; bei den jägern gilt abstreichen von den ausfliegenden nestlingen der raubvögel: der habicht streicht ab, fliegt aus, ein abgestrichener habicht, dem nest entflogner. bei den fischern abstreichen von den leichenden fischen: die karpfen haben abgestrichen. transitiv scheint: die jäger streichen ein feld ab, wenn sie lerchen zusammen treiben, der habicht streicht eine flur ab, wenn er sie im fluge durchmiszt; doch leicht sind die acc. ein feid, eine flur adverbial gesetzt, durch das feld, durch die flur.
 
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abstreichen, abstergere, virgis caedere, ahd. streichôn mulcere (Graff 6, 743), es scheint früher mit dem dat. der person:

was hat doch verbrochen der liebliche knabe,
dasz ihme so ernstlich die mutter streicht abe?
Logau 2, 2, 43.

doch mag heute die angewandte starke form auch den acc. heran führen: die mutter strich das kind mit der ruthe ab.
 
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abstreicher, m. gleichsam abstersor, abputzeisen vor der thür.
 
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abstreifen, destringere, detrahere: blätter vom baume, vom ast abstreifen, den ast abstreifen; streifet dem baum das laub ab. Daniel 4, 11; einem das geld abstreifen. fastn. sp. 390, 23; einem wolfe, fuchse den balg (vom leib) abstreifen, den wolf, fuchs abstreifen; die schlange streift ihre haut von sich ab;

[Bd. 1, Sp. 134]


sie zerren an der schlangenhaut,
die jüngst ich abgelegt,
und ist die nächste reif genung,
abstreif ich die sogleich.
Göthe 4, 357;

einen aal abstreifen; bohnen abstreifen, abziehen; eine feder abstreifen, ébarber une plume; den handschuh, die strümpfe abstreifen; thränen mit den fingern von der wange, den thau vom grase abstreifen. figürlich, ein laster, eine üble gewohnheit von sich abstreifen; es ist ganz natürlich, dasz man den gegenstand von allem, was er vorzügliches hat, in der einbildung rein abstreift. Wieland 8, 246; einen abstreifen, einem alles entziehen: beweisen, dasz ein mensch desto vollkommner sei, je abgestreifter er ist, je weniger er zu verlieren hat. 14, 350. ahd. aba streifan, im physiologus (fundgr. 1, 21) von der natter: sô suochet siu einen locherohten stein, sliufet dar dureh unde streifet die hûd abo. gewöhnlicher aber ist aba stroufan, mhd. abe stroufen, den balc abestroufen. Diemer 23, 5; nnl. afstroopen, s. DWB abstrüpfen. verschieden ist das intr. abstreifen, aberrare, abgleiten: die kugel streifte vom knochen, vom baum ab, ist abgestreift, was sich aus der älteren sprache nicht aufzeigen läszt.
 
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abstreifer, m. frondator, dann auch deverticulum, wie abstecher, abschweif, von abstreifen in der zuletzt angegebnen bedeutung: einen abstreifer aufs land machen.
 
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abstreiten, lite extorquere, denegare, nnl. afstrijden, mhd. wol abe (wie an) erstrîten:

ein kind sucht kindern oft den apfel abzustreiten.
Hagedorn 1, 119;

uns diesen namen abzustreiten.
Lessing 1, 72;

einem garten und hof, grund und boden abstreiten, alle guten eigenschaften abstreiten; das lasse ich mir nicht abstreiten. die bedeutung des nnl. afstrijden, zu ende streiten, decertare, steht unserm abstreiten nicht zu, doch kann gesagt werden sich abstreiten, sich müde streiten.
 
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abstrich, m. quod detergitur, detersum est: graupen, schlacken, gekretz, ofenbruch, abstrich und der staub, so man uber dem ofen im rauchgewelb fehet, wird auch wider rein und zu gut gemacht. Mathesius 100b; wenn nun das werk zurgehet und schmilzet, so streicht der meister das unreine, so auf dem werk schwimmet, abe, das heiszet der abstrich. das. 149b.
 
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abstricken, e laqueo eripere, detrahere, illaqueare, intercipere, abschneiden, im 16. 17 jh. häufig: sol nun unser fleisch vom tode erlöset und dem teufel widerumb abgestricket und abgewonnen werden. Luther tischr. 38a; damit macht er, dasz uns die leut feind werden, strickt sie uns also ab. das. 258b; denn in solcher friedenshandlung wirdet man uns alle christliche forderung wollen abstricken, auf dasz die pfaffen desto basz mögen in esse bleiben. Melanchth. opp. ed. Bretschn. 4, 288; so solt du die ader mit einem zwifächtigen faden in einer nodel abstricken, das ist als vil als zuknüpfen (unterbinden). Gersdorf feldbuch 35; es niemand abzustricken noch zu benemmen. Frankf. reform. 1. 50, 1; wo den belagerten brunnen oder ander wasser abzustricken und abzugraben seien. Kirchhof disc. mil. 33; ihm (dem feind) alle notturft einzubekommen, wehren und abstricken. das. 99; die brunnen, so zur statt oder festung geleitet, wo müglich, inen abgestrickt, abgraben oder sonst entwehret werden. das. 166; welche ehr des schmucks ihnen (den frauen) doch Vives wider der Spanier art will abstricken. Fischart Garg. cap. 5; deszhalben mir ihnen dasselbige gewinlin abzustricken ein gewissen machet. groszm. 4; das mehrertheil unserer weibsbilder würden erst alsdann nicht ausgehen wöllen, wann man ihnen die püntliche pantoffelchen nähme, oder ihnen die geschmeid oder sonst kostbare schleifen wolte abstricken. ehzuchtb. 39; wie wol man dannoch auch den leien das blut Christi nit gänzlich abstrickt. bienenk. 93a; um Carolo das reich wider abzustricken. das. 128b; da (auf dem concil) ward den geistlichen die ee abgestrickt. Tschudi 1, 25; ich wil kein redlich kunst hiemit abgestrickt haben. Frank 4, 169; er hab uns das himmelreich hie mit gewalt abgestrickt. das. 5, 172; dieweil nun durch diesen revers und artikel vil vortheils und finanz wird abgestrickt. Fronsp. kriegsb. 1, 102a; dann so man den feind uberfelt, provand abstrickt. das. 2. vorr.; derwegen nicht ubel bedacht, dasz solches in den artikels briefen und bestallungen ist abgestrickt worden. das. 3, 117b;

auch dasz wir all verrätherei
im verhindern und abstricken.
Ayrer 72a;

damit ich ihme seine verzüglichkeit abstricke. Ayrer proc. 1,

[Bd. 1, Sp. 135]


9; als ob man ime die im rechten vergönte beweisung abstricken wölle. das. 2, 7; damit die beweisung, welche auch aus des königs gewalt und vollkommenheit selbst niemand abzustricken, nit abgekürzt werde. das. 2, 7; wiewol ich mich nun besorgete, dasz durch solche ankunft anderer mir eine einsamkeit, bei der ich mir jetziger beschaffenheit nach liesz übel sein, möchte abgestrickt werden. Opitz 2, 248;

der tod strickt alles ab. das. 2, 441;

in büchern streitet auch Lysander noch zu lande,
Themistocles zur see, liegt Cimon in dem bande:
die stelle selber ist vom Türken abgestrickt,
Parnassus der ist ganz in barbarei erstickt. das. 3, 307;

hast allen weg und bahn
dem boten abgestrickt, dasz niemand für dich kan. das. 3, 39;

die noth verbitterte sich gleichsam ihnen alle hülfe und die hofnung abzustricken. Lohenst. Arm. 1, 1034; jedoch sehe er keine solche gefahr, welche ihnen alle hofnung des obsieges abstrickte. das. 1, 1313; und ist daher ausfündigs rechtens, wann jemand dem andern entweder seine zeugen abstrickt, oder aber seine instrumenta zerreiszt. Hohberg 3, 30a; dasz der fiscus dem dritten seine gerechtigkeit durch solche einziehung der güter nicht abstricken noch entziehen kan. das. 3, 38b. waaren, so Holland gutentheils daher bekommt, welche ihm abzustricken ... Frankreich vor ein groszes theil des sieges hält. Leibnitz 227; dasz ihnen durch Franzosen innerlich die nahrung abgestrickt werde. das. 231. neuere bedienen sich des wortes selten, doch hört man sagen: er hat ihm die braut abgestrickt, ihm alle gelegenheit abgestrickt, vorweggenommen, benommen, abgeschnitten, den hund abstricken ist noch das sinnliche loslassen. wie abbinden, losbinden und unterbinden bedeutete auch abstricken sowol losstricken als verstricken, hemmen. Etwas anderes ist bei strickenden frauen eine nadel abstricken, herunter stricken.
 
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abstrickung, f. interceptio: abstrickung alles trosts. Melanchth. 7, 15; belagert und durch abstrickung des wassers erobert. Micrälius 2, 245.