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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
absträngen bis abstreiten (Bd. 1, Sp. 133 bis 134)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) absträngen, laqueum solvere, ein pferd absträngen, den strang losbinden, der es an den wagen heftet.
 
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abstreben, deorsum niti, gegensatz von an- und DWB aufstreben. man hat die centrifugalkraft eine abstrebende genannt. ein anderes abstreben für renuere, denegare scheint folgende stelle zu gewähren:

so wolt ich mein geladen gest speisen,
wie ich auch verheiszen hab,
welches du mir stribest ab,
Ad. Schubarth Sieman d. i. hausteufel. Weiszenfels o. j. blatt Bba,

sagt der mann zu seinem bösen weibe, das die gäste zu speisen weigert, vgl. stribete für strëbete. Roth. 1039.
 
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abstrecken, deorsum tendere, hinabstrecken, niederstrecken:

wenn er (der bär) die keule mit der faust abstreckt,
so prallt sie also fort herwidder. froschmeuseler 1. 2, 11.


 
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abstreich, n. hostorium, streichholz: das er mit einem silberin futermasz und abstreich auf dem rosz in ein mäsz masz und abstrich. Frank chron. 225b.
 
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abstreich, m. subhastatio, eigentlich das mindergebot, im gegensatz zu aufstreich mehrgebot: drei ducaten, und kams im abstreich herab auf drei batzen. Schiller 107.
 
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abstreichen, delinere, detergere, obducere, gegensatz von DWB streichen, DWB anstreichen, DWB aufstreichen, ahd. strîchan, mhd. strîchen, nnl. afstrijken. die butter vom brot abstreichen, den staub vom tisch, schaum vom bier, den leim von der wand abstreichen; das messer abstreichen, sowol abwischen, reinigen, als durch streichen auf dem leder oder stahl schärfen, novaculam obducere, conducere (Graff 6, 742); das korn, getraide, salz vom scheffel abstreichen, hostorio aequare: die steur mit einem besen abstreichen. weisth. 1, 394; er schöpfte das gefäsz übervoll (mit haber), strich es ab. Göthe 24, 323 (s. abstreich). dann den scheffel, das gemäsz abstreichen. bei den gerbern das fell, die haare abstreichen, abschaben. im hüttenwerk, die wilde materie abstreichen. neu ist mit der feder abstreichen, delere: in dem trauerspiele, was eben nicht gehen wolle noch könne, abzustreichen, mehrere personen in eine zu drängen. Göthe 19, 158.
Vom intransitiven streichen, vagari, ire, meare (Graff 6, 742) herzuleiten ist unser auf und abstreichen im lande; bei den jägern gilt abstreichen von den ausfliegenden nestlingen der raubvögel: der habicht streicht ab, fliegt aus, ein abgestrichener habicht, dem nest entflogner. bei den fischern abstreichen von den leichenden fischen: die karpfen haben abgestrichen. transitiv scheint: die jäger streichen ein feld ab, wenn sie lerchen zusammen treiben, der habicht streicht eine flur ab, wenn er sie im fluge durchmiszt; doch leicht sind die acc. ein feid, eine flur adverbial gesetzt, durch das feld, durch die flur.
 
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abstreichen, abstergere, virgis caedere, ahd. streichôn mulcere (Graff 6, 743), es scheint früher mit dem dat. der person:

was hat doch verbrochen der liebliche knabe,
dasz ihme so ernstlich die mutter streicht abe?
Logau 2, 2, 43.

doch mag heute die angewandte starke form auch den acc. heran führen: die mutter strich das kind mit der ruthe ab.
 
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abstreicher, m. gleichsam abstersor, abputzeisen vor der thür.
 
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abstreifen, destringere, detrahere: blätter vom baume, vom ast abstreifen, den ast abstreifen; streifet dem baum das laub ab. Daniel 4, 11; einem das geld abstreifen. fastn. sp. 390, 23; einem wolfe, fuchse den balg (vom leib) abstreifen, den wolf, fuchs abstreifen; die schlange streift ihre haut von sich ab;

[Bd. 1, Sp. 134]


sie zerren an der schlangenhaut,
die jüngst ich abgelegt,
und ist die nächste reif genung,
abstreif ich die sogleich.
Göthe 4, 357;

einen aal abstreifen; bohnen abstreifen, abziehen; eine feder abstreifen, ébarber une plume; den handschuh, die strümpfe abstreifen; thränen mit den fingern von der wange, den thau vom grase abstreifen. figürlich, ein laster, eine üble gewohnheit von sich abstreifen; es ist ganz natürlich, dasz man den gegenstand von allem, was er vorzügliches hat, in der einbildung rein abstreift. Wieland 8, 246; einen abstreifen, einem alles entziehen: beweisen, dasz ein mensch desto vollkommner sei, je abgestreifter er ist, je weniger er zu verlieren hat. 14, 350. ahd. aba streifan, im physiologus (fundgr. 1, 21) von der natter: sô suochet siu einen locherohten stein, sliufet dar dureh unde streifet die hûd abo. gewöhnlicher aber ist aba stroufan, mhd. abe stroufen, den balc abestroufen. Diemer 23, 5; nnl. afstroopen, s. DWB abstrüpfen. verschieden ist das intr. abstreifen, aberrare, abgleiten: die kugel streifte vom knochen, vom baum ab, ist abgestreift, was sich aus der älteren sprache nicht aufzeigen läszt.
 
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abstreifer, m. frondator, dann auch deverticulum, wie abstecher, abschweif, von abstreifen in der zuletzt angegebnen bedeutung: einen abstreifer aufs land machen.
 
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abstreiten, lite extorquere, denegare, nnl. afstrijden, mhd. wol abe (wie an) erstrîten:

ein kind sucht kindern oft den apfel abzustreiten.
Hagedorn 1, 119;

uns diesen namen abzustreiten.
Lessing 1, 72;

einem garten und hof, grund und boden abstreiten, alle guten eigenschaften abstreiten; das lasse ich mir nicht abstreiten. die bedeutung des nnl. afstrijden, zu ende streiten, decertare, steht unserm abstreiten nicht zu, doch kann gesagt werden sich abstreiten, sich müde streiten.