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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abstoszen bis abstreichen (Bd. 1, Sp. 132 bis 133)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abstoszen, detrudere, nnl. afstuiten: das schif vom lande, ein stück von der wand, mauer abstoszen; den reiter vom pferde abstoszen. weisth. 2, 592. 594; der ochs hat sich die hörner, der vogel das gelbe vom schnabel abgestoszen; das kalb, lamm (vom euter der mutter) abstoszen, entwöhnen; die kälberzähne abstoszen (s. abschieben); die bienen (vom honig) abstoszen, ihnen den honig nehmen; dem verurtheilten missethäter den hals (vom leibe), das herz (von der brust) abstoszen; das rauhe am holz mit dem hobel abstoszen, die scharfen ecken vom bauholz abstoszen; den könig vom stuhl, vom thron abstoszen, entthronen, was auch blosz abstoszen hiesz: nu ligt gott nicht viel dran, wenn seine oberkeit und herrn böse buben sind, das ein ander herr komme und stosze den abe. Luther 3, 230b; denn von anbegin der welt sehen wir, wie gott immer einen könig durch den andern abstöszet und andere aufsetzet. das.; und hat Otto der ander seinen schwager keiser Johannem zu Constantinopel wider eingesetzt, da er abgestoszen. 8, 247a; Jason, der seinen bruder vom amt abgestoszen hatte. 2 Macc. 4, 26. figürlich, abstoszen, zurückstoszen, im gegensatz von DWB anziehen: die gegenwart der alten bekannten kunstwerke zog ihn an und stiesz ihn ab. Göthe 20, 245; Lydie kam zurück, meine mutter war grausam genug das arme mädchen (von sich) abzustoszen. 20, 53; alle hofnung benehmen und ihn betrübt abstoszen. pers. rosenth. 1, 15. eine schuld abstoszen, sich von ihr frei machen, sie bezahlen: wenn man alte oft bemahnte schulden endlich abstöszt. Tieck 8, 235; sämtliche schulden seines weibes abstoszen. J. Paul paling. 2, 128. einen abstoszen, besuchen und sich bewirthen lassen, gleichsam vom stuhle stoszen, dasz er aufstehe und speise rüste. sich abstoszen, abnützen, von kleidern und schuhen. Intransitiver sinn entspringt durch ellipse des acc.: vom lande abstoszen (den kahn), was dann auch im praet. sein statt haben annimmt; abstoszen (das jägerhorn), abblasen; abstoszen (die kugel) beim billard.
 
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abstrafen, punire, was sich vom einfachen strafen unterscheidet wie abbern, abdreschen, abprügeln von bern, dreschen, prügeln, also den vollzug der handlung ausdrückt:

wie du die grimmen scharen
der riesen abgestraft.
Opitz 1, 97;

als mich die mama
Hänschen küssen sah,
strafte sie mich ab.
Hagedorn 3, 71;

[Bd. 1, Sp. 133]


so wird er der polizei übergeben, die ihn dann den umständen gemäsz schon abstrafen wird. Klopst. 12, 60; wir übergeben sie hiermit dem löblichen magistrat um sie abzustrafen. Tieck 3, 9. scherzhaft: einen kirschbaum abstrafen.
 
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abstrahl, m. radius reflexus, emanans:

bist von ihm
ein abstrahl ewig wie das ewge licht.
Herder 4, 64;

alle meine blicke sind abstrahlen der kraft. Fr. Müller 2, 162.
 
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abstrahlen, radios reflectere:

und baum und herde, feld und flur
schien gottes segen abzustrahlen.
Schubart 2, 48.


 
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abstrählen, capillum pone versum cogere: das haar, die locken abstrählen.
 
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absträngen, laqueum solvere, ein pferd absträngen, den strang losbinden, der es an den wagen heftet.
 
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abstreben, deorsum niti, gegensatz von an- und DWB aufstreben. man hat die centrifugalkraft eine abstrebende genannt. ein anderes abstreben für renuere, denegare scheint folgende stelle zu gewähren:

so wolt ich mein geladen gest speisen,
wie ich auch verheiszen hab,
welches du mir stribest ab,
Ad. Schubarth Sieman d. i. hausteufel. Weiszenfels o. j. blatt Bba,

sagt der mann zu seinem bösen weibe, das die gäste zu speisen weigert, vgl. stribete für strëbete. Roth. 1039.
 
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abstrecken, deorsum tendere, hinabstrecken, niederstrecken:

wenn er (der bär) die keule mit der faust abstreckt,
so prallt sie also fort herwidder. froschmeuseler 1. 2, 11.


 
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abstreich, n. hostorium, streichholz: das er mit einem silberin futermasz und abstreich auf dem rosz in ein mäsz masz und abstrich. Frank chron. 225b.
 
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abstreich, m. subhastatio, eigentlich das mindergebot, im gegensatz zu aufstreich mehrgebot: drei ducaten, und kams im abstreich herab auf drei batzen. Schiller 107.
 
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abstreichen, delinere, detergere, obducere, gegensatz von DWB streichen, DWB anstreichen, DWB aufstreichen, ahd. strîchan, mhd. strîchen, nnl. afstrijken. die butter vom brot abstreichen, den staub vom tisch, schaum vom bier, den leim von der wand abstreichen; das messer abstreichen, sowol abwischen, reinigen, als durch streichen auf dem leder oder stahl schärfen, novaculam obducere, conducere (Graff 6, 742); das korn, getraide, salz vom scheffel abstreichen, hostorio aequare: die steur mit einem besen abstreichen. weisth. 1, 394; er schöpfte das gefäsz übervoll (mit haber), strich es ab. Göthe 24, 323 (s. abstreich). dann den scheffel, das gemäsz abstreichen. bei den gerbern das fell, die haare abstreichen, abschaben. im hüttenwerk, die wilde materie abstreichen. neu ist mit der feder abstreichen, delere: in dem trauerspiele, was eben nicht gehen wolle noch könne, abzustreichen, mehrere personen in eine zu drängen. Göthe 19, 158.
Vom intransitiven streichen, vagari, ire, meare (Graff 6, 742) herzuleiten ist unser auf und abstreichen im lande; bei den jägern gilt abstreichen von den ausfliegenden nestlingen der raubvögel: der habicht streicht ab, fliegt aus, ein abgestrichener habicht, dem nest entflogner. bei den fischern abstreichen von den leichenden fischen: die karpfen haben abgestrichen. transitiv scheint: die jäger streichen ein feld ab, wenn sie lerchen zusammen treiben, der habicht streicht eine flur ab, wenn er sie im fluge durchmiszt; doch leicht sind die acc. ein feid, eine flur adverbial gesetzt, durch das feld, durch die flur.