Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
absteigen bis absterben (Bd. 1, Sp. 130 bis 131)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) absteigen, descendere, niedersteigen, nnl. afstijgen: vom pferde, wagen absteigen, früher ab dem pferde steigen; vom thurm, berge, von der höhe, von dem galgen absteigen, ahd. sô stîge er abe demo galgen. N. ps. 21, 8, stîge nidar fon themo crûce T. 205, 3, descendat de cruce Matth. 27, 42, wo Ulfilas, wie auch Marc. 15, 32 atsteigadau af þamma galgin, gleichsam ascendatur de cruce, weil man aufsteigen musz, um den hängenden herabzulassen, at bedeutet hier ad, πρός, wie in atsteigan us himina, heran steigen von dem himmel, und wenn Voss sagt: wähnt man doch, dasz ganz in das meer absteige der himmel, so würde auch hier ein goth. atsteigan stehn. dem nicht unähnlich gebrauchte man sonst absteigen für ersteigen, ascensu capere: zuschub mit heimlichen absteigen schlösser und häuser üben. landfr. von 1521. 7, 8; keiner (soll) dem andern sein stadt, schlosz und flecken einnehmen, absteigen, mit brand beschädigen. RA. von Speier 1526. §. 4, wo die lesart absteigern verwerflich; auch soll niemand schlosz, stadt, märkt absteigen oder freventlich einnehmen. Regensb. abschied in Melanchth. opp. ed. Bretschneider 4, 628. Figürlich absteigen für abstammen, von dem haupt des stammes in die glieder: wie die risen, die recken auf die welt kommen und Gurgellantua nach gerader lini von inen abgestigen seie. Fischart Garg. cap. 1; seine absteigende erben (descendenten). Ayrer 391a; ist derhalb kein wunder, das die krankheit vom heubt in die glieder, von bepsten in andere nidere prelaten abgestiegen ist. Luther 2, 183a. wo absteigen für sich, ohne casus steht, ist von dem pferde ausgelassen: er ist abgestiegen, im gasthof abgestiegen;

schon ist der tag absteigend.
Tieck 1, 382,

weil man sich den tag auch reitend dachte. die preise steigen ab (von ihrer höhe), fallen, sinken: wäre der werth abgestiegen. Frankf. ref. II. 11, 5.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
absteilen, ad ima deferri hat Stieler 2138, aber auch Göthe 39, 192: der wenige abgesteilte erdgrund, worauf der baum steht, d. i. der steil gesenkte.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
absteinen, lapidibus signare: den acker, die flur absteinen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abstellen, e loco movere, abrogare, nnl. afstellen: den stuhl, das bett von der wand abstellen; vom wagen einen sack abstellen; eine last, bürde abstellen, absetzen, niedersetzen; ein laster, einen misbrauch abstellen, von der stelle schaffen, abschaffen; zu rechter zeit stelt er das ab. Schwarzenberg 138, 2; bleibt abgestelt. fastn. sp. 180, 21; die süsze zeit abstellen. Fleming 173;

hanf hat viel verzweifelt böses gut gemacht und abgestellt.
Logau 2, 9, 78.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
absteller, m. abrogator: Christus ist der absteller der sünd. Reiszner Jerus. 2, 77b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abstellung, f. abrogatio: wider die abstellung des sonntags zu eifern ist vergebens. Rabener 4, 86.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abstempeln, signo notare, franz. timbrer: die zeitungen, bücher abstempeln.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abstengeln, decaulescere: der rettich schmeckt besser, ehe er abstengelt, stengel treibt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
absteppen, consuere, cuspidatim exornare: ein kleid, einen rock absteppen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
absterben, demori, emori, dem tode sich langsam nähern, dahin sterben, nnl. afsterven: der zweig stirbt von dem baum ab; das glied stirbt von dem finger, der finger von der hand ab; der fisch ist abgestorben; lasz uns zusammensitzen und absterben, wie der fisch, dem das wasser abgeleitet ist. Klinger 1, 60; die erze sterben ab, werden geringer; der baum, die blume stirbt ab, languet; der geist ist frisch, der leib stirbt ab;

schon lange grünt uns nicht mehr der abgestorbene wald,
der in die süszen schatten uns rief.
Zachariä;

damit sie des guten abgestorbenen (verstorbenen) kerls desto ehe vergessen möchten. Wickram rollw. 65b; du abgestorbener weltmann! Göthe 18, 313; ein absterbender greis; zuweilen für aussterben:

si wollen dasz mein nam und ehr
solt mit mir ganz absterben.
Weckherlin 140;

[Bd. 1, Sp. 131]



wer ist kindlos und erblos
ganz abzusterben nicht verdrossen? das. 499;

dies haus wird bald absterben; die mönche im kloster absterben lassen; handel und wandel in diesem lande ist ganz abgestorben; schweiz. abgstorba, verblichen: er hed e ganz abgstorbes halstüchli a. Tobler 13a; eine abgestorbene, ausgestorbene sprache; abgestorbene verhältnisse. Göthe 3, 157. abgestorbenes gut, erbloses: wegen der abgestorbenen verlassenen habe. Reutter kriegsordn. 17; das brauchen wir nicht wieder zu geben, die sachen sind abgestorben. Leipz. avanturier 1, 166. Einem absterben, durch den tod genommen werden: die eltern sind ihm frühe abgestorben (von seiner seite gerissen worden); es ist mir (von mir) an ihm ein treuer freund abgestorben;

ihm starben brüder, freund und weib und kinder ab.
Gotter 1, 317;

oft das gefühl wofür verlieren, entsagen: er ist der welt abgestorben; so ihr denn nun abgestorben seid den satzungen der welt. Coloss. 2, 20 (goth. gasvultuþ af stabim þis fairhvaus, vulg. mortui estis ab elementis mundi); der freude starb ich ab. Gotter 3, 573;

wir sterben uns uns selbst vor ab, für unserm sterben,
wann gaben, die in uns, unausgeübt verterben.
Logau 3, 8, 67;

ein weiser mann
stirbt ab der sterblichkeit.
Opitz 1, 65;

die ihre gewohnheiten und sitten beibehielten, weil es ihnen doch zu schwer war, ihrem vaterlande ganz abzusterben. Schiller 852; der neue mensch, indem er dem alten abstirbt. Kant 6, 239. auch mit der praep. für: abgestorben für jede freiheitliche regung. Dahlmann franz. rev. 65.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
absterben, n. obitus: auch konnte der schmerz über das zeitige absterben des braven mannes nur durch das gefühl gelindert werden, dasz er auf der welt wenig geliebt habe. Göthe 19, 141. das absterben eines glieds, hinschwinden.