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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abstauchen bis absteifen (Bd. 1, Sp. 126 bis 130)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abstauchen, eluxare, abstoszen, prügeln: Ursus ersicht Gigar, nimmt ihn in der mitt, wirft ihn zu boden und staucht ihn gar wol ab. Ayrer 278b.
 
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abstauchung, f. eluxatio: nach abstauchung aller widerspenstigkait. Meliss. ps. Dba.
 
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abstäupen, virgis concidere, fustigare. die telgen abstüven, absteuben, abhauen, stümpfen. weisth. 3, 136. 137.
 
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abstechen, defigere, nnl. afsteken: einen mit dem sper vom rosse abstechen; den sper, die lanze auf einen abstechen; heu, stroh, garben mit der gabel (vom wagen) abstechen; einem mit dem messer die kehle abstechen, jugulare: wil dir dein hals abstechen. fastn. sp. 253, 29. 531, 6;

[Bd. 1, Sp. 127]


als könig Kataband die gurgel ab liesz stechen
dem erstgebornen sohn.
Lohenst. Ibrah. 18;

ein thier, schwein abstechen: sonst ward an einem missethäter wol ein jahr verhört, heut stechen sie die leute ab wies liebe vieh. Arnim schaub. 1, 314;

wann ihr ein schaf abstecht.
Opitz 2, 53;

stachet ab das wolgemest.
H. Sachs 1, 63a;

den rasen, damm, deich mit dem spaten abstechen: blosze grabhügel auf der heide in groszer menge, wovon viele abgestochen und geebnet sind; schon hatte sich das volk auf die oberwärts abgestochenen und vom rasen entblöszten dämme gedrängt. Göthe 17, 157; ein bild mit dem griffel in kupfer abstechen; nachstechen schon abgestochener gemählde ist kein nachdruck. Fichte berl. monatschr. 21, 468. figürlich, einen abstechen, ausstechen, es ihm zuvorthun, vom turnier hergenommne redensart: hätte auch nicht anders gemeint, ich werde ihn abstechen und verdringen. Schweinichen 1, 99; mein leben sei verspielt, wo Ambra nicht ihr ganz geschlecht absticht. Lohenst. Ibr. 15; als er von seinem nebenbuhler abgestochen zu werden fürchtete. Günther 560; ebenso beim kartenspiel, auf welches man die stiche und das abstechen des turniers anwandte, einen abstechen, mit einer höheren karte stechen. von andern dingen:

dieser blumen jaspis kann sarder und schmaragd abstechen.
A. Gryphius;

der tauben atlas stach Dianens silber ab.
Günther 1070.

beidemal geziert und frostig. eine höflichkeit, ein compliment abstechen, vorbringen, wie seine lanze abstechen: mit diesem frauenzimmer mochte ich selbst briefe wechseln, so gar zierlich und kurz kan sie complimentgen abstechen. Weise erzn. 100. Ein feld, lager, einen platz abstechen scheint ebenso richtig als abstecken, da es mit eingesteckten pfählen (palis defixis) geschieht: abgestochenes feld der untersuchung, raum, der für die vernunft abgestochen ist. Kant 2, 166. 3, 313; als man mit den augen sich die erdenge zum lustlager abstach. J. Paul Kamp. 52; je unwillkürlicher der staat seinem nachbar die grenzen absticht. Hippel 11, 159, sei es mit pfählen oder durch rasenabstich.
Intransitiv, abstechen, sich entfernen: das schif stach vom ufer ab, ist schon abgestochen, nnl. de schuit stak af, was reeds afgestoken; er ist abgestochen, davon gegangen, abgesegelt; du kannst abstechen, apage, dich aus dem staube machen. die intransitive bedeutung entsprang durch ellipse des acc. stange, mit der man den nachen vom lande abstöszt. Ein andres intransitives abstechen für distare distingui, variari scheint erst im 18 jh. aus dem transitiven abstechen, antecellere entsprungen. denn zuerst hiesz es sich abstechen, sich auszeichnen, hervorthun: von diesen

sticht ein beschattet grün
recht angenehm sich ab.
Brockes 2, 301;

es stachen beide sich
von dem so holden grünen
recht unvergleichlich ab. das. 2, 448;

später ohne sich: die attische urbanität, die von der steifen und ceremonienreichen höflichkeit der heutigen Europäer merklich abstach. Wieland 1, 200; dasz die sitten einer vermählten und einer buhlerin von einander abstachen. 2, 235; von einer so abgeschmackten mit dem heldenthum so lächerlich abstechenden liebe. 2, 239; die so abstechen, als meine tochter zu ihrer schwester. Hippel 7, 133; er konnte ihn mit den lieben engelein vergleichen, gegen die er kräftig abstach. Göthe 21, 8; bei der lauigkeit, die mit des seligen stifters wünschen so grell absticht. 43, 374; weisz auf schwarz sticht gar gut ab. Fr. Müller 1, 127; seine wangen, mit deren braunem roth der schwarze lockichte bart abstach. Klinger 6, 210; die hochgewölbte stirne (des teufels), die mit dem merkzeichen der hölle zwischen den augen sehr abstach. 3, 48; helle und lebhaft abstechende kleidungsstücke. Kant 7, 386; den geistreichen schmerz gut gegen die unschuldigen gesichter der thiergestalten abstechen zu lassen. Tieck Sternb. 2, 332; das breite schwarze taftband, das gegen das blühende gesicht abstach. J. Paul Tit. 1, 11; die frau rath Schlosser hat gesagt, dasz wie er neugeboren war, so habe man ihn auf ein grünes billard gelegt, da habe er so schön abgestochen und ausgesehn wie ein glänzender engel, ist denn abstechen eine so grosze schönheit? Bettine briefe 2, 19. auch nnl. die oude broek steekt bij dat nieuwe

[Bd. 1, Sp. 128]


kleed slecht af; zwart op wit steckt wel af; zijne geaardheid heft bij die van haar altijd zeer afgestoken. das rothe sticht das grüne ab hiesz ursprünglich: besiegt das grüne, dann sagte man: roth und grün stechen sich einander ab, streiten mit einander, endlich roth und grün stechen von einander ab und hervor, wechseln ab, unterscheiden sich, contrastieren.
 
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abstecher, m. excursus, was sonst abschweif, abschub, abstreifer: hab ich einen abstecher gemacht nach Gent. Schiller 321.
 
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abstechung, f. franz. contraste: ausgeführte charactere, die mit nebenpersonen in eine sinnreiche abstechung gebracht waren. Lessing 4, 115; contrast oder abstechung. Kant 3, 77; manigfaltigkeit und abstechung der Farben. 7, 70. abstechung ist die aufmerksamkeit erregende nebeneinanderstellung einander widerwärtiger sinnesvorstellungen unter einen und denselben begrif. 10, 164. lieber sagt man heute abstich.
 
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abstecken, defigere, laxare, gegensatz von DWB anstecken und DWB aufstecken: das band vom ermel, die schleife von der brust, das tuch vom hals abstecken; die blume vom haar abstecken; die locken abstecken, losflechten; den spiegel her, will mir die haare auskämmen, abgesteckt, losgeflochten! Friedr. Müller 3, 138; die lichter vom leuchter, die kränze von der thür abstecken. das feld, den garten, die schranke, das lager, gezelt durch pfähle abstecken, vorzeichnen: hinter seinem abgesteckten plane kleben ist schwachheit. Fr. Müller 3, 259; aus den drei puncten, die ich zum voraus abgesteckt. Herder 1, 53. Wie stechen (ahd. stëchan, goth. stikan) und stecken (ahd. stecchan, goth. stakjan) nahverwandt und schwer zu scheiden sind, flieszen auch abstechen und abstecken oft ineinander, in jenem liegt mehr pungere, in diesem figere. für das abstecken, abschlagen des zelts braucht schon Ulfilas hlêþrastakeins.
 
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abstehen, descendere, distare, deesse, desistere, nnl. afstaan. die älteste sinnliche bedeutung des wortes, worin ab fast noch lose stelle, wie in absein, einnimmt, war die heute erloschne des stehens, steigens von dem pferde, von dem sattel, des absteigens, absitzens. so heiszt es im Aimon und Galmy oft: stund ab von dem pferd, stund ab, als er abgestanden war, auch in Freys garteng. 92; soll der herre absteen von seime pferde. weisth. 3, 837; der postpott ist gleich vom pferd abgestanden. Ayrer 390b; XXV cardinäl wolgerüst, die seind von iren eseln abgestanden, seiner mai. entgegen gangen. Frank chron. 226a. nicht anders mhd.

vom orse stuont der küene man. Parz. 275, 5;

dô muoser von dem rosse stân. Iw. 5568;

si stuonden von den satelen. Gudr. 1464, 4;

dô stuonden von den rossen. Nib. 1660, 1;

die stuonden von den marken. Dietr. 3032;

si wâren von den rossen gestanden ûf den sant. Gudr. 1574, 1.

wofür anderwärts auch vallen und treten von den rossen, ahd. aber läszt sich ein stuontun aba hrossum, aba satalum erwarten. ferner hiesz es von dem schiffe abstehn, ans land steigen; der jäger steht ab, wenn er den anstand vergebens verläszt, das geflügel steht ab, wenn es vom baume entfliegt. nach dem mhd. von dem wege, von dem steine stân wäre auch ein nhd. von dem wege, der thür, der schwelle abstehn = abtreten vollkommen gerecht. hieran grenzt aber das räumliche abstehn, von einander stehn, distare: himmel und erde stehn weit von einander ab; weit wie die sterne abstehn von der erde; der stuhl steht von der wand ab; Frankfurt und Mainz stehn sich drei meilen ab; die ohren stehn ihm vom kopfe ab; die abstehenden ohren des pferdes. auf geistige zustände angewandt: weit von einander abstehende (der zeit nach entfernte) beobachtungen. Kant 8, 256; es steht mir ein begrif ab, wodurch mir sonst die dinge denklich sind. 3, 53; die leute stehen wol durch zustände und verhältnisse von einander ab. Göthe 33, 204.
Sahen wir eben sinnliches abstehn und abfallen, absitzen sich begegnen, so bezeichnet auch abstehn mit dem dat. der person von einem oder einem abfallen, gleich dem absetzen, einen verlassen, alicui deesse. sehr oft im Aimon: als lang wir leben, wöllen wir euch nit absteen; dannoch soll ich inen nicht absteen; so will ich inen, als lang ich etwas hab, nit absteen; hat er meinethalben unrecht, so will ich im doch nit absteen; so ir mir absteet, was schaff ich dann?; wo uns die götlich gnad nit absteet;

du nützlichster der meinen
stehst mir zu zeitlich ab.
Fleming 145;

[Bd. 1, Sp. 129]


wiewol dies letzte bedeuten kann du verlässest mich, oder gehst mir ab, oder gehst mir zu grunde. denn abstehn drückt auch aus de statu suo declinare, deterius fieri: abgestandner wein, vinum fugiens; abgestandne fische, pisces emortui; der baum steht ab; perlen, aber alle verdorben oder abgestanden. Simplic. 1, 296; ein abgestandenes gericht. Tieck 15, 132; alle meine jugendlichen empfindungen erschienen mir schal und abgestanden. 7, 301. abgestanden drückt wie abgegangen todt und gestorben aus. R. A. von 1521 §. 30. dahingegen die verpflanzten beischosz leichtlich abstehn, pereunt. Hohberg 3, 522a.
Eines dinges abstehn ist desistere a proposito: das eben dis die alleradelichst tugent des glaubens ist, das er sein augen zuthut und einfeltiglich solcher forschung abstehet und frölich gott alles heim stellet. Luther 2, 271b. br. 2, 254; hiesz sie auch des nicht abstehen, sondern bestetigets vielmehr. 3, 317; weil sie der sachen nicht abstehen. br. 4, 142; seiner laster gar abstehn. H. Sachs 1, 243b; so einer seines oberhern bevelch(s) abstehet. Fronsp. 3, 283a; als er seines stelens nit abstund. Kirchhof wendunm. 271a; der pfaf bate sie gar freundlich, sie wolten ires fragens abstehn. Wickram rollw. 59; wa si widerruften, ihres irrthumbs abstunden. Frank weltb. 100b. an die stelle des gen. tritt aber, und heute immer, die praeposition: abstehn von unrecht nicht betrübt. Kirchhof wendunm. 282b; wir würden von der forderung gern abstehn. Kant 2, 385; er will vom bauen, von seiner behauptung abstehn. es kann auch bloszes abstehn, im sinne von cessare gesetzt werden: was bei diesem planeten sei zu begehn oder abzustehn. Fischart groszm. 55;

je mehr ich küss, je mehr dein schnee
mein herz ganz wunderlich anzündet,
darumb ich billich nu absteh,
eh gänzlich mich dein schein verblindet.
Weckherlin 406;

die mühle steht ab, steht still.
Von einer sache abstehn, sich ihrer entäuszern zu gunsten eines andern, sie ihm abtreten, überlassen wendet die neuere sprache um in einem oder an ihn eine sache abstehn: so wie er zehn jahre darauf seine hälfte für die hälfte des bezahlten preises an ihn gänzlich abstand. Lessing 9, 226; der landphysikus, der ihm den halben palast abstand. J. Paul 1, 170; ich glaube nicht, dasz sie für das blosze exemplar des buchs den lorbeerkranz abstehn wollen. teufelspap. 2, 108; ists nicht eine schande titularämter theurer abzustehn als wirkliche? Q. Fixl. 104. vgl. zugestehen.
Bemerkenswerth noch: das pferd hat sich im stall abgestanden, durch zu langes stehn schaden gethan; die pferde stehn ihre bein ab und können hernach niergent fortkommen. Agricola spr. 168b.
 
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abstehlen, clam auferre, nnl. afstelen: das er mir tut mein pfrunt abstelen, d. i. ab mir stelen. fastn. sp. 144, 13; abgestolen 180, 8; das ein iglicher bube macht und freien zutrit hette, mir dieselbigen (meine tochter) heimlich abzustelen. Luther 5, 239a; dasz mir das buchlein ist heimlich abgestolen oder abgeschrieben. Luther br. 3, 121; so wird ein giftiger rauch drausz, der in einen kreucht und einem heimlich seel und leben abstilt. Mathesius 102b; gleichwol dem Florindo nicht einmal ein lustiges gespräch abstehlen kunte. Weise kl. leute 23; ein abgestohlner kusz. Logau 2, 100, 2; dem lieben gott die tage abstehlen. Gellert;

und ihre kühneren, vom schlaf erwachten seelen
beginnen uns die kunst der waffen abzustehlen.
Gotter 2, 418;

ich stahl ihr schnell ein mäulchen ab.
Gerstenberg;

die kunst, den schatten ihr nachahmend abzustehlen.
Schiller 23;

die unterschrift von neulich, die abgestohlne. das. 370; um den ständen ihre bewilligung abzugewinnen oder vielmehr abzustehlen. das. 824; ihr (der natur) neue genüsse abstehlen. Klinger 2, 357; blind für jede schönheit, die der mahler der natur abstahl. Tieck 8, 272. Sich abstehlen, clam se subducere, secedere: dasz ich itzt mit gewalt hab müssen mich abstehlen von den leuten. Luther 6, 506a. br. 5, 83;

ach solt könig Wolfdieterich
also von uns abstehlen sich?
Ayrer 219b.


 
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abstehung, f. omissio, cessatio: zu abstehung solches ires trutziges sinnes (von ihrem tr. s. abzustehen) vermahnet.

[Bd. 1, Sp. 130]


Er. Alberus s. 8; ob ihm gleich Lisette mit der abstehung ihrer liebe gedräuet. Salinde 249. jetzt auszer gebrauch.
 
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absteifen, firmare, fulcire, im bauwesen, mit stützen, streben versehen: wenn die schwellen eingelegt, die ständer aufgestellt und an den seiten abgesteift sind; einen schacht absteifen, stützen.