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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
absengen bis abseufzen (Bd. 1, Sp. 116 bis 118)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) absengen, igne admoto adurere: dem vogel die federn, dem pferde die mähne absengen; ich habe mir mit dem zu nahe gebrachten licht die haare abgesengt. eine gans, ein huhn, ein schwein nach dem schlachten absengen, nach dem rupfen oder brühen ihnen die stehn gebliebenen federn oder haare ablösen, was in einigen gegenden auch flämen heiszt.
 
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absenken, deflectere, hinab, abwärts neigen: das haupt absenken,

jener, das haupt absenkend, umlockerte emsig den spröszling.
Voss Od. 24, 242;

ein holdes mägdlein, mit abgesenktem haupt und aug. Göthe 13, 130;

aber nachdem nun jenes geschlecht absenkte das schicksal.
Voss Hes. hausl. 121;

dann mit getön absenken den flug, dasz weit das gefild hallt.
Voss Il. 2, 463.

im bergbau, gleichviel mit abteufen, in die tiefe hinab arbeiten: den schacht absenken, den tagesschacht, das luftloch auf den stollen absenken. im gartenbau, bäume, weinstöcke, pflanzen absenken, mit dem zweig, woran sich eine knospe befindet, niederbeugen und mit erde bedecken, dasz die wurzeln des auges sich entwickeln und anwachsen können; einfache und abgesenkte nelken. Gellert 3, 545; abgesenkte rosen. sich absenken, hinab neigen:

an der fluh,
die sich gähstotzig absenkt in die tiefe.
Schiller 540.


 
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absenker, m. surculus in terram defixus, das abgesenkte reis, die abgesenkte blume, der ableger: während sie absenker von ihren lieblingsnelken machte. Bettine tageb. 70.
 
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abserben, tabescere, ahd. serewên (Graff 6, 280), absärben elanguere. Fries; wirt mächtig gepriesen in den abserbenden (krankheiten) und bresten der lungen. Forer fischb. 118b; dieser ist gut den abserbenden magern leuten. das. 128b; graf Bernhard und Heinrich kamend bis gen Jerusalem, doch also abgesärbet, dasz sie alda beide sturbend. Tschudi 1, 45; vgl. DWB serben und sochen Schmeller 3, 281. Tobler 13a führt abserblig auszehrend und abserbleta auszehrung an.
 
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abserfeln, pedes trahere, mit den schuhen am boden abstreifen, abschleifen, vgl. DWB serfeln Schmeller 3, 282 und abschlerfen.

[Bd. 1, Sp. 117]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) absetzbar, mlat. amovibilis, franz. amovible.
 
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absetzen, deponere, goth. afsatjan, nnl. afzetten, wegsetzen, abthun: die mutter setzt das kind ab von der brust, von dem arm; das pferd hat seinen reiter (vom sattel) abgesetzt; das glas absetzen vom munde, absetzen im trinken; die mütze, den hut vom kopf absetzen; das gewehr von der schulter oder von der wange absetzen; ich setze die feder ab (vom papier); den stuhl vom tisch, den tisch von der wand, den kessel vom feuer, den eimer vom brunnen, die last vom wagen, den blumentopf vom fenster absetzen; den richter vom stuhl, den könig vom thron absetzen und nun figürlich absetzen, entfernen, amovere, removere, von amt, dienst, stelle entsetzen, stärkere ausdrücke als entlassen, abdanken, und auf ein vergehen sich gründend: priester auf pfarren auf und absetzen. reichsabsch. v. 1530. §. 35; den hirten, schulmeister absetzen und selbst auf sachen bezüglich, ein wort, eine redensart absetzen, verabschieden, auszer gebrauch kommen lassen: was brauchen sie für alte, abgesetzte wörter? Lessing 2, 400, wenn man nicht verstehn will abgelegte, ohne die vorstellung des entlassens aus dem dienst. so steht absetzen häufig dem ansetzen, aufsetzen entgegen: dasz sein vater ihn längst vor verloren gehalten und seine hofnung von ihm abgesetzt. Weise erzn. 354. absetzen, im gericht, eine gemachte behauptung entkräften, gegenbeweis führen: mag der das absetzen mit zwei mutermagen und einem vatermagen. weisth. 1, 87. wundärzte setzen ein glied ab, die brust ab, amputieren; den kopf absetzen heiszt beim nachrichter ihn abhauen. im bergbau, ein stück vom gestein, von der stufe absetzen, abschlagen. die speisen absetzen, ehe sie zur tafel kommen, auf einen nebentisch. der flusz setzt am ufer muscheln ab; du setzest (sonderst) viel galle (von der leber) ab; die milch setzt molke ab, der ofen wärme. der kaufmann setzt seine waaren ab, d. h. von der bank, vom laden, indem er sie verkauft, welches absetzen dann ganz abstract ausdrückt verkaufen, los werden, und hieran grenzt die bedeutung des verbrauchens, verschwendens:

von seinem gelde
war längst das drittheil abgesetzt.
Hagedorn 2, 146.

die zeile absetzen heiszt sie von der voraus gehenden trennen, im gedicht die verse absetzen, sie der einförmigen prosa enthoben wechselnd folgen lassen. Wo nun überhaupt solche redensarten geläufig werden, kann der abhängige casus weg bleiben und absetzen drückt schon für sich aus das kind oder thier von der brust entwöhnen, den beamten vom platz entfernen, waaren verkaufen.
Beachtungswerth ist das unpersönliche, den acc. jederzeit ausdrückende, aber das von wo errathen lassende es setzt ab, wofür allmälich auch blosz gesagt wurde es setzt: es wird schläge absetzen (von den fäusten, händen); das setzt thränen ab (von den augen): pestilenz, wenn euer gnaden ein pfarrer wäre und auf der kanzel so predigte, das setzte zähren ab. Wieland 11, 241; bei dir wirds ein schön geheul absetzen (aus der kehle), ist mir bang auf die ersten acht tage. Fr. Müller 3, 41; es setzt wunderliche reden ab (aus dem munde der leute), dasz er so schnell abreiste. je abstracter die redensart geräth, desto schwerer, unsicherer bleibt die ellipse: es wird einen gewaltigen lärm, viel zank absetzen, viele umstände, bücklinge; demungeachtet setzte es einen groszen streit ab. Wieland 3, 261; ich war im begrif es ihnen vorzutragen, aber es wird schwierigkeiten absetzen. Wieland 19, 300. beinahe immer scheint der acc. eine traurige, unangenehme vorstellung zu enthalten, doch läszt sich sagen: es wird einen mächtigen jubel absetzen.
Im sinn des heute üblicheren versetzen drückte sodann auch absetzen die abstechende, hervortretende verbindung zweier gegenstände aus, so dasz der absetzende dabei die nebensache bildet: die farben absetzen, dunkle farben neben den lichten auftragen; einen (blauen, grünen) kasten gelb absetzen, mit gelber leiste versehn, die leiste gelb anstreichen, nnl. de vakken ener kamer groen afzetten; den braten mit rahm, die pflaumen mit honig absetzen, wol auch die suppe mit eiern (vgl.abmachen); ein immer währendes gastmal mit musik, tänzen und spielen abgesetzt (gleichsam geschmückt, ausgestattet). Wieland 13, 25; männliche stimmen waren mit sanften weiblichen nach verschiedenen graden abgesetzt (abgestuft). 34, 125; gebüsche mit hohen cypressen und selbstgewachsnen lauben abgesetzt (unterbrochen). 2, 47; schlängelnde gänge zwischen hecken von myrten, hier und da von schlanken

[Bd. 1, Sp. 118]


pappeln und weinbekränzten ulmen unterbrochen, und mit blühenden lauben und moosbänken zum ausruhen abgesetzt. 3, 367; so wenig eine landschaft ohne manigfaltigkeit das auge vergnüget, wenn das schöne nicht hier gegen einen unfruchtbaren hügel, dort gegen ein sandfeld, dort wiederum gegen wilde dornstauden abgesetzet ist. Dusch; was wir an andern am meisten bewundern, schönheit und reiz, sind in ihr nur die schatten, ein gröszeres licht abzusetzen. Lessing; ein starker duft, der sich über alles gleichförmig verbreitete, mit so merklicher wirkung, dasz die gegenstände auch nur einige schritte hintereinander entfernt, sich entschiedener hellblau von einander absetzten. Göthe 28, 108. vgl. engl. set off.
Vollständig, fertig setzen: die handschrift ist abgesetzt, das blatt noch nicht ganz abgesetzt.
Endlich intransitiv mit der bedeutung des ablassens, abstechens, abfallens, verlassens. im bergwerk, der gang setzt ab, fällt aus seiner stunde, verliert sich; das gestein setzt ab, wird brüchig. die farbe setzt stark im achat ab, tritt lebhaft hervor, was mit jenem transitiven absetzen, abstufen sich berührt; dadurch dasz tag und nacht so entschieden von einander absetzen. Göthe 38, 173; die vier schnecken setzen viel zu stumpf ab, es hätten darauf noch vier leichte thurmspitzen gesollt. 26, 84; auf einem plateau, dessen boden gegen den flusz nicht allmälich abhängend ist, sondern ungefähr auf halbem wege sehr bestimmt und scharf über dem mittlern wasserstand des flusses absetzt. 44, 57;

auf dasz er
nicht etwa ohngefehr und wust wo abesetzte
von angenommner art.
Logau 3, 217;

der, so viel tausend vor beherscht durch einig winken,
von dem setzt alles ab noch vor dem niedersinken.
A. Gryphius 1, 336;

alles was ich hoch geschätzet
hat jetzt von mir abgesetzet.
Gryphius;

ich nehme es für die eigentliche ursache der dinge, heisze aber hergegen alles falsch, was von dieser etwas weit abtritt oder absetzet. Hoffmannswaldau sterb. Socr. 100; solte die, welche vom fürsten so herzinniglich geliebt worden, von ihm itzo so leichtsinnig absetzen? Lohenst. Arm. 1, 324; als ob er wieder auf der deutschen seite hienge und von den Römern absetzen wolte. das. 2, 1096; die Longobarden setzten von ihm ab und wehleten den herzog von Friaul Rachis zum könige. Mascou 2, 318; die sächsischen magnaten hielten es eine zeitlang mit ihm, doch setzten auch verschiedene auf Udonis einrathen von ihm ab. Hahn 3, 81; dem keiser muste bedenklich vorkommen, dasz seine eigene vettern von ihm absetzten. Hahn 3, 163; als endlich auch Innocenz, der alles für Otto gethan hatte, von ihm absetzte. Möser 3, 21. da aber das praet. mit haben gebildet wird, folgt, dasz bei intransitivem sinn kein wahres neutrum vorliegt, sondern ein ausgelassener acc. dem activum intransitive wendung gab, man ergänze fusz oder hand. er setzt von ihm ab bedeutete: er setzt seinen fusz von ihm ab, fällt von ihm ab, verläszt ihn. absetzen ist wie setzen wesentlich transitiv.
 
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absetzkalb, n. das nicht mehr saugende kalb.
 
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absetzlamm, n. das entwöhnte lamm.
 
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absetzung, f. depositio, die absetzung von der stelle. die absetzung des viehes. absetzung der sandschichten (im meer), des schlammes (im strom). Kant 7, 238. 9, 9.
 
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abseufzen, suspiriis impetrare, durch seufzer abnehmen: aber lasz sie schreien, sie haben noch lang zu schreien, ehe sie das herwider schreien, das ihnen der Luther mit gottes gnaden hat abgeseufzt. Luther 6, 307b. sich abseufzen, seufzend abmatten.