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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abseihen bis absenden (Bd. 1, Sp. 115 bis 116)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abseihen, colare, durch seihen absondern, das wasser von der grütze, von den erbsen abseihen, dann die grütze, erbsen abseihen. die milch, den wein, das wasser abseihen, durchseihen, reinigen. das part. heute abgeseiht, noch bei Tabernaemont. kräuterb. 1362 die starke form: trink die abgesiegene brühe, wo nicht die abgeflossene, s. DWB absig.
 
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absein, abesse, tolli, deleri, abrogari, sublatum esse, ahd. aba wesan (Graff 1, 483. 1060), mhd. abe sîn, abe wesen, nnl. afzijn und afwezen, doch auch nhd. wird die partikel noch los gefühlt, gebunden nur in abwesend und dem substantivisch aufgefaszten absein und abwesen. wo ist das siegel des briefs? das siegel ist ab, ich sehe dasz es ab ist, es sollte nicht ab sein; der nagel ist noch nicht ganz vom finger ab, ich zweifle dasz er ab sei; man hat gerissen, genommen, geschnitten hinzu zu denken. die spule ist ab (gelaufen), ich will eine andere holen. In alten urkunden oft die formel: krieg, feindschaft sollen ab, todt und nichtig sein; aller hader und streit zwischen uns ist nun ab und soll ab sein, d. h. abgethan, zu ende. oft bei Luther: die verheiszung ist abe. Röm. 4, 14; die teglichen messen sollen ab sein aller dinge, denn es am wort und nicht an den messen ligt. Luther 2, 258b; die sollen todt und ab sein. 3, 106b; die artikel sollen von stund an tod und ab sein. 3, 113; und die weil sein (des gesetzes) treiben und foddern ab ist, so ist auch alle sein macht, recht und ursache ab. 3, 179; aber das ist nu alles ab und mit ihm gestorben. 3, 452b; und soll alles schlecht und ab sein, vergessen und ausgetilget. 4, 539a; denn es soll nicht heimlich noch in einem winkel geschehen, das hie einer und dort einer auferstehe, sondern ein offentlich wesen sein für aller welt, da beide tod, sünd und alle unglück ab sein wird. 6, 235b; sie wöllen schlecht, ich solle gar darnider ligen und rein abe mit mir sein, das nichts stehen bleibe. 5, 57b; nu aber musz solchs alles abe sein mit disem leben. 6, 255b; denn weil das geistlich regiment des worts und glaubens aufhören soll, so musz auch des kaisers und meisters Hansens mit dem schwert abe sein. 6, 236b; fellet nicht auf die güter, wenn sie da sind, fellet auch nicht abe, wenn sie abe sind. 1, 482a; das man je nicht viel bettelklöster bauen lasse, hilf gott, ir ist schon viel zu viel, ja wolt gott sie weren alle abe. 1, 302a; es musz und soll abe sein. 2, 100a; darumb ist bilderei und sabbat frei, ledig und abe. 3, 43; die gesetze sind tod und abe. 3, 167; das sechste stück von den messen soll auch ab sein. briefe 2, 620. Noch bei Claudius 8, 111: die flüchtige natur und empfindlichkeit ist abe. Steht ein gen. dabei, so entspringt die bedeutung des frei und entbunden seins: des teufels wären vil gern ab. Agricola spr. 52a; dasz ich des laufens und der schweren händel ein weil ab sei. Frey garteng. 87; wolten sie des weibs ab sein. Kirchhof wendunm. 179a; diesen gen. kann aber auch die praep. von ersetzen: (der) soll von dem zoll und wegsteur ab sein. Frank weltb. 36b; von aller betrübnis und angst des gewissens und herzens ab seind. das. 14b. Seltner erscheint die vorstellung der abwesenheit und fast nur schlesische dichter gebrauchen absein für das heutige abwesend sein:

seid tausendmal gegrüszet,
ob ihr gleich absein müszet.
Fleming 77;

dasz ich eine zeitlang von ihr absein muste. pers. rosenth. 5, 8; der jetzigen sprache bedeutet er ist ab nicht abest, sondern abjectus, remotus est. die vorstellung des nnl. niet afzijn, nicht unterlassen, ohne beigesetzten gen. ist uns fremd.
 
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absein, n. absentia, abwesenheit, nnl. afwezen:

wer den, der ihn liebt,
in seinem absein läszt bei ihm vergessen werden.
Opitz;

ach mein herr siehe zu,
dasz mir dein absein nicht die halbverzehrte seele
... bis auf das sterben quäle.
Fleming 30;

so ist es billich auch, dasz freunde vor sich stehn,
zumal wenn absein sie nicht läszt zusammen gehn. 54;

ein lebensvoller geist, sein absein ist der tod. 34;

gemüte, das ich durch mein absein quäle. 44b;

sich zeit meines abseins selbst kein leid zufügen. Felsenb. 1, 104;

mit recht, sagt ihre nachbarinn,
liegt dessen absein dir im sinn.
Hagedorn 2, 88;

gib acht, der biedermann hat nur mein haus
in meinem absein nicht betreten wollen.
Lessing 2, 213.

[Bd. 1, Sp. 116]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abseit, seorsum, procul, statt des üblichen abseits und beiseite:

stinkend kees und warheit
liegt hei höfen abseit.
Logau 3, 1, 11.


 
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abseite, f. gewölbter nebenraum in der kirche, mlat. absida, gr. ἀψίς, ἁψίς, mhd. absîte, später auch auf weltliche nebengebäude angewandt, weil man aus dem wort fälschlich die vorstellung des zur seite stehenden leitete und ábseìte betonte. die absite sunnenhalb an der kilchen. weisth. 1, 821; du wirst in die hell absteigen, in die abseiten der lachen, in den raum der sümpfe. Reiszner Jerus. 2, 160a.
 
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abseiten, de latere, von seiten, wegen, mit folgendem gen., im kanzleistil: abseiten meiner, von meiner seite, meinerseits, nnl. van zijde.
 
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abseitig, adj. und adv. abgelegen, remotus. ein abseitiger ort; ich wohn allhier vom dorf abseitig. Tieck 2, 329.
 
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abseitigen, removere, abseits, beiseite kehren, sich abseitigen, sich entfernen: dasz sie sich alle sonnabend abseitiget, und du an solchem tage gar nicht einmal nach ihr fragen darfst. Tieck 13, 114.
 
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abseits, seorsum, auf der seite, abwärts: es war kaum eine viertelmeile abseits der heerstrasze, wo die that geschehen war. Schiller 709;

aber abseits wer ists?
ins gebüsch verliert sich sein pfad.
Göthe 2, 65;

rinnt ein nebenbach
abseits von dir. 2, 73;

ich gieng etwas abseits, machte meinen entwurf. 24, 274
 
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abseitwärts, verstärktes abseits: lief abseitwärts und allein. Schiller 119; es donnerte abseitwärts. Göthe 16, 36. vgl. seitwärts.
 
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absenden, demittere, entsenden, abschicken: den boten, brief von hause absenden; er sandte wöchentlich zwei kisten ab; ich bin hierher abgesandt worden.