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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abregnen bis abreiszen (Bd. 1, Sp. 88)
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[Bd. 1, Sp. 88]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abregnen, depluere, niederregnen, ausregnen: so hat er doch das düstere gewölk an die berge geworfen, wo es denn abregnen, abschneien oder sich selbst verzehren mag. Göthe 45, 295; indem sie (die regenstriche) nach der erde gerichtet bald abzuregnen schienen, bald in der höhe schwebend verweilten. 51, 216.
 
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abreiben, defricare, nnl. afwrijven, reibend wegschaffen. den schmutz von dem kleid, den rost von dem messer abreiben, dann das kleid, messer abreiben. völlig durchreiben: die farben auf dem stein abreiben, die schuhe abreiben, zerreiben, abnützen. bildlich: die feinere welt hat das grade deutsche von ihm noch nicht abgerieben (abgeschliffen). Klinger 1, 377; weltleute, die ihren natürlichen character an der politischen klugheit abgerieben haben. 3, 127; daher einen abreiben, abschleifen, verfeinern, abgerieben, fein, schlau, verschlagen: ein dorf, darinnen waren vor zeiten gar gute, fromme, einfeltige leut, jetzunder sind sie basz abgerieben. Frey garteng. 276; abgeriebne renke. H. Sachs IV. 3, 40c. wunderlich abgeriebne stück. I, 453b. sich abreiben, abnützen:

weil nicht durch steten brauch sich leichtlich abereiben
die warheit und das recht, so werden sie wol bleiben.
Logau 2, 7, 51;

egoismus ist der schleifstein, an dem sich die rauhen ecken der meisten abreiben. Klinger 11, 35.
 
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abreichen, arripere, ablangen, abholen, erreichen: ich kann es mit den armen nicht abreichen; mein stab reicht den apfel vom baum ab; vom schiff es (das felsenrif) springend abzureichen. Schiller 540; der so nah ist, dasz man ihn und viele andere bequem mit den augen abreichen kann. Tieck 6, 340. mit dem dat. der person: reiche es mir ab, erlange es für mich und gib es mir, vgl. DWB verabreichen.
 
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abreifen, plene maturare, völlig reifen, mhd. rîfen:

ihr abgereifter witz beschämte tausend frauen.
Günther 620.


 
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abreifen, funem auferre, den reif abschlagen, mhd. abe reifen: das fasz abreifen, bei schlossern, mit dem reifkolben die groben ecken abstoszen.
 
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abreihen, filum solvere, das aufgereihte, eingefädemte auseinander nehmen: äpfel, morcheln, perlen abreihen.
 
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abreise, f. profectio, mhd. reise, ahd. reisa (s. reise), die reise von einem ort: am tage vor meiner abreise; unsre abreise ist auf morgen festgesetzt; die abreisen folgten kurz hinter einander.
 
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abreisen, decidere, mhd. abe rîsen, abfallen, defluere: dienstlich dem abreisenden haar. Forer fischb. 33b. s. abriesen.
 
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abreisen, proficisci, mhd. reisen, proficisci: der gesandte reiset morgen ab von Berlin; über hals und kopf abreisen. auch, wie abgehn, abfahren, die letzte reise thun, sterben:

nun, reist er ab, so reist er.
Gökingk 3, 17.


 
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abreisetag, m. Dahlmann gesch. der fr. rev. 372.
 
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abreiszen, abscindere, gewaltsam abtrennen. sowol intransitiv: der strick, faden, knopf risz ab; das schwache seil wird abreiszen; als gewöhnlich transitiv: ich risz den strick, faden, knopf von der stange, nadel, von dem kleide ab; der taube den kopf vom hals abreiszen;

ab risz er seine kleider
und warf sich in die flut;

einem die larve vom gesicht, den rock vom leib, die schuhe von den füszen abreiszen;

dann ihr könt leichtlich reiszen ab
so ein weiten weg eure gewand.
Ayrer 360b;

und mit bloszem acc. viel kleider abreiszen, das siegel schnell abreiszen, häuser abreiszen. Dann figürlich abripere, eripere: welchs uns diese reuber und gottes diebe gern abreiszen wolten und inen selb allein zueigen. Luther 1, 396a; den christlichen namen wil ich euch nicht lassen noch gönnen, sondern beide mit schriften und worten euch abreiszen nach meinem vermügen. 3, 118b; damit er uns abreiszet von menschenlere. 8, 318a; das sie sich von dem mann abrisz. Burc. Waldis Esopus 3, 98. bl. 198b; die unterthanen von ihrem könig abreiszen. Klinger 1, 321; gerade heute sollte er von ihr abgerissen werden. J. Paul Hesp. 4, 86. sich abreiszen, losreiszen: ich arbeite zu viel, musz mich abreiszen; das pferd hat sich abgerissen, losgemacht. abgerissen bedeutet zerlumpt, in abgetragnen kleidern, hernach zerstückt, stückhaft, abgesondert:

[Bd. 1, Sp. 89]


sind diese die, die vor der zeit
in purpur, seid und gold geglissen,
und dis, die in gebrechlichkeit
umirrten, kahl und abgerissen?
A. Gryphius 2, 13;

meine freunde, denen ich sonst nur abgerissene besuche machen konnte, wollten sich meines anhaltenden umgangs erfreuen. Göthe 19, 352; mit lazareten, abgerissenen soldaten, zerstückten waffen. 30, 149; in einzelnen, abgerissenen stunden. Tieck 11, 75; in meinen abgerissenen träumen. Tieck 7, 80; ein einzelnes, abgerissenes, zitterndes wesen. Klinger 7, 227; in abgerissenen sätzen vortragen. abgerissen sein heiszt auch von geld entblöszt. Eine eigne, ausgebreitete bedeutung von abreiszen ist aber die des ahd. rîʒan exarare, incidere, scribere (Graff 2, 557), ags. vrîtan, engl. write, für entwerfen, abmahlen, schildern, weil das ursprünglich durch reiszen oder ritzen auf stein und holz geschah: das ich sie bisher nicht recht und genug gemahlet habe, sondern allein auf ein papir schlecht abgerissen. Luther 5, 161b; das etwa ein gelerter, ehrlicher man solch bild hat angeben und abreiszen lassen. 8, 116a; darinn gott durch Mosen heimliche und künftige ding abreiszen und fürbilden liesz. Mathesius 42b; und liesz ihn sehen muster und fürbild, nach dem er die stift der hütten abreiszen und machen solte. das. 43a; schreibet auch der prophet auf ein zigelstein oder reiszet die stat darauf abe. das. 103a; abreiszen und mahlen. Philand. 1, 25;

du bist stets für mir, sider der lieb gewalt
dich rein mit Amors pfeil in mein herz abgerissen.
Weckherlin 713;

dieser fieng an mich zu beschauen, abzureiszen, zu untermahlen. Simplic. 1, 75; habe ich folgende acht schilde, als vier vom vater, vier von der muter abreiszen lassen. Schweinichen 1, 15; Telephanes hat das abreiszen ohne farbe aufbracht, Philocles soll das abreiszen, Gyges aber das mahlen mit farben aufbracht haben. Wiedem. april 1, 54; die fratze mit einer groben feder auf dem papier abzureiszen. Schiller 1210; seitdem mahl ich öfter und reisze täglich einige ideale fürstlicher köpfe ab. J. Paul teuf. pap. 2, 5. meistentheils wird darunter der erste rohe entwurf im gegensatz zum feinen ausmahlen verstanden.