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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ablernen bis abliegen (Bd. 1, Sp. 73 bis 74)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ablernen, discere, von einem andern lernen durch stilles zusehn und zuhören: ein schüler lernt es dem andern, die tochter der mutter ab, der sohn dem vater die handgriffe; ich will deinem auge den willen deines herzens ablernen. Klinger 2, 256;

und deinem Flaccus abzulernen,
wie man durch echten witz gefällt.
Hagedorn 3, 23.


 
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ablerschen, s. DWB ablörschen.
 
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ableschen, exstinguere, alte, richtige schreibung für ablöschen: wiltu deine sünde ableschen. Luther 1, 84a.
 
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ablesen, colligere, nnl. aflezen. steine vom acker, federn vom kleid, raupen vom baum ablesen; beeren von der staude, trauben vom stock,

und fangen alsbald an mit angenehmer müh
fein ordentlich zugleich die trauben abzulesen
Weckherlin 773;

dann den acker, baum, weinberg ablesen, vgl. DWB absuchen. Vom buche ablesen legere, recitare, einen brief, befehl ablesen. einen ablesen, seinen namen herlesen. einem an den augen, an der stirn ablesen.
 
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abletzen, valedicere, einen zu guter letzte begrüszen, verabschieden; sich abletzen, sich verabschieden: nun hab ich (sagt Grünenwald der sänger) ie nit von hinnen künnen scheiden, ich hab mich dan mit euwer gnaden abgeletzet; hab deren zu lieb ein newes liedlein gedicht, so euwer gnad das beliebt zu hören, wolt ichs deren zur letze singen. Uhland volksl. 624 aus dem rollw. 68. s. DWB letze und DWB letzte.

[Bd. 1, Sp. 74]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ableugnen, negare. alles ableugnen, gott ableugnen, verleugnen. meist mit dem dat. der person, einem alles gute ableugnen, die schuld, das anvertraute gut; das hiesze göttern die vernunft ableugnen. Schiller 229.
 
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ablichen, ein ganz veraltetes wort für mundare, emundare, begegnet verschiedentlich in Reiszners Jerusalem: ich wil ablichen dein blut, das an dir ist. 1, 45b; ich hab dich gewaschen und dein blut von dir abgelicht, emundavi sanguinem tuum ex te (Ezech. 16, 9) 1, 6a; der mit seinem blut den gestank der sünden abgelichet. 1, 102b. sein musz es das ahd lichôn polire, welchem Graff 2, 118 mit unrecht ein î gibt, polire drückt zwar eigentlich glätten, dann auch reinigen und waschen aus, polire lina et lanas = lavare, wobei noch liquare zu erwägen, da in todes gehugde 117 zu lesen steht: die muken si lichent, culicem excolant (Matth. 23, 24) und excolare liquare bedeuten kann.
 
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ablieben, bei den weidmännern, einen leithund auf der fährte anhalten, liebkosend und streichelnd. das wort scheint aber mit lieben unverwandt und auf ein ahd. lîban parcere (Graff 4, 1110) mhd. entlîben zurückzuführen, wie man den jagdhunden auch schmeichelnd zurief: schôna lieber hund schôn! (altd. wäld. 3, 132). die unverstandne redensart suchte man später auf lieben zu beziehen, vgl. Gottleib Dietleib, später Gottlieb, Dietlieb. Zweifelhaft, ob Logaus einem andern abgeliebet 3, 7, 52 den weidmännischen sprachgebrauch im sinne hat, es meint aber abgeschmeichelt, was er könnte verstanden haben geliebkoset. vgl. abverlieben.
 
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abliefern, tradere, praestare, nnl. afleveren, aus den händen geben, liefern: geld, korn, heu abliefern, soldaten, gefangene. die bauern haben abgeliefert; die frau hätte uns weisheit abgeliefert für ewige zeiten. Tieck 3, 20.
 
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ablieferung, f. praestatio, hingabe.
 
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abliegen, diffiteri, bei Luther noch richtig geschrieben statt des heutigen ablügen, ableugnen: du wirst mir auch nicht abliegen das buch, lieber lügner. 1, 363b. mhd. abe liegen. das du mir mein kind hast abgelogen. fastn. sp. 43, 3.