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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ablaschen bis ablauben (Bd. 1, Sp. 66 bis 68)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ablaschen, im forstwesen, einen weg durch den wald an den bäumen bezeichnen. scheint entstellung aus ablachen, ablochen, von lâh, zeichen am baum.
 
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ablasz, m. demissio, remissio, nnl. aflaat, das ablassen. ablasz des schreibens von der hand. ablasz des wassers im teich, auch der ort, wo es abgelassen wird: wächst, da die fischweier in den walden ihren ablasz haben. Tabern. kräuterb.

[Bd. 1, Sp. 67]


569. ablasz des weins oder biers aus dem fasz: fülle das fäszlein mit einem guten most, lasz den darüber verjähren (gähren), und wann der ablasz (die zeit des abl.) kommt, sol man denselben ablassen. Tabern. kr. buch 122; es scheint vorzugsweise den abgelassenen jungen wein oder most auszudrücken:

was musz es für ein wein sein,
ein firner oder ein ablasz?
Ayrer 78a.

dann überhaupt die vorkehrung das flüssige abzulassen: unten müssen diese grander oder geschirr gleich neben dem boden einen ablasz haben, dardurch man das alte, verstandene wasser täglich ablassen könne. Hohberg 2, 321b. ferner für nachlasz, aufhören, wie man sagt ohne ablasz, unablässig, ohne abzulassen, mhd. âne underlâʒ:

sie will es aber nicht verstehen,
läszt mich in angst ohn ablasz gehen.
Opitz 2, 163;

ja segnen will ich got, und loben ohn ablasz.
Weckherlin 73;

mehr denn vierzig jahr her ohn ablasz. Herder 20, 232.
Hauptsächlich aber steht es für den kirchlichen erlasz der sünde ums geld (die indulgenz), wider welchen die reformation siegreich eiferte. in diesem sinn aber verwendet es Luther, und die ihm folgen, neutral: da ligt nu das ablasz, und sind brieve und siegel zustoben und zuflohen, und ist nichts verechters in der welt denn das ablasz. 6, 81b; also ist die grosze reuberei und schinderei, die man hiesz das ablasz, eingerissen. 6, 91a; das ablasz ertichtet er auch umb gelds willen. 6, 491a; ja ich verstunde nicht, was das ablasz war. 1, 4b; da ich zum ersten das ablasz angreif. 5, 53a; weil die papisten itzt selbs bitten wider das ablasz. 6, 82a; das heilige ablasz. 4, 298a; weil das ablasz abgehet. br. 2, 350. das scheint niederdeutsche weise, denn auch im Claws bur 250 heiszt es dat aflat. ahd. galt ablâʒ m. neben ablâʒi n. (Graff 2, 315), mhd. nur ablâʒ m. Freid. 150, 12. 24), kein ablæʒe n., aus ablâʒi kann ablasz n. geworden sein, wie aus gilâʒi, mhd. gelæʒe, nhd. gelasz n., doch schon goth. aflêt n. und altn. aflât n., hingegen nnl. aflaat m., schw. aflat m., dän. aflad m. einigemal läszt sich Luther z. b. 5, 79b. 224b vom hochdeutschen m. beschleichen, wenn hier nicht abschreiber und setzer walteten; mundgerecht war ihm das n., andere gleichzeitige schriftsteller, namentlich H. Sachs (II. 1, 87c. 88c) und Frank brauchen nur das m.: stark getrank macht wild, dasz war sei, findt es sich auf der pauren kirchweich wol, wann sie zu vesperzeit den applasz austheilen. Frank trunkenheit D 4a; gehen oft mit blutigen köpfen von der kirchweihe, so sie den ablasz zur vesperzeit mit spieszen ausgetheilt haben, wider heim. weltbuch 51a.
 
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ablaszbrief, m. breve indulgentiarum. Luther 1, 9a. Schwarzenberg 139, 2.
 
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ablassen, demittere, emittere, omittere, emittere, entlassen. den brief (von der hand) ablassen: er liesz ein sehr dringendes schreiben an den Dionysius ab. Wieland 3, 174; in einem von Paris abgelassenen schreiben. Wieland 30, 70; weil dieser (Gregor VII) an den bischof Altmann ein schreiben abgelassen hat. Möser 2, 44; nachdem unser freund vorstehende briefe abgelassen. Göthe 22, 124; er erkundigte sich, ob keine briefe angekommen, und weil eben jene reise mich verhinderte dergleichen abzulassen, so fehlten sie überall. 25, 239. die hand ablassen von dem was sie hielt oder fassen will: gott will seine hand von uns ablassen; lasz die hand ab von diesem weibe!; und were in ernst gewest, der kinder heil und seligkeit zu suchen, so würden sie nicht so die hende ablassen und hinfallen. Luther 2, 471a; ich will nimmermehr ablassen. den bogen, den pfeil ablassen; das schif (vom stapel) ablassen; die brücke ablassen, nieder, herunter; die vorhänge (her) ablassen; den tisch ablassen, abklappen; den wein (vom fasz) ablassen; das fasz ablassen; die fische vom teich und den teich ablassen; das schlosz ablassen, abschnappen; die sohlen ablassen, bei den schustern, sie am rande dünner machen. vom streit, vom krieg, von der feindschaft ablassen, daher ablassen im sinne von ruhen, cessare: mein gir nach pfründen laszt nit ab. Schwarzenberg 134, 2, läszt nicht nach; kan auch noch nicht mit gutem gewissen zurück ablassen. Luther 3, 415b; von der arbeit ablassen. die kälte läszt ab, läszt nach. von der schuld, von dem gelde etwas ablassen, erlassen; von der farbe, von der schwärze etwas ablassen. sich ablassen, hinab:

bald lasset ihr euch ab
in die verborgnen schlünde
Fleming 85.

[Bd. 1, Sp. 68]


endlich die sünde ablassen, erlassen, remittere: denn ablasz heiszet so viel als ablassen oder nachlassen, es (das ablasz) lesset abe alles gut und lesset zu alles unglück. Luther 1, 420a; gott vergibt und ableszt allzeit umbsonst die sünde. Luther 1, 543b. nicht ablassen, unterlassen etwas zu thun, non omittere.
 
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ablaszjahr, n. jubeljahr, in dem viel ablasz gegeben wird.
 
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ablaszkram, m. handel. haben sie den unüberwindlichen schaden dran, dasz ir ablaszkram da ligt im kot. Luther 6, 82a; ablaszkram aufgeschlagen. Fischart bienenk. 207b.
 
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ablaszmarkt, m. dein ertichter ablaszmarkt. Luther 3, 93. 94.
 
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ablaszwoche, f. woche in welcher man ihn austheilt.
 
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ablatschen, pedes trahere, den schuh, pantoffel niedertreten: ein gewisses ablatschen, hoffärtiges niedertreten der ferse. Tieck Cev. 1, 60. vgl. Frisch 582.
 
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ablatten, tigna auferre, die latten wegnehmen, das dach ablatten.
 
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ablauben, foliis privare, entlauben, entblättern:

der winter hat mit kalter hand
die pappel abgelaubt.
Bürger 13a;

einen ast, baum ablauben, den wein ablauben. abgelaubte freudentage. J. Paul Hesp. 4, 189.