Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abgreulich bis abgürten (Bd. 1, Sp. 51 bis 52)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abgreulich, horribilis, vor (früher ab) dem man grauen empfindet: ain abgreulich wesen. Melissus ps. E 5a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgrinsen, plorando adimere, grinsend abnehmen:

und solten wol die schweren zinsen
die leng dir all dein gut abgrinsen.
Ringw. laut. warh. 46.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgrund, m. abyssus, ahd. abcrunti n., mhd. abegründe n.,

[Bd. 1, Sp. 52]


goth. afgrundiþa f., was hinab, von der erde weg reicht, die unterste tiefe, der abgrund der hölle, des meers; gerade so gebildet ist das ags. ofdäle praecipitium (ahd. abteli?), ins thal niedergehend:

den abgrund füllend und den himmel.
Weckh. 346.

dann unermeszliche tiefe überhaupt: wie kan man hie anders sagen, denn das der gott doch nichts sei denn ein abgrund ewiger liebe. Luther 6, 47b; erhebe dein antlitz aus dieses jammers abgrund. Messias 12, 753; abgrund des denkens und fühlens. Klinger 12, 271; abgrund des verderbens. Kant 6, 245; so dasz das all im abgrunde des nichts versinken müste. Kant 2, 477; blicke in das wesen der dinge, die mir einen abgrund von reichthum eröfnen. Göthe 29, 212. schön von tiefen augen: aus ihren abgründen schien ein licht hervor zu blicken. Göthe 22, 102. der blaue abgrund, die unermessene tiefe des himmels. J. Paul Hesp. 3, 84; wie furien des abgrunds (der hölle) folgen mir die schauerlichsten träume. Schiller 246.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgründig, immense profundus, unermeszlich tief: got hat ein vollkommen einsehen in sich selber und abgrundiges durchkennen sich selbs mit im selber. Tauler Leipz. 1498, 5a; abgründige verzuckung. Fischart Garg. 112a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgründlich, gleichviel. der vater der abgründlichen barmherzigkeit. Luther 2, 79b. br. 2, 139; ein abgründliche und grundlose weisheit gottes. 8, 342a; nach abgrundlichem reichthumb. briefe 2, 220.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgrundwärts, adv. und rief ich weinend, wütend abgrundwärts. Lenau.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgucken, visu clam contingere, einem verstolen absehn:

wie er räuspert und wie er spuckt,
das habt ihr ihm glücklich abgeguckt.
Schiller (1822) 6, 24.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgunst, f. invidia, misgunst, neid, ahd. apanst apunst f. (Graff 1, 270. 272) vgl. DWB gunst. also das es (das gebot) sonderlich wider die abgunst und den leidigen geitz gestellet sei. Luther 4, 407b; der hofleute abgunst. tischr. 437a; also ward ir abgunst und teuflischer geitz gröblichen vergolten. Kirchhof wendunm. 179b; abgunsts glück zu irm feinde fält. das. 267a;

o gott soll dann die abgunst lange zeit
mit solchem hohn und groszen spotte schnarchen?
Opitz 142.

der eure gunst nicht sucht,
noch eure abgunst fürchtet.
Schiller 558.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgünstig, malevolus, feindlich, ahd. apenstîc apunstîc. etliche des raths zu Eisenach ihm abgonstig. Luthers br. 3, 162; zudem war im der pförtner abgünstig. Wikram rollw. 100; seines abgünstigen herzens neid. Kirchh. wendunm. 266a; kein geschlecht der menschen ist, under welchen so vil abgünstiger und zankischer, als undern bettlern sein. das. 246b; das abgünstige weib. das. 179a; dasz die zahl vieler groszen männer, die mir huld sein, die wenigen abgünstigen weit hinwieget. Opitz poeterei 1b; weil das glück mir abgünstig ist. irrgarten 257; der mann war äuszerst abgünstig und undienstfertig. Reiskes lebensb. 117. heute selten im gebrauch, man sagt lieber ungünstig oder misgünstig. im 16. jh. kommt es auch substantivisch vor für gegner, feind, und dann können possessiva hinzutreten, aber der dat. unterbleibt: unsern feinden und den geistlichen, des evangelii abgünstigen. Luther 5, 29a; dasz ihr k. mai. mich durch mein abgünstigen nicht wölle vergewaltigen lassen. Luthers br. 1, 599; meine abgünstigen hatten mich abermals angegeben. Schweinichen 3, 168; waren sie vor mir von meinen abgünstigen gewarnet. das. 1, 331; solche vergleichung hat meinen abgünstigen wehe gethan. das. 3, 166.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgurgeln, jugulare, von der gurgel stoszen, ein lied abgurgeln. einen abgurgeln, ihm die kehle abschneiden. Stieler 715.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgürten, cingulum solvere, nnl. afgorden, den gurt lösen. das schwert, den sattel abgürten; sie gürt ihm die gürtel ab. Ayrer 451b; um 1700, einem die peruque abgürten. Salinde 119. dann auch einen abgürten (besser entgürten), das pferd abgürten.