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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abgebet bis abgekränkt (Bd. 1, Sp. 44 bis 46)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abgebet, n. deprecatio, schlecht für abbitte: ist ein christliches abgebet schuldig. Abele 3, 123.
 
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abgebeten, für abbeten, wo belege stehn.
 
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abgebot, n. majus pretium, das höhere gebot, welches abbietet.

[Bd. 1, Sp. 45]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abgebung, f. praestatio, das abgeben, darreichen, besser die abgabe.
 
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abgehen, abire, davon gehn. zuerst von lebendigen, des gangs mächtigen wesen: der bote geht ab, die schauspieler gehn (von der bühne) ab am schlusse des auftritts: nachdem die königin den Essex beurlaubet, gehen beide auf verschiedene seiten ab. Lessing 7, 281; er geht ab von der bühne, verläszt die bühne; wenn sich männer hadern, und verletzen ein schwanger weib, dasz ihr die frucht abgehe. 2 Mos. 21, 22; aus dem leben abgehn, sterben: vater und mutter sind iro zeitlich abgegangen. Th. Plater 131; solt meines herren marschalk abgehen. Galmy 166; des stands und wesens, des der abgangen gewest. reichsabsch. von 1507 §. 17; Georg Friedrich Schmidt, geboren Berlin 1712, abgegangen daselbst 1775. Göthe, 24, 227;

geht wo ein schulregent in einem flecken ab,
mein gott wie rasen nicht die dichter um sein grab.
Canitz;

ros die uns verwundet abgiengen. Frank weltb. 233a; oft unter beifügung von tödlich oder mit tode, welches zu fassen wäre im geleite des abholenden todes, oder blosz aus dem alten instr. tôdû, statt welches auch der gen. gesetzt wird: todes abgehn, verbleichen. Dann aber von personificationen, namentlich dem tag, monat, jahr und schön von elementen, deren kraft man sich lebendig dachte: ein tag, ein monat geht nach dem andern ab (hin);

heute geht ein altes abe, gehet ein ein neues jahr.
Logau 2, 174, 83;

der winter ist abgegangen (excessit), schnee und eis von den bergen:

schnee, die von dem gebirg abgehend brausend rauschen.
Weckherlin 305;

diese bach geht nimmer ab (versiegt nie). Er. Alberus 139; wir wollen das feuer langsam abgehen (erlöschen) lassen, nachdrücklicher als ausgehn, auch altfranz. li fus sen va (erlischt). nicht anders von losbrennendem gewehr: die flinte gieng nicht ab (versagte); da lieszen wir unser geschütz abgehn, des si ein groszen schrecken namen. Frank weltb. 219b; und als wir unser geschütz lieszen abgehn, entsetzten sichs hart. 227a; hört wie man zur freud abgehen läszt die geschosz. Ayrer 139a; alsdann gehn im creisz etliche raketen ab. 313b; gerade so le fusil part, la flêche, la foudre part, the gun goes off. der dampfwagen, die post geht um zehn uhr ab Weiter von todten sachen, die sich ablösen: die schale will nicht abgehn, der nagel geht mir vom finger ab, die haut, die farbe geht ab. das kleid geht, gleichsam vom leibe ab, zerreiszt: abgegangner, vielmal verbesserter rock. Simplic. 1, 68. vgl. abgängig. der harn gieng blutig ab, die genossene speise unverdaut. es geht kein heller vom preise ab, musz noch viel abgehn; abgehn, gleichsam vom kaufladen: die waare geht reiszend ab, im gegensatz zu liegt still, liegt wie blei. abgehn für hinabgehn, descendere: da Moses abgieng von dem berg; die treppe auf- und abgehn; und so man dasselb berglin abgeet. Frank weltb. 173a; und musz man vil staffeln abgeen darzu in krüften. das. 168b; auch ganz transitiv für abtreten: ich habe mir die sohlen an den schuhen abgegangen, die füsze abgegangen; ich habe mich ganz abgegangen (müde); wenn ich sie herum ziehen sehe mit loosem haar, im mondschein einen kreis abgehn (pedibus calcare). Göthe 11, 50.
An das sinnliche es geht mir ab von den händen reiht sich ein abgezogneres ergehn, von statten gehn, gut oder übel abgehn: lasz ichs gar gutlich abgen (hingehn). fastn. sp. 166, 16; wo viel worte sind, da gehts ohne schaden nicht ab. spr. Salom. 10, 19; denn wir wissen, das es niemand iemals on gewisse fahr abgangen ist, so er gottes gnaden und wolthaten misbraucht. Luther 1, 221a; und wenns künd irer seelen on schaden abgehen. 3, 333b; dem fuchs gieng wol das schwetzen (vom maul) ab. Er. Alberus 70; wollte aber gott dasz ohne nutz und frucht nit abgienge. Kirchhof mil. disc. 266;

selten ist wol abgegangen
was nit wol ist angefangen.
Logau 3, 28, 30.

das böse wol gestellt lasz stehen wie es steht,
es ist noch ungewis, wie neues abe geht. 1, 214, 90;

so schlechtlich gehts nicht ab, dein warnen, das so gut,
setzt manchen aus gefahr in gottes hold und hut. 1, 232, 66;

wird nicht mein buch wol abegehn,
wie sichs zu nutz gebühret,
wird sichs auf gehen nicht verstehn,
wird wollen dasz mans führet. 1, 113, 78;

[Bd. 1, Sp. 46]



Amea ist so wunderhübsch, die schwangern meiden sie,
es gehet ab ohn misgeburt, wo sie begegnet, nie. 2, 230, 120;

Ruggiero schaut, wie doch die schlacht abgehn möge.
Dietr. von dem Werder Ariost 11, 17;

ohne verdrusz, ohne schläge, ohne blut, ohne thränen wird es nicht abgehn; auf einem balle tanzten wir eine menuet zusammen, auch das gieng ohne nähere bekanntschaft ab. Göthe 19, 276; über wissenschaften und künste gieng es auch nicht ohne widerspruch ab. 19, 290.
Auf der andern seite flieszen aus dem davongehn die begriffe des fern seins, abweichens, aufhörens, sich enthaltens, entgehns, mangelns. die ältere sprache pflegt hier noch den gen. zu verwenden, wie es mhd. hiesz eines dinges abe gân: wil er der sach dann nit abgân. fastn. sp. 144, 36; die mag des nit pald abgên. 245, 28; wiltu aber dein irrthum widerrufen und des heucheln(s) abgehen, soltu mich gar bald still und schweigend machen. Luther 1, 366a; und ward oft gewarnet von seinem nachbar, das er des wortes abe gienge. 6, 252b; das er des abgehe und dafür ein vaterunser bete. 6, 297; sie (die wucherer) wurden des schinden(s) und wuchern(s) wol abgehn. Schweinichen 2, 178; aber meine zwei schwäger konnten der unfläterei nicht abgehn. das. 2, 182; sie werden des wachens nicht abe noch gehn. Logau 2, 110, 59. heute stehn praepositionen: reine verstandesbegriffe haben keine bedeutung, wenn sie von den gegenständen der erfahrung abgehn. Kant 3, 232; wenn man von den sinnen abgeht, wie will man begreiflich machen, dasz unsre kategorien noch überall etwas bedeuten. Kant 2, 250; gewohnheit, worin sie von allen übrigen völkern des erdbodens abgehn. Wieland 6, 66; denn wenn sie wüsten kein lohn oder wenn das gute abgehet, hören sie auch auf. Luther 1, 33b; das im seine werk abgehen, ehe ers bedenkt. 4, 12a; nu ist abgangen der brauch, speise und gelt zusammen zu legen in der mess. 1, 335a; durch dein gnade hilf mir, das in mir mein name abgehe und ich zu nichte werde. 1, 73a; diese heilsame gebot Christi sind auch also abgangen, das man sie nicht helt. 1, 191a; insofern ihnen nichts darunter abgeht. Wieland 8, 228; folglich müssen dem artisten ganze classen von gemählden abgehen, die der dichter vor ihm voraus hat. Lessing 6, 462; indesz gehet das zeitwort von kartaune unsern wörterbüchern insgesamt ab. das. 8, 280;

es gieng auch diesesmal nichts der bewirtung ab.
Hagedorn 1, 25;

manchmal wird doch auch einer begraben, der einem andern nahe abgeht. Claudius 4, 3; ich fühle nur zu sehr, dasz mir ein mann dieser art abgeht. Göthe 17, 8; du sollst uns regieren, er soll uns pfeifen, was geht uns noch ab? 14, 115; sie sorgen für unsern gast, abbé, dasz ihm nichts abgeht. 20, 8; o ihr herren, denen nichts abgeht, ihr habt gut von wahrheit und geradheit reden. 20, 109; gottlob wir lassen uns nichts abgehn. Tieck 5, 10; es geht mir an dem gelde noch ein thaler ab; mhd. gêt mir an den (werken) iht abe. Walth. 100, 23. dir get ab an ghör. H. Sachs 1, 465c.
 
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abgeigen, fidibus ludere, von der geige abspielen. er geigt alles fertig vom blatte ab.
 
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abgeiseln, flagellis auferre, einem die haut mit der geisel abhauen, einen abgeiseln.
 
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abgeizen, avare adimere, durch geiz entziehen. was sie inen auch also abgegeitzt, haben sie noch geringere gewissen zu verprassen. Kirchhof wendunm. 389a.
 
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abgekehrt, aversus, part. von abkehren, auch mit der bedeutung von in sich gekehrt, und in der früheren sprache von verkehrt: wie lang wiltu umschweifen abkehrte tochter? Reiszner Jerus. 1, 96b.
 
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abgekehrtheit, f. das in sich gekehrt sein, die versunkenheit.
 
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abgekränkt, infirmatus, particip von abkränken, abschwächen:

seid ihr denn raths arm ganz
ihr abgekrenkten sinnen?
Fleming 184;

fallt hin ihr abgekränkten glieder.
Günther 12;

bis der abgekränkte körper
den gefangnen leib verläszt.
Günther 1095.