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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zeisig bis zeisigkraut (Bd. 31, Sp. 519 bis 520)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zeisig, m. , zeisig, fringilla spinus, chrysomitris spinus. form: anfang des 13. jahrh.s als mhd. zîs, zîse, f. (m.), dem lautmalenden tschech. ĉíẑ zeisig entlehnt (s. 1zeise, sp. 516). danach von neuem dem tschech. dim. ĉíẑek als zîsek (belegt als cisek 1425 Diefenbach gl. 110a; vgl.cysek, stisek [sc-] segex n. gl. 82b) entnommen und mit der deutschen diminutivform als zîseke, m., bis heute im mnd.-nd. bereich fortlebend; vgl. mnd. sisek, c-, ziseke Lübben-W. 350a (hieraus schwed. siska und ält.-dän. sisik) und die angaben der wbb. für Schlesien (auch zeiske ceyx Diefenbach n. gl. 82b ist schlesisch), Ostpreuszen, Brandenburg, Altmark (auch zeiske Coler hausb. 186), Sachsen (Herberger hertzpost. 1, 796), Thüringen, Vorpommern, Bremen. aus zîseke, zîske entsteht alsdann über zîseken (belegt 1511 Lübeck tzyszeken nd. jb. 16, 113; westf. siesken nd. kbl. 16, 86; fries. sisgen Heuszlin Geszners vogelb. 262a, dän. sisken, engl. siskin) die nord- und mitteldeutsche form zîs-, zeischen, n., vgl. zeisichen Diefenbach gl. 6b, Luther 32, 463 W., zyschen Heuszlin Geszners vogelb. 262a, luteola czyżik zeiszchen Murmelius D 6a, carduelis Reyher p 2 va, acanthis, spinus ligurinus Steinbach 2, 1080, sowie die nachweise der md. mda.-wbb. im äuszersten osten galt, wie sisex Lübben-W. 350a, sisex Diefenbach gl. 110a, sysex n. gl. 82b zeigen, das altpreusz. czisix (Nesselmann thes. 214). die nhd. schriftsprachliche form zeisig, m., bildete sich auf md. gebiet aus mhd. zîsik: cziszige (thür.), ziszig Diefenbach gl. 110a; schles. zeisich Schwenckfeld ther. 297; obersächs. zässig Müller-Fr. 2, 697b. ostmd. auch -ing: ebda; tzysing 1517 Diefenbach gl. 110a, zeising 128a, B. Faber 168b, südbrdb. zisink nd. jb. 48, 23b. in Oberdeutschland ergab das mhd. zîse noch in mhd. zeit das dim. zîsel, m., f., das die mda. des Elsasz und Bayern-Österreichs fortführt; s. auszerdem Lexer 3, 1135, Jelinek 994, zeyssel, -y- Diefenbach gl. 110a, -s- 128a; 329a; n. gl. 82b; zysel Keisersberg bilg. 10c, -ei- Weckherlin 2, 372 F., A. a s. Clara Jud. 4, 147 und noch Laube ges. schr. 9, 82; österr. meist zeiserl, n. (neben zeisel, m.), auch zeiserlein Görres ges. br. 3, 22. gleichfalls in mhd. zeit bildete sich das erweiterte zîselîn, n., im alem. aus, dort allmählich wegen des landesüblichen n-ausfalls vor s die reactionsform zinselîn erzeugend: Lexer 3, 1135; zysz-, zeysz-, zeise-, zeinsz-, zinse-, zinszlin, -leyn Diefenbach gl. 110a; 329b; 524c; 556c; coyex, serex n. gl. 82b, cicindela 88b, strix 351a; segex zyszlin gemma gemm. z 3b 2; zinslin Richental chron. 123 lit. ver.; zinssle Heuszlin Geszners vogelb. 25a; zeyszli Frey gartenges. 101 B.; zeisle Harsdörfer tricht. 2, 143; sowie die mda.-wbb. (auch els. und österr.). obd.-md.: zeiselchen Autenrieth 155, lux. wb. 499b; zäsichl, ziszkle Müller-Fr. 2, 697b. zum ganzen vgl. Suolahti vogelnam. 118 f. die verhältnismäszig häufige schreibung mit -sz- (auch zeiszig) erklärt sich aus dem dim. zeischen und zeislein. auffälliges fem. geschlecht: zeisig S. Geszner schr. 2, 154; zeislein fastnachtssp. 2, 538 K.

[Bd. 31, Sp. 520]


sache: in älterer zeit und gegenwärtig im volke nicht scharf von verwandten vögeln geschieden, vgl. z. b. z. für carduelis, d. i. distelfink Reyher p 2va; anderseits hiesz der zeisig früher erlenfink ( v. Hohberg georg. 2, 802). in zss.: meerzeisel, -erl für den leinfink, fringilla linaria, bes. bair.-österr. (s. Suolahti 122, auch th. 6, 1863); plättleinz. Schmeller-Fr. 2 1156; steinzeiserl Unger-Kh. 573b; birken-, kohlz. Fischer 6, 1102; kanarizeislein kanarienvogel Kramer teutsch-it. 2, 1437c.

der staar auff hohen eichen,
der zeising auff der tann,
die grasemck in struchen,
die bachsteltz auff der erd
G. Treuer Däd. 1, 596;

zeiszle, zinszle ... wird ntzlich zur speisz gebraucht in dem kalten catarr Wirsung arzneib. reg; braucht wenig futter: nicht allein ein zeyszlein, sondern auch weyb und kind ... ernehren (können) Mathesius ausgew. w. 2, 182 L.; das zeislin mag nicht vier weck verdwen Scheit Grob. 91 neudr.; sei begnügsam wie das zeischen Rückert s. poet. w. 11, 552; (die huren) steilen (stahlen), wie man secht, als ziseke M. Rüdell münst. chron. 137; es ist ein k oder ein zeiszle (wenn man etwas nicht erkennen kann) sprw. klugred. 137b; wie der vogel ist, so legt er eyr. es zeugt kein rap ein zeiszlin aus S. Franck sprw. (1541) 2, 8b; ein rabe heckt kein zeislein aus Kirchhofer schweiz. sprw. 294; von der eule: Binder 46; ein kuhe scheist mehr dann ein zeiszlein Lehmann flor. pol. (1662) 3, 84; weiteres bei Fischer; munter wie ein z. Göthe 45, 154 W.;

thet fürwitz als die zeiszlein singen
H. Sachs 7, 196 K.;

der lockt wie ein zeisle Fischer; vgl. die bezeichnende verbalbildung ziseken einnehmend, schmeichelhaft reden, auch langgezogene wörter mit zugespitztem mündchen vorbringen brem. wb. 5, 316; sehr beliebt ist die vb. lockrer z. für jemand, der ein verschwenderisches und sittlich loses leben führt: Lessing 2, 122 M.; John Meier hallische studentenspr. 50; vgl.: ich hatte ihn herbestellt: aber der z. ist gewisz in irgend ein weinhaus gerathen Kretschmann s. w. 4, 2, 155; ein feiner z. Göthe 27, 267 W.; liederlicher z. v. Heppe lehrpr. 221; ein verliebter z. G. Keller ges. w. 5, 164; von frauen: sie is a feins zeisserl ein durchtriebenes frauenzimmer Hügel Wien. dial. 193b; zieske schmeichler, zieske-wäske u. -zaaske frauensperson von vielen tändelhaften und schmeichlerischen worten brem. wb. 5, 316; zeisle verzärteltes, empfindliches, zierliches mädchen, schätzchen Fischer; zisli zärtling, liebling, günstling Seiler Basl. mda. 326; übertr.: goldstück Chr. Weise baur. Macchiavellus 41 F. das schwäb. wortspiel mit zinsen s. unter zins.
 
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zeisig--bauer, m., zeisigkäfig: Fontane ges. w. I 2, 81. —
 
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-bunt, adj., bunt wie ein zeisig: ein röschen unterm hals, die weste zeischenbunt v. Schönaich bei Gottsched anm. gel. 2, 692. —
 
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-farb, adj.: viride palleus grnlicht, zeisgensfarb Corvinus 982. —
 
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-farbig, adj.: ligurinus ... zeysichfarbig Gabr. Rollenhagen ind. reys. 261. —
 
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-fink, m., fringilla spinus J. A. Naumann ntg. d. vög. 5, 155. —
 
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-futter, n., schmale kost, in der rda.: eselsarbeit und z. portraits (Leipz. 1779) 238; Holtei erz. schr. 23, 139; e. u. zeiszleinsf. Schupp schr. (1663) 54; e. u. zeiszkenf. wohlgepl. priest. 51; ihn mit z. zur ruh zu setzen Musäus phys. reis. 1, 155. —
 
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-gelb, adj.: rock: Brachvogel Fried. Bach 1, 14; z. gestrichene treppe: G. Falke stadt m. d. gold. türm. 8; Brehm thierleb. 1, 248 P.-L.
 
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-grün, adj., gelblichgrün: Mothes baulex. 4, 500; der httenrauch vom seigerofen ist gelbe oder schier zeissiggrün Mathesius Sar. (1571) 71b; grngeel ... z. Corvinus 377; chrysolitus ... ist z., halb durchsichtig Jung-Stilling w. 3, 393; z-er rock Zschokke s. schr. 20, 207; häufig.
 
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-kost, f., gleich -futter: sie musz sich zu zeischenk. bequemen Chr. Gerber hist. d. widergebohr. 4, 187. —
 
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-kraut, n., volksthümlicher name verschiedener pflanzen (s. zeisekraut, sp. 516), 1) sideritis scordiodes zeischen- Pritzel-J. 376b; um Dreszden nehmen sie (zum besprechen) ein kraut, welches sie allda stzische (d. i. zīs-che) nennen, dessen eigendlicher nahme z., lat. sideritis, ist J. G. Schmidt rockenphil. 1, 10;

[Bd. 31, Sp. 521]


und (das geld macht) einen buben in der haut
zu einem zarten zeisigkraut
Ringwaldt laut. warh. v. 243;

sid. hirsuta, haariges gliedkraut zeischen- Holl wb. d. pflanzennam. 130a; 2) anagallis arvensis: muszhrich, gauchheil, hnerdarm, zeischen- Corvinus 54, Rädlein 1086a; z. Schkuhr bot. hdb. 1, 116, Holl 121a, Pritzel-J. 26b; 3) stachys annua, sommerziest zeischen- Holl 430a; nach Pritzel-J. 387b zeischen- sächsisch; st. recta zeisgen- Harz, thür., schles. ebda 388b; s. ziest; 4) stellaria media, schles. ziesel- Pritzel-J. 390b; 5) galeopsis ladanum, z. ebda 157b. —