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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
warze bis warzenbast (Bd. 27, Sp. 2197 bis 2205)
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[Bd. 27, Sp. 2197]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) warze, f. kleiner hautauswuchs.
I. verwandtschaft und form.
1) warze ist ein gemeingerm. wort, ahd. warza, mhd. warze, and. warta (belegt warte Steinmeyer-Sievers gl. 2, 728, 8 = Wadstein 111, 28, e statt a in den Oxforder gl.), mnd. warte, ndl. wrat (s. u. 3) Franck2 805a, mundartlich warte De Bo2 1215b, woert, woort Boekenoogen 1227, woat, wood, woard Molema 477; afries. warte (daneben worte) Richthofen 1128a, westfries. wart Dijkstra 3, 409b, ags. wearte Bosworth-Toller 1178b, mengl. warte Stratmann-Bradley 670b, engl. wart, anord. varta Fritzner 3, 876, dän. vorte, schwed. vrta, mundartlich varta Rietz 798; im got. ist das wort nicht belegt.
2) es ist sehr wahrscheinlich, dasz warze auch etymologisch verwandt ist mit den bedeutungsverwandten (vgl. varix, warza vel werna Steinmeyer-Sievers gl. 2, 7, 35; s. auch unten II, 2, d und e) worten vläm. warre 'schwiele' De Bo2 1183a, ags. wearr 'schwiele', mit anderer ablautstufe ahd. werra (daneben warra 'emorroida' gl. 4, 56, 39), werna 'krampfader' (auch werr gl. 3, 291, 58, wern gl. 4, 210, 29), nhd. mundartlich werr(e), wern(e) 'gerstenkorn am augenlid'. indog. *vers, germ. *verz, ablautend *varz, wird angesetzt für die formen mit rr, mit diesen ist verwandt lit. virszùs 'das obere', aslav. vrĭchŭ 'gipfel', lat. verruca < *versūca 'warze', älter 'erdhöcker', aind. varṣīyān 'der höhere', varṣman- 'spitze', die grundbedeutung der sippe scheint also 'erhöhung' zu sein, s. Bugge, Bezzenb. beitr. 3, 113 und Weyhe, Paul u. Braune beitr. 30, 62 f.; Weyhe führt weiter ahd. werna mit afries. wersene, wirsene 'runzel' auf die n-erweiterung von *vers, germ. *verznō- zurück und schlieszlich (unter hinweis auf ahd. runza aus *wrunk(a)tōn- neben mhd. runke) ahd. warza über *warz(a)tōn- auf *warzatōn- zurück. doch ist eher mit Torp bei Fick4 3, 397 von der indog. wurzel *ver auszugehen, auf die ahd. wer-na, holl. weer 'schwiele', norw. dial. vere, schw. dial. verna, vare, 'hautgeschwulst der kühe', und lat. varus 'finne', varulus 'gerstenkorn', varix 'krampfader' führen; als wurzelerweiterung erscheint dann *vers und *verd, wozu warze, ferner aslav. vrědŭ 'ausschlag' und nach P. Horn (bei Kluge7 483) pers. bālū 'warze' aus iran. *varda gehört; warze steht so im ablautverhältnis zu wurz(e) 'wurzel' und ist weiter verwandt mit ῥίζα, lat. rādix; wenn man als dritte wurzelerweiterung *verdh betrachten will, so kann auch aind. vardhate 'erhebt sich' hierher gezogen werden (vgl. Persson wurzelerweiterung 86).
3) im mnd. erscheint mit umstellung neben warte auch wratte Schiller-Lübben 5, 778a. Diefenbach gl. 614a, diese form ist in neueren ndd. mundarten erhalten: wratt Danneil 250, wratə (neumärkisch) zeitschr. f. d. mda. 1910, 41, wratte (neben warte) Dähnert 558, wratt Frischbier 2, 481; verhochdeutscht wratze Dähnert 558 (als erklärung von wratte). Brendicke 194; ndrhein. frat deutsche dialektgeographie 8, 88, ebenso im südwestl. Westpreuszen zeitschr. f. d. mda. 1915, 190, in Putzig in Posen 1913, 11; auch im ndl. wrat, älter wratte Teuthonista 507b Verdam. Kilian 682; ähnlich mengl. wrete (s. 5) Stratmann - Bradley 670b, in nengl. mda. wrat, wret, writ Wright 6, 552a.
4) in den mundarten wird das a häufig zu o verdumpft; in einigen fällt das r, mit oder ohne dehnung des vocals, aus: wā(r)tsə Berger mda. des St. Galler Rheintals 87; waatsə Meisinger Rappenauer mda. 224b; waats Lenz vgl. wb. 76; waaz Hönig2 195. auch ohne den wegfall des r tritt in weiten gebieten dehnung ein. die kürze ist bezeugt aus dem Münsterthal wàrts Martin-Lienhart 2, 860a; ostfränkisch in Bamberg wadsn zeitschr. f. d. mda. 1912, 13 (vgl. bei Rückert werke 8, 252 den reim schwarze: warze); in Nürnberg warze Gebhardt 336; in Köln wats neben wāts W. Müller vokalismus der stadt- und der landkölnischen mda. 12; auf nd. gebiete watə in Mühlheim a. d. Ruhr Maurmann 40, in Cronenberg Leihener 131, watte neben wâte Woeste 317 (aber waarte brem. wb. 5, 199; wârte, wârt ten Doornkaat Koolman 3, 119). in der umgangssprache der gebildeten heiszt es in einem groszen theile Norddeutschlands wărze (auch Sanders gibt nur die kürze an), dementsprechend die bühnenaussprache (35 Siebs) auf die kürze festgelegt ist. Adelung hat die

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länge, die in der md. und obd. umgangssprache als herrschend angesehen werden kann.
5) neben ahd. warza steht werza Steinmeyer-Sievers gl. 3, 480, 2, werze 3, 263, 71. 4, 106, 16, neben mhd. warze, werze (wercen Pfeiffer zwei arzneibücher, Wiener sitz.-ber. 42, 149, bairisch 13. jahrh.); nhd. wärze bis ins 17. jahrh., jetzt noch mundartlich; auch in nfr. mundarten werte neben wratte Kilian 682, wert(e) Franck2 805a, wö(r)t, we(r)t Cornelissen en Vervliet 1459, mengl. werte, wrete Stratmann-Bradley 670b. die e-form geht auf einen stamm *wartjôn- zurück; die qualität des vocals der 1. silbe ist (da der umlaut vor rz in einigen mundarten früher, in andern später erfolgte) schwankend; auf altes umlauts-e weist ahd. werza (vgl. die schreibung wairza gl. 3, 697, 44, waerza 4, 56, 38, Braune ahd. gr. § 26, 4), dagegen führen die schreibung wärze im älteren nhd. und die meisten heutigen mundarten auf jüngeren umlaut.
die e-form zeigen im älteren nhd. schweizerische, schwäbische (nicht elsässische, die häufig warzel, s. d., haben), bairisch-österreichische und rheinfränkische quellen: ein wärtzen (1502) Diefenbach nov. gl. 118b, tuttenwercz 279a (beide 'streng hd. oder alem.'), schweiz. die wärtzen (sg.) Maaler 482b, schwäb. bey der wärtzen Spreng Ilias 212b (aber Keller, Augsb. 1468, warcz Diefenbach nov. gl. 279a); bair.-österr. (s. auch oben Pfeiffer arzneibücher) ein wertz, ein wertzen Diefenbach nov. gl. 231b. 279b. 308a (alle drei Hall 1429), ein werczen ('ostlechisch' 1432) Frommann 4, 305, werczn Sterzinger spiele 4, 227, wärtzen (15. jahrh.) Schmeller 2, 1064, wärtz Schönsleder prompt. Kk 6c, wärtzen Abr. a S. Clara Judas (Salzburg 1689) 2, 274; auch erzgebirg. wertzen bei Mathesius Sarepta (1598) 195b; rheinfr. brustwercz (Landau 1466) Diefenbach nov. gl. 279a, wärtzen Becher chymischer glückshafen (1682) 765. entsprechend (nur aus dem rheinfränk. nicht zu belegen) in den heutigen mundarten: schweiz. wärze Seiler 311a. Hunziker 287; wǣrtsa Wipf mda. v. Visperterminen im Wallis 79; wärzenchrut schweiz. id. 3, 915 (nur in St. Gallen u. Schaffhausen warzenchrut, ebenso wārtsə in Appenzell Vetsch 21, St. Gallen J. Berger 87, Keszwil im Oberthurgau Enderlin 69), waerza in Vorarlberg Frommann 4, 2, schwäb. wäz (in Währingen) Birlinger 427b; bair. wárz.n Schmeller 2, 1014, ebenso kärntisch (neben wérz.n) Lexer 250, tirol. wartsə Schatz mda. v. Imst 43; ferner werz Zingerle Lusern. wb. 58, wrz Bacher 226, berza Schmeller cimbr. wb. 173; auch westböhm. wártsn, wärtsn Gradl 39, nordböhm. (Eger 1823) wärze zeitschr. f. österr. volksk. 6, 111, erzgeb. wards (a < ä) Lang Zschorlauer mda. 12, vogtländ. wards Gerbet 239.
6) wie im nordthür., obersächs. und in angrenzenden nd. mundarten wanzche, wanzke neben wanze steht (sp. 1927, vgl. über die obersächs. fem. auf -che zeitschr. f. d. mda. 1907, 31), so warzche, warzke neben warze; auf ahd. warzihha weist vielleicht warchzun (für warz(i)chun?) Steinmeyer-Sievers gl. 3, 291, 68; der Anhalter Trochus (prompt. 1517) hat wartzke, verruca N 1b, papilla N 3a, Luther jedoch hat zwar wanzke, aber warze (wartzen 11, 384, 5 Weim. ausg., wartzlin 36, 474, 16); der in der Altmark geborene J. Praetorius hat wartschcke philosophia colus (1662) 166, wartsgen 188; die zweite stelle übernommen von dem Arnstädter J. G. Schmidt rockenphilosophia (1706) 2, 250; wartzke auch bei Comenius portael (Amsterd. 1673) im register; warzgenkraut bei Frisch 2, 424c. jetzt ist mundartlich, meist mit länge, bezeugt ostthür., altenburg. wārzγe Hertel 254, wārdsΧe Kürsten u. Bremer 76, so auch in Leipzig und sonst obersächs. Müller-Fraureuth 2, 641 ; mansfeld. wrzke (neben wrtsə zeitschr. f. hd. mda. 2, 192); im Harz wórzke Hertel 254.
7) die declination war im ahd. schwach und stark: warchzun (s. o.) Steinmeyer-Sievers gl. 3, 291, 68; warzun 2, 174, 42. 2, 236, 38, aber pl. warza 2, 240, 49. 3, 310, 56; mhd. sind nur schw. formen belegt.
II. bedeutung und gebrauch. die aus den indogerm. verwandten zu erschlieszende grundbedeutung 'erhöhung' wurde in den germ. bildungen verengt zu 'kleine (krankhafte oder nicht krankhafte) hauterhöhung bei mensch und thier': von mangerley wärtzen, oder urschlechten, knorren oder herten J. Khüffner Celsus (Mainz 1531) 87a.

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1) am häufigsten wird warze gebraucht für die rundlichen, ziemlich harten auswüchse, die durch wucherung der hautpapillen entstehen; für sie genügt auch stets das alleinstehende wort, während für die übrigen arten häufig zusätze (s. u. wilde, rote warze, ferner feigwarze, brustwarze usw.) nötig sind, wenn sie nicht der zusammenhang überflüssig macht.
a) die gewöhnliche warze, verruca Steinmeyer-Sievers gl. 2, 360, 7. 3, 6, 23. 291, 68. 310, 56. 661, 47. 697, 44. 4, 226, 12. Diefenbach gl. 614a. voc. inc. teut. C 2b. Dasypodius 452b. Stieler 2440 usw.; wartzen oder wartzeln Bas-Faber thesaurus 924b. sie sind besonders häufig an den händen: wartz, porro, che nasce nelle mani Hulsius 273. Hübner5 2065. doch auch am übrigen körper erscheinen sie; sie werden oft als besonderes kennzeichen, im gesicht meist als etwas entstellendes, zu beseitigendes erwähnt: Thietmarus ... locum emit a Wolberone cum verruca (warcin) et suis heredibus Kölner schreinsurkunden des 12. jahrh. 1, 294 Höniger; dasz sie hinden im nacken ein grosze wartzen gehabt volksbuch von Faust 76 neudr.; an der groszen wartze, die der baur ... auff der stirn stehen hatte, ward ich eigentlich versichert, dasz es mein knän ... war Simpl. 2, 36 Kurz; dasz sie so viel wartzen im gesicht möge bekommen, wie viel scheerhauffen auff einer wiesen Abr. a S. Clara etwas für alle 2, 362; wollen sie (die alten weiber) die säu-borsten aus ihren glucker-groszen wartzen zupffen, so schauen sie in spiegel Stranitzky Fuchsmundi 91, 11 neudr.; um eine übrigens ganz wohlgebildete menschengestalt durch eine von warzen, flecken, borsten und unrath entstellte oberhaut durchzusehen Göthe 40, 329 Weim. ausg.; eine lange, höckerige nase, mit einer haarigen, roten warze Heine 3, 255 Elster;

da hab ich gesehen mit lust
deim weib unter der lincken brust
ein wartzen, darumb stunden klar
fünff oder sechs goldfarbe har.
H. Sachs 12, 49, 21 Keller;

sonst wirst du ... vergeblich dich bestreben,
die warzen im gesicht mit pflastern zu bekleben.
Dusch verm. werke 207;

ach, du gott! die warze hat er
auf der nase von dem vater!
Brentano (1852 ff.) 7, 336.


b) eine abart der gewöhnlichen hautwarzen bilden die bei jungen leuten häufigen gestielten warzen: die ligatur ist nur bei gestielten warzen anwendbar Hauszmann über warzen (1840) 27. sie hieszen hangende wartzen, acrochordonium Kirsch 1, 18b. onomat. medica (arzneywiss. 1772) 21; vgl.: ein gattung der wärtzen, oben dick unden tünn, gleych ob sy hangind, kinden wärtzen Frisius dict. (1556) 25b; hierher vielleicht auch acrochordines, die weychen wartzen Diefenbach gl. 636b (von Höfler 782b als condylome bestimmt).
c) auch das erhabene muttermal, eine angeborne dunklere flache ausgedehntere hauterhebung, wird zuweilen als warze bezeichnet (vgl.warzenmal): nevum (si in nostro corpore naevus apparuerit Hieronymus opera (1716) 1, 582), warza Steinmeyer-Sievers gl. 2, 325, 4; lenticula, ein wertzen (Hall 1429) Diefenbach nov. gl. 231b. hierher können einige schon angeführte stellen und die folgende gehören (vgl. auch unter wärzchen geharnschte Venus, unter wärzlein Guarinonius):

das fleckchen an der wang' ist eine zier, das schwarze,
doch wenn zu grosz es wird, so ist es eine warze.
Rückert werke 8, 252 (weish. des brahm. 5, 268).


d) die leichdorne, hühneraugen, durch druck entstehende verdickungen der oberhaut an den füszen, werden meist nicht zu den warzen gerechnet, vgl.:

die preun thet an der zungen schwartzen,
gflecht, gwechs, hüneraugen und wartzen.
H. Sachs 4, 407, 39 Keller;

die hühneraugen waren fort,
doch sproszten warzen an dem ort.
Pfeffel poet. versuche 1, 149.

doch auch für die zurechnung finden sich belege:

wer da hiet werczn auf dem fues,
den kan ersz (der arzt) woll machn puesz. Sterzinger spiele 4, 227 Zingerle;

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huneraugen ader sunst schlecht wartzen Heinrich v. Pfolspeundt (15. jahrh.) bei Gurlt gesch. d. chirurgie 2, 196; leget es (das hühneraugenpflaster) auf die wartzen ..., so dörren sie darunter v. Hohberg Georgica 3 (1715) 212b; wartze, quibusdam hühnerauge Steinbach 2, 945; die hünnerwärzen oder andere wärzen zu vertreiben zeitschr. f. österr. volksk. 6, 111 (Eger 1823).
e) bei der häufigkeit der warzen werden die mannigfachsten beseitigungsarten versucht.
α) sie werden abgebunden, geschnitten: eine wartze abbinden, mit einem seidenfaden absetzen, eene wen afbinden Kramer holl.-dtsch. 514; ich hatte eine kleine warze am untern augenlied, man hat mir sie glücklich abgebunden Göthe 23, 40 Weim. ausg.; der tod hält es vielmehr für einen nicht geringen sieg, wenn er die grösten lichter der welt ... durch eine übel-geschnittene warze ... auslescht Lohenstein Arminius 1, 1199.
β) sie werden weggeätzt: wie aus diesem jungfräulichen gesicht die warzen ... sich wegbeizen lieszen K. Fr. Cramer Neseggab 1, 63. vor allem versuchte man es mit dem saft der verschiedensten pflanzen, manche erhielten davon den namen warzenkraut (s. d.): recipe die milch oder safft von springwurtz - kraut, schmier damit die wärtzen, so dorren sie und fallen hinweg Becher chymischer glückshafen (Frankf. 1682) 765. der gebräuchlichste ausdruck dafür ist eine wartze vertreiben Ludwig 2387: wil dû wercen vertrîben, sô nim einen halm und brenne die wercen mit des halms lide Pfeiffer 2 deutsche arzneibücher, Wiener sitz.-ber. 42, 149.
γ) ganz besonders aber werden sympathiekuren gegen die warzen angewendet; auch hierfür heiszt es vertreiben: ein altes weib, das warzen und sommerflecken vertreibt, verstehe mehr von der sympathie als ich Göthe 8, 56 (Götz 1) Weim. ausg. die warzen werden in sympathetische beziehung zu verwesendem gebracht: mit diesem (speck) schmieret in abnehmenden mond die wartzen, und vergrabet ihn hernach ins erdreich v. Fleming der vollk. teutsche soldat (1726) 336b, vgl. Germania 29, 87. totenhand vertreibt warzen: auf warzen-vertreiben verstehen sich ... die todten besser als die lebendigen Lichtenberg Hogarthische kupferstiche 2, 344; dasz das berühren mit einer todtenhand von warzen befreit J. Paul herbstblumine 3, 12; noch bestrich er dreimal eine warze über seinem auge mit der kalten hand der todten v. Arnim (1857) 17, 317. die warzen werden besprochen, gebüszt: besprechungsformeln gegen warzen: mond nimmt zu, warze nimmt ab, ... glocken gehn toten nach warzen gehn mit Wuttke volksaberglaube 3 168;

etz läuts zu der leich,
will i mei warzn verstreich.
Flügel volksmedizin im Frankenwalde 43;

ähnlich Seyfarth aberglaube in der volksmedizin Sachsens 213.
f) die warze hat eine wurzel: das corium ... schickt in die verdickte epidermis verlängerungen, welche man die wurzel der warze nennt Hauszmann über warzen (1840) 5.
g) verrucosus, vol wartzen Diefenbach gl. 614a; voller warzen Stieler 2440.
2) die übrigen als warzen bezeichneten hautausschläge und hauterhöhungen lassen sich nicht immer genau als bestimmte krankheitsformen der neueren heilkunde deuten.
a) impetigo 'krätze' der vulgata wird mit warze wieder gegeben: warza Steinmeyer-Sievers gl. 1, 351, 49; warce 4, 257, 1; ob es (das opfer) hat ein mase, oder blattern, ob grinde, oder ein wartzen Mentels bibel, 3. Mos. 22, 22; impetigo, sicca scabies voc. ex quo (1490) i 1b; vgl. Diefenbach gl. 288c, auch unter impetiginosus; auch bei Mendelssohn 7, 285 was wartzen hat (bei Luther 3. Mos. 21, 20 grindicht oder schebicht); ähnlich cremium, ein wärczen vel rüffen (schorf) Diefenbach nov. gl. 118b.
b) beim aussatz: (der aussätzige) gewinnet under dem fleisch als harte wartzen Gersdorff wundarzney (1517) 78a; vgl.wartze, verruca, papula oder platterlein oder rotergrindt voc. theut. (1482) nn 1a; roter grind wird von Höfler 205a als aussatz oder als lupus gedeutet; s. auch u. warzel. ferner: krebsartige warzen (die neigung haben, in krebs überzugehen) Hauszmann über warzen (1840)

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17; verschiedene stücke vom darmkanal eines wassersüchtigen mannes, mit verengungen, geschwüren und warzen v. Sömmerring vom baue des menschl. körpers (1839 ff.) 2, LX.
c) häufig von venerischen auswüchsen; condyloma, die venerische warze, feigwarze (s. d.) Rust handbuch der chirurgie 5, 206: condylome, die wartzen die im arse wahssent (anf. 15. jahrh.) Diefenbach gl. 640a; das er in wöl behüten vor der schweren kranckheit der blatern und wartzen ('syphilis') S. Brant der heiligen leben bei Proksch 1, 356; langlechte zapffen oder wartzen (16. jahrh.) 2, 674; warze, oder blatter an heimlichen orten, thym Rondeau. sie heiszen auch wilde warzen: die platern oder zapfen oder malfranzois ... oder wild wärtzen (15. jahrh.) Schmeller 2, 1014; alle andere fawl und alle wilde wertzen Heinr. v. Pfolspeundt bei Proksch 1, 356; J. Grünbeck, von dem ursprung des bösen franzos, das man nennet die wylden wärtzen. Augspurg 1496 (titel) ebenda. rote warzen: der safft (des thymus, des wälschen quendels) ... vertreibt die rohten wartzen, thymos genannt Bock kreutterbuch (1595) 18a. jetzt heiszt die feigwarze auch spitze warze, condyloma acuminatum v. Hebra die krankhaften veränderungen der haut 439.
d) das gerstenkorn am augenlide: wartzen zwischen den augbrauen, crithe Dentzler 2, 342b; warze an einem auge, werner, wen Kramer 259; vgl. unter wärzlein 2 Alberus, Frisius, Calepinus.
e) von adererweiterungen (nur ahd.):
α) varix (krampfader), warza Steinmeyer-Sievers gl. 3, 263, 48. 4, 106, 16. 172, 55; warza vel werna 2, 7, 35.
β) hämorrhoiden: emorroida, warza, waerza, warze, warra 3, 480, 2. 4, 56, 37 ff. 170, 17. 360, 6.
f) warzen, 'gröszere oder kleinere auswüchse an den verschiedensten stellen der haut, besonders beim pferde, rindvieh und hunde' Wagenfeld encykl. der thierheilkunde (1845) 404: den jungen kälbern soll man die zungen aufheben, befinden sich weisze wartzen daselbst, die soll man ... abzwicken v. Hohberg Georgica (1682) 1, 139.
3) sehr gebräuchlich ist von alters her warze für die erhöhung an der spitze der weiblichen und männlichen brustdrüse, auch der thiere; es steht zuweilen auch für die ganze brustdrüse (wie lat. papilla für mamma): mamme, warzun Steinmeyer-Sievers gl. 2, 174, 42. 236, 38; mamme pubertatis, warza kindesheiti 240, 49 (alle drei stellen nach Hesekiel 23, 3).
a) papilla, summitas mamm id est warte (asächs.) 2, 727, 8; papille, warza 3, 431, 9; wartze Diefenbach gl. 411a, warcz nov. gl. 279a; doch häufiger mit verdeutlichenden zusätzen tute werze Steinm. 3, 439, 50, brust-, tutten-, ciczen-wartze Dief. gl. 411a; wartze oder wartzlein an prustlein, puberta voc. theut. (1482) n n 1b; die wartzen an den brüsten Ludwig 2387; dieselbige (mutter), wenn sie ihren sohn entwehnet, und ihme zum besten von den brüsten abhalten wil, pfleget die wartzen mit wermuth-safft oder aloes zu bestreichen Meyfart himml. Jerusalem 2, 305; mit schönen weiszen runden brüsten mit rothen wartzen Prätorius neue weltbeschreibung (1666) 2, 99; ich habe geraucht, als ich kaum von meiner mutter brust entwöhnt war; die warze mit dem pfeifenmundstück verwechselt Lenz 1, 44 (hofmeister 3, 4) Tieck;

iegeliches sneit ein stucke,
wi cleine iʒ ummer mochte sin:
diz ir oren cippelin,
daʒ eine warzen von ir brust. heil. Elisabeth 9349 Rieger;

als es den wermuth auf der warze schmeckte,
und fand ihn bitter, närrsches kleines ding,
wie's böse ward, und zog der brust ein gesicht. Shakespeare, Romeo u. Julia 1, 3.

ein kind an die warzen legen: (der dichter wird der natur) als ein kleiner pausbäckichter junge, an dem geburthstage an die warzen geleget v. Schönaich ästhetik (1754) 320.
b)

dur sîner brüste warzen
het er enphangen einen schranz,
iedoch was im beliben ganz
dennoch daʒ herze drunder.
K. v. Würzburg troj. krieg 32312;

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der spiesz gieng bey der wärtzen ein,
dasz er empfand desz todes pein.
Spreng Ilias (1610) 212b;

der edle Odysseus
schnellte daher ein geschosz, und traf ihm die brust an der warze.
Voss Odyssee 22, 84;

der barberinische genius hat eine stark hervortretende brust, an welcher die warzen nicht so weit nach den seiten hin stehen H. Meyer gesch. d. bild. künste 2, 32.
c) die dutten oder wartzen an den eutern Henisch 780, 19; die wölff seynd wol z friden, als lang yn die wölffin milch gibt, wenn sy aber empfinden, das sy kain milch mer hatt, so beiszen sy ir in die wartzen Keisersberg schiff der penitentz (1514) 107b; ihre uhrheber aber hätten nichts minder die grausamkeit als die milch aus den wartzen einer wölfin gesogen Lohenstein Arminius 1, 934a.
4) auch andere nicht krankhafte gebilde werden als warzen bezeichnet.
a) die drüsen der gedärme und warzenähnliche hervorragungen der nieren onomat. med. hg. v. Haller (wundarznei 1756) 1208. v. Sömmerring 5, 312; von den vaginafalten gebildete warzen Pierer medic. wb. (anat.) 8, 479; die überbleibsel des hymens, carunculae myrtiformes Meckel handb. der menschl. anatomie 4, 683; erhöhung in der harnröhre, caput gallinaginis onomat. med. 152; die nervenenden, besonders an der zunge Höfler 780b, dafür meist wärzchen (s. d.).
b) bei thieren. der fleischige auswuchs auf der stirn de sneugebornen fohlens: amor, warza (Verg. Aen. 4, 516) Steinmeyer-Sievers 2, 654, 21, vgl. Plinius dicit equos habere in fronte quandam carnem, i. warzun 2, 686, 51, die zwo wartzen ynn der platten auff dem kopff (des kalbes) solten hörner worden seyn Luther 11, 384, 5 Weim. ausg. die zotten am halse der ziege: die güte der geyssz würt erkannt an den wartzen des bauchs (laciniae a cervice dependentes) Eppendorff Plinius 8, 84 (= 8, 50); vgl. wärzlein 3 Dasypodius. vom beutel an der kehle des elens:

unter der tann erblickt er das elend mit breitem geweihe,
und dem cilinder der bärtigten warze, recht unter der kehle.
Bodmer Noah (1752) 186 (6, 509).

die hornartige schwiele an der innenseite der vorderbeine und am sprunggelenk des pferdes (vgl. DWB hornwarze, DWB kest und DWB warzel 4) Zinke3 3098. F. B. Weber ökon. lex. (1838) 516b; inwendig an der fuszwurzel (des pferdes) die sogenannte warze als das überbleibsel des daumens Oken 4, 404. ferner: auff dem ruggen hat er (die meerraupe) kleine düssele, welche die fischer wertzen nennend Forer fischb. 156b; so werden dann (zur begattungszeit) z. b. die ... augenbraunen der waldhühner gröszer, und die aufgeschwollenen warzen derselben viel röther Naumann vögel Deutschlands 1, 118; sind kleine, gewundene, meist sich verzweigende hervorragungen ... vorhanden, so heiszen sie runzeln, bei gleichen dimensionen nach mehreren richtungen höckerchen, warzen, narben Ratzeburg ichneumonen der forstinsekten 1, 5; hinten am leib (der spinnen) befindet sich eine grosze öffnung, worinn 2—3 paar fleischige warzen Oken 5, 675.
5) warze bezeichnet in der neueren zeit auch erhebungen oder auswüchse an pflanzentheilen; warzenähnliche pünktchen oder bläschen an blättern, runde erhebungen an der unterseite von pilzen Nemnich 4, 856; 'die schuppen, schilder u. dgl. sind flach ausgebreitete, die warzen mehr kegel- oder keulenförmige drüsen' Ratzeburg standortgewächse 215; warze, knorpliger auswuchs am apfel; erhöhung bei pfirsichen und apricosen an stelle des blütenpunkts F. Ben. Weber ökon. lex. (1838) 634b.
6) die form der warze dient oft zu vergleichen: myrmecia (ein edelstein) habet quondam eminentias, wie wartzen Alberus dict. (1540) Mm 4a. besonders um die kleinheit eines berges zu bezeichnen:

lasz auf uns
millionen hufen werfen, bis der boden,
die scheitel an der glüh'nden zone sengend,
den Ossa macht zur warze (wart). Shakespeare, Hamlet 5, 1;

wir graben und schaufeln von oben hinein, und gerathen kaum ... unter die oberste haut der warze, wie das

[Bd. 27, Sp. 2203]


gebirge im verhältnisz zur erde ist Tieck novellen (1853) 8, 187. vergleiche mit den krötenwarzen:

also (die steinerne kröte) heiszet ein mächtiger fels in den bergen des Schwarzwalds,
stumpf und breit, voll warzen, der häszlichen kröte vergleichbar.
Mörike 1, 80;

dasz alles sittliche in frage gestellt wäre, dasz tausend und abertausend warzen krötenschleim ausspritzten Gutzkow werke (1872 ff.) 10, 110. die warze als sinnbild von etwas geringwertigem: man schätze nun die perlen wie man wil, so achte ich sie doch nicht höher, als die wartz oder wärtzel Harsdörffer gesprechspiele 7, Hh 7b. bildlich für 'kleiner fehler' (vgl. u. warzel 5 Dannhawer): ich liebe sie (die stadt Paris) zärtlich, sogar ihre warzen und sommersprossen Bode Montaigne 5, 477; für Krafft ists schade, er sieht die mängel gut, und weis selbst nicht eine warze wegzunehmen Göthe tagebücher 1, 118 Weim. ausg.
7) übertragene bedeutungen.
a) die warze, name einer genabelten afrikanischen schneckenart, helix mammillaris L. J. S. Schröter einl. in die conchylienkenntnisz 2 (1784) 151.
b) warzenähnliches in der technik. an geräten: die Wahlen haben lust und gefallen zu schönen und klaren glesern, die schlecht und circkelrecht sein, wie sie auch vil subtiler sein mit irer arbeit, welchs man an iren wertzen und boden, an ihren scheibennebeln und andern sihet Mathesius Sarepta 195b; vgl. DWB warzenglas. an der wage: wie die wag mit der wärtz im leger leit Ercker beschr. aller mineral. ertzt (Prag 1574) 38b; sie hängt mit ihren warzen in der scheere, in welcher sie sich leicht ... drehen kann Jacobsson 4, 562. bei einem krummzapfen der ansatz, an dem die kurbelstange hängt Minerophilus (1730) 399. C. F. Richter berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 610. Mothes baulex.3 4, 336a. 'der kurze arm an einer hammerhülse, welcher sich zwischen den backeneisen der standsäulen auf und ab beweget' C. F. Richter 2, 610. warze, warzel, die beiden enden einer holzwelle Martin-Lienhart 2, 860b. warze an der hemme, dem befestigungsstück der sensenklinge buch der erfindungen9 6, 292. warze an den stäben des jagdnetzes: die garne mit schlubseilen, und die stäbe mit wartzen bestellen Aitinger jagd- u. weidbüchlein (1681) 168. erhöhung am vordertheile des bolzens (?):

einer sagt, es kundt nicht halten;
dem andern thët der finger erkalten;
ainem ward die wartz abgeschossen;
der ander thët auffs schwetzen losen.
Balth. Han ausreden der armbrust- u. büchsenschützen 214 Waszmannsdorff.

warzenförmiger ansatz am geschosz, auch flügel genannt, ailette, tenon v. Hoyer u. Kreuter5 1, 832b. Dabovich 1, 452a: man gewinnt ... gegenüber der führung durch warzen an schuszweite v. Alten handbuch f. heer u. flotte 3, 457. warze an verschiedenen theilen der feuerwaffen A. C. Heinze taschenwb. der artilleriewiss. (1846) 625a. v. Hoyer u. Kreuter a. a. o., in raketen ebda. beim bogenlicht an der negativen kohle sich bildender ansatz Blaschke wb. der elektrotechnik 137.
8) sprichwörtliches: umb der wartzen willen trag ich händschen Lehmann nach Wander 4, 1793; die warzen an den händen müssen die handschuhe verblenden Wander 4, 1792; besser eine warze auf dem rücken als eine sommersprosse im gesicht Simrock 16208; er weisz ein artigen spruch und füglichen text darauff zubringen, der reimt sich wie ein wartz auff desz frater Nasen nasz Fischart binenkorb (1588) 173a.
 
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warzel, f. , ableitung von warze, ahd. warza; warzala Steinmeyer-Sievers gl. 3, 683, 30, warcela 4, 211, 4, im älteren nhd. und mundartlich warzel. B. Schmidt vocalismus der siegerländ. mda. 17 sieht darin eine zusammensetzung mit einem auch in wurzel, ags. wyrt-wala, m., wyrt-walu, f., vorliegenden worte (got. walus, m., anord. völr, m. 'stab', ags. walu, f. 'strieme, schwiele'), doch kann auch ahd. warzala als ableitung neben warza stehen wie runzila neben runza. in den glossaren des 15.—16. jahrh. erscheint es als warzel, warzil, mit verdumpfung worzel Diefenbach gl. 160b. 411b. 614a, nov. gl. 379b, nd. wartel Diefenbach-Wülcker 894; schriftsprachlich gebraucht

[Bd. 27, Sp. 2204]


wird es besonders in elsässischen drucken bis ins 17. jahrh., so in Straszburger drucken von Gersdorf, Bock, Ryff, Golius, Sebiz, Dannhawer; auch schweiz. wartzlen Gesners thierbuch übers. v. Herold u. Forer (1563) 34; ferner bei Arigo eine kleine warczeln (acc.) Decamerone 145, 37; bei Grimmelshausen wartzel Simpl. schr. 4, 210, 24 Kurz; auch erzgeb. bei Mathesius Syrach (1586) 2, 126b. mundartlich wird jetzt warzel als fem., meist mit längung des vocals, zuweilen mit verdumpfung zu o und mit ausfall des r, bezeugt: elsäss. wārtsl, wōrtsl usw. neben wārze Martin-Lienhart 2, 860a, waardsl (Oberschopfheim) zeitschr. f. hd. mda. 1, 334, (bei Rastatt) zeitschr. f. d. mda. 1914, 345; lothr. wártsəl (in Lixingen watsəl), dimin. wērtsəlXən Follmann 531a; wārzel wb. der luxemb. mda. 476b; im Westerwald wātsəl deutsche dialektgeographie 4, 6; siegerländ. wārz Schmidt 17, hessisch in Blankenheim wōrdsəl Dittmar 8, in Würzburg warzel Sartorius 133, henneberg. wrzel Spiesz 286, eichsfeldisch wōrtsl Hentrich 4, erzgeb. worzl Göpfert 24, in Sebnitz worz Meiche 57, in Seifhennersdorf bei Zittau wrts beitr. 15, 6, in Gleiwitz wūotso (< wūotsel) Gusinde 64; auch ostpreusz. wōazel Stuhrmann das mitteldeutsche in Ostpr. 25, in der Zips wrts beitr. 19, 303. auf nd. gebiet belegt im engrischen und westfälischen: wārtele Bauer-Collitz 112a, wrtəln (sg.?) in Schwalenberg (Lippe-Detmold) nd. jahrb. 32, 167, wtel Woeste 317 (unter wāte), wāod'l Kaumann münster. mda. 6.
warzel steht gleichbedeutend mit warze, vgl.wartzen oder wartzeln Bas. Faber thesaurus (1597) 924b, ohne diminutiven nebensinn (doch Meiche 57 'kleine warze'). im els. steht das neutr. wärzel (s. wärzlein) als dimin. neben warzel Schmidt Straszb. mda. 115a, im Zornthal wártsələ, n., neben wórtsəl jahrb. f. Elsasz-Lothr. 4, 50. aber auch ein fem. wärzel (aus *warzila oder von wärze ausgehend?) scheint vorzukommen, s. u. 4 die belege für 'hornwarze des pferdes'; ferner vielleicht hierher wärtzel Harsdörffer gesprechspiele 7, Hh 7b. v. Hohberg (1715) 3, 201b, wo aber auch (wie bei warzel in bair.-österr. quellen) an das neutr. als dimin. gedacht werden kann.
1) unter der lincken pruste sie ein kleine warczeln hatte, darumb etliche goltfarbe härlein Decamerone 145, 37; und sollen darmit (mit genserich) die wartzlen der hand vertriben werden Ryff deütsche apoteck (1573) 1, 109a; ob der alte auch eine solche grosze wartzel wie ein horn uff der stirn hätte Simpl. schriften 4, 210, 24 Kurz; (dasz sie) die im leben gehabte wartzel am halse noch gehabt Faust des christl. meyn. 20 neudr.; s'ist aber deszwegen leicht z'kennen, weil sie zwa warzeln auf ihrer rothen nasen hat v. Ayrenhoff werke 4, 295, 6;

warzel, warzel, weiche,
sie läuten einer leiche.
Vernaleken mythen u. bräuche des volkes in Österreich 314.


2) papula, rot grinth vel warczelen Diefenbach gl. 411b; findt man die (knollen bei leprakranken) gewonlich an henden und füsszen und anderszwo, als mit harten eysszen und vil schwartzen wartzelen Gersdorf feldbuch der wundarzney (1528) 89; sagt diselb frau auch, das so lang der nestel verknipfft bleib, so könn man daran sehen, das er auflauffe und geschwelle, als ob er wartzeln bekäm Bodin, daemonomania übers. v. Fischart (1581) 226.
3) düttenwartzeln Sebiz feldbau (1580) 90; oft tregt sichs zu, das die sechswöchnerin selber nicht milch hat oder warzeln, da das kind anhangen kündte Mathesius Syrach 2, 126b; (dieser essig ist gut) für die geschwärende brüst ... und heylet die wärtzel, wann sie schwürig seynd v. Hohberg (1715) 3, 201b.
4) die wartzlen so es (das stachelschwein) an der haut ... hat z beyden backen Gesners thierbuch übers. von Herold u. Forer 34. wärzel, die hornwarze des pferdebeins (vgl. DWB warze II, 4 b): verbind im (dem pferde) den schenckel ab und ab bis auf die wertzel Albrecht roszarznei (1542) 40; est in tibiis equi pars, quam lingua vernacula wertzel appellat Bas. Faber thesaurus 997a.
5) in andern (spiegeln erscheint der kopf) so klein wie ein wartzel Dannhawer catechismus-milch 1, 49. bildlich für 'kleiner fehler': alle seine auch die geringste sündenflecken, wartzlen und runtzlen ... erkennen 1, 60.

[Bd. 27, Sp. 2205]



6) warze, warzel, die beiden enden einer holzwelle Martin-Lienhart 2, 860b.
 
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wärzel, n. s. wärzlein.
 
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warzelkraut, n. name der raute, ruta graveolens L., weil gegen warzen angewandt Zedler 30, 1159. —
 
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warzelloch, n., in dem die enden, warzen, einer welle stecken Martin-Lienhart 2, 860b.
 
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warzenähnlich, adj.: offene wartzenähnliche geschwüre Zinke3 3098; die warzenähnlichen gebilde, welche ... die neigung haben, in krebs überzugehen Hauszmann über warzen (1840) 17; (die habichte mit) sehr hohen warzenähnlichen ballen der fuszsohlen Naumann vögel Deutschlands 1, 248; warzenähnliche verlängerungen oder anhänge v. Sömmerring vom baue des menschl. körpers (1839 ff.) 4, 679. —
 
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warzenanker, m., eisernes, in einen balken eingelassenes verbandstück mit rückwärts gekehrten keilartigen erhöhungen auf der unterseite Mothes baulex.3 1, 112a. —
 
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warzenartig, adj.: (die häute der milz haben die neigung) plattenartige oder warzenartige knochenmasse abzusetzen v. Sömmerring 5, 186; dieser (wurzel) fehlen die warzenartigen höckerchen v. Schlechtendal flora von Deutschland5 22, 13. —
 
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warzenbacke, f. zu den walzen gehörende schnecke mit warzenartiger spitze der gewinde; die gekrönte warzenbacke, voluta aethiopica L. neuer schauplatz der natur (1776 ff.) 9, 522. Campe.
 
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warzenbalsam, m. salbe für wunde brustwarzen Holfert-Arends3 213. —
 
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warzenbast, m. in St. Gallen name des kellerhalses, daphne mezereum L., nach schweiz. idiot. 4, 1781, weil mit der rinde warzen unterbunden werden.