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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
waffenstück bis waffenton (Bd. 27, Sp. 320 bis 322)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) waffenstück, n.
1) ein stück der rüstung oder bewaffnung: auch waren meine jungen leute gewöhnt, panzerhemde und ärmel zu tragen und auf meinen römischen burschen hatte ich ein besonderes vertrauen, denn ich wuszte, dasz er, so

[Bd. 27, Sp. 321]


lange wir in Rom waren, die waffenstücke nicht abgelegt hatte. Göthe 35, 18 (Benv. Cell. 3, 2); seine ganze gestalt war fast seltsam anzusehn, dieweil die waffenstücke in wunderlichen ecken und ründungen an einander stieszen. Fouqué zauberring2 1, 7; in dem gewölbten saal, darinnen seine eignen waffenstücke und die der ahnherrn aufgehangen waren. 1, 28; dasz die alten heerführer schildträger hatten, lesen wir ... und diese gewohnheit läszt sich aus ihren geschäften erklären, die oft sehr grosze eile erforderten, in welcher sie das schwere waffenstück gehindert hätte. Seume 370 (über bewaffnung); der junge Petrus war aber von jeher stiller und nachdenklicker gewesen, als sein gefährte, dem nichts im kopfe sitzen blieb, als die namen der waffenstücke und des reitzeugs. Immermann Münchh.2 3, 78; seltsam rüstzeug kam zum vorschein, manch ein waffenstück war schon in den feldzügen des groszen kaisers Karl eingeweiht worden. Scheffel Ekkeh. 174; indem er ein oder das andere rostige waffenstück über seine otterfelle hing und eine hahnenfeder auf das binsenhütlein steckte. G. Keller 6, 135;

das (pferd) trug des riesen schwere wehr,
den harnisch sammt dem schwerdte:
'wer suchen will im wilden tann,
manch waffenstück noch finden kann.'
Uhland ged.2 353;

ein jeder rüste sich, so gut er kann!
manch waffenstück noch hängt in diesem saal. Ernst v. Schw. 4, 3.


2) waffenthat, heldenstück.
 
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waffensturm, m. kriegerischer angriff:

lasz denn zerknickt die saat von waffenstürmen,
die hütten lasz ein raub der flammen sein!
H. v. Kleist 3, 371 (an den könig von Preuszen).


 
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waffensystem, n.: die lanze hat sich erst seit dem spanischen successionskriege völlig aus dem waffensysteme verloren. Seume 373 (über bewaffnung).
 
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waffenszank, m. krieg:

ihr gesaltznes herings-heer, gebet grossen hertzens-danck
für in Holl- und Engeland auffgerührten waffenszanck:
weil sie beyde selbst sich fressen, künnen sie nicht euch verzehren,
künnen euch ausz eignem saltze nicht in fremdes mehr gewehren.
Logau 3, 249, 179.


 
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waffentanz, m.
1) tanz mit waffen, wie er bei den Griechen und Römern üblich war und noch jetzt bei wilden völkern vorkommt, pyrrhicha. Steinbach 2, 796. Frisch 2, 414. Adelung: hierauf hielten ... die zu fusse aber einen von den Cureten angegebenen waffentanz. Lohenstein Arminius 2, 425; die Macedonier ... liebten ... die jagd, die kriegsübungen und den waffentanz. Schlosser weltgesch. 2, 108. auch von dem altgermanischen schwerttanz: schwert- sive waffentanz, saltatio armata. Stieler 2256; so erblicken wir auch bei den Germanen einen kunstreichen waffentanz der jugend. ... in wilden tänzen bewegten sich die nackenden jünglinge zwischen blanken schwertern und framen. v. Peucker das deutsche kriegswesen 2, 18; während er (Tacitus) doch sehr genau den waffentanz leichtgeschürzter jünglinge beschreibt. Freytag 17, 31 (bilder 1, 1). bildlich: ein schöner langer jüngling, der in rother uniform auf einem Engländer ... vorüberflog. ... der jüngling kehrte das rosz um — der bettler sich — und jetzt hielt jener in den taschen suchend, den stolzen waffentanz des schönen rosses so lange auf. J. Paul flegelj. 1, 140; er ... sah dem rauschenden, leuchtenden waffentanz der freude zu. Titan 3, 107.
2) vom kampfe, der als ein tanz betrachtet wird: beym schmause allerhand erzählungen aus der alten zeit: da der Cimbrer zog! da Malo und Baitorit mit Lollius waffentanz hielten, bis sein adler in deutschen schatten nistete! Klopstock 9, 286 (Hermann 7);

der klausner, welcher nach la Trappe zieht,
hat seinen weg. und der im waffentanze
der ehre lorbeerkron' entgegen glüht.
Seume 588;

schwarzer prinz und könig Hans
maszen sich in raschem waffentanz.
C. F. Meyer gedichte9 306.


 
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waffentänzer, m. pyrrhicharius. Steinbach 2, 796.
 
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waffenthat, f. kriegerische that:

oft sprachst du mir von meines vaters thaten,
du weiszt, wie ich dir lauschte, wie mein herz
bei seinen edeln waffenthaten schlug.
Schiller 15, 1, 20 (Phädra 1, 1);

da thronen sie beisammen und halten eifrig rath,
bedenken und besprechen gewalt'ge waffenthat:
wie man den stolzen Greiner mit kriegsheer überfällt.
Uhland ged.2 367;

[Bd. 27, Sp. 322]


als den Schweizern von Liestal nachricht kam, der feind liege auf dem Münchensteiner felde, bewegten sich alle gemüther und entbrannte unaufhaltbar die begierde nach waffenthat. J. v. Müller gesch. schweizer. eidgenossenschaft (1805) 4, 78; er war der enkel eines groszen preuszischen reitergenerals, der im zweiten schlesischen kriege in der schlacht bei Jauer durch eine glänzende waffenthat die grosze entscheidung brachte, indem er mit vier reiterregimentern das östreichische centrum durchbrach. Arndt erinnerungen3 212; wo er dann die überlegenheit zu behaupten vermochte und nach glücklichen waffenthaten nach Corduba ins winterlager ging. Mommsen röm. gesch.7 2, 11; das höchste manneswerk auf erden war waffenthat, welche der sänger im lande umhertrug. Freytag 17, 472 (bilder 1, 10).
 
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waffenthätigkeit, f. kriegerische thätigkeit: der stillstand lag schwer auf seinem (Blüchers) gemüthe, und die waffenthätigkeit vermochte er durch keine andre zu ersetzen. Varnhagen biogr. denkm. 3, 192.
 
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waffenthierchen, n. eine gattung der infusionsthierchen, stylonychia, die mit haken und griffel bewaffnet sind. Oken 5, 28.
 
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waffenthum, n. m.
1) ein älteres waffenthum gehört zur interjection waffen 'wehe' und bedeutet 'wehklage': furst himelischer massenie, ergetze mich ungeheuers verlusts, michels schadens, unseligs trubsals unde jemerliches waffentums! ackermann aus Böhmen 18, 15 Knieschek.
2) in der neueren sprache findet sich das wort zuweilen in der bedeutung 'kriegswesen, heerwesen': selbst in der armee, die sich doch gewöhnt hatte, in Bonaparte die gloire des französischen waffenthums zu vergöttern, glomm da und dort der funke des republikanismus fort. Scherr Blücher 2, 108.
3) vereinzelt auch in collectiver auffassung, die rüstung:

auf, du und du! nun nehmet euer waffenthum (τὴν πανοπλίαν),
und hängt im namen gottes alles wiederum
am heiligen heerd auf in den tellerküchenschrank.
Droysen Aristophanes 1, 303 (vögel 434).


 
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waffenton, m. kriegslärm: der lärmende waffenton hat den leisern flötengesang überstimmt. Schiller 2, 365.