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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
glanzlos bis glanzrauke (Bd. 7, Sp. 7652 bis 7654)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) glanzlos, adj.
1) 'trübe, dunkel' (vgl. DWB glanz A); von sternloser nacht:

kein stern von oben
blickt niederwärts,
glanzlos der himmel,
dunkel mein herz
Peter Cornelius ged. 4, 57 Stern;

von fahlem tageslicht: endlich verschwand auch der letzte grelle schein (der sonne), glanzlos und trauernd lag die erde G. Freytag ges. w. (1886) 6, 94.
2) 'ohne spiegelnden glanz, stumpf, matt' (vgl. DWB glanz B):

glanzlos liegt das silber (nullus argento color est) in dem kargen schacht verborgen
Herder w. 26, 247 S.;

bald erschlaft
noch glanzloser der fittig,
der zum himmel empor sich schwang
J. H. Voss s. ged. (1802) 3, 158;

sie (die schlangen) zeigen einen theil der zähne scharf und giftvoll, ... die augen geschlossen, die schuppen glanzlos Göthe 49, 113 W.; schwarzes glanzloses papier Schopenhauer w. 6, 73 Gr.; (die) blätter (des flaumigen pastinaks sind) ... glanzlos Schlechtendal flora (1880) 27, 298; auf dem matt durchsichtigen rötlichen weisz (des menschlichen gesichts) ... breitet sich das sanft verschwindende glanzlose roth Fr. Th. Vischer ästhetik (1847) 2, 1, 164; sie (zwei damen) trugen die schwarzen, glanzlosen haare so tief in die stirn gekämmt, dasz die augen wie fackeln aus einem dunkeln walde herausbrannten H. Sudermann d. hohe lied (1909) 469; bildlich: das glanzlose, trübe gewand, welches sie (die natur) trug Hebbel w. 8, 14 W.; in fester verbindung schmutzig und glanzlos: es macht einen unterschied, ob dasjenige, was zugemischt wird, leuchtend und glänzend sei, oder im gegentheil schmutzig und glanzlos Göthe II 3, 32 W.; du goldiges sonnenlicht, du grosze silbermünze, die du von wolkenhänden, durch welche du kursirst, schon oft schmutzig und glanzlos geworden bist S. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 287.

[Bd. 7, Sp. 7653]



3) vom auge, das keine leuchtkraft hat (vgl. DWB glanz C 2), 'stumpf': Vogeler ist da ..., seine gestalt leicht und ruhig, die augen dunkel, glanzlos Rilke br. u. tageb. 1899 -1902 (1931) 274; meist auf den ausdruck des blicks bezogen, 'ausdruckslos': die schlafenden erwachen und starren mit glanzlosen, schläfrigen augen auf einige zerlumpte weiber und kinder W. Hauff s. w. (1890) 2, 378; mit glanzlosen augen, darin keine seele blühte, stierte er (der blöde) mich an Watzlik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 29; besonders von den augen von toten, 'erloschen':

glanzlos starrt
auch nach der küste hin entsetzlich
ein todter blick
Immermann 13, 245 B.;

die bleichen sterne schienen auf glanzlose augen, Immo deckte dem toten fechter das gewand über das angesicht G. Freytag ges. w. (1886) 9, 189.
4) uneigentlich (vgl. DWB glanz D); 'ohne prunk, schlicht, einfach', zu glanz D 2: dort (in ihrem zufluchtsorte) lebte sie nur sich, den erinnerungen an ihre glückliche glanzlose jugend Holtei erz. schr. 6, 22; ein bettler ist derjenige noch nicht, dem so viel übrig bleibt, sich genügsam, ergeben und würdig in glanzlose stille zurückzuziehen Fr. v. Heyden theater (1842) 2, 251; in den geschicken des staates, die sich von einem schwindelnden abenteuer zum andern ziellos und ruhelos bewegten, konnten die glanzlos ächten tugenden der häuslichkeit und bürgerlichkeit nicht gedeihen Gervinus gesch. d. 19. jhs. (1855) 1, 5; der mensch, das schönste, aber glanzlose gebilde der natur, ziert sich, um des anschauns werth zu sein, mit gold und purpur Herbart w. (1850) 11, 80.
zu glanz D 3 'ruhmlos, ohne grosze leistungen': seine wahl (Konrads III.), ja seine ganze regierung, mittellos, glanzlos, erfolglos, wie sie war, ist ein wesentliches merkmal jenes systems Nitzsch dtsche studien (1879) 20; und was haben wir (die nicht berühmten schauspieler) am ende verloren, wenn wir glanzlos ermattet niedersinken, ohne jemals geglänzt zu haben Holtei d. letzte komödiant (1863) 2, 278; ähnlich bildhafter:

das nötige werk der pflicht bleibt stumpf und glanzlos
Stefan George d. neue reich 31.


 
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glanzlosigkeit, f., konkret (zu glanz B 2 c): männchen und weibchen (des hähers) unterscheiden sich nicht, junge vögel durch ... glanzlosigkeit der schwingen Brehm tierleben (1890) 4, 481; anders 'schlichtheit' (zu glanz D 2): die revolution hat vielleicht mehr stille und glanzlosigkeit in Paris gebracht, aber wahrlich keinen tückischen und trüben anstrich in den französischen karakter E. M. Arndt reisen 5 (1802) 217. —
 
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glanzmücke, f., eine art glühwürmchen: licht, so die amerikanischen glanzmucken von sich werfen S. v. Butschky rosenthal (1679) 257, s. auch glanzwurm. —
 
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glanznummer, f., bestes, wirkungsvollstes stück eines vortragsprogramms (zu glanz D 3 a), vgl. H. Wolf musik. krit. 49; redensartlich auch übertragen, z. b. glanznummer der kompagnie bezeichnung für einen spaszmacher Imme soldatenspr. 74. —
 
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glanzpapier, n., meist gefärbtes papier mit stark glänzender oberfläche: in ... mit grünem glanzpapier bezogenen pappkästchen E. Jünger das abent. herz (1929) 59; königskronen aus glanzpapier Weigand d. Löffelstelze (1919) 61; auch für ein photographisches papier mit besonders glatter oberfläche: abzug auf glanzpapier Frank Thiesz zentaur (1931) 416. —
 
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glanzpappe, f., glatte pappe mit glänzender oberfläche, vgl. Prechtl technol. encycl. 10, 604. —
 
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glanzpeterlein, n., name eines doldenblütlers (aethusa cynapium) glanzpeterlein, gleisze, nach den glänzenden blättern, vgl. Krünitz 18, 580; sieh auch Fischer schwäb. 6, 2043; Marzell wb. d. dtschen pflanzennamen 1, 137. —
 
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glanzpresse, f., presse zum erzeugen von glanz auf tuchen und papier, vgl. Beil 248; bildlich: soll ich von den drei ständen kalandert werden und mich glatt und polirt drücken lassen von glanzpressen? Jean Paul w. 15/18, 21 Hempel.
 
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glanzprobe, f., untersuchung von glanzerz auf seine qualitäten

[Bd. 7, Sp. 7654]


hin, s. Löhneisz ber. v. bergw. (1690) 164. —
 
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glanzpunkt, m., 'glanzpunkt nennt man den leuchtenden punkt, welcher sich auf einer oberfläche, zumeist auf einer kugel als bild eines leuchtenden körpers zeigt' Helfft landbaukunst (1836) 152; bildlich 'höhepunkt' (vgl. DWB glanz D 3 a): der glanzpunkt dieses abends W. Hauff s. w. (1890) 5, 210. —
 
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glanzrauke, f., name einer senfart (sisymbrium irio), sieh Meigen pflanzennamen (1898) 52b.