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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
feiszt bis feisztin (Bd. 3, Sp. 1467 bis 1473)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) feiszt , crassus, pinguis, opimus, mit szt zu schreiben, wie heiszt, reiszt, schweiszt, haszt, läszt, das st nur in muste, wuste, best statthaft, doch setzt bereits Luther feist. ahd. feiʒit, feiʒt (Graff 3, 738. 739), mhd. veiʒet, veiʒt, verwerflich veist (wb. 3, 293a), überall ohne vorgesetztes ge und in adjectivischer bedeutung, doch überträgt es im ahd. auch noch obesus, crassatus, corporatus. Luc. 15, 23, wo man das goth. wort hätte erwarten können, φέρετε τὸν μόσχον τὸν σιτευτόν, vulg. adducite vitulum saginatum, überträgt Ulfilas briggandans stiur þana alidan, wie auch Luther bringet ein gemestet kalb her. σιτεύειν, saginare, aljan und feiʒan sind gleichviel. wie sich feiszt zu fett verhält, wird unter fett erörtert.
schon bei den ags. dichtern erscheint oft fæted als beiwort des goldes, ringes, schwertes im sinne des lat. opimus, wie wir auch DWB fett für reich, stolz, prächtig verwenden. ich kann der ansicht Dietrichs bei Haupt 11, 417—420 nicht beitreten, wonach dies particip von einem angeblichen subst. fæt, lamina oder bractea zu leiten wäre, denn gleichbedeutig damit steht auch als epithet derselben wörter das bare, einfache adj., mag man es nun fæt oder fät, fätt schreiben, welches fæt doch nicht aus fæted zusammengezogen sein kann. heiszt nun fätt cealf, fätt brôð offenbar fettes kalb, fette brühe, so musz auch fätt gold, fätt scild, folglich fäted gold, fäted scild den sinn von fett gewähren, der, wie anderwärts, in die vorstellung von reich oder stolz übergeht. das in fætum oder fättum fâh enthaltne subst. fæt oder fätt, fätte mag pinguedo ausdrücken. bei fätt gold fällt mir daʒ vingerlîn vil feit der livländischen chronik 4361 ein. ein ahd. feiʒit gold, mhd. veiʒet gold würde entscheiden. ans goth. fêtjan ornare,

[Bd. 3, Sp. 1468]


das wir in unserm gefäsz wiederfinden, ist kaum zu denken, so gefüg in einzelnen fällen für fæted die bedeutung ornatus schiene.
während sich das adjectivische feiʒ, feisz auf die alemannische mundart einschränkt, sehen wir das participiale feiʒit, feiszt überall verwandt, es findet sich ahd. bei K. O. N., mhd. bei Schwaben und Baiern, nhd. bei Dasypodius 43c. 183c, Frisius 340b. 1005b, Maaler 133d u. s. w.
1) von thieren. ahd. feiʒtaʒ, crassum. K. cap. 27 in anwendung auf das schaf der herde, quod crassum videbatis adsumebatis, et quod debile erat projiciebatis; feiʒte pharre, pingues tauri. N. ps. 21, 13; feiʒte chuoe. ps. 143, 14; feiʒtiu hrindir, boves opimissimi; mhd.

dei siben rinder feiʒtiu. Diut. 3, 99;

nu schant ërʒ (das reh) dâ ërʒ wëste
veiʒt und aller beste
und nam dës einen brâten dan. Iw. 3902;

dâ weiʒ ich veiʒtiu rinder,
dër hüetent jungiu kinder. Reinh. s. 340;

zallen zîten drôt ër mir
als einer veiʒten gense.
Neidhart 80, 34;

ër leite an sîn spaldinier
maneges veiʒten ohsen nier
gespalten und gesalzen wol. fragm. 29b;

nhd. wenn sie paid ir faiszt seu stechen
so schüllens vier hammen zum wein tragen. fastn. 610, 23;

wan die faiszten hennen wol gesotten
die esz wir lieber dan schweinin praten. 350, 24;

ein gemöstes feiszetes kalb. Keisersberg post. 2, 50; gsell, ist das schaf faiszt oder mager? sch. und ernst 1546, 16; einmal kam ein faiszter hund z einem wolf. 1546, 79. 1555, 409; ich wil lieber mager sein und frei, dann faiszt und gefangen. ebenda; der wirt het ein feiszte kuh in dem stall. 1550, 320. 1555, 137; das ist auf mein eid ein schön feiszte kuh. ebenda; und nam gar ein vaiszts pferd bei den naslöchern. Steinhöwel Esop 1487, 60; keine feiszte sauw daraus erziehen. Frey garteng. 30b; viel guter feiszter schaf und hämel. Wickram rollw. 72a; ist er auch feiszt? 73b; feiste wider und böcke mit fetten nieren. 5 Mos. 32, 14; ire jungen werden feiszt und nehren sich im getreide. Hiob 39, 4; ich wil dir feiszte brandopfer thun von gebranten widern. ps. 66, 15; fleisch der starken solt ir fressen, der widder, der hemel, der ochsen, die allzumal feiszt und wol gemestet sind. Ez. 39, 18; so mag ich auch ewr feiszte dankopfer nicht ansehen. Amos 5, 22; und er liesz zwei feiszte rinder schlachten. Tob. 8, 21; und funden het ein feiszt schwein im kot ligen. Cyrillus 75b; ich hab ein feiszten ochsen auf der weide umbgehen (eine fette erbschaft zu erwarten). Petr. 97a; fisch ie feiszter ie schedlicher. küchenmeisterei a 7; die alten feiszten huner. b 4; feiszte hüner legen wenig eier. Lehmann 142; einen starken und feiszten ochsen. Kirchhof wendunm. 474; als wir vom closter ausgangen, sagt er, 'wir wöllen dem stall zugehen, da die junge gaiszkützlin in stehen', wölle zum nachtessen ein guts faiszt daraus nach seinem gefallen nemen. Krafts reisen 86 oder steht hier feiszt substantivisch, nach sp. 1471?; haltet ihr uns nicht manns genug wider gewalt uns zu schützen, dasz ihr uns den tod also tröwet, als einer feiszten gans (wie Neidhart). Philander 2, 721;

sind alles starke patronen
zur feiszten Mertensgans.
Uhland 572;

nicht anders als der feiszten ziegen schar
in Galaad ist auch dein schönes haar.
Opitz 3, 20;

drei stolze adler, feiszt von beute,
schweben über der wellen wut.
Kretschmanns Rhingulph 48;

die feiszten und hochgeschenkelten böcke. Od. 9, 464.

weidmännisch heiszt es der hirsch, die sau ist 'feiszt' (und nicht 'fett'). Döbel 1, 18.
2) von menschen. ahd. feiʒitêr, corpulentus; mhd. feiʒet sind die liute. naturl. 1;

ir sît ze veiʒt bî klagelîcher nôt. MS. 2, 119a;

si sluogen sô
vil mangen veiʒten trollen. MSH. 3, 288b;

mich wundert hiute und immer mêr,
wâ sô mæʒigeʒ wîp
næme alsô schœnen lîp
sô veiʒt und sô gedrollen.
Helbling 1, 1074;

nhd. nachpaur, ich hab ein diern, die ist stark und faiszt. fastn. 347, 30;

der erst ist faul, der ander faiszt. 730, 20;

dick, faiszt am leib und wol gespicket
so ist in meinem haus mein frau. meisterl. 23 no 240;

er ist grosz, rotbrech (rubicundus), krushar, veiszt, gele ougen. Terent. 1499, 156a; sie (die geistlichen) gond daher, nit als ob

[Bd. 3, Sp. 1469]


sie feiszt seien, nur als ob sie swanger weren, non tam impinguati quam impraegnati. Keisersb. selenpar. 148a; ein feiszterer, habitior = corpulentior. Dasypodius 327b; ein feiszter dicker aufgeblasner cardinal. Frey garteng. 63; einen schweren groszen feiszten pfaffen. Wickram rollw. 51; denn er ein feiszte und dicke person was. Kirchhof wendunm. 123a; bei Hannibal wer nit das volk, die ad Cannas gestritten hetten, sie weren zu Capua gelegen, da feiszt worden und sich gemest als die schwein, das kein arbeit mer in inen steck. Livius, Schöfferlin 124a;

ich gieng inn kremen hin und her,
in dem ersah ich on gefär
bei des baders haus sitzn allein
ein faiszten möstel auf eim stein,
der het in im vil faules blut,
ein ringen bewtel und schweren mut.
H. Sachs I, 529b;

hingegen meine feind seind frölich, als ob sie
faiszt macht mein laid, hunger, müh.
Weckherlin 19;

er fand ein neu system geheimnisvoller lehren,
die priester feiszt gemacht und jetzt zigeuner nähren.
Dusch verm. werke 263.


3) von fleisch und gesicht. ahd. feiʒtôrun, corpulentiores vultus. Graff 3, 739b, vgl. ags. fæted hleore; mhd. veiʒteʒ vleisch. Grieshaber 2, 109; mit ûf gerichtem halse und mit veiʒeten nacken. myst. 139, 18; nhd. die pest schickung des flaischs ist, daʒ eʒ niht ze mager noch ze veiʒt sei. Megenberg 23, 13; wer ainen vaiʒten hals hat, herten und starken, der ist zornic und gæch. 47, 27; ein veiszter bauch gebirt nit einen dünnen sinn, venter pinguis non generat tenuem sensum. Keisersberg selenp. 45a;

es macht faiszt hels und starke leib,
drum ich darbei mein lebtag bleib.
Murner schelmenz. 19a;

underspickt und faiszt von leib.
H. Sachs I, 245;

feiszte arme, wangen, dicke, derbe backen; der feiszest darm, klobdarm genant, omasum (der mage wiederkäuender thiere). Maaler 133d;

hört fürwar, nembt ihn, er ist reich,
das ihr wol künd, wie man thut jehen,
mit feisztn maul zum fenster aussehen.
Ayrer 445a;

wie vollmond glänzte sein feisztes gesicht.
Bürger 66a;

lag er mit feisztem nacken gekrümmt. Od. 9, 372.


4) von speise, trank, küche, topf: mhd.

sîn fürbüege, daʒ er hâte,
daʒ was ein feiʒeter brâte. fragm. 30a;

nhd. der apt hat euch ie wol geraten
zu gutem trank und feiszten praten. fastn. 200;

der wein, der feiszten speis halber, in (eis) lungen und leber anzündet. Kirchhof wendunm. 207b; seine helle stimm mit der feiszten suppen heiszer gemacht. 439b; feiszte suppen kochen. 476a; feiszt wildprät, ferina pinguis. Maaler 133d; ach ihr glaubt nicht, wie tröstliche schlaftrünk es bringt, wann man dermaszen aus der feiszten kuchen auftringt, als wann man holz zur salzpfannen fürt. Garg. 80b; habt ihr nicht die feiszt andacht gemahlet gesehen, da die schmutzkolbige buben und triefnäsige würstfüllstopper so sautrogisch mit beiden tapen in der bratpfann ligen? 81a; uns die feiszten pfaffen- und klostersuppen nicht schmecken lassen. gespr. zweier augsb. burger. Ingolst. 1609 s. 88;

indessen findet sich die ganze zunft zusammen,
die auf dich frölich ist. denn setz uns feisztes bier
und reinen reinfall für, der reicher wird an zier,
wenn du eins streichest drein auf deiner violgammen.
Fleming 587;

und sitzt bei euren faiszten töpfen
als schwein und rinder, die man mäst.
Rompler 1, 36;

wenn ich mich durch feisztere hofsuppen verleiten liesze. Wieland bei Merk 1, 107; seinem bier mangelt ein feisztes malz.
5) von land, erde, weide, gewächs. ahd.

iʒ (Frankonô lant) ist filu feiʒit,
harto ist iʒ giweiʒit
mit managfaltên ehtin. O. I. 1, 67;

mhd. wie feiʒt daʒ wuocher in deme lande wâre,
dô si den trûben brâhten.
Diemer 64, 6;

ich wil mîniu schâf fuorôn mit ainer vaiʒter waide ûf den hôhen bërgen, in pascuis uberrimis pascam eos in montibus excelsis. Grieshaber 1, 7;

sliefet in euren rossemist,
als ein wibel, dem senfter ist
in dem gestanke in veiʒter ërden,
dan kungen und keisern ûf pfërden. Renner 13578;

nhd. sein scholl ist feiszt, fruchtbar. Frank weltb. 59b; von wasser reich und von weiden feiszt das vihe zu füetern. 166a;

[Bd. 3, Sp. 1470]


dicke, feiszte feigen. Witzenbürger 2, 35; guter, feiszter acker. Henisch 1055, 38;

der Lusitaner geht umb Ganges feisztes feld.
Opitz 1, 12;

es hat bei uns auch hier sehr gutes feisztes land. 2, 84;

solt ich, geehrter freund, zu wohnen mir erkiesen,
und were wollen thun, ich liesze meine wiesen,
mein feisztes Osterland in seiner wollust stehn
im fall ich könte nur ümm euer Reuszen gehn.
Fleming 75;

wie wenn bei dicker nacht
ein liechter strahl scheuszt hin, der aus den feiszten klüften
sich nach und nach zoh auf und in den warmen lüften
in sich entzündet ward. 87;

schlagt eure werkstatt auf in dieser linden hier,
die hohl ist von natur, ihr honigmeisterinnen,
die aue hier, durchnäszt mit so viel kalter brünnen,
die bringt gesundes gras und feiszten klee herfür. 656;

geh, herde, geh! erquick in feiszter weid
den matten leib, vergisz mit mir dein leid.
Gryphius 1, 655;

ach armer, fieng ich an, eh hier ein obst wird reifen,
eh wirst du mit der faust die hohen stern ergreifen,
bedenke doch, das jahr lauft nunmehr fast zu end,
auch wil die feiszt oliv ein fruchtbarer gewend. 2, 55;

der acker, den der herr gepflanzet,
wird zwar von seiner starken hand
mit einem festen zaun verschanzet
und blühet als ein feisztes land.
Christ. Gryphius 1, 144;

feld und wiesen werden feiszt,
wo die wechselglut
fein das ihre thut.
Birken Margaris 75;

die faiszte waid der wält bedunkt uns zwar im maul
ein gutes ding zu sein, macht aber lungen faul.
Rompler 47;

wan (der Nil) durch die haisze furch mit faiszter frischung fleuszt. 102;

einmal arbeiteten wir im garten, das andermal suchten wir den feiszten grund am schattigsten orte und aus holen bäumen zusammen, unsern garten statt der tung damit zu bessern. Simpl. K. 80;

der landmann pflegt im herbst den acker feiszt zu bauen (zu düngen),
und sein erspartes korn den hufen zu vertrauen.
Gellert 2, 8;

hier flieszt aus reinen wasserfällen
der feiszten anger lieblichkeit.
Hagedorn 3, ...;

für seinen dunghof sammelt unverdrossen
der kluge wirth des holzhofs feiszte erde.
Kosegarten brit. odeon 2, 329.

feisztes ackerland, feiszte, schwere ähren, reben, arva opima, opima vitis. schön ist der altn. ausdruck in Landnâmabôk 1, 2. qvað driupa smiör af hverju strâi â landi þvî, dasz aus jedem halme fett triefe. sprichwort: feiszt land, faule leut.
6) von säften und gerüchen: des bernsteins materie sei ein zäher und feiszter succus aus der erden. Schütz beschr. Preuszens 43; 'der feiszte Thomas' hiesz im 16 jh. ein von der insel Thomas eingeführter zucker: soll der schad gereinigt werden also, dasz du in zwen tag lang weschest mit barbierer oder zwahlaugen, darin feiszter Thomas oder zerfallner schwarzer zucker zertriben sei. Ryff chirurgia 180b; darmit fetten zerfallenen Thomaszucker zertriben. 183b;

wie veilgen unter nelken,
pohl unter rosen reucht, auch wenn sie schon verwelken,
wie süszer benzoe und feiszter weirauch drein
mit mastix untermischt, indem sie glüend sein,
die schöne luft von sich in nah und weit verhauchen,
so ist ihr edles lob.
Fleming 127;

theils mischten nard und myrh und Socrotiner saft
und streuten in des balsams feiszte kraft.
Gryphius 1, 407;

auch wol feiszter honig und in solchem sinn feiszte bienenkörbe: wie ein feiszt immenfasz beschneiden und ausplündern. Simplic. 2, 463. vgl. feisztlechtig.
7) von kleidern und geräth: feiszte ermel, die von fett glänzen; feiszte lederschürzen; so habt ihr auch noch ein gute feiszte kutten an, ich aber bin nackend und blosz. Frey garteng. 38; sicht das die deller, schüszlen, leffel und andre ding schnutzig (so) sind und feiszt und wüest. Keisersberg bilger 206b.
8) abstractionen. ahd. feiʒit wërdan, pinguescere, mit gen. der sache: sô wërdent feiʒt dërô tugedô, pinguescent. N. ps. 64, 13; gotelîche scrifte, dërô diu sêla feiʒt wirt, quibus saginatur anima. ps. 99, 3 (vgl. DWB fett werden). nhd. feiszt machen, pinguefacere: gott wird die herzen unserer kinder stälern und das herze der väter mit dem geschrei seines sieges feiszt machen. Butschky kanzl. 826. nhd. feiszt hat häufig den sinn von derb und stark, zumal in verbindung mit dick: von der erbsünd, die uns hat abgewendet von dem ewigen gute, darinne wir solten feiszte und kreftige liebe haben. Luther 1, 36a; das ist eine, und ein seer gute und feiszte lugen. 5, 291b; das

[Bd. 3, Sp. 1471]


ist ein grosze feiszte ketzerei. bienenk. 170b; da hetzt man ... bruder Lanzenstil sampt seiner lären sackpfeifen mit kröpfigen hunden aus, das dem armen schwanz vor feisztem schrecken möcht das pruch entfallen. Garg. 81a; mit gotteslesterung dick und feiszt gespickt. fluchteufel B 2b;

ihr herz und mund faiszt, falsch und voll.
Weckherlin 268,

nach ps. 119, 70, wo Luther: ihr herz ist dick wie schmer; angesehen dasz wir theils in der jugend alles freier und mit feiszteren worten, dasz ich so sagen darf, zu geben pflegen. Opitz 1, 152;

in dieser feiszten, engebrüstgen zeit
musz tugend selbst verzeihung flehn vom laster,
for in the fatness of these pursy times
virtue itself of vice must pardon beg. Hamlet 3, 4;

das feiszte leben (das irdische). J. P. aesth. 1, 81. es steht aber auch für reich, reichlich in gutem wie übelm sinn: dasz die prediger nicht feiszte pfründen und grosz einkommen haben. Luthers tischr. 2, 2; er hat ein feiszte pfründ. dial. Maria F 2a;

komm, herze, komm, lasz uns zu felde bleiben
in feiszter ruh (pingui otio) und da die zeit vertreiben.
Opitz 3, 22;

gute tage und feiszte winterquartier. Chemnitz I, 94a; das ist eine feiszte (reiche, stolze) braut. Schmid schw. wb. 188.
 
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feiszt, adeps, eigentlich n. des adj., daher auch nach dem artikel schwache flexion eintreten kann: mit dem spinte, veiʒte dëre lembere. Haupt 8, 131; seich das feiszt ab in ein andern hafen. küchenm. b 4;

sin schmutzigen mund wüscht keiner im,
domit das veiszt im becher schwim.
Brant 110a, 99;

das feiszt mit groszen löffeln schöpfen.
Waldis päbstl. reich 2, 4;

das faiszt sie von der suppen nascht.
H. Sachs I, 511b;

das feiszt du von der suppen friszt. III. 3, 8b;

Fritz friszt das feiszt alleine.
Uhland 572;

und wie das pfrundbrot, das macht in allen in denen es aufgeht, entweder geistlich fleisch, oder fleischlichen geist, oder heuchlisch feiszt. Garg. 259b; und ob das feiszt wol oben schwimpt. Kirchhof wendunm. 155a;

die vögel haben gut zu singen nun vergessen,
nachdem sie menschenfleisch und todtenfeisztes fressen.
Opitz 1, 193 (200);

die seele sol mir werden satt
gleich als von mark und süszem feiszten. ps. 63, 3;

was der wucher dem nechsten leiht zum nutzen, davon hebt er den ram oder das feiszt ab. Lehmann 1, 926; fingersdick mit feiszt bedeckt. feiszt wird das fett des roth, reh und schwarzwildes genannt. Hartig lehrbuch 39; warmes feiszt und fleisch (vom schweine) durcheinander. Hohberg 1, 216c.
 
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feisztader, f. vena adiposa, fettader.
 
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feiszte, f. pinguedo, adeps, arvina, ahd. feiʒitî, feiʒtî (Graff 3, 739), mhd. veiʒete, veiʒte (wb. 3, 293a). und Abel der bracht von den erstgebornen seiner hert und von iren veiszten (vulg. Abel obtulit de primogenitis gregis sui et de adipibus eorum). bibel 1483, 7a. 1 Mos. 4, 4 (Luther, von irem fetten); werd angezünt die veiszt, und nim dir dan, wie vil begert ist (vulg. incendatur adeps et tolle quantumcunque desiderat anima tua). 1 Sam. 2, 16 (Luther, lasz das fett anzünden); der neidige wirt mager von des andern feiszte. Keisersb. narrensch. 114b; mit der feiszte gespickt und getrieft werden. has im pf.; gemestet mit feiszete. post. 3, 96; Ulespiegel sagt 'ir sagten mir, ich solt nemen was ich het, so het ich nienen ander feiszte wan seefischschmalz. dan ich was uber dem schank in der kuchin, da fand ich niergen feiszte, da nam ich was ich het'. Eulensp. hist. 44; der kaufman warf im einen schilling dar und sprach 'gang und kauf karchsalben und lasz die fraw alte feiszte darunder thn'. hist. 64; der edel Braun (das pferd) ernert sich so wol von den kornwurzeln, das er bei gter feiszte bleib. Aimon g 4a; machen sich selbs mit gter, doch weniger speis auf den weg, ringfertig und kreftig, das die schwere und feiszte des fleisch wegfalle. Frank weltb. 100b; der Idumeer empfahet den segen seines vaters Cain, nemlich des schwerts glück, sig, feiszte der erden. kr. des fr. 106; schütten sie alsbald feiszte von den wallfischen und merkälbern darein. Fronsperg 3, 150b; was ist das da machet das fleisch, die feiszte, das schmer wachsen? Paracelsus wund und leibarznei bl. 6; Habel hat von der ersten geburt seines lambs und von seiner feiszte geopfert. Reiszner Jerus. 2, 7a; hat viel feiszte oder speck als ein schwein. vil weiszer feiszte oder schmalz haben diese fisch. Forer 85b; die feinde des herren werden sein wie das

[Bd. 3, Sp. 1472]


köstlichste der lemmer, das ist ire faiszte, die sich leichtlich verzeret, sie werden sein verzeret. Melissus ps. Q 1a; und wie lams faiszt im brand werden verzert. P 6b; zeucht auch die hitz heraus, so man sich mit siedendem wasser, öl, feiszte und dergleichen verbrennt hätte. Tabernaem. 1028;

bring mir här feiszte, bring mir harz!
Kolrosz Daniel F 4;

der hirsch ist jetzund in der feiszt.
Ayrer 436a;

schisz vor feiszte. Garg. 129a (petoit de gresse Rabelais 1, 11); das kützle ist gar lustig gebraten und am geschmack sampt seiner faiszte so ausbündig gut zu essen gewesen, dasz ein jeder der es versucht, betheurt, habe sein tag kein bessers fleisch gessen. Krafts reise 87; ein mit fleisches feiszte unbeflecktes feuer. bienenk. 165a; durch überflüssiges essen und trinken zu irer voriger feiszte kommen. Andreae reform. der welt 176; lefzen und wangen mit feiszte und schmutz besudeln. Philander 1, 99; ein versottenes bein unter kraut oder ruben, in welchem man ob tisch das mark sucht und nichts findet, weder was iergend für faiszte zu end der röhren steckt. Rompler 18; nimm die faiszten, die oben an der bibergail hanget. Hohberg 1, 292a. Maaler 133d hat: ausgeschmelzte feiszte, eliquamen, käche und kernhafte feiszte, wie an dem brustkernen, nucleus pinguetudinis, feiszte speise oder daran vil feiszte ist, adipatum. die feiszte zerschmelzen oder mager machen, adipes tenuare. feiszte auf der milch, pingue lactis. Henisch 1055, 3; milch, darvon man die feiszte thut (den schmant abnimmt). Alb. magn. weibergeheimnis 1569 s. 139; harte feiszte zwischen haut und fleisch. 1054, 65; mit feiszte gespickt, voll feiszte. 1055, 18. in der Schweiz unterscheidet man die feiszte, den in die erde gelegten dünger, von der beschütti, dem blosz auf das land geschütteten, gestreuten. seit dem 17. 18 jh. tritt fett an die stelle von feiszte und nur weidmännisch haftet feiste nicht nur für das fett, sondern auch für die zeit des jagbaren hirsches, also der hirschjagd: auch so deilent sie, das der abt von Fulde in der hirʒfeiʒte sehs hirʒe jagen mag mit zuhten und in der eberdreisz sehs hauwende swin. weisth. 1, 502; wiltu lernen spuren einen hirsch zu erkennen, so merk zum ersten, wie du einen hirsch solt suchen in der feiszten. Meurer 33a; als er (landgr. Philips) auf einer hirschfeiszt einen hirsch zerlegen liesz und weil derselbe sehr fett ware und i. f. gn. sagt 'das thier hat viel weisz ( ? veisz), stund ein baur dabei, sagte 'ja gn. fürst und herr, das kostet uns unsere gute körnlein, die sie uns im feld abetzen'. dem antwortet er 'es ist wol zu erbarmen, dasz ich ewre kühe lasse in meine wälder gehen und ihr weigert mir, meine kühe in ewer feld zu gehen'. Zinkgref apophth. 1, 120.
 
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feiszten , zu unterscheiden von feisten sp. 1466.
1) pinguescere, ahd. feiʒitên, mhd. veiʒten:

sô magerent si, sô veiʒt wir same diu swîn.
Walther s. 161;

nhd. hundert gefeisztete lämmer (pingues agnos) und mütter. Virgil Aen. 1, 635;

auch thrakische gaule mit menschlichem blute gefeisztet,

das particip kann aber zur bedeutung 2 fallen; die zeit des feisztens in den wäldern, da die schweine sich mästen, mastzeit; feiszten, feiszt und mastig werden. Maaler 135b.
2) pinguefacere, saginare, ahd. feiʒitan, gleichviel mit feiʒan, nhd. feiszen: unwissenheit gedeiht nur dem magen und feisztet den bauch. Klingers theat. 4, 161. 163.
3) adipem olere, nach fett riechen. von der salbung Maria Magdalenas: es msz von not wegen sein, das es etwas subtils was, und nit feisztet, daz kostlich. Keisersberg post. 2, 114b.
vgl. erfeiszten sp. 797, wo die schreibung erfeisten unrichtig.
 
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feisztete, f. pinguedo, ahd. feiʒtida? ergibt sich aus dem wortspiel folgender stelle nicht deutlich genug: cometen machen viel propheten und sagen all von tödten (deuten auf krieg und sterben), comede mein feisteten (feisztéte). Fischart groszm. 25.
 
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feisztheit, f. pinguedo.
 
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feiszthirsch, m.
 
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feisztig, pinguis, opimus, nitidus: wan du dich selbs z grund wol erkantst, was du werest und noch werden mst, so ... hettest nit so vil groszer not, wie du dich ziertest und dinen lib feisztig und getrungen und dritschlecht (? trutschelicht) gemachtest und dich selber also zart hieltest. Keisersberg bilger 148d.
 
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feisztigkeit, f. pinguedo, adeps: die feisztigkeit der thier, die auf dem berg warden gemestet vom daw, ward geopfert in tempel. Frank weltb. 178a; weil die feisztigkeit, welche

[Bd. 3, Sp. 1473]


zum brennen tauglich ist, nicht minder wann sie verloschen und ausgeworfen ist, die trächtigkeit der felder verursacht. Opitz 1, 30;

darumb auch die gewalt der glut nicht länger wehret,
als diese feisztigkeit (der lava), die oftmals wie ein flusz
sich aus der tiefen kluft mit brausen heben musz. 1, 43;

die weiche feisztigkeit lief von den hüften hin. 1, 194 (200).


 
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feisztin, n.
1) pinguedo, adeps.
2) sagina, pabulum, wofür schon ahd. veiʒtin (Graff 3, 739). auch der alte druck Megenbergs von 1482 schreibt veisztin in folgenden stellen der ausgabe Pfeifers, welche vaiʒten setzen: ain iegleich tier, daʒ vil ünslits hât und vaiʒten, daʒ hât vil markes. 22, 20; wan diu hitz mag in den painen niht vaiʒten gemachen noch enmag daʒ mark verzern. 22, 23; des flaischs vaiʒten ist pei dem nabel und pei den lenden. 23, 15; des lewen vaiʒten ist der vergîft widerwärtig. 144, 17; wenn sich ain mensch salbet mit wein und mit des lewen vaiʒten, so verjagt eʒ alliu tier von im. 144, 18; sein vaiʒten ist haiʒer wan kains andern tiers vaiʒten. 144, 19; des lewen vaiʒten mit rosenöl gemischt behüet des menschen antlütz vor flecken. 144, 23. der spätere Seuter s. 4 hält faisztin fest: nimb das schmalz oder faisztin oben ab; wird man mit feisztin überladen, so bringts neben anderm, das der mensch träg, untaugenlich zur arbeit und wandern ist. Wirsung arzneib. 538.
3) zeit der hirschjagd: hirsz suochen in der faisztin. Maximilians jagdb. 57.