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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fahl bis fähnchen (Bd. 3, Sp. 1239 bis 1241)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fahl [fal], pallidus, flavus, subflavus, gilvus, gelbgrau, ahd. falo gen. falawes, mhd. val, valwes, nhd. fahl, falb, mnl. vael, valuw, nnl. vaal, ags. fealo fealeves, engl. fallow, altn. fölr, fr. fauve, skr. palita, gr. πελλός, πελιός, πολιός, lat. pullus, litt. palvas, böhm. plavy, poln. płowy. pallidus gleicht dem palita, das unverschobne flavus hat ganz den auslaut der deutschen, lit. sl. formen, entspricht aber unserm blau, ahd. plâ, plâwes (2, 81), wie sich auch die bedeutungen flavus und lividus berühren. plâ wurde von bliggvan, lividus von fligere geleitet, wo wir v = gv, g erkennen. unser b in falb gieng hervor aus falw wie in

[Bd. 3, Sp. 1240]


farb, herb, gelb u. a. m., die schlechte schreibung fahl ist wie in kahl, mahl; fahl und falb sind dasselbe wort.
fahl gilt vornemlich von bart und haar, dann von pferden, aber auch von metall, getraide und andern dingen ähnlicher farbe.
1) etliche schwarze, kesselbraune oder fahle oder gelblichte kupfer. Mathesius 74b; zohe ein fahles kleid an. Felsenb. 2, 137.
2) streiften ihm den groszen fahlen bart abe, banden ihn dem tatterischen heubtman an den spiesz. Waisselius chronica alter preusz. historien. Königsb. 1599 s. 134.
3) und ich sahe ein falh (al. falb) pferd (ἵππος χλωρός, vulg. equus pallidus) und der drauf sasz, des name hiesz tod und die helle folget im nach. offenb. 6, 8;

und wenn wir ains mer auf ainem valben pfert finden. fastn. 321, 5;

ich hab dich oft gefunden
auf einem falhen pferd. Ambr. lb. 70, 43;

under disen reden kam ein bot auf eim falhen pferd. Aimon b 3b;

ob ich sie find uber der karten
und auf dem faalen pferd ertap.
Heinr. Jul. v. Br. 564;

ob er sie auf eim fahlen pferd
unversehens eins finden werd. 607;

zeuch, fahler, zeuch!
balde wollen wir Tylli dreschen! wunderh. 2, 93,

anderwärts,

zeuch, fohle, zeuch,
morgen wolln wir habern dreschen;
ist dieses pferd graw oder fahl?
Weckherlin 528;

das schulrecht mach ich hier gemach
dem tod auf seiner fahlen nach.
Czepko bei
Gryphius 2, 35;

wer einmal auf einem fahlen pferde ertappet wird, dem glaubt man nicht leichte mehr. Butschky Patm. 612; will nicht hoffen, dasz mich jemand auf dem fahlen pferde wird angetroffen haben. Weise com. probe 7; dabei er denn wol schwerlich gedacht hat, dasz ein musicus ihn so oft auf einem fahlen pferde finden sollte. Joh. Mattheson der neue ephorus 1727 s. 49; und schlich so lange nach der frau, bis er auf dem fahlen pferde attrapieret wurde. Felsenb. 3, 415; da er sich aber hier auf dem fahlen pferde finden läszt, wie kann man ihm im übrigen trauen? Lessing 3, 281; hier war der ort, wo sich Stilling in ansehung der versöhnungslehre zuerst auf dem fahlen pferd erwischte. Stilling 5, 24; jemanden auf dem fahlen pferde treffen. Hermes Soph. reise 6, 306. Stieler 425 erklärt er reitet ein fahl pferd durch mentitur, falsus est und gibt auch: man hat ihn auf einer fahlen ziege ertappt, in falso et mendaciis deprehensus est. das ist aber zu eng und finden, treffen, ertappen, erwischen auf dem f. pf. musz überhaupt meinen einen auf einer unthat, auf einem irthum betreten.
4) fahl, bleich, abgeblaszt, welk, mhd. mhd.

heide und anger und diu tal,
diu hât dër winter aber val
gemachet und die ouwen. MS. 1, 11b;

nhd. so fahl, so schahl, so kahl gehts aus. Froschm. am schlusz;

und wie kahl und fahl ist ihr feuer, ihre phantasie. J. P. Tit. 2, 3; mich macht verdrüszlich, dasz der mensch alle tage seines lebens leichter überlebt, als (den letzten ausgenommen) den ersten, und dasz ebenso unser realblatt zu kahl und fahl aufzieht. anh. zu Tit. 1, 6; ein solcher, dessen fahles herz nichts weisz von der bruderunität befreundeter herzen. Hesp. 1, 12 (48);

euer fahles wesen, schwankende positur,
euer tripplen und krablen und schneidernatur.
Göthe 57, 262;

welch ein gesicht so fahl und grimmig kalt,
wie hat sein blick so schrecklich mir gestralt!
Lenau Faust 19;

wenn du hinaus auf die felder gehst,
im grünen drauszen als frühling stehst,
so ist hier herbst in der todten stadt.
meine wange, die fahle flur
hat geronnene thränen nur,
und mein herz ist ein welkes blatt.
Rückert 356.


 
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fahläugig, pallidis oculis: der faläugigen wegmeisterin und braunmetzen fraw Mona (Luna). Fischart groszm. 93.
 
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fahlerz, n. minera argenti grisea.
 
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fahlgelb, fulvus, luridus, schmutziggelb mit grauem schein, was alles schon im einfachen fahl liegt.
 
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fahlgeschürzt, pallide vestitus:

wenn aus den fahlgeschürzten wolken
hagel auf thürmende städte stürzet.
Denis im Leipz. alm. 1779 s. 240.

[Bd. 3, Sp. 1241]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fahlleder, n. auch schmalleder, den gerbern das zum oberleder der schuhe benutzte weichere, schmeidigere, ungeschwärzte, von der blassen erdfarbe, die es beim schwellen (auftreiben) bekommt. Brosenius technol. 1, 64.
 
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fahlroth, schmutzigblaszroth.
 
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fahlstein, m. grauer schiefer.
 
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fahm, spuma, s. DWB faum.
 
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fahmen, s.fäumen.
 
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fähnchen, n.
1) parvum vexillum.
2) eine kleine schar krieger.
3) vestis minuta: in einem leichten, gestreiften, seidenen fähnchen sah die kleine, niedliche figur einer putzmacherin ähnlich. Göthe 28, 37.