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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
strolchen bis strollen (Bd. 19, Sp. 1686 bis 1688)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) strolchen, vb., (wie ein strolch) umherstreifen, sich herumtreiben. zu strolch. vgl. auch 1strollen. häufiger als kompositum: umher-, herumstrolchen (andere kompp. s. Sanders erg.-wb. 536a): Staub-Tobler 11, 2241; Fischer schwäb. 5, 1876 (hier auch herumstrolchlen 3, 1519); Martin-Lienhart elsäss. 2, 631b; Schöpf Tirol 721; md. in den unter strolch angeführten dialektgebieten bezeugt; rotwelsch strolche 'lungern' A. Rollier Berner mattenengl. in: zs. f. dt. wortf. 2, 54. — lexikalisch als

[Bd. 19, Sp. 1687]


obd. wort verzeichnet in der (an trollen angelehnten) schreibung strollchen bei Adelung 4 (1780) 836; literarisch erst seit der mitte des 19. jhs. nachweisbar: noch immer giebt es fatale alte leute, die bettelnde strolchende Berner-bürger, bürgerinnen ... auch zum lumpengesindel rechnen Gotthelf ges. schr. (1855) 1, 295; wer hat nicht schon im leben die achsel gezuckt und lächelnd den kopf geschüttelt, wenn er den musensohn ... durch die straszen 'strolchen' ... sah? Brachvogel Friedemann Bach (1857) 2, 61; dabei furchtbarstes kopfweh und brustbeklemmung. ich strolchte also nach hause (1868) K. Marx briefw. 4, 28;

und wie ich (der weihnachtsmann) so strolcht' durch den dichten tann,
da riefs mich mit heller stimme an
Storm s. w. (1900) 1, 187;

dasz ich im nassen feld strolchte und besonders schmutzig heimkam H. Hesse diesseits (1907) 35. vgl.: Franz Rost hat seine pferde getränkt und gefüttert, auch ausgespannt hat er sie und abgeschirrt, damit sie ein wenig umherstrolchen können A. Zweig eins. e. königs (1950) 293; er war als junge selbst herumgestrolcht Anna Seghers d. toten bl. jung (1950) 481. —
 
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strolchenbande, f., 'räuberbande, schar von diebsgesindel': haben sie denn nicht von der strolchenbande gehört, deren nest man neulich im schurwalde droben ausgenommen? J. Scherr Schiller (1873) 1, 66. —
 
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strolchengesindel, n., im lande herumstreichendes (diebs-)gesindel, landstreicher. als obd. wort in der form strollchengesinde verzeichnet bei Adelung 4 (1780) 836: die ungesäumte wegschaffung des fremden strolchengesindels qu. v. 1803 bei Staub-Tobler schweiz. id. 7, 1129; solches lumpenpacks und strolchengesindels willen Zschokke s. ausg. schr. (1824) 26, 60. —
 
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strolchengold, n., unehrlich erworbenes geld und gut: da sagte einmal ein langer, blasser mann, ... dass ich (ein spieler) doch nur ein lumpe sei, der vom Pariser strolchengolde lebe Stifter s. w. 2 (1908) 166. —
 
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strolchig, adj., nur schweiz., so viel wie strolig (s. d. unter 1strollen) 'herumstreichend; liederlich, unstet', Staub-Tobler 11, 2241. — dazu strolchigkeit, f.: strolchigkeit der haltung national-zeitg. 25, 424 bei Sanders erg.-wb. 536a.
 
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strolchin, f., landstreicherin, liederliche, unehrliche weibsperson; auch als schimpfwort gebraucht: hast wieder holz gestohlen, du strolchin? G. Keller ges. w. (1889) 3, 132; die moderne verläszlichkeit läuft wie eine strolchin herum in allen weiten, nur das musz treibt sie an ihren platz Rosegger schr. (1895) III 7, 33; (edelmann zu einer ehrlichen bauersfrau:) du strolchin, zahl das geld, und du kriegst ihn (deinen erhängten mann) zu sehen Feuchtwanger Simone (1950) 74. —
 
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strölchlein, n., dimin. zu strolch; strelchli Staub-Tobler 11, 2240: es liege irgendein zigeunerweib drinnen im heu, die sich just anstrengt, der welt ein funkelnagelneues strölchlein zu schenken L. Schücking die Rheider burg (1859) 2, 103. —
 
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strölchling, m., so viel wie strolch: weil viele fremde vaganten und strölchling herumlaufen qu. v. 1580 bei Staub-Tobler 11, 2241.
 
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stroll, m. 1) landstreicher, strolch; zu 1strollen, vgl. 1troll 'grober, plumper, bäurischer mensch', teil 11, 1, 2, sp. 798; mundartl. nur im alem. und bair. bezeugt: strol

[Bd. 19, Sp. 1688]


Staub-Tobler 11, 2233; Schmeller-Fr. 2, 813. im 16. jh. vereinzelt literarisch bei dem Schwaben Conrad Vetter: wische nun jetzt ein sectischer magistel oder stroll herfür, reisse die augen auff, krümme die nasen, kratze die stirne, unnd richte speckbübischer weisz uber seine selbseigne richter. was für ein spil, abenthewer und gelächter wird er zurichten d. luther. schräckengast (1599) D 1a. 2) nebenform zu strahl: das sind nun phinetides, so ein andern nachgeht auff sein zerstörung: als der stroll ('blitzstrahl') den heussern, der falck den rebhünern Paracelsus chirurg. schr. (1618) 406 A (vgl.strall vnd hagel ebda 405). — zu stroll 1 bzw. zum folgenden: strollkerl, m.: und daher packte denn der Allgäuer ihn auch mit der linken, und hielt ihn am leible, unter der gurgel ... 'ich will euch hores mores lernen, ihr donnerschlächtige strolkerle' Aurbacher ein volksbüchl. (1835) 211.
 
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strollen, vb., (ziellos) umherstreichen, -schwärmen, (herum)strolchen. vgl. alem.-bair. stroll, m., engl. stroll, vb. und subst. sowie 1trollen, teil 11, 1, 2, sp. 801. mundartl. nur im (bair.-)alem. (meist mit vokaldehnung vor l, s. Staub-Tobler 2, 214 s. v. gol) bezeugt: strolen Staub-Tobler 11, 2233; strolen (auch strâlen) Schmeller-Fr. 2, 813. lexikalisch als obd. mundartwort neben strolchen gebucht bei Heynatz antibarb. 2 (1797) 458; Campe 4, 718b. literarisch nur vereinzelt: wann nun die knaben ... auff der gasse herumb strolte (1673) Grimmelshausen Simpliciana (Teutscher Michel) 187 Scholte;

so hab ich den Kilâber (mann aus Kilâb) bewirtet, als ers wollte;
und so einst deine (eines hirten) mutter, als sie zu mir strollte
Rückert Hamâsa (1846) 2, 198.

dazu stroller, m., vagabund, strolch, s. DWB stroll, m. sowie gleichbedeutendes engl. stroller. nur bei Kluge rotwelsch (1901) 341 und in den formen strōler, ströller bei Staub-Tobler 11, 2233 bezeugt: (die stadtrichter) habend ihne anfangs nur gespillt (verspottet, nicht ernst genommen), ihme nit gehör geben und gesagt, er sei ein ströller, habe seines vaters mantel an qu. v. 1681 bei Staub-Tobler a. a. o.vgl. auch die nur im schweiz. bezeugte form strolig, adj., (s. strolchig) 'herumstreichend; liederlich, unstet' Staub-Tobler 11, 2233; auch gebraucht als 'superlativ der bösen beschaffenheit eines dinges': strolige noth, strolig viel Stalder schweiz. id. 2, 410.
 
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strollen, vb., von flüssigkeiten, die (in strahlen) geräuschvoll strömen, flieszen: nebenform zu vornehmlich nd. strullen, teil 10, 4, sp. 109; vgl. auch stripp, strapp, strull sp. 1622 sowie strahlen 5, teil 10, 3, sp. 800. überwiegend mundartl.; auszer bei Mensing schlesw.-holst. 4, 902 nur im alem. bezeugt: strollen, strolen stark herausströmen (blut aus der wunde, milch aus dem euter), stark, heftig regnen Fischer schwäb. 5, 1876; letzteres auch bei Staub-Tobler 11, 2233; strole flieszen (wasser etc. aus gefäszen) Meisinger Rappenau 187. so auch lexikalisch als schwäb. wort verzeichnet bei Campe 4, 718b; s. hierzu die flurnamen stroll, m., 'flut' (im württemb. Schwaben) Buck obd. flurnamenb. 272 und ströller 'quelle' Fischer schwäb. 5, 1876. literarisch nur vereinzelt in komposition: man vernahm keinen sterbenslaut als den des eigenen fusztritts und den regen, der von den dächern niederstrollte Mörike w. 2, 108 Maync.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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