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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
strobel bis strobelköpfig (Bd. 19, Sp. 1631 bis 1633)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) strobel, m., tannenzapfen, aus lat. strobilus 'zapfen der zirbel', griech. στρόβιλος, vgl. DWB strobeldorn: strobel noce ruvida da pino Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1014c; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann- und fichtenzapfen Adelung 4 (1780) 831.
 
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strobeldorn, m., name der artischocke, cynara scolymus L., einer nicht einheimischen pflanze; aus lat. strobilus 'zapfen der zirbel', das im 16. jh. auch die artischocke bezeichnete, nach deren zapfenähnlichen blütenkopf, s. Marzell wb. d. pflanzennamen 1, 1294. die entlehnung bürgerte sich um so leichter ein, als das aussehen des blütenkopfes an das heimische 1strobel 'schopf' denken liesz. seit dem 16. jh.: scolymos, -us, scolimbos vel strobilius, -lus strobeldorn, welsch-, golddistel Diefenbach gl. 519c; strobildorn Fuchs new kreutterb. (1542) 791a; von welschdistel, strobildorn: carduus heiszt bei den Roemern ... strobilus von wegen der distelköpff, welche sich den kiffernnüssen oder zapffen vergleichen Bock kreutterb. (1551) 327; der hirsch braucht wider die vergiffte weidt strobildorn (herbaci nare resistit) Heyden Plinius (1565) 157; carduus altilis, strobilus est welsche disteln oder strobeldorn Faber thes. (1587) 141a; in gemein aber lobt man vndern kreutern ... dillen, klee, articocae, die wir strobeldorn nennen, welches kraut wunderbarliche eigenschafft zum zittren hat Wirsung artzneyb. (1584) 146c; die (eberwurz) ohne stengel ... trägt lange blätter wie der strobildorn Hohberg georg. cur. 3, 1 (1715) 423a; strobeldorn cynara scolymus Nemnich wb. d. naturgesch. 5 (1793) 581. — auch als bezeichnung der mit der artischocke nah verwandten cynara cardunculus L.: wilde strobildorn a. d. j. 1701 bei Marzell a. a. o. 1, 1292; vgl. auch: carduus aculeatus sive cinara strobildorn, welsche distel, artischocken Reyher thes. (1668) 884; im october sint nun folgende bäwm ... zum besten: strobeldorn Sebiz feldbau (1579) 60.
 
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strobelhaar, n., 'wirres, ungekämmtes haar', zu strobeln 'emporstehen': (ein bürgermeister,) der het ain langs, dicks strobelhar, das gar durch ainandern verwürt wie ain horisen Zimmer. chron. 23, 352 Barack; strobelhaar horrens, horridus capillus Dentzler clavis ling. lat. (1716) 279b; ein offenes schmutziges hemde, ein gänzlich zerrissener rock, hosen item, nie gekämmtes schwarzes struppelhaar L. v. Düringsfeld aus Dalmatien (1857) 3, 139. mundartl., s. Fischer schwäb. 5, 1872; strubelhor Seiler Basel 282. —
 
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strobelhaarig, adj., von einem menschen mit unordentlichem haar, s. Höfer etym. wb. (1815) 3, 194. —
 
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strobelhahn, m., hahn mit emporstarrendem gefieder: einen drollichten strobelhahn mit struppichten auswärts gekehrten federn; ein mittelding

[Bd. 19, Sp. 1632]


zwischen vogel und igel Kretschmann s. w. (1784) 6, 50; Krünitz öcon. encycl. 176 (1841) 7. —
 
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strobelhenne, f., ebensolche henne im schwäb. mundartlich, s. Fischer 5, 1872. —
 
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strobelhirn, n., dass. wie strobelkopf: der Medusae strobelhirn Fischart w. 2, 6 Hauffen.
 
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strobelhuhn, n., huhn mit emporstehendem gefieder, mundartl. in Österreich, s. Höfer etym. wb. (1815) 3, 195.
 
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strobelig, strobelicht, adj. , struppig; von strobeln 'emporstehen'. seit dem älteren nhd.; mundartlich heute noch weit verbreitet, meist strubelig, struwelig.
1) eigentlich: wirr emporstehend, struppig, von den haaren und federn: wenn das pferd ein heisz trücken maul, und stroblechte haar hat Uffenbach neuw roszb. (1603) 2, 120;

der neid kann
mit der schwärzesten galle, dem stroblichten haare nicht leugnen
Bodmer Bodmer nicht verkannt! 12, 99 lit.-denkm.;

die kleine brut (von kindern) mit den braunroten backen, dem gelben, strubbeligen haar und den groszen neugierigen augen Polenz Grabenhäger (1898) 1, 52; sein haar stand so struwelig über den schläfen G. Freytag ges. w. (1886) 6, 240; (er hatte) einen nit fast rauhen, haarichten oder stroblichten bart Porta physiognomy (1601) 216; schaut, wie stroblich seine (des wildschweins) borsten Brockes ird. vergnügen 6 (1740) 227; dagegen haben die Wallachen ... noch welche (hühner) mit gesträubten und strobelichten federn Sulzer gesch. d. transalp. Dacien (1781) 1, 68. 'mit emporstehendem haar': strobelichter kopf Kramer t.-ital. 2 (1702) 1014c; starcke eber mit breittem, stroblechten rücken W. Spangenberg eselkönig (1625) 277; es geschicht offt, dasz die pferde durch ihre magerheit stroblicht werden; ... honig im wasser ... wird dem stroblichten pferd sehr nutzbar seyn Hohberg georg. cur. 3, 2 (1715) 209b. von den blättern (grannen?) an der ähre der hirse: des (hirse) eher hat strobelechte pleter K. v. Megenberg buch d. natur 403 Pfeiffer, hs. d. 15. jhs.mundartlich strubelig, struwelig meist 'mit zerzaustem haar', von menschen, auch im verallgemeinerten sinn von 'unordentlich', s. Woeste westf. 259; Bauer-Collitz Waldeck 100b; Crecelius oberhess. 816; Hönig Köln 177; Martin-Lienhart elsäss. 2, 624; Fischer schwäb. 5, 1872; Seiler Basel 282; Meyer-Mauermann d. richtige Berliner 174; Bernd Posen 299; Hertel Thür. 238; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 579; Kramer Bistritz 128; Kisch vgl. wb. 218. im bair.-österr. strobelig, s. Unger-Khull steir. 584a; Hügel Wien 211.
2) übertragungen: strubbelich verrucosus; strubbelich (ruwe, strublich, scharp) saber v. d. Schueren Teuthonista 383 Verdam. 'rauh' vom wetter: es ist struwwelig wetter es regnet, schneit Kehrein Nassau 318. 'verwirrt' Martin-Lienhart elsäss. 2, 624. — 'ungefüge, rauh' vom menschlichen charakter: ew. hoheit zürnen mir nicht, wenn ich struwelig und widerhaarig war Gustav Freytag u. Herzog Ernst v. Koburg im briefw. 264 Tempeltey; wenn du kämst, könnt's leicht häupeleien geben, weil du so strobelig bist H. Kurz sonnenwirth (1862) 2, 79. ähnlich mundartliches strublig 'sauertöpfisch' Schweiz. id. 11, 1955; struwelig 'uneinig' Vilmar-Pfister Kurhessen 2. erg. heft 38; 'grob, rauh': (ich) habe bemerkt, dasz (bei den Schweizern) die wahrheit mehr ins gesicht gesagt wird, als in unserer verschliffenen welt, obwohl oft stroblig rauh Vischer auch einer (1879) 2, 247.
 
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strobelkopf, m. , kopf mit emporstehendem, krausem, ungekämmtem haar. seit dem älteren nhd., heute mundartl. stark verbreitet, auch strubelkopf, struwelkopf. zu strobeln 'emporstehen'.
1) ungekämmter, kraushaariger kopf, meist eines menschen: Medusae abgehawener strobelkopff Fischart Garg. 427 ndr.; kaum hat Absalon so vil haar in seinem

[Bd. 19, Sp. 1633]


strobl-kopff Abr. a S. Clara Judas (1686) 1, 7; (sie) läszt es (das haar) über die nase herabhangen, weil eben in der stadt die strobelköpfe mode sind Alxinger s. w. (1812) 6, 282; ich möchte dir alle haare aus deinem verfluchten strobelkopf reiszen Ayrenhoff w. (1814) 4, 132; die Marianne freilich war gut und dumm; ihr blonder strubelkopf vermochte wenig zu fassen Schäfer d. halsbandgesch. (1911) 21. freier vom kopf einer distel: wo über den strubbelköpfen der kohldisteln die breiten, weiszen schirme hoher dolden stehen Löns auf d. wildbahn (1916) 50.
2) ungekämmter, kraushaariger mensch: die schwarzen strobelköpfe, die seine zweite frau ihm zugebracht, konnten sich an kraft und stämmigkeit mit dem Paul nicht messen I. Frapan enge welt (1891) 19. so meist in den mundarten, in gleichem gebrauch wie struwwelpeter: struwelkop Bauer-Collitz Waldeck 100; Woeste westf. 259; struwwelskopp Elberf. ma. 159; struwelkopp Coblenzer ma., rhein. antiquar. III, 14 (1869) 750; Fischer schwäb. 5, 1872; strubelkopf Staub-Tobler schweiz. id. 3, 416; strubbelkopf Müller-Fraureuth obersächs. 2, 579; schdroblkopf spottname für einen menschen mit ungekämmten, zerrütteten haaren Castelli Österr. u. d. Enns 238; Loritza id. Viennense 128; strobelkopf mit verwirrt emporstehenden haaren Schmeller-Fr. 2, 804.
3) übertragen 'ungestümer, streitsüchtiger mensch': und was hatten den schönen Absalon seine bunde haarlocken ... anderst geholfen, als dasz sie (weil er ein unbändiger wilder strobel-kopff gewesen) zu letzt endlich sein eigner galgen wurden? J. Riemer d. trunkene träumer (1684) 28; ich hätt' gar nicht glaubt, dasz der strobelkopf, der störrig', so mürb' werden könnt' H. Kurz sonnenwirth (1862) 2, 6;

Hans Strubelkopf ist igelsart,
hält jedermann das widerpart
Wander sprichwörterlex. 4, 923.

struwelkopf eigensinniger mensch Ruckert unterfränk. 178; strubelkopp streitsüchtiger mensch Crecelius oberhess. 820; ähnlich strob'lkopf dummer mensch Hügel Wien 159.
 
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strobelköpfig, adj., ungekämmt, kraushaarig, von strobelkopf: unser strobelkopfigte Ann Grimmelshausen Simpl. (D) 1, 26 Borcherdt; mit dem langgeschossenen struwelköpfigen jungen J. Grosse ausgew. w. (1910) 3, 263.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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