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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schlagen bis schlägermühle (Bd. 15, Sp. 346 bis 415)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schlagen, verb. ferire, plagas infligere. ein gemeingermanisches ablautendes verb, das sich in allen germanischen sprachen erhalten hat. dem germanischen slahan entspricht ein vorgermanisches (westeurop.) *slaqé-, das sich mit abfall des anlautenden s in griech. λακίς λακίζω, lat. lacer, lacerare, lacinia, lancinare, wol auch in kirchenslav. lč 'ich trenne' fortsetzt; eine ablautstufe mit gedehntem vocal erscheint in kyprischem ἀπέληκα ! ἀπέρρωγα, s. Fick4 1, 531. beide formen weisen zurück auf ein indogerman. verb, das als *sélkô und *slékô erscheint; die erstere, wol ursprünglichere form ist vorhanden im ostarischen mit der bedeutung 'werfen', vgl. av. harec-, sanskr. sṛká 'pfeil, geschosz' Fick4 1, 140. näher liegt dem german. in form und bedeutung das im kelt. erhaltene *slékô, perf. *sesloka, das irischem sligim ich schlage, perf. ro-selach, und slechtaim zu grunde liegt. 2, 320; vgl. ferner Kluge 325a. Franck 883 f. Skeat 561b. ten Doornkaat Koolman 3, 190.
germanisches slahan flektiert überall als ablautendes verb mit grammatischem wechsel, den nur das gothische zu gunsten des h aufgegeben hat. das altnordische sløra, slera zu slá ist wol eine analogiebildung zu sá-søra (s. DWB säen theil 8, 1630), vergl. Cleasby-Vigfusson 566b und Paul-Braune beitr. 8, 559. das g, das ursprünglich nur dem plur. des prät. eignete, ist später vielfach auch in den sing. eingedrungen. das part. pass. hat im altnord. und ags., vereinzelt auch nd., umlaut. die formen der auszerdeutschen sprachen sind: goth. slahan - sloh - slohum; altnord. slá (1. sing. slǽ) - sló (sløra) - slógu - sleginn, dän. slaaeslog - sloge - slaaet (slagen); schwed. sl - slog - sloge - slagen; ags. sléan - slôh, slôg - slôgon - slægen, slegen; mittelengl. sleen, slee - slouh, slou, selten sleu - slog(h)en, slowen - slagen, slain;

[Bd. 15, Sp. 347]


engl. slay - slew - slain; altfries. sla - sloch, slog - slogon - (ge-, gi-, e-)slein, slain Richthofen 1035a; neufries. slaen, slauan, slô ten Doornkaat Koolman 3, 190a. das alts. hat den grammatischen wechsel zwischen präs. und prät. gewahrt: slahan - slôg — slôgun - gislagan; in der 2. und 3. sing. wechseln formen mit und ohne umlaut: slahit (Cott.) -slehit (Mon.); im part. perf. findet sich vereinzelt umlaut: suffixa ûfgeslegenon Prud. gl. 45 (zeitschr. f. d. alterth. 15, 517); vgl. Gallee § 281; die altnfr. denkmäler zeigen contrahierte formen: reslât alla iu (interficitis universi vos). ps. 61, 4; te reslâne gl. Lips. 763; der grammatische wechsel ist gestört: ne reslag thu sia. ps. 58, 12; mnd. slahe (slage) -slôch, slogen - slagen; dazu die 2. und 3. sing. sleist, sleit (selten slât), infin. slân, imp. slâ; mnl. ebenfalls contrahiert slaen (2. und 3. sing. gewöhnlich ohne umlaut slaes, slaet, seltener slees, sleet) - sloech, sloeghen - gheslaghen, häufiger ghesleghen, vereinzelt auch gheslaen, s. Franck mnl. gramm. § 147; holl. slaan - sloech - geslagen.
ahd. slahan - sluog (sluoc, sluag, sluac, sluoch) - sluogun — gislagan. der grammatische wechsel zwischen präs. und prät. ist nicht gestört, während der zwischen sing. und plur. prät., wie im deutschen überhaupt aufgegeben ist (doch slac, plaude, gl. des 11. jh. bei Graff 6, 764). contrahierte formen sind sehr selten, inf. slân, 3. sing. slâit, slât bei Graff 6, 763; für die 2. und 3. sing. ist fränk. umlaut die regel, so auch im bair., dagegen für das aleman. fehlen des umlauts. auszerdem findet sich ahd. statt des anlautenden sl vereinzelt scl: sclahan, uuîʒʒinôn punire Murbacher hymn. 1, 4, 3; ih slaho, sclaho, ih samane sclaho complodo, sclaandemo Graff 6, 763 f. 770; piscluoc erstes hrab. gloss.; dc ist dc der zarte got vom himel si sclehet mit dem ewigen sclage. Grieshaber pred. 1, 17; dc diu sunne och sclge ûf sin hpt. 2, 103; auch 1, 108, s. V, 11, a; vich slahen, sclagen. Dief. nov. gl. 243a;

suman thuruhskluog her. Ludwigsl. 50;

diese erscheinung erstreckt sich bis ins altnfr.: sclahid, thia gisclahed psalmen-comment. 38 f., s. Heyne kl. altnd. denkm. 61 f. Müllenhoff-Scherer denkm.3 1, 235; und selbst noch mnd. scloch in einer urk. vom jahre 1410, s. I, 1, c. dieser einschub, der sich auch bei andern wörtern findet (vgl. z. b. schlacht, schlafen, schlecht) ist nicht mit der nhd. verbreiterung des s zu sch in zusammenhang zu bringen, die erst seit dem 13. jahrh. aufkommt, und erst im 16. im heutigen umfange durchgedrungen ist (s. theil 8, 1575), sondern als wirklicher einschub eines explosivlautes zu fassen, wie ihn in dem worte sclave noch das nhd. zeigt, vgl. Weinhold aleman. gr. § 190. Braune ahd. gr. § 169 anm. 3. Gallee alts. gr. § 154. Wilmanns deutsche gr. § 103 anm. 2. Scherer z. gesch. d. d. spr.2 127 (die theil 5, 1018 vorgetragene ansicht ist damit erledigt).
einen gröszeren formenreichthum zeigt das mhd. das h des gewöhnlichen slahen wird im oberd. oft zu ch verschärft: dieselbigen mügent ein par möstochsen auf den poffl schlachen und halten. tirol. weisth. 3, 19, 10;

slachen unde stôʒen. pass. 465, 41 Köpke;

dazu die 1. sing. slach:

slach ich dar oder danne.
Hadamar v. Laber jagd 561;

vor angst slach ich mein kinder
vast hinhinder.
Osw. v. Wolkenstein 3, 2, 20;

und die 3. sing. slecht, schlecht, die von dem gewöhnlichen sleht nur orthographisch verschieden ist: wer ainem in seinem gehörd holz slecht. tirol. weisth. 4, 404, 34; wer holz schlecht, das in die mult gelegt ist. 24, 26; vereinzelt findet sich dehnung zu slâhen:

aldâ wil ich mîn pavelûn
bî der linden ûf slâhen,
dâ hin sult ir gâhen.
Heinr. v. Freiberg Trist. 4687;

niht fürbaʒ man dô phlac
deheinen Walh ze slahen,
man hieʒ si nûr vâhen.
Ottokar österr. reimchr. 839,

welche form indes wol richtiger als zerdehnung aus dem contrahierten slân (wie nhd. gehen, stehen aus gên, stên) aufgefaszt wird (vgl. d. anm. zur ersten stelle). diese contrahierte form ist im mhd. sehr häufig, besonders md.:

(Darius) den Alexander hieʒ slân
mortlîchen in sîn palas.
Lamprecht Alex. 4555 Kinzel;

und swenn ich iuch erlœset hân,
sô sol ich mich selben slân. Iwein 4228;

daʒ er in niht mê solde slân,
sunder gar abelân
von den erclîchen siten. pass. 262, 7 Köpke.

[Bd. 15, Sp. 348]


im präs. entsprechend 3. sing. slêt, sleit: slet man die frucht ab, der boum brenget des ander jares noch gröʒʒer frucht. Schönbach altd. pred. 1, 20, 20;

havich avir wol getân,
wârumme slêstu mich dan?
Kraus ged. des 12. jahrh. 63, 34;

(der tod) der dich slêt von der werlde hin. pass. 64, 5 Köpke;

daʒ in got gehœne,
mînen herren, ob er iuch slât. Lanzelot 3863;

daʒ man dich mit dem wadel slât,
sô man mich ungeslagen lât.
Boner edelst. 41, 55;

swer den boum sleit,
der nû daʒ lôrzwî getreit.
Albr. v. Halberst. 1, 1063;

1. sing. slâ:

mîn hoffen ...
slâ ich daran. pass. 676, 14 Köpke.

md. begegnet sogar ein nach slân gebildeter imper. slâ:

sô slâ in an daʒ houbet sîn. livl. reimchron. 1301,

während das oberd. und die mhd. schriftsprache stets slah, oder mit enklitischem â slahâ bildet:

herre, slahâ slâ!
Ottokar reimchron. 6075;

slahâ slach, vâhâ vâ! 17110;

slahâ, slahâ, herre slach. 25895, 58;

nu slahâ slach! nu clingâ clinc!
Heinr. v. Freiberg Tristan 1806.

das md. kennt auch ein zusammengezogenes part. perf. geslein: it. x  minus xx heller umb lxxxix  gesleiner schusseln das  umb xx heller. Ellen von Holczhusen inventar. 1410 (Frankf. archiv);

ich hân ubele getân,
daʒ ich dich hûte hân geslein,
daʒ wil ich immer gote clein.
Bartsch mitteld. ged. s. 32, 1096.

die form geslân nur bei Albrecht von Halberstadt 9, 340 (im reime auf getân), also ohne sichere gewähr. endlich begegnet md. schon früh die nhd. übertragung des g aus dem prät. ins präsens; die ältesten bekannten belege bietet die 'erlösung', ein hessisches gedicht des 13. jahrh.:

daʒ die wage wider slage
unde uns ûʒ der hellen trage
von der jâmerkeite. 883; ferner v. 1509 (: tagen).

vielleicht ist hierbei auch einflusz eines schwachen denominativs anzunehmen, das ahd. altnfr. als slagôn erscheint, meist in den zusammensetzungen ûfslagôn, halsslagôn, hamirslagôn, hantslagôn, râtslagôn Graff 6, 774 f., altnfr. upslagôn aufschieben Heyne kl. altnd. denkm.2 176b, und so noch mhd. slagen Lexer handwb. 2, 957; klatschen:

sî slageten mit handen. Trist. 7100;

keuchen (vgl. schlagebäuchen):

der gûte man nam ir dô war,
wie si (die hinde) heiʒe slagete. pass. 455, 51 Köpke.

so auch noch mnd. mit aufgabe des bedeutungsunterschiedes: weret, dat jemant vorstorven quek slagede. livländ. urk. von 1394 bei Schiller-Lübben 4, 227a (s. I, 1, c); auch für die neuere westf. mundart gibt Woeste 239a sik slagen, perf. slagede, an.
dagegen sind bei Luther noch die alten h-formen durchaus vorherrschend, infin. schlahen, z. b.: ich will hinfurt nicht mehr schlahen alles was da lebet. 1 Mos. 8, 21; präs. 1. sing. ich schlahe: wenn ich Egyptenland schlahe. 2 Mos. 12, 13; plur. wir schlahen: auch den staub, der sich an uns gehenget hat von ewer stad, schlahen wir abe auff euch. Luc. 10, 11; imper. plur.: thut den Midianitern schaden, und schlahet sie. 4 Mos. 25, 17; 2. sing.: schlehestu 2 Mos. 2, 13 (s. I, 4, b); du schlechst: wenn sie der herr dein gott fur dir gibt, das du sie schlechst. 5 Mos. 7, 2; habe ich aber recht geredt, was schlechstu mich? Joh. 18, 23; 3. sing. er schlehet: und wer dich schlehet auff einen backen. Luc. 6, 29; doch begegnen daneben formen mit deutlichem g: auff das nit der blutrecher dem todschleger nachiage .. und ergreiffe jn .. und schlage jm seine seele. 5 Mos. 19, 6; gehet hin und schlagt mit der scherff des schwerts. richter 21, 10; vermag ich aber wider jn, und schlage jn. 1 Sam. 17, 9; in der 3. sing. ist die form schlegt herrschend: wo der herr nicht jn schlegt. 26, 10; vgl. 2 Mos. 21, 18. Joh. 20, 3. Jes. 30, 31 (s. u). auch sonst ist das h im 16. jahrh. noch vielfach erhalten: item todtschleg, so inn offenbaren schlahen oder rümoren bestehen. Carolina art. 34; die .. wolten des allerunüberwintlichesten kaisers von Persien erwarten und im schlahens genueg geben. Aventin chron. 1, 309, 4; griffen an mit allen haufen und tetten ein heftig slahen. 1141, 1;

dann würt er umb sich schlahen, blitzen.
Fischart die gel. die verk. 1361;

[Bd. 15, Sp. 349]


schlecht s. Keisersberg bilg. 75a (s. I, 3, a, γ); schleht B. Waldis Esop 1, 82, 25 (s. I, 3, b, δ). auch schlachen begegnet noch, z. b. Th. Platter 60 Boos, s. II, 1, f, δ. dagegen schlagen Fischart Domin. leb. 659 (s. u.); vgl. auch Schlagin als flohname, flöhhaz 1656; contrahiert zu schla(h)n:

herzog Wilhelm von Sachsen,
lieszet ihr die alten schwertgroschen wieder schla'n, ..
so möcht eu'r heil wohl wieder wachsen.
Herder z. lit. u. kunst 8, 203;

und in seiner eigenen übersetzung archaisierend:

käm' alles wetter gleich auf uns zu schlahn,
wir sind gesinnet, bei einander zu stahn. 183.

von den wörterbüchern hat nur noch Maaler 355a f. durchgehends schlahen (aber ein schlagens), Dasyp. schlahen und schlagen neben einander; bei Schottel 594 stehen die heutigen formen fest. umgekehrt ist ganz selten das h des präs. in das part. perf. eingedrungen: percussus hd. geslahen, -gen, gesch(l)ahen in corpore. Dief. gloss. 425a. zuweilen finden sich in der 2. und 3. sing. präs. formen ohne umlaut, z. b. bei Thüngen 1, 267, s. I, 2, f, α:

(wo) der puls auf lauten schlagt. wunderhorn 2, 322 Boxberger;

bis dasz das glöcklein zwölfe schlagt. 435.

auch von schlagen begegnen im ältern nhd. wie von andern starken verben um e erweiterte formen des prät. sing.: aber Judas zog in Idumea wider die kinder Esau, ... und schluge viel Idumeer tod. 1 Macc. 5, 3.
die neueren mundarten haben grösztentheils contrahierte formen, denen alte h-formen zu grunde liegen; das oberd. hat fast immer den ind. prät. aufgegeben und vereinzelt schwache formen herausgebildet. schweizerisch sind die formen: schloh oder schlaha, präs. i schlô, de schlôst oder schlôsch, er schlôd (oder schlacht), mr schlœnd, imp. schlach, schlœnd, conj. i schlöü, schlöj, prät. er schlûeg, schlîeg oder schlg, part. gschlaga, gsehlage. Tobler 390b. Hunziker 223. Seiler 256a. Frommann 4, 325 f. 3, 208, 43, (shlân, präs. shlân, conj. shlaggi, prät. shluog, conj. shlüogi, part. gishlân); schwäb. shlage oder shlã, präs. i shlâg oder shlâ, shlechst oder shlaist u. s. w., conj. shlâg, conj. prät. shliëg, part. gshlage und gshlã 2, 113; bair. schlgng, schlahhe~, oberpf. schla'e~, präs. i schlag, schlahh, schla, du schlagst, schla'st, schlae'st, schlehhst, schle'st, er schlagt, schlae'd, schlehht, schle'd, conj. prät. i schlaged, schlahhed und schlueg, schlüeg, part. geschlagen. Schm. 512; österr. schlgn Castelli 242. Hügel 137b; tirol. schlgen, schlgng, präs. i schlg, du schlagst oder schlost, er schlagt oder schlöt, conj. prät. i schlget oder schlüeg, part. gschlgng. Schöpf 613; schlôgn Hintner 220; lusernisch mit erhaltenem anlautenden s: slagen Zingerle 51b; kärntn. schlagn, schlaget, gischlagen Lexer 218; cimbr. slagen, ich han geslaget, geslat cimbr. wb. 232a; ungar. schla'n, schloun, schlôgn, er schleit. Schröer 201b; mitteld.: fränk.-henneb. schloë, schlann, präs. schloë, schleäst, schleät, schlann, schloët, schlann oder schloë, prät. schlûg. Frommann 2, 77, 19 (vergl. Spiesz 213); coburg. schlôgn, schlân, schlâ, gschlâ, präs. ich schla, du schlächst, er schlächt, mir schlân, ir schlât, si schlân, prät. fehlt, conj. ich schlg, part. gschlôgn. 2, 274; nd. gewöhnlich slaan, slân brem. wb. 4, 801. Dähnert 425a. Schambach 193a, daneben selten slagen. Frommann 2, 419, 3 (ditmars.). Mi 80a; westfäl.-märk. slaen, slen Woeste 238b. Frommann 3, 368, 51; (slen), sloan 3, 260, 18; altmärk. slaon Danneil 195b; flektiert im präs. ik slâe, slâ, slao (slag Mi a. a. o.), du sleist, he sleit (nur westf. släss, slätt), plur. slâet (westf. sltt), prät. ik slôg; binnenländ. slaug, plur. slôgen, sloigen (westf. slegen), part. meist slagen; ditmars. slân; altmärk. slaon; südhann. eslâgen, eslân Schambach a. a. o. Bedeutung.
I. von menschen gesagt und auf menschen oder lebende wesen bezogen, auf jemanden einen schlag führen, um ihn zu verletzen. in neuerer zeit nur vom treffen mit der hand oder stumpfer waffe, in älterer zeit auch von schneidenden waffen und in stärkerer bedeutung gesagt, so besonders für
1) töten, auch oft, wenn die tötung nicht durch einen schlag erfolgt.
a) ahd. slahan, glossiert: trucidare, mactare, jugulare, ferire, interficere, caedere, occidere, necare. Graff 6, 762; ther fater slahit inti muater, patricida; thiu chint slahit, parricida. ebenda; ni uuis manslago, thie thâr slehit (qui autem occiderit), ther ist sculdîg duomes. Tat. 26, 1; ni curet thie forhten thithâr lîhhamon slahent (occidunt), uuanta sie ni mugun thie sêla arslahan. 44, 19; uns nist erloubit zi slahanne (interficere)

[Bd. 15, Sp. 350]


einingan. 194, 3; sundige zugun iro suert, spiênun iro bogen, daʒ siê nideruuerfen armen unde habelôsen, daʒ sie oûh slâhen rehte in iro herzen (ut trucident rectos corde). Notker ps. 36, 14; uuiêo lango slahent ir alle so geuestenôte (interficitis universos), diê ir nâh iû bechêren nemugent? 61, 4; percussisti caput de domo impii. slûoge antichristum. nâme daʒ hoûbet tana fone des ubelen hûs. cant. Abacuc 13; tô begonda er ... dîen râten an den lîb. tiê imo des neuuâren geuolgig. fone diu slûoger Boetium. Boeth. prol. (6, 12 Piper); wer ist der man des bltis, wan der den man sleht und daʒ ertriche unreinet mit sinis ebenchristen blte? Schönbach altd. pred. 1, 112, 33; innene slgin si sich und mordetin sich. 119, 31; süs sal man ok verwinnen enen doden, of man ine in düve oder in rove oder in sogedanen dingen geslagen hevet. Sachsensp. 1, 64; men die Oldenborghere wurden alle vangen unde slaghen. quelle s. brem. wb. 6, 308;

that thu man ni slah,ni thu mênes ni sweri. Hel. 3270;

wio thie scalka sih irhuabunjoh thie gotes boton sluagun.
Otfrid 4, 6, 7;

riat er thes ginuagi,wio er Abelan sluagi. Hartm. 33;

daʒ (Holofernes) was dir argisti lîb:
sîth slûg in Judith ein wîb. Jud. 2, 8 (denkm.3 1, 137);

er sprach: 'sun, du heiʒ in slahen'.
daʒ was vil schiere getân.
Lamprecht Alex. 555, vgl. 4402 (s. oben);

drî tage si si sluogen,
drî tage si si ûʒ truogen. kaiserchr. 14685 Schröder;

die küenen Niblungesluoc des heldes hant. Nibel. 88, 2,

daʒ si iuch nû niht hânt erslagen,
daʒ vristet niuwan daʒ clagen
daʒ ob mîme herren ist:
si slahent iuch ab an kurzer vrist. Iwein 1168,

Ithêrn von Cucûmerlant
den sluoc mîn sündebæriu hant:
ich leit in tôten ûffeʒ gras. Parz. 475, 10;

wer sleht den lewen? wer sleht den risen?
Walther v. d. Vogelweide 81, 7;

ir einer sun den andern sluoc.
Rud. v. Ems Barl. u. Jos. 53, 2;

und daʒ du manlîch als ein man
slüege den künic Morgân,
und rêche den vater dînen.
Heinr. v. Freiberg Tristan 1892;

daʒ man dâ mein unde mort
alsus begunde briuwen
und daʒ man an den triuwen
den keiser Otten wolte slahen.
Konr. v. Würzburg Otte 569;

Grâlanden sluoc man unde sôt. weinschw. 334;

hilf mir slâen disen man:
des lîbes ich im niht engan. livl. reimchron. 1297;

der clagete gote, daʒ er genas,
dô man die anderen brûdere slûc. 3109;

herre meinster, dorfft ich slan,
die dich iczunt griffen an,
ich wolde em ein slag geben,
hie ensolde niht dissen dagk ubberleben. Alsfeld. passionssp. 3394;

vgl. auch:

einer leit hie, der ander dort,
als ob sie hab geslagen der mort.
Hugo v. Trimberg renner 10573;

so woldik, dat en de mort jo sloge,
de synen magen dat stichte updroge! Theophilus 246, vgl. brem. wb. 3, 187;

der tod sie schlug. wunderhorn 2, 89 Boxberger.

so im ältern nhd. (16. jahrh.) noch ganz gewöhnlich, später nur dichterisch und archaisierend, vgl. Adelung II, 2, b, γ: ich wil hinfurt nicht mehr schlahen alles was da lebet, wie ich gethan habe. 1 Mos. 8, 13; und sie schlugen jn (Og) und seine söne und alle sein volck bis das keiner uberbleib. 4 Mos. 21, 35; der recher des bluts sol den todschleger zum tod bringen, wie er geschlagen hat, sol man jn wider tödten. 35, 19; dahin fliehen möge ein todschleger, der eine seele unversehens und unwissend schlegt. Jos. 20, 3; also uberwand David den philister mit der schleuder und mit dem stein, und schlug jn, und tödtet jn. 1 Sam. 17, 50; das er zween menner geschlagen hat, die gerechter und besser waren denn er, und hat sie erwürget mit dem schwert. 1 kön. 2, 32; und da er von jm abgieng, fand jn ein lewe und schluge jn. 20, 36; do das Ruben hort, wolt er jn aus jren henden erretten und sprach: lassend uns nit ein seel schlahen. Züricher bibel von 1530 21a (non interficiatis animam ejus. gen. 37, 21); aber dasz die knaben mit der schärffe des schwerds geschlagen waren, das gab dem Hiob einen harten stosz ans hertz. Schuppius 157

[Bd. 15, Sp. 351]


(vgl. Hiob 1, 17); Moor. .. räche meinen vater! Schweizer. .. gebeut, wo, wie, wann soll ich ihn schlagen? Schiller räuber 4, 5 schausp.;

begab sich, das derselbig gsell
gschlagen wardt und kam in die hell.
B. Waldis Esop 4, 12, 32;

und da er wie von einem netze sich
vergebens zu entwickeln strebte, schlug
Aegisth ihn, den verräther, und verhüllt
ging zu den todten dieser grosze fürst.
Göthe 9, 41;

da schlug der sohn den vater.
Schiller 6, 122 (Phöniz. 48);

den drachen, der diesz land
verheert, schlugst du mit tapfrer hand. 11, 281;

aber, da er (Orest) den schoosz jezt geschlagen,
der ihn empfangen und liebend getragen. braut von Messina 3, 5;

ein Winkelried war's, der den drachen schlug
im sumpf bei Weiler und sein leben liesz
in diesem strausz. Tell 2, 2;

er schlug den schlafenden nach euerm brauch.
Chamisso 2, 53, 126 Koch (das mordthal);

nun schlag' ich wie ein andrer held
die riesen und drachen in wald und feld.
Uhland ged. 333;

fluch dem, der den gastfreund schlug!
Grillparzer4 4, 31 (gastfr.);

freier mit sächlichem subject:

ach! dasz mich nicht das schwert mit seiner schärffe schlug.
Hofmannswaldau bei
Steinbach 2, 426;

o weib! ein furchtbar wüthend schrecknisz ist
der krieg, die heerde schlägt er und den hirten.
Schiller Tell 1, 2;

was von der lanze da verschont blieb, schlug das schwert.
Rückert ges. poet. werke (1882) 12, 215 (Rostem 87);

hat hasz nicht manchen, der da lebt, zu schlagen?
Lenau 2, 462 Koch (Albig. 32);

sprichwörtlich:

untreu schlägt den eignen herrn.
Günther 18.

vergl. auch:

er (ein weiser richter) schlag' im palaste den frevel und helfe der weinenden unschuld.
E. v. Kleist3 2, 12.


b) die heutige sprache verwendet in diesem sinne gewöhnlich entweder das compositum erschlagen (s. theil 3, 964) oder verbindungen mit erklärendem zusatze, wie tot schlagen oder zu tode schlagen, die auch der älteren sprache nicht fremd sind.
α) tot schlagen:

Sindolt und Hûnoltund ouch Gêrnôt
die sluogen in dem strîtevil manegen helt tôt. Nibel. 199, 2;

er erbeiʒte und lief den wurm an
und sluoc in harte schiere tôt. Iwein 3863;

sie mordeten und slûgen tôt
alleʒ konne sô getân,
swaʒ kindes namen mohte hân. erlösung 3639;

wie von Salatîne wêren
ir knechte wol halb geslagen tôt. Ludwigs kreuzf. 4054;

liet u verwonnen tot deser noot,
of ic sla di seker doot. Reinaert 7162;

dem ich min broste boit,
der ist mer geslagen doit. Alsf. passionssp. 6664;

auf schiffen fuhr man in den see,
schlug sie mit rudern todt. wunderh. 1, 101 Boxberger;

schlagt ihn todt den hund! es ist ein recensent.
Göthe 2, 214;

wieso enen man dodet ende doet slacht. Richthofen fries. rechtsqu. 301a, 24; du hast todgeschlagen. 1 kön. 21, 19; in seiner jugent schlug er (David) den risen tod. Syr. 47, 4; und Judas zog auch gegen jnen .., und schlug sechs hundert tod aus des königes heer. 1 Macc. 6, 42; stürmt! schlagt tod! brecht ein! Schiller räuber 5, 1 schausp.; freier: jedes wort, das mein kind nicht lebendig macht, schlägts noch einmal todt. Ludwig 3, 116; mancher, der mich mit der zungen todt schlägt. Schuppius 629; vergl.: warumb schläget mich dann mancher mit seiner gifftigen zunge? 499.
β) zu tode schlagen: in einem streych zetod schlahen, mortem uno ictu afferre. Maaler 355b; zetod schlahen, töden: afficere caede. ebenda; vergl. Steinbach 2, 425. Frisch 2, 187a, nach Campe (s. unter IV, 2) veraltet:

er sluog in ze tode
und barg in in dem sande. exodus 291 Koszm.;

mir es leit, dat ich dich ie gedroech,
dat ich dich niet te dôde sloech. Eneit 13026;

der unsern tôt ze tôde sluoc.
Walther v. d. Vogelweide 4, 28;

des wirt vil manig edl geviecht (vieh, geflügel)
von ainer groben gans ze tôd geslagen.
Osw. v. Wolkenstein 18, 2, 6;

[Bd. 15, Sp. 352]



si hands ze tod geschlagen.
Liliencron hist. volksl. nr. 34, 38, 5;

si schlugend inn uff den tod. 39, 5;

die worheit wel ich iuch sagen,
und solde ich dar umb zu tode werden geslagen. Alsf. passionssp. 5113;

Cain den Abel schlg z todt.
Schwartzenberg d. teutsch Cicero 156a;

sie schuff, das jn jr bruder schlug
felschlich zu todt den künen helt.
H. Sachs fastn. sp. 1, 4, 114 neudruck;

wär ich nicht in der fremde,
ich schlüge dich zu tod!
Schubart s. wunderhorn 2, 242 Boxberger;

und zehen knaben Joabs waffentreger, machten sich umb her und schlugen jn zu tod. 2 Sam. 18, 15; das .. jre menner zu tod geschlagen und jre junge manschafft im streit durchs schwert erwurget werden. Jerem. 18, 21; erschlug eynen z todt. Aimon e 5a; sie schlgen ein grosz menge z todt. Seb. Münster cosmographia (1544) 208 bei Kehrein gramm. 3, § 316; jetzt nur noch von schlagen mit stumpfen waffen: die weiber selbst .. stellten ihnen (den flüchtlingen) durch das ganze land bandenweise nach, zerfleischten sie mit nägeln, oder schlugen sie langsam mit prügeln zu tode. Schiller 9, 6.
c) thiere töten, wofür gewöhnlich die ableitung schlachten (s. das.). es ist zu beachten, dasz schlagen nicht nur von rindern gesagt wird, die mit einem schlage niedergestreckt werden, sondern auch von schweinen und selbst lämmern, die sonst 'gestochen' oder 'geschnitten' werden: mactare, hd. slahen vel toten sim. abdun daz fie vel slagen. Dief. gloss. 342a; vich slahen, sclagen nov. gloss. 243a; macta et manduca, slah unde iʒ. Notker ps. 58, 16; rinder, eine sû slahen, s. mhd. wb. 2, 2, 368a unten; si sullent ouch keine sû niht slahen. Meraner stadtr. (14. jh.) V, s. zeitschr. f. d. alterthum 6, 417; do sloch se dat swyn unde kokede dat hovet. quelle bei Schiller-Lübben 4, 227a; desse konynck let eschen alle menschen tor werschap unde let mede seggen, syne ossen syn gheslaghen und ander dere, de he dar up ghemestet hadde. Joh. Veghe 223, 25; ryndnosser geslaen. Homberger rechn. von 1416 bei Vilmar 352; die (herren) lieszen es (das vieh) dann slahen und der gemain geben. d. städtechron. 2, 260, 20; item den fremden flaischackern gab man einem zu lon 1 gr(osz) 1 tag ... wenn sie slugen oder aufhieben. 309, 4; die fläschachel süllent slahen nach der alten gewonhait. tirol. weisth. 4, 382, 22; welcher hüszwirt ein schwein schlg, so giengen der nachburen kynder in das husz und aszen da ein suppen oder brei. Eulensp. 7;

Moyses der vrônebote guot,
er hieʒ slahen ein lamb.
Ezzo's ges. 23, 5 (denkm.3 1, 89);

nû zôch er mit dem flîʒe sîn
ze einer zît ein schœne swîn,
daʒ er eʒʒen wolte,
und sluoc daʒ, als er solte. märe vom bachen 12;

die baweren thun viel sew schlahen.
H. Sachs 1, 420d;

weist du nit wie vor zweyen tagen
Herman Dol hat sein saw geschlagen. 3, 3, 56b;

es ist ungfar bey zehen tagen,
ich auff meim hoff ein ochsen schlg.
Wickram irr reit. bilger 42b;

mit leichter veränderung der beziehung auch fleisch schlagen: wâ si (die mücke) frisch flaisch berüert, daʒ allerêrst geslagen ist, dâ volgent zehant würmel nâch. Megenberg 304, 22; si sullent ouch eim ieglîchen der fleisch koufen wil .. sagen bî irn triuwen ân alleʒ geværde wenne daʒ fleisch geslagen sî. Meraner stadtr. V (a. a. o. 418); wer aver siecheʒ und slemmigeʒ fläsch und verworfenʒ, oder daʒ nicht zeitig wer, slecht. tirol. weisth. 4, 382, 33; man hat auch gesetzet maister, die bewarn suln, daʒ kain Jude kain flaisch schlahen schol under der Cristen penken. Nürnb. polizeiordn. 323 Baader; solich fleisch das neulich geschlagen wer frisch und schon. küchenmeisterei b 4; slagen vlesch. qu. bei Schiller-Lübben 4, 227a; ins salz schlagen, schlachten und einsalzen: unde de schap hadde me gesneden in dat solt, eyne k de scloch me in dat solt. ok snede we 4 hamele in dat solt. ok sloge we XXI swin in dat solt. ebenda (urk. von 1410); zum markte schlagen, um das ausgeschlachtete fleisch zum verkauf zu bringen: quick to dem merkede slan. ebenda; ebenso zur bank schlagen: es mögen auch die metzger, die das handtwerch arbaiten, schaf, lember, kelber und schwein an den ställen und wo sy es bekommen mögen unverhindert kaufen; doch das sy sölhs alles zu pank schlagen und weiter aus dem land nit vertreiben.

[Bd. 15, Sp. 353]


landpot in Ober- u. Niederbaiern (1516) 48b; andererseits ins haus, in die küche schlagen, für den bedarf der eigenen wirtschaft: sie hatte einen ochsen, den ich ins hausz schlagen lassen, in etliche körbe eingesaltzen. Simpl. 2, 35, 24 Kurz;

Wentzel der huchenbub kombt, und spricht:
herr Marschalck der kuchenmeistr lest fragen
ob er heint soll ind kuchen schlagen
auff das herrlich und grosz pancket.
der Marschalck spricht:
sag jm das morgen erst angeht,
das er ind kuchen schlag das best.
H. Sachs 2, 3, 74a.

jetzt noch in einigen mundarten üblich: bair. tirol. Schm. 2, 512. Lexer 218. Schöpf 613; hess. vom ochsenschlachten Vilmar 352. westfäl. Woeste 238b, in Iserlohn en swêin slen (im aussterben). Frommann 3, 368, 51; sprichwörtlich: vom schlagen hat nieman vorteil als der mezger. Eiselein 550. Simrock sprichw. 9055; bildlich: en'n taur bank slân, hinter dem rücken von einem schlecht sprechen. Schambach 193a.
d) ganz zu der heutigen verwendung von schlagen stimmt die verbindung fliegen schlagen: fleugen schlahen Schmelzl lobspruch lxv; meist in der sprichwörtlichen redensart: zwei fliegen mit einer klappe schlagen, zwei zwecke mit einer handlung erreichen; hildesheim. drei fleigen mit einem klappe slahn, drei fragen mit einer antwort befriedigen, s. nd. korrespondenzbl. 10, 43.
2) mit schneidender waffe treffen, verletzen.
a) mit angabe der waffe.
α) als directes object: das schwert schlagen, schwingen:

daʒ swert her alsô vaste slch,
daʒ iʒ von deme slage irclanc. graf Rud. Kb 10;

der Dietrîches reckesluog ein wâfen breit
ûf den helt von Tronge,daʒ och vil sêre sneit. Nibel. 2243, 1;

sîn swert snîdet deste baʒ,
sleht erʒ durch reht und âne haʒ.
Vridanc 152, 11;

der alliu swert und alliu wâfen hæte ûf in geslagen unde gestôʒen, er enwære niht tôt. Berth. v. Regensburg 1, 246, 6; jetzt noch ganz gebräuchlich in verbindungen wie er schlägt eine gute klinge, weisz gut zu fechten, was für eine waffe schlagen sie? u. dergl.:

wenn ein spiesz und eisern hut
könten mut und hertz erwecken,
ey was hätten die für zeit
die ein solches waffen schlügen?
Logau 1, 13, 35;

wie das weide-messer oder blatt geschlagen wird. Döbel 2, 44.
β) gewöhnlich mit dem schwerte schlagen u. ähnl.: trohtîn, oba uuir slahemês in suerte (si percutimus in gladio)? Tat. 185, 1;

hieʒ er Gorjen fâhen,hieʒ en ûʒ ziehen,
hieʒ en slahen hartomit wunterwasso swerto. Georgsl. 27;

der helt dô spranc dar nâherund sluoc im einen slac
mit eime scharphen wâfen. Nibel. 1554, 1;

einer schlug jn mit einem stosdegen in den hirnschedel. Luther 3, 35a; auch vom treffen mit pfeil und bogen:

Tristan den anker werfen bat
wol als verre von der habe,
daʒ man mit einem bogen dâr abe
niht mohte haben geslagen ze in. Trist. 8687;

jetzt nur dichterisch:

den weiszen nacken der bejammernswerthen (Iphigenie)
will er mit mörderischem eisen schlagen.
Schiller Iphig. in Aulis 4, 3, 1076.


b) verwunden: Sîmon Pêtrus habênti suert nam iʒ ûʒ inti sluoc (percussit) thes bisgoffes scalc inti abahio sîn ôra thaʒ zeseuua. Tat. 185, 2; sîe slûogon mih, sîe sêroton mih. Williram 84, 2 (percusserunt me, et vulneraverunt me); häufig von gott gesagt (schlagen und heilen), s. 3, a, β; so auch noch nhd. (vgl. Adelung II, 1, 2, b, β). sonst selten, vergl.:

ihr streicht oft unser schwert, womit ihr wollt verwunden,
mit süssen balsam an, schlagt und beklagt zugleich.
Hofmannswaldau bei
Steinbach 2, 426.

häufiger mit ergänzendem zusatz: wund schlahen, infligere vulnus. Dasyp.; wund schlahen, ubel verwunden, inferre vulnera alicui. Maaler 355b; einen wund schlagen, ictu aliquem cruentare. Steinbach 2, 426. Frisch 2, 187a: und der man schlug jn wund. 1 kön. 20, 37; es funden mich die hüter, die in der stad umbgehen, die schlugen mich wund. hohel. Sal. 5, 7; bildlich:

hier ward ein lieb- und eintzler sohn
der mutter ausgetragen,
der dieser tod ihr wittben-hertz
von neuem wund geschlagen.
Günther 53;

wo mich dein abschied wund geschlagen. 328.

[Bd. 15, Sp. 354]



c) so mit accusativ des erfolges, eine wunde schlagen:

er (Dietrich) sluog im (Hagen) eine wunden:diu was tief unde lanc. Nib. 2287, 4;

unde ir ietweder sluoc
dem lewen eine wunden. Iwein 5411;

doe quam gaende
Reinaert mit enen groten nide,
ende sloech hem (Isegrijn) drie wonden wide
mit sinen tanden in sijn die. Reinaert 6986;

oder mir schlahen im tiefe wunden,
die nimmer werden gepunden. fastn. sp. 446, 20;

die waffen warf er weg; dasz er sie trug
an diesem tag des kampfs und wunden schlug,
zeigt manche spur des bluts an seinem kleide.
Lenau 2, 456 Koch (Albig. 29);

dasz die vernarbte wunde an dem arm, den ich jetzt habe, noch sticht, wie sie an dem stach, an welchem sie geschlagen und geheilet ward, ist noch begreiflich. Hebel 3, 234; vgl.:

dasz mir indesz Menötios' tapferem spröszling
fliegen, hineingeschlüpft in die erzgeschlagenen wunden,
drinnen gewürm erzeugen.
Voss Il. 19, 25;

oft in freierer verwendung:

die hand die uns verletzt, weisz einig rath zu finden.
die uns die wunde schlug: kan einig uns verbinden.
A. Gryphius 1, 123;

o — was vor wunden hat der fall,
der unverhoffte fall — geschlagen!
Günther 145;

schlägt mir die falschheit ehren-wunden,
gedult, die werden durch die zeit,
durch tugend und durch redlichkeit
gar leicht verbunden.
Menantes 2 (1726), 62;

in deiner sanften seele hat der himmel
den arzt für alle wunden sich bereitet,
die der partheien wuth dem lande schlug.
Schiller jungfr. von Orl. 1, 5;

verlassen von dem fleisz
der neuen christen, liegt Granada öde,
und jauchzend sieht Europa seinen feind
an selbstgeschlagnen wunden sich verbluten. don Carlos 3, 10.


d) die verbindung eine ader schlagen, mit dem schnepper öffnen Adelung, ist auch in der heutigen sprache noch üblich: eine ader schlagen, venam incidere, percutere. Stieler 1811. Frisch 2, 187a; das schlagen oder öffnen einer ader, das aderlassen, phlebotomia. 191c; Plinius spricht, daʒ daʒ milz ain hindernüsz sei des laufens, und darumb sleht man den laufern die milzâdern. Megenberg 31, 6; als ein Römer seim weib thet, der ir die aderen liesz schlagen, und bltten liesz bisz uff den schwindel. Keisersberg narrensch. 133 (125)d; sucht euch ein gut zeichen aus und unter demselbigen lassendt fünfzigen gleich adern schlagen, so wird euch fünfzigerlei begegnen. Paracelsus (1589) 5 anh. 48; ein balbierer, welcher die ader schläget, und wieder salbe darauff leget und verbindet. Olearius pers. rosenth. 8, 25;

dô hôrte Antênor sagen,
daʒ im die âder wære geslagen.
Herbort v. Fritslar 1984;

ohne object: sprach der ritter, nu schlahe tieff gnug. der scherer schlug dʒ das blut herausz gieng. buch d. liebe 296d.
e) das pferd mit den sporen schlagen (im 16. jahrh.): darauff schlug Reynhart den braunen mit den sporen. Aimon p 1b.
f) als jagdausdruck von raubthieren, hauen, verwunden mit zähnen, tatzen oder krallen, vgl. Heppe wohlred. jäger 260b f. (2, 3).
α) vom schwarzwild, vgl. Behlen 5, 487. Döbel 1, 25b: schlagen heiszt auch, wenn ein wild schwein was mit seinem gewehr beschädiget. Fleming teutscher jäger (1749) 110; dergleichen zähne hat das schwein zween auf jeder seite, einen oben und einen unten, und ist es hauptsächlich mit den untern waffen, dasz das schwein schläget. Heppe jagdlust 1, 191; wenn ein angeschweisztes schwein einen menschen oder hund durch einen aufschlitzenden hieb mit dem gewaffe verwundet, so schlagt es. Thüngen 1, 267. so schon mhd.:

Hylêus, der gedon
dem ebere dicke hâte getân,
und nûlich was von im geslân.
Albr. v. Halberstadt 9, 340.


β) vom bären, verwunden mit seiner tatze oder pranke Behlen a. a. o. (4): der bär schlägt, was ihm vorkommt. Döbel 1, 33b.
γ) vom hirsch: denn bey der jägerey sagt man nicht der hirsch stöszet, sondern er schläget. Heppe jagdlust (1783) 1, 129.
δ) vom raubvogel, der seine beute mit den fängen schlägt; vgl. Behlen a. a. o.: wann der habich einen reiger oder antvogel herabstöst, heist es geschlagen, ardeam vel anatem ferire unguibus. Frisch 2, 187b; wenn er (der greiffalke) fleugt, sô smuckt er sein füeʒ an sein prust und sleht den raup

[Bd. 15, Sp. 355]


mit den füeʒen. Megenberg 186, 2; er (der raubvogel) fängt oder schlägt dasjenige, was er raubet. Döbel 1, 75b;

mit hurte vlouger under sie (die gänse),
der valke, und sluog ir eine hie. Parz. 282, 16.


3) eine stärkere bedeutung als die gewöhnliche hat schlagen auch in manchen freieren gebrauchsweisen, wo es von einem plötzlich hereinbrechenden verderben gesagt wird, ohne dasz dabei ein menschlicher urheber gedacht würde; vgl. DWB schlag 4. 5.
a) von gott gesagt;
α) wenn ohne weiteren zusatz, meist in der bedeutung 'töten': uuanda thana thu sluogi (percussisti) êhtidon sia, in over sêr uundeno mînro geôcodon. anfr. ps. 68, 27; uuanda den du sluôge unde hiêʒʒe irsterben umbe diê uuerlt, den sluôgen siê nîdigo. Notker ps. 68, 27; dô sluôgh er daʒ êristporna dâr in lande, sluôg tîe vrumegifte daʒ chît tîe fruôsten gifte allero iro arbeîto. iro altesten chint, unde diû êrest uuordenen jungiu des vêhes ... lâgen sament tôt. 104, 36; mit acc. des innern objectes:

er bat, daʒ got sînen slac
über in vil schiere slüege,
der die reise an trüege. krone 4245;

sehr häufig in der biblischen sprache: ich wil hinfurt nicht mehr schlahen alles was da lebet, wie ich gethan habe. 1 Mos. 8, 21; denn ich wil in der selbigen nacht durch Egyptenland gehen, und alle erstgeburt schlahen in Egyptenland, beide unter menschen und vieh. 2 Mos. 12, 12; und uber zehen tage schlug jn der herr das er starb. 1 Sam. 25, 38; und der herr schlug das kind, das Urias weib David geborn hatte, das es tod kranck ward. 2 Sam. 12, 15; und (ich) wil die bürger dieser stad schlahen, beide menschen und vieh, das sie sterben sollen, durch eine grosze pestilentz. Jerem. 21, 7; da sprach Paulus zu jm, gott wird dich schlahen, du getünchte wand. ap. gesch. 23, 3;

wir ihn berühren, welchen gott geschlagen!
Schiller Tell 4, 3.

oft wird an stelle der bewohner das land genannt: der Egypten schlug an jren erstengeburten. ps. 136, 10; das sind die götter, die Egypten schlugen mit allerley plage in der wüsten. 1 Sam. 4, 8;

hernach, nachdem nu got Egypten sehr geschlagen.
Weckherlin 236 (ps. 105, 38).

so auch die erde schlagen: und (der Messias) wird mit dem stabe seines mundes die erden schlahen, und mit dem odem seiner lippen den gottlosen tödten. Jes. 11, 4; das ich nicht kome, und das erdreich mit dem bann schlahe. Mal. 4, 6. an stelle gottes wird auch der engel in gleicher function genannt:

der engil (der pest) was vil gezal,
er fuor ubir al,
er sluoc ze aller êriste ...
den sun des chuneges. exodus 2657 Koszm.;

David aber da er den engel sahe, der das volck schlug. 2 Sam. 24, 17; da fur aus der engel des herrn, und schlug im assyrischen lager, hundert funff und achzig tausent man. und da sie sich des morgens früe auffmachten, sihe, da lags alles eitel todte leichnam. Jes. 37, 36; als bald schlug jn der engel des herrn, darumb, das er die ehre nicht gott gab, und ward gefressen von den würmern, und gab den geist auff. apostelgesch. 12, 23.
β) in andern stellen liegt sicher die bedeutung 'verwunden' zu grunde: furwar er trug unser kranckheit und lud auff sich unser schmertzen, wir aber hielten jn fur den, der geplagt und von gott geschlagen und gemartert were. Jes. 53, 4. so besonders wenn schlagen in gegensatz zu heilen gestellt wird:

got selbe an dînen buochen seit
er tœte unde mache
lebende alle sache:
er slahe unde heile wol.
Konr. v. Würzburg Silv. 4951;

got is de hogeste arste unde de beste ...
he sleit unde maket wedder gesund alle dage
an sele, an live na sinem behage. des dodes danz 761 Bäthcke;

eben der uns schlägt und plagt,
wird die wunden unsrer sünden
wieder heilen und verbinden.
P. Gerhardt 149, 14 Gödeke;

ich kan tödten und lebendig machen, ich kan schlagen und kan heilen. 5 Mos. 32, 39; ich war zornig uber die untugent jres geitzes, und schlug sie .. aber da ich jre wege ansahe, heilet ich sie. Jes. 57, 17 f.; kompt, wir wöllen wider zum herrn. denn er hat uns zurissen, er wird uns auch heilen, er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden. Hos.

[Bd. 15, Sp. 356]


6, 1; der herr wirdt Egypten schlahen, er wirts schlahen und heilen. Reiszner Jerus. 2, 52a.
γ) oft mit näherer bestimmung: gott schlägt jemand mit plagen, mit krankheit, mit blindheit u. ähnl., so auch noch heute gebräuchlich:

duo got mit sîner gewalt
sluoch in êgyptisce lant, —
mit zehen blâgen er se sluoch.
Ezzos ges. 23, 1—3 (denkm.3 1, 89);

so mich got schlecht mit kranckheit des libs. Keisersberg bilger 75a (dafür weiter oben: also schlg ouch got einen dort mit der rten lyblicher kranckheit); denn ich wil jtzt meine hand ausrecken, und dich und dein volck mit pestilentz schlahen, das du von der erden solt vertilget werden. 2 Mos. 9, 15; da ergrimmet der zorn des herrn unter dem volck, und schlug sie mit einer seer groszen plage. 4 Mos. 11, 33; der herr wird dich schlahen mit schwulst, fiber, hitze, brunst, durre, gifftiger lufft, und geelsucht. 5 Mos. 28, 22. Schuppius 201; ähnlich: aber die hand des herrn ward schweer uber die von Asdod, und verderbt sie, und schlug Asdod und alle jre grentze an heimlichen örtern. 1 Sam. 5, 6; und die mann, die da nicht sturben, wurden geschlagen an der heimlichen stat der arsballen. bibel von 1483 127b (v. 12); vom teufel gesagt: da fuhr der Satan aus vom angesicht des herrn, und schlug Hiob mit bösen schweren. Hiob 2, 7; ohne subject: pei dem visch (dem meerschär) verstêt man die sünder, die sô gar pœs an irm leben sint, daʒ si nümmer gerainigt mügen werden .. daʒ si ain zimleichʒ eʒʒen sein des götleichen willen, si werden denn vor geslagen mit kranchait und mit leiden gestrâft. Megenberg 258, 19; daʒ die wüetrich geslagen mit einer plâg wurden, mit behender blintheit. quelle im mhd. wörterb. 2, 2, 368a oben; in neuerer sprache besonders poetisch: wo nicht, so schlage gott mein auge mit decken — und meine wange mit flecken — meine schläfe mit der kahlheit ... und das elfenbein meiner hüfte mit dem schmerze! Rückert ges. poet. werke (1882) 11, 279 (8. makame). vgl. auch:

halt den schatten rechter hand
uber unser vaterland,
dasz die drey berühmten plagen (krieg, pest, theuerung?)
weder vieh noch völcker schlagen.
Günther 76;

der sonne gluthstrahl brütet seuchen aus
und schlägt den leib mit aussatz und geschwür.
Uhland ged. 186.

gewöhnlich mit blindheit oder taubheit schlagen: (da) bat Elisa, und sprach, herr, schlahe dis volck mit blindheit. und er schlug sie mit blindheit. 2 kön. 6, 18, vgl. weish. Sal. 19, 16; ich versichere dich, dasz mir von herzen leyd sey dasz gott diejenigen leute, welche bey dieser paszquill interessiret sind, mit solcher blindheit geschlagen habe .. Schuppius 593; ich kann wenigstens .. über die stadt rufen, die unter mir liegt, dasz sie mit blindheit geschlagen sey — dasz ihre einwohner betrogen .. sind. Thümmel reise 1, 144; konnte deine freyheit .. das ohr des dieners deines feindes mit taubheit schlagen? Klinger 5, 381; was konnt' ich sonst? — meinen guten engel bitten, mich mit taubheit zu schlagen. Lessing 2, 136;

herr, schlag mein sterbend auge
mit blindheit!
Ludwig 3, 342;

und niemand darff und soll es wissen, du himmel! weist es, dessen zug
mir, als ich mich zur heyrath schickte, so aug' als hertz mit blindheit schlug.
Günther 433.

ähnlich auch:

betrug und einfalt hat den wahn zur welt gebracht,
der vielen die vernunft so taub als blind geschlagen. s.
Steinbach 2, 426.


b) von erscheinungen des wetters:
α) vom hagel. mit gott als subject: da er jr vieh schlug mit hagel, und jre herde mit stralen. ps. 78, 48; er gab jnen hagel zum regen .. und schlug jre weinstöcke und feigenbewme. 105, 32 f.; vom hagel selbst: und der hagel schlug in gantz Egyptenland, alles was auff dem felde war, beide menschen und vieh, und schlug alles kraut auff dem felde, und zubrach alle bewme auff dem felde. 2 Mos. 9, 25; der hagel hat dieses jahr alle frucht zu schanden geschlagen. Göthe 37, 247; aber es kann ja über nacht ein hagel fallen und alles zu grund schlagen. Schiller räuber 3, 2 schauspiel;

(ich will) solhen bû fliehen
den daʒ fiur unde der hagel sleht. der arm. Heinrich 791;

er (der hagel) sluoch vehe unde liut,
al daʒ an dem velde was
beidiu chrût unde gras. exodus 1890 Koszm.;

der hagel braust herab und schlägt der erde saat.
Rückert ges. poet. werke 12, 215.

[Bd. 15, Sp. 357]


als fluch: schelm, ick sall di lehren sweren, de hagel schla di dan! Simpl. 1, 343, 16 Kurz.
β) in der ältern sprache vom donner: von einre frouwen, di hatte der donre geslagin. Ködiz 81, 29 Rückert; wan wir sehen, daʒ die läut, die der donr sleht, kain wunden habent. Megenberg 92, 17; untellik volk sloch de donner. quelle bei Schiller-Lübben 4, 227a; da ich meinen vatter sahe, erschrack ich so hart, vermeynte, der donner hette mich geschlagen. buch der liebe 181d;

allzuweit ist nicht von hier, bisz der tolle schanden - winckel (die welt) ...
fühlt den letzten donnerschlag, der jhn schlägt in einen klosz.
Logau 1, 180, 61.

als verwünschung:

der doner slahe uns beide. daz bloch 20;

gae, dat di de donner sla!
Dan. v. Soest 190 Jostes (gem. beichte 2464).

übertragen: musztest du .. das donnerwort wiederholen, das mir alles mark aus meinen gebeinen schlägt? Göthe 10, 119.
γ) die neuere sprache nennt dafür gewöhnlich und zutreffender den blitz. in der älteren werden zuweilen auch blitz und donner neben einander genannt: der blic unde der donre hatten eines koches frouwen von Reinhersborn geslagin, daʒ si zu male siech was. Ködiz 81, 31; oder (wenn) der donner und blitz vom himel .. alle die dich umbringeten, auff einen hauffen in die erden schlüge? Luther 5, 533a;

das üch der plix, der dunder schlag!
Murner schelmenz. 35, 16.

mit sächlichem object:

dumpf aufhallte der grund, wie dem gotte der donner
Zeus, wann des zürnenden strahl weitschmetternd das land des Typhoëus,
Arima, schlägt.
Voss Il. 2, 783;

o, lasz ihn knien, die blitze schlagen
den baum, wo einer betet, nicht.
Lenau 2, 215 Koch (Sav. 1).


δ) in gleichem sinne sagt man auch das wetter schlägt jemanden, vgl.:

wenn du (die eiche) vor groszem sturm must streichen,
und dich das wetter schleht zu drümmern.
B. Waldis Esop 1, 82, 25.

sehr häufig als verwünschung: der teufel ist los, und dich soll das wetter schlagen. Schiller kab. u. l. 2, 4, vgl. Lexer 218;

so schlage das wetter mich gleich in den grund!
Chamisso 1, 184 Koch.


c) von der bekannten krankheit, schlagflusz, apoplexie, vgl. DWB schlag 5, a: ir (der eule) flaisch ist guot den kranken glidern, diu daʒ paralis geslagen hât. Megenberg 209, 7; wen auch daʒ paralis sleht, daʒ er niht gereden mag. 364, 7; dar so sluch ene de apoplectia unde starf. quelle bei Schiller-Lübben 4, 227a; von andern krankheiten: quick, dat de suke (viehseuche) slaghen hadde. ebenda (vgl. a, γ). als verwünschung: slag slaa mi! ein alter pommerscher fluch, s. Dähnert 425a;

dat vallent ovel slaen (schlage ihn) nacht unde dach. Theophilus 343.


d) häufig hat noch das part. pass. diesen stärkeren sinn: ich bin ein geschlagener mann, ich bin verloren, zu grunde gerichtet, unglücklich, homo prostratus, exhaustus vir Steinbach 2, 429; sie wollen ausziehen, gnädiger herr? ich unglücklicher mann! ich geschlagner mann! Lessing 1, 514;

ich bin — ich bin ein geschlagener mann,
dem nichts auf der welt gelingen kann.
Chamisso 1, 303 Koch.

von einem vater, der seinen sohn verloren hat:

o in dieses meeres wildem wetter,
wo verzweiflung steur und ruder ist,
bitte nur, geschlagenster der vätter,
dasz dir alles, alles, nur nicht gott entwischt!
Schiller 1, 179.

so auch:

geschlagne vater-stadt! erlaubt dein heiszer schmertz, ..
so höre deinen sohn.
Günther 450.


4) einen schlag thun, jemandem schläge versetzen.
a) icere, hd. slahen, schlahen, slaen, geslagen Dief. 283c; percutere slan, slaen, slagen, slahen, schlahen, beschlahen, dy huet durchslaen. 425a; verberare slahen, schlahen, slagen, schlagen, slaen, slan. 612a; schlagen, verberare, percutere, icere, ferire, caedere, plectere, multare, lacerare u. s. w. Dasypodius; schlahen, eim das angsicht zeichnen, converberare. schlahen, stossen, pulsare, tülpen. batuere, ferire, percutere, verberare, verberibus accipere, converberare, diverberare, everberare, cudere, caedere, contingere quenquam, icere, petere, plangere, tundere.

[Bd. 15, Sp. 358]


Maaler 355a; schlagen verberare, percutere, plusare, ... pugnis et verberibus onerare vel caedere, latera alicujus conterere. geschlagen werden, vapulare, verberari, pugnis coërceri. Stieler 1811. zahllos sind die synonymen ausdrücke, die die deutsche sprache, namentlich die niedere und mundartliche redeweise zu schlagen hat, vgl. zusammenstellungen bei Frommann 4, 41—51 (67 wörter und 50 redensarten aus dem niederösterreichischen), ebenda 3, 365—370 (62 einfache und 37 zusammengesetzte ausdrücke aus dem märkischen), ebenda 5, 172 (siebenb.-sächsische ausdrücke); niederd. korrespondenzbl. 6, 43—46 (60 ausdrücke aus dem kalenbergischen platt), ebenda 12, 72—74 (300 ausdrücke aus Meklenburg).
b) mit persönlichem object: ther ubilo scalc .. biginnit thanne slahan sîne ebanscalcâ. Tatian 147, 12;

sô druhtîn thaʒ thô gisprah,ein thero manno zimo sah,
sluag inan hartojoh rafsta inan thero worto.
Otfrid 4, 19, 14;

doe quamen die cnapen toe ghescoten,
mit sterken stocken ende mit groten,
ende sloeghen so utermaten,
dat hi sijn lijf daer waende laten. Reinaert 5731;

der do schlecht sein vater oder sein muter, der sterb des todes. bibel von 1483 43a (2 Mos. 21, 15, ähnlich Luther); auff einen andern tag gieng er auch aus, und sahe zween ebreische menner sich mit einander zancken, und sprach zu dem ungerechten, warumb schlehestu deinen nehesten? 2 Mos. 2, 13; sie schlahen mich, aber es thut mir nicht weh, sie kloppen mich, aber ich füle es nicht. spr. Sal. 23, 35; die menner aber, die Jhesum hielten, verspotteten jn und schlugen jn. Luc. 22, 63; neben synonymen ausdrücken:

tôren kleider sol mîn kint
ob sîme liehten lîbe tragn.
wirt er geroufet unt geslagn,
sô kumt er mir her wider wol. Parz. 126, 28;

dô lieʒ der kunic in offenbâr
slachen unde stôʒen. pass. 465, 41 Köpke;

darum musz ich euch slan und reufen.
Wackernagel leseb. 1021, 22;

ich wel dich slan und reiffen. Alsf. passionssp. 7284;

daz Christ in smêher heit
daz geiseln an der schreiât leit
und daz swinde slahen.
J. v. Frankenstein Kreuziger 6949;

wer hat dich so geschlagen,
mein heil, und dich mit plagen
so übel zugerichtt?
P. Gerhardt 72 Gödeke;

die trunckenheit macht einen tollen narren noch töller, das er trotzt und pocht, bis er wol geblewet, geschlagen und verwund wird. Sirach 31, 38; sonst würden sie wissen, dasz schlagen allemal wehe thue, man möge es wicksen oder prügeln nennen. Möser phant. 4, 126. häufig als strafe: die knechte schlagen, servos pulsare Steinbach 2, 425; er schlug den diener, famulum pugnis contundebat. ebenda; und die amptleute der kinder Israel, welche die vögte Pharao uber sie gesetzt hatten, wurden geschlagen, und ward zu jnen gesagt, warumb habt jr weder heute noch gestern ewr gesatzt tagwerck gethan? 2 Mose 5, 14; und die fürsten wurden zornig uber Jeremiam, und lieszen jn schlahen. Jerem. 37, 15. als züchtigung: schlehet man den spötter, so wird der alber witzig, strafft man einen verstendigen, so wird er vernünfftig. spr. Sal. 19, 25; bei kindern:

daʒ kint daʒ dâ ist geslagen,
daʒ muoʒ wol weinen unde clagen. Iwein 723;

swenn in her Berhtunc wolteumb sîn ungefüege slân,
sô muosten si in immerrehte binden unde vân.
als si in ouch gebunden,sô sluoc er in ze fromen. Wolfdietr. A 253 f.;

min vader wert mi schelden,
min moder wert mi schlan.
Uhland volksl.2 48 (22, 3);

der vater sah so bös aus, ich dachte, er würde mich schlagen. Göthe 20, 299. übertragen:

er (der himmel) ist ein vater, der zwar schlägt,
doch auch nicht ewig ruthen trägt.
Günther 89;

die vorsicht liebet, wen sie schlägt. 160.

im mittelalter und später noch auch bei frauen:

sîn zorn in verleite ...
daʒ er si mit der hant sluoc. Iwein 6521;

ich enwil iu niht von zorne sagen,
daʒ manger hât sîn wîp geslagen
umb ir krenker schulde. Parz. 135, 26;

doch die dem mann nicht folget bald,
die soll er schlagen warm und kalt. wunderhorn 2, 393 Boxberger;

[Bd. 15, Sp. 359]



welcher sein weib fortan schlägt,
kleine ehre davon trägt;
wer dem weib anlegt die hand,
schläget seine eigne schand.
Abele gerichtshändel (1712) 137;

Alexander M. beim Curtio hat es auch vor gut erkannt, dasz ein mann seine frau schlagen möchte: allein es bleibet doch dabey, was ein vornehmer consistorial-rath gesagt: wer die frau schlägt, der ist ein elender mann, wer sie aber aus geringen uhrsachen schlägt, der ist gedoppelt elende. Chr. Weise erzn. s. 14 f. neudr. bei thieren: und die eselin weich aus dem wege .. Bileam aber schlug sie, das sie in den weg solt gehen. 4 Mos. 22, 23; wie ein pferd, kuhe, esel u. s. w. unter der gewalt seines herrn ist .. was er wil, das musz es thun, wird getrieben und geschlagen. Luther tischr. 411b, vgl.: wan die menschen seind wie ein esel, der nüt thut on geschlagen. Keisersberg brösaml. 2, 19a; sprichwörtlich: wenn man einen hund schlagen will, findet man leichtlich einen stecken oder prügel. Phil. Lugd. 6, 330.
c) mit accusativ des innern objects: schläge schlagen, oft mit angabe des persönlichen objects im dativ, besonders in der ältern sprache:

ouch sluog im her Liudgastvil manegen grimmen slac. Nibel. 186, 1;

er sluoc im an der stunde einen vesten swanc. Gudr. 1446, 1;

ouch sluoc ime der rise einen slac,
daʒ ich daʒ wol sagen mac,
het in daʒ ors niht vür getragen,
daʒ er im hæte geslagen
ab einen slac als er dô sluoc,
es wær ze dem tôde genuoc. Iwein 5033 ff.;

(der heide) der ûf in slege ungetzalt
slûc, die im gar sûre galt
Lûtolt. Ludwigs des frommen kreuzf. 1514;

die stange er dô ze handen nam
und sluoc dem wunderküenen man ...
einen alsô krefteclîchen slac,
daʒ er dâ vor im nider lac. Sigenot 5, 2 Zupitza;

nhd. seltener: dann keyn mensch mocht den streychen, die Reynhart und seine brüder schlugen widersteen. Aimon e 6a; welches zwar den herzog sehr verdrosz ... schlägt der herzogin eine gute maulschelle. Schweinichen 1, 124. auch mit unbestimmtem object, einem eins schlagen u. ähnl.:

dô sluoc si im einʒ ouf den schiel
und darnâch eineʒ ouf den slâf.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 20544;

sie sluoc im eineʒ ouf die hant. 20241.


d) mit angabe des werkzeugs;
α) als directes object, so besonders in der älteren sprache:

er sluoc im eine schalten,daʒ diu gar zerbrast
Hagnen über houbet. Nib. 1501, 2;

die kolben die sî truogen,
swelhes endes sî die sluogen,
dane mohte niht vor bestân. Iwein 6683;

denn man mus dem teufel das creutz ins angesicht schlahen. Luther 6, 4b; andere haben jm (Jesu) die hend inns angesicht geschlagen. Reiszner Jerus. 2, 110b.
β) die gewöhnliche construction ist einen womit schlagen: mit stecken schlagen, fustigare, mit ruthen schlagen, flagellare, batuere, mit flachen händen schlagen, colaphizare, mit fäusten schlagen, ingerere pugnos, mit füssen schlagen, calcitrare, mit steynen schlagen, lapidare Dasypodius (die beiden letzten verbindungen sind in der heutigen sprache nicht mehr gebräuchlich; die letzte gehört wol zu der bedeutung 1); mit knütteln, sive prügeln schlagen, fustibus multare, accipere, contundere, ossa scipione comminuere Stieler 1811; mit einem stecken schlagen, scipionem alicui impingere Steinbach 2, 426; thô spuuun sie sîn annuzzi .. inti mit fûstin sluogun inan. andere mit flahheru henti in sîn annuzzi sluogun. Tatian 192, 1. 2; mein vater hat euch geschlagen mit geiseln, aber ich schlahe euch mit scharfen dörnen. bibel von 1483 163b (Luther: züchtigen); schlegt er jn aber mit einem holtz. 4 Mos. 35, 18; sihe, jr fastet, das jr haddert und zanckt, und schlahet mit der faust ungöttlich. Jes. 58, 4; und auff das ich mich nicht der hohen offenbarung uberhebe, ist mir gegeben ein pfal ins fleisch, nemlich, des Satanas engel, der mich mit feusten schlahe. 2 Cor. 12, 7; denn Assur wird erschrecken fur der stimme des herrn, der jn mit der ruten schlegt. Jes. 30, 31; er wird dich mit dem stecken schlahen und seinen stab wider dich auffheben. 10, 24; da ergrimmete der zorn Bileam, und schlug die eselin mit dem stabe. 4 Mos. 22, 27; und namen das rhor, und schlugen damit sein heubt. Matth. 27, 30; wenn

[Bd. 15, Sp. 360]


sich menner mit einander haddern, und einer schlegt den andern mit einem stein oder mit einer faust. 2 Mos. 21, 18; aber Johan Holm von der Newenkirchen schlug jn mit einem fausthamer. Luther 3, 35a; erst nahm sie Conradchen in den arm, schlug ihn sanft mit der hand und sagte: bisch! bisch! Salzmann Conrad Kiefer 66;

maneger hinz kirchen draft
und slaht imʒ herz mit fiusten beiden.
Teichner bei
Karajan anm. 83;

sî treip ein twerc, der sî sluoc
mit sîner geiselruoten
daʒ sî über al bluoten. Iwein 4924;

de joden quêmen tô er (Sibilla) gangen,
mit geislen lêten se se slân. van deme holte des hilligen cruzes 597;

und get gar engelich von meinem kram,
oder ich wil euch mit eime knuttel slan.
Wackernagel leseb. 12, 1021, 17;

und (man) thut dich uberal auszjagen,
mit muckenwedeln und patschn schlagen.
H. Sachs 2, 4, 36c;

so auch zur staupe schlagen: da gieng hinzu ein frome, christliche frawe .. und erbot sich, man solt sie zur staupen schlagen. Luther 3, 35a.
γ) poetisch wird auch das werkzeug als subject des schlagens aufgefaszt; bildlich: frewe dich nicht du gantz Philisterland, das die rute, die dich schlug, zubrochen ist. Jes. 15, 29;

da kam das stöckelein
und schlug das hündelein. wunderhorn 2, 562 Boxberger.


e) mit angabe des getroffenen körpertheils, zunächst als directes object: inti inan spîuuenti intfiengun rôrûn inti sluogun sîn houbit. Tatian 200, 3; und schlugen jm das heubt mit dem rhor. Marc. 15, 19;

sie sluagun sâr then gangonthiu heilegûn wangûn.
Otfrid 4, 22, 31;

wie ein mausz-thier, dem man die pfoten schläget.
Günther 384;

die brüste schlagen, als zeichen der trauer, angst, reue u. s. w.: inti al iro menigî .. slahenti iro brusti uuidaruurbun fer. Tat. 210, 3;

thô hintarquam thiu muater ...
joh ruartun thio iru brustithô manago angusti.
thio sluag si mit thên hantôn.
Otfrid 1, 22, 25;

se worden vorscrecket in der stunt
unde slôgen in grôter smerte
ore hôvede unde herte. von sunte Marinen 257;

und alles kniet und schlägt die brüste,
sich fromm bekreuzend vor dem Christe.
Schiller 11, 253.

als liebkosung: dann er sahe ihn mit lieblichem angesicht an, und mit der lincken hand schluge er seine wangen. Schuppius 762.
f) gewöhnlich einen an etwas schlagen, wofür die neuere sprache auch weniger concret einem an etwas schlagen sagt, s. zeitschr. f. d. phil. 17, 87—90.
α) einen vor, auf, um den kopf schlagen:

ûffe sîn houbit er in slûch.
Lamprecht Alex. 1883 Kinzel;

ich wil dich nu slan umb den kop,
dasz du wirst werden top.
Wackernagel leseb. 12, 1022, 7;

ich wil dich schlagen umb den kopf,
das du umblaufest als ein topf. fastn. sp. 194, 17;

und schlug mich auf den kopf. Shakesp., der widerspenst. zähm. 2, 1;

nun sprang Rüsteviels bruder hervor und schlug mit dem langen
dicken knüttel den bären aufs haupt.
Göthe 40, 28;

so nahm ich doch das kurze degelein und schlug ihn damit um den kopf. Berlichingen 26; sich vor'n kopf schlagend. Schiller räuber 1, 2 schauspiel (bühnenanw.); oft bildlich: die feinde aufs haupt schlagen u. ä., vgl. 6, b. jemanden vor den kopf schlagen (oder stoszen), zurücksetzen, kränken: mutter was ein beten vör den kopp slagen. Reuter 5, 436. auch vor den kopf geschlagen sein, thöricht oder unzurechnungsfähig sein: ich hätte entweder ein heide, oder vor den kopf geschlagen seyn müssen, wenn ich der nächsten eingebung .. hätte gehör geben .. wollen. Thümmel reise 2, 194.
β) einen ins gesicht schlagen: in sîn annuzzi sluogun. Tatian 192, 2 (s. d, β); die menner aber, die Jhesum hielten, verspotteten jn .. und schlugen jn ins angesichte. Luc. 22, 64; sie prügeln mich — ich schlage ihnen ins gesicht. Iffland jäger 1, 2; wie ich rate den fromen leuten, sie sollen den teufel mit dem creutz ins angesicht schlahen. Luther 6, 7b;

[Bd. 15, Sp. 361]


drauf schlug ich ihn ins gesicht und sagte: das bin ich! Göthe 34, 70; überall haderten die bischöfe gegen einander, einer schalt den andern irrlehrer, schlug ihn ins angesicht oder zückte das messer gegen ihn. Freytag Ingraban13 312; zudem magst du wissen, dasz held Gundomar seine feinde lieber ins antlitz schlägt als hinterrücks angreift. nest der zaunk.2 220; bildlich: Moses wahl zum academisten ist mir deswegen erfreulich, weil sie die vorurtheile vieler leute gerade ins gesicht schlägt. E. C. König bei Lessing 13, 284; frecher war die wahrheit nie ins angesicht geschlagen worden. Becker weltgesch. 14, 223. einen grob beleidigen:

was meinst du? sieh, du schlägst mir ins gesicht,
und ich, ich bitte dich, mit mir zu reden —
was meinst du, bin ich nicht ein schurke?
H. v. Kleist 1, 10 Hempel.


an die schläfe schlagen: schnell kehrte ich mich um ... und schlug ihn mit der faust so tüchtig auf den schlaf, dasz er für todt zur erden fiel. Göthe 34, 45.
γ) einen ins auge schlagen: wenn jemand seinen knecht oder seine magd in ein auge schlegt und verderbts. 2 Mos. 21, 26; besonders in der redensart: schlagen das kalb ins auge, heist figürlich spotts-weise, einen empfindlich beleidigen, dasz er darüber schreyt und klagt, laedere aliquem eo loco ubi id maxime sentit, et clamore indicat. Frisch 2, 187b, vgl. Wander 4, 219, 95; soltest du dich nun auch unterstehen, diesen (heirat) wie die vorige zu verhindern, so wirst du das kalb ins aug schlagen, und der Greten vormünder würden den bossen mercken und sagen, du begehrtest, deiner tochter vor ihrem glück zu stehen. Simpl. schr. 3, 319, 21 Kurz; ich werde bey den buchhändlern das kalb in die augen geschlagen haben. Lessing 12, 230; in einem hat er freilich recht .. aber mit der andern leichenordnung hat er dem ochs in's aug' geschlagen. Auerbach schatzk. des gevattermanns 110; nu was æwer dat kalw ganz und gor in't og' slagen. Reuter 4, 316 (festungstid 15); in anderm sinne (?):

die pewrin spricht. ach lieber man frew dich mit mir,
grosz freudt hab ich zu sagen dir.
der pawer spricht. wer hat das kalb ins aug geschlagen?
H. Sachs 3, 3, 19b;

auch sonst bildlich:

der grosze wird er (Wallenstein) wieder, der er war.
wie werden sich die thoren dann ins aug'
geschlagen haben, die ihn jetzt verlieszen!
Schiller Wallenst. tod 4, 7.


δ) einen hinter die ohren schlagen, ihm eine ohrfeige geben: so welich borghere dhen anderen sleit to den oren. quelle bei Schiller-Lübben 4, 227a; dieser offizier — ein mann voll muth und gutherzigkeit .. der, um sich nichts hinter seine ohren zu schreiben .. lieber andere christen hinter die ihrigen schlug. J. Paul uns. loge 1, 6; erster reiter (schlägt ihn hinter die ohren). Göthe 8, 7;

ein besitzer begegnet ihm so
und fragt nicht weiter wie? noch wo?
sondern schlägt ihn tüchtig hinter die ohren. 13, 116.

figürlich: wer das kind eine mähre schilt, schlägt den vater an's ohr. Schiller kab. u. liebe 2, 6.
ε) auf die nase schlagen: mit der geballten faust hat er mich hier auf die nase geschlagen. Iffland jäger 3, 3.
ζ) an die wange schlagen: ûʒouh oba thih sihuuer slahe in thîn zesuua uuanga, garauui imo thaʒ ander. Tatian 31, 3 (ebenso Luc. 6, 29);

bewurpun ina thô mit werodeendi ina an is wangun slôgun. Heliand 5116;

swer dich slahe an dîn wange,
sô sûme dichs niht lange,
dû bietest im daʒ ander dar.
Rud. v. Ems Barl. u. Jos. 104, 5;

die Judden slugen en an sinen wangen. Alsfeld. passionssp. 8077;

Peter hof up sine witte hand,
schlog Hansken bi de wangen. wunderh. 2, 29 Boxb.;

er schlg mich an den wang. bibelübers. (1470—3) 3 kön. 18, 4 bei Kehrein 3, § 230; sie trieb ihr pferd mit einer wendung an Georg vorüber und schlug ihn mit ihrem handschuh an die heisze wange. Freytag Marc. König 248. auf den backen: da trat er zu Zedekia der son Cnaena, und schlug Micha auff den backen. 1 kön. 22, 24; denn du (gott) schlegst alle meine feinde auff den backen, und zerschmetterst der gottlosen zeene. ps. 3, 8.
η) auf den mund schlagen:

der rede treip sî sô vil
unz er sî anderstunt
sêre sluoc an den munt. Erec 6579;

[Bd. 15, Sp. 362]



'du maulwurf', dacht' ich gleich hinzu,
mich schlagend auf den mund.
Gleim 4, 221;

dafür weniger höflich aufs maul schlagen, os percutere Frisch 2, 187a: der hohepriester aber Ananias befalh denen die umb jn stunden, das sie jn auffs maul schlügen. ap. gesch. 23, 2; schlug aber einer her mit einer faust in sein maul. Luther 3, 35a; weil ihm nicht gleich der beichtspiegel zur hand, hat er sein weib in die goschen geschlagen. Abele gerichtshändel (1742) 140; wer ihn auf einen diebstahl anspräche, den schlage er aufs maul. Möser patr. phant. 4, 125; schwapp! schlug ihn der unteroffizier auf's maul. Reuter 3, 4; bei thieren:

da schlug das kaninchen
hastig ihn über das maul, es bluteten lippen und zähne.
Göthe 40, 149;

einen in die fresse schlagen, alicui os percidere Steinbach 2, 425; meist bildlich, einen grob abweisen oder lügen strafen: nu weiset er (Jesus) sie (seine mutter und brüder) je unfreundlich abe, und schlegt sie uber die schnaussen. Luther 4, 451b; wir könnten die vier evangelisten aufs maul schlagen. Schiller räub. 1, 2 schausp.; in andrer übertragung: die see ist wie mein böses weib, .. schlägt man sie mit dem ruder tüchtig auf's maul, da gibt sie nach! Raimund 3, 322 (verschw. 2, 34, var.).
θ) an den hals schlagen: Ahab der könig liesz den propheten Micheam schlagen an seinen hals. Waissel chron. (1559) 157a;

ich wolde dich an din halsch slan,
solde es mer nummer woil gegan. Alsfeld. passionssp. 4677;

vgl. ahd. halsslagôn, halsslegilôn Graff 6, 774. 782.
ι) an die brust schlagen: da lieff zu Johan Holm, und nam den fausthamer, und schlug jn auff seine brust, so lange, bis er starb. Luther 3, 35a; meist vom schlagen an die eigene brust, als ausdruck der reue oder des schmerzes: inti ther firntâtîgo ferrana stantenti ni uuolta noh ougûn zi himile hevan, nibi sluog in sîna brust quaedenti: got, uuis mir milti suntîgomo. Tatian 118, 3 (vgl. Luc. 18, 13); inti al iro menigî ... slahenti iro brusti uuidaruurbun fer. 210, 3; und alles volck das da bey war ... schlugen sich an jre brust. Luc. 23, 48; du seyst zwischen dem rindfleisch und meerrettig gemacht worden, und dein vater habe dich nie ansehen können, ohne an die brust zu schlagen und zu seufzen: gott sey mir sünder gnädig! Schiller räuber 2, 1 schausp.;

ni mag than mid ôðru gôdu gibôtian
thea dâdi thea he sô derea gefrumida,ak he slehit allero dago gehwilîkes
an is breost mid bêðiun handun endi wôpit sie mit bittrun trahnun. Heliand 3499.

aufs herz schlagen:

es (das rosz) schlug den junker mitten aufs herz.
Uhland ged. 324.


κ) einen mit dem stocke auf den rücken schlagen, dorsum alicujus baculo everberare. Steinbach 2, 425; an die seite: und sihe, der engel des herrn .. schlug Petrum an die seiten, und wecket jn auff. ap. gesch. 12, 7.
λ) auf die schulter schlagen, als ausdruck freundschaftlicher herzlichkeit, des beifalls, der belehrung, um aufmerksamkeit zu erregen u. s. w.: oberförster .. (sie trinken) auf eine gesegnete stunde! (er schlägt ihn auf die schulter). Iffland jäger 4, 4; er schlägt einen der knappen über die schulter (beim ritterschlage). Uhland Ludwig der Baier 3, 2; da schlug er seinen neffen auf die schulter, dasz der zusammenfuhr. Scheffel Ekkeh.58 308; auf die achsel: ihm war, als ob herr Dietrich ihn lustig auf die achsel schlüge. Freytag Marcus König6 386.
μ) auf die hand: wer das spiel verdirbt, zahlt die busze, wir frauen schlagen ihn mit dem stock über die hände. Freytag brüder v. d. hause2 34; meint sie mit dem könig zu streiten, weil er sie damals im kinderspiel auf die hände schlug. nest der zaunkön.2 363; auf die finger: mutter Aurelie schlug mich immer auf die finger, wenn ich nach der caravine griff. Göthe 20, 299; ähnlich im bilde: der tod streckte unter dem mantel der diebischen medicin die klaue hervor, ... die politik aber schlug ihn so heftig darauf, dasz er laut heulte und fürchterlich grinste. Klinger 3, 32.
ν) auf den hintern: et percussit inimicos suos in posteriora, unde stuônt ûf unde sluôg sie an den afterin. Notker ps. 77, 66; Luther: und schlug seine feinde im hindern. (ps. 78, 66); sehr verbreitet ist im 16.—17. jahrh. die redensart einen mit der (haus)thür vor den hintern schlagen, ihn hinauswerfen: wil ein gesinde nicht gut thun, so schlage mans mit der thüren vor den hindern und lasse es laufen. Mathesius Syrach 2, 71a;

[Bd. 15, Sp. 363]


ihr habt wollen edelmann seyn, drumb ist meinem respect daran gelegen, dasz ich den bauren weise, dasz ich einen solchen unzeitigen regenten darf mit der richter - thüre vor dem hintern schlagen. Chr. Weise polit. näscher 69;

wer ein solch (naschhafte) meyd hat in dem hausz ..
so ist allein die beste kunst
das man ein solch unzifer für
den arsz schlage mit der hauszthür.
H. Sachs 2, 4, 110b.


g) mit angabe der wirkung.
α) beulen schlagen (vgl. 2, c): die beule siehst du, die ich mir schlug. Thümmel reise 2, 229;

wie weiber, welche sich bei leichen beulen schlagen.
Günther 386.

einen braun und blau schlagen, sugillare, pingere aliquem pigmentis ulneis. Steinbach 2, 426; ferner einen grün und gelb, krumm und lahm, leder-, brei-, windelweich, blutig, blutrünstig, wund, lahm, zum krüppel schlagen, besonders in niederer sprachweise, vgl. Wander 4, 219;

ôk bin ik wol so overmodich,
ik sloge my wol blâ unde blodich
mit eime um ein haverkaf. Theophilus 227;

ob ich gleich krum und lahm geschlagen,
und narben mehr als glieder zeig'.
A. Gryphius 1, 621;

tret' einer mir zu nah', ich schlag' ihn lederweich!
Göthe 7, 94;

wenn er ihn wieder im hause trifft, will er ihn lederweich schlagen. 14, 262; einen (bis) aufs blut schlagen, bis blut flieszt:

da schlugen sie ihn wohl aufs blut. wunderhorn 2, 464 Boxberger;

bildlich:

so sincket ihr verschmähten glieder!
schlagt Anionens hertze weich!
Günther 363.

so auch einen breit schlagen, so lange bearbeiten, bis er zustimmt oder etwas glaubt, beschwatzen, vgl. theil 2, 358 oben: las er etwas, so muszt es leserlich geschrieben seyn. der autor muszte, wie er sagte, ihn nicht breitschlagen oder zum besten haben wollen. Hippel lebensl. 4, 113.
β) hierher gehört auch einen zum ritter schlagen, ritter schlagen, vgl. theil 8, 1054: einen zum ritter schlagen, in ordinem equestrem recipere. Stieler 1811; aliquem equitem creare. Steinbach 2, 426; gladio unico ictu equestri dignitate ornare. Frisch 2, 187a, vgl. 191c; (im jahre 1218) wart der tugentliche lantgrave Lodewig in siner stat zu Isenach erlich zu rittere geslagin. Ködiz 24, 17; so wil ich jhn auff diesen tag, von wegen seiner tugendt, zu ritter schlagen. buch d. liebe 238d; der könig die beyde jungen mit eygener hand zu ritter schlug. 239a; darumb ich jn dann billichen ritter geschlagen hab. Galmy 58a; Karl der fünfte hatte ihn (Egmont) im jahr 1546 in Utrecht zum ritter des goldenen vlieszes geschlagen. Schiller 7, 85;

eh man kam durch den wald so grün,
do schlug man mengen ritter kühn.
Wackernagel leseb.2 1, 1052, 12 (vgl. 1051, 10);

dorch ere unde gût hebbe ik mîn lîf vaken gewagen,
hîrumme wart ik to ridder geslagen. des dodes danz 604 Bäthcke;

du sworest einen êt, des was genôch,
do men di to ritter slôch,
weddewen unde weisen bîtostân. 636;

bildlich:

das leben hat zum ritter ihn (den dichter) geschlagen,
er soll der schönheit neid'sche kerker lichten.
Eichendorff 1, 308.

von da aus verallgemeinert; einen in einen rang erheben:

disz volck vergiebt um brodt unsterblichkeit und ruhm ..
und schlägt, wie Padua, oft esel zu doc — thoren.
Günther 389;

der stets versoffne gott (Pan) bestrafft ihn recht und gut,
und schlug ihn unverhört zu einem sattel-knechte. 506;

dann will ich festlich dich zum petitmaitre schlagen.
Zachariä renomm. 2, 333.

auch sonst einen zu etwas schlagen, durch einen schlag dazu machen: dort eilt er dem fächer entgegen, der ihn zu einem galanten narren schlagen .. wird. J. Paul grönl. proz. 1, 114;

bis plötzlich ihre (Circes) zauberruthe
diesz volk zu thieren schlägt, und ihre kraft beweist.
Hagedorn 2, 117.


γ) einem die haut, den buckel voll schlagen. Wander 4, 219, 105:

er .. sluog ir ouch den rücke vol. ges. ab. 1, 434, 88;

thu ich jn eriagen,
so wil ich jm die haudt vol schlagen.
H. Sachs 3, 3, 19c;

er schlug den teufeln die buckel voll. wunderh. 2, 226 Boxberger, vgl. 230;

schlach Giano sein haut voll. Steinhöwel decam. 443, 29 Keller (7, 7); jeder hansnarr schlägt sich die haut voll. Shakespeare

[Bd. 15, Sp. 364]


Cymbel. 2, 1; ich schlage ihm die zähne in den hals, wenn er noch ein wort sagt. Göthe 8, 204.
δ) einem die beine entzwey schlagen, crura alicui confringere. Steinbach 2, 426; ich schlag' ihm arm und bein entzwey, wenn ich ihn hier antreffe. Göthe 14, 273 f.; einem die rippen im leibe entzwei schlagen:

er schlug das haupt ihm in zwei theile.
Uhland ged. (1864) 415.

entzwei schlagen in sonstiger verwendung, s. II, 2, a.
ε) einen aus dem hause, aus der stadt schlagen, peitschen u. ähnl.: nachdem misser Amerigo dem richter gepote, daʒ er Peter mit ruten ausz der stat slachen liesse und nach dem an den galgen hienge. Steinhöwel decam. 354, 10 Keller (5, 7);

als jener gute freund den herr, knecht, magd und page
aus hausz und zimmer schlug.
Günther 375;

ähnlich: mancher will einen teuffel heraus schlagen (indem er sein weib prügelt), und thut darfür zehen teuffel hinein jagen. Abele gerichtshändel (1712) 167.
ζ) vergl. auch die zusammensetzungen einen niederschlagen (I, 1, b, theil 7, 788, vergl. mhd. wb. 2, 2, 367b); gleichbedeutend einen zu bodem schlagen, prosternere aliquem humi. Steinbach 2, 425; da sie das höreten, wurden sie rasend und unsinnig, und schlugen die frawen zu der erden. Luther 3, 35a;

und da sie (die mörder) seine armuth sahen,
thäten sie ihn zu boden schlagen. wunderhorn 2, 464 Boxberger;

einem einen finger, den hals abschlagen u. ähnl., theil 1, 102;

ob er im hût oder hâr
abe sluoc unde brach.
Stricker Amis 1924.


h) redensarten und sprichwörtliches: rath, wer hat den lerch geschlagen? wer hat schuldt daran (quis mihi sub cauda, quis te percussit alauda?) Andreae Gartneri dicteria proverbialia (1598) 26b; das kind klagt, es sey geschlagen, aber es sagt nicht, warumb. ebenda; dat wüszt ik nu gor nich, æwer ick slog den dummen an den hals. Reuter 4, 370; ledder um ledder, sleist du mi, ik slae di wedder. brem. wb. 4, 801; schlagen ist verboten, widerschlagen nicht. Simrock sprichw. 9054.
5) hiervon gehen mannigfache bildliche verwendungen aus, vgl. 3. noch sinnlich, vom wetter:

in der gewölbe schwarzem küssen ruht
sein (des Olymps) fichtenstarres haupt, jetzt von des hagels wuth
gepeitscht, jetzt von der winde grimm geschlagen.
Schiller 6, 397 (Dido 46);

im eigentlichen sinne, nur mit sächlichem subject:

das elend, das dich schläget,
und das betrübte marterheer.
P. Gerhardt 72 Gödeke;

freier:

geschlagen hat auch dich des schicksals tücke.
Chamisso 2, 71 Koch;

ein fluch schlägt jemanden, der bedeutung 3 (a) nahestehend: es war auch eine vergeltung, es war auch ein fluch, aber sie schlugen unbegreiflich, grausam, herzzermalmend. Freytag handschr. 2, 66; ähnlich:

(Dido:) entschuldige mich nicht. mich schlägt mein eigner schwur.
J. E. Schlegel 1, 93;

dies übermaasz des greuls schlägt mich zu boden.
Schiller Phädra 4, 2.

das gewissen schlägt jemanden, quält, straft ihn (vgl. gewissensbisse): oberst .. der ärgste gauner in ganz Paris ist krank, und schickt mir die quittung über das, was mein neffe ihm schuldig ist. Schiller neffe als onkel 1, 15; zuerst schlug mich das gewissen etwas. Immermann 5, 169; das herz in demselben sinne: und das hertz schlug David, nach dem das volck gezelet war. 2 Sam. 24, 10; aber darnach schlug jn sein herz, dasz er den zipfel Sauls hatt abgeschnitten. Züricher bibel 1530 1 Sam. 24, 6 (dafür auch: das gewissen schlägt einem, s. V, 8, d); mit umkehrung der beziehung:

nicht diese güte, königin! wie flammen
der hölle schlägt sie brennend mein gewissen!
Schiller don Carlos 4, 19.

in anderm sinne: wenn jr aber also sündiget an den brüdern, und schlahet jr schwaches gewissen. 1 Cor. 8, 12. von schmerzenden, nagenden empfindungen, kummer, reue, auch furcht, schrecken:

mochte dit ghescien, so ware een deel
ghesocht (besänftigt) die rauwe, die mi slaet. Reinaert 3435;

ein schrecken schlägt den feind. wunderh. 1, 114 Boxberger;

wenn du mich hier schreiben sähest: so würde die weichste seele .. sich zwischen mich und meinen schlagenden kummer stellen. J. Paul uns. loge 3, 37; wann alles das volk sah die

[Bd. 15, Sp. 365]


stimme und die ampeln und den done des horens (buccinae) und den berg riechen und sie erschraiken und wurden geschlagen mit vorcht (pavore concussi). bibel von 1483 42b (2 Mos. 20, 18); jemandes ohr mit schmeichelei schlagen, bethören (vergl. 3, a, γ): wenn sie dem helden lieder .. singen will, .. so lasz es klingen, wie das geschrey des uhus .. und o göttinn! lasz sie dabey glauben, sie sänge lieblich, schlage ihr ohr mit schmeicheley. Klinger theater 3, 395; eine schlimme nachricht schlägt jemandes ohren:

wenn nun ein solcher fall ...
durch deine todes-post mir hertz und ohren schlüge.
Günther 1045.

mundartlich mit dem dämelsack (anderswo mit dem dumbüdel) schlge sinne, sehr dumm sein, s. nd. korrespondenzbl. 11, 60.
6) ein heer, den feind schlagen, in der schlacht besiegen. Adelung (II, 1, 2, b, δ): den feind schlagen, hostem pellere. Steinbach 2, 425; geschlagen werden, vinci praelio. Frisch 2, 187a.
a)

her vuor un (ihnen) nâh jaginta,
wîtini slahinta.
Wackernagel leseb.2 1, 183, 10;

die feinde haben uns geschlagen. wunderhorn 1, 114 Boxberger;

und der herr wird deine feinde, die sich wider dich aufflehnen, fur dir schlahen. 5 Mos. 28, 7; denn da die kinder BenJamin sahen, das sie geschlagen waren, gaben jnen die menner Israel raum. richter 20, 36; warumb hat uns der herr heute schlahen lassen fur den philistern? 1 Sam. 4, 3; sie (die Franzosen) ziehen öffentlich zu felde .. und halten sich, wodurch sie eigentlich unüberwindlich werden, niemals für geschlagen. Thümmel reise 1, 265; wenn der Römer den feind tödtet, niederwirft, in die flucht treibt (caedit, fundit, profligat), der Franzose pulverisirt, begnügt sich der Deutsche ihn zu schlagen. Lang Hammelb. reise 40 Hartmann; vom einzelnen soldaten:

wir haben viel von euch vernommen,
wie ihr die männer habt geschlagen.
Ludwig 3, 567.

scherzhaft übertragen: nun was uns mit jedem heere mehr geschlagene buchhändler betrifft. J. Paul Nepomukk. 138 (vgl. 3, d); vgl. auch:

dein vater schlug bey schweisz und müh
der feinde zorn mit schwerdt und armen,
du schlägst und überwindest sie
mit huld, vergebung und erbarmen.
Günther 144.


b) gern steht schlagen mit näherer bestimmung: in die flucht schlahen und jren vil umbbringen, fugam stragemque dare. Maaler 355b; in die flucht schlagen, in fugam vertere. Frisch 2, 187a; die Niederländer brachen mit solchem ungestüm von allen seiten in den feind, dasz sie seine vordersten glieder niederwarfen, die schlachtordnung trennten, und das ganze heer in die flucht schlugen. Schiller 9, 5; vgl. auch:

die slûgen sie gar vluchtic hin
ûf deme velde her und dar. livl. reimchron. 7618.

zurückschlagen (vergl. das.): den feind allenthalben zurück schlagen, hostem omni parte submovere. Steinbach 2, 426; übertragen:

er (der tote) rüttelt die thurmthür, sie schlägt ihn zurück
geziert und gesegnet, dem thürmer zum glück.
Göthe 1, 230.

aus dem feld schlagen, profligare. Frisch 2, 187a; es gelang ihm ... sie (die feinde) in ordentlichen schlachten aus dem felde zu schlagen. Schiller 9, 192; bildlich: die zeit sollte noch kommen, da die anfangs nur von kleinen kreisen beachtete schule Ranke's die volksbeliebten Schlosser'schen werke gänzlich aus dem felde schlug. Treitschke deutsche gesch. 3, 698. aufs haupt schlagen (vgl. 4, 5, α): den feind bis aufs haubt schlagen, hosti cladem afferre, occidione occidere hostem. Stieler 1811; den feind aufs haupt schlagen, ad internecionem hostem vincere. Steinbach 2, 425. Frisch 2, 187a;

graf Tilly war
am Lech auf's haupt geschlagen.
Schiller Piccol. 1, 2;

die feinde waren ja
schon ganz auf's haupt geschlagen und zerstreut. jungfrau 5, 1.

nieder, darnieder schlagen (vgl. theil 7, 788. 2, 727):

wir slahen die êrsten nû dar nider. livl. reimchr. 1917;

ob sich kainer gen uns in were wolt stan,
den sullen wir pald nider schlan. fastn. sp. 419, 30.

in einen haufen schlagen, zusammenhauen, vgl. Schlachinhaufen, als name eines schildknechts im osterspiel. Germ. 5, 300.
c) mit genauerer angabe der wirkung: den feind von einem punkte zurück, aus dem lager u. s. w. schlagen, mit übergang in die bedeutung 'treiben', s. II, wofür auch werfen in gleichem

[Bd. 15, Sp. 366]


sinne: den feind glücklich von der stadt zurückschlagen, hostem feliciter ab urbe rejicere. Steinbach 2, 426; daz man uns von dem slosz wurd slahen. d. städtechron. 2, 67, 21; nach einem hitzigen gefechte, schlug er (Arnheim) endlich ... die feinde aus ihrem befestigten lager. Schiller 8, 243.
d) mit accusativ des innern objects: schlachten schlagen u. ä., vgl. Campe (IV, 1, 3): wir sklaven! die wir dem mächtigen den gehorsam aufkündigten, und schlachten gegen ihn schlugen, wobey alle welten erbebten? Klinger 10, 276; so ward am 16. juni .. die schlacht bey Leipzig geschlagen. Becker weltgesch. 14, 385;

sie folgten, wenn der heribann ergieng,
dem reichspanier und schlugen seine schlachten.
Schiller Tell 2, 2;

zwanzig schlachten hat
dies volk geschlagen.
Ludwig 3, 354.

vom einzelkampf: ob sach were, das zwen muthwylligh ein kamp schlagen wolten. Grimm weisth. 2, 316;

scholde ik eynen kamp ok myt eme slan. Reineke vos 5610;

ik wyl myt yw slan eynen kamp. 6102.

mit accusativ der wirkung: (sich) einen weg durch die feinde schlagen u. ähnl.:

wîte strâʒen unde wege
sluoc er durch die Pulgære dô.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 7560.


7) von da aus übertragen.
a) auf manche spiele, besonders schachspiel, damespiel, mühlespiel: den gegner schlagen, die partie gewinnen, auch den einzelnen stein schlagen, nehmen:

er sol mit wîsheit gâhen,
slahen unde vâhen
die vînt zuo beiden sîten.
Heinr. v. Beringen schachged. 10680.


b) unsinnlich: etwas schlagen, besiegen, vernichten, aufheben:

er (Jesus) kluoc sluoc, truoc
den bruch, des menschen ungevuoc (sünde).
Frauenlob kreuzl. 12, 14.

besiegen, überwinden, übertreffen: unbetracht das ein esel ein alte gewonheit hat in seinem gange, jedoch tritt ihm der gaul bevor und die alte gewonheit des esels wirdt hart geschlagen. Paracelsus (1589) 4, 286.
c) sehr häufig eine thräne schlägt (vertreibt, verdrängt) die andere, von heftigem weinen:

ern sæhe im diu ougen ie
mit trähenen über wallen ..
daʒ ein zaher den andern sluoc.
Konr. v. Fussesbrunnen kindh. Jesu 1699;

si want mit leide ir hende
und weinte jâmerlich genûc,
daʒ ie ein trân den andern slûc. pass. 644, 64 Köpke;

si weine nun, meine frau, das, wi man zu sagen fleget, ein zehren den andern ślage. Butschky hochd. kanzelley 868; auf dem wege schlug eine trähne die andere. polit. colica 129; die übrigen tage der vorgesetzten trauer verschlosse sie sich alle tage eine stunde in ihr zimmer und tröstete sich damit wann eine trähne die andere schlug, das sie ihre hande daraus waschen .. konte. polit. stockf. 319; ich weinte, dasz ein zähren den andern schlug. Pierot 4, 162.
d) zweifel, furcht, sorge schlagen, heben, widerlegen, besiegen:

der junge
held, der eure angst geschlagen,
der die sorge, die euch quälte,
von euch nahm und alles bangen.
Tieck 1, 388;

umgekehrt:

kein unglück schlägt die zuversicht,
du (gott) kanst, du must, du läst mich nicht.
Günther 64.

gewöhnlich mit zusatz zu boden, aus dem felde schlagen u. ähnl. (vergl. 6, b): aber er (Biondello) hat uns ganz kürzlich einen beweis seiner ergebenheit und redlichkeit gegeben, der alle ihre zweifel zu boden schlagen wird. Schiller 4, 330;

damit ich meinen geist in deinen giesze,
durch meine tapfre zunge diese zweifel
und furchtgespenster aus dem felde schlage,
die dich wegschrecken von dem goldnen reif. Macb. 1, 9;

ähnlich auch: Heva im paradis, die hatte gottes gebot, mit demselben solt sie des teufels eingeben und anreitzung hinder sich geschlagen haben. Luther 5, 314b.
e) einen mit gründen, argumenten schlagen, widerlegen: sikk mit sinen worden slaan, sich selbst widersprechen. Dähnert 425a; kann der kluge Franzose doch die verfasserin mit ihrer eigenen hand schlagen, die geschrieben .. J. Paul kl. bücherschau 1, 59; im ausgeführten bilde: darumb ists von notten, widder solch hart gewant und eyngewurtzlete yrthum mit

[Bd. 15, Sp. 367]


starck streyttenden und durch schneydenden spruchen der schrifft walden und sturmen, wollen versuchen, ob wir sie mügen vom plan schlahen. Luther 8, 141, 21 Weim. ausg.
f) so besonders im particip: dieser grund ist schlagend, etwas schlagend beweisen, schlagender witz (vgl. schlagfertig), s. Campe (IV, 1, 3): sie war schlagend witzig gegen alle angriffe, die sie sich selbst machte. Arnim 2, 234; die gründe, die er (Cicero in der 2. catilin. rede) anführt, um die aufrührer der verschiedenen klassen von ihrem vorhaben abzuhalten, entbehren alles schlagenden. Grillparzer4 11, 13; wobei ich nun so schlagende dinge vorbrachte, dasz ich mir selbst vorkam, als sei ich nun erst recht davon überzeugt. Ludwig 2, 486; dasz der von ihr (einer leidenschaft) erfüllte mensch wie ein an einer fixen idee laborierender über dinge, die diese idee nicht berühren, ganz vernünftig denken kann ... ein schlagendes beispiel der von der leidenschaft des trunkes besessene. 5, 74; Adam Müller erkannte zwar scharfsinnig manche schwächen des liberalismus .. er zeigte schlagend, wie wenig das system des gehenlassens in dem kampfe der socialen interessen genüge. Treitschke d. gesch. 2, 113.
II. weitere transitive verwendungen.
1) schlagen im gewöhnlichem sinne, auf gegenstände gerichtet.
a) holz, bäume schlagen, fällen: schlagen, holz abhauen, arbores caedere. Frisch 2, 187b; schlagen, fällen oder niederhauen einiges holz. Heppe wohlred. jäger 261a; kärntn. holz schlagen Lexer 218; aarg. holz schlo Hunziker 223; item auch öffent si, dasz all perent paum, marchpaum, smerpaum verpoten sein, wer si schlecht. tirol. weisth. 1, 118, 48; es mag auch ain dorfmaister ainem ieglichen, der in das dorfrecht gehört, zwen stemm oder drei âne geverd erlauben ze schlahen. 4, 31, 2; ich liesz die waldungen messen, ich liesz schlagen, säen, pflanzen. Göthe 20, 58; so auch (?): so nimb grien wechhalterbeer der guten, die im dreyszigsten geschlagen worden, fünff pfund. Seuter roszarzn. 348; auch: holz in scheite hauen. Adelung (II, 1, 1).
b) gras mähen: ist nun das gras von ihnen geschlagen und zu heu getrocknet. Göthe 22, 140; übertragen: mein hertz ist geschlagen, und verdorret, wie gras. ps. 102, 5 (var. der ausleg.: ich byn geschlagen wie ein grasz, und ist dor mein hertz; der ausdruck geschlagen ist hier durch den hebr. text veranlaszt). dagegen erklärt Schütze 4, 106 gras slaan, das in schwaden liegende gras mit der heuharke auseinanderstreuen, damit es schneller trockne; mhd. auch vom dreschen des korns in einer allegorie:

mit slegen alsô swêre,
daʒ ich daʒ vürwâr mach sagen,
daʒ nie korn alsô geslagen
noch alsô gedroschen wart.
Heinr. v. Krolewiz vater unser 3050.


c) steine schlagen, zerschlagen, kleinklopfen. Schambach 193a; ähnlich: der (stein) schlug das bilde an seine füsze, die eisen und thon waren, und zumalmet sie .. der stein aber, der das bilde schlug. Dan. 2, 34 f.
d) ein ding schlagen, einen schlag darauf führen: und Helias nam seinen mantel und wand in zusamen und schlug die wasser (des Jordans). bibel von 1483 170b (et percussit aquas. 4 kön. 2, 8); da soltu den fels schlahen, so wird wasser erauslauffen. 2 Mos. 17, 6; sihe, er hat wol den felsen geschlagen, das wasser flossen, und beche sich ergossen. ps. 78, 20; und der herr wird ... die sieben ströme schlahen, das man mit schuhen dadurch gehen mag. Jes. 11, 15; der rechte (fusz) hingegen deutet den tact an, indem er den boden mit der sohle schlägt. Göthe 44, 137; mit angabe des werkzeugs:

Moŷses der guote man
sîne gerte er dô nam ...
er sluoch daʒ rôte mer dâ mite. exod. 3179 Koszm.;

dafür mit umgekehrter beziehung:

nu slach di gerten an daʒ mere.
Diemer deutsche ged. 46, 6;

er (der schwimmende) schlägt mit starkem arm die fluth.
Uhland ged. (1864) 385;

von den Echinaden, wo zu wagen
keine landung, führt der Taphen macht,
die das meer mit weiszen rudern schlagen,
Meges, sohn des Phyleus, in die schlacht.
Schiller 6, 162 (Iphig. 1).

butter schlagen, butyrum agitare sive jactare. Stieler 1811; dafür tirol. kübele schlagen, butter rühren. Schöpf 349. — mit innerem object, schläge auf etwas schlagen:

slach slege manige
ûf den stoub der erde. exodus 1468 Koszm.;

[Bd. 15, Sp. 368]



und (der bauer) sluoc mit sohler griulicheit
an die mûre ein sô mehtigen slac,
daʒ sie ganz und gar gelac. krone 14304;

er sleht iezunt den dritten
slac ûf die kemenâten.
Ottokar reimchron. 3606.


e) ein langer rock schlägt jemand beim gehen an die beine u. ähnl.:

ein schwarzer mantel schlägt die lenden.
Schiller 11, 244.

auch intransitiv, s. DWB V, 1, f.
f) von schmiedearbeit: cudere ... schmyden vel slan, hochd. schlahen, gewöhnlich cum malleo, mit dem hamel malleo, mit hemern slahen. Dief. gloss. 161b; vgl. ahd. kaslaganiu, gisl. ductilis, geslageneʒ, -ineʒ ductile metallum, gislaganêm, kisl. ductilibus Graff 6, 765; geschlagen gold, aurum foliatum. halbgeschlagen gold, aurum foliatum duplicatum. Frisch 2, 187a (vgl. 7, c); so wol auch: ductilibus tubis an trumben den slagenen, s. Schm. 2, 513;

nimm mir den schwersten hammer, schlag damit
den ambosz, bis er weiszlich glüht.
Ludwig 3, 209.

metall, gold schlagen: und er (Moses) .. schlug das gold, und schneits zu faden, das mans künstlich wircken kundte. 2 Mos. 39, 3; item wie man gold schlegt, zeuhet, spinnet, wircket, preget, unnd was mehr zum gold reinigen und verarbeiten gehöret. Mathesius Sar. 42a; in der schmiede erweicht man das eisen, indem man das feuer anbläs't und dem stabe seine überflüssige nahrung nimmt, ist er aber rein geworden, dann schlägt man ihn und zwingt ihn. Göthe 23, 244;

das velt (des schildes) was geslagen golt.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 1460;

mein vater, willst du schlachtgewand
von eines mägdleins schwacher hand?
noch schlug ich nie den harten stahl.
Uhland ged. (1864) 352.

gold zu etwas schlagen, s. u. 7, c; umgekehrt etwas aus metall, waffen aus eisen, münzen schlagen, s. III, 2.
g) in spielausdrücken.
α) den ball schlagen, pila ludere. Steinbach 2, 426; wofür auch in der älteren sprache den ballen schlagen. Frisch 2, 187a, aber das schlagen des balles, s.ballschlagen, pilae lusus. 191c, vgl. theil 1, 1090 f.:

dise sluogen den bal hin,
jene schuʒʒen den schaft. krone 692;

der künic sluoc den pal hindan.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 1518;

die priester .. lieffen in das spielhaus, und sahen, wie man den pallen schlug, und ander spiel treib. 2 Macc. 4, 14; übertragen:

daʒ si in grüeʒent über al ...
und in doch als einen bal
mit ir bœsen worten umbe slânt. minnes. frühl. 131, 24;

es dünkt mich, als wenn gott
ballon mit mir schlüg.
je stärker er schläget,
je höher ich flieg. wunderh. 1, 451 Boxberger;

trifft dich des schicksals schlag, so mach' es wie der ball:
je stärker man ihn schlägt, je höher fliegt er all.
Rückert weish. d. brahm.4 598, 40;

vgl. auch:

als .. ich (Seismos) mich stark betrug
und, in gesellschaft von Titanen,
mit Pelion und Ossa als mit ballen schlug.
Göthe 41, 137.

bildlich: solche könige, die dem guten vertrauen auffhelffen, schlagen mit den armen des vertrauens den ball ihrer macht am aller weitesten. Olearius pers. baumg. 7b (1, 6).
β) in oberd. gegenden auch die kegel schlagen, wofür sonst schieben Adelung (II, 1, 1), beides dem eigentlichen vorgange wenig entsprechend: schlagen im kegel-spiel, globum in conos erectos secunda vice mittere, ante continuationem ludi, e praescripto termino. Frisch 2, 187b; treffen: Lutherus vergleicht junge leute denjenigen, welche die kegel schieben, die meinen sie wollen 10 schlagen, da doch nur 9 dastehen. d. wolgeplagte priester (1691) 93.
γ) die scheibe schlagen, s. theil 8, 2386; bildlich:

diu schîbe, diu sîn êre truoc,
die Môrolt vrîlîche sluoc
in den bîlanden allen,
diu was dô nider gevallen. Trist. 7166.


δ) beim brettspiel:

als das mans holtz jm spiel brätt schlag.
Brant narrensch. 95, 26 (vgl. d. anm.).


h) besonders von musik- und lärminstrumenten. danebenher gehen intransitive fügungen, s. DWB V, 9, ac.

[Bd. 15, Sp. 369]



α) die drommel schlagen, tympanum pulsare. Steinbach 2, 425; schlagen, die trommel, tympano signum dare. Frisch 2, 187a;

ein tambûrr sluog unde warf
vil hôhe sîne tambûr. Parz. 19, 8;

als der wol zweinzec trummen
slüege hie ze tanze. 571, 3;

der slc die drumen, dirre peif. Elisabeth 171 Rieger;

er schlägt die trommel auf und nieder. wunderhorn 1, 114 Boxberger;

dar ick hörde pipen gahn und de leven trummen schlan. 2, 111;

und auch ein kriegsheer läuft noch wohl dem kaiser
zusammen, wenn die trommel wird geschlagen.
Schiller Piccolom. 2, 7;

bildlich:

auch schlägt der frühling auf der haid
die helle freudentrommen. wunderh. 2, 524 Boxberger.

sprichwörtlich: schlage deine trommel und blase deine pfeife! Wander 4, 214, 30.
β) von andern lärminstrumenten: trummen oder baucken etwar z schlahen, adhibere tympanum. Maaler 355b; schlagen, die paucken zu etwas, tympana ad tubarum sonum pulsare. Frisch 2, 187b;

her, wiltu mir die pouken slân,
sô muoʒ al mîn leit zergân. s.
Bartsch erlösung s. 221, 147;

swer den wolf rehte lêren sol
und den esel ze tanze gân
und daʒ rint die schellen slân. der wolf in der schule 1356;

engel bliesen auf hoboen ...
oder schlugen pauk' und zimbel.
H. Heine 1, 456 Elster;

lass' die geige wilder singen!
wilder schlag das zimbal du!
Lenau 1, 28 Koch;

sie (Mignon) schlug das tambourin mit aller möglichen zierlichkeit und lebhaftigkeit, indem sie bald mit druckendem finger auf dem felle schnell hin und her schnurrte, bald mit dem rücken der hand, bald mit den knöcheln darauf pochte u. s. w. Göthe 19, 211.
γ) die glocke schlagen, so besonders nd. de stormclocken oder in demselben sinne auch nur de clocken slaan, sturm läuten (vgl. V, 9, c): unde leten slaan die storm clocken. quelle bei Schiller-Lübben 4, 227b; do sloch men de clocken, dat dar selsen was. ebenda; vgl. auch brem. wb. 6, 308; die zitterungen einer geschlagenen glocke. Kant 8, 459. bildlich, es zu sturme schlagen, groszen lärm machen (?): also der beginnet sagin von dem keisere .. und von manigen sachen die in niht an gant, und sleht es ze sturme, daʒ man kumme vor jme gehœren mag. Wackernagel leseb. 1, 903, 16.
δ) saiten und saiteninstrumente schlagen, vgl. Campe (IV, 2): das seytenspiel schlagen, fidibus canere. Steinbach 2, 426;

und der sänger rasch in die saiten fällt
und beginnt sie mächtig zu schlagen.
Schiller 11, 384;

da schlug der greis die saiten: er schlug sie wundervoll.
Uhland ged. (1864) 390;

harpffen schlagen, ludere cithara. Dasyp.; die harpffen schlahen oder lyren, pulsare lyrum, vel citharam pectine. Maaler 355a; sie hatte ein magdt .. welche sehr schön war, unnd kundt wol die harpffen schlagen. buch d. liebe 181c; Themistocles als er uff einem panget mit einem rock angethan gebeten wurd, die harpffen zu schlagen, hat geantwortet: er könne kein seitenspiel. Schuppius 741;

dann sprach herr Holger aus Dänemark:
ich kann die harfe schlagen.
Uhland ged. (1864) 347;

scherzhaft:

er (der harfenist) hat nur für sein' harfen g'fühl,
sie ist sein weib sogar,
die kann er schlagen, wie er will,
die fahrt ihm nicht in d'haar.
Raimund 2, 150;

der (kaufmannsknecht) sagt er hielt nichts von dir (Luther), du künst die lauten wol schlagen und trügst hembder an mit bendlin. Val. Ickelsamer clag etlicher brüder a 4b; der wirt kond lutten schlachen mit der fädren und sang darz mit groszem gschrei. Th. Platter 60 Boos; wann die eltern meynen, sie (die studenten) sollen studiren, so verthun sie das geld mit pancketiren, mit fechten, tantzen, lautenschlagen oder der gleichen. Schuppius 651; der gärtnerjunge ... wird eine arie singen, die Golo auf der laute accompagnirt. Golo schlägt das instrument trefflich. Fr. Müller 3, 103;

nun wagt er gar, die laute selbst zu schlagen.
Gotter 1, 4;

wo schluchzend
Gleim die laute der trauer schlägt.
Hölty 58 Halm;

[Bd. 15, Sp. 370]



kannst du sie nicht die laute schlagen lehren? Shakespeare d. widersp. zähm. 2, 1;

so in meinen jungen tagen
hab' ich manche sommernacht
auch die laute hier geschlagen
und manch lust'ges lied erdacht.
Eichendorff2 1, 497;

o gäb' er mir die stärke, seine mächt'ge leyer
zu schlagen, die Apoll ihm gab.
Göthe 2, 154;

don Massias der verliebte ...
schlug so zierlich seine zither.
Uhland ged. (1864) 276;

so heiszt sie ihn die griechsche zither schlagen
und heimathliedchen singen in die saiten. 438.

von der geige nur scherzhaft, von der gewöhnlichen bedeutung ausgehend:

ich mag es (das instrument) streicheln, schüttern, schlagen, nichts
gewinn' ich, als ein mürrisches gekreisch.
Uhland ged. (1864) 166.


ε) jetzt nicht mehr üblich, aber in der ältern sprache gewöhnlich ist das klavier schlagen: mit ihnen (schlägen) hat er (der Deutsche) takt, klavier und orgel, laute und zither geschlagen. Lang Hammelb. reisen 41 Hartmann; oft in der nacht schlug sie ihr klavier so klagend, dasz ihre halbwachenden eltern daraus ihren tod weissagten. J. Paul grönl. proz. 1, 107; vgl. auch:

ihm schlug des klaviers generalbasz
Karls treuherziger lehrer.
Voss 1, 204

(Campe gibt den flügel schlagen ohne einschränkung, dagegen das klavier schlagen als in Baiern üblich).
ζ) dasselbe gilt von der wendung die orgel schlagen, auch das positiv: es wurde unter dem singen (bei der messe) auch ein positiv geschlagen, welches mehr ein heulen als ein concert oder harmonie gab. Olearius reisebeschr. 271a; so hätte mancher mögen zu hause bleiben, ehe er in der that erwiesen, dasz er sich zum bücherschreiben schicke, wie die kuh zum orgelschlagen. Chr. Weise erzn. 125 neudruck;

ein organisten er auch helt
zu schlagen, wenn ein fest gefelt,
ein schöne orgel.
Schmelzl lobspr. cx.


2) mit angabe des erfolges.
a) etwas entzwei, in stücke schlagen, vergl. oben I, 5, g, δ und theil 3, 674: er schlug den krug entzwei, urceum confringebat; die thüre entzwey schlagen, fores diffringere; einem den topf an dem kopfe entzwey schlagen, frangere alicui ollam in caput. Steinbach 2, 426;

der krüge schönster ist entzwei geschlagen.
H. v. Kleist 3, 118 Hempel;

im bilde:

und stünd' die hochzeit blankgescheuert vor mir,
wie noch der krug auf dem gesimse dort,
so faszt' ich sie beim griff jetzt mit den händen
und schlüg' sie gellend ihm am kopf entzwei. 112.

schlagen, in stücke, concutiendo diminuere. Frisch 2, 187a;

dô si daʒ schif entluodenund gar getruogen dan
swaʒ dâr ûffe hêtender drîer künege man,
Hagne eʒ sluoc ze stuckenund warf eʒ an die fluot. Nibel. 1521, 3;

schlägst du erst diese welt zu trümmern,
die andre mag darnach entstehn.
Göthe 12, 84;

recensent, der tapfre ritter,
hält sich gut im drachenmord,
schlägt in splitter alle lauten.
Uhland ged. (1864) 263.

ähnlich in einen haufen schlagen, nd. dafür in dutten slân. nd. korrespondenzbl. 11, 74; in den grund schlagen:

Siegfried den hammer wohl schwingen kunnt:
er schlug den ambosz in den grund.
Uhland ged. (1864) 332.


b) den (brunnen) pegasus ûʒer dera erdo slûog, s. Graff 6, 763;

der stolze quell, den einst Agrippens zauberstab
aus felsen schlug.
Thümmel reise 2, 33;

und der die quelle aus dem felsen schlug,
kann dir im kerker den altar bereiten.
Schiller M. Stuart 5, 7.

die zweige von den bäumen schlagen u. ähnl.:

Gâwân mit dem swerte sîn
vome schilde sluoc die zeine. Parz. 570, 27.

einem etwas aus den händen schlagen, alicui aliquid de manibus excutere. Steinbach 2, 426; und (ich) wil dir den bogen aus deiner lincken hand schlahen, und deine pfeile aus deiner rechten hand werffen. Hes. 39, 3; nicht anders als hätte die rächende Nemesis selber durch eine so ominöse mahnung meine schreibwuth hemmen, und mir die feder gleichsam warnend aus der hand schlagen wollen. Kosegarten rhaps. 3, 228; so auch: auch den staub, der sich an uns gehenget hat von ewer stad, schlahen wir abe auff euch. Luc. 10, 11; derhalben so die oberkeit solche menschen .. nicht wehret und strafft, so wil der prediger den staub von schuhen

[Bd. 15, Sp. 371]


schlahen und davon gehen. Luther 2, 454a; da sie jeden zusammenrinnenden thautropfen schnell mit dem zwergfinger aus den augenwinkeln schlug, als sei es staub. J. Paul Tit. 3, 79.
c) hineinschlagen, durch schlagen hineintreiben, dicht stopfen: so darff man oben nur ein loch dareyn boren, dardurch der sand wider herausz mag geschütt werden, unnd an desselbigen statt guter angemachter brenneter zeug hineyn auff das hertest gefüllt, geschopt und geschlagen werden. Fronsperger kriegsb. 1, 140b.
3) etwas schlagend bewegen.
a) hierher gehört eine waffe, das schwert schlagen u. ähnl., s. DWB I, 2, a, α. 4, d, α. II, 9, h; ferner: ê er virgam sluôge an den stêin. Notker ps. 105, 33 (vgl. auch 1, d);

und ging der donner mit dem reiter durch
und schlüg den huf der wolk in ihren rücken.
Ludwig 3, 209.


b) als jagdausdruck: der hirsch schläget oder feget sein gehörn, um solches gegen den august von dem rauhen bast zu reinigen. Heppe wohlr. jäger 260b, indem er es an bäumen und stangen heftig reibt, s. Jacobsson 3, 610b. Behlen 5, 487. Eggers 2, 811. öcon. lex. 2183.
c) die hände zusammen schlagen (auch als éin wort geschrieben, s. das.), als zeichen des beifalls, dafür auch schlagen allein: das schlahen oder klopffen der henden z einer anzeigung das uns der handel gefalt, applausus. Maaler 355d (vgl. in die hände schlagen V, 3). die hände über dem kopfe zusammen schlagen, als ausdruck des höchsten erstaunens, des schreckens, der ratlosigkeit: denn du must von dannen auch wegzihen, und deine hende uber dem heubt zusamen schlahen, denn der herr wird deine hoffnung feilen lassen, und wird dir bey jnen nichts gelingen. Jer. 2, 37; am nachgenden suntag praediget Zwinglin, zeigt an, was sy für ein friden hetten gemacht, der wurde bringen, das sy nit über lang dhend über dem kopff zamen wurden schlan. Th. Platter 58 Boos; dieselb hette in jrem zimmer dieses schrecklich geschrey jhres herrn und gemahls gehört, laufft derhalben auch mit groszem schnauffen und ächtzen zu, schlug die händ ubern kopff zusammen. Ayrer proc. 727 (3, 1); dafür umgekehrt: der könig verwunderte sich über diese worte, schlug seine königliche hände von einander. Olearius pers. baumg. 7a (1, 6); in der ältern sprache ausdruck des spottes:

er (Cham) sach sîne (Noahs) scante,
spottende er dane wante.
sîne hende slg er zesamine,
sînes vater hônde hête er ze gamine. Wiener genesis 1487.


d) mit näherer bestimmung:

der unfall fahr ihm in die händ
und schlag den kopf ihm um die wänd. wunderhorn 2, 199 Boxberger;

und dann ein jungfern-knecht, der band und spitzen kaufft ...
und fast auf ieden tritt den haar-zopff rückwärts schläget.
Günther 462.


e) von periodischen bewegungen, die flügel schlagen:

will dem ufer Senderubs entsagen,
auf zum Darwawend die flügel schlagen.
Göthe 5, 246.

bildlich: eine grafschaft ist mir heute zugefallen — ein schaz, worauf noch kein fluch den harpienflügel schlug. Schiller räuber 5, 8 trauersp.; dafür intransitiv mit den flügeln schlagen, s. V, 8, a, vergl. auch: der scherz hingegen schlägt sich an jedem gitter die flügel wund. J. Paul komet 1, vorr. xvi, s. ferner flügelschlagen, flügelflatterschlagen, theil 3, 1845. 1842.
4) zahlreich sind die präpositionalen wendungen, wo schlagen bedeutet: 'etwas durch einen schlag wohinbringen, in etwas eintreiben, an etwas befestigen' u. s. w., doch ist dabei die vorstellung eines schlages meist verblaszt oder ganz aufgegeben.
a) schlagen, ein pfahl in die erde, adigere palum machina; schlagen, als einen nagel in die wand, adigere clavum in parietem malleo. Frisch 2, 187a; so musz man weiden, haseln und dergleichen runde pfähle strich - weise in den teich schlagen. Döbel 4, 94a; ähnlich: item wer ainem sein holzmärch aus slecht und sein märch (grenzzeichen) dar auf slecht. tirol. weisth. 3, 166, 12;

slôgun kald îsarn,
niwa naglosnîðon skarpa
hardo mit hamuronthuru is hendi endi fuoti. Heliand 5537;

man sluoc im drîe negel dur hende und ouch dur füeʒe.
Walther v. d. Vogelweide 37, 8;

als men in den sone schal slân
drê stumpe negele de dor hende unde vôte gân. van de holte d. hill. cruzes 254;

[Bd. 15, Sp. 372]



(Lamfreid) hadde bi sinen hove
ene eke brocht uten woude ...
ende hadde twe wegghen (keile) daer in ghesleghen. Reinaert 653;

hab ich's nägele zu tief 'rein gschlage,
musz ich's wieder 'rauszer grabe. wunderhorn 2, 574 Boxberger;

da nam Jael das weib Heber einen nagel von der hütten, und einen hamer in jre hand, ... und schlug jm den nagel durch seinen schlaff. richter 4, 21; sprichwörtlich: de ene sleit en nagel drin, de andre hangt der den hoot up, von söhnen und erben, deren einer verschwendet, während der andere das seinige zu rate hält. Schütze 4, 107.
b) etwas durch schlagen befestigen:

wie sîn schilt gehêret sî?
mit golde von Arâbî
ein tiweriu bukel drûf geslagn. Parz. 70, 29;

die ouʒerwelten steine
die in die krône sint geslagen.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 18418;

sie slgen do an alle tor
den gekronten adelär.
Liliencron hist. volksl. 1, nr. 40, 872;

soll ich dir die spornen machen
wohl von dem glatten eise,
muszt du sie an die füsze schlagen
am heiszen sonnenscheine. wunderhorn 2, 268 Boxberger.


c) so auch einen an das kreuz schlagen, cruci affigere. Frisch 2, 187a; lastrônt inan dhoh dhiu huuedheru in crûci chislaganan. Isidor 30, 5 Hench; dâr uuard ouh christus crucifixus, an chriûce geslagen. Notker ps. 41, 1;

hietun flîtlîkoferahes ahtian
Krist mid qualmuendi an krûci slahan. Hel. 5331;

Daphnis reiset auch der orten,
gleich die lose räuberschaar
ihn beraubten und ermordten,
schlugen ihn an galgen dar.
Spee trutzn. 48, 112;

jetzt wird er ans kreutz geschlagen.
Schiller 11, 288;

übertragen:

ich will mich mit dir schlagen
ans kreuz und dem absagen,
was meinem fleisch gelüstt.
P. Gerhardt nr. 21, 85 Gödeke;

die Christus nahmen tragen,
bemühn sich fleisch und böse lust
mit ihm ans creutz zu schlagen.
Günther 21;

wenn der schulverstand, immer vor irrthum bange, seine worte wie seine begriffe an das kreuz der grammatik und logik schlägt. Schiller 10, 439.
d) einen in ketten, in bande schlagen: an kettinen schlahen oder legen, constringere catenis. Maaler 355c; schlagen, in ketten und bande, oder in band und eisen, in vincula conjicere, manicis et compedibus vinctum tenere. Frisch 2, 187b; als man Noirkarmes diese antwort zurückbringt, läszt er die gesandten gegen alle gesetze des völkerrechts in fesseln schlagen. Schiller 7, 260;

die gevangenen man dô nam
unde legete sie besloʒʒen.
si wurden unverdroʒʒen
geslagen in die îsen. pass. 476, 7 Köpke;

werd' ich zum augenblicke sagen:
verweile doch! du bist so schön!
dann magst du mich in fesseln schlagen.
Göthe 12, 86;

ihn schlugen die häscher in bande.
Schiller 11, 284;

als er zu Germansbergen
angriff den kirchenstock,
ergriffen ihn die schergen,
sie schlugen ihn in stock. wunderh. 1, 134 Boxberger.

auch: den pben der den wein auszgerfft hat, den wil man slachen in den pranger. Wiener verordn. von 1375 bei Schm. 2, 512. häufig übertragen: furcht, eigensinn, ausdehnung seiner rechte schlugen ihn in meine ketten. Klinger 2, 9; verfluchte schlafsucht! .. die bisher meine kräffte in ketten schlug. Schiller räuber 1, 2 schausp.; mich um einer erbschaft willen in fesseln schlagen zu lassen (zu heiraten). Benedix gefängnis 1, 2;

holdseligste feindin! unüberwundne schöne! ...
gefangne die uns fieng! die uns in ketten schlägt!
A. Gryphius 1, 123;

drum nicht in alte fesseln uns zu schlagen
erneuerst du diesz spiel der alten zeit.
Schiller 11, 323;

ich schlag' den geist in bande
und werf' an den mund ein schlosz.
Uhland ged. (1864) 70;

dem vogel zu vergleichen, den die schlange
mit zauberkräft'gem blick in bande schlug.
Chamisso 2, 51 Koch.

[Bd. 15, Sp. 373]


weniger sinnlich sind die verbindungen einen in den kerker, die gefangenschaft schlagen:

wie dort ir herre wêre
in den kerker geslagen. pass. 462, 31 Köpke;

wie verkehrt das glück mit ihm (Gelimer) gespilet; schachgeboten, mattgemacht: ja ihn gar aus unbeschrenkter königlicher macht und freyheit, in die gefängschafft, geschlagen hatte. Butschky Pathmos 798; ich bin ein junger mann, mein vater! der leben will .. und du hast mich in einen schändlichen nothstall geschlagen, um dich zu souteniren. Klinger theater 3, 144; mhd. auch einen gevangen slahen:

den herren man gevangen slûc. pass. 359, 10 Hahn;

das gegentheil:

Petrum man dô vrî slûch. 166, 28;

vgl. auch: an das folterseil schlahen, lassen folteren und strecken, in quaestionem dare. sich lassen an dʒ folterseil schlahen, dapffer an die peyn gon, se in tormenta dare. Maaler 355c.
e) seine zähne wohinein schlagen u. ähnl.: wie er aber den vogel (habicht) auff der bloszen hand tragen wolt, schlug er jhm die klawen in die hand. Frey gartenges. 68a; dasz eben das die klauen sind, die der tyger nur in das hölzerne gitter schlagen zu können, sich so ärgert. Lessing 10, 190; drunten im tiefsten gewölb meines pallastes sollst du heulen .. und in des hungers wut in deines gitters eiserne stäbe die zähne schlagen. Schiller Fiesko 2, 12 bühnenbearb.; wie eine ergrimmte schlange, wenn sie .. nun in die brust die giftigen zähne schlägt, und nun in den nacken. Hölderlin 2, 58 Köstlin;

der vogel Jupiters schlägt so die mächtgen krallen
in ein geputztes lamm, zum wettlaufspreis bestimmt.
Zachariä scherzh. ged. 206 (schnupft. 1, 62);

der teufel selber kömmt mit einem pferdefusze,
schlägt in des spielers haar die langen klauen ein. 284 (3, 155).

so auch:

der schmerz
schlug meine zähne knirschend an einander.
Schiller don Carlos 1, 2.

die hände wohin schlagen, vgl. I, 4, d, α:

er sluoc die hende an ir gewant
und lie si niht von dannen gên.
Konr. v. Würzburg troj. krieg 16856;

ein hant sluog er (der pfaffe) für die scham.
Laszberg lieders. 3, 226, 354;

bi dem ploge is ein geistlîk levent bekant,
dâran hebbe ik geslagen mine hant. des dodes danz 1224 Bäthcke;

do schlg der amman dhand uff den brieff und sagt: 'es ist gng'. Th. Platter 57 Boos; denn, der seine hand allzu plötzlich an den degen schläget, findet hernach reue. Olearius pers. baumg. 7b (1, 6).
f) ähnlich in den mannigfachsten verbindungen: eine bekanntmachung an eine säule schlagen u. ähnl.; etwas an die wand schlagen, aliquid parieti affingere. Steinbach 2, 426; er schlug vorschriften und gesetze, die aus vielen puncten bestanden, an alle thüren. Göthe 18, 262; dafür anschlagen: wird d. Luther auff sein eyd und doctorat gedrungen, positiones und gründe wider Johann Tetzel .. zu stellen, unnd an die schloszkirch zu Wittenberg an jrem kirchmesztag anzuschlagen. Mathesius M. Luther 11b; mit ausgelassenem object und abhängigem satz: do schlg Oporinus an die kilchen an, es weri einer, der welte rudimenta linguae Hebraicae läsen. Th. Platter 54 Boos; schlagen eines namen an den galgen, nomen alicujus patibulo affigere. Frisch 2, 187b; bildlich: sie hatte das laute gelächter ertragen, womit sich der muthwillige haufe an den lächerlichen spröden rächt, die ihre tugend marktschreierisch an alle pfeiler schlagen. Schiller 3, 574; der were ein ungeschickter medicus, der einem, so einen mangel an dem kopffe hätte, wolt ein pflaster auff den fusz schlagen. Schuppius 657; ich kan mir gar nicht einbilden, dasz herr N ... solle me insalutato in diesem stück dem Christian Klein gratificiret, und seine sichel in eine frembde erndte geschlagen haben? 588;

und mit den anderin began
vaste allumme tretin an
dî burc mit sturme unde slân
leitirn an dî zinnen.
Nic. v. Jeroschin 15906.

fische ins wasser schlagen, legen: it. v beh. vor twene dorre stogfische .. unde de sloch men in dat water, s. Schiller-Lübben 4, 226b; der bedeutung I, 6, b nahe stehend: warumb hat er solches nicht bald gethan, nach seiner aufferstehung, da er schon ein herr uber alle ding ist worden, das er möchte

[Bd. 15, Sp. 374]


alles unter seine füsze schlahen? Luther 6, 237b (am rande: warumb Christus nicht bald .. seine feinde unter seine füsze geleget habe).
g) von flüssigen dingen: den wein auf die erden slahen, auslaufen lassen, s. Lexer handwb. 2, 959; jt. Cuncze dusel von Wilnrode hat obir verboit wasser jnn den gemeyn weg geslan (geleitet?) ist x lb. mym hern verfaln. buszreg. der grafschaft Ysenburg v. 1475—82;

ein ritter hete bockes bluot
genomen in ein langeʒ glas:
daʒ sluoger ûf den adamas:
dô wart er weicher danne ein swamp. Parz. 105, 20.

so auch: und da .. ich heftiger eilend den leuchtenden regen der freude aus den augen schlug. J. Paul palingenes. 2, 140. — eier in die pfanne schlagen: die fraw in die küchen .. gieng, baldt ein feuwer auffmacht, darauff ein pfannen mit schmaltz satzt, und lieff, und zwölff eyer dareyn schlug. wegkürzer 5b.
h) etwas durch ein sieb schlagen, schütteln, drücken, seihen: durch ein leyne tch schlahen oder trucken, exprimere per linteum. Maaler 355b; schlagen, durch einen durchschlag oder sieb, percolare. Frisch 2, 187b; stosz die reyherbein zu einem sehr reinen pulver und schlahe die durch ein härins sieblein. Tabernaemont. 604 A.
i) in sich, hinein schlagen, gierig und unmäszig essen: engelische sitten kan der überkommen, der wenig isset und mäszig lebet, wer aber als ein vieh alles in sich schläget, wird als ein vieh gehalten seyn. Olearius pers. rosenth. 86b (7, 19); besonders in niederer sprachweise: 'r hot sechs brotwürst naig'— schlaga. Sartorius 148, vgl. theil 4, 2, 1422; auch sich den bauch, den wanst voll schlagen.
k) einpacken, einschlagen: slogen den licham in eyn winvat. quelle bei Schiller-Lübben 4, 227b;

der tôt (die leiche) was in daʒ vaʒ (die truhe) geslagen.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 2545;

das gekochte salz aus der pfanne in die körbe schlagen, sale cocto corbes ex aheno implere. Frisch 2, 187b; jetzt gewöhnlich vom einwickeln in tücher oder weiche gegenstände: etwas in papier schlagen u. s. w.; auf einmal trat das gute mädchen leise vor mein bette, schlug die rauchende masse (einen umschlag aus kräutern) in ihr halstuch, das sie abthat, um es mir um die stirn zu binden. Thümmel reise 2, 233; lieber herr, helft mir doch ein wenig, das kind in das tüchlein zu schlagen, denn so nackend mag ich's nicht fortbringen. Tieck 1, 130; umgekehrt ein tuch um etwas schlagen u. ähnl.: schlagen, als um etwas, wie eine decke herumschlagen, involvere matta. den mantel um das maul schlagen, partem pallii circumjiciendo os tegere. Frisch 2, 187b; nur ein unsauberes und nicht ein reines kleid schlagen die wäscherinnen umb den stein. Olearius pers. rosenth. 13a (1, 18); ich .. schlug hastig meinen mantel um mich. Thümmel reise 1, 139; dergleichen sogenannte bootmäntel sind so grosz und weit, dasz man sie einigemal um den leib schlagen kann. Forster reise 1, 107; und jetzt ist der strausz fertig, rief sie fröhlich, ich schlage ein tuch darum. Freytag handschr. 2, 91;

das deckbett schlug er um sich rum,
darunter er gelegen. wunderhorn 2, 129 Boxberger;

versprich mir,
dein haar nicht abzuschneiden, auch kein schwarzes
gewand um dich zu schlagen.
Schiller Iphig. in Aulis 5, 6;

die pfauenfeder trägst du stolz zur schau,
und schlägst den purpurmantel um die schultern. Tell 2, 1.

von andern dingen: da nam sie ir gürtelein und schlug es dem wurm um den hals und fürt in mit ir in die stat. heiligen leben (1472) 14b; er schlägt seinen arm ganz buszfertig um ihren hals. Rabener (1757) 4, 76; indem ich nicht widerstehen konnte, meine arme um den schlanken wuchs dieses lieblichen mädchens zu schlagen. Thümmel reise 2, 235 (vgl. s. 215); er hatte statt eines gurts ein dickes sail zweifach um einen grünen wollenen rok geschlagen. Schiller 4, 74; o machen sie, dasz mir das wolkenbild halte, und ich will meine glüenden arme darum schlagen. 286;

der weinstock pfleget sich nicht mit gewalt zu zwingen
umb seinen ulmen-stamm, die liebe macht allein,
dasz er sich umb ihn schlägt.
Opitz 1, 12;

um seinen degen war ein weiszes band geschlagen.
Zachariä renomm. 2, 221;

seit der hypochonder dumpfe bande
um die rein gestimmten nerven schlug.
Bürger 87b;

ja, gottes flügel, um euch hergeschlagen,
musz, ob ihr fallet, selbst den tod entbittern,
dasz ihr sein antlitz sehn könnt ohne zagen.
Rückert ges. poet. werke 1, 29;

[Bd. 15, Sp. 375]


sogar:

wenn wir kommen zu alten tagen,
wöll wirn kopf umb den altar schlagen.
H. Sachs 3, 1, 64c.

vgl. auch umschlagen allein, z. b.:

den mantel umgeschlagen.
Uhland ged. (1864) 59.

auch mit andern präpositionen: darauf schlug ich ihm ein groszes seidnes tuch über den kopf. Göthe 34, 79;

ein mantel nach tyrischer art,
von rotem purpur er antrug,
ihn sittlich auff die achsel schlug.
Spreng Aeneis 68b;

ich sah ihn (den nebel) in den schluchten bald zerflieszen,
bald über mich die feuchte hülle schlagen.
Chamisso 2, 34 Koch.


l) den speer unter den arm schlagen, besonders mhd.:

undern arm sluoc er
mit guotem willen daʒ sper. Iwein 5025 (vgl.
Beneckes anm.);

daʒ sper er undern arm sluoc. krone 16457;

jemandem etwas unter die augen schlagen, vor augen stellen: swenne er die sünden ir under diu ougen sleht. d. myst. 2, 513, 27; als nun die jungfraw jhren brüdern und freunden jren willen gantz entdeckt hatt, fiengen sie schwerlich an uber sie zu erzürnen, jhr auch desz königes ungnad offt unter augen schlugen. buch d. liebe 252b.
m) die arme übereinander schlagen: sie (Gretchen) faszte mit beiden händen ihre übereinander geschlagenen arme und legte sie auf den rand des tisches. Göthe 24, 277; die hände in einander schlagen, legen: schlahe die hende in einander ein wenig, das du schlaffest. sprüche Sal. 6, 10; denn ein narr schlegt die finger in einander, und frisset sein fleisch. pred. Sal. 4, 5; mitten auf diesem platze sasz der könig, mit kreuzweis übereinander geschlagenen beinen, auf der erde. Forster reise 1, 246; so auch etwas auseinander schlagen: der älteste .. brachte einen brief hervor den er auseinanderschlug und las. Göthe 56, 183; als dieser das zusammengerollte papier aufschlug, um zu sehen, was es wäre. Musäus volksm. 1, 41 Hempel.
n) die thür zu schlagen, durch einen stosz schlieszen (auch als éin wort, s. das.):

Belinde seufzt, und schmisz das schnupftuch in den schrank,
und schlug die flügel zu, dasz thür und fenster klang.
Zachariä scherzh. ged. 236 (schnupft. 2, 244).

so auch an die bedeutung 'explodieren' (s.schlagende wetter V, 4) anknüpfend: die gewaltsame luftausdehnung ... schlug die fenster herauswärts, mit ihnen die drahtgitter, die ... nun ... bauchartig herausgebogen erschienen. Göthe 30, 326.
o) etwas unter etwas schlagen, mischen; übertragen:

under anderen worten genûc,
dârîn er ouch dise rede slûc. pass. 205, 32 Köpke.

sprichwörtlich haare in oder unter die wolle schlagen (mischen), unredlich sein, betrügen, s. theil 4, 2, 22:

wer schlagen kan hor under woll,
der selb z hoff gern bliben soll.
Brant narrenschiff 100, 19.


p) zurück schlagen, gewöhnlich als éin wort, vgl. das.:

der erste der schlug den schleier zurück
und schaute sie an mit traurigem blick.
Uhland ged. (1864) 238.


5) weniger sinnlich in andern verbindungen.
a) zusammen, auf einen haufen schlagen u. ähnl.: alles zesamen in ein summ schlahen, referre omnia ad unam summam, summam conficere. Maaler 355c; die selben pchstaben wann man sy zsamen schlecht in ein wordt so heyst es Cupido. Wilh. v. Österreich 25a; wenn man gleich aller münche werck auff einen hauffen schlüge, wie köstlich sie gleiszen mügen, so weren sie doch nicht so edel und gut, als wenn gott ein strohalm auffhübe. Luther 4, 422a; summa so viel die person betrifft, sol man für jederman bitten, und das gebet ingemein hingehen lassen, und in einen hauffen schlahen, beide feind und freund. 6, 186a; darumb hats got gfallen, durch Christum ein verkürtzt wort anzurichten, .. und alle gsatz die nur zorn anrichten .. frey ausz dem weg zuraumen, und auff ein hauffen in eins schlagen und verfassen. Franck weltb. 123a; die krämer ... so auch mit falscher ehlen zu brauchen, und also grosz geldt zusammen zu schlagen pflegen. Kirchhof milit. disc. 135; ich befinde selbigen (den schmerz über den tod einer geliebten) so hefftig, das auch alles unglük zusammen geślagen, dessen pein und angst nicht erreichen mögen. Butschky kanzl. 891.

[Bd. 15, Sp. 376]



b) etwas wozu schlagen, hinzufügen, damit vereinigen: die zinsen zum capitale schlagen. Adelung; beutel .. in welchen ich die kleine münze einzelner empfindungen so lange sammele, bis ich sie in gute wichtige goldstücke allgemeiner anmerkungen umsetzen, und diese zu dem kapitale selbstgedachter wahrheiten schlagen kann. Lessing 8, 191; bekanntlich geht die unsittlichkeit der bettler in Kölln so weit, dasz sie den müsziggang systematisch betreiben und ihre plätze an den kirchthüren erblich hinterlassen oder zum heirathsgut ihrer töchter schlagen. Forster ansichten 1, 92; diese siebenzehn provinzen .. brachten ihrem beherrscher nicht viel weniger ein, als ganz Brittannien seinen königen trug, ehe diese noch die geistlichen güter zu ihrer krone schlugen. Schiller 7, 60; jetzt war die wahrscheinlichste hoffnung für Frankreich vorhanden, auch das Elsasz zu seinen weitläuftigen besitzungen zu schlagen. 8, 359; sobald wir merken, dasz die architektonische menschheit (als erscheinung) verschwunden, als aus einem fremden naturgebiet zu derselben geschlagen worden ist. 10, 85.
c) uber eines anderen gt die hand schlahen, manus bonis alienis afferre. Maaler 355b.
d) zoll, zins auf etwas schlagen u. ähnl.: schlagen, den erlittenen schaden auf die waare, damnum, augendo pretia rerum, resarcire. schlagen, zoll auf etwas, vectigal imponere. Frisch 2, 187b; die wîle der richter die bûʒe ûf sîn erbe slân wil. quelle im mhd. wb. 2, 2, 370a; stärweis (in halben metzen) aber sollen die wiert den haber irn gösten, so es begeren, also abgeben, das si bei jedem stär allain vier kreizer gwin haben und nit mer darauf schlagen. tirol. weisth. 1, 19, 45; ein vornehmer rath zu Parisz sahe seinen könig traurig, weiln kein gelt in der schatzkammer war, er gab ihm den rath, er solt 2 pfenning auff alle wahr schlagen, so zum markt komme. Hammer hist. roseng. 405; wie offt wird auf allerhand wahren etwas zoll geschlagen. Schuppius 695; in anderem sinne: wir haben in die funf hundert phunt zuo brautstiwer ouf den Chamerstein geschlagen (fundiert). quelle vom jahre 1371 bei Lexer handwb. 2, 959.
e) so auch etwas auf jemanden schlagen: und waʒ daʒ kost gen demselben unserm herren künig und den seinen, daʒ hat man auf dieselben geslagen die den juden schuldig waren, also daʒ yeds 100 guldein 30 g. geben solt. d. städtechron. 1, 128, 12; item nach dem an vil orten .. gewonheyt ist, so man eynen newen galgen machen, oder eynen alten bessern wil, dasz alle zimmerleut .. darz helffen müssen, dasz dann eynen groszen unzimlichen unkosten macht, solcher unkost je z zeitten auff die jhenen, so eynen übelthetter peinlichen beklagen, mit noch mer unbillicheyt geschlagen wirdet. Carolina art. 215. auch eine arbeit auf jemanden schlagen, ihm übertragen:

hievon er die arbeit slûc
ûf den, der eʒ vermochte wol. pass. 428, 74 Köpke.


f) bei Luther häufig ein gebot worauf schlagen u. ähnl.: darauff wil aber S. Petrus kein regel, mas, oder ziel stellen, als sich die orden unterstanden haben, die es alles haben mit regeln wöllen fassen, und gebot darauff geschlagen, die da solten durch und durch gehen. 2, 399a; das niemand da mit from werden kan, das man jn jrgend ein gesetze auffs gewissen schlage. 496b; das hertz sol von keinem gesetz wissen, aber auff die faust mag man alle gesetz schlahen. 3, 264b; sonst hetten sie wol ander stück mehr, oder das gantze gesetze, auff sie geschlagen. 520a; das gott ein sonderlich verbot darauff schlug. 4, 58a; das ist nu das heubtstücke der legende, das gott sein wort so reichlich schlegt uber das gantze leben. 155a; freilich nicht nach der weise (soll man alles verlassen), wie gott man und weib zusamen geben hat, warumb solte er sie sonst zusamen geben, und das gebot darauff geschlagen haben? 6, 217b.
g) in die schantz schlahen, jacere aleam. Dasyp.; er schlägt es in die schantze, de hoc non laborat. Steinbach 2, 426; gewöhnlich das leben in die schanze schlagen, aufs spiel setzen, zur erklärung vgl. DWB schanze 2, theil 8, 2163 ff.: wir sind so gar im gut ersoffen, das man ehe alles in die schantze schlecht, ehe jemands etwas lesset umbsonst faren. Luther 4, 89b; nur das man nicht sicher und frech werde, und sich in die schantz schlahe. 110b; jr sagt, jr künd ewer leben wol in schantz schlahen. 5, 42b; das heiszet das gebet in die schanze geschlagen, und auf ebentheuer hin gemurret. 10, 127 Walch; da wir glück, ehre und leben in die schanze schlugen für dich. Schiller räuber 5, 2 schausp.;

[Bd. 15, Sp. 377]


sy hett den arsz in die schantz geschlagen.
Murner schelmenz. s. 46, 21 neudruck;

o ritter, wo die lieb ein bricht
in ein hertz, darnach sie durch ficht,
bisz dasz sie uberwindet gantz
und schlecht leib, ehr und gut in schantz.
H. Sachs fastn. sp. 1, 3, 80 neudruck;

dem Tell verdank ich mein gerettet leben,
gern schlag ichs in die schanze für das land.
Schiller Tell 2, 2;

ähnlich: unangesehen, dasz er sein leib und leben darnach gewagt unnd in gefahr geschlagen hat. Fronsperger kriegsb. 3, 117b.
6) etwas in einer richtung in bewegung setzen, treiben, ihm eine richtung geben.
a) die schaaff auff die weyd schlahen, rura frigida carpere. Maaler 355c; schlagen, als schweine in die eicheln, pellere porcos in saginam glandium. Frisch 2, 187b; vgl. Schm. 2, 512 f. (c). mhd. wb. 2, 2, 369b;

da erbeiʒten die helde küene.
ir ros sluogen si ûf den plân. Laurin 903;

(er) erbeiʒte von dem pfärde nider
und sluog eʒ bî der strâʒe sider
an ein gras vil grüene.
Konr. v. Würzburg Part. u. Mel. 468;

ir vihe in einen stal er sluoc.
Bruder Philipps Marienleb. 3007;

die ros für den hueter oder wächter slahen, und das vich für den herter. quelle vom jahre 1370 bei Schm. 2, 512; desulven (kranke pferde) schlog he up Dikhusen als eines buerschops gras. Neocorus 2, 413 bei Schiller-Lübben 4, 227b; verrer wöllen wir, das durch kainen inwoner unsers fürstenthumbs merer viech auf die gemain waide geschlagen werd, dann derselbig über winter von seinem gut füeren (füttern) mög. landpot in Ober- und Niederbaiern (1516) 44a; wo auch ein landman viech kauft und das in die waid schlecht in mainung das waiter zu verkaufen. 47b; die hirten sollen wie bisher die farren unter das vieh nicht schlagen, sondern jeder die seinen allein hüten und waiden lassen, und gar nicht zusammen schlagen und bey einander hüten. Ulmer verordn. vom jahre 1581 bei Schmid 464; die lämmer so zeitlich (zeitig) jung werden, soll man zur trift im winter schlahen. Coler hausb. 323; herbstzeit aber pflegen sie mit den schafen, die man in den winter schlagen (überwintern) will, nicht in die stoppeln zu hüten. 324; es hat ein bürger 20 schwein eingekauft und selbe einem bauer in die weid geschlagen. Abele selts. gerichtsh. (1668) 128;

er wird auff besten weiden
sie schlagen in die pferch.
Spee trutzn. 200;

hirten zween in aller früh
kamen auff die weyden schlagen
jhre schäfflein, jhre küh. 325.

vgl. noch: gett aber Naturnser vich über die Etsch .. das sullen si auch herüber schlahen on schaden. tirol. weisth. 4, 19, 18; selten in intransitiver fügung: item es mag ein gast mit seinem pfert von ainem mittentag zu dem andern woll hie auf die vichwaid schlagen unentgolten. 1, 57, 8; so auch oberd., besonders bairisch, auf die haberweide schlagen, auf die stoppeln des haferfeldes, als die späteste und kümmerlichste weide, meist bildlich, jemanden zurücksetzen, vernachlässigen, dem verderben überlassen, einem liebhaber einen korb geben, etwas fahren lassen u. s. w., s. theil 4, 2, 88 f. Schm. 1, 1034. 2, 851 ff.;

ich hab auch auszgebadet jn,
wie ich vor manchem hab gethan;
wann baldt sie nicht mehr pfenning han,
so schlag ich sie auff thaberweidt.
H. Sachs 3, 3, 23a;

dann sonst wann ein pfaff vom schlafftrunck noch halb truncken were, .. oder dasz jm sonst etwan ein muck für die nase flöge, so möcht er leichtlich villeicht vor unmut sein gut fürnemmen oder intentz vergessen, oder auff die haberweyd schlagen. Fischart bienenk. 89b.
b) von menschen, die vom winde wohin getrieben, verschlagen werden, mhd.:

und wurden in vil kurzen tagen
von einem sturme geslagen
ûf sîner muoter lant. Gregor. 1840;

got .. sande ir einen guoten wint.
der sluoc sî unde ir kint
snelle von ir ougen hin. Mai u. Beafl. 152, 10;

guot weter sluoc sie dâ
die rihte gên Galâciâ.
Heinr. v. Neustadt Apoll. 15075;

vgl. mhd. wb. 2, 2, 370a (a); ähnlich noch nhd.: oho, du kerl, schlägt dich der hagel auch her? von einem unerwartet getroffenen. Simpl. 2, 10, 13 Kurz; wo schlug dich der bliz in der welt herum? wo führt dich das wetter her, mein theurer

[Bd. 15, Sp. 378]


kollega? Schiller räuber 2, 7 trauerspiel (vergl. I, 3, b, α. γ); unsinnlich, jemanden einer partei zuführen, u. ähnl.: ihr glück und ihre siegesthaten machten sie (die ersten tyrannen) weit umher berüchtigt, und der bequeme überflusz dieser neuen lebensweise mochte wohl mehrere zu ihrer bande schlagen. Schiller 9, 140; so besonders reflexiv, sich wozu schlagen, s. IV; dafür auch: alles kam zusammen, diesen monarchen (Philipp II v. Spanien) zum grösesten der welt und der geschichte zu machen, hätte er seine furchtbare überlegenheit auf die seite der wahren grösze geschlagen. Schiller 4, 91; ähnlich: aber, was etwas vernunfft hat, wird .. sich bewegen lassen unter dem gehorsam zu bleiben, und jre seele nicht so frech in die helle zum teufel schlahen. Luther 4, 443b.
c) mhd. auch einen phîl slahen, abschieszen (vgl. 3, a):

des wart Paris gewar
und slûc einen phîl dar,
in daʒ rippe er in schôʒ.
Herb. v. Fritzlar 5746.


d) einen aus der stadt schlagen, vertreiben, u. ähnl., besonders mhd., s. mhd. wb. 2, 2, 370a (b): alsô wart im (Abimelech) die stat (Sichem) vîgent und sazte sich wider im und sclgen in für die stat. Grieshaber pred. 2, 104;

des vater zorn uns von im slûc. pass. 635, 30 Köpke.

vgl. auch I, 6, c; so noch frühnhd: es hattent in den selben zitten vormals dick .. ettlich gewaltig lüt in Zürich begangen etwas unrechts und übels, darumbe sy von der statt Zürich ewenklichen geschlagen wurdent. Etterlin chronica (1507, neudruck von 1752) 81.
e) von sich schlagen, in eigentlichem sinne: wenn aber si (die lunge) den luft von ir sleht, sô klaint si sich. Megenberg 29, 28; gewöhnlich mit persönlichem object in übertragenem sinne, verstoszen: sein weyb von jm schlahen oder sich von jren scheyden, uxorem dimittere. Maaler 355b; Christo ward ein ehebrecherin fürgebracht, die auff frischer that ergriffen ward .. noch schlecht er sie nicht von sich. Luther 4, 487b; ebenso zurück schlagen (auch als ein wort, s. das.): denn auch gott, ob er wol aller welt alles guts gibt on unterlas, .. doch kan ers denen nicht geben, die es nicht haben wollen, sondern weil sie es zurücke schlahen, mus er seine wolthat an jnen verloren sein .. lassen. 6, 52a; vgl. ferner i.
f) sein haupt zur erde schlagen, zunächst ganz eigentlich, es auf den boden aufschlagen lassen:

he vêl vôr ore vôte rechte
unde slôch sîn hôvet up der vârt
gâr tigen de êrden hart. van sunte Marinen 275;

als diesen ein wisir .. erblickete, that er des knabens halber für dem könige einen fuszfall, schlug sein häupt zur erden, küssete des königs fuszschemel. Olearius pers. rosenth. 4b (1, 5); dann auch das haupt senken, auf den boden richten: nu sweigk der herre zu dissen reden unde wuste nicht vor schemden was her hir zu antworten sulde, sundern slugk das houpt nedir. Rothe düring. chron. 460; doch werden dafür ähnliche wendungen bevorzugt: darumb dorfft er nit darz antworten, und schlug sein haupt von groszer schame under sich. Aimon f 4a; und sie erschracken und schlugen jre angesichte nidder zu der erden. Luc. 24, 5; gleich verdächtigen brüdern, die auf eine schwarze that ausgehen, auf den zehen schleichen, und ihr flammroth gesicht furchtsam zu boden schlagen. Schiller Fiesko 2, 19; besonders die augen zu boden, unter sich, nieder schlagen: Galmy der ritter die hertzogin mit eynem groszen seüfftzen anblicket, zhand seine augen under sich schlagen thet. Galmy 9b; der ehrbare, tugendsame und kluge knabe schlug die augen nieder. Göthe 34, 79;

der geist in seuftzen sencken was (versank) ..
und schlug schamrot sein augen unter.
H. Sachs 1, 301, 118 Arnold;

er neigt sich, schlägt die augen unter. wunderhorn 2, 180 Boxberger;

sondern sie sollt ganz züchtiglich
die äuglein schlagen unter sich. 432;

was gibts, Mephisto, hast du eil'?
was schlägst vorm kreuz die augen nieder?
Göthe 57, 275;

dem vater gegenüber sitzt Ulrich an den tisch:
er schlägt die augen nieder.
Uhland ged. (1864) 366;

schlag nicht so die augen nieder.
Eichendorff2 1, 487.

umgekehrt: thränenvoll schlug sie das auge aufwärts. Fr. Schlegel Florentin 1, 42;

da schlägt der bursche die augen auf
und schlägt sie nieder mit schmerze.
Uhland ged. (1864) 212.

[Bd. 15, Sp. 379]


andrerseits die augen auf und zu schlagen, öffnen und schlieszen:

(ich) schlug die augen zu nach langer zeit
und schlug sie wieder auf.
Chamisso 2, 51 Koch.

überhaupt seine augen auf etwas, wohin schlagen, richten: (dasz) derselbe darzu lächelte, und als er die augen auff ihn schlug, des ansehens nicht satt werden kunte. Olearius pers. baumg. 6a (1, 6); hastu nicht auf alle die an meinem hofe vorbey gangen, und allein auff die leibeigenen dein gesichte geschlagen? 7a; es ist auch dieses dem menschen gleichsam angeboren, dasz er allezeit mehr seine augen schläget auff das, was ihme schwer und traurig, hergegen das, was angenehme und ergötzlich, übergehe. Schuppius 780;

der grosze schöpffer wolt indesz die augen schlagen
auff Carlens sein gebet.
D. v. d. Werder 8, 70, 1;

der ein verständig aug' auf solches wachsthum schlug.
Chr. Gryphius poet. wälder 1, 287;

kein auge von etwas schlagen, verwenden:

als Feder, der noch immer die wunde bey sich trug,
kein auge von Melissen und von dem Damis schlug.
Dusch verm. werke 146.

dafür intransitiv mit den augen schlagen:

ich nam in acht, wasz die (stimme) doch sagt,
that hin mit augen schlagen.
Spee trutzn. 225.


g) so auch unsinnlich, sein herz, seine gedanken, hoffnung u. s. w. worauf schlagen: dann doselbst nimpt eyne eynen mann alleyn wie eynen leib unnd eyn leben, und schlegt jre gedancken auch nit fürter oder weitter, das sie nach diesem begerte oder gedecht eyn andern z haben. Micyll Tac. 444a; wan dan nun ein frommes kind were, welches angefangen hette sein hertz auff etwan eine creatur zu schlagen. Spee güld. tugendb. 256; der sohn gottes freyet dich .. sein hertz und lieb hat er auff dich geschlagen. 450; seine gedancken musz er auff den geist gottes schlagen, nicht aber darauff, dasz er leicht verstoszen ... werden möge. Olearius pers. baumgarten 4a (1, 5); wie ängstiglich und betrübt musz der schlaffen, der sein hertz und augen auff eines andern tisch geschlagen hat. 69b (6, 3);

alle zît mîn hoffen ...
slâ ich daran, des mir mîn lieber herre gan. pass. 676, 14 Köpke.


h) acht schlagen auf etwas, darauf rücksicht nehmen, es beachten, besonders nd.: he berede, eft he dar nene acht up en sloghe. quelle bei Schiller-Lübben 4, 228a;

ob jemand um dich weint und klaget,
da schlägst du wenig acht darauf.
Chr. Gryphius poet. wälder 1, 488.

gewöhnlich mit auslassung von acht: Esau en sloch dar nicht alto velle uppe de rechtigkeit (seiner erstgeburt). quelle bei Schiller-Lübben a. a. o.; so overmodich, also dat hie to deme lesten uppe yuwen mogentheit nicht en sleit. ebenda. vergl. brem. wb. 4, 801. 6, 204.
i) in den wind schlagen, nicht beachten, aliquid negligere: er schlägt alle vermahnungen in den wind. Steinbach 2, 426; und jr sprecht, sihe, er ist nur müde, und schlahets in den wind. Mal. 1, 13; mit diesen worten schlegt er gottes gebot in wind dahin, und redet so leichtfertig davon. Luther 4, 21b; die das gesetz in wind schlagen. 200b; jr wöllet nicht in wind schlahen die göttlichen verheiszungen und trost. 5, 42b; und damit gott gar hoch erzürnen, das sie sein ernst gebot, so sicher in wind schlahen. 6, 34a; aber es werden villeicht sein, die auch dise art des wollusts in wind schlahen, und darfür in der freund lieb unnd beiwonung sich ergetzen. S. Franck moriae encomion 14b; so wil ich erstlich gebetten haben, dʒ ein jeder wolle gute fleiszige achtung auff seine wacht haben, und nicht vor geringe sachen, oder in scherz und windt schlagen. Reutter v. Speier kriegsordn. 34; du schlugest damahls meinen guten rath in den wind, und woltest mir nicht beyfall geben. Olearius pers. rosenth. 14a (1, 18); aber ich habe solche guthertzige lehre allezeit in den wind geschlagen. 32b (2, 14); ich bitte daher recht sehr, mit gewissenhafter treue dergleichen dem papier zu vertrauen, und nicht allenfalls in wind zu schlagen. Bettina briefe 2, 186;

so wirt der ellenden gedult
nicht in den wind geschlagen.
Weckherlin 33 (ps. 9, 22);

ach! wollet jhr mein pein, layd, klagen,
und mein getrewe pflicht
(gantz unerbitlich) in wind schlagen? 399 (od. 1, 19, 5);

schlag alles in den wind, was böse leute dichten.
P. Gerhardt 4, 31 Gödeke;

schlagt nicht eur eigen glück so ruchlosz in den wind!
A. Gryphius 1, 174;

[Bd. 15, Sp. 380]



sie (die echten dichter) lachen aller splitter-richter,
und schlagen geitz und neid in wind.
Günther 156;

schlagt meine warnung so nicht in den wind!
Grillparzer4 5, 34 (könig Ottokar 1).

andrerseits auch aus dem winde schlagen, in ganz demselben sinne (vgl. k): weil er alle gute vermahnung wie hier der Simplicius offt aus dem wind geschlagen. Simpl. 1, 595 Keller (1, 4, 12); ähnlich: das man dis gebot für allen dingen gros, und hoch achte, und in keinen schertz schlage. Luther 4, 390b; und sollen wissen, das gott in keinen schertz wil geschlagen haben, sondern zürnen und straffen, wo wir nicht bitten. 415a; in etwas anderem sinne: denn ich weis, das mirs die welt nicht bezalen sol, noch kan, ... sondern ich wil viel mehr jr zuwider, fortfaren guts zu thun, ... und wil also meine wolthat frey in die lufft schlahen, und williglich verlieren. 6, 50a.
k) dieselbe bedeutung hat sich etwas aus dem kopfe schlagen u. ähnl., vgl. Adelung (gegen ende): sich alle gedanken aus dem kopfe zu schlagen, ist zwar der gewöhnliche rath, den der arzt gibt (zum einschlafen). Kant 1, 308; schlage dir nur diese schwermüthigen grillen aus dem kopfe. Cronegk 1, 99; von hertzen schlahen, vergessen, delere ex animo. alle sorg von hertzen schlahen oder hinweg nemmen, deducere curas animo, ex animo curam ducere. kumber und trauren von hertzen schlahen, moerorem atque luctum deponere. Maaler 355b; lieber wöllest du ... schlachen die schedlichen bösen flammen uszer dem küschen hertzen diner bruste. Niclas v. Wyle translat. 29, 8 Keller;

groszen unmt soll man ausz dem herzen schlagen.
Uhland volksl.2 41 (16, 8).

selten aus den augen schlagen: wie gewaltiglich er den tod aus den augen schlegt, und wil nichts wissen vom sterben noch von sünden. Luther 5, 62a. am häufigsten sind abstracte wendungen: ausz dem sinn schlahen, ex memoria deponere. allen verdrusz ausz dem sinn schlahen und nebend sich setzen, molestias deponere. Maaler 355b; ich wil mir das aus dem sinne schlagen, delebo hoc ex animo meo. aus den gedanken schlagen, rei memoriam ex animo expellere. ich schlage mir alle sorgen aus dem gemüthe, mitto omnem curam de pectore. Steinbach 2, 426; darumb ht dich fleisziglich vor sollichen gedancken vergangner wollüst, schlah sy ausz der fantasy und deim anmt. Keisersberg schiff der penit. 24a; darumb, mein Wernhard, schlag ausz deinem gemüt solche lasterliche gedancken. Galmy 64a; darumb so wer mein raht, jr schlgt es ausz dem sinne und gemht. buch d. liebe 18c; ich ... habe mich erst vor kurzem um meine besitzthümer bekümmert. vielleicht hätte ich wohl gethan, sie mir noch länger aus dem sinne zu schlagen. Göthe 20, 235; was gewöhnliche menschen .. nur vorübergehend quält, was sie sich aus dem sinne zu schlagen suchen. 26, 248; ein unheil das wir selbst aus dem sinne schlagen möchten. 30, 161; dadurch erweiterte sich aber der einfall .. dergestalt, dasz er seine anmuth verlor und ich ihn als lästig aus dem sinne schlug. 48, 12;

all tödtlich sünd vermeyden wölst.
all päse rach, schlag recht von mt.
Schwartzenberg 114b;

schlacht das hertzleidt ausz ewrem sin.
H. Sachs fastn. sp. 1, 11, 363;

vergisz mich stets und schlag mein bild
von nun an aus dem sinne.
Günther 323;

sie, die ich früh im herzen schon getragen,
dann wieder weislich aus dem sinn geschlagen.
Göthe 2, 18;

mein mädel, Rudolf, bekommst du nicht,
das schlag dir nur frisch aus dem sinne.
Körner 1, 202.

jetzt veraltet ist aus der acht schlahen: das evangelium unnd wort gottis .. fellt bey weylen uff die, die es nicht annemen und gar ausz der acht schlahen. Luther 12, 497, 10 Weim. ausg.;

sonst schlügest du den jammer nicht gäntzlich aus der acht.
Chr. Gryphius poet. wälder 1, 488;

der fürst schlag aus der acht
das angenehme bild!
A. Gryphius 1, 125 (Cathar. 2, 120);

der fürst schlag aus der acht
was zorn und argwohn dicht. 52 (Leo Arm. 3, 270).

auch einfach von sich schlagen (vgl. e): las die trawrigkeit nicht in dein hertz, sondern schlahe sie von dir. Syr. 38, 21; unnd ist von nöthen, dasz du die zeitlichen sorgen von dir schlagest. Frey gartenges. 72a; bei Luther sehr oft ausschlagen, s. theil 1, 952: damit kanstu die gedancken und zweiveln ausschlahen. 5, 400b;

mach ledig dein gefangen hertz
von jr lieb, so nemt end dein schmertz, ...
schlag ausz dein meyden und dein sehnen.
H. Sachs 5, 214a.

[Bd. 15, Sp. 381]



l) eine arbeit von der hand schlagen, schnell erledigen, abthun:

und schulden einkassiren, ist gewisz
auch kein geschäft, das merklich födert, das
so von der hand sich schlagen läszt.
Lessing 2, 191.


7) etwas durch schlagen in eine form bringen.
a) mit adjectivischer bestimmung, vgl. 2: etwas weich, platt schlagen u. s. w.: wodurch sich das gewebe gleicher schlagen läszt und klarer erscheint. Göthe 23, 64; bildlich: als ihm Roquairols erklärende worte .. das leben immer durchsichtiger und flitterhafter schlugen (wie z. b. dünne goldplättchen). J. Paul Titan 2, 115;

doch getrost! versuch und schlage
felsen durch die thränen weich.
Günther 254.


b) etwas in einer bestimmten form anordnen: holz in klafter schlagen: wann .. das krumme oder lager-holtz, schoppen und abraum in klafftern geschlagen (sind). Fleming teutscher jäger 40a; papier in form eines briefes: (da) schimmert mir von fern etwas weiszes im sand entgegen. wie ich hinzutrete, ist es ein papier, in form eines briefs geschlagen. Schiller 4, 342; ein gewand in falten, bildlich: niemand verstand wie er (Platen), ernste würdige gedanken in die langhinwallenden falten einer feierlichen ode zu schlagen. Treitschke d. gesch. 3, 692; ein tuch in knoten: ihr groszes gelbes fahnentuch .. hing in den knoten geschlagen um die stange. Freytag ahnen 5, 4; das haar in locken: während mir Bastian das haar in locken schlug. Thümmel reise 3, 73; etwas ins kreuz:

sie (zwei riesen) hielten, ins kreuz geschlagen,
die hellebarten vor.
Uhland ged. (1864) 408.


c) etwas in eine dauernde form bringen, wozu verarbeiten, metall zu blech schlagen: denn die pfannen solcher sünder sind geheiliget, durch jre seele, das man sie zu breiten blech schlahe, und den altar da mit behenge. 4 Mos. 16, 38, vgl. 39; schlagen, gold zu dünne blättlein, aurum cudendo in bracteas extenuare. Frisch 2, 187a; gold zu münzen, ringen, armbändern schlagen u. ähnl.; bildlich: in meinem alter, worin andere schreiber und philosophen und dichter, geistig wie körperlich, durch lauter funken-geben zu hohlbauchigen und gekrümmten feuerzeugen geschlagen und ausgetieft sind. J. Paul komet 1, xiii f.
d) als etwas verwenden, wozu verwandeln:

die swert sol man zû sechen slagen,
zû houwen die glêvînen. erlösung 1509.

vgl. auch I, 4, g, β.
e) so besonders z gält schlahen, adaerare Maaler 355c; aere aestimare Steinbach 2, 427; schlagen, etwas zu geld, als geldswert, adaerare, ad aes revocare. Frisch 2, 187b: indem ich nun die eintzige erbin von meiner eltern verlassenschafft war, so fand sich gar bald ein wohlhabender kauffmann, der .. nebst meinem zu gelde geschlagenen erbtheile, die vormundschafft übernahm. Felsenb. 1, 392.
8) ausdrücke des rechtslebens, ausgehend von der bedeutung seine hand in die eines andern schlagen, vgl.:

und wenn sich männer frei erheben
und treulich schlagen hand in hand,
dann tritt das innre recht ins leben
und der vertrag giebt ihm bestand.
Uhland ged. 100;

was ihr ganz unverfälschter mund
und die geschlagne hand gieng ein,
da sprach das hertz das amen drein.
Neumark lustwäldchen 122;

daʒ die underköufel keinen kouf mit der hant dar slahen noch bestæten. quelle im mhd. wb. 2, 2, 369a; da nämlich durch den handschlag ein vertrag bekräftigt und rechtsverbindlich gemacht wird, so wird mit der hand dem empfänger gewissermaszen zugleich der zu übergebende gegenstand in die hand geschlagen; so besonders mhd.:

sus sluoger si (die gekauften juwelen) im in die hant.
Stricker Amis 2135;

alsô sluoc er mirʒ an mîn hant. märe vom feldbauer 91;

dor noch der keyszer alzu hant
slug im sein swester all an die hant,
das sie sein fraw solt sein.
Keller altd. ged. 233, 11;

und nam die hand der tochter, und schlug sie Tobie in die hand. Tob. 7, 15. das 15. und 16. jahrh. sagt gewöhnlich nur einem etwas dar schlahen (vgl. theil 2, 789); in der späteren sprache ist dieser gebrauch des wortes überhaupt ausgestorben:

'nuo slahets uns vrœlîche her.
wir suln si koufen', sprach er.
sus wurden si im dar geslagen.
Stricker Amis 1773—5;

herr, mein herr will eur tochter han,
nu schlacht ims dar in gottes nam. fastn. sp. 499, 24;

[Bd. 15, Sp. 382]



fro war der pawer, schlug jms dar.
H. Sachs 2, 4, 33d;

darum gib dein hand so dich beniegt,
und schlag mirs dar zu dienen mir.
Thurneisser archidoxa 7a;

das er .. iren vatter ansprach, das er im sein tochter solt zum weib geben .. der vatter schlegt sie im dar. Lindener Katzip. 27; auch schlagen allein für verkaufen (?):

er hât gestriten strîtes mê
denn er uns gürtele habe geslagen. Virginal 348, 13 (vgl.
Zupitza's anm.).


9) gewerbeausdrücke, meist von der bedeutung 2 ausgehend.
a) bei den buchbindern das ungebundene buch nach dem planieren mit dem schlaghammer schlagen, um die bogen von allen falten und unebenheiten zu befreien. Jacobsson 3, 610. 7, 226b; bücher schlagen, libros malleare, malleo tundere. Stieler 1811; schlagen ein buch, als die buchbinder, folia libri consuenda malleo compingere. Frisch 2, 187b; wolgeschlagen buch, malleatus liber. Dasypodius.
b) wolle schlagen, die auf einer horde ausgebreitete wolle unter häufigem wenden mit dünnen stöcken schlagen, um sie von sand und unreinigkeiten zu reinigen. Jacobsson 3, 610b; schlagen, als wolle zum kämmen, lanam baculis verberare et ad opus praeparare. Frisch 2, 187a: dô was ein armer man in der stat, der kunde wollen spinnen ader wollen slahen. myst. 1, 226, 12.
c) schlagen, das tuch im weben, fila texturae pectine arundinaceo condensare. Frisch 2, 187a.
d) so auch zu faden schlagen (vgl. theil 3, 1233 f.), bei den webern: die kette einrichten, bei den schneidern: mit groben stichen nähen; schlagen, als beym nehen, zu faden schlagen, filo aliquid obiter consuere ut aliquandiu teneat. Frisch 2, 187b; gewöhnlich bildlich, eine sache beginnen, die erste vorläufige arbeit thun: weil ich mir sagen lassen, die meinste bulschafften würden in Italia an solchen heiligen örtern (kirchen) gestifftet und zu faden geschlagen. Simpl. schr. 3, 97, 3 Kurz; weil nun nicht auch vor mich aufgedeckt worden .. kriegte ich eine geräucherte bratwurst beym zipffel, und schlug selbige auf abschlag zu faden. 300, 17; so waren die personen arrangirt, das stück zu faden geschlagen und jetzt muszte gewoben werden. Hauff 12, 207 Hempel.
e) bei den hutmachern schlagen oder herunterläutern, den zeug zu einem hute mit dem fachbogen schlagen, um ihn von unreinigkeit zu befreien. Jacobsson 2, 255b.
f) bei den schuhmachern einen schuh auf oder über den leisten schlagen; oft bildlich: er schlägt alles über éinen leisten, behandelt alles auf dieselbe weise, nach éiner schablone; über einen leisten schlagen, eadem forma percutere; alle über einen leisten schlagen, eodem calopodio omnes calceare. Steinbach 2, 427; es sind auch nicht alle frauenzimmer über einen leisten geschlagen. Avanturier 2, 58.
g) bergmännisch, kohlen schlagen, los schlagen, durch aushauen gewinnen. Veith 419; das kohlenschlagen geschieht mit keilen. ebenda; in älterer zeit von erzen:

die berggeselln sind hübsch und fein,
schlagen gold und silber aus fels und stein.
der eine schlägt das silber, der andre das gold. alter bergreien, s. ebenda.


h) die ruthe, wünschelruthe schlagen. Veith 389, vgl. 3; häufiger intransitiv die ruthe schlägt, s. V, 12, a, δ.
i) nd. im deichwesen, den kolk (loch im deiche) slaan, stopfen und ausfüllen: den kolck soelen de karspell-luide helpen slaen so hoch, dat de dagelikes vloet dar nicht averginge, s. brem. wb. 4, 801.
k) nautisch, wasser schlagen, mit einer pütte wasser aus der see schöpfen, z. b. um das deck zu spülen. Bobrik 728b.
10) weitere besonderheiten.
a) dem nd. ist eigenthümlich die verwendung von schlagen in dem sinne 'etwas worauf anschlagen, abschätzen': scaden, den sie slan uppe twehundert mark. Ilsenb. urk. von 1314 bei Schiller-Lübben 4, 228a, besonders slân vor nicht, für nichts achten: den ban sloch de markgreve vor nicht, s. ebenda; doch wart he vaken gewarned, dat sloch he vor nichtes. ebenda; im hd. ist etwa vergleichbar: alle würff ein pfennig schlahen, in medium singulos denarios in singulos talos conferre. Maaler 355b; unsere schwermer .. die da viel davon (vom wort gottes) können schwatzen .. und schlagens gering hin, haben nichts davon gefasset. Luther 3, 161b; vgl. auch eins gegen das andere abschlagen, aufheben, ausgleichen:

o hercz, hâstû ye sss erkant,
dâ nym das sawer für, ...
alsô slach ains gein andern ab.
Oswald v. Wolkenstein 114, 2, 17.

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b) die karte auf jemand schlagen, einem die karte legen, um ihm daraus wahrzusagen: als sie vorgestern wegeilten, liesz ich die karte auf sie schlagen, und derselbe ausspruch wiederholte sich dreymal. Göthe 25, 282.
III. etwas durch schlagen herstellen.
1) sinnlich concret, besonders von baulichkeiten u. ähnl.
a) von gebäuden, eine burg schlagen: her Philips von Isenburg ... machte ein nuwe burg unde slug di uf einen stein nit verre von Limpurg. Limb. chron. 49, 19 Wysz; item in diser selben zit da slug lantgrebe Herman zu Hessen eine burg uf den Wedelberg bi dem stedichen Nuwenberg. 75, 8; item in den geziden vurgeschreben .. da slug grebe Ailf zu Ditze unde zu Nassauwe eine nuwe burg uf di Arde. 89, 24. durch den zusatz auf den stein u. ähnl. nähert sich schlagen hier der bedeutung II, 4. auch eine mühle schlagen: mhd. eine mül slahen s. mhd. wb. 2, 2, 368b (vom jahre 1315); wir sullen ouch furbaʒ auf den alten mülslac oberhalben des dorfes nimmer mêr chain mul geslahen noch gemachen. urk. vom jahre 1361 bei Lexer handwb. 1, 2225 (s. v. mülslac); item dawider hat der mairhof den gewalt und auch recht, das niemant kain mül soll schlahen in Phunser pach, on Pürcher und Laffoirer, ob sei ain mül schlahen wollent, so gebent sei dem mairhof vj mut muskorn. tirol. weisth. 2, 311, 27 f.
b) ein zelt schlagen, auch aufschlagen (s. theil 1, 723); hier der bedeutung II, 4 am nächsten stehend: dar sloghen se ere telten. quelle bei Schiller-Lübben 4, 227b; und (ich) wil seinen stuel oben auff diese steine setzen, die ich verscharret habe, und er sol seine gezelt drüber schlahen. Jerem. 43, 10; da wir nun um die neunte tagesstunde zu Attila's zelten kamen .. wollten wir auf einem hügel unser zelt schlagen. Freytag bilder12 1, 148;

an daʒ selbo velt
sluogin zuêne hêren ir gezelt. meregarto 2, 10;

si slgen iri gecelte
ane dem berge Suêbô. Annolied 284;

dâ was geslagen manec gezelt
al umb die stat wan gein dem mer. Parz. 16, 26;

se slôgen up dat grône velt
beneven dem water ere telt. van d. holte d. hill. cruzes 337 (vgl. 311);

wo schlaget er die zelt?
Spee trutzn. 41;

hie auf dieser liebesmatt
Cupido vor dreien tagen ...
wollt sein zelt und lager schlagen. wunderhorn 2, 222 Boxberger;

ähnlich:

den (rittern) wâren pavelûne
und hütten ûf daʒ gras geslagen. Trist. 5351;

in holem wald, der deutlich schallt,
ein hüttlein werd ich schlagen.
Spee trutzn. 88.

ein lager schlagen: das läger schlahen, castrametari Maaler 355b. Stieler 1811, castra statuere Steinbach 2, 425; das schlagen eines feld-lagers, castrorum metatio Frisch 2, 191c; darnach zogen sie fort, und schlugen jr lager auch an Ammao. 1 Macc. 3, 57; als aber Jonathas und Simon sein bruder solchs merckten, flohen sie .. und schlugen ein lager am see Aspar. 9, 33; läger ins feldt zw schlagen. Kirchhof milit. discipl. 124; und (ich) gelangte den 27. august nachmittags gegen das lager von Brocourt. auf einer fläche geschlagen war er zu übersehen. Göthe 30, 13;

indessen khäm' ein freünd, die statt mit krieg zuplagen;
fieng an, zu nähst um dich sein läger her zuschlagen.
Rompler v. Löwenhalt 78;

hier unter diesen felsen lasset uns
halt machen und ein festes lager schlagen.
Schiller jungfr. v. Orl. 2, 1.

schlagen, eine wagenburg um etwas, vehiculis conjunctis circumdare, oder cingere, propugnaculum e vehiculis facere. Frisch 2, 187b; das deine feinde werden umb dich, und deine kinder mit dir, eine wagenburg schlahen, dich belegern. Luc. 19, 43;

gott hat um dein lager hier
eine wagen-burg geschlagen.
B. Schmolck bei
Wackernagel leseb. 2, 556, 2.

scherzhaft: zur zeit der berühmten messe war eine wagenburg um ihr (der wirtin) haus geschlagen. Thümmel reise 1, 196.
c) eine brücke über einen flusz schlagen, ponte fluvium jungere; er schlug eine brücke, pontem in fluvio faciebat Steinbach 2, 426; item wann man die prucken zu Vochenthal neue schlagen will. tirol. weisth. 1, 122, 4; die im die brugg hulfent schlachen und machen. quelle im mhd. wb. 2, 2, 368b; zehenmal versuchte der feind, eine schiffbrücke über den Inn zu schlagen. Schiller 8, 413; freier: hinter dem kreutzfahrer schlägt der kaufmann seine brücke, und das wiedergefundene

[Bd. 15, Sp. 384]


band zwischen dem abend und morgen .. befestigt und verewigt der überlegende handel. 9, 224;

sie wollten auch dem feind zur flucht
ein goldne brücken schlagen. wunderhorn 2, 302 Boxberger;

vom gedanken bis zur that
schlug ich dreist die brücke.
Freiligrath glaubensbekenntn.2 312.


d) auch sonst von bauwerken und bautheilen, vgl.:

die der schaffende geist einst aus dem chaos schlug,
durch die schwebende welt flieg ich des windes flug.
Schiller 1, 274.

ein werk schlagen, die wasserleitung zu einer mühle herstellen: auch sullen di mullner all ir werch slahen und di wur furen der stat ân allen schaden. tirol. weisth. 4, 427, 19; ein fach, eine wasserschwelle in flüssen zum fischfange: all zinsvischer haben und mugen miteinander ain vach im aschnlaich slahen, und dasselb vach soll der ausserist stecken ain pergklafter weit vom land in das wasser .. geschlagen werden. 9, 32—35; ein gewölbe schlagen, bildlich: da sol mein hertz und gewissen .. kurtz zugedeckt sein, und drüber geschlagen ein gewelb, ja ein schöner himel, der es gewaltiglich schütze. Luther 6, 40a. so auch einen herd schlagen, aus lehm u. s. w. herstellen, bei bäckern und in schmelzhütten, s. Jacobsson 2, 244b. 3, 610b. estrich schlagen, pavire, pavimentare. Stieler 1811. schlagen, als leinen oder ästerich, aream horrei vel pavimentum pavicula planare. Frisch 2, 187a; mnd. einen zaun schlagen: hirto is ghedeghedinghet, dat men scal slan enen thun eder planken. hannov. urk. vom j. 1357 bei Schiller-Lübben 4, 227b.
2) sehr häufig von metallarbeit: schlagen, mit schlagen verfertigen, als einen kessel, und anders geschirr, mallei ictibus formare. Frisch 2, 187b.
a) waffen, schmuckstücke, geräte aus metall schlagen, schmieden, herstellen (vgl. II, 1, f. 7, c); besonders mhd.:

ir (der goldenen schuhe) was hie ein michel teil geslagen. Rother 2137;

diu ketene dâ eʒ hanget bî,
diu ist ûʒ silber geslagen. Iwein 591;

ouch hieʒ er einen koph dar tragen
von rôtem golde geslagen. Tristan 8762;

und helme vil guote ûʒ stahele geslagen. Kudrun 1107, 2;

ir anker wârenvon îsen niht geslagen,
von glocken spîse gegoʒʒen. 1109, 1;

der swerte wurden driu geslagen
von einem smidemeister guot. Biterolf 126;

von golde was der poum geslagen.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 13243;

so en dede der anderen provenden ein
nauwe des jârs einen beker slein. Theophilus 75;

die dâ diu spitzigen meʒʒer slahent .. unde die dâ armbrüste machent unde swaʒ sô getâner hantwerke sint. Berthold v. Regensburg 1, 562, 19; dann er (der bürgermeister) vermeinet ja sowol ein rittermessiger mann .. z seyn und liesz im z Erffurt einen gantzen kürisz schlagen. Kirchhof wendunm. 1, 186 Österley (1, 158);

auch die rüstung, die er würde tragen,
künstlich von Hephästos hand
aus gediegenem gold geschlagen.
Schiller Iphig. in Aulis 4. chor 1339.


b) so namentlich geld, münzen schlagen: ein guldinen pfennig schlahen, gulden pfennig machen oder müntzen, signare ex auro denarium Maaler 355a; falsche münze schlagen, nummos adulterinos percutere, pecuniam improbam cudere, signare Stieler 1811; geld schlagen, monetas cudere. Steinbach 2, 425; alle die münze die ûf Züricher gebrêche geslagen werdent. s. mhd. wb. 2, 2, 368b, vgl. auch Lexer handwb. 2, 959. Tobler 391a; dat men nie penninge solde slan. Schiller-Lübben 4, 227b; wie man phenninge slân sol. Schwabensp. 165; alle die phenninge, die man in tiutschen landen sleht, die suln mit rehte phündic und wîʒ sîn. ebenda § 8; der konig .. furte mit ime monzer, di ime alle dage gulden slugen. Limb. chron. 82, 1 Wysz; und (ich) gebe dir gewalt eigene müntze in deinem lande zu schlahen. 1 Macc. 15, 16; beschlossen im rat, .. das man also dise münz zu êren dem kaiser schlahen sol. Aventin chron. 1, 736, 17 Lexer;

dat aldaer Reinout de Vries
die valsche penninghe sloech. Reinaert 2675;

(ein land) da man die alten schwänck' in neue formen drücket, ..
und auf die groschen hält die jener könig schlug,
der hörner auf der müntz an statt der crone wug.
A. Gryphius 2, 93;

schlägt er nicht geld, wie der Ferdinand?
Schiller Wallenst. lager 11.

[Bd. 15, Sp. 385]


mhd. häufig bildlich verwendet:

eʒ ist in unsern kurzen tagen
nâch minne valsches vil geslagen.
Walther v. d. Vogelweide 82, 4;

welt ir von mir zol oder zins
ze lande füeren unde tragen,
der sol gemünzet und geslagen
mit swerten hiute werden. troj. krieg 34448;

ob er ain lugi slachen tätt.
Laszberg lieders. 3, 283, 24;

thaler aus etwas schlagen, geld daraus gewinnen (vgl. II, 7, e): weil ich thaler schlug aus dem Strahlauer herrn seinen rehen. lief ungemünztes geld genug im wald herum. Ludwig 3, 66.
c) so auch sein zeichen worauf schlagen: item inn dreierley weisz würd die müntz gefelscht, erstlich wann eyner betrieglicher weisz eyns andern zeychen darauff schlecht. Carolina art. 111; ähnlich:

ûf einen smalen stîc ze hant ...
der mûl sîn spor sluoc. krone 12775.


3) in andern handwerken:
a) bergmännisch, grubenbaue, schächte, gesenke schlagen, durch ausbrechen des gesteines herstellen. Veith 418; einen stollen treiben oder einen richtschacht schlagen s. ebenda; beim bergbaubetriebe nennt man schlagen, ausschlagen die herstellung einer öffnung in das gebirge. Scheuchenstuel 211; bohrlöcher schlagen, abbohren, mit bohrer und fäustel in das gestein hineinarbeiten. stufen schlagen, in das gestein einhauen. bühnen, dämme, kästen, tragwerke schlagen, herstellen. stempel, thürstöcke schlagen, aufstellen. Veith 419.
b) treibscherben schlagen, kleine irdene gefäsze aus thon, der sich sehr fest brennt, weil sie dicht geschlagen werden müssen, s. Jacobsson 8, 9b.
c) nd. lêmsteine slân, formen. Schambach 320b.
d) in der feuerwerkerei raketen schlagen u. ä., die raketen- und schwärmer-hülsen mit ihrer ladung füllen. Eggers 2, 811.
e) von flüssigen gegenständen, sie durch schlagen gewinnen: schlagen, als öl in der öl-mühl, exprimere oleum. Frisch 2, 187b, vgl. DWB ölschlägel, DWB ölschläger th. 7, 1286. — most schlagen: sie (die menschen vor der sintflut) haben allerley edle frücht gehabt .. darausz sie jre hohenaster, und köstliche öpffel unnd birnmöst geschlagen. Mathesius Sar. 9b.
f) schaum schlagen, beim barbier, durch wiederholtes schlagen herstellen: wer einen rechten seifenschaum zu schlagen weisz. Göthe 15, 59. in der kochkunst schnee schlagen, eiweisz durch anhaltendes schlagen mit einer gabel oder einem schaumlöffel in einen schneeähnlichen zustand bringen.
g) überhaupt etwas woraus herstellen, besonders bei maszangaben, z. b.: item auch ist zu mercken, daʒ dieselben becken slugen albeg aus einem sumer 5 oder 6 metzen kleien, nachdem und daʒ korn gut und wolgemalen was. d. städtechron. 2, 305, 9.
4) feuer schlagen: schlagen, als feur anschlagen im feuerzeug, silice scintillas e chalybe elicere. Frisch 2, 187a; des fräwent si sich und lâʒent ir segel nider und senkent ir anker in daʒ mer und slahent feur auf den sant. Megenberg 247, 21; er schlug feuer seine pfeiffe zu zünden. Schiller 4, 75;

die kritischen wölfe.
wenn sie von menschenwitterung gelockt, dich hungernd umheulen,
wandrer, schlage du nur feuer, sie laufen davon. 11, 157;

lieber, geh doch, schlag
mir feuer, leg holz an, stell wasser bei.
Göthe 13, 148.

feuer aus den helmen schlagen, im kampfe, besonders mhd.:

ob er ie hundert sper zebrach,
gesluoc er viur ûʒ helme ie. Iwein 3354;

vil fiwers er von helmen sluoc. Parz. 112, 29.

noch anders gewendet:

swieʒ ie kom, ir munt was rôt:
der muose alsölhe varwe tragen,
man hete fiwer wol drûʒ geslagen (daran entzündet). 257, 20.

vom blitze (vgl. V, 4):

auch Pallas prahlt und gläntzt mit einem donner-keile,
der wie des Jupiters das feuer dreyfach schlägt.
Günther 495.

feuerschlagende büchsen: dasz wir allen den unsern ernstlich verbieten ... kein feuerschlagende oder andere büchsen über land zu führen oder zu tragen. schreiben des rats von Nürnberg vom jahre 1532, s. anz. des germ. mus. 1865, 238. ein licht schlagen: doch schlug er mit seinem feuerzeug ein licht. Schwab volksb. 1, 202. funken schlagen:

[Bd. 15, Sp. 386]


du, dessen wort aus vester dunkelheit
den funken schlug, die sonne, schlage weisheit
aus meiner seele, die zu dir auffleucht.
Herder 27, 394 Suphan;

im walde läuft ein wildes pferd ...
schlägt funken bei allen tritten.
Uhland ged. 387;

in folgender stelle der bedeutung II, 4 sich nähernd: schicksal, warum schlugst du in den menschen den funken einer liebe, die in seinem eignen herzblut ersticken musz? J. Paul Hesp. 2, 109.
5) musikausdrücke und verwandtes, vgl. II, 1, h und V, 9.
a) den takt schlagen, durch schläge mit der hand oder dem taktstock angeben: den tackt schlagen, cantum numerosque in concentu moderari Stieler 1811; schlagen, den tact im musiciren, symphoniam dirigere Frisch 2, 187b;

Hinz .. schlug den takt erbärmlich schön.
Lichtwer fabeln 1, 21;

dich ergreift nicht der strom dieser harmonischen welt?
nicht der begeisternde takt, den alle wesen dir schlagen?
Schiller 11, 41;

von vögeln (vgl. V, 8, a):

den tact schlagt mit den flügelein! wunderh. 2, 524 Boxberger (vgl. 525).

bildlich (vgl. V, 8, d): ein grasmückchen darauf sang die melodie zu dem ewigen lied von der glücklichen liebe, und zwei selige herzen schlugen den takt dazu. Ludwig 2, 298.
b) töne schlagen, für das gewöhnliche intransitive schlagen:

der sänger drückt die augen ein,
und schlug die vollen töne.
Göthe 18, 206

(dafür in den gedichten: und schlug in vollen tönen. 1, 178);

er schlug der wachtel hell gellenden schlag.
Bürger 61a.

triller schlagen: denn ich habe stümper unter ihnen angetroffen, die eine so steife kähle gehabt, dasz sie keinen reinen triller schlagen können, sondern alsdenn wie eine ziege gemeckert. M. H. Fuhrmann die an der kirchen gottes gebauete satans-capelle (Berlin 1729) 36;

und er schlug dabei den triller.
H. Heine 1, 439 Elster;

'ja', schwur der graf, 'ich schaff' es nächster tage,
dasz er viel zärter noch die triller schlage'.
Uhland ged. (1864) 441;

frau Echo schlägt den triller drein,
dasz mir mein herz zerspringt. wunderhorn 2, 230 Boxberger.

einen wirbel schlagen, auf trommeln: schlagt den ganzen wirbel, der wie zu den trommlern spricht. Kotzebue dram. sp. 3, 315. hierher auch eine lache schlagen, gewöhnlich aufschlagen: gemain läut, die wênik wiʒʒent, slahent manger langen wârhait ainen snellen kahtz (laute lache). Megenberg 106, 16.
c) lieder, tänze auf den saiten, dem klavier schlagen u. ä., vergl. die ahd. glossen: leodslaho bardus, leodslekko comicus, leodslago leodslaho leodslakkeo carminum, s. Haupt zu Neidhart 59, 6; das hinfüro eynicher hofirer oder spilman eynichen sollichen tanntz annders dann was gewonlicher tenntz, die von alter herkomen seindt, nit pfeyffen, schlahen noch machen (soll). Nürnb. polizeiordn. 91 Baader; so nemen sie (die metzen) einander bei der hand und faren umher und nemen wenig war der lauten, ob er den trottler oder den schefer tanz schlach. Keisersberg brösaml. 1, 18b; auff der orgeln sol man die besten geistlichen gesenge schlahen, aber gar keine weltliche lieder hinfort. Luther 2, 514a; darumb wenn jr trawrig seid ... so sprecht, auff ich mus unserm herrn Christo ein lied schlahen auff dem regal. 6, 206b; doct. Mart. Luther sagte einmal zu einem harffenschleger: lieber schlaget mir ein liedlin her, wie es David geschlagen hat. tischr. 431b; da pat er si, si solten in nur vor auf der herphen ein lied schlahen lassen. Aventin chron. 1, 276, 27; das der organist under dem offertorio etliche franzesische oder welsche lieder geschlagen, welche ain üppigkait inhalten sollten. Zimm. chron.2 3, 557, 13 Barack; er schlug manch bewegliches trauriges liedlein auff der lauten. Schuppius 138; ich sehe, Lucidor, dasz ich .. mit meinen reden eben so viel auszrichte, als wann ich bey einem tauben ein stücklein auff der lauten schlagen wolte. 324; die edelfrau lachte, hiesze mich meine laute nehmen und ein lied schlagen. Jucundiss. 168; Siegwart schlug das lied (auf dem clavier), und sangs mit Kronhelm und Theresen. Siegw.2 3, 271; einem organisten, so er die ambter auf der orgl schlagt. quelle bei Schöpf 613;

ich geslüege nimmer niuweʒ liet deheinem wîbe.
Neidhart v. Reuental 59, 5;

[Bd. 15, Sp. 387]



die frau ward schön empfangen
mit ihrem saitenspiel.
da schlug sie auf der laute
gar freudenreiche wort. wunderh. 1, 363 Boxberger;

er stimmet die laute, schlägt treffliche sachen.
Rist Parn. 666;

schlag' ein neües stük zu ehren
aller schäfferinnen zier. 699.


d) einen lärmen schlahen, accendere Martem cantu. Maaler 355b, vergl. Alb. dict. Ji 4a; jetzt gewöhnlich ohne artikel lärm schlagen, zunächst auf der trommel das signal geben, das die soldaten zu den waffen ruft, dann überhaupt viel geschrei und aufhebens um etwas machen (vgl. theil 6, 203 f.): der allerma wart in der stat auf schreien und mit der trumel geschlagen. Wilwolt v. Schaumb. 90 Keller; in allen gassen wird lerm geschlagen: die sturmgloken werden gezogen. Schiller Fiesko 3, 5; wer befahl lermen zu schlagen. 5, 2; warum musztet ihr denn mit unserm herrn gerad auf die bärenhaz reiten, als man den lermen zum aufbruch schlug? kab. u. liebe 2, 2;

und wann der päsz wil werden frümb,
so schlahen sy ain lärmen ümb.
Schwartzenberg 153a;

schlagt lermen, brecht palmen, bewegt die Sudeten!
Mars kämpfft nicht vergebens.
Günther 341;

thüren wurden zugemacht,
trommel geschlagen, dasz es kracht,
bürger schlugen lärmen. wunderh. 2, 249 Boxberger.

schamade schlagen, als rückzugssignal: die Schweden, des sieges gewisz, verwarfen, obgleich die feinde zweymal schamade schlugen, die kapitulation. Schiller 8, 163. sturm schlagen, läuten, vgl. die sturmglocken schlagen (II, 1, h, γ):

sturm schlug man an den glocken. wunderhorn 2, 486 Boxberger;

übertragen: wann die freszglock im magen sturm schlegt. Garg. 23a; sie (die regierung) ist aber auch verbunden, nicht ohne noth sturm zu schlagen, sondern diesem allem vorgängig mit weisheit den wahren fall der noth zu untersuchen. Möser patr. phant. 2, 43. beifall schlagen (vgl. II, 3, c): die ganze hölle schlug beyfall in die hände bey der letzten vorstellung. Klinger 3, 33.
e) etwas umschlagen, öffentlich mit der trommel verkündigen: trieben sie (die kriegsknechte) ein täglich unauffhörendt spielen unnd balgen, wiewol es umbgeschlagen und verbotten, doch nicht wardt unterlassen. Kirchhof mil. disc. 137; liesz der oberst abermal umbschlagen, dasz niemandt friedt nemmen solte. ebenda; hierumb wardt dieser raht erfunden und letztlich bey leibstraff umbgeschlagen. ebenda.
f) schlagen, von der uhr, durch den glockenschlag die stunden angeben.
α) schlagen, als eine schlaguhr, malleo in campana horas indicare. Frisch 2, 187a; vgl.: nach einer zeit, wo die kanonen die stunden schlugen und die schwerter sie zeigten. J. Paul friedenpred. 4; dafür ganz vereinzelt dativische fügung: diese uhren hatten schon mancher geburts- und sterbestunde geschlagen. Göthe 21, 221.
β) es schlägt mittag, mitternacht, vesper: gehen sie hinten zum garten hinaus .. bis es mittag schlägt. Göthe 25, 356; wie es nacht schlägt kehrt alles um. 27, 71; es schlug mitternacht. Klinger 2, 84;

hell klingt von allen thürmen das geläut,
des blut'gen tages frohe vesper schlagend.
Schiller Piccolom. 1, 4.


γ) mit angabe der stundenzahl: der seiger hat zwölfe geschlagen, signum duodecimae datum est. Stieler 1811; wenn die uhren allzugleich eins schlagen werden, so wird fried und einigkeit sein. Lehmann 186;

die glock schlägt zwölf, ebenso ein, zwei u. s. w. wunderh. 2, 577 f. Boxberger (ammenuhr);

sobald der seiger zwölfe schlägt.
Hölty 34 Halm.


δ) meist ohne subject: es schlägt sechse, sexta hora auditur. Steinbach 2, 426; item an sente Marien Magdalenen abende zu nacht als elfe schlugk. K. Stolle Erfurt. chron. 260 (zum jahre 1491), s. zeitschr. f. d. alterth. 8, 307; es schlug vor einem weilchen sechse. Weisze trag. 5, 281; zwölf schlägts drüben im dorf. Schiller räuber 4, 5 schausp.; er läszt eine uhr repetiren — es schlägt vier. dom Karlos 3, 4; als es 23 uhr (die stunde vor sonnenuntergang) schlug, und Albano die langweiligen schläge addieren wollte. J. Paul Titan 1, 6;

er sah nach seiner uhr; acht uhr hat es geschlagen.
Zachariä schnupftuch 4, 109.

so auch es schlägt halb, voll u. ähnl.: et sleit drei vertel. Schambach 320b; nun schlägt's dreizehn, in Schlesien als ausdruck

[Bd. 15, Sp. 388]


der verwunderung. Wander 4, 220, 121, wofür an anderen orten, z. b. nd. nu sleit et full.
ε) wie viel hat es geschlagen? quota hora audita est? Steinbach 2, 426; der edelmann redet jn an: baüwerlin was hats geschlagen? buch d. liebe 201a.
ζ) davon geht die sehr verbreitete redensart aus: nun weisz ich, wie viel's geschlagen hat, wie ich daran bin, was ich zu erwarten habe, was mir schlimmes bevorsteht. Spiesz 213; vgl. Sartorius 180. Frommann 6, 323, 338: es befind sich auch bey der notari schrifft, wie viel es geschlagen hat. Luther 1, 163a; Pilatus aber mercket, wie vil es geschlagen hatte. Mathesius histor. Christi 2, 18a; wie ich nun solchen zettel finde und lese, sehe ich wohl, was es geschlagen hat, dasz i. f. g. sobald nicht werden wiederkommen. Schweinichen 1, 269; indessen hörte ich stracks an der salve, welche die unserigen empfingen, was die glocke geschlagen. Simpl. 1, 305, 7 Kurz; ein solcher (volksschriftsteller) hat vom volke ebenso viel zu lernen, als es von ihm lernen soll, und es ist seine pflicht, auch ein wenig zu merken, was die stunde geschlagen hat. Keller nachlasz 108;

ich weis wol wie viel es geschlagen hat.
es ist am tag,das sie meiner nit mag. Ambras. liederb. 92, 13;

ach himmel! gruntzt' er, wirds noch schlimmer,
so weisz ich, was der seiger schlägt.
Günther 167.

ähnlich: der N. waas ned, wiar viel als g'schlag'n had, weisz nichts. Hügel 137e; er had läut'n, aber ned schlag'n g'hört, nichts gewisses. ebenda.
g) eine geschlagene stunde, eine ganze, volle stunde, bis zum glockenschlag, vgl. Schöpf 617. Frommann 3, 216, 34. Schm. 2, 513; dafür eine ausgeschlagene stunde, wobei die glocke ganz ausgeschlagen hat, sodasz kein schlag mehr fehlt: oft bedurfte es einer vollen ausgeschlagenen stunde, bis der zopf gesteift und das toupet und die locken .. aufgethürmt waren. Arndt erinnerungen 17; noch deutlicher zeigt sich der ursprung dieser verbindung in der zusammensetzung glockenstunde (vgl. das.), schweiz. e glockestund Frommann 5, 310; dann auch auf andere zeitmasze übertragen: der geschlagene tag Schröer 201b; den langen geschlagenen tag Schmid 464; de libläng g'schlage tag Hunziker 223, vgl. auch Seiler 256a; nd. den ganzen ûtgeslgenen dag geist du ümher. Frommann 5, 287, 8; ich möchte wissen, was das zu bedeuten hat, dasz so ein vogel den geschlagenen tag den ganzen leib anstrengt und singt. Auerbach deutsche abende 209. die geschlagene nacht, in anderem sinne bis in die geschlagene nacht, bis die vesperglocke geläutet ist (?): und triben solche reiterei den ganzen tag bis in die geschlagen nacht mit einander an. Wilw. v. Schaumb. 59; da weret das essen bis in die geschlagen nacht hinein. Aventin chron. 2, 150, 25; und samleten sich alda in der geschlagn nacht die burger. 534, 28. geschlagenes jahr: einmal habe ich den juden M. in 16 geschlagenen jahren nicht gesprochen, .. und in wenigstens 2 geschlagenen jahren, meines wissens, nicht gesehen. Lichtenberg 8, 15; ist es auch permittirt, eine schildwache ein geschlagenes jahr lang stehen zu lassen auf dem nämlichen fleck und nicht abzulösen. Hebel2 3, 18. so auch alle geschlagenen mal, so oft der glockenschlag den betreffenden zeitpunkt-angibt. Fromm. 5, 310. Schöpf 613.
6) die eigentliche bedeutung von schlagen ist aufgegeben in verbindungen wie wurzel schlagen, treiben, vgl. Adelung (I, 2, 4, b, γ); oft bildlich: ohne das weibliche geschlecht hat das christenthum in keinem lande feste wurzeln geschlagen. Schlosser weltgesch. 5, 233;

nicht wurzeln auf der lippe schlägt das wort,
das unbedacht dem schnellen zorn entflohen.
Schiller braut von Messina 1, 7;

willst du niemals wurzeln schlagen,
früchte tragen?
Rückert ged. (1841) 235;

seltener blätter schlagen:

sieh! wie er (der baum) im frühling
lichtgrüne blätter schlägt.
Göthe 56, 3.

blüte schlagen: vor einigen tagen wie dieser Horazio (ein baum) hier blüthe schlug. Klinger theater 3, 301.
7) weniger sinnlich: flammen, wellen schlagen u. ähnl.
a) flammen schlagen, vom feuer:

ein lustig feuer flammen schlug.
Uhland ged. (1864) 332;

vgl. und ein wald schlägt
mächt'ge flamm' auf.
Göthe 40, 414.

in anderem sinne vom menschen, s. 4.

[Bd. 15, Sp. 389]



b) wellen schlagen, zunächst vom wasser:

so viel das welt-meer wellen schlägt,
so vieles glücke soll dich kennen.
Günther 225.

oft in freierer verwendung: an beiden seiten (der strasze) schlug das goldgrüne meer des frühlings die lebendigen wellen. J. Paul Titan 2, 131;

er schlich empor
zu Nettchens busen ...
doch fühlt' er kaum ihn sanfte wellen schlagen,
als sich beinah so muth als wuth verlor.
Göckingk 2, 250;

von dorten seh ich nur
ein meer von trümmern starre wellen schlagen.
Chamisso 2, 102 Koch.


c)

leicht, wie schaum, den hier die ströme schlagen,
schmilzt das glück.
Platen 4b.


d) farben schlagen, vom pfau: wenn der pfau reden könnte, sagt Voltaire, so würde er seine seele in den schwanz setzen; ich glaube es nicht, denn der dichter, welcher ebenfalls auch nur mit seinen untern seelenkräften bunte und prächtige farben schlagen kann, setzt die seinige in den kopf. J. Paul grönl. proc. 1, 35; ähnlich auch schatten schlagen:

lebensbäume breite schatten schlagend
decken blumensitz und kräuterflor.
Göthe 5, 253.


8) durch seine anordnung und bewegung eine figur bilden.
a) ein kreuz schlagen, mit den fingern zeichnen: ich bebte an allen gliedern, schlug ein kreuz nach dem andern vor die brust. Klinger 3, 102; das weib entsetzte sich heftig über diese rede, schlug ein grosz kreuz vor sich. Musäus volksm. 1, 40 Hempel;

der landmann, der es (das grab) sieht,
wenn's abend wird, fühlt kalten schaur,
und schlägt ein kreuz, und flieht.
Hölty 18 Halm.


b) einen haken schlagen, in der jägersprache vom hasen, wenn er durch seitensprünge den hunden zu entkommen sucht, s. theil 4, 2, 178 (6) und hakenschlagen sp. 182: er wendet gewisse fristen an, wie unser freund Lampe, indem er plötzlich haken schlägt und so eilig als möglich rückwärts flieht. Brehm illustr. thierl. 2, 51; bergmännisch von gängen, die plötzlich eine stark veränderte richtung einschlagen. Veith 257.
c) einen knoten schlagen:

die arme (der schlafenden geliebten) liegen ausgeschlagen,
als wollten sie mit innigkeit
um den den liebesknoten schlagen,
dem sie im traume ganz sich weiht.
Bürger abendfantasie eines liebenden, in
Voss musenalm. 1777, 87.


d) einen bogen schlagen:

schlag' noch einmal die bogen
um mich, du grünes zelt!
Eichendorff 1, 383;

in etwas anderm sinne:

weh! der raum wird immer enger,
wilder, wüster stets die wogen,
herr! o herr! ich treib's nicht länger —
schlage deinen regenbogen.
Cl. Brentano ges. schr. 1, 33.


e) zirkel schlagen, freier: seit vier tagen schon, mein Eduard, habe ich einen gröszern zirkel um mich geschlagen. Thümmel reise 2, 30; ich habe eben keinen groszen zirkel um das haus herum geschlagen. 142.
f) falten schlagen, werfen, vom kleide; ähnlich mnl.:

si connen wel bulen met hoi slaen. Reinaert 5048,

wo bule eine aufbauschung (des gewandes?) zu sein scheint, die durch ausfüllung mit heu hervorgebracht wird.
g) locken schlagen: Emilia. und das haar ... Appiani. in seinem eignen braunen glanze; in locken, wie sie die natur schlug. Lessing 2, 141 (vgl. II, 7, b).
h) ein rad schlagen, indem man sich auf armen und beinen überkugelt und so die bewegung eines umlaufenden rades nachahmt, vgl. DWB rad 9, b, theil 8, 41: das kind konnte nämlich radschlagen oder purzelbäume schieszen, ohne die schamhaftigkeit zu verletzen. Immermann Münchh. 1, 112;

die plumpen (teufel) schlagen rad auf rad
und stürzen ärschlings in die hölle.
Göthe 41, 428.

übertragen: mochten die philister den kopf schütteln, wenn das fünfzigjährige kind (Bettina) im tollen übermuthe des Brentanobluts manchmal ein rad schlug, oder wie ein irrwisch daher flackerte (in Göthes briefwechsel u. s. w.). Treitschke 4, 418.
i) ähnlich auch:

wie der (der tiger) den löwen erschaut,
brüllt er laut,
schlägt mit dem schweif
einen furchtbaren reif.
Schiller 11, 228.

[Bd. 15, Sp. 390]



9) einige abstrakte redewendungen stehen der eigentlichen bedeutung von schlagen näher.
a) ein bündnisz, frieden schlagen, durch handschlag abschlieszen, so mnd.: he sloch mit on ein vorbunt. 2 kön. 17, 35 bei Schiller-Lübben 2, 227b; ein lofnisse slan 23, 3, s. ebenda;

ich wil .. tuschen juw ênen frêde slân. Claws Bur 478;

vgl. auch kaufschlagen, theil 5, 345 ff. und Adelung (I, 2, 3); in demselben sinne êne winninge (gewinn) slân:

men trûwen, quême eme ên kôpman an,
dâr hê mochte mede winninge slân,
so lête hê wol de kerke stân! Claws Bur 765 (vgl. kôpslagen 755).


b) ähnlich: des morgens slôgen se ên dinc, hielten eine volksversammlung ab. livl. urk. vom jahre 1337 bei Schiller-Lübben 4, 228a. hierher gehört auch rat schlagen, wofür indes das denominativ ratschlagen (s. th. 8, 192) gebräuchlicher ist: disse seint die offentlich rat schlahen, nichts heimliches halten. Keisersberg narrensch. 85a.
c) einen halt schlagen, halt machen, einen hinterhalt legen (vgl. theil 4, 2, 271): wer aber, daz man her raisen wolt mit brennen oder helt zu slahen. d. städtechron. 2, 253, 9.
d) eine verbindung schlagen, gleichsam eine brücke schlagen (s. 1, c), vom schlage der weberschiffchen:

so schauet mit bescheidnem blick
der ewigen weberin meisterstück,
wie .. ein schlag tausend verbindungen schlägt.
Göthe 3, 100.


10) endlich gehören hierher einige feste verbindungen.
a) ein schnippchen schlagen: schnipgen schlagen, concrepare digitis. Stieler 1811, vgl. schnippchen. Weisze jubelh. 115; wenn Friedrich der weise d. Luthern audienz gab, begegnete er ihm auf das gnädigste und herablassendste. erst wenn sich der gute mann .. entfernte — schlug er ihm entweder ein schnippchen in der tasche, oder stach ihm .. einen mönch, welches nach Adelung so viel sagt, als einem die feigen weisen. Thümmel reise 2, 293; aber .. was konnte sie auch von einem sohne besseres erwarten, der ihr, als er sie noch sehr jung in Brüssel besuchte, hinter dem rücken ein schnippchen schlug? Schiller 7, 326. die bedeutung ist also eigentlich: mit den fingern knipsen, was als ausdruck des spottes galt; dann überhaupt: jemanden einen possen spielen, sich über ihn lustig machen, ohne dasz dabei an die gebärde gedacht würde. die ältere sprache sagt ganz in derselben weise einem ein knippchen schlagen, vgl. theil 5, 1436. schlagen, einem ein knipchen, digitis concrepare, concrepatione vel percussione digitorum contemtum indicare. Frisch 2, 187a; auch klippchen, klipplein (theil 5, 1200. 1209): das ich für dem tod mich nicht fürchten dürfft .. dem teufel und hellen ein kliplin schlahen köndte. Luther 8, 102a; nun sein wir dahyn kommen, wan man eynem eyn klipchen slecht, so wil er hawen und stechen, wils gar nicht leyden. 9, 158, 17 Weim. ausgabe.
b) den mummenschanz schlagen oder werfen, ein glücksspiel, s. theil 6, 2664 f.
c) einen bloszen schlagen, sein ziel verfehlen, miszerfolg haben, frustra aliquid suscipere, spe falli, operam perdere. Stieler 1811. die erklärung der redensart ist ungewisz; theil 2, 147 wird bei dem analogen einen bloszen legen an einen fechterausdruck (eine blösze bieten) gedacht; Schütze 4, 105 erklärt he sleit den blooten, nämlich den hintern, er verfehlet sein ziel, seinen zweck, wobei der bedeutungsübergang noch unverständlich ist, und gibt ferner an: he sleit en grooten oder en blooten, es gelingt ihm mit seiner waghalsigkeit ganz ausnehmend oder auch gar nicht: es hatten die Griechen gehoffet, der junge keyser Otto, als bräutigam, solt selbst darbey (bei den erschlagenen) gewest seyn, aber sie schlugen einen bloszen. Gottfried chronica (Frankf. 1657) 487; man gedänke nicht, das, ie mehr man sich dem fürsten nähere, desto mehr ehre und ansehen werde man auch überkommen; denn es haben ihrer vil hirinnen offt den bloszen geschlagen, und, zu ihrem groszen nachteil, das wiederspiel erfahren. Butschky Pathmos 607;

wer nur durch reime sich unsterblich machen will,
sonst aber nichts gelernt, wird einen bloszen schlagen.
Chr. Gryphius poet. wälder 2, 270:

weil nun der himmel frölich ist,
und dieses licht zur lust erkiest,
so darff ich keinen bloszen schlagen,
und ein mit treu verknüpftes band,
obgleich mit ungeschickter hand,
o fräulein! in ihr zimmer tragen. 309.

[Bd. 15, Sp. 391]



IV. reflexiv sich schlagen.
1) eigentlich reflexiv, sich selbst schlagen, den verschiedenen bedeutungen von I entsprechend, wo auch schon belege gegeben sind. im stärksten sinne, sich selbst töten:

daʒ wær Gahmurets ander tôt,
ob ich mich selben slüege. Parz. 110, 19.

gewöhnlich nur, sich selbst einen schlag versetzen: do schlug der fuchs sich selber mit seinen henden umb das maul und sprach: o du bösz maul wie vil schwetzest du. Steinhöwel Esop 59b;

ich .. will mich lieber selbst auf maul und antlitz schlagen.
Günther 483;

besonders sich an die brust schlagen, manu pectus tundere Steinbach 2, 427, als zeichen der trauer, reue u. s. w. (vgl. I, 4, f, ι): und alles volck das da bey war, und zusahe, ... schlugen sich an jre brust. Luc. 23, 48; alle die katholiken, männer und weiber, die auf den knieen lagen, und ... sich vor die brust schlugen. Wackenroder herzenserg. 189;

des sluoc sich unde roufte
diu werdiu küneclîche fruht
und lie vil strenge jâmersuht
an ir beschouwen über lût. troj. krieg 23238;

traurig zerrisz der alte den schlafrock,
und die Französinn schlug sich vor ihren breternen busen.
Zachariä Phaeton 1, 147.

sich vor die stirn schlagen, wenn man einsieht, dasz man sich geirrt hat: 'woher' — und ich schlug mich dabey mit der geballten faust vor die stirne — 'woher wusztest du denn, dasz ich bey Carlsruh ein mädchen den wölfen übergab?' — Thümmel reise 1, 183. ähnlich: er schlug sich vor seinen grauen kopf, und weinte bittere, schmerzende thränen, dasz er sein leben mit eitelm, ergeizigen schweisze verbracht. Wackenroder herzenserg. 38.
2) häufiger reciprok mit verschiedenen sinnesnuancen.
a) sich gegenseitig töten:

sus begunden si sich under in
slahen und morden starke. Tristan 441.


b) sich mit einem schlagen, vom zweikampfe: sich schlagen, manus conferre, conserere, concertare armis. Stieler 1811; sich auf leib und leben schlagen, armis et animis infestis pugnare; sie schlagen sich mit einander auf den degen, ferro inter se depugnant. Steinbach 2, 427; ungemein gut gesagt; aber ich schlage mich nicht. Schiller Fiesko 1, 8; ich habe mich mit meinem obristlieutenant geschlagen, er ist schwer verwundet. neffe als onkel 1, 2; zum unglück war er an einen raufer von profeszion gerathen, der sich nie schlägt, ohne seinen mann — zu tödten. 1, 6;

geh, wilder, schlage dich; — doch rühme dich nur nicht,
dasz ich den je geliebt, der gleich die hälse bricht.
Zachariä renomm. 5, 33;

dann auch mit den nebenbuhlern
hat er tapfer sich geschlagen.
Uhland ged. (1864) 254;

er mit dem geiste sich tapfer schlug. 322;

mit angabe der waffe, sich auf säbel, rappiere, pistolen schlagen: da letzterer trotz seiner schwachen ärmchen ganz vortrefflich stiesz, so ward beschlossen, dasz sich die beiden noch denselben tag auf parisiens schlagen sollten. H. Heine 4, 136 Elster. sich um oder für etwas schlagen: den man hoch rumbt, das er sich mit den henden gros umb die schonen Parstillen schlug, da er den gevelt, darnach mit achten fechten must. Wilwolt v. Schaumburg 115;

dort war sein hohes amt, ein groszes schwerd zu tragen,
oft für die freyheit sich auf offnem markt zu schlagen.
Zachariä renomm. 1, 32;

er schlüge sich wohl gar um meiner frauen ehre.
Göthe 7, 106.

mit bezug auf die dauer des kampfes: er schlegt sich lang mit dem wurm; endlich bringt er jn umb. Ayrer 1156, 6 Keller; so sich mit einem herum schlagen:

eine andre hätte ihre liebeswerber
auf blutig schwere abentheuer aus
gesendet, sich mit riesen 'rum zu schlagen.
Schiller Turandot 2, 1.


c) weniger edel, sich mit fäusten oder stöcken schlagen, raufen, balgen: sich mit feusten mit einem schlagen, pugnis cum aliquo contendere, congredi. Stieler 1811: denn was waren hat, feil zu halten .. arme, um kegel zu schieben oder sich zu schlagen .. das fliegt heut sicher nach dem grunde. Ludwig 2, 28;

wiltu dich schlahen, kempffen, rauffen ..
nimb deines gleichen; denn grösser keulen
brengen grosz schleg und grösser bewlen.
B. Waldis Esop 3, 3, 13.

[Bd. 15, Sp. 392]


dafür einander schlagen, im bilde: eben da war Egidius froh, dasz drauszen müller und bäcker einander schlugen — wie man das wehende schneien in groszen flocken nennt. J. Paul Quint. Fixl. 98. besonders sich um etwas schlagen, um es zu bekommen: die herren schlugen sich um die drey dukaten. Schiller räuber 1, 2 schausp.; (Fiesko) streifte den blutenden arm auf, das volk schlug sich um die fallende tropfen, wie um reliquien. Fiesko 2, 14; wenn ihr in eurem leben nur éinen bettler gesehen hättet, ihr würdet ihm alle geben und euch um ihn schlagen; anstatt dasz ihr ihn jetzt selber schlagen lasset durch den bettelvogt, weil es euch etwas gewohntes ist. J. Paul biogr. belust. 1, 182;

wenn die, so weise thun, sich um die kappe schlagen.
Günther 414;

nd. scherzhaft hier slaat sik all um een knaken, wenn in einer gesellschaft von frauen nur éin mann ist. Schütze 4, 107. vgl. auch das gleichbedeutende sich um etwas reiszen, s. theil 8, 759 (3, b, β). abgeblaszt, sich um etwas scheren, kümmern:

wille gy nicht lesen recht noch krumme,
dar sla syck de düvel umme! Reinke vos 2738.


d) von feindlichen heeren oder deren führern gesagt, 'sich eine schlacht liefern': sich mit dem feinde schlagen, pugnam cum hoste conserere Steinbach 2, 427; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in. d. städtechr. 2, 186, 18; wie pfaff Procopp mit seynem here sich mit dem Weisen geczweyet und zukrieget hab, und sich mit einander geschlagen. Frankfurts reichskorrespondenz 1, s. 376 (aus dem jahre 1431); er wer aber nit willens, sich mit in zu schlagen. Wilwolt v. Schaumburg 59; da aber Tryphon vernam, das Simon an seines bruders Jonathas stat heubtman worden war, und gedecht sich mit jm zu schlahen. 1 Macc. 13, 14; da stieszen bey fünff tausent Araber, und funff hundert reuter auff jn, und schlugen sich mit jm, und thaten eine grosze schlacht. 2 Macc. 12, 11; darnach ward der könig anders zu rat .. und schlug sich mit Juda, und verlor die schlacht. 13, 22; so si sich mit den feinden haben wöllen schlahen. Aventin chron. 1, 43, 32; herzog Welph .. wolt mit im ein schlacht tan haben. da er aber guet kuntschaft het, das der künig auch daher, herzog Hainrichen zu hilf kam, zog er güetlich ab, wolt sich mit seinem herrn dem künig nit schlahen. 2, 330, 15;

sie schlugen sich drei tag und auch drei nacht. wunderhorn 2, 34 Boxberger;

du schlugst dich unverwüstlich noch greise jahr' entlang.
Uhland ged. 357 (gr. Eberhard d. Rauschebart).

ein schiff schlägt sich, d. h. dessen bemannung: dasselbe schiff hat anker geworfen, und schlägt sich unaufhörlich mit kleinem gewehr- und kanonenfeuer. das schiff Rastislaw hält an der windseite, um sich mit vortheil zu schlagen. Göthe 37, 336. von dem antheil des einzelnen kriegers: es hat ein iedlicher reitersman zu bedenken, das si sich zu baiden tailn hart erbeiten und schlahen haben müszen. Wilw. v. Schaumb. 92; das sich ainer mit achten .. schlahen sol. 115.
3) so häufig in freierer verwendung:
a) sich mit gedanken schlagen u. ähnl., vgl. Steinbach 2, 427: mit solchen und dergleichen gedancken schlug ich mich eine lange weile. Opitz 2, 247; er schlug sich etliche stunden mit den verwirrtesten gedancken, so in eines menschen sinn kommen könten. Hoffmannswaldau heldenbr. 3; sie sasz in tieffen gedanken zu hause .. und rechnete, dasz sie sich noch drei stunden mit hoffnung schlagen müste. polit. stockf. 67;

musz ich den langen tag gleich nichts nicht thun als klagen,
und mich vom morgen an bisz auff den abend schlagen
mit der und jener angst.
Fleming 105.


b) in mannigfacher übertragung auf gegenstände:

so wenn im sturme sich die winde heulend schlagen.
Schiller 6, 367;

denn wo die locken sich auf locken wieder wagen,
wo reiche westen sich mit reichen westen schlagen.
Zachariä verwandl. 1, 338;

das hertz, in dem sich groll und reu,
verzweifflung, hasz und rach-lust schlagen.
Günther 85;

und kommt es allererst gar vor das wochen-bette,
so beisz' und schlagen sich die zungen um die wette. 454;

ähnlich auch: mitten in der sittlich bürgerlichen gesellschaft in solcher verworrenheit befangen, die sich wogenhaft um ihn, in ihm hin und her schlug. Göthe 21, 160;

(das volk) lieff nach Achilles grab', an dessen letzte seiten
sich die Rheteer see mit linden wellen schlegt.
Opitz (1629) 153 (Troj. 1347).

[Bd. 15, Sp. 393]



4) sich durch die feinde hindurch schlagen, sich kämpfend einen weg bahnen: gleich beim anfange des tumults war der prinz von Oranien der meerbrücke zugeeilt, wo er sich herzhaft durch die wüthenden haufen schlug. Schiller 7, 271;

mit dem schwert sich schlagend durch das deutsche land. 14, 325 (Tell 2, 2).

ähnlich: deutsche haufen .. brachen um 280 aus .. und kamen endlich, nachdem sie sich zu fusz und kahn fast um ganz Europa geschlagen hatten, viel bewundert von der Nordsee her in ihrer heimat an. Freytag bilder12 1, 176. meist in freierer verwendung, sich durch hindernisse einen weg erzwingen, sie überwinden:

hätt ich umsonst durch jedes hindernisz
und jedes labirinth der etikette,
und alle minotauren dieses hofs,
und alle schlingen Philipps mich geschlagen?
Schiller dom Karlos 2, 5;

ich seh' ihn noch — es sind jetzt zehen jahr — ...
sich durch der Elbe reiszend wasser schlagen. Piccolom. 1, 1;

wer durchs leben
sich frisch will schlagen, musz zu schutz und trutz
gerüstet seyn. Tell 3, 1;

lieber durch leiden
möcht' ich mich schlagen,
als so viel freuden
des lebens ertragen.
Göthe 1, 93.

so auch als jägerausdruck von den sauen: damit (mit ihren groszen krummen zähnen) schlagen sie die hunde, oder schlagen sich durchs zeug, nicht beiszen, oder durchs fliehen, oder fallen. Döbel 25b.
5) mit aufgabe der eigentlichen bedeutung bedeutet sich schlagen dann auch allgemein sich wohin wenden, begeben, seinen weg nehmen, vgl. II, 6, b: schlagen sich, auf die rechte hand wenden, ad dextram se vertere. Frisch 2, 187b;

daʒ her daʒ slg sich auf ein velt.
Suchenwirt 4, 295;

man slg sich in sin leger.
Liliencron hist. volksl. 142, 26;

wohin wird sich dein fusz in dieser welt noch schlagen?
Günther 1045;

du kommst mit ehren heim, und wie die schaar zurücke,
die um die frühlings-zeit auf manchem blumen-stücke,
mit vieler sorgfalt fliegt, sich da und dorthin schlägt. 374;

und er schlug sich seitwärts in die büsche.
Seume 1, 82;

der zeigt jm an dz jm desselbigen volck weder han noch henn gelassen, und sich in Clermaltburg geschlagen hette. Garg. 213b; darauf schlug er sich in geleitschaft des weibes und der kinder waldein durch dicht verwachsenes gebüsche. Musäus volksm. 1, 39 Hempel; bei der schifffahrt, seinen cours worauf nehmen: schon bey passirung der linie war ich mit meinem bruder in etwas uneinig worden, ob wir uns nach den Brasilischen küsten zuschlagen wolten. Felsenburg 4, 190; sich nieder schlagen, niederlassen, ansiedeln: Cesar schreibt, dasz die uralten Teutschen ein solch gegend sich nider zuschlagen, und solche statt zu erbawen, vor andern auszerwehlet. Fronsperger kriegsbuch 2, 30a; sich vor eine stadt schlagen, um sie zu belagern: da schlug sich der Weyasit für die stat. reisen des Joh. Schiltberger von 1394 bis 1427, 59, s. Germ. 7, 378; darnach slug er sich für Lichtenaw und lag auch etlich tag darvor. d. städtechron. 2, 130, 21; herzog Fridrich von Österreich ... schlueg sich an sant Jacobs tag für Riet den markt, lag vierzehen tag davor. Aventin chron. 2, 421, 31; und do sich künig Jobst rüstet, wolt sich für Frankfurt (wie der brauch ist) schlagen (sich dahin begeben zur krönung), da starb er. 537, 24. mit angabe des ausgangspunktes, sich wegbegeben, abkehren: szo de knechte uneyns worden mit einander unde sick van huse slain wolden, schalmen se nicht aflaten. Oldenb. urk. von 1531 bei Schiller-Lübben 4, 228b;

und (ich) gieng ein engen holtzweg ein,
mich von der rechten strasz abschlug.
H. Sachs 1, 266a;

ob er hinauf geht oder weiter ab
sich schlägt.
Lessing 2, 213 (Nathan 1, 4);

bildlich: von der bildlichen phantasie schlägt der weg des bildlichen witzes sich weit ab. J. Paul vorsch. der ästh. 2, 28. vgl. auch: als dann so die wind gehnd, so schlahend sie sich auff zwo seitten, unter sich unnd uber sich. Paracelsus op. (1616) 2, 29 A.
6) davon geht aus sich zu einem schlagen: das wir uns zu euch und eurem orden wider schlagen und begeben solten. Schütz beschreib. der lande Preuszen (Eisleben (1599) 220; sich

[Bd. 15, Sp. 394]


zu jemand gesellen: so schlegt man sich doch endlich zu den jungen buben, so auch nichts gutes thun wollen. Pape bettel- u. gartet. G 3a; unterwegs schlug sich noch ein junger mensch zu uns. Göthe 34, 99; wie er auf seinem wege einen trupp zigeuner antraf, schlug er sich dazu, und wanderte mit ihnen nach Florenz. Wackenroder herzensergiesz. 217; aber auch der alte reitersmann .. sah misztrauisch auf die neue reiterfahrt und die gesellschaft fremder reisigen, zu denen sich unruhige genossen aus seiner freundschaft schlugen. Freytag bilder12 1, 482. besonders sich zu jemandes partei, auf jemandes seite schlagen: sich zu einem schlagen, ad alicujus amicitiam accedere; sich zum feinde schlagen, ad hostem transire; er schlug sich zum fürsten, sequebatur partes principis. Steinbach 2, 427; die reichstet sullen ain her .. haben .. und sich mit irem volk zu welchen herren si wellen slachen. deutsche chron. 2, 364, 13; denn wo sich ein krieg erhübe, möchten sie sich auch zu unsern feinden schlahen. 2 Mos. 1, 10, vgl. buch der liebe 304d; es ist besser, das ich jn zuvor an mich bringe, ehe denn er sich zu Alexandro schlahe, wider mich. 1 Macc. 10, 4; da schlugen sich zum Nicanor alle die heiden, so Judas aus dem lande verjaget hatte. 2 Macc. 14, 14; da sich bald darauf auch diejenigen unter den groszen von Scheschian, die mit der regierung der sultanin Lili nicht zufrieden waren, zu ihnen schlugen. Wieland 6, 313; damit .. die Kalvinisten der stadt nicht versucht werden möchten, sich zu dem heere des Thoulouse zu schlagen. Schiller 7, 269;

geh, schlage weibisch dich zum weiblichen geschlecht.
Zachariä renomm. 2, 375;

wo feder feder stöszt, und tresz auf tresse stralt,
da schlag ich mich zu dem, der fürstlich mich bezahlt. verwandl. 1, 340;

zu einer sache:

auch im lager
giebt es der braven männer gnug, die sich
zur guten sache munter schlagen werden.
Schiller Piccol. 5, 1;

der vater ist vom kaiser abgefallen,
steht im begriff, sich zu dem feind zu schlagen. Wallensteins tod 3, 2.

sich zu jemandes partei schlagen: eine unendliche menge von miszvergnügten aller arten schlug sich zu ihrer partey. Wieland 7, 108; unter seiner partey (zu welcher alles, was noch einen funken von redlichkeit und vaterlandsliebe in sich fühlte, sich geschlagen hatte). 203; dasz .. wir uns so gern auf die parthie der verlierer schlagen. Schiller 2, 358; da aber endlich die minister selbst, seine bisherigen verfechter am hofe, deren güter Wallenstein mit gleichen lasten gedrückt hatte, sich zur partey seiner feinde schlugen. 8, 333;

wie, wenn ein groszes volk von rednern wird beweget,
sich der zu der partey, der zu der andern schläget.
Zachariä renomm. 1, 219;

auf jemandes seite: viele, welche alles hoffen konnten weil sie nichts mehr zu verlieren hatten, schlugen sich auf die seite des eroberers. Wieland 6, 56; die meisten schlugen sich auf die seite der verschwornen. 7, 115; gleiche empfindungen suchen einander, und der unglückliche wird sich am liebsten auf des unglücklichen seite schlagen. Schiller 9, 115; so auch: wie kann man also wohl sichrer hierbey gehen, als dasz man jeden von diesen theilen höret, um sich alsdann entweder auf den einen, oder auf den andern zu schlagen? Lessing 4, 111; sich zu einer meinung schlagen: die vermuthung, dasz der gast der vorigen nacht Philine gewesen, ward dadurch bestärkt, und wir sind auch genöthigt, uns zu dieser meinung zu schlagen. Göthe 19, 218.
7) ebenso auch sich an einen schlagen, ihm anschlieszen: na des königs doede moege wy wns an eynen heren slan, de wns wyll gelegen synn. quelle bei Schiller-Lübben 4, 228a; in disem krieg fiel auch die stat Wörd an der Thonau vom haus zu Bairn und von dem herzogen von lngelstat und schlueg sich an das reich. Aventin chron. 2, 549, 13; sich an jemand wenden: die jüdischen pischof. .. wärn gern frei gewesen .. schluegen sich an die asiatischen kaiser .. kauften von inen das pabstum. 1, 404, 2; Antipater .. schlueg sich an die Römer. 732, 14; herr Eberhard wollte beweisen: dasz man seine erkenntnisz gar nicht erweitern .. könne .. und schlug sich zur bestätigung seiner meinung an den mathematiker. Kant 3, 325.
8) sich in eine sache schlagen, einmischen (nur im 16. jh. belegt): sie haben mich jmerzu in jr sach wollen haben, wenn ich mich darein geschlagen hette, so würden sie eben also eins sein worden. Luther 1, 112b; in des bürgermeisters ampt schlahe ich mich nicht. 5, 476a; das ein jglicher bald überdrüssig

[Bd. 15, Sp. 395]


wird, des, so jm befolhen ist, menget und schlegt sich in andere sachen, der er billich müssig gienge ... will klug und schefftig in frembden sachen sein. 6, 146a; also dasz sich kayserl. majest. etlich mal in die sachen geschlagen, und ihre commissarien verordnet. Götz v. Berlichingen 125; alsz oblaut die kayserl. majest. alsobalden in die sachen geschlagen, und solche zu Würzburg vertragen und uffgehebt. 134 (vergl. Freytag bilder, 1859, 1, 285); herzog Friderich aus Swaben ... schlueg sich in die sach; der macht ein ewigen frid zwischen den herrn. Aventin chr. 2, 332, 25 (vgl. 578, 11); sondern man erkündige sich nach guten ehrlichen leuten und unterhendlern, welche sich in diesen rechtskrieg schlagen. Ayrer proc. 728 (3, 1); aber schon nach ein paar wochen richtete die facultät eine beschwerde an den herzog, welche derselbe zur unparteiischen berichtserstattung am 21. juli (1567) mit der bemerkung an den senat schickte, man habe nicht geglaubt, dasz die jesuiten 'sich so sehr in die weltlichen sachen schlagen'. Prantl gesch. d. Ludw.-Max. univers. 1, 231 (nach d. urk.);

solten uns schlagen in die sachen
ob wir köndten ein löcherig friden machen. ein lustig gesprech der teuffel (1542) b 1b.

so auch selten von einer dauernden beschäftigung mit etwas: aber nach dem .. der offen notarien, oder deren, so sich in solch ampt zu uben schlahen, im heiligen reich viel erfunden werden, die ... ungeübt und unverstendig seind. reichstagsordnungen 90b.
9) so besonders sich ins mittel schlagen, in einer sache als vermittler auftreten, se interponere Steinbach 2, 427: (so) wäre ich wohl gesonnen mich mit dem Hieronymus in der güte zu vertragen, wenn iemand vorhanden, der sich in das mittel schlagen .. wolte. A. Gryphius 1, 905; wäre auch eine allgemeine aufruhr entstanden, wann sich nicht der hertzog selbsten bey zeiten ins mittel geschlagen hätte. Abele seltzame gerichtsh. (1712) 124; einige römische edelleute schlugen sich ins mittel, und verbürgten sich, dasz er mich nicht beleidigen .. würde. Göthe 34, 66;

der himmel schlage durch ein wunder sich
ins mittel, und erleuchte diesz geheimnisz.
Schiller jungfr. von Orl. 5, 7.

in demselben sinne sich darein, dazwischen schlagen: soltn wir uns dan nu dorein schlaen (in den streit zwischen Luther und Karlstadt). kurf. Friedr. von Sachsen an seine räte (urk. des Weimarer archivs vom 18. märz 1525);

Sylvan war im begriff den letzten streich zu wagen,
als sich dazwischen schon die sekundanten schlagen.
Zachariä renomm. 6, 170.


10) sich zusammen schlagen, eigentlich:

die mûre sich zûsamne slûc
sô, daʒ dâ nieman sach ein tor. pass. 282, 32 Köpke.

gewöhnlich freier, sich vereinigen, verabreden, verschwören: da es aber tag ward, schlugen sich etliche jüden zusamen, und verbanneten sich, weder zu essen noch zu trincken, bis das sie Paulum getödtet hetten. ap. gesch. 23, 12. umgekehrt sich von einander schlagen:

aber der bapst hatt jn (den secten) gebotten,
das sie sich nicht mehr söllen rotten
und also voneinander schlagen.
Fischart 1, 150 Kurz (Domin. leb. 659).


11) sich in den weg schlagen: noch di gefärligkeit des weges, noch di wohlgelegten posten, machen mich glauben, seine auf mein leztes gefügte beantwortung sey verlohren worden, sondern es mus seiner angelegenheit, oder seiner śwachheit .. beyzumessen seyn. was unter beiden sich in weg geślagen, vergnüget mich, wann ich dessen hand zusehen erlangen kan. Butschky hochd. kanzl. s. 51. vgl. märkisch sik slagen, sich ereignen Frommann 4, 270, 30.
V. intransitiv.
1) schlagen in der ursprünglichen bedeutung hat mannigfache intransitive oder neutrale fügungen entwickelt.
a) ohne weitern zusatz; im schärfsten sinne, töten: ni uuis manslago, thie thâr slehit, ther ist sculdîg duomes. Tat. 26, 1;

du slehest unde roubist. genesis 108, 13 Diemer.

so vom engel der pest:

der slahende engil fuor dâ vure. exodus 2674 Koszm.
Diemer ged. 327, 23. 328, 14.

allgemeiner, verwunden, treffen: wenn wir unsern arm zum schlagen aufheben und wir auf nichts treffen, sondern nur in den wind schlagen, so thut es uns selbst weh. Bode Montaigne 1, 35;

[Bd. 15, Sp. 396]


die axs er ûf heben began
und sluoc swaʒ er mohte erziehn. Reinh. fuchs 371;

Pfelerîn sluoc, dô sluoc ouch er.
Heinr. v. Freiberg Tristan 5603;

sie schlug aber je lenger jhe mehr.
Rollenhagen froschm. Q 6a;

so, so! verdopple schlag und eyffer!
schlag schärffer und begreiff dich nicht!
Günther 202.

in verbindung mit synonymen:

ir sult slân unde stechen.
Lamprecht Alex. 4576 Kinzel;

wie er sluoc und wie er stach! Iwein 2462;

mit slahen und mit stechen
tet man im vil gedon.
Ottokar reimchron. 824;

für sich schlagen, sich raufen oder sich duellieren: jr sind doch unsälig bauren, hab euch yetz ein lange zeit gewert das flchen, schweren, heiszen einander liegen, schlahen unnd rauffen. Wickram rollw. 26, 22;

es ist gar höflich, seine sprach
mit frembden worten zu parlieren, ..
von spihlen, schlemmen, stechen, schlagen,
von huren, hetzen, baitzen, sagen.
Weckherlin 416.

besonders im imperativ, mhd. slach, slâ und mit angehängtem â slahâ:

stichâ stich! slahâ slach! Helmbr. 1029;

dâ was nûr 'slach, stichâ stich!' Ludwigs kreuzf. 3017;

zuo im, herre, slahâ slâ!
Ottokar reimchron. 6075;

do schrey niemant: vacha! vach!
nur: morda! schewz! stich und slach!
Suchenwirt 10, 190;

schl niedă! schl niedă! (schlag nieder).
Hartmann-Abele volksschausp. 158, 268.


b) drein schlagen: herr sollen wir mit dem schwert drein schlahen? Luc. 22, 49; einem groszen übel zusehen, sich mit hoffnung schmeicheln, .. etwa einmal drein schlagen, wie im fastnachtsspiel, dasz es klatscht und man doch etwas zu thun scheint. Göthe 8, 260;

treibt man so mit dem sonntag spott,
als hätte der allmächtige gott
das chiragra, könnte nicht drein schlagen?
Schiller Wallenst. lager 8;

mein sohn, das sind die schlegler, die schlagen kräftig drein.
Uhland ged. 359.

ähnlich auch (drauf) los schlagen, vgl. theil 6, 1170:

diesz mächtige cyklopenkorps
hielt hier mit glühn'den zangen
just einen ketzer bey dem ohr
am ambos wie gefangen:
hebt doch die schweren hämmer itzt
und schlägt drauf los: der schädel spritzt
das hirn von sich wie funken.
Blumauer werke2 3, 59.


c) präpositionale wendungen: an einen schlagen, ihn angreifen, nur in der ältern sprache: do zogin on di burgere nach unde slugin hindene an si unde namen in groze habe. Ködiz 41, 18 (vgl. 42, 13); unde die burger lieffen do alle zu unde slugen an die Reynischen unde trebin die uss der stat. Rothe dür. chron. 646; da ward der richter zornig und der keiser und hiesz sein gesinde an sy schlahen. heiligenleben (1472) 2a;

sluog im tegegnes
an thena furiston fîondfolmo craftu. Heliand 4873 Cott. (Mon.: stôp);

auf jemanden schlagen:

er huop ein starkeʒ ruodermichel unde breit,
er sluoc ûf Hagenen. Nib. 1500, 2;

daʒ ich mich iuwers bruoder wer
und ich ûf in slah unde ber. troj. krieg 33034;

so wil ichs noch sieben mal mehr machen, auff euch zu schlahen umb ewre sünde willen. 3 Mos. 26, 29; sie sahen auch zween junge gesellen .. die stunden dem Heliodoro zu beiden seiten, und schlugen getrost auff jn. 2 Macc. 3, 26; so auch bildlich: bis zur wuth ungeduldig schlug er (Zimmermann) auf alles los, was er für unrecht erkannte und hielt. Göthe 26, 343. nach jemandem schlagen:

und dô er nâch dem lewen sluoc. Iwein 5060;

der tôre sînen kolben zôch
ûf mit beiden henden hôch,
nâch dem künege er dô sluoc.
Heinr. v. Freiberg Trist. 5209;

und Jonathas schlug nach Bacchide, aber Bacchides weich zurück. 1 Macc. 9, 47; da hatte Simon Petrus ein schwert, und zoch es aus, und schlug nach des hohenpriesters knechte. Joh. 18, 10. mit in:

[Bd. 15, Sp. 397]


die zwêne helde hôchgeborn
in die ros mit den sporn
zû beiden sîten sluogen.
Heinr. v. Freiberg Tristan 6175.

häufig werden diese verbindungen durch zu, los oder ein verstärkt, vgl. DWB los schlagen 2, theil 6, 1170; auf einen ein oder los schlagen, nach einem zu schlagen, seltener zu einem ein schlagen:

das weib bald ein wasch blewel nam,
und bisz jhre zeene zusam,
lieff, und schlug zu mir gifftig ein.
Rollenhagen froschm. Q 6a.

andere wendungen, unter die feinde schlagen u. ähnl.:

warum willst du nicht mit gewalt
unter die thoren, die neulinge schlagen!
Göthe 3, 249.

um sich schlagen:

sî giengen slahende umbe sich
mit swerten sam die blinden. Iwein 1292;

Cupido fiel auf die erd ...
und wie ein zaumloses pferd
schlug um sich mit händ und füszen. wunderhorn 2, 224 Boxberger.


d) mit angabe des getroffenen gliedes. die wendungen einem ins gesicht, an den kopf, auf den rücken schlagen s. bei den entsprechenden transitiven I, 4, f. oft auch ohne directes oder indirectes object, meist in beziehung auf das subject: darumb schlahe auff deine lenden. Hes. 21, 12; so besonders an die oder seine brust schlagen, vgl. I, 4, f, ι und IV, 1: schlagen an die brust, pectus percutere, plangere Frisch 2, 187a; inti ther firntâtîgo ferrana stantenti ni uuolta noh ougûn zi himile hevan, nibi sluog in sîna brust quaedenti: got, uuis mir milti suntîgomo. Tatian 118, 3, vgl. Luc. 18, 13; die königin wird gefangen weggefüret werden, und jre jungfrawen werden seufftzen, wie die tauben, und an jre brust schlahen. Nah. 2, 8; vgl. auch: tausend gräszliche gestalten giengen an mir vorüber, und schlugen wie schneidende messer in meine brust. Schiller 4, 73.
e) mit der hand, dem stocke, dem schwerte schlagen:

sye schlgend mit den schwerdten dar. Ecke 108 Schade;

der riese mit der stange schlug,
auslangend in die weite.
Uhland ged. 341;

die schildner dringen auf die mauern dar,
mit hammer schlagend und gestähltem schaft. 422.

dann wird auch die waffe als subject gefaszt:

hier schlägt der degen und der mann,
den gott kaum tapffrer wehlen kan.
Günther 125.


f) auch sonst mit sächlichem subject:

doch, schreckt dich nicht durch waldes dichte
der zweige schlagen ins gesichte.
Uhland ged. 296;

wo die büsche am hellsten funkelten vom tau, da drängt ich mich durch, dasz die feuchten zweige mir ins glühende gesicht schlagen muszten. Ludwig 3, 17;

ein regen kam gerunnen,
das oben auf mich vil (fiel) mancher tropf,
die schlugen mir da an den kopf
so lang pisz mir das har abging. fastn. sp. 563, 8.

vom kleide (vgl. II, 1, e):

wie häszlich läszt dir nicht die leichte gelbe weste.
sie, die itzt spöttisch kurz um deine hüften schlägt,
sey länger aus grisett, und stark mit gold belegt.
Zachariä renomm. 2, 323.


g) ein schlag, streich schlägt, trifft, fällt wohin; bildlich: wenn von den katholiken wirklich etwas schlimmes gegen die protestanten beschlossen war, so muszte, der vernünftigsten berechnung nach, der erste streich vielmehr in das südliche als in das nördliche Deutschland schlagen. Schiller 8, 47.
h) sich an etwas satt, müde schlagen:

ich bin mir freund und feind. so streitet streit mit friede,
so schlagen sie sich selbst stets an einander müde.
Fleming 106.


2) schlagen kämpfen, eine schlacht liefern: Guido von Spoleto aber machet ihm (Berengar von Friaul) diese würde disputirlich, und schläget mit ihm zweymal. Hahn histor. 1, 273; wir .. haben gestern mit den Ampraciotern, welche von der stadt her im anzuge waren, geschlagen. Heilmann Thuc. 455; die Argiver schickten sich an, mit den Lacedämoniern .. zu schlagen. 709; sie dachten mit vortheil zu schlagen. 710; da wir am letzten Thorrstage mit Germanikus schlugen .. da wir mit dem stolzen Cäsar schlugen, da hatte ich gelegenheit .. Klopstock 9, 211 f.; lasz uns unsre lanzen wechseln! und schlag hier, ich sage nicht mit mir, denn ich bin nicht so stolz, wie du! schlag mit uns, wie wir in Winfeld, mit dir,

[Bd. 15, Sp. 398]


schlugen! 305; in seinem lager bey Fulda .. harrte er (Tilly) sehnsuchtsvoll auf erlaubnisz von dem herzog von Bayern, mit Gustav Adolph zu schlagen. Schiller 8, 207; sein (Wallensteins) ganzer ruhm war in gefahr, wenn er die gelegenheit zu schlagen zum zweytenmal entwischen liesz. 283; mit lärmendem gedränge rennt jezt alles nach den wällen und auf die mauern, wo sich ihnen, als der wind den pulverrauch von den schlagenden heeren zertheilte, das ganze schauspiel einer schlacht darbietet. 7, 269;

er (Eugen) zieht, er schlägt, er siegt durch dich (die gelegenheit).
Günther 201;

er (Cäsar) kam und sah und schlug. 471;

und musz es zuletzt denn doch auch beginnen
das treffen, so schlagen sie fern.
Klopstock 2, 38;

als wir bey Dessau mit dem Mansfeld schlugen.
Schiller Piccolom. 1, 1;

es ist beschlossen. morgen schlagen wir. jungfr. 2, 3;

wo bald im feld die völker schlagen
und bald der innre zank erwacht.
Uhland ged. (1864) 77;

nicht darf ich mit dir speisen auf einem tuch, du held!
doch darf ich mit dir schlagen auf einem blutgen feld! 367;

denkst du daran, wie wir bei Krakau schlugen ..?
wie wir den sieg durch alle feinde trugen,
von dir geführt nach Krakau's stadt hinein?
Holtei ged. 398.

so auch: denn mit unsichtbaren feinden schlägt sich's schlecht. Klinger 4, 235.
3) von einer schlagenden bewegung überhaupt, ohne die absicht zu verletzen.
a) auf den tisch schlagen u. ähnl.; schlagen, als ein eifriger prediger auf die canzel, suggestum manibus percutere. Frisch 2, 187a; und es ist mir, ich höre noch jetzt den pfarrer mit der faust auf den tisch schlagen. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 2, 95; v. Moor ... schlägt mit dem dolch auf einen stein dasz es funken giebt. Schiller räuber 5, 2 schauspiel;

Kyôt ûfʒ declachen sluoc. Parz. 800, 26;

beim gesang und glase wein
auf den tisch zu schlagen.
Göthe 1, 134.

an etwas schlagen: schlahe an den knauff, das die pfosten beben. Amos 9, 1; der sturmwind hebt den groszen flügel auf und schlägt an die wälder. J. Paul Hesp. 2, 247;

nû hienc ein tavele vor dem tor
an zwein ketenen enbor:
dâ sluoc er an daʒ eʒ erhal. Iwein 301;

dat hê de rôden up tôch
unde an de bornen mede slôch. van d. holte des hill. cruzes 380;

und an dem haus des erleuchteten hing,
als klopfer des thors, ein symbolischer ring ...
kaum schlug ich mit zittern daran, so sprang es auf.
Thümmel reise 2, 113;

er schwingt sein hünenschwert empor
und schlägt an seinen schild.
Uhland ged. 202.

mit in: dô slûg her selber in den berg mit einer houwen. d. mystiker 1, 250, 37; Mose und Aaron thaten wie jnen der herr geboten hatte, und hub den stab auff, und schlug ins wasser. 2 Mos. 7, 20; und Aaron recket seine hand aus mit seinem stabe, und schlug in den staub auff erden. 8, 17. durch die hand schlagen, gewöhnlich einfach durchschlagen (s. theil 2, 1670. 2, c, α), zur bekräftigung eines vertrages:

das erfreute sternen-reich
unterschreibt die beyden bünde.
Hymen, den es abgesand,
schlägt durch die gepaarte hand.
Fleming 356.


b) sprichwörtliche wendungen: auf den sack schlagen; auf den sak schlagt man; den esel meynt man. wer einen grusz an das liebe fleisch zu bestellen hat, darf nur das gute herz boten gehen lassen. Schiller kab. u. liebe 1, 1; seltener man schlägt auf den sack und meint den müller, wenn niedere in gegenwart höherer bestraft werden, damit diese daraus eine lehre für sich entnehmen. Wander 4, 213, 20. auf den busch schlagen: schlag in den busch unnd fang keine vögel. 27; einer schlegt auff den busch, der ander kriegt den vogel. Petri 76a; bei jemandem auf den strauch schlagen, ihn auf indirectem wege ausforschen, von ihm etwas zu erfahren suchen: dasz graf Hohenwart sich einige zeit mit der schönen idee getragen habe den Rechbauer zu kapern und zu diesem zwecke durch dritte personen bei demselben auf den strauch schlagen liesz. Frankf. journal vom 23. april 1871, 1. beilage.
c) schlagen in die hände, applaudere. Frisch 2, 187a:

die Zwietracht, die es sah, schlug jauchzend in die hände.
Zachariä schnupft. 3, 366.

[Bd. 15, Sp. 399]


dafür in der ältern sprache mit der hand zusammenschlagen (oder transitiv, s. II, 3, c); als ausdruck der verwunderung:

dô er des herzen niene vant,
er sluoch zesamene mit der hant. kaiserchron. 6909 Schröder.


d) ein pferd schlägt mit den hufen: schlagen, als ein pferd mit den hinter-füssen, calcitrare Frisch 2, 187a; das schlagen der pferde, actio feriendi calcibus 199c; das pferd schlägt und wird beschlagen. Lang Hammelb. reise 41 Hartmann;

eʒ enbeiʒ noch ensluoc
und lieʒ ûf sich wol sitzen. Lanzelot 1458;

und siehst du dort mein röszlein
nach dem zügel schlagen? wunderhorn 2, 147 Boxberger;

woher habt ihr das schwarze pferd,
das so gewaltig schlägt und beiszet? 171.

dafür gewöhnlich ausschlagen (4), s. theil 1, 953, nd. agter uut slaen, auch übertragen, seinem wohlthäter mit undonk lohnen. brem. wb. 4, 801, 1) widerspenstig sein, 2) verschwinden Schütze 4, 105; he sleit all wedder achterut, von einem genesenden. 107. hiervon geht aus die sprichwörtliche redensart aus dem geschirre schlagen, a bonis moribus discedere Steinbach 2, 427: dasz sie solche meine treu mit untreu belohnen und mir ausz dem geschirr schlagen wolte. Simpl. schriften 4, 49, 30 Kurz; jetzt ist üblicher über die stränge schlagen, übermütig, ausgelassen, mutwillig sein.
e) thiere schlagen mit dem schwanze:

er (der fuchs) schlug an baum mit seinem schwantz
ein mal, drey, vier.
B. Waldis Esop 3, 73, 24;

sie (die fische) schlagn mit den schwänzen. wunderhorn 1, 375 Boxberger;

vom zuschlagen des augenlids:

alsô skiero sô diu brâwa geslât. memento mori 6, 6;

selten mit dem rachen schlagen, schnappen: und kummet der visch, .. schlecht mit dem rachen in hamen und wirt alszo gefangen. Luther 9, 661, 24 Weim. ausgabe. — mit den flügeln schlagen s. 8, a.
f) vom ausschlage der wage:

mit wol gehûfter lâge
wart die sunde al zûmâle
geworfen in die schâle ...
daʒ die schâle nider slûc. Marienl. 19, 176 Pfeiffer;

me plecht to wegende hir de sunde;
we de aldermeist hât gedân,
darnach môt weder sîn wage slân.
Gerhart v. Minden 92, 100.

wider slagen, zurückschlagen:

Fride finde dann den rât,
daʒ die wage wider slage
unde uns ûʒ der hellen trage
von der jâmerkeite. erlösung 883 Bartsch;

er (der liebesgott) legt in die schaal' und wäget:
dann steigt die schaale der falschheit,
die schaale der treue schläget
wohl auf den kranz der freuden.
Fr. Müller 1, 239;

dann nahm er diese nackten rauhen kolossen und schichtete sie sämmtlich in die eine wagschaale auf, und in die andere warf er getäfelte leichte figuren ... und ersuchte den scholaren, acht zu geben, wohin das wägende zünglein schlage. J. Paul Titan 1, 119.
4) von erscheinungen des wetters mit dem nebensinne des vernichtenden, vgl. DWB I, 3, b und einschlagen theil 3, sp. 273.
a) vom hagel: wie kompts dasz der hagel zu sommer schlegt und im winter nicht? Elucid. (Frankf. o. j.) J 4a; da wurde ich allererst gewahr, dasz der hagel geschlagen (hätte) und die betrügerin betrogen worden wäre. Simpl. schr. 3, 67, 8 Kurz;

wann schon der hagel schlägt,
und wann ein platsch-reg sonst fast alles nider lägt.
Rompler reimged. 31;

für geschosse mich zu stärken,
und ein hartes heldenlos,
schlug der hagel meiner mutter
in den schmerzgesprengten schosz.
Lenau 2, 469 Koch (Ziska 1, 23);

so auch:

war es der donner?
war es der hagel?
war es der sturm,
der so tobte, so schlug?
Göthe 11, 175.

mit zusatz es schlägt steine: hat es hye und auszerhalb fast blizget und durnet und stain geschlagen, als grosz wie ein hennenei. quelle bei Birlinger 396b.
b) vom donner: schlagen, als der donner in etwas, de coelo tangi, fulmine percuti Frisch 2, 187a;

[Bd. 15, Sp. 400]


dar nâch sluoc alsô dicke
ein alsô krefteger donreslac
daʒ ich ûf der erde gelac. Iwein 650;

er hât gevohten manec vrist,
daʒ eʒ in den bergen hal
als ein donner slüege ze tal!
Teichner bei
Karajan anm. 291a;

so mancher donner schlug schon losz,
dir halsz und lästern abzukürtzen.
Günther 126;

gleich darauf schlug der donner auf das grabmahl der Julia, des Cäsars tochter. Lessing 4, 43; am fusze des gewölbes leckten durchsichtige blitze, und der donner schlug dreimal an das schwarze gewölbe. J. Paul Hesp. 2, 248; ein donner schlug hinter dem andern. 4, 56.
c) vom blitz, nach neuerm sprachgebrauch:

gleich wie der plitz mit donner-strahlen
am meisten in die eichen schlägt. Königsb. dichterkr. s. 93 neudruck;

so schnell ist kaum der blick, indem er schlägt, verschwunden.
J. E. Schlegel 1, 278.


d) vom wetter: warumb schlägt das wetter gemeinlich in die hochste häuser? Lehmann 182; ein entsetzliches gewitter ... hat uns diese nacht geweckt. es schlug auf der hohen Schlaufe in eine vierspännige fichte und zündete. Göthe briefe 5, 168 Weim. ausg.; er (Knebel) wird von einem donnerwetter erzählen das nach mitternacht über den wald kam und mit einer fürchterlichen gewalt um uns leuchtete, schlug und prasselte. ebenda.
e) ohne subject, es schlägt, schlägt ein: es schlegt nit alweg, wann es gleich donert. Franck sprichw. 1, 82a. Petri Cc 7b; wie hab' ich freitags deinetwegen gezittert, als die wüthende wolke dich mit ihrem donner verfolgte! .. endlich fiel mir nachts noch dazu ein, .. dasz es gern ins donnerhäuschen schlage. J. Paul Titan 3, 30; und der hofverwalter kam und berichtete, dasz es zweimal in den berg nebenan geschlagen. Freytag handschr. 1, 134.
f) im bergbau schlagende wetter, die gefährlichen und verheerenden explosionen, welche dadurch entstehen, dasz sich in gruben wasserstoff und kohlenwasserstoff, vermischt mit atmosphärischer luft ansammelt, und beim eintreten des bergmannes am grubenlicht entzündet, s. Veith 571. Scheuchenstuel 212 f. Oken 1, 742: auf erzführenden lagerstätten wird bisweilen eine ganze strecke mit schlagenden wettern ausgefüllt. Humboldt unterird. gasarten (Braunschw. 1799) 33. als verb:

brausen die wasser und schlagen die wetter. quelle bei
Veith 419;

auch von der wirkung eines sprengschusses: der schusz hat gut geschlagen, eine grosze menge gestein weggerissen oder gelockert. Scheuchenstuel 211 f., vgl. 12, a, β.
g) an diese verwendungen schlieszen sich bildliche ausdrücke, meist vom bilde des blitzes ausgehend:

der rache blitz schlägt ins gewissen.
Günther 16;

das ist der liebe heilger götterstrahl,
der in die seele schlägt und trift und zündet,
wenn sich verwandtes zum verwandten findet.
Schiller braut von Messina 3, 5;

wenn in den aufgehäuften feuerzunder
des alten hasses auch noch dieser blitz,
der eifersucht feindselge flamme schlug. 4, 1;

mein wort schlug nicht entzündend in sein herz,
denn keine zornesflammen lodern auf.
Ludwig 3, 428;

der schlusz .. dasz in der herübergerückten tiefen wolke ein zufall den schlagenden funken des todes leicht locke. J. Paul Titan 3, 23.
h) hieher gehören wol auch wendungen wie das unglück schlägt in die sache u. ähnl.: er wolte dasz das unglück in die sach schlüge, sie wer doch verspielt. Ayrer proc. 369 (1, 15);

ich het mir ein blen erworben,
da schlg als ungelück drin.
Uhland volksl.2 61 (36, 1);

wie denn narren nie worden klug,
ehe denn der schad hernacher schlug.
Rollenhagen froschm. Z 3b.


i) besonders in verwünschungen, doch auch umgekehrt:

glück schlag ins haus,
komm nimmermehr heraus! wunderhorn 2, 542 Boxberger.

vgl. dazu: in der bettler molestien sachen, schlag dz glück was es woll, hat es schier nichts zu schaffen. Schuppius 697 (hierher oder zu 1?); ähnlich auch:

der teufel schlah zu disen schwenken. fastn. sp. 538, 2,

[Bd. 15, Sp. 401]


bei dem häufigen fluche da schlage blei zu ist wol an bleikugeln zu denken (s. theil 2, 89); weitere belege: da schlahe bley zu! Paracelsus buch Paragranum (Frankf. 1565) vorr. via; da schlahe der plisack z. 16a; schlag bley zu denen, die uns Jesus geraubt, und de facto abgetrungen, es leben noch viel menschen. Ayrer proc. 726 (3, 1).
5) heftig fallen, stürzen, von menschen oder auch von schweren gegenständen:

sie schlägt stracks hinter sich für zittern, qual und prast.
Dietr. v. d. Werder Ariost 10, 24, 3;

wir fällen bäume,
die krachend schlagen.
Göthe 41, 29 (Faust II, 1);

Adam. hier bin ich hingefallen, sag' ich euch.
Licht. unbildlich: hingeschlagen?
H. v. Kleist 3, 97 (zerbr. kr. 1);

als stürzte mich ein schloszenregen
von eines bergs zehn klafter hohem abhang,
so schlag' ich jetzt vom fenster euch ins zimmer. 128 (ebenda 7);

als man ihn
gewaltsam von ihr trennte, schlug sie nieder
in ohnmacht auf das pflaster.
Ludwig 3, 228;

er schlägt zurück auf's bett, vom tod entrafft.
Geibel 2, 73;

so schoben sie ... die schüssel so weit leise vor, dasz der greifende häscher ohne mühe hineintrampelte und drüberschlug. J. Paul uns. loge 1, 97; sehr häufig in der umgangssprache und in mundartlicher rede: das kind ist mit dem kopfe auf einen stein, an die wand geschlagen. Adelung (I, 1, 1); nd. ek slaug up de ere; ek slaug med den kop up de steine. Schambach 193a;

ich mechte suster runder schloan. schles. volksl., s.
Frommann 6, 274, 18 (vgl. s. 276).

vgl. auch die zusammensetzungen hinschlagen (2, th. 4, 2, 1470), niederschlagen (III, 1, th. 7, 790). zu scherben schlagen für gewöhnlicheres springen, als intransitiv zu II, 2, a:

sie warf in ihrem zürnen in den bach den krug,
dasz er auf den kieseln zu tausend scherben schlug.
Geibel 2, 196.

vom fluge eines vogels:

und das leichhuhn schlug an das kammerfenster und heulte.
Hölty 43 Halm.


6) sich wohin begeben, in einer richtung bewegen, geraten, so namentlich in der ältern sprache, vgl. sich schlagen IV, 5.
a) sinnlich, vgl. Schm. 2, 513 (h):

dô ich hugelîchen hôrte
die hunde also wehen,
do slg ich gên einem orte,
dâ mich dûcht daʒ ich eʒ möcht gesehen.
Hadamar v. Laber jagd 119;

slach ich dar oder danne. 561;

sich under dich, und slach ot hin mit Triuwen. 50;

tzu dem herr ...
daʒ hett tzu veld geslagen.
Suchenwirt 18, 167;

do berait sich der chayser daʒ er nu reiten wolt in die stat, und er slg auf die gemainen strazzen. gesta Romanorum 156 Keller; endlich trieb er eine stute abseits; die eilte nun auf ein ander feld zu einer andern zahlreichen versammlung von stuten. auch diese von schrecken ergriffen, schlugen hinüber zu dem ersten haufen. Göthe 29, 13; so auch mnd.: hyrumme slogen se (die wagen) mit der hast wedder to rugge in de stat, dat se de hertoghe nicht en krech. Lüb. chr. 2, 242 bei Schiller-Lübben 4, 228b; in dat lant slân, einfallen, s. ebenda; dor de lantwere slân, brechen, s. ebenda; to lande slaan, anlanden; auch: ins land kommen; he is wedder to lande slagen, er ist aus der fremde zurückgekommen. brem. wb. 6, 308. ebenso oberd.: ehe er in der glückseligen insel zu lande schlägt. Bodmer bei Campe (III, 4); und schon mhd.:

die schif mit aller rîcheit
vil und vil weizes trûgen,
dâ mite si dô slûgen
an sante Nicolaus lant. pass. 12, 32 Köpke;

Bartholomeus der gûte
ûf ein inselen slûch. pass. 291, 67 Hahn.

ab dem wg schlahen, abgon, iter torquere Maaler 355b, vgl. Schmeller a. a. o. zu einander schlagen, feindlich zusammenstoszen:

und dô sî mit der dîte
itzunt zûsamin soldin slân,
secht, dô wante sich hin dan
zegelîchin an dî vlucht
al dî heidenische trucht.
Nicol. v. Jeroschin 4943, vgl. 20030.

[Bd. 15, Sp. 402]


ähnlich in übertragenem sinne: beide hauptkaraktere laufen hier schon mit derjenigen kraft, und nach derjenigen richtung aus, welche den leser errathen läszt, wo und wann und wie heftig sie in der folge widereinander schlagen. Schiller 5, 1, 3 (vorr. zu dom Karlos).
b) zu einem schlagen, zunächst, zu ihm stoszen, sich zu ihm begeben: wir .. furen gen Asson, und wolten daselbs Paulum zu uns nemen .. als er nu zu uns schlug zu Asson, namen wir jn zu uns. ap. gesch. 20, 14;

einen grôʒen hof er gewan;
diu lantmenege zuo im sluoc. Lanzelet 8383.

sich ihm anschlieszen, seine partei ergreifen: von einem an einen schlagen, übertreten, s. Schm. 2, 514 (vgl. IV, 7): wan dann alle fürsten und herren umb uns an den egenanten Ruprecht, römischen künige, geslagen und sich zu im gehalten haben. d. städtechron. 1, 199, 25; do vorhte künig Rdolf, so er enweg keme, das Behemerlant wider an den sun slüge. 8, 450, 1; donoch hielt der herzoge also herte mit schetzunge die von Lucerne und Züge und von Glarys, das sü von dem herzogen slgent und woltent nyme des herzogen sin. 9, 824, 3; als bald der herzog aus dem (land zu Lüttich) kam, schlugen die von Gent, Brück und vill ander stet wider zu dem von Rafenstain. Wilw. v. Schaumb. 106; auch, sich zu seiner meinung schlagen, ihm zustimmen: darumb ists nicht wunder, das es andern schweer wird, den glauben so rein zu fassen, sonderlich wenn auch noch dazu schlahen, dieselbigen teufels prediger .. die dawider schreien. Luther 6, 43a; das heisst der predigt sat, und uberdrossen worden. dazu schlecht denn juncker Fürwitz, o wir müssen diesen auch hören. 6, 212a (vgl. 7, i).
c) vereinzelt weiter schlagen, fortfahren: ich schlage weiter, zu des jüngeren Philostrats siebendem gemählde. Herder 15, 433 Suphan.
d) sehr häufig ist in sich schlagen, wie in sich gehen (s. theil 4, 1, 2452), bei sich einkehr halten, zur selbsterkenntnis kommen, sich besinnen, bedenken, meist in dem sinne: sein unrecht einsehen und bereuen. dafür der vollere audruck in sein herz schlagen: unnd das gott wolt, yhr schlugt ynn ewr hertz unnd bedechtet .. Luther 9, 757, 20 Weim. ausg.; wenn sie an dir sündigen werden .. und sie in jr hertz schlahen .. und bekeren sich .. und sprechen, wir haben gesündigt und missethan. 1 kön. 8, 47, vgl. Adelung (I, 2, 4, b, γ). Schm. 2, 513; als Taxilo zu dem dritten mal was treulos worden .. da ward Taxilo in sich selbs schlahen und stiftet vil klöster. d. städtechr. 3, 61, 16; wan er nun semliches sahe, so schlg er in sich selber, und gedacht, in dem closter da du gewesen byst, da leben sie auch also fridsamlich miteinander (wie die ameisen). Keisersberg emeis 7b; aber da er den zipffel Saul hatte abgeschnitten, schlug er jn sich. 1 Sam. 24, 6; da schlug er in sich, und sprach, wie viel taglöner hat mein vater, die brot die fülle haben, und ich verderbe im hunger. Luc. 15, 17; wenn du also ernstlich in dich geschlagen, und in deines elends erkentnis gedemütiget bist. Luther 1, 73a; also geschicht auch uns noch jmerdar, das wir in uns müssen schlagen, wenn wir gefallen sind. 4, 30b; wenn du nu nicht so gar verrucht und unverschampt werest, soltestu dich ja schemen, wenn dir solchs dein gewissen sagt, und diesen spruch fürhielte, das du müstest in dich schlahen. 5, 439b; solten sie ja billich in sich geschlagen haben, weich und demütig worden sein. 8, 82b; ob welchem der könig .. hefftig erschrocken in sich schlg, gedachte hindersich, und besserte etlicher massen .. sein leben. Kirchhof wendunm. 1, 149 Österley (1, 117); aber gott kan denen, so busse thun, und inn sich selber schlagen .. viel zu gut halten. Mathesius Sar. 83b; dadurch kommen sie wiederum zur erkanntnisz, sie schlagen ein sich und den sie gedachten übels zu thun, den beweisen sie alles gutes. Reineke fuchs (Rostock 1650) 290; indessen aber schlug ich auch in mich selber, weil ich mich selbst keines guten gewissens trösten konte. Simpl. schrift. 3, 418, 29 Kurz; rede den räubern mit klugen, beweglichen worten zu, ob sie vielleicht durch dich eines bessern unterrichtet, in sich schlagen, und uns die güter wieder geben möchten. Olearius rosenth. 33a (2, 15); durch gottes wort erwecket und aufgemuntert, dasz sie in sich schlugen, sich von den lüsten der jugend mehr entzogen. Spener pietismus (1710) 70; so schlug ich denn in mich, wie ich die gräuliche wirthschaft sah. Tieck Cev. 1, 34; scherzhaft: das frivole gedicht war in sich geschlagen, der text verschwunden. Immermann 1, 101 (Münchh. 1, 9);

[Bd. 15, Sp. 403]


erst slug der purger in sich do
und wart sein in im selber remen
und dacht sol mich ein kint beschemen.
H. Folz, s. zeitschr. f. d. alterth. 8, 522, 190;

der vatter diser red nach san ...
und darvon in sich selber schlug,
dacht: wie ich hab meim vatter ton,
also wirts mir gleich eben gon.
H. Sachs spruchged. s. 142, 142 Tittmann;

da fieng er an und schlug in sich,
seufftzet und weinet gar bitterlich. Ambras. liederb. 128, 31.

selten steht miszbräuchlich in mit dem dativ: einsmahls in der nacht überlegete ich bey mir die zeit meines vergangenen lebens, und betrachtete nicht ohne wehemuth den unwiederbringlichen verlust meiner so übel angewandten jahre ... schlug in mir. Olearius pers. rosenth. vorr. B 2a.
7) so auch von dingen, sich wohin bewegen, verbreiten, in mannigfachen verwendungen.
a) regen, feuer, rauch u. ähnl. schlägt wohin.
α) regen schlägt jemandem ins gesicht, vgl.:

ein regen kam gerunnen,
das oben auf mich vil mancher tropf,
die schlugen mir da an den kopf
so lang pisz mir das har abging. fastn. sp. 563, 8.


β) der rauch schlägt in die höhe. Lehmann 42; Rollmaus, halt deine fackel zur seite, der ganze rauch schlägt dem herrn doctor in's gesicht. Freytag handschr. 1, 165;

wer blind wählet, dem schlägt opferdampf
in die augen.
Klopstock 2, 96.

so auch: daʒ ist dar umb, daʒ winterzeiten die warmen dünst hin ein in daʒ ertreich slahent und machent die erden warm inwendig; aber sumerzeiten slahent si her auʒ und beleibt daʒ ertreich kalt. Megenberg 103, 31 ff.; auf diese unschuldige weise halte ich mich im stillen, und lasse den garstigen Wartburger feuerstank verdunsten, den ganz Deutschland übel empfindet, indesz er bey uns schon verraucht wäre, wenn er nicht bey nord - ost - wind wieder zurück schlüge. Göthe an Zelter 2, 416 (den 16. dec. 1817).
γ) vom feuer:

daʒ fuir slûg in ingegini. denkm.3 1, 135, 7, 5;

sîn (des kleides der Kreusa) wildeʒ fiur sluoc in daʒ dach
und allenthalben in daʒ hûs. troj. krieg 11326;

und da die lohe allenthalben in die pfannen schlug. 2 Macc. 7, 5; um sich schlagenden feuwers halben. Kirchhof milit. discipl. 185; seht ihr die flammen schlagen an den wiegen der säuglinge. Schiller räuber 5, 2 schauspiel;

sie stürzen sich nach ihm in die gemalten flammen,
und die grausame gluth schlägt über sie zusammen.
Zachariä schnupftuch 2, 254;

wie wenn heftig die flammende lohe mit knattern
schlägt um den wallenden kessel aus untergelegetem reisig.
Voss Virg. Aen. 7, 462;

zum himmel schlägt die fürchterliche lohe.
Schiller 6, 382 (Aen. 2, 127);

als wir das schlosz
vom feind geleert, nun freudig angezündet,
die flamme prasselnd schon zum himmel schlug. Tell 5, 1;

oft bildlich: wenn diese flammen ins vaterland schlagen, mögen die Doria veste stehen. Schiller Fiesko 1, 8;

es schlage
des unmuths flamme himmelan!
Gotter 1, 223;

himmel, schlagen deiner strafen flammen
alle, alle über uns zusammen?
Seume ged. (1826) 129;

stehe still in den flammen,
die um dich schlagen zusammen.
Rückert 12, 70.

ähnlich: die flammenröthe schlug ihr ins gesicht, als sie sich so verrathen sah. Hauff 12, 34 Hempel.
b) feuer, schimmer u. a. schlägt woraus, bricht hervor: ûʒer demo eimberine slûog taʒ heiʒa fîur (anhelabat flamma). quelle bei Graff 6, 763;

aus dem zerritzten gips schlug funkenreicher schimmer.
Zachariä renomm. 1, 143;

in's feuer, dessen gluthgewalten,
rings schlagend aus des bodens spalten,
aufquollen in busch- und baumgestalten.
Rückert (1882) 12, 70;

meist unsinnlich: mensch, dein gesicht brennt fieberisch, wie dein gespräch. weh, auch aus dem meinigen, ich fühls, schlägt wildes, frevelndes feuer. Schiller Fiesko 4, 12;

[Bd. 15, Sp. 404]


sô merket, wie man biche ein vaʒ:
die wîle der bodem ist fürgeschoben,
sô schadet der lohen niemant oben.
wirt aber der podem abgetân,
sô sleht der lohe des fiures ûf sân.
seht, alsus brinnet in mangem man
nît, der in lange über gên kan;
bringet aber der zorn den nît ze haʒʒe,
sô sleht der lohe schier ûʒ dem vaʒʒe. renner 13959—67;

wie den niedern begriff die hohe,
schlug ihr aus den augen des zornes lohe.
Rückert (1882) 12, 45;

ferner ist schwer zu verbergen auch
die liebe, noch so stille gehegt,
sie doch gar leicht aus den augen schlägt.
Göthe 5, 11;

die schrift der götter in der menschheit buch,
wer mag sie löschen? wer den ewgen kern
der menschenbrust ertöten? .. wilde tyrannei,
zerstück ihn; aus den stücken siegend noch
schlägt seine glut.
Ludwig 4, 406.

ähnlich: feuchtigkeit, nässe schlägt aus den steinen, den wänden u. ähnl.; auch tinte schlägt durch das papier: schlagen, als wasser durch den hut, als dinte durchs papier, penetrare. Frisch 2, 187b.
c) seltenere und weniger sinnliche verbindungen: sô der sunne drîn (in das gläserne fenster) slehit unde widir ûʒ gêt. Wackernagel leseb. 12, 191, 33; dô gebôt unser herre ainem starken und haiʒen winde, dc der wâti ûf herren Jonam, und dc diu sunne och sclge ûf sîn hpt. Grieshaber pred. 2, 103; die sonne schlug so warm, ringsum warm herum, als wenn sie es auswärmen wollte. Hippel lebensl. 4, 86;

deu seure slc in daʒ holz.
Diemer