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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
genetzt bis genicken (Bd. 5, Sp. 3390 bis 3396)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) genetzt, madefactus Henisch 1493 (s.netzen): da spottet man wol über seinen mitbruder, der (beim essen) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe 36, 85 (Rameaus neffe), durchnäszt.

[Bd. 5, Sp. 3391]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) geneunt, neunfach, wie gedritt, geviert u. a., von den neun Musen:

Apollo, dem an gaist und haar
du gleichest, hat dir übergeben
die castalisch-geneünte schaar,
ihr singen wider zu beleben.
Weckherlin 376 (od. 1, 7);

disz hat der Kastalinnen
geneundte schwester-zunft so glücklich enden können
durch ihrer musik macht.
Fleming 58 (Lapp. 122);

will ein erhabner geist, ein zweyter Lohenstein
des Phoebus hofpoet und erster günstling sein
und der geneunten zahl mit reingewaschner lippe ..
der andacht weihrauch streun ..
Rabener (1755) 2, 4.


 
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geneusen , spüren, wittern, merken u. ä., nur mundartlich erhalten, aber alt und von wert.
1)
a) bezeugt zwar ist nur geneisen, östr. gnaisn 'verstehen', z. b. i hbs glai gnaist, gleich weggehabt Castelli 143, bair. gneiszen, wittern, merken, wahrnehmen, ahnen Schmeller 2, 707, z. b.: i ha schon lang so eppes (etwas) gneiszt; es wird, so viel i gneisz, schon kalt;

kaum hats der kloane Hansl gneist,
macht er an sprung dasz's kracht.
Marc. Sturm lieder in bair. mundart 98.

auch schwäb. gneisen und einfach neisen erfahren, fränk. riechen, merken Schmid 401, im Allgäu der gneisz, das vorgefühl, dergneiszen, endlich ausspüren, in erfahrung bringen Schm. 2, 707, auch tirol. er hat eine feine nase und dergneiszt alles Schöpf 465. Schmeller 'getraute sich noch nicht', geneusen anzusetzen, obschon er schon das ahd. niusan u. s. w. verglich, so lange ihm nicht die aussprache gnoisn, gnuisn vorgekommen wäre.
b) aber eu für ei ist auszerdem bezeugt im 16. jh. und noch jetzt, und musz das ursprüngliche sein: schwäb. neusen merken Birlinger Augsb. wb. 352a, im 16. jh. erneusen (s. d.) ausspüren bei Paracelsus, durchneusen (ebend.) im Karsthans Hutten 4, 637 (var. durchnieschen, vergl. 3, b), durchspüren, durchschnüffeln; bei Keisersberg ebend. ernöisen, aber auch schon erneisen, wie er neisen schreibt (s. unter neusen) und erneisig, wiszbegierig (s. erneusig). das einfache wort ist schweiz. wolerhalten, näusen und nausen, mit dem geruche untersuchen, stänkern, dazu ernäusen und durchnäusen oder nausen Stalder 2, 233, aarg. nöuse und nouse wühlend durchsuchen Hunziker 195, der erstern form entspricht Keisersbergs ernöisen und auch das eu wird nichts andres sein als diesz öi und öu (genauer öü).
c) mhd. ist nöusen oder nousen, genöusen, ernöusen (oder mit öi) zu erwarten, sind aber noch nicht gefunden. aber ahd., doch im vocal abweichend, nicht nousian, sondern arniusian experiri, piniusan invenire, reperire, nancisci, percunctari, explorare, addiscere, cognoscere Graff 2, 1104 fg., Schm. 2, 707, ebenso alts. niusian und niusôn versuchen, versuchend prüfen Hel. 4660. 1075, ags. niósian, neósian explorare, inquirere, visitare Grein 2, 291, geneósian 1, 436, altn. nýsa (auch hnýsa) explorare, speculari, diese alle in form und sinn eins, aber nicht völlig eins mit dem nhd. geneusen; goth. noch etwas anders niuhsjan in biniuhsjan κατασκοπεῖν, niuhseins f. ἐπισκοπή, sachlich jenem explorare, visitare entsprechend. s. weiter 3.
2) hergehörig ist auch ein adj. geneusig in ungeneusig, ungeneuszig, unersättlich.
a) ungeneuszig im 16. jahrh., md. im westen und osten: die herrn und hausmütter sollen ihr gesind uff die feirtage das wort gottes hören und den catechismum lernen lassen und nit uff solche tage zur arbeyt treiben, wie etliche ungeneuszige geitzwänst pflegen. Alberus ehbüchlin G 4b, in seinem dict. 11b ungeneuszig pamphagus; landsmann, du bist ungeneuszig. Hellbach übers. des Grobianus (1567) 48 bei Weinhold schles. wb. 65a.
b) noch jetzt in mundarten, im osten und westen: schlesisch ungeneuszig unersättlich, habsüchtig und neidisch Weinhold, auch in Posen ungeneiszig, ungeniszig, ungenügsam, alles haben wollend, heiszhungerig Bernd 331, aus Schlesien gibt er ungeneuszlich, das erste aber, ungeneiszĭg, auch aus Coblenz, Jülich und Berg, also das wetterauische ungeneuszig im 16. jh., jetzt dort 'ungeneuisch', unmäszig, besonders im essen Weigand wb. 1876 2, 968, eigentlich wol ungeneus'sch; in Nassau ungeneuszig Kehrein 159. aus Aachen ein rest in ongenüsig ausschelten, sehr, über die maszen Müller u. Weitz 171.
c) aber auch ohne das un- nassauisch geneuszig, genäiszig, westerw. gnaszig (a gleich ai) Schmidt 67, begierig beim essen und trinken Kehrein 159, genauer bei Schmidt von leuten, die, wenn sie an einen ort kommen, wo gegessen und getrunken wird,

[Bd. 5, Sp. 3392]


sehr sichtbar zeigen, dasz sie daran theil nehmen möchten. danach ist jenes un- nicht das verneinende, sondern das steigernde, tadelnde. in Schlesien auch genieszlich, geniszlich Weinhold a. a. o., der es danach zu genieszen zieht (wie Weigand gleichfalls), das sprachgefühl mag es wirklich so umgedeutet haben, es meint aber eigentlich das gebaren des gierigen, der nach der duftenden kost 'schnüffelt' (s. 3), wie noch Schmidts beschreibung sehen läszt.
d) merkwürdig dagegen im 15. jh. genüszlich und genusig frugalis Dief. 249a, wie gegensatz zu jenem ungeneusig und wie erst daraus entnommen.
e) auch folgendes geneusze n. im 17. jahrh. musz hierher gehören: hierher gehören auch alle aufschneider, die von schlachten, reisen und frauengeneusze grosze flecke schneiden (viel rühmens machen). weim. jahrb. 1, 323 aus einem complimentierbüchlein vom j. 1654, das herumliebeln im lande als frauenschnüffelei und näscherei gedacht.
3) zur geschichte und verwandtschaft des wortes und begriffes.
a) neusen ist eigentlich schnüffeln und gehört offenbar zusammen mit niesen sternutare, beide ein hörbares thun der nase, der nüstern, dieses ein unwillkürliches, jenes ein willkürliches, gemachtes, und dazu stimmt die bildung, denn nöusen, ahd. anzunehmen nousian, ist eigentlich 'niesen machen' (die nüstern), und das überlieferte niusian nicht anders, dieses mit dem vocal des praesensstammes, jenes mit dem des praet. von niesen, ahd. niosan (niusit sternutat Graff 2, 1104), das starkformig war, praet. nôs oder eigentlich nous. altn. heiszt freilich das niesen hniosa (praet. hnaus), doch auch ahd. zweimal pihniusan Graff 2, 1105 und altn. für nýsa ausspähen auch hnýsa Egilsson 607b, Rietz 468b, das h ist vielleicht doch kein anderes als das in goth. niuhsjan, ich halte eine solche beweglichkeit dieses zarten lautes mit stellenwechsel nicht für unmöglich. unserm nöusen, nousen im vocal gleichstehend ist isl. nausna riechen, mit dem geruch spüren, in der endbildung diesem gleich norw. njosna, altn. njósna, altschw. niusna, auf kundschaft spähen oder lauern, dazu norw. njos m. spur oder wink beim spähen u. ä. Aasen 537a, dän. schwed. nys m. (vgl. Rietz 468b), im grunde gleich dem schwäb. gneis vorgefühl unter 1, a, eigentlich witterung auf der fährte. das alles geht denn im grunde in älteste zeit zurück, in die zeit der germ. urgemeinschaft, mensch und thier erscheinen da, wie immer, auf gleichem fusz behandelt, das spüren, spähen noch als ein wittern mit den nüstern, dem feind im kriege, wie dem wild auf der jagd gegenüber (vgl. DWB geneusen vom jagdhund unter c), selbst das erkennen, 'wegkriegen' als von der nase ausgehend gedacht, wie ja in redensarten von feiner nase u. ähnl. noch jetzt geschieht (s. aus Tirol unter 1, a), auch wittern, schnüffeln (vergl. DWB schnauben und schnupfen) noch jetzt auf menschen und auf forschen bezogen wird.
b) der stamm, in einfach ältester form nus, erscheint auch, wie so oft stämme auf -s (s. z. b. unter krosel 3, knüssen 6, gaufe 3, e) verstärkt durch -t und -k, nust und nusk. das erste z. b. in schweiz. nustern, nüstern schnüffeln, mit dem geruch untersuchen Stalder 2, 247. 233, dän. dial. nystre spähen u. ähnl., bair. nuesten, nüesten suchend wühlen Schm. 2, 714, daher die nüstern, naslöcher (nicht oberd.), vgl. DWB durchnüstern von spürhunden (nd.). das andere z. b. in schweiz. nuschen herum stöbern in etwas Rütte 62, bair. nueschen suchend wühlen oder herumriechen, wie z. b. das schwein, doch auch von menschen Schm. 2, 712, nd. nüschen mit der nase durchwühlen wie schweine oder hunde Dähnert 332a, norw. nuska nach futter suchen (auch nusla) Aasen 542b. zu durchnieschen im 16. jahrh., durchschnüffeln (s. u. 1, b Hutten), ernieschen rimari Altenstaig stellt sich im vocal und stammauslaut entsprechend schwäb. fürnieschig, auch einfach fürnies (s. d.), neugierig, vorwitzig, sicher alt, denn altnord. entspricht ein subst. fornjósn f., circumspectio, exploratio Egilsson 193a, eig. das spähende wittern nach vorn.
c) für geneusen in form und eigentlicher bed. gibt übrigens die jägersprache zeugnis, auf umweg; wenn es da vom hunde heiszt, er genieszt die fährte, so ist das eigentlich geneuszt, diesz dann zu genieszen gezogen, eigentlich aber offenbar geneust, wittert, sucht mit der nase.
 
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genfen, rotwelsch, stehlen, wie ganfen (s. d.); im 16. 17. jh.: genfen, stelen. liber vagat., weim. jahrb. 4, 97; man hat einen, der zwei klebeisz (pferde) gegenfft, zweymal lär gestrantzt (gefoltert). Winkelfelder 252.
 
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geng, genge, s. DWB gänge; das dort unter 2, b vermisste gänge von thüren, schlössern, die gut 'gehen': dann soll der slosser (im städtischen dienst) .. die slosz schmiren mit dem

[Bd. 5, Sp. 3393]


paumöl und die slosz und thore auf und zu thun ein fart zwai oder dreu mal, also das die fertig und geng werden. Tucher Nürnb. baumeisterb. 248, 23.
 
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gengeln, gengen, s. DWB gängeln, DWB gängen.
 
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genial, genialisch, adj. zu genie.
1) es gilt seit dem 18. jh., nicht wie genie nach dem franz. (es ist nicht franz.), sondern nach lat. genialis, aber nur der form nach, denn dieses hat ganz andern sinn, wie noch ital. geniale, dem sinne des altrömischen genius, ital. genio entsprechend, auch z. b. für gemütlich, sympathisch, wolthuend freundlich; ebenso engl. genial, das doch Th. Carlyle sich auch im deutschen sinn erlaubt, wie geniality, wie auch im franz. sich génial nun geltend machen will, und ital. geniale wird nicht zurückbleiben. es ist eine eigenthümlich deutsche prägung, lat. gefäsz mit deutschem inhalt, wie auch genie seinen nun vorherrschenden begriff eigentlich erst in Deutschland erhalten hat. die verschiedene entstehung von genie und genial zeigt auch noch die aussprache, da das ge- in jenem franz., in diesem aber lat. ausgesprochen wird, seltsam genug bei ihrer genauen zusammengehörigkeit. entlehnt dän. genial, genialsk.
2) die anfangs gebrauchte form ist aber genialisch, d. h. in der endung auch wirklich deutsch gemacht, wie es anfangs hiesz idealisch, kolossalisch, sentimentalisch und noch jetzt theatralisch, moralisch, physicalisch, collegialisch, infernalisch, martialisch, die uns durchaus noch nicht zopfig anmuten, wie jene doch thun; genialisch gilt bis ins 19. jh. herein, z. b.: dieses gedicht war die frucht einiger genialischen stunden im jahre 1771. Wieland vorbericht zu Kombabus, d. h. in denen ihn 'der genius' besuchte; da er jenem das genialische geheimnis, angenehm zu sein, niemals abzulernen vermag. Schiller X, 304, 25 (10. ästh. br.); das ey des Columbus gilt von jeder genialischen entscheidung. 437, 26; eine solche art des ausdrucks ... ist es, was man in der schreibart vorzugsweise genialisch und geistreich nennt. 439, 27; wenn ich euch auch zugebe, dasz die genialischen menschen gewöhnlich ein wenig sonderbar sind. Göthe 36, 12 (Rameaus neffe); wie schon in dieser epoche genialische werke entsprangen. 25, 72 (aus m. leben 7); hier sah ich reue und busze bis zur caricatur getrieben, und, wie alle leidenschaft das genie ersetzt, wirklich genialisch. 263 (das. 9); gelassen beobachtende freunde pflegen gemeiniglich die genialischen nachtwandler unsanft mitunter aufzuwecken. 60, 296; er (Meyer) behauptete, dasz sogar das genialisch naive .. durch schule überliefert werden könne. an Schiller 21. juli 1798; das genie suchte ihn zu gewinnen, aber an dem stolzen, selbst genialischen Leviathan scheiterte alle seine kunst. Klinger 10, 275; ihre genialische ruhe war mir oft in glänzender begeisterung entgegengekommen. Hölderlin 245 (2, 89); die genialische kraft der alten welt kam zu der romantischen blüthe der neuen. Arndt geist der zeit (1806) 30; es (die Griechen) ist immer noch ein schönes, genialisches und fröhliches volk. 262; dagegen einem von der letztern art diese (die geistesbildung) vielmehr ein genialisches spiel ist. Fichte reden 55 (4. rede); mein erster gang war auf das schlachtfeld (bei Saalfeld), wo unser königlicher genialischer Louis fiel. vertraute briefe über die verh. am preusz. hofe 3, 169; obgleich genialische weiber meistens ungläubig sind, wie genialische männer gläubig. J. Paul 24, 100; weil der schritt vom wirklichen besitz zur poetischen anschauung (des besessenen) noch genialischer ist, als der von dieser zu jenem. 18, xxi, noch mehr geniale kraft verlangt.
3) genial tritt doch auch schon im 18. jahrh. auf:

jahre lang bildet der meister und kann sich nimmer genug thun,
dem genialen geschlecht wird es im traume beschert.
Schiller XI, 141 (mus. alm. 1797 s. 281).

selbst genialkiel, geniale feder, d. h. grammatisch behandelt wie general, special in generalregel, specialforschung u. s. w. (s. u. DWB general 6), was doch zum glück keinen anklang gefunden hat:

dies ganz zu werden, rathen wir,
zieh jeden genialkiel dir
bis auf den letzten stumpf heraus u. s. w.
Bürger 94b,

in dem streitgedicht gegen Schiller 'der vogel Urselbst' vom jahre 1792, vergl. im eingang des gedichtes:

das flügelpaar, mit welchem ihn
der hohe genius beliehn. 93a.

durchgedrungen ist es erst im 19. jh., anfangs noch mit jenem wechselnd, wie Campe im verd. wb. genial und genialisch zusammen gibt: erwarte, wenn ich diesmal von Schiller rede, nichts brillantes, keine hohen, genialischen züge ... den

[Bd. 5, Sp. 3394]


genialen Schiller kennst du aus seinen werken, der geniale Schiller war grosz, aber unendlich gröszer und liebenswürdiger noch war Schiller im kreise der seinigen. H. Voss mittheil. über Göthe u. Schiller 45, brieflich vom jahre 1806; mit einer genialen freiheit und besonnenheit war er (Lessing) u. s. w. J. Paul vorsch. der ästh. 1813 s. 59 (1804 48), geniale mannweiber, geniale höhe und freiheit 61, geniales feuer 70, geniale ruhe 71 u. s. w., aber auch noch das genialische innere 50 u. öfter (1804 s. 49. 58); daher entstand das unglück, dasz die eigentliche geniale epoche unsrer poesie weniges hervorbrachte, was man in seiner art correct nennen könnte. Göthe 48, 85 (aus m. l. 18); jenes ungebildete, damals mitunter genial genannte betragen. 99, von seiner reise mit den Stolbergs; man darf es (das werk) wohl als genial-empirisch .. ansprechen. 106, Lavaters physiognomik, dann doch wieder: daher war es leicht, genialisch zu sein. 149 (aus m. l. 19). noch bei Schleiermacher in seiner psychologie von 1818 s. 481 f. wechselt das geniale und genialische, in der von 1830 s. 338 ff. aber nur das erstere. und so fortan, z. b.: genial in meinen ansprüchen, wenn auch nicht in dem, was ich leistete, unbefriedigt von irgend etwas vorkommendem und immer in eine blaue weite strebend u. s. w. Immermann Münchh. 1, 212, die irdische kehrseite des begriffes wird da scharf hervorgekehrt, die denn auch im leben mit dem worte bezeichnet wird, wenn man z. b. in einer künstlerfamilie geniale wirtschaft findet, auch geniale lüderlichkeit ist geläufig, sonst genialer übermut, geniale tollheit u. dergl. im guten sinne geniale natur, genialer kopf, geniale leistung, schöpfung u. ä., auch geniale staatskunst, kriegsleitung u. s. w. es wird übrigens, wie in seinem ursprung, noch vorzugsweise auf kunst bezogen, 'der geniale künstler' fehlt nicht leicht in einem bericht über die enthüllung eines denkmals u. ä., es ist in kunstkreisen schon wie zu einem titel geworden, den die öffentliche meinung ertheilt; auf diesem wege ist virtuos zu seiner heutigen bed. gekommen (s. u. genie 7, d).
 
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genialität, f. geniale art, natur u. ä., eigne deutsche prägung mit fremden mitteln, denn lat. genialitas, ital. genialità haben ganz andern sinn (franz. ist es nicht, wie genial nicht, s. dort 1): genialität nennt sich ein vom genius handelndes distichenpaar Schillers im musenalm. 1797 s. 173; dasz manche (franz. generale), z. b. Moreau .. vermöge ihrer genialität sich selbst zu feldherren bildeten. vertraute briefe u. s. w. (1807) 1, 287, wozu doch in 'noten und anm. des setzers' s. xiii rügend bemerkt wird: genialität ist weder deutsch noch französisch u. s. w., die Deutschen .. hängen zu sehr an wort- und sinnklaubereyen, sie wollen alles recht ästhetisch machen und sagen (genie und genial stammen in der that aus unserer 'ästhetischen' welt); die brüder, die nichten, wie gerne waren sie einig, mit den untergeordnetsten leuten ihre vereinigte mittelmäszigkeit höher zu stellen als die genialität des herzens und geistes, von der sie sich doch stets erhellen und erwärmen lieszen. A. v. Humboldt br. an Varnhagen 257; seit jener epoche, wo man sich in Deutschland über den misbrauch der genialität zu beklagen anfieng, drängten sich freilich von zeit zu zeit auffallend verrückte menschen heran. Göthe 31, 61 (tag- u. jahresh. 1795); weil das edelste auch thorheit hervorbrachte, weil ... dem meister auch die schellen angehängt, die bunten läppchen umgeworfen wurden, mit denen sich eine etwas verrückt gewordene genialität ... zu schmücken glaubte. Tieck zu Lenz 1, lxxviii (krit. schr. 2, 250).
 
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genibel, n. nebelmasse, mhd. genibele, genibel, collectivum zu nebel, noch im 15. jahrh., z. b. in einem vorschlag im kriegsrat, den feind durch allgemeines brennen in seinem lande zu entmutigen:

das deucht mich ein guter rat,
dasz wir hinein zugen wider
und brenten alle das ernider,
das decher hete, wend und gibel,
und machten im land ein solch genibel,
dasz in ir manheit würde empfallen.
H. Rosenplut bei
Liliencron 1, 297a.


 
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genick, n. der nacken, mhd. genicke (s. 2, a).
1) die form.
a) wenn es Weigand mit Adelung zu nicken, nîgen zieht, so ist es doch von nacken nicht zu trennen, zu dem eine bildung genack (s. d.) bestand, im 15. jahrh. bezeugt, daneben aber genacken cervix in demselben voc. inc. teut. h 8a (g 5b, a. a. o. übersehen), also nacken nur mit ge- verstärkt und m.; bair. aber genäck n., das auch alt sein mag und zu genick die brücke bilden kann. letzteres gleichfalls im voc. inc. teut. in einer jüngeren ausg.: gnick, cervix, genack,

[Bd. 5, Sp. 3395]


nacke. h 3b (Dief. 115c). und diesz gleichfalls als masc.: gnick ist der hinder teil des halses, da durch den paternoster die adren ziehen z dem houpt, und darum, wann einer toll ist, so spricht man, er hab ein harten gnick. Terenz 1499 76b randgl. das deutet doch auf regelrechte ablautung zwischen nacken und genick, nd. nik (s. u. b), wozu die dritte form das rom. stellen kann, franz. nuque, genick, nacken, it. span. nuca, lomb. gnucca (Diez2 1, 292 fg.), worauf schon Adelung verwies, auch auf mlat. genuculum, genick, das eben aus den roman. formen gebildet ist.
b) auch nd. gnikk und knikk, das gelenk im nacken Dähnert 156a, daneben aber einfach nikk 329b, wie im Brem. wb. 2, 824 'knik, wir sagen auch gnik und nik, es kommt von nacke', altmärkisch gnickbuff und knickbuff, stosz ins genick. Danneil 67a, leider fehlen ältere formen, unter denen man genicke zu erwarten hätte. dies knik kommt auch in md. aussprache vor, z. b. knickfang für genickfang, ist aber im nd. nicht aus g'nick zu begreifen. s. übrigens auch weidm. nickfang, nicken 1, b gleich genicken und nick 2 aus der Lindauer metzgersprache, also auch oberd.
c) aber auch oberd. knick n. (s. d.) Fischart flöhh. 155 (dicht. 2, 7 Kurz), auch knickwirten genickwirbel Garg. 205a (Sch. 381);

der jung löb loff, viel unfursichtig in die strick,
der jeger schlug in mit dem pengel auf sein knick. meisterl. Berl. hs. nr. 160 (
W. Grimm).

dazu knicken (s. d. 5) gleich genicken, das genick brechen, z. b. einen hasen knicken H. Sachs 5, 157, 2. 159, 16 Keller, eine taube knicken; diesz knicken ist von nd. md. ursprung, tritt aber oberd. eingeführt schon im 16. jahrh. auf, es wird sich mit genick gemischt haben, zuerst im gebrauch der jäger, der küche u. ä., eine einmischung von nicken ist aber auch wahrscheinlich, s. u. genicken.
2) genick meint theils den ganzen nacken, theils den mehr hohlen theil desselben, wo das halsgelenk sitzt, auch dieses selbst (s. Adelung).
a) mhd. z. b. einem sîn genicke biegen MSH. 3, 468z, sich vor ihm beugen, die kleider hat man ûf dem genicke, auf dem halse, ein dürftiger z. b. klagt:

diu cleit ûf dem genicke
diu sint mir leider dünne.
Pfeiffer altd. übungsb. s. 138, 149.

nhd.: rautensaft erwecket die schlafsüchtigen, so man ihnen das genick darmit reibet. Tabernaemont. 395; als er (kaiser Friedrich der erste) dem papst die füsz küszte und ihm derselbig den fusz auf dem (so) genick setzte u. s. w. Zinkgref 1, 23;

senkte sie hier das genicke,
dort zerrauft' er sich das haar.
Göthe 1, 154 (rechenschaft);

tritt hier hervor aus den verschlosznen thoren
ein kind des siegs, so schüttle dein genicke,
denn du bist frei.
Rückert 137;

o wirf die welt dir vom genicke
und deine ichheit wirf ins meer. 346;

aber Odysseus schnellte den pfeil ihm grad in die gurgel,
dasz aus dem zarten genick die ehrene spitze hervordrang.
Voss Od. 22, 16.


b) es ist, weil es die halswirbel birgt, eine gefährdete stelle, daher folgendes: die helse haben inen (den verunglückten), als weren sie mürsch entzwey gebrochen, geschlottert und gehangen, das genick hat für blut gestarret. Kirchhof wendunm. 1, 270 Öst.; wie mancher praver cavalier hat durch eurer befördernis ins gras gebissen? wie manchem ist mit drischeln, mit kolben, mit bengeln das hirn und genick eingeschlagen? Abele gerichtsh. 1, 158, zu bauern gesagt, ein bild aus dem groszen kriege; ich wolte ihm einen stein in das genicke werfen. Chr. Weise comödien 177. das genick brechen, wie den hals brechen: da kam er (der teufel) so bald und brach im das genick. Luther bei Dietz 2, 76b;

fiel von eim stul und brach das gnick.
Cl. Stephani geistl. action 1568 C 8a;

dann brech ich beiden das genick.
Kotzebue dram. sp. 2, 180;

bräch ihm der satan das genick! 2, 274;

brich das genick über einen besen, wenn du nicht alt werden willst. Arnim schaub. 1, 6. auch bildlich: diesen anschlägen musz in zeiten das genicke gebrochen werden. Chr. Weise Jak. 227.
c) von thieren (vergl. genicken): die erste geburt vom esel soltu lösen mit einem schaf, wo da es aber nicht lösest,

[Bd. 5, Sp. 3396]


so brich im das genick. 2 Mos. 13, 13; und bringe sie (die taube als opfer) dem priester, der sol ... ir den kopf abkneipen hinder dem genick, und nicht abbrechen. 3 Mos. 5, 8;

und furchtbar überragen sie ihn doch (die schlangen den Laokoon)
mit ihren hohen hälsen und genicken.
Schiller VI, 357 var.


 
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genicken ,
1) ein mhd. genicken erscheint als verstärktes nicken, intr. sich beugen und trans. beugen, bildlich demütigen, z. b.:

du giwinnist manigen vîant,
die genikchit dîn mahtich hant. genesis fundgr. 77, 16 (108, 7 D.),

dasz sie den kopf beugen, vergl. einem sîn genicke biegen unter genick 2, a.
2) nhd. bei den jägern den hasen genicken, durch einen kräftigen schlag mit der hohlen hand gleich hinter den löffeln tödten. v. Train 2, 210, das reh genicken Becher 53, ihm den genickfang geben; das rech wird genickt .. und nicht gestochen. Sebiz 569. bei Adelung auch 'im gemeinen leben'. es heiszt aber wieder auch nicken (s. d. 1, b, den hasen nicken Stieler 1346) und knicken, s. u. genick 1, c, der kopf fällt dabei nach vorn nieder, ohne abzufallen, also eigentlich wie u. 1.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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