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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
garstig bis garte (Bd. 4, Sp. 1376 bis 1385)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) garstig, adj. zu garst m., seit dem 15. jahrh.
I. Bedeutung und gebrauch.
1) eig. verdorben, ranzig, faulig, stinkend: rancidus, garstig, nd. garstich Dief. 484a, rancidulus garstik 483c; ranceo ich stinke, bin schimelechtig, garstig Dasyp. 204b, Alberus n 3b.
a) zuerst hauptsächlich von fleisch: rancidus, garstig, vinnecht Schröers voc. v. 1420 31a, vgl. unter garst adj. 3 und garst m. 1 (rancor finne, finnicheit Dief. 484a, eine krankheit der schweine); caro rancida, garstich fleisch voc. opt. Leipz. 1501 Z iija, garst fleisch gemma (ein schulvers daselbst muscidus est panis, caro rancida, pendula vina), garstig oder stinkend fleisch Dasyp. 204a; hüt dich vor .. gereuchten fleisch, vor garstigen fleisch, feisten fleisch. küchenmeist. d vj; garstig speck Henisch 1359, noch im 18. jh. garstiger (gelber) speck M. Kramer 1719, Rädlein 320b, Ludwig 692, aber schon bei Steinbach, Frisch nicht mehr, wo dann die übertragnen bedeutungen den platz einnehmen, bei Adelung nur als oberdeutsch; doch gilt es noch in dieser ganzen 1. bed., obwol vor ranzig zurücktretend, z. b. in Thüringen.
b) von anderm eszbaren u. ä., vgl. schon in Schröers voc. 39b garstig viscosus (so zu lesen): garstiger speck und garstige butter gehören zusammen. Neander spr. 16 (16. jahrh.); nimm frischer süszer mandelkernen, die nicht garstig oder ölig sein ... Ryff spieg. 285a, vgl. die garsten (mandeln) unter dem adj. garst 2; nux rancida, ein schimlige edder garstige nut. Chytraeus 421; garstige hefen, garstige kes (käse), garstiger cresem Luther bei Dietz 2, 11a; das fett wird leicht garstig. Henisch 1359; garstige butter, that smells rank Ludwig 692; garstigs wasser (trinkwasser) Frisch 1, 321b. auch nl. z. b. die boter smaakt garstig.
c) garstig riechen, schmecken M. Krämer 500b, die butter, der speck riecht garstig, daher auch garstiger geruch von faulen und verdorbenen eszwaaren Ludwig, s. schon mhd. garst als gestank unter garst m. Daher auch von anderm was den appetit verdirbt, beim essen ekel erregt: soll auch der küchenmeister .. genaue acht geben .. damit man keine haare oder sonst etwas garstiges in dem essen finde, welches leicht einen groszen eckel verursachen kan. Döpler rechnungsb. 2, 17 (s. u. küchenjunge).
2) daher dann ekelerregend überhaupt, ekelhaft.
a) z. b. eine garstige wunde, bildlich: so gar sind die groszen herrn gewonet, das man inen heuchle (d. h. sie hätschele) und schmeichle, das sie auch fürgeben, der christliche glaube sei aus, wenn man inen die warheit sagt und salzt inen ire garstige wunden und maden. Luther 2, 137a, antwort an kön. Heinr. von England, salzt statt sie zu salben (im ersten druck übrigens garstrige, s. II, 1, b); und die reine lere haben besuddelt mit irem garstigen und madichten zusatz. ders. bei Dietz, im garstigen fleische, käse treten ja auch maden auf, wie in der garstigen wunde.
b) auf allerlei anderes übertragen, z. b.: garstige sau, coenosum pecus. Frisch 1, 321b; ir garstiges stankbuch. Luther; ein alt zerrissen garstig hederlin (lumpen). ders.; meine garstige und schnöde poeterei. ders. br. 4, 195; und hat ihm seine garstige solution nicht geholfen. 1, 315; klagt doch .. auch der alt Niclaus Herman in seinen jochimsthalerischen liedern über solche garstige schulhäuser .. da man mitten unter ratten und mäusen, flöhen, wanzen und läusen .. Fischart Garg. 236a (Sch. 442); ein garstig hemd, schnuptuch Ludwig;

kahl von haaren, er trug einen stab und garstigen ranzen,
allenthalben geflickt ...
Voss Odyss. 13, 435.

[Bd. 4, Sp. 1377]



c) von thieren, menschen mit ekelhafter erscheinung: er ist eine garstige sau, a slovenly fellow. Ludwig; wir garstigen, lausigen, grindische münche. Luther; narren ... so die schönsten und frömesten weiber haben und sich etwo an schendliche unfletige garstige belge und secke hengen. ders.; garstige wänste. Petr. 15b; ein volls (trunkenes) weib ein garstiger leib. Henisch 1359;

wie dasz ihr dann die schaar der tollen hunde (christen) liebt?
die garstig, gottlos, arm, in ihren hölen stecken,
die vor dem hellen glanz des lichten tags erschrecken?
Gryphius 1, 495.


d) auch vom teufel (in der hölle ist ja garst, s. d. 1): er ist ein rechter garstiger trawriger gast. Joh. Rhau geistl. gesangb. 1589 vorrede; der unsaubere geist, der garstige unflat und schwarze köler. Mathesius Sar. 122a.
e) von menschlichem thun und treiben: ich habe so eine garstige gewohnheit. Chr. Weise comöd. 87, eine garstige angewöhnung u. ä.; s. weiter 4. 6.
3) abgeschwächt nach dem äuszeren des begriffes.
a) von schmutz überhaupt, schon im vorigen mehrfach mit enthalten: seine kleider garstig machen. Ludwig; dasz er sich das kleid nicht garstig mache. Lessing 3, 41; sich garstig machen, sich besudeln. Adelung; eine garstige, schmutzige arbeit. ders.; bei den Juden siehet es garstig aus, Judaei sordent. Steinbach 1, 559. Von weg und wetter: garstig wetter. Krämer 500b; ein garstiger oder kothiger weg. Ludwig; wenn es garstig wetter war. Felsenb. 3, 99; es ist garstig (drauszen), il fait un vilain tems. Rädlein 320b.
b) häszlich, unschön, unangenehm im äuszeren:

die welt ist garstig alt, drum trägt sie schöne muster.
damit sie scheine schön, musz flicken schneider, schuster.
Logau 2, 9, 44,

das garstig alter 2, 3, 21; fromm oder bös, schön oder garstig. Schuppius 644; ein guter kerle, der in der sonne reisen musz, kan auch nicht davor, dasz er ein garstig gesichte bekömmt. Chr. Weise überfl. ged. (1701) 388;

wie wir schöne frauenzimmer
mehr als garstige beschenken.
Göthe 3, 276;

gar mancher ist schön und geschniegelt und beträgt sich doch kaum wie ein mensch, während andere garstig erscheinen und dabei eine natürliche anmuth an den tag legen. Eichendorf graf Lucanor 78. jetzt noch hauptsächlich in nicht garstig, hübsch, z. b. das mädchen ist nicht garstig, was mit besonderm tone selbst sehr hübsch bedeuten kann, mehr als nicht häszlich; schon bei Ludwig sie ist nicht garstig, she looks handsom.
c) in beiden fällen ist die eigentliche bedeutung ungefähr die von abscheulich, und garstiges wetter, garstiger weg meint auch nicht blosz den schmutz, sondern noch heute auch abschreckend überhaupt.
4) schmutzig im sittlichen sinne.
a) unsittlich, namentlich auch 'unzüchtig' (M. Kramer 1719): ein garstiger schendlicher hurenbalk. Luther; garstige hure Stieler 610, Rädlein; ein garstiger hund, improbus cinaedus, spurcidicus. Stieler; garstige zoten, ein garstiges schandlied. ders.; ein reuterliedlein, mit garstigen bossen geflickt. Philander ges. (1644) 484; aber es ist seltsam, sie (die Russen) lassen niemals die ganze bibel in ihre kirche kommen, sagen, es wären im alten testament viel garstige unkeusche sachen. Olearius reis. 141;

wenn Scrifax ohne scham ein garstig wort hersagt ...
Wernike (1704) 322,

vgl. in der anm. die geschichte von der garstigen redensart in Molières malade imaginaire (parler à des cus), die man auspfiff und die er dann geändert;

muszt all die garstigen wörter (im Götz) lindern.
Göthe 56, 66 (an Gotter).

garstige bilder, bücher. Adelung.
b) besonders auch von schmähsucht, schmutzigen schimpfen: wer von frawen, jungfrawen, obrigkeit und priesterschaft übel und garstig redet, der ist nicht ehrenwerth, sagt er. Mathesius Luther 130b; es ist alles so garstig erlogen und erstunken, als der cresem selbs ist (nämlich garstig, stinkend). Luther winkelmesse 1534 L ija; wo einer hat ein garstig maul .. so hat er auch ein bübisch herz. Henisch; sie hat ein garstig maul, sie giebt lose worte. Ludwig, noch jetzt von einem der gern schimpft, räsonniert u. ä.
c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.: du hast eine wüste, garstige seele. Pestalozzi Lienh. u. G. 3, 51; wenn es doch nur einen schleier

[Bd. 4, Sp. 1378]


hätte, das garstige laster. Schiller räuber 1, 3; so hat sie (die ehre) auch kronen, welche sie denen austheilet, die nichts fürchten als was garstig und schändlich ist, turpe et inhonestum. Comenius orb. p. 2, 69; es stehet garstig, an einem andern etwas strafen, was man noch in sich selbsten findet, inprobum est. 197; alle garstig-geizige, sordide avari. 147 (jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist was garstiges von ihm, dis stehet sehr garstig von ihm, ce procédé-là est fort mal-honnête. Rädlein 320b; pfuy, das steht garstig! that's a foul or base action. Ludwig 692, überhaupt alles, zu dem man pfui! sagt oder sagen möchte, heiszt garstig, wie man bei tische zu etwas garstigem im urspr. sinne pfui sagt.
5) überhaupt spricht man daher mit garstig abscheu, widerwillen, ärger, verdrusz aus, in verschiedenster abstufung der stärke.
a) besonders in aufwallung eines widerwillens, ärgers, z. b.: kurz, wir sind geschiedne leute! du unverschämte, garstige — Lessing 1, 257; sie (Friederike) betrachtete mich mit erstaunen, nahm sich aber gleich zusammen und sagte nach einem tieferen athemholen: garstiger mensch, wie erschrecken sie mich! Göthe 25, 357;

ein garstig lied! pfuy! ein politisch lied! 12, 104;

pfui, sagte man, das garstge thier (der esel)!
er brüllt dasz uns die ohren klingen.
Lichtwer fab. 2, 13.

ähnlich abscheulich, das doch stärker ist, weil jünger. auch als schimpfwort, z. b.: so wolte doch solches Gertot nicht leiden, sondern setzte einen garstigen vetter darauf, wenn jemand sagen würde dasz er nach art der spitzbuben gespielet hätte. Salinde 208, doch wol: drohte den einen garstigen vetter zu heiszen.
b) in der ruhigeren form eines urtheils: Damis. wenn sich ein bedienter vermietet, so vermietet er auch seinen buckel mit (zum prügeln). diesen grundsatz merke dir. Anton. aus dem bürgerlichen recht ist er? o das musz ein garstiges recht sein. Lessing 1, 251; wollte ich mich eben empfehlen, und wartete nur, bis der graf vom garstigen gewäsche frei wäre (um mich bei ihm verabschieden zu können). Göthe 16, 104; der fürst fühlt in der kunst, und würde noch stärker fühlen, wenn er nicht durch das garstige wissenschaftliche wesen .. eingeschränkt wäre. 114, geschwätz, gelehrter kram, wie sie jedesmal Werthers ärger aufwallen lassen;

zwei freistaaten begrenzten den garstigen staat (Piemont).
Platen 141.


c) daher von ärgerlichen, verdrieszlichen, mislichen dingen, zuständen: das, das (die inspiration) ist der garstige breite graben, über den ich nicht kommen kann, so oft und ernstlich ich auch den sprung versucht habe. Lessing 10, 38, garstig weil er ohne aussicht den fortschritt des denkens hemmt; die schäden, woran die welt durch garstige übereinkommungen krank liegt. Klinger theater 4, 160, an denen der gesunde sich immer wieder ärgert;

es geht ja manchmal wol ein wenig konterbunt
und garstig zu auf diesem erdenrund.
Wieland 10, 309.

das ist eine garstige geschichte, die störend zwischen einen plan kommt, oder schlimme weiterungen in aussicht stellt o. ä., dagegen das ist nicht garstig! d. h. erfreulich, hübsch, förderlich, vergl. 3, b am ende.
6) einige besondere seiten des begriffes hat es noch entwickelt vom menschen und seinem thun und wesen.
a) garstig heiszt einer der gern zankt, murrt, unzufrieden ist, auf andere nur verstimmend wirkt; so wol schon im folg.:

in der welt sei was da wil, find ich doch nichts beszres drinnen,
als dasz fromes bieder-volk selig endlich sterben künnen,
destomehr, weil nun die welt wie ein kindisch-alter greis
beiszig, garstig, satsam wird, blosz auch nur zu nuseln weisz.
Logau 2, 2, 70;

vgl. schon im 15. jh. 'rancidus, garstig, zornig' Dief. n. gl. 313a, falls nicht zornig allein auf rancidus geht, s. aber ein garstig bitter herz bei Luther unter garst m. 2, wo 'garst, gift und hasz' im herzen, sodasz diesz garstig unmittelbar von der ersten bedeutung entwickelt sein kann; die frau hatte zwei töchter mit ins haus gebracht, die schön und weisz von angesicht waren, aber garstig und schwarz von herzen. kinderm. nr. 21.
b) garstig in der behandlung anderer, z. b. brüder, verwandte sind garstig gegen einander, ein diener klagt über einen garstigen herren u. ä.: der alte Moor. garstiger Franz! willst du ihn (den Karl) auch meinen träumen entreiszen? Schiller räuber 2, 2 (2, 46 Göd.); oh ich sage euch, es gibt garstige menschen, garstige brüder, garstige herren — aber ich möchte um alles gold meines herren kein garstiger knecht sein. 4, 3

[Bd. 4, Sp. 1379]


(2, 146), Daniel zu Karl Moor, andeutungsweise vom Franz redend. diesz garstig ist im leben, im hause vielfach eine bezeichnung der selbstsucht, die z. b. andern nichts oder nur unwillig zukommen läszt, der andere nur im wege sind, sodasz sie es empfinden müssen.
c) natürlich auch garstiges wesen, garstige behandlung, z. b. eines dieners durch den herren, garstiger ton der stimme u. ä.; das ist garstig von dir heiszt es unter geschwistern, besonders wo sichs ums geben oder theilen handelt, gut und garstig sind da vielfach die gegensätze, zwischen denen sich das sittliche urtheil bewegt. so im Götz: Elis. hundert thaler. und darnach wollten sies ihm nicht geben. Maria. gelt, das ist garstig, Karl? Karl. garstige leut! Göthe 8, 21, im sinne des knaben gesagt.
7) das adv. als steigerndes kraftwort in gewissen wendungen: sie wollten mich knebeln ... aber ich kam ihnen aus den händen und hieb garstig zu. Klinger theater 4, 231; ich weisz wol, dasz derjenige auf ewigkeit hofft, der hier zu kurz gekommen ist. aber er wird garstig betrogen. Schiller räub. 5, 1 (2, 182 Göd.); er wird sich garstig erbost haben. Göthe 8, 6;

manche wunde kneipten sie ihm und hatten das fell ihm
garstig zusammen geruckt. 40, 204 (nd. to degen Rein. 6068).

es liegt zugleich eine schadenfreude drin, das garstig scheint daher ursprünglich vom standpunkte des betroffenen aus gemeint. auch mit dem adj., z. b. da setzte es garstige hiebe. übrigens auch nicht garstig wieder, z. b. der ist nicht garstig zugedeckt worden (geprügelt), wie nicht schlecht u. ä., wo denn dasselbe wie mit garstig gemeint ist, nur vom andern standpunkt aus gefaszt. ähnlich gilt abscheulich, häszlich, arg, bös u. a.
8) bergmännisch eine garstige wand, die einen edlen gang plötzlich abschneidet.
9) volksm. garstiges fieber umdeutend für gastrisches fieber, z. b. schwäb. Birl. 181a; siebenb. grstich krinkt (krankheit) das nervenfieber Haltrich 112; nd. det gastrige fîwer, das gastrische Schambach 60a, wie ebenda gastrig für garstig, s. II, 1, c.
II. Nebenformen, verwandtschaft.
1) nebenformen
a) mit umlaut gerstich rancidus, gersticheit rancor Dief. 484a aus einem rhein. voc. mit nd. färbung, gerstig, gerstigchait nov. gl. 313a; mnl. gherstich hor. belg. 7, 12a, und noch bei Kil. gherstigh neben garstigh. ebenso neben dem adj. garst (s. d. 3) schon gerst, s. auch gärste.
b) garstrig, in einem einzeldruck bei Luther garstrige wunden (s. Dietz 2, 11a und vorhin I, 2, a), gewiss richtig, denn anderes, wie garsterei (s. auch garstern), spricht für eine solche erweiterung von garst; garsterig berührt sich dann mit dem gleichbedeutenden nd. galsterig.
c) bedeutsamer auch gastrig: 'garstich, gastrich, ut quidam, sed perperam legunt' Henisch 1359, 50, also aus einem buche; so nrh. in der Cölner gemma von 1511: rancidus, slymich of gastrich S 3b (darauf caro rancida gastich vleysch); in vollerer form mnd. gasterich raneidus Schambach 59a und noch niederd. gastrig Schamb. 60a, Danneil 61a, ostpreusz. Hennig 325, neben garstig (unflätig, unrein, häszlich, ekelhaft) Dähnert 143a.
d) aber auch gastig, so nd. z. b. am Harz, en gastigen kerel u. ä.; nrh. in der Cölner gemma von 1517 Dief. 483c, gastich in der von 1511 (s. unter c), nl. in der noch älteren gemma von Deventer ghastich rancidus, mit ghastheit rancor (s. garstheit) Dief. nov. gl. 313a, belege für gastig aus dem 17. jh. bei Oudemans 2, 356 und bei de Vries nl. wb. Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik (neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108, schwäb. gastig Schmid 222 (der franz. gâter zuzieht).
e) merkwürdig auch mnd. kastich rancidus hor. belg. 7, 28b, noch holst. kastig von korn, mehl, 'muffig, angekommen' (gleich angegangen) Schütze 2, 234, aufgefaszt als 'nach dem kasten schmeckend'? vgl. das. kastern, unbrauchbares wegwerfen. und dasselbe ist wol westerw. kaschtig, nass. karstig geizig Kehrein 216, vgl. garstig I, 4, c von geiz.
2) zwischen und hinter diesen formen ist das weitere zu suchen; es fragt sich hauptsächlich um gastrig und gastig.
a) bei gastrig denkt man zuerst an umsprung des r; doch ist eine solche gewaltsame bildung weder recht glaubhaft, zumal nach der vollen form gasterich, noch auch notwendig, es kann aus garsterig (1, b) erleichtert sein durch ausfall des einen r, kann sogar echt sein nach folg. vergastern verderben:

(die welt) ist in sünd und schand so gar vergastert (: lastert)
und ist in eitlem unglück alt ...
ist rostrig, schimlig, seiger, kamig,
unfletig, schwarz, rüszig und ramig u. s. w.
Waldis Esop IV, 100, 162 (2, 297 Kz.),

[Bd. 4, Sp. 1380]


vergastert wol gleich gasterig, eigentlich von verlegner waare oder speise, wie die folgenden bezeichnungen andeuten, vgl. zu galsterig livl. vergalstern ranzig werden Hupel 247, und kärnt. dergastern in unordnung bringen Lexer 109.
b) auch gastig ist wol im einzelnen falle als aus garstig entstanden denkbar, aber kaum bis um 1500 zurück als bedachte schreibform, und noch jetzt nicht überall, z. b. in Augsburg, wo volksmäszig nur gaschtig gilt, aber z. b. die gerste ihr r nie verliert. es hat aber ein echtes gast hinter sich.
α) hinter dem nl. gastig ranzig steht ein mnl. adj. gast verdorben, schlecht, s. Oudemans 2, 356, besonders Jonckbloet die dietsche doctrinale s. 340 fg. (leider ohne bezeichnung der betr. stelle); als subst. verwandt in der minnen loep 1, 1804, gleich schade oder verdrusz, soe enbrinct him (dem treuen) wandel gheen gast, vielleicht dem m. garst entsprechend, vgl. das hd. gast unter β, und das altn. gesta neben gersta verbittern unter dem adj. garst 5. Jonckbloet sieht in dem mnl. gast das altfranz. guaste verwüstet, verdorben, noch jetzt mundartlich gâte (dazu gâter verderben), dessen entstehung bei Diez 189 (1, 233) getheilt ist zwischen lat. vastus, vastare und einem germ. stamme wast (ahd. wastio vastator, engl. waste, als unbrauchbar verworfen).
β) aber auch dem oberd. gastig (1, d) fehlt es nicht an einem solchen gast, adj. oder subst. (wie garst beides ist), wo franz. einflusz auszer dem spiele ist:

alles (altes?) musz werden zegast,
nüwe ding lieben fast. Amor E iij,

neues ist beliebt, altes wird notwendig zuwider, gleichsam verlegen, garstig, vergastert (s. a), wie waare oder speise; vgl. tirol. einen zgast haben, necken, mishandeln, gast m. häszlicher mensch Schöpf 177. 178. es scheint auch enthalten in gäste n. (s. d.) von dem halbverdauten futter im vormagen der wiederkäuer, im kropfe der vögel (was beim schlachten weggeworfen wird), spielt vielleicht auch mit in entgästen (s. d.), entstellen, verunstalten Stalder 1, 426, vorarlb. Fromm. 5, 480, das nicht ganz aus mhd. gesten schmücken begreiflich scheint.
γ) gleich garst m. erscheint aber auch gascht. so in Frankfurt, in der Wetterau als schimpfwort gleich 'erzlump', auch unsauberer mensch (plur. gäscht), wetter. âm d'gascht mache, einem den gascht machen, ihn heruntermachen wie einen lump, s. Weigand im oberhess. intelligenzbl. 1846 s. 300 fg., der darin gast hospes sieht, das durch das judendeutsch so ausgeprägt wurde in aussprache und bedeutung, indem besonders auch 'der heimatlos umherziehende arme bündeljude' so hiesz, der 'von den ansässigen juden von ort zu ort als gast aufgenommen und beherbergt' wurde. Aber wenn auch darin gast hospes wirklich mitwirkt, zumal diesz auch selbst sich früh zu einer scheltenden bedeutung entwickelt hatte (s. dort), stimmt es doch zugleich zu nahe zu garst (gespr. garscht), schmutziger kerl, wie gast unter β zu dem adj. garst, und in der Wetterau selbst sagt man für garstvogel (gleich garsthammel, schmutzkerl) gaschtvuel, gaschtvogel, und das ist wie dreckvogel (wetterauisch), sächs. thür. dreckfinke. Übrigens auch in Kärnten, wie gaschtik garstig, so gascht m. schmutz und schmutziger kerl, im Lesachthale, wo sonst ausfall des r in dieser art nicht vorkommt (Lexer 108 und brieflich); da garst, garstik anderwärts dort daneben bestehn, wird jenes damit nicht schlechthin eins sein, vgl. tirol. gast unter β.
c) merkwürdig auch gaist für gast, nicht nur nrh., wo ai für â vorkommt: rancor, stank of gaystheit. Cölner gemma 1511 S 3c, 1517 Dief. 484a, sondern auch in dem Nürnberger voc. von 1482 pfynne, rancor, oder gaistigkeit .. oder stinkheit des fleisch y 8a. ff 3a. pp 8b, gaystigkeit aa 8b (vergl. garstheit, garstigkeit); s. auch 3, a und nd. geistern, begeistern besudeln Brem. wb. 2, 493, das an vergastern unter 2, a erinnert.
3) die formenfülle stimmt fast genau zu der bei gäscht.
a) wie gaist- rancor 2, c, so mnd. geist hefe, bodensatz, gischt (s. DWB gären I, 3, c), wie kärnt. gascht schmutz, so östr. gascht n. dicker schaum (auch schlecht zubereitete speise) Castelli 137, und auch garst, garscht hat einen nahen anklang in thür. gärscht, girscht gischt, gerscht Stieler 610 (s. DWB gären I, 1, e), sogar das nahverwandte garz, als subst. finnen des schweinefleisches, als adj. bitter, garstig in mnd. gert fex Dief. 232b. Adelung spricht von einem veralteten garst hefen, von dem man garstig auch herleite; ein solches garst, freilich nicht belegt, ist wirklich glaubhaft.
b) für die entstehung von garst und gast aus gären (s. d. I) bildet freilich das g- einen anstosz, es müszte dann eig. jarst, jast heiszen; aber es sind bei gären und zubehör mehr solche ungewöhnliche g- eingemischt (vgl. DWB gare hefe), und beiden, garst

[Bd. 4, Sp. 1381]


und gären, kann nicht wol fremd sein ein nd. garren, upgarren vom aufstoszen zu fetten essens Dähnert 142b (s. DWB gären II, 3, c); s. auch garmilch, verdorbene milch.
c) in der bedeutung aber kommen garst und gären völlig zusammen; denn der bodensatz, die hefe, was ausgärt, ist zugleich im eigentlichen sinne garstig, und gären selbst (II, 2, c und d) gilt ausdrücklich auch von eintretender fäulnis, wie denn alle fäulnis eine art gären ist, im kreise von gären aber stehn näher oder ferner auch andere wörter die garstiges im eigentlichen sinne bezeichnen, wie nord. gor n. halbverdautes futter im viehmagen (s. unter gare 5, c, auch 2, e); besonders nahe tritt nl. goor verdorben, ranzig, sauer geworden, nrh. aber gleichbedeutend gôl, die sich zu einander verhalten wie die gleichbed. garstig, garsterig und galsterig, s. d.; zu weiterem sicheren vordringen wären ältere zeugnisse nötig. die slav. anklänge, die J. Grimm gramm. 3, 658 zuzog (vgl. Diefenbach goth. wb. 1, 191. 2, 743) können nur zufällige sein.
 
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garstigkeit, f. squalor, foeditas, auch garstigkeit im reden, verba proterva Stieler 610, auch im 18. jh. noch bei Steinbach u. a.; zugleich sittlich z. b. bei Logau:

wie mancher nimmt ein schönes kleid,
findt drunter lauter garstigkeit. 2, 5, 99, überschr. ein geschmücktes weib.

im 16. jh. z. b.: rancor, feule des fleischs, garstigkeit Alberus n 4a, im 15. jahrh. garstikeit, nd. gersticheit rancor Dief. 484a. noch nl. garstigheid von einer krankheit der schweine, auch vinnigheid, gortigheid, s. unter garstig I, 1, a und garz. vgl. übrigens garstheit und garst m.
 
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garstvogel, m. garstiger mensch, wie garsthammel, allgemein in Hessen Vilm. 116 (daher auch von J. Grimm aufgezeichnet, aus dem gedächtnis), wetter. gaschtvogel, vergl. dreckvogel. in der Zips garstvogel. ein spottname des sperlings, ausgelegt als gerste fressender vogel (vgl. DWB gärste), s. Schröer 53a.
 
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gart, m. hortus, s. DWB garten m.
 
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gart, m. stimulus, treibstecken, aber auch gerte, und auch f.
1,
a) nhd. im erlöschen; im voc. 1482 gart, stiga (aus instigare genommen), stimulus, aculeus k ijb, garth ff 5b (durch druckfehler garch z 7b), auch in älteren voc. des 15. jh. gart stimulus Dief. 553a, nov. gl. 348b; später nur noch bei Maaler 157b der gart, stupfrt, stimulus, daher bei Henisch 1359 u. a. (Dief. 553a). Doch landsch. noch heute, schweiz. gart m. lange gerte (vgl. 2) womit man die ochsen z. b. beim pflügen zur arbeit peitscht Stalder 1, 425; aber der gart dient urspr. nicht zum peitschen, sondern zum stupfen, stoszen, stacheln (vgl. DWB stachel unter 2, a). so noch in den sog. cimbrischen sprachinseln im nördl. Italien gart m., stachel zum treiben des lastthieres Schmeller 124a.
b) mhd. war es vielgebraucht (s. die wbb.), als treibstecken des pflügers, viehtreibers, auch bildlich, z. b.:

die vürsten hânt der esele art,
si tuont durch nieman âne gart. Freid. 73, 1;

ahd. gart, cart stimulus, aculeus Graff 4, 255, pl. gartâ, mhd. garte.
c) aber wirklich auch für gerte (wie schweiz. unter a): drîʒic slege mit einem grüenen eichînen garte, der zweier oder drîer dûmellen lanc sî. Schwabensp. 149, Deutschensp. 115, im Ssp. als fem. mit êner grônen êkenen gart II, 16, 4 (vergl. 2, b). in Kärnten gàrte (gerte) masc., dünner ast zum treiben des viehes Lexer 113.
d) damit erklärt sich auch das merkwürdige wîngart, sonst neben wîngarte gleich weinberg (s. DWB garten I, 2, b) in der bed. wein stock: vitis, wingart Dief. 624a, auch schwachformig (wie garten rute unter 2, b) wîngarten pflanzen, ziehen, s. Diemer gen. 2, 276b, vgl. 'viticula eyn wijngarden off wijngartplante off stock' gemma Cöln 1511 AA 2b (das -en demin., s. küchlein II, 2, a); auch ags. wîngeard vitis (var. wîngeord) Bouterwek altnorth. evang. s. 388b; es musz eigentlich der setzling, fächser sein, das geschlecht wird schwankend gewesen sein wie bei gart. es muszte sich übrigens mit wîngart weinberg mischen, zumal garten auch eine fem. form hatte.
e) bemerkenswert ist die bed. aculeus, eigentlich wol der stachel des treibsteckens für sich, das garteisen (s. d.), vgl. DWB stachel unter 2, a; aber auch vom stachel des scorpions: der lewe fürht den spitzigen gart des schorpen. Megenberg 143, 13. auch mnl. 'aculeus, gart vel hekele' hor. belg. 7, 8a, gaert m. Oudemans 2, 340 mit belegen, als stachel (des todes, des scorpions) und stachelstock.
2) daneben
a) gleichbedeutend gerte f. im 16. jh. und schon früher: stimulus, ein stachel, stupfrt, stupfgerte. Dasyp. 232c,

[Bd. 4, Sp. 1382]


gärt Frischlin nom. 266, gert aculeus Dief. 11a; im 15. jh. gert (auch gerteisen) Dief. nov. gl. 348b, bei Melber y 6a stimulus est id, quo carnifex stimulat vaccam in latus, ut velocius vadat, ein gert (in andern ausg. gart Dief. 553a). noch jetzt z. b. in Luxemburg gêrt f., treibstachel zum treiben der ochsen (auch stange) Gangler 168.
b) mhd. aber erscheint ein starkes fem. gart, sowol für die gerte (wie mnd. unter 1, c) als den treibstecken:

ich bin ze schalkeit ungelârt,
ich kan niur menen (vieh treiben) mit der gart. MSH. 3, 239b;

er hûb ûf die rûte.
dô wîste got der gûte
ein zeichen an der selben gart,
wand si von blaten grûne wart. pass. H. 12, 77;

vgl. tirol. gart f., gerte Schöpf 176, schwachformig 'girten vel garten, virga' voc. inc. teut. i 7b, und bei Graff 4, 256 garte stimulus. s. auch das fem. garte unten.
c) das mhd. gart f. wird gestützt durch ags. geard f. virga, arundo Ettm. 416, noch engl. yard rute, elle.
d) beachtenswert auch gurt in mhd. gurtîsen gleich garteisen: sint ir unz her mit einem rtlin getriben, ir mszent nu ein scharpfes gurtysen han. Scherz 579, vgl. oberbair. ochsengôrt Schm.2 1, 938, dessen ô freilich aus â, a stammen kann (und schweiz. gürten durchprügeln); aber auch altenglisch yurd gleich yard. dabei könnte das i in girten unter 2, b mehr sein als blosz erhöhtes e aus a, ein voc. des 15. jh. bei Dief. 621c gibt neben gart und gert auch girt virga, wie Alberus BB 1a girt flagellum, vgl. engl. gird peitschen, stechen, sticheln, altn. girði n. rute als faszband.
3) weitere verwandtschaft.
a) die goth. form ist, mit der bed. 1, e, gazds m. κέντρον 1 Cor. 15, 55. 56, gazds dauþaus, des todes stachel; das ist wie goth. huzd n. gleich hd. hort, das z als weiches s, das dann in r übergieng. altn. aber gaddr m., gadd n., stachel, sporn, dorn (gadda stacheln, spornen) Fritzner 186a, auch groszer nagel, besonders schiffsnagel Egilsson 217b, älter dän. gadd n. stachel Molbech dansk gl. 1, 270; noch norw., schwed. gadd m. stachel, z. b. der insecten; es ist wie altn. hodd f. schatz gleich goth. huzd, hd. hort.
b) wesentlich aber abweichend engl., und zwar in doppelform: goad treibstecken, stachelstock (to goad stachelnd antreiben), altenglisch goode Stratm. 243, gode stimulus Wright 89b, ags. gâde stimulum 11, gâd 15b; schott. gade, gaud, stecken des ochsentreibers (gadman). Daneben engl. gad jagdpeitsche, spitzes eisen, stock mit eiserner spitze (Halliwell 388a), älter aber gadde, peitsche, rute prompt. parv. 184a, eisenspitze, eisenstab Halliw. 388a, gerusia Wright 202a, also zur nord. form stimmend. Nimmt man dazu das ags. geard rute (2, c), so liegt da in yard, gad, goad eine manigfaltigkeit bei innerer einheit vor, die anderwärts nur in bruchstücken vertheilt erscheint. denn die einheit ist unverkennbar: das prompt. parv. gibt als éins 'gad or gode, gerusia, scutica' 184a; zu unserm garteisen ferner stimmt ags. gâdîsen stimulus (zum ochsentreiben) Wright vocc. 2, 'aculeus sticel vel gâdîsen' 15b (Grein 1, 366 gadîsen); mit geard, yard aber kommt überein nordengl. schott. gad rute, z. b. angelrute, auch meszrute, mhd. meʒgerte gleich meʒruote; anderseits gad mit dem nord. z. b. in engl. gad-nail langer starker nagel gleich altn. gaddr.
c) aber alles geht auf gazds zurück, dessen schwindendes s (z) einmal in r übertrat, daher hd. gart, einmal aber sich theils dem -d anglich, daher nord. gaddr, ags. wol gadd (gad), theils dem vocale, der damit lang wurde, daher ags. gâd, schott. gaud, engl. goad; ebenso schwand solches goth. -z in verlängertem vocale bei mizdô lohn (griech. μισθός) in ahd. mieta, alts. mieda, mêda, ags. aber gleichfalls in doppelform meord und mêd (engl. meed). weiteres, auch auswärtige anklänge s. bei Diefenbach goth. wb. 2, 377 fg., Zeusz gr. celt. 1094.
 
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gart, gard, garde, f. das herumtreiben der herrenlosen landsknechte u. ä.
1) es ist wirklich das franz. garde, wie schon Adelung behauptete und vor ihm Frisch, Stieler u. a. wuszten, Schmellers zweifel erledigen sich eigentlich in der neuen ausgabe von selber durch das später von ihm nachgetragene.
a) den franz. ursprung gibt noch im 16. jahrh. Hans Wilh. Kirchhof, selbst ein alter landsknecht, an, zur erkl. des wortes garthaufen, im 55. cap. des 3. buchs seines Wendunmut (2, 319 fg. Öst.), auch in seiner milit. discipl. 215: ein gwardi nennet man auch bei uns Teutschen nunmehr die anzahl knechte, so etwan in einer festung für und für, ob es gleich fried ist,

[Bd. 4, Sp. 1383]


liegen ... vor zeiten (d. h. in der ersten zeit des landsknechtwesens) auch solche knechte, die zu bewarung des lands unterhalten, hin und wider auf die bauwrn gelegt worden, welche sie mit essen und trinken versehen musten (angeblich auf grund eines kais. privilegiums, s. unter DWB gartknecht), und so bald ein dorf oder ort aufgefressen, wechselten sie das ab für ein anders, da noch backenfutter zu finden (diesz ist das eigentliche auf der gart liegen). hieraus noch die gewonheit erwachsen, dasz die landsknecht, welche keinen herren haben (also einzelne), den vatter *) umb ein zerung (bleibts darbei) oder ein par hüner (gäns legen grosz eier) ansprechen, und hat hiervon den namen auf der gard gesprungen, garden, und die darauf umbziehen, gardbrüder; er fügt als ihr alter kamerad eine mahnung hinzu, darin masz zu halten und lieber zu ihrem handwerk zurückzukehren, denn stätig solches erwerbens gewonen hat geringen unterscheid und vortheil (d. i. vorzug) vom betteln. in der milit. disc. 215 steht gardt, gardtbrüder, aber garden, im wendunm. aber auch gardknecht 3, 107, gardhaufen 2, 324. in Schmellers 2. ausgabe 1, 940 steht gard aus einem briefe vom jahre 1525, von der hand eines Schwaben: es sind in den Niderlanden etwas vi oder viim niderlendisch knecht auf der gard umbgezogen und dienst begert, so man ir aber nit bedorft .. sind si Frankreich zugeruckt u. s. w.; s. auch DWB gard bei Wickram unter 2, b, garde bei Henisch das.
b) das franz. garde (s. d.) wurde, vom hofe Karls des kühnen ausgehend, gegen 1500 im deutschen nordwesten und norden ein beliebter name für ein landsknechtheer, einen kriegshaufen; dabei war die andere bedeutung des franz. wortes, hut, bewachung, wolbekannt (s. z. b. garde 2, a), in dem es denn die landsknechte, gewiss auch und wol zuerst ihre obersten, auf die von Kirchhof bezeichnete aufgabe anwandten: auf der garde liegen, eigentlich auf der wache dem feinde gegenüber oder zur hut eines landstrichs. das auf ist wie heute noch auf der wache, auf seiner hut sein, und da ursprünglich hut, mhd. huote auch im kriegsgebrauch gleich franz. garde war, sagte man gewiss auch auf der hut liegen, das denn in der franz. gestalt fortgesetzt wurde. begreiflich wandten dann auch die einzelnen landsknechte auf ihr herumliegen und lungern bei den bauern das neue vornehme wort an, das eigentlich strategisch gemeint war. Als dann aus Karls V. heere die span. ital. form guardia dazwischen kam, die auch Kirchhof oben mit der franz. wechselnd braucht, gieng auch diese in jene bedeutung über, wie diesz noch aus Schlesien im 17. jh. bezeugt ist: se liget ihr .. uff der qvarde ze lande. Gryphius Dornr. 32 (s. DWB garde am ende), zugleich noch im alten eigentlichen sinne, von einquartierung bei den bauern im gegensatz zur städtischen garnison.
c) nach Frisch 1, 320a hätten übrigens auch die gartenden knechte selber garde sg. oder garden pl. geheiszen: garde, abgedankte soldaten, die andere dienste suchten und im lande herum bettelten; er bringt aus der Jülchischen polizeiordn. s. 9 bei: der streifenden garden und herrnloser knecht halber einsehens haben, wenn da nicht gemeint ist garden- und h. knecht, s. DWB gardenknecht. auch in der gewöhnlichen bed. gibt er 320b auf der garde herum laufen, auf der garde betreten werden, 'bettelei', stipis collectio sive potius extorsio, fortgesetzt bis jetzt in dem fechten (s. d.) der arbeitslosen handwerksburschen, die einst oft zugleich dienstlose landsknechte waren, s. oben Kirchhof.
2) in rheinischem, oberdeutschem munde muszte aber garde zu gard und diesz zu gart werden. das dann auch andere annahmen.
a) auf der gart ist die hauptsächlich gebrauchte wendung, gerade an ihr hieng die alte kräftige bedeutung, die dem landsknechte diente (s. 1, b): die auf der gart streifen, equites, pedites palati. Henisch 1357, 29, zugleich noch im alten kriegssinne; disz haben sie die fromme landsknecht gelehret, die nur gleich auf der gart unten in die keller nach dem wein stürmen. also haben ihnen die bauren darnach die müh (zugleich noch 'ärger') gemacht, dasz sie leitern suchen muszten ... Garg. 133b (Sch. 243, wo auf die gart);

ja in dem läger, auf der gart,
bei junker würfel und der kart ...
da überkömpt manch gut gesell
sein allergröstes ungefell (wunden im streite)
und selten für dem feind im feld.
Ringwald laut. warh. 120 (107);

*) vater nannte der landsknecht den bauer, mutter die bäuerin (wendunm. 3, 108), die ihn mit lieber mein son anredete (Wickram rollw. 65, 13. 24), d. h. es war wie auf der gesellenherberge, vergl. landsknechtherberg Wickram 64, 13.

[Bd. 4, Sp. 1384]


denn welcher kriegsman wolte thun
wie der vergeszne (gottvergessene) Hans von Hun,
der seiner diebschen händel wart,
die bawren lauset auf der gart,
von einem dorf zum andern leuft u. s. w. 15 (13).

wie auf der gart liegen, so auch sich auf die gart legen, z. b. bei Schöpf 177 aus der Tiroler landordn. von 1603: die gartknechte so sich auf die gart legen. dann auch garte, bei einem Norddeutschen: das sie mit ihm hett gessen, was er auf der garte kriegen. Ambr. Pape bettel- und garteteufel Q 3b.
b) gewöhnlich auf der gart umziehen: (arbeitsscheue landsknechte, die) niemals auf den munsterplatz kommen noch erschienen, sondern in unser gnedigsten herren landen auf der gart umbgezogen. Reutter kriegsordn. 71; es haben die frummen lantzknecht, gott verzeich mirs (dem frumm geltend), einen brauch im land und sonderlich im land z Schwaben und auf dem Schwarzwald, das sie winterszeit auf der gard umbzihen, sturmen die armen bauren umb speis u. s. w. Wickram rollw. 64, 1;

S. Peter. wer klopft drausz? sagt balt, wer ir seid!
Hans Latz. ei wir seind gut ehrlich krigsleut,
die auf der gart umbzogen sein,
wolten itzt gern in himmel nein
und zu mittag drinnen essen.
Ayrer fastn. 123b (2952);

er soll nicht ziehen auf der gart
nach der diebischen lauser art.
Philander 2, 746.

Auch kräftiger umlaufen, laufen: auf der garde laufen, vivere ex stipe a rusticis extorta, hortos, pomaria, agros et villas depraedari. Henisch 1357, entlehnt aus Kilian 120b, der es unter gaerde hortus hat, op de gaerde loopen;

du laufst vielleicht umb auf der gart
untern bawern, bist ein landsknecht?
H. Sachs 5, 367c;

denn musz ich laufen auf der gart,
übel essen und ligen hart. 2, 2, 6d;

da loff ein armer lantzknecht hart
zerrissen, frostig auf der gart. 2, 4, 104c;

sonder (wir) laufen selbst auf der gart,
essen oft übl und ligen hart.
Ayrer 2958, 15.

das laufen auch als springen, im witz gesteigert: auf der gard gesprungen. Kirchhof unter 1, a, er kannte es aus eigner erfahrung. ein andrer landsknechtwitz bezeichnete es als ein schiffen im lande herum, s. unter DWB gartsegel.
c) seltener die gart schlechthin u. ä.:

und wenn du (landsknecht) nümmen hast ein herren,
so thst du dich mit bettlen neeren,
verquantests dann (s. gewandsweise), es sei die gart,
damit plagst du die bauren hart. spil wie man die narren von einem beschweren soll (1554) E 2a;

das auch ein junger lantzknecht, so noch nit gar wol gstudiert hatt, im groszen hunger und armt sich mszt der gart behelfen. Wickram rollw. 64, 19. später auch kurz garde gehen Stieler (s. e), wie ähnlich wache stehen.
d) schon im 16. jh. wird es auch einfach mit bettelei als eins behandelt: laufen dauszen auf der gart umb, das z teütsch bettlen heiszt. S. Frank chron. 217b;

betteln hin und her auf der gart. Peter Lewe 273 (weim. jahrb. 6, 433);

dasz er sich auf die gart oder bettelei begeb. Fronsperger kriegsb. 1, 111a; man sol nicht auf dem bettel oder gart umbziehen. 1, 200b, doch alles noch von landsknechten. im 17. jahrh. erscheint es z. b. im Simplicissimus nicht mehr, bestand aber noch in Österreich: alle soldaten und ander umbschwaifent herrnlos gsindel sambt iren weibern sollen durchaus auf der garth nit mehr gestath .. werden. österr. weisth. 1, 62.
e) aber von bettelei überhaupt auch über das landsknechtwesen hinaus; Stieler 2440 gibt so garde gehen (vgl. DWB gartgeher), und noch aus Baiern Schmeller 2, 68 gart gehn, von haus zu haus betteln gehn, auch in oder auf der gart sein, selbst sich auf die gart legen, noch wie in der ersten zeit. österr. bei Höfer 1, 177 'in unserem gebirge heiszt es auf der gard, in der gard sein', gleich auf dem gäu, wol von herumtreibern.
3) in der ursprünglichen bedeutung auf andere verhältnisse angewandt: derselbig (graf) enpfurte ein junge closterfrau zu Heiligcreuztal ... er enthielt sie etliche zeit hin und wider uf der gart seins gefallens. Zimm. chron. 3, 389, indem er sie hie und da wechselnd einquartiert, sodasz sie doch wie ein gartender landsknecht nur eben geduldet ist.
4) s. auch garten (garden, garren), auf der gart liegen, dann gartbruder (gardenbruder, gartenbruder), gartknecht, garthaufe, auch gartsack, gartsturm, gartstreifig, gartläufig.

[Bd. 4, Sp. 1385]



 
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gartbruder, gartenbruder, m. gleich gartknecht.
1) gartbruder, landsknecht der auf der gart umzieht (s. DWB gart f. 2, b), bruder weil sie sich als bruderschaft ansahen und aufführten, wie denn bruder Veit für landsknecht geläufig war: erwuscht den lantzknecht oder gartbrder bei der kartausen ... Wickram rollw. 146, 2 (vorher oft gartknecht); wo denn einer der schlecht frommen gartbrder in ein stuben kumpt .. 64, 9, nachher auch der gt brder Veit 65, 19; einsidler, gartbrüder, nollbrüder. Fischart groszm. 60;

denn jetzund überall gemein
der gartbrüder gar zu viel sein.
Z. Poleus trag. v. d. belag. Samariae B 5;

wie dann auch mit den bettlern, marktschreiern, gartbrüdern gute ordnung zu machen (auf jahrmärkten). Hohberg 1, 53a, hier, wie später überhaupt, über die landsknechte hinaus erstreckt. in nd. fassung gardbruder Schottel 1323, s. Frisch 1, 320b.
2) gleichbed. gartenbruder, gebildet wie gartenknecht (eig. wol gartend bruder, gartend knecht): ich weisz inen (den landsknechten) keine besser namen zu geben als thu kein gut, gartenbrüder, hünerdiebe, marterhanse, wundenknechte ... Pape bettel- und garteteufel O 2b; das die gartenbrüder inen gewalt gethan. O 5a; die aus den söldnerheeren erwachsenen wilden, räuberischen bettlerscharen, die gardenbrüder und zigeuner. Stüve wesen u. verf. 120.
3) später gardebruder Stieler 2440, miles vagabundus, praedo, mendicus, dazu ebend. selbst gardeschwester mendica, praedatrix, aus der zeit des 30jähr. krieges begreiflich (doch vgl. auch unter 4); bei Schmid 221 noch aus der würtemb. almosenordnung von 1724 gardebrüder, umher streifende bettler (auch wurstsammler genannt). in dem garde- ist gart zur franz. form zurückgeführt.
4) gartenbruder aber auch von wiedertäufern, eig. von einer ihrer secten: der widertaufer glauben, der gartenbrueder glauben. Schm.2 1, 939; daraus dann und aus solcher zwispeltiger lehre so mancherlei .. secten und unschickligkeit entstanden were mit widertäufern, sacramentschwermern, bildstürmern und gartenbrüdern und schwestern (also auch gartenschwestern, vgl. u. 3). Luther 5, 105a, aus dem schriftenwechsel zu Augsburg 1530; dasz der gartenbruder Hetzer bei vier und zwenzig ehelicher weiber hatte beschlafen gehabt. Luthers tischr. 326b; ain rat hie hat den merer teil der gartenbrüedern und wiedertäufern die stadt wiederumb erlaubt. Birl. Augsb. wb. 181 aus einer Augsb. chronik; auch allhie in den winkeln und gärten hatten die wiedertäufer versamlungen, daher sie den namen gartenbrüder bekamen. ebend.; dasz die letztere auffassung des namens auch sonst gangbar war, zeigt die übers. hortenses, vgl. Liebknecht de fraternitate hortensium Gieszen 1724; aber es ist urspr. der landsknechtname, wie z. b. folg. zeigt. S. Frank in der 3. chronica in dem capitel von den wiedertäufern erzählt von einer secte: etlich haben die gewissen mit dem spruch verwickelt 'wer nit alles verlaszt, weib, kind, äcker' etc., und so gar manchen mit diser schrift (schriftstelle) gedrungen, das er alles verlassen hat, weib und kind sitzen (lassen) und ins elend zoch ... umbher gartet wie ein geistlicher landsknecht. chron. 1543 2, 199a, übrigens ohne erwähnung des namens der gartenbrüder. — Dazu das adj. gartenbrüderisch, bei Fischart: Platons lacedemonisch gartenbrüderisch weibergemeinschaft. Garg. 63a (Sch. 105), die wiedertäufer hielten zum theil die ehe für einen unrechten zwang, die gartenschwestern vorhin werden frauen sein die auf diese freie ehe eingiengen. s. auch W. Scherer zeitschr. f. d. östr. gymn. 1867 s. 484.
 
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gärtchen, n. kleiner garten, die md. form, älter gertichin, gertechin, das letzte z. b. im 15. jh. in einem mrh. voc. Dief. 402a, gärtichen noch Steinbach 1, 560; aber die oberd. form gärtlein allein geben noch Stieler, Rädlein, Ludwig. niederd. gärdeken Chytraeus 399. beispiele:

mein vater hinterliesz ein hübsch vermögen,
ein häuschen, und ein gärtchen vor der stadt.
Göthe 12, 162;

die kleinlichen lauben und kindischen gärtchenanstalten. 21, 141, versuch von gartenanlagen, wie im kinderspiele; das kindergärtchen des verliebtseins. J. Paul Katzenb. 1, 42. auch kohlgärtchen, krätzegärtchen u. a.
 
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garte, m. hortus, s. DWB garten.
 
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garte, f.? gleich garbe, schafgarbe, in dem vermutlich ersten drucke des voc. inc. t.: gartte oder barbune, millefolium. h iija, in späteren drucken in garbe geändert trotz der alphab. ordnung, in die nur gartte paszt; gestützt wird es durch 'gertel, barbune,

[Bd. 4, Sp. 1386]


millefolium' i ija, das auch andere ausgaben beibehalten bei Dief. 361b (doch in einer auch dafür gerbel g 6b), wie in Kellers voc. Augsb. 1468 millefolium gertel, barbune Dief. nov. gl. 253b.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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