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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fud bis fuder (Bd. 4, Sp. 362 bis 364)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fud, f. cunnus, vulva, in unguter schreibung für fut (s. d.), wie sich aus dem unter fotze angegebenen ersehen läszt, nach welchem t der ursprüngliche, aber festgehaltene lautstand ist (s. sp. 44). doch findet sich auslautendes d hier schon mhd. im Liedersaal 3, 493, 27 sowie in einem lat.-deutschen nomenclator, aus dem es Tobler 197b beibringt, dann in einem höchstwahrscheinlich aus dem anfange des 15. jh. herrührenden voc. rerum bei Diefenbach 163a und nach den anführungen oben sp. 43 im voc. teuton. ante lat. (auf der hofbibliothek zu Darmstadt, in einem mir vorliegenden zweiten exemplar derselben bl. f 2a), im voc. teuton. 1482 und in den fastnachtspielen 67, 20, wozu sich weiter fügen läszt

[Bd. 4, Sp. 363]


der (der wirt) was ein unflettiger taufter jud,
er macht uns oft siben suppen von einer kuofud (kuhfut). 350, 13.

noch östr. bair. schwäb. fud. Castelli 133. Schmeller 1, 513. Schmid 207. offenbar hat sich d mhd. aus dem gen. und dat. sg. und dem pl. eingeschlichen, denn jene wie dieser lauteten mhd. füde, vüde. eben so zeigt sich das wort in den bereits sp. 43 angeführten mhd. zusammensetzungen fudenol, welches Ben. 2, 1, 406b von Zarncke ganz richtig als mons veneris erklärt wird, und vudeslecke, membrum virile. auch der abgeleitete name Fudanna ist hier zu erwähnen, welchen in einer im 17. jh. niedergeschriebenen obscenen erzählung der Weimarer papierhandschrift 42 Q bl. 48 ff. das weibliche zeugungsglied als stadt führt, die von dem fürsten zagel, dem männlichen gliede, belagert wird. s. fastnachtspiele 1461.
was den pl. anlangt, so lautet dieser, dem mhd. pl. füde, vüde gemäsz, noch bair. füd. Schmeller 1, 513. in andern gegenden hat das wort, wie glut, im pl. schwache biegung angenommen.
Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp. 42f. bemerkt. wie aber neben der bedeutung cunnus, vulva fotze in Tirol, Kärnten (wo man fouze spricht), Östreich (Höfer 1, 237 f. 2, 240), Baiern noch und zwar vorzugsweise die von maul, namentlich die des maules von thieren hat, so tirol. der fud, fut, in der grafschaft Mark die fuet (Frommann 3, 262, 70), im Bergischen die fot (ebenda 5, 139, 25) die bedeutung der hintere, culus, anus, podex, in welcher jedoch elsässisch fiedle (Frommann 4, 470, 121), schweiz. füdeli, füdli (Tobler 197a. 359a), füdle (Stalder 1, 402), vorarlbergisch füdli (Frommann 3, 398, 13), schwäb. füdle (Schmid 207), das dim. von fud, gebraucht wird, nebenbei auch tirol. der fidli vorkommt. fud, fut gieng sonach von der bezeichnung des weiblichen geschlechtsgliedes auch in die des nächsten körpertheiles, des hintern, über, und dasz hier blosz übergang stattfindet, scheint sich zumal durch das männliche geschlecht zu erweisen, welches das wort tirolisch in der letzten bedeutung hat (Schöpf 158), weil bei dieser sicher arsch in gedanken lag.
Nach der eigentlichen bedeutung cunnus, vulva wird dann fud, fut, wie fotze, auf die weibliche person übergetragen und in dieser bezeichnung auf dem platten lande Baierns meist ohne arg gebraucht (Schmeller 1, 513), in Tirol aber und andern gegenden verächtlich (Schöpf 158) und als schelte. so auch in schwäb. dehnfud f. = eine langsame, träge, alberne weibsperson (Schmid 124). fast noch gröszere verachtung jedoch liegt in dem worte, wenn es zugleich auf eine männliche person angewandt wird, in welchem falle es so viel als weibischer, weibisch weichlicher mensch ist, wie z. b. bair. hünfud f. = flennels (vgl. DWB heularsch 1, 565), ein mensch der gleich weint (Schmeller 1, 513. 2, 202. vgl.hünen), wetterauisch drenefutt f. = ein überaus langsamer mensch zeigen. ganz von einer männlichen person gesagt, bedeutet das wort verachtungswerther mensch, nichtswürdiger, niederträchtiger kerl (Frommann 6, 38, 46), und auch hier fand in bair. hundsfud (Schmeller 1, 513), tirol. hundsfut (Schöpf 158), hochd. gewöhnlich hundsfott, übergang in das männliche geschlecht statt.
 
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fudanna, s. DWB fud.
 
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fudbrunne, m., der name eines brunnens in einem dem 15. jh. angehörenden Tiroler weisthum, in welchem angegeben wird, das (dasz) der herschaft gericht zu Stumb (Stumm im Zillerthal) get ... ausz dem schrött ab in den füdprunn und aus dem füdprünn auf das veldt. weisth. 3, 729. dasz bei dem namen zusammensetzung mit fud stattfindet, ist unleugbar, zumal da kurz vorher auch ein bach genannt wird, der der Arspach heiszt. aber wie ist fudbrunne zu erklären? soll ein kinderbrunne gemeint sein? in ähnlicher weise führt der kinderbrunne meines geburtsortes Unterflorstadt in der Wetterau den namen der bauchborn und das daran stoszende gelände die bezeichnung am bauchborn.
 
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fudbürger, m., s. DWB futbürger.
 
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füdchen, n., s. DWB fütchen.
 
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füdel, n.
1) vulvula. das von fud (s. d.), mhd. fut, vut, mit -le, -el, mhd. -ele, el (s. gramm. 3, 670), ahd. -ili abgeleitete oberdeutsche dim., welches mhd. noch unbelegt ist, aber fütele, vütele gelautet haben musz. vgl. DWB füdle, DWB füdlein, DWB füdli.
2) puella, das mädchen. diese bedeutung geht aus der vorigen hervor und scheint zuerst in dem aus dem jahre 1435 herrührenden namenbuche des Conrad von Dankrotzheim aufzutauchen:

Timotheus und Simphorian
der tut (= macht) das füdel frge uffston,
und endet sich des sumers heil
und kumet des jares dirtes teil
das der herbst ist genant. s. 117.

[Bd. 4, Sp. 364]


ist hier die magd gemeint, die der ernte wegen früh auf sein musz? wie aber fräule (s. d.), bair. frale, das dim. von frau, in das weibliche geschlecht übergeht und gar wetterauisch fræle nur weiblich gebraucht wird, so bald auch füdel, dessen algäuische form fe'l, d. i. nach hochd. schreibung födel, ganz in das weibliche geschlecht übergegangen ist und, wie die verbindung bueben und fele buben und födeln = knaben und mädchen, und e tolle fe'l eine tolle födel = eine wolgewachsene, muntere und sonst beifallswürdige weibliche person zeigen, in gutem sinne für mädchen, tochter gebraucht wird. Schmeller 1, 513. dagegen ist zu Frankfurt am Main die füdel, födel so viel als liederliche, sich der ausschweifung in befriedigung des geschlechtstriebes hingebende weibliche person: weilen man allbereits etwas kundschaft hat, dasz es (das verlorne anhangkreuzchen) eine leichtfertige vödel haben soll. Belli leben in Frankfurt a. M. 1, 66, vom 10. juli 1725; dasz eine frau (welche nicht minder eine leichtfertige födel ist) den hut aufgehoben und bemeldten böswichts weg genommen hat. 1, 102, vom 24. febr. 1730; aber zeit donnerstag hat diese gottlose födel (es ist eine magd gemeint, die mit gefundenem davongegangen) kein röhrwasser mehr geholt, noch sich wieder sehen lassen. 1, 112, vom 5. juni 1731. in derselben bedeutung hört man wetterauisch und hessisch die fiddel mit i für ü, zu Worms und in der gegend fuddel. aachenisch die futel, eine betriegerische dirne. Müller u. Weitz 61.
 
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füdeln , ein schweizerausdruck, von füdeli, füdli, podex. s. DWB fud. er bedeutet:
1) stinken.
2) im gehn den hintern hin und her bewegen.
3) jemanden im ringen auf den hintern werfen. vgl. DWB füdlochen.
s. Stalder 1, 402.
 
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füdeln, nachlässig arbeiten. schweiz., bei Stalder 1, 402, der s. 388 auch födelen transitiv und intransitiv in der bedeutung eine arbeit langsam und fahrlässig verrichten oder nur geringfügige sachen thun hat. nd. fuddeln, nachlässig arbeiten, besonders von nachlässigen näherinnen und wäscherinnen gebraucht. brem. wb. 1, 461. von dem folgenden fuden.
 
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fuden, ohne eifer, nachlässig, spielend arbeiten. schweiz., bei Stalder 1, 402. immer intransitiv gebraucht. die wurzel ist dunkel.
 
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füden, ernähren, alere, pascere, nutrire. goth. fôdjan, jemanden füttern, nähren; ahd. fuotan, mhd. vüeten, mitteld. vûten; alts. fôdian gignere, parere, alere, nutrire, mnl. nnl. voeden; ags. fêdan, engl. feed; fries. fêda; altn. fœða zeugen, gebären, nähren, schwed. föda dän. föde in denselben bedeutungen. aber das wort ist mhd. und mitteld. bereits sehr selten, weil im aussterben (vgl. Ben. 3, 443a. Frisch 1, 311b, der aus einer handschrift sal gefûdet wërden, aletur, anführt), daher auch in den heutigen mundarten Süd- und Mitteldeutschlands erloschen. geläufig blieb es nur in den niederdeutschen, in welchen es föden, auch wol foden lautet und füttern, nähren bedeutet. Stürenburg 58b. Krüger plattd. spr. 53b. brem. wb. 1, 431f. Richey 65. Schütze 1, 329. Danneil 55a. Dähnert 127b. mit ausfall des d osnabrückisch föen. Strodtmann 355a. es ist von dem praet. eines verlornen starken verbums abgeleitet, welches goth. fadan, praet. sg. fôd und fôþ, pl. fôdun, p. p. fadans, ahd. fatan fuot fuotun fatanêr, gelautet haben musz und, zumal wenn man oben die in alts. fôdian, altn. fœda hervortretenden und noch im mnl. nnl. schwed. dän. haftenden vollständigeren bedeutungen betrachtet, zeugen, nähren bedeutet haben wird. ableitung von dem praes. ist vater (s. d.). vgl. gramm. 2, 43 nr. 480.
da mhd. vüeten schon im aussterben begriffen ist, so darf man ein nhd. füten, wie richtig zu schreiben wäre, kaum erwarten. wirklich läszt es sich nirgends nachweisen, wol aber und zwar höchst spärlich füden, das, wie auch die schreibung mit d zeigt, aus dem niederdeutschen eingedrungen ist: ich füd, pasco. Alberus dict. S 1a.

er (der seinen kindern eine stiefmutter gebende vater)
dacht, mit etzen, waschen, windlin
und wie man hegt die kleinen kindlin
weisz mich zwar zu behelfen nit,
ist gnug daran das (dasz) ich sie füdt.
B. Waldis Esop 4, 70 bl. 293b.


 
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fuder, n. vehes, eine wagenlast, d. h. so viel, als auf einen zweispännigen wagen geladen werden kann. ahd. fuodir, carratum, in den Schlettstädter glossen 39, 17 (Haupt 5, 361b), ohne schwächung der endung fôdar, fuodar, das aber nur nachweisbar in dem adj. fôdarmâʒi, fudermäszig (s. d.), d. i. einer wagenlast an grösze gleich; mhd. vuoder; alts. vôther (Essener heberolle in Lacomblets archiv 1, 12 f.), nd. foder, zusammengezogen fôr, nl.

[Bd. 4, Sp. 365]


schon bei Kilian (1599) 631b voeder, voer; ags. fôþer, vehes, engl. fodder, fother als bestimmtes masz in bergwerken; aus dem nd. geradezu entlehnt schw. foder als bestimmtes masz für flüssigkeiten. cimbrisch vudar Schmeller cimbr. wb. 123a. goth. würde fôþr stehn, aber dies ist eben so wenig aufzuweisen, als ein fries. fôther und altn. fôðr. fr. foudre, durch entlehnung aus dem deutschen. das wort ist abgeleitet von der praeteritalform eines verlornen starken verbums, welches goth. faþan, praet. sg. fôþ, pl. fôþun, p. p. faþans, ahd. fadan fuod fuodun fadanêr gelautet haben musz und umfassen, umschlieszen bedeutet haben dürfte, worauf auch das aus dem praesens hervorgegangene goth. fem. faþa zaun schlieszen läszt. sollte nicht hierher noch faden gehören, zumal bei den bedeutungen von ags. fäþm, fäðm, altn. faðmr und dem alts. pl. faþmôs? s. DWB fadem. diese ableitung würde wol mehr für sich haben, als die erklärung des ahd. fadum aus fahadum von goth. fahan ahd. fâhan, wobei sich doch fâdum gleich dem âtum aus ahatum (s. DWB athem 1, 591) erwarten lassen sollte. die ansicht dagegen, ahd. fuodar sei aus einem älteren fuohadar durch ausfall des h oder auch durch zusammenziehung hervorgegangen und die erste silbe fuoh von goth. fahan zu leiten, scheint schon aus dem grunde unzulässig, weil dieses fahan im praet. nicht fôh ahd. fuoh, sondern fáifah hat, also redupliciert.
Das wort steht:
1) im ursprünglichen sinne, wie ahd. fuodar. mhd. vuoder, plaustrum. sumerl. 36, 33; fuoder. voc. opt. 21, 14. plaustrum, ein fuder. voc. ex quo v. j. 1469; strues est collectio lignorum, ein fuder oder hauff. ebenda; fuder, plaustrum. voc. theut. 1482 i 5a. voc. incip. teut. f 2a. voc. gemma-gemmar. (1505) t iiijc; ein fder, plaustrum, vehes. Alberus dict. Ss iiijb; fueder. Helber 47; fuder, vehes, vectura, plaustrum. Henisch 1275, 44. Stieler 415; fuder, vehes. Dentzler 1, 843a. 2, 116b. Steinbach 1, 517. Frisch 1, 302c. mhd.

ir sprëcht »wir sîn gebruoder!«
wær iuwer tûsent vuoder (tausend wagen voll),
ir sît ein ander als getriu
als die wolve und die siu. buch der rügen 538;

und das er von gold hete
mer denn drew tawsent fuder. die falsche beicht (cod. germ. nr. 714 zu München) bl. 216a.
Kellers erz. a. altd. hs. 234, 7.

nhd. ich (spricht der november) mach es allenthalben kalt,
des musz sich leiden hart der walt,
die bawern führen grosze fuder,
ligen mit den forstern im luder.
H. Sachs I (1590), 319b;

und nimb ein weil das ein weib zuder (zu dir),
du hast alls gnug als hetstr ein fuder. II (1591), 4, 11d,

d. h. du hast immerhin genug, als hättest du ihrer eine ganze wagenladung;

wenn ein Fünsinger hat hochzeit,
musz er führen ein fuder erden
auf den (in den brunnen geworfenen) krebs, nicht ledig zu werden (= dasz der nicht herauskommt),
ist gar ein hoher bühel worn. 67b;

man fährt, was eszbar ist, gans, ente, truthahn, schneppe,
kaninchen, rebhuhn und fasan,
rindszungen, schinken, bretzeln, wecken
und würste aller art zu ganzen fudern an.
Wieland 18, 140.

wolgeladen fuder, vehes large onusta. Stieler 415.
man setzte ursprünglich bei fuder, da es subst. der theilung ist, das davon abhängige fast durchaus nachstehende subst. im genitiv. so alts. in der erwähnten Essener heberolle viar vôther thiores holtes, vier fuder dürres holzes, tuê vôther thiores holtes, thriu vôther holtes. mhd. ein hauwes fûder (heil. Georg 1305); ich sal auch jêrlîchis xii fûder mistis vur ir wîngartin fûren. urk. v. j. 1437 in Baurs Arnsb. urkundenb. 715 nr. 1183. aber schon eben im 15. jh. beginnt die männliche und neutrale flexion dem jetzt immer nachgesetzten gen. entzogen zu werden, so dasz genitivisches -s und abfall desselben nebeneinander vorkommen: fuder holtz oder fuder heues, plaustellum. voc. theut. 1482 i 5a; fuderhäwes, fuderholz, fudermists, fuderstein. Henisch 1275, 47 ff.; fuder hew. ebenda 1276, 2 ff. endlich schwindet dieses -s gänzlich oder kommt höchstens nur noch alterthümlich und in gewähltem ausdrucke vor: fuder hew oder holtz. Hulsius (1605) 49b; ein fuder heu, ein fuder holz. Stieler 415; ein fuder mist. Steinbach 1, 517. auch nd. (göttingisch-grubenhagenisch) en foier holt, en foier mis (mist), en foier mai (mai, maibaum). Schambach 274a. beim fem. ist überhaupt die flexion erloschen, und gerste in ein fuder gerste könnte auch als gen. gelten, während mhd. hier ein fuoder gërsten gesagt werden würde. dagegen bleibt im pl. aller geschlechter der gen. unverkennbar, obschon er das unterscheidende flexionszeichen der alten sprache nicht mehr besitzt.

ich gib dir ain fuder ruben zu lon. fastnachtsp. 652, 20;

[Bd. 4, Sp. 366]


ein merkliche anzahl fuder kohlen zum schmidtwerk. Kirchhof discipl. milit. 24; ein fuder steine. Stieler 415, was ahd. ein fuodar steinô lauten würde. vgl. gramm. 4, 721f.
hierher gehörige sprichwörtliche redensarten sind: eim trunken man sol auch ein fudder haw aus dem wege gehen, denn mit narren ist nicht zu handeln. Luther 3, 252; einem trunken mann soll ein fuder heu weichen. br. 4, 462; es erstickt kein maus unter einem fuder hew. Henisch 1276, 3, vgl. Simrock 216, 4702; es hat mancher ein so rein gewissen, man möcht mit einem fuder hew hindurch fahren. Henisch ebenda 4 f., bei Steinbach 1, 517 »er hat so ein enges gewissen, man könnte mit einem fuder heu hindurch fahren, non facile quid religioni habet«; es mag leicht ein klein büschlein sein, das ein fuder holz umbwirft. Henisch ebenda 8 f.; des sommers kan man mit einem fuder meien eben so vil auszrichten, als des winters mit einem fuder holz. 1275, 67 ff.
2) in der bedeutung eines groszen maszes, das nach seinem umfange einer wagenladung gleichkommt oder nach dieser bestimmt wurde. hier ist fuder
a) in manchen gegenden ein wiesenmasz, um eine wiesenfläche zu bezeichnen, deren ertrag an heu eine wagenladung ausmacht. eine wiese von drei fudern. Adelung.
b) das gröszte masz für geschnittenes oder gemähtes getreide und für stroh. so rechnet das volk in der Wetterau, in Oberhessen bei aufgebundenem getreide und bei stroh landesüblich nach fudern, und ein fuder sind bei getreide 60 garben oder gebund, bei stroh eben so viele bäusche.
c) das gröszte masz für ausgedroschenes getreide. so rechnete man im Hannöverischen nach fudern, von welchen eins 10 malter hielt. im Osnabrückischen dagegen nannte man 6 malter ein foer oder föer. s. Adelung und vgl. Strodtmann 59. sprichwörtlich heiszt es nd. in den fürstenthümern Göttingen und Grubenhagen: fœrt en foier koren weg, sau kümt en foier weiten wêer, fährt ein fuder korn weg, so kommt ein fuder weizen wieder, = ein unglück wird durch ein gröszeres glück wieder gut gemacht. Schambach 274a.
d) eins der gröszten masze für flüssigkeiten: mhd.

und gulte ein fuoder guotes wînes tûsent pfunt,
dâ stüende ouch niemer ritters becher lære.
Walther 20, 15;

dës wînes got, hër Bâche,
dër von êrst erdâhte most,
dër kam dâ hin mit rîcher kost,
wan ër vil manic fuoder
durch trinken und durch luoder
brâhte dar ze stiure.
Konrads troj. kr. 989;

(ein) fuoder wînes. Augsb. stadtr. 17; ein halbeʒ fuoder wînes. 23; (ein) fuoder bieres. ebenda; ein fuoder mëtes. ebenda; ein Mênzer fûder weins. Limb. chron. 72; wîns ain fuoder. des teufels netz 5555. nhd. fuderweins, culeus, vehes vini. Henisch 1275, 51; disen herbst zehen fuder weins gelesen oder eingethon haben. ebenda 65. im voc. incip. teuton. f 2a, bei Stieler 415, Dentzler 2, 116b fuder wein, mit abfall des genitivischen -s bei wein, und so sagen wir auch jetzt ein fuder bier, u. s. w. dasz dieser abfall ganz mit dem bei ein fuder holz, ein fuder heu u. s. w. vor sich gieng, bedarf kaum der erwähnung.
fuder, eigentlich eine volle wagenladung an flüssigkeit, bezeichnete schon mhd. das gröszte masz derselben. bei dem italienischen fuder gibt das Augsb. stadtr. s. 38 acht eimer an: swâ ër ein frenkisch fuoder æmet (visiert), dâ sol man im zwên phenninge von gëben, von dëm welschen fuoder, dâ aht eimer inne sint, einen phenninch. der voc. von 1419 bei Schmeller 1, 514 und der voc. theut. 1482 i 5a erklären fuder durch cuppa »kufe« ohne weitere angabe über den umfang des bestimmten maszes, aber Alberus dict. Ss iiijb gibt an, dasz das grosze fasz zu Erbach (Eberbach) im Rheingau, das 28 fusz lang, 9 hoch und mit 14 reifen gebunden sei, 82 fuder wein fasse. auf die verschiedenheit dieses maszes nach den ländern deutet, wenn die aufrührischen bauern 1525 verlangen, es solle im reich ein metz, ein eln, ein fuder, gleich gewicht ... ufgericht werden. Öchsle bauernkrieg 290. heute beträgt das fuder im Elsasz 24, im groszherzogthum Baden 10, in Hamburg, Bremen, Fulda, Cassel, Frankfurt am Main und nach der rechnung des volkes im groszherzogthum Hessen 6 ohm, in Hannover eben so viel oder 4 oxhoft, in Leipzig, Meiszen, Franken, Nürnberg, Miltenberg 12, in Würtemberg 6, in Heilbronn 20 eimer. an grösze wird fuder vom stück (s. d.) übertroffen, das zu Frankfurt am Main 8 ohm umfaszt. aber dasz es früher als das gröszte masz galt, drückt sich manigfach aus:

ein jeder günnt seinem zechbruder,
dasz in im (ihm) steck ein ganzes fuder.
H. Sachs IV, 3, 89b;

[Bd. 4, Sp. 367]


ich weisz wol, wie es dem poeten gieng auf der hochzeit zu Studgarten, im kellerstüblein, da ihn das new fasz anlacht, welches hielte der fuder zwenzig sieben, welche ihm recht die reif antrieben. Grandgusier liesz auch ein weinkeller in ein felsen hawen, in welchem er etlich tausent fuder wein ohn fasz erhielte. Fischart Garg. (1608) G 2a. bei fuder trinken = im trinken unersättlich sein:

derhalben pfeif auf bruder,
ich lieg auch gern im luder,
ich saugs von meiner mutter,
die trank es nur bei fuder. F 1a = 49a.


an diese eben behandelte bedeutung schlieszt sich, hervorgehend aus dem sinne von kufe, eng die folgende an:
e) eine masse salz, die, aus der sudpfanne kommend, in ein hölzernes gefäsz, die berkufe, fest eingestoszen worden ist und davon die form eines dichten, festen kegels erhalten hat, ein salzstock. Schmeller 1, 514. mhd. (ein) fuoder salzes. Augsb. stadtr. 17. 25. nhd. ... sollen die pfanhauser die fueder wol peren und auf jede schaufel voll salz mit einem peerkolben (hölzernen kolben zum beren d. i. einstoszen des ausgesottenen salzes auf den salzwerken in die kegelförmigen, eben beim stoszen auf die spitzen gestellten kufen, die genannten berkufen, in denen es gedörrt und versandt wird) einen stosz tun, damit es wol gepert. sudordnung von 1489 bei Schmeller 1, 187. das noch ungetrocknete und ungehärtete fuder heiszt nasses, rohes oder grünes fuder, das gedörrte, das dann ohne gefäsz mit untergelegtem stroh verführt wird, weiszes, graues oder schwarzes bloszes oder nacktes fuder, das mit spänen und reifen verwahrte gespettertes fuder. s. DWB spettern. das reiche fuder ist das Reichenhaller, welches 54—60 pfund wiegt, während das Berchtesgadner, das Halleiner bis 115 schwer sein können. s. Schmeller 1, 514. vgl. noch setzfuder, trogfuder. wie oben bei holz, wein u. s. w., so ist auch hier bei salz das genitivische -s abgefallen und man sagt jetzt blosz ein fuder salz.
f) im bergbau ein masz für erze, eisensteine, kiese, zwitter u. dgl.: solchen gewonnen eisenstein verkauft man nach fudern, der eins fünf thonnen, ein tonne zehen tröge fasset. wenn der eisenstein gut ist, gibt das fuder ein fünf und zweinzig wag eisen, der eine dreissig pfund wigt. Mathesius Sarepta 79a = (1562) 111a. dieses masz ist nicht in allen gegenden Deutschlands von gleicher grösze. in Nassau hat es 60 cubikfusz.
g) in der meisznischen mundart so viel als man auf einmal in den mund stecken, auf die gabel nehmen kann, ein mundvoll, eine gabelvoll, ein bisse. wenn man ein fuder brod in den mund steckt und dazu trinkt, so bekömmt man leicht etwas in die unrechte kehle. Heynatz antibarbarus 1, 428. fast häufiger aber hört man in diesem sinne das dim. füderchen: ein füderchen brot, ein füderchen kuchen.
Die volks- und umgangssprache gebraucht von fuder in diesen maszbezeichnungen den dat. pl., wie überhaupt diesen casus bei männlichen oder sächlichen wörtern für masze, ohne sein -n, und so findet sich bei Campe eine wiese von zehn fuder, während Adelung von drei fudern hat. dieses letzte ist der alten sprache gemäsz, denn z. b. mhd. (ein) wagen mit funf fuodern salzes. Augsb. stadtr. 23.
3) bildlich für übergrosze menge, welche bedeutung aus der ursprünglichen »wagenladung« leicht hervorgieng. so schon mhd.

dô zugen jâmers ruoder
in ir hërzen wol ein fuoder
dër hërzenlîchen riuwe. Parz. 694, 14;

hôrint jâmers fuoder:
dër armen haʒʒit sîn bruoder,
muoter unde vater u. s. w. Martina 129, 24 =
Wackern. leseb. 1l, 822, 12.

nhd. ein beispiel geb ich euch an meinem alten luder,
wenn die das maul aufthut, so schneit es ganze fuder
von wörtern.
Günther 978.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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