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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
flaum bis flaumenstreichen (Bd. 3, Sp. 1735 bis 1736)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) flaum, m. lutum, sordes, colluvies = flat 2 und ebenso aus flewan abzuleiten, ahd. floum, vielleicht goth. flagms, wie bagms = ahd. poum und φλέγμα = flamma. woroltfloum O. V. 1, 21 ist colluvies mundi, was Graff 3, 768 falsch erklärt und unter fliuhan gebracht ist, das ags. fleám fuga war verführerisch. ein mhd. floum nicht aufzuzeigen, doch sehr möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge (Schambach 271b. Woeste 110), flömrig, lömrig (Danneil 54a) und damit scheint das subst. flöm für fett, sahne, rahm, flaum das rohe nierenfett der gänse und schweine genau verwandt, wie auch mhd. râm sordes ausdrückt. mit fett besudelt man sich, fettige hände sind unreine, schmutzige (sp. 1574).
 
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flaum, m. pluma, ein lehnwort, dem vorangehenden unverwandt, und nicht etwa auf fliegen, wie buchstäblich wol angienge, zurückzuführen, weil es sonst ahd. mhd. auftreten müste. auch bestätigt der für ausländische wörter vorzugsweise geltende häufige übergang des anlautenden fl in pfl diese auffassung, aber ehmals galt auch pl. Megenberg braucht das wort, wozu er genug anlasz gehabt hätte, in keiner form. schon Dasypodius 187a setzt zu pluma ein deutsches flum, plum, 329a hingegen flaum oder pflaum, Frisius 1012b flaumfäderen, Maaler 137b, Stieler 204 gibt plüme und pflaumfedern. allmälich führte sich daun, dune ein (2, 853. 1529), eiderdaun und eider (3, 84); der echtere ausdruck wird unter gauch, mhd. gouch vorgeführt.
1) pluma mollissima:

so lang ihr zartes fell auf flaum und ederdon ruht.
Wieland 4, 77;

es ist so süsz auf flaum und rosenblättern
im arm der wollust sich vergöttern. 9, 5;

und wenn sie sich zur ruh begab versank
die schöne last der wolgepflegten lenden
in schwanenflaum. 9, 108;

bebt wie ein vogel, der vom baum
gescheucht aus seines nestes flaum
in einen dachsbau sich verflogen.
Thümmel Kilian 3;

sieh weiszer als pflaum
im garten den baum
von unten bis ohenan blühen.
J. M. Miller ged. 121;

und wolgefällig horcht er unverwandt,
als streichle jemand ihm die haut mit pflaum. musenalm. 1795. 46;

hingestreckt auf flaumen (pl.) oder moos.
Bürger ...;

[Bd. 3, Sp. 1736]



ich sah mit staunen und vergnügen
eine pfauenfeder im coran liegen.
an dir, wie an des himmels sternen
ist gottes grösze im kleinen zu lernen,
dasz er, der welten überblickt,
sein auge hier hat aufgedrückt,
und so den leichten flaum geschmückt,
dasz könige kaum unternahmen
die pracht des vogels nachzuahmen.
Göthe 5, 235;

diesen zierlich und kräftig doch
kaum geborenen säugling
faltet in reinster windeln flaum. 41, 231;

wenn wirklich etwas poetisches an ihm wäre, auch nur der flaum einer dichterschwinge. J. P. flegelj. 1, 111.
2) lanugo:

mit gänseflaum ums kinn.
Wieland 9, 14;

das alter, wo der knab im jüngling sich verliert,
und hier und da, was ehmals glatt gewesen,
mit weichem pflaum sich schmückt und sanft beschattet wird. Juno und Ganymed 566;

sobald ihm etwas flaum durchs kinn gestochen. ...;

an (l. von) eigentlichem verstand, an (von) lessingischem, sitzt ihm (Lavater) kaum der erste flaum am kinn. Heinse an Jacobi 2, 90;

da sproszt ihm kaum der erste flaum ums kinn.
Schiller 331b;

er träume denn, ihm ist ein traum gewinn,
wem noch ein flaum besät das weiche blonde kinn.
Platen 11a;

dasz ich, wiewol der jugend flaum am kinne,
von fest und spiel und fröhlichem gelage
der mitgenossen weggewandt die sinne. 43a;

trau nur auf des freundes beharrlichen sinn,
doch kehrt er nicht wieder mit flaumen am kinn. 155a;

um der lippe feinen saum,
wie am rand der quelle,
sproszt ein weicher frühlingsflaum
aus der jugend welle.
Rückert 360;

braun sind die augen, blond das lockenhaar.
der flaum am kinn will eben erst erscheinen,
dér spräch 'er hat schon bart, dér 'er hat keinen'.
Gries Bojardo 2, 15, 44;

die armen gänse, als sie noch klein mit gelben flaumen dünn bekleidet sich im nest zusammen drängten. Arnim schaub. 2, 141.
 
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flaumbart, m. was flaumenbart.
 
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flaumbärtig.
 
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fläume, f. was flanke 1: fläumen, flanken, dünnwildpret, wammen ist das zarte wildpret, so den bauch eines thieres formieret und von denen rippen bis zum schlegel gehet. Heppe wolredender jäger 124. von flaum, lanugo, gebildet? oder von flaum fett?
 
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flaumen, plumare: ein riedisch genslin wol bepflaumet. Garg. 138b, wo andere ausgaben gepflaumet.
 
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flaumenbart, m. adolescens:

da kam ein junger flaumenbart
voll anmuth und voll leben.
Bürger 111a.


 
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flaumenbett, n. lectus plumosus.
 
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flaumenfeder, f. lanugo:

ein andres würd ihn gar ein hübsch gesichte nennen,
und einen Mavorskopf in seinem kopf erkennen,
versteht sich von der zeit, als noch in Mavors bart
die pflaumenfeder hieng und er zum mann erst ward.
Weisze lustsp. 1, 397.


 
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flaumenlager, n. flaumenbett:

wo manche zarte städterin
halb wach im flaumenlager säumte.
Voss.


 
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flaumenstreichen, n. adulatio, nnl. pluimstrijken:

steht fest und leszt sich nicht beweichen
ir federlesen und pflaumenstreichen.
Waldis 1, 11 bl. 9b.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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