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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
falschwitzig bis faltechtig (Bd. 3, Sp. 1297 bis 1299)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) falschwitzig, nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85.
 
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falset, n. cantus acutus praeter naturam, gefälschte stimme, das singen durch die fistel. doch genauer scheint falset die höhere, erzwungne stimmlage bei männern (tenor und bas), fistel bei weibern:

bald will ein graubart das falset erzwingen.
Matteson der neue göttingische ephorus s. 87.


 
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falsethöhe, f. seine (des sängers) stimme hatte wieder ihre grausame falsethöhe gewonnen. Arnim 2, 322.
 
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falsetstimme, f.
 
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falsum, n. fraus, betrug: das falsum belief sich auf tausend thaler. früher hätte es geheiszen der valsch.
 
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falt, m. plica, ruga, goth. falþs, aus dem folgenden adj. zu schlieszen, ahd. fald (Graff 3, 514). mhd. valt:

ër (der rock) nam den valt und den val
under dën vüeʒen alsô vil
als iuwer iegelîcher wil. Trist. 274, 40;

vür baʒ dâ viel er (der mantel) sëlbe wider
und nam den valt al zende nider,
dâ man diz und daʒ sach,
ich meine vëdern unde tach. 275, 32;

dër sëlbe phelle dër tët sich
an den valt und an den strich
alse nâhe und alse wol,
als ein phelle von rëhte sol. 280, 10.

s. DWB falte.
 
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falt, goth. falþs, nur in den zusammensetzungen ainfalþs, managfalþs, ahd. fald, später falt, wiederum in einfald, manacfald u. s. w., mhd. valt, nhd. falt. auch das lat. plex, plus, gr. πλάξ, πλόος nicht einfach, nur in simplex, simplus, duplex, duplus, ἁπλοῦς, διπλόος διπλοῦς κτλ. s. DWB fach.
 
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faltbar, plicabilis, faltper, voc. 1482 h 4b. vgl.entfaltbar, unentfaltbar. Stieler 429.
 
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fältchen, n. ruga exigua, nnl. vouwtje: ganz sanfte und fast unmerkliche fältchen. Winkelmann 3, 105; die schürze ist sehr gesteift, in kleine dichte fältchen gelegt. Kronbiegel Altenburger trachten s. 39;

wie sich nur ein fältchen ruckt,
witz heraus mit lachen guckt.
Rückert 10.


 
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falte, f. plica, fimbria, ruga. ahd. begegnet nur fald m., mhd. oft der nom. unsicher valt m. oder valde f., seltner valte (Nib. 1210, 2), wo Lachm. valten, man sieht nicht welcher schlechten hs. entnimmt, die guten haben valde; dann auch Trist. 322, 31 und Renner 14206, nhd. allgemein falte. mnl. voude, nnl. vouw, ags. feald, engl. fold, altn. faldr und falda, schw. fll, dän. fold. Polen und Böhmen haben von uns fałda, fald übernommen, aus engl. fold erwuchs das welsche ffald. mehr unter dem verbum falten. die bedeutungen stimmen zu der siebenten, achten und neunten von fach, allen wohnt die vorstellung des zusammenfügens und legens bei.
1) falte in kleid, gewand und schmuckbinde, wobei das it. falda, altfr. faude, mlat. falda fimbria und faldo indumentum (Ducange 3, 193. 194), aber auch palla, pallium zu erwägen: mhd.

in valde (: balde)
lac ir vîrelîch gewant.
Neidhart xxxvi, 28;

ob ër mich dës lîbes ie gebæte,
sô sîs unlange stæte
diu valde an mîner wæte. 6, 38,

so soll die falte meines gewandes bald nachgeben;

dô hete ich aber daʒ mîne (hemde)
beimelîche in mînem schrîne
in reinen wîʒen valten
verborgen unde behalten. Trist. 322, 31;

die valden ich niht geprüeven kan,
die wâren sô listic und reine.
Turl. Wh. 137a;

und habe wir gar gehebe valten (: alten). Renner 14206;

ân aller hande valde (: halde)
ëʒ (das tuch) von im sëlber ûf gêt. Marienleg. 91, 44;

diu wæle was gevalden wol,
ieslîch valde bleter vol
was gehangen.
Lichtenstein 296, 10;

diu (wæl) mit valden was behuot. 452, 3.

nhd. der mantel hat gar vil krummer falten. fastn. 671, 12;

das har auf deinem heubt ist wie die purpur des königs in falten gebunden. hohelied 7, 5;

das wammes von falten zu falten gespalten. wunderh. 2, 85;

[Bd. 3, Sp. 1298]


die gefaltene und eingeschnüerete reitröck, wie die kocherspergische faltenjuppen waren noch nit aufkommen. dann was soll dis ruckenspannen und sorgfeltig einfalten, einstechen und einwinden der weiberröck? kurzumb wann man die stifel nicht meh wachtelt, so müssen die kleider gewachtelpfeifelet werden. wolan so secht wol zu, dasz es nicht aus den falten komm, der bub müst es sonst gethan haben, macht eh eigene wachtelhölzer darzu wie zu den hembdkrösen. aber was gehen mich ewere falzenschindelen an, ich mag euch die falten nicht weiter verrucken. Garg. 116b;

drei acte hab ich selber erdicht,
die andern 2 hat meister Lollinger in die falten gericht.
Gryphius 1, 732;

wenn ihr nur sonst nicht was hier aus den falten rückt.
Canitz s. 265;

da stört ihn flieg und scham, da irren ihn die sinnen,
da darbt sein überflusz. die weisheit steckt zwar drinnen,
will aber nicht heraus, wie sehr er spuckt und drückt
und unter tausend angst die kraus in falten rückt.
Günther 409;

stürmt im haare und im schlender, runzelt tiefe falten drein.
Dusch der schoszhund s. 32;

der schwarzgraue mantel
dunkler streifichter wolken, in den die natur sich gehüllet,
rollet sich plötzlich in langen wallenden falten vom himmel.
Zachariä tageszeiten 4;

vergeszt nur nicht dem schneider einzuschärfen,
dasz, so lieb sein kopf ihm ist,
die hosen keine falten werfen.
Göthe 12, 111;

und röcke so lang und falten so weit. 13, 110;

und verbirgt der thränen stürzenden quell
in des mantels purpurnen falten.
Schiller 70a;

breitet ihm vor die falte des silberhellen gewandes,
πρόσθε δέ οἱ πέπλοιο φαεινοῦ πτύγμ' ἐκάλυψεν. Il. 5, 315.

es heiszt: ein gewand in die falten legen, rücken, kneipen (s. faltenknif); einen mantel in die falten stechen (Stieler 429), richten, setzen, schlagen, winden, fügen, bringen, streichen. intransitiv: das tuch kommt, rückt, schiebt sich aus den falten; zieht falten; das gewand schlägt, wirft reiche falten, läszt schöne falten fallen; die falte bauscht sich, eine bauschende falte, turgens plica; kriechende, schrumpfende, zusammenlaufende falte, plica repens, fr. pli rampant:

si se vesti d'une vert cote,
molt bien faudée à plois rampanz.
Meon 4, 11.

sprichw. schaube ohne falten ist armer leute hoffart.
2) falte des gesichts, der haut, stirne, des mundes:

hett sie zwelf jar an krucken krochen,
und den ars in die falten gstochen,
noch ist sie juh mein keiserein
und auch die allerliebste mein.
Murners schelmenzunft 30b (Scheible s. 855);

der kopf (stirn) steht schon in falten.
Hildebrand volksl. 403;

das antlitz schlecht sich zu falten. Philand. lugd. 5, 284;

die zofe
trocknet die augen sich ab und legt die lippen in falten.
Zachariä 1, 259;

o redner, lege doch dein maul erst in die falten,
dein maul, das so erbärmlich spricht.
Lessing 1, 21, hernach:

o redner! dein gesicht zieht jämmerliche falten,
indem dein maul erbärmlich spricht.
wer wollt in seinen blütentagen
die stirn in düstre falten ziehn?
Hölty.

seine stirne legt sich schon in falten; er legte sein gesicht in falten.
3) falte des herzens, der sinne, seele, des gemüts: mhd.

in dës hërzen valden
gotes wort behalden. pass. H. 108, 58;

wande in dër alde sunden schimel
nicht lenger dar behalten
in ir valschen valten. 111, 34;

swër in dës hërzen valden
die vrucht der lêre hât genumen. 242, 39;

eya mensche, kum her vur,
ich meine ûʒ sunden valden,
ob du dâ sîst behalden. 66, 31;

dës ich ot behalde
in mînes hërzen valde
den lieben hërren Jesum Crist. pass. K. 164, 17;

nhd. setzt eure sieben sinnen in die falten, herr Peter Squenz hat etwas nachdenkliches anzumelden. Gryphius 1, 720; hätte ihnen doch ihr edelmüthiges und über alles mistrauen erhabnes herz eher erlaubt die falten des seinigen zu durchschauen. Brawes freigeist 138;

[Bd. 3, Sp. 1299]


wie alter, immer noch des argwohns düstre falten?
Wieland;

leer von lieb ist jede falte
meines herzens.
Gotter 1, 206;

vergehen des verdrusses falten
nach einem flügel vom kapaun?
Gökingk 1, 203;

es kömmt auf gewohnheit, übung, neigungen, gemüthsbeschaffenheit, winkel und falten der seele an, wohin die aufmerksamkeit bei erblickung eines gegenstandes sich lenken soll. Mendelsohn in Gökingks leben Nicolais 191; ein mann, der die geduld sich in alle umstände zu schicken und das talent sich in alle falten zu legen auf das vollkommenste besasz. Garves übers. des Cic. de off. 1, 83; ob die falten, die sich in mein gemüth geschlagen und gedrückt haben, wieder auszutilgen sind. Göthe 27, 34;

es schwinden jedes kummers falten,
so lang des liedes zauber walten.
Schiller 80b;

in seinem herzen
wär diese falte wirklich mir entgangen? 285a;

nun haben die bekannten töne an mein herz geschlagen, eine lange verschlossene falte hat sich wieder aufgethan und da wimmelts plötzlich an erinnerungen. Kotzebue dram. sp. 3, 302.
4) falte geht leicht über in die vorstellung eines gefaches, schreins, einer tasche, die sich falten, schlieszen, entfalten und öfnen: mhd.

dô wart ûʒ dër valde vil rîcher kleider genomen. Nib. 262, 4;

swaʒ man in dër valde dër guoten wæte vant. 275, 2;

dô wart ûʒ dër valde rîcher wæte vil genomen. 528, 4;

sie suohten ûʒ dën valden dës vil dar inne lac. 1210, 2 vgl. Holzm. 1293, 2;

mîn röckel in dër valde lît. MSH. 3, 227a

oder wie in der stelle unter 1 liegt in falten, gefaltet? nhd. falt, fach oder tate in einer taschen, locellus, forulus, parva bursa. voc. 1482 h 4b. Diefenbach 335a, der 244b taschenvald und taschenfach anführt;

seinen beutel baue vor, wer ein wüstes gut wil pflügen,
wann das gut wird sein erbaut, wird der beutel wüste liegen,
wird sich kaum ums sechste jahr wieder aus den falten fügen.
Logau 2, 220, 59,

wie wir noch heute sagen, sein beutel hat, wirft falten, ist nicht mehr rund gefüllt, darum konnte er selbst falte heiszen, wie die fahende lade fach heiszt.
5) falte, spalt, schlupfwinkel, rima, recessus, septum:

besît in einer valden. pass. K. 235, 86;

in der cellen valde. 542, 69;

nhd. in jedes berggeländes falte
der nebel weilt,
bis des geklippes scharfe spalte
den dunst zertheilt.
Fr. Brun im musenalm. 1796 s. 183.

diese bedeutung eines abgelegnen, eingehegten raums mag eine der ältesten sein, da sich schon mlat. falda für septum und stabulum findet. Ducange 3, 192; ags. fald, bovile, ovile, engl. schott. fold, sheepfold. heute ist sie uns fast erloschen.
6) falte, implicatio, umschlingung:

dër zagel (des wurmes) was umbe si gegëben
wol mit drin valden. Wigal. 131, 26,

hatte sie dreimal umschlungen. s. die mit falt gebildeten adjectiva.
7) figürlich, ein durchtriebener unrechtsgelehrter wird schon wissen die sache in so viel falten zu legen und so anzustreichen, dasz die gegenpartei wünschen wird, davon los zu sein. Scriver seelensch. 1, 854. auch die unter 3 angeführten stellen stehen figürlich.
 
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faltechtig, laciniosus, falticht, faltig: faltechtige kleider. Stieler 429.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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