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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verbohren bis verborgene (Bd. 25, Sp. 148 bis 149)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verbohren, verb.
1) durch bohren befestigen: zimmerwerk verbohren, verbohrter zapfen.
2) falsch bohren, durch bohren beschädigen, terebrando perdo Steinbach 1, 155: das brett, den tisch verbohren.
3) übertragen, das particip verbohrt, falsch gebohrt, falsch entwickelt, auf abwege gerathen: verbohrte sache, verbohrter mensch. vergl. ähnliche bedeutungsübergänge bei verdreht, verrückt, verschroben.

[Bd. 25, Sp. 149]



4) reflexiv, sich verbohren, sich beim bohren versehen, beim bohren (z. b. von wasser) falsch bohren.
5) sich in etwas verbohren, sich in falscher weise in etwas hineinbohren, so dasz man nicht wieder heraus kann; gern auf geistiges übertragen, sich in etwas falsch hineinarbeiten und in unrichtigen ansichten befangen sein.
 
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verbolgen, erzürnt, zornig, part. praet. zu verbelgen, mhd. verbëlgen (beides nicht nachgewiesen, über einfaches belgen s. theil 1, 1447); schon mhd. nur im part. praet. belegt:

durch daʒ sît ir zweier sinne, daʒ machet dîn schalkeit ist verbolgen. minnes. 3, 80b Hagen;

wanne die Kûren sint verhert
und von uns gar verzert:
sô mûʒ Myndowe uns volgen,
wie gar er sie verbolgen. livl. chron. 4115 Meyer;

nhd. selten und veraltet:

ach dasz der sterbliche doch gar so ist verbolgen,
dasz er der warheit auch verschworen hat zu folgen.
P. Fleming 550.


 
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verböllen, s. verbällen.
 
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verbollwerken, verb. durch bollwerk befestigen.
1) transitiv, verbollwercken, vallare, emunire, obvenire, munitiones facere Maaler 415a: vor der Engelburg, die wol verbolwerckht war. J. Ziegler acta paparum bei Ranke d. gesch. 6, 146; hett zweierlei wagenburg verbollwercket. Tacius bei Fronsperger 3, 252a; eine stadt verbollwercken, urbem operibus claudere, vallo et fossa cingere. Kirsch 2, 330;

die statt hat er verbolwergt gar,
kein rettung ist bei uns nit mehr
vor der Caldeer groszem heer.
H. Sachs 3, 1, 139 (11, 16 Keller);

in poetischem bilde: ihr gesicht war mit einem groszen backenbart über und umbwachsen, und der mund mit haaren so verbollwercket, dasz man ohne grosze mühe nicht darzu gelangen kundte. Philander 1, 175;

meine liebe
bestürmte nicht wie jetzt dein hartes herz
verbollwerkt und verschlossen gegen mich
feindlich dem andrang meiner zärtlichkeit.
Tieck 1, 41.


2) reflexiv, bildlich: darumb nachdem er (der papst) seine kasten voll, hat er sich mit seinen decreten und newen satzungen dermaszen vergraben, versperret, beschlossen und verbollwerckt, das kein gewaltiger in beschädigen mag. Sleidanus reden 27 (Stuttg. lit. verein 145)
 
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verbolzen, verb. im bergbau, mit bolzen unterstützen (bolz, bolzen 'ein in grubenbauen zur unterstützung des gesteins oder in der zimmerung in einer mehr oder weniger senkrechten richtung aufgestelltes starkes holz' Veith bergwb. 112): eine zu hohe kohlenwand, die nicht mit sicherheit verstrebt und verbolzt werden kann. bergm. taschenb. (1844) bei Veith bergwb. 519; im schiffsbauwesen ein schiff verbolzen: das schiff ist verbolzt, wenn alle hölzer desselben unter einander durch bolzen befestigt sind. Bobrik allg. naut. wb. 2, 705.
 
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verbonnen, vebonst u. s. w., s. DWB verbünnen, DWB verbunst.
 
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verborg, m. versteck, zum verbum verbergen, mit dem vocal des zweiten ablauts (vergl. DWB bruch, DWB fund u. ä.); mhd. nicht nachgewiesen, nhd. äuszerst selten: der juncker lage inmittels in seinem verborg. Martin v. Cochem auserlesenes historybuch 1, 475; inmittels lage der seelige mann voller ängsten in seinem verborg. 1, 710; müste etliche täg in seinem verborg bleiben. 1, 711.
 
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verborg, m. handlung des verborgens. Heinsius 42, 1270.
 
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verborgen, verb. ausleihen, im älteren oberdeutsch nicht nachgewiesen, zuerst bei Stieler 166; im nd. schon früher belegt Schiller-Lübben 5, 321. ver gibt dem einfachen zeitwort die bedeutung 'ausleihen', und während dasselbe 'auf borg geben und nehmen' bedeutet, kann verborgen nur im erstern sinne stehen; wie das einfache zeitwort, wird das zusammengesetzte nur von beweglichen gegenständen gebraucht, mutuare, credere: ich habe mein gelt verborget, pecunia mihi in nominibus est. Stieler 166; getreide verborgen. Adelung versuch 4, 1385; ich verborge nie geld. Kotzebue theater (1840) 3, 162. auf credit ausleihen: waaren verborgen. Adelung a. a. o.
 
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verborgen, substantiver infinitiv des vorigen: zum verborgen habe ich kein geld, wenn ihr aber mit mir in gesellschaft kommen wollt, so werde ich bis Lyon für euch bezahlen. Göthe 34, 285.
 
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verborgene, f. die verborgenheit, das geheimnis, selten: sie machen listige anschlege wider dein volck, und ratschlahen

[Bd. 25, Sp. 150]


wider deine verborgene. psalm 83, 4, vergl. Luther 4, 153b. das wort auch mnd. vorborgene, f. verborgenheit Schiller-Lübben 5, 321.