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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
noch bis nock (Bd. 13, Sp. 872 bis 877)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) noch, conj. und nicht, auch nicht, und auch nicht. goth. nih, ahd. nih, nëh (in nihein, nëhein), noh, mhd. nëh, nëch (in nëhein, nëchein), noch, nhd. noch (nach Murmelius 191. Schade sat. 2, 363 f. Kehrein kirchenl. 1, 44, 10. 152, 20 u. o.), alts. nig (in nigên), nek und noh, mnd. neg (in negên), noch, nl. nd. noch, nog, altfries. noch, nach, der bildung und bedeutung nach dem lat. neque, nec entsprechend. gramm. 3, 23. 69. 719 f. Scherer zur gesch.2 502. 504 f. Curtius3 295. 444. Meyer goth. spr. § 410. — der nhd. gebrauch des wortes ist beschränkt auf die theilung, fortführung oder erweiterung einer vorausgehenden verneinung (gegensatz zu sowol — als auch), während es in der alten sprache auch zur anknüpfung eines negativen satzes an einen positiven dienen oder überhaupt eine stärkere verneinung ausdrücken, auch einen fragesatz im sinne des lat. nonne, numquid einleiten kann, s. Schulze goth. gloss. 252a ff. Graff 2, 980 ff. mhd. wb. 21, 404b ff. die correlation wird ausgedrückt:
1) durch noch — noch (nequeneque), nicht das eine und auch nicht das andere, wedernoch: goth. þarei nih malô nih nidva fravardeiþ (οὔτε, οὔτε, da sie weder motten noch rost fressen). Matth. 6, 20; nih sa fravaurhta nih fadrein is (es

[Bd. 13, Sp. 873]


hat weder dieser gesündigt noch seine eltern). Joh. 9, 3; ahd. noch thesêr suntôta noh sîne eldiron. Tatian 132, 2;

thaʒ ir noh hiar noh ouh thârni betôt then fater.
Otfrid 2, 14, 63;

mhd. si (minne) hât noch sêle noch den lîp.
Walther 81, 31;

elliu êre gar zergât,
diu noch zuht noch meister hât.
Freidank 53, 24.

nhd. ist diese fügung noch bis zum ausgange des 18. jh. neben weder — noch im gebrauch: das ir noch an disem berg noch in Jherusalem anbet den vatter. vierte bibelübersetzung, Joh. 4, 21 (weder auff diesem berge noch zu Jerusalem. Luther); noch sichtbarlich noch unsichtbarlich. Luther br. 5, 85; die gott noch mit süsze noch saur, noch mit locken noch mit trauen zwingen können. Luther 1, 25a; sie möchten noch (var. nit) dulden noch leiden, das. Aventin. 4, 1018, 7; so irn vorvordern ... nie noch trau noch glauben gehalten hieten (var. weder — noch). 1133, 3; auch noch Christus, noch Petrus, noch Paulus, noch all heilig marterer solichs .. hinder inen gelon. Schade sat. 3, 31, 11;

ihr findt bei mir noch wehr noch waffen.
Waldis Es. 1, 55, 10;

all andre glübd sein gar kein nutz,
gebn dem menschen noch trost noch schutz. das päpst. reich 2, 8;

wann er schon hat noch land noch leut.
Fischart nachtrab 1406;

ach mutter liebste mutter mein,
ich kann noch essen noch trinken.
Uhland volksl. 221;

noch weg noch steg lasz werden hart.
Kehrein kirchenl. 1, 134, 3;

kein brod ist da, noch bei noch nah. 337, 3;

das federbürschlein zart ...
noch kunst noch athem spart.
Spee trutzn. 1 B.;

dasz nie so süsz ...
noch harf noch cither sein. 71;

hier will noch Ceres weichen
noch Bachus.
Opitz (1644) 1, 49;

verhindert dasz noch recht noch satzung reden kan. 82;

nun kan er aber nie noch kusz noch liebe tragen.
Biermann trewungsred B 3a;

jener (der todte) thut noch arg noch wol.
Logau 1, 4, 67;

noch frech wagen,
noch weich zagen
hat iemals gar viel nutz getragen. 1, 4, 86;

dasz mein buch, sagt mir mein mut,
noch gantz böse, noch gantz gut. 1, 6, 30;

durch das reich der tugend
gilt noch geld noch jugend. 3, 7, 35;

sie konnte aber die ursache noch wenden noch enden. Harsdörfer lust- u. lehrr. gesch. 1, 34; daselbst ihn noch schmertzen, noch qual, noch irgend eine hitze berühre. Schuppius 493;

wem vor diesem (des todes) bogen graut,
kennt noch die welt noch sich.
Gryphius trauersp. 232 Palm;

(er) kennt noch sich noch gott. ebenda;

noch die gefärligkeit des weges, noch die wohlgelegten posten machen mich glauben .. Butschky kanzl. 51; seines gleichen war nicht auf erden, noch vor noch nach ihm. Patm. 350;

ich sparte vor (für) das volk noch zeit noch blut noch leben.
Hofmannswaldau getr. schäfer 134;

ins elend, wo noch tag noch sonne dich bescheint.
Lohenstein auserles. ged. 1, 279;

noch müh noch laster scheuen.
Brockes 3, 409;

noch macht noch hasz .. befreit von seinen (des gewissens) bissen.
Haller urspr. des übels 3, 122;

dann seine güte nimmt ...
noch maasz, noch schranken an. 3, 192;

noch unrecht, noch versehn kann vom allweisen kommen. 3, 225;

darin .. ist noch kraft, noch anmuth. Klopstock 12, 127;

noch stand noch alter wird gespart.
Wieland Oberon 22, 213;

(nicht geneigt) noch ohr noch hand noch lippen herzuleihen. der neue Amadis 12, 20;

nein! mich beklemmt und entmannt noch furcht,
noch trägheit.
Bürger 168a;

noch stand noch alter wird geschont.
Schiller 9, 339;

Alba. (wer) nimmts auf sich den könig zu belehren?
Domingo. noch sie, noch ich. 5, 1, 142 (don Carlos 2, 13);

noch krankheit kannten sie, noch furcht noch klage.
A. W. Schlegel im musenalm. 1798 s. 49;

noch der äuszre, noch der innre mensch. Hamlet 2, 2;

du bist noch volkes, noch des königs freund. Heinrich VI. erster theil 1, 3;

und noch gefahr noch tod soll mich erschrecken.
Tieck 2, 28 (vom jahre 1799);

[Bd. 13, Sp. 874]


auch nl. noch — noch (Kramer 1, 219b) und in oberd. mundarten: noch segen (sehen) noch anrüarn, noch man noch baip (weib). Schmeller cimbr. wb. 150b; kärnt. nou — nou. Lexer 198.
2) im ersten gliede steht eine andere negation.
a) nicht, nie, kein u. s. w. mit nachfolgendem noch; goth. ni — nih, aber auch nih — ni: jah þarei þiubôs ni ufgraband nih stiland (οὐοὐδὲ, da die diebe nicht nach graben, noch stelen). Matth. 6, 20; þei ni saiand nih sneiþand nih lisand in banstins (sie seen nicht, sie erndten nicht, sie samlen nicht in die schewnen). 6, 26; nih du airþai ni du maihstau fagr ist (οὔτεοὔτε, es ist weder auff das land, noch in den mist nütze). Luc. 14, 35; ahd. ni — noh oder ni — noh ni (wenn im zweiten gliede ein anderes verbum steht als im ersten): nist iungiro ubar meistar noh scalc ubar sînan hêrron (nonneque). Tatian 44, 16; siê ni sâwent noh ni arnônt noh ni samanônt in skiurâ. 38, 2;

ni nâmun thia meinawâfanes gouma
... noh fiures brennennes.
Otfrid 5, 23, 66;

thie tôthes nie korônt êrnoh ni thultent thaʒ sêr. 3, 13, 40;

mhd. dône vant er loch noch tür. Iwein 6740;

der drîer tage lanc
vor dem grôʒen leide niht aʒ noch entranc. Nib. 1012, 2;

nhd. nicht — noch (s. auch nicht III, 3, b), nichts — noch, nie — noch, kein — noch u. s. w.: nit verderbet disen man .. noch die frawen. Tristrant 86, 3 Pfaff; damit ir .. gter leymet nitt mindert noch geswecht werde. Bocc. 165, 27 K.; ich habe nie erfahren noch gelesen. Keisersberg granatapf. A 7b; es ist kein neid noch hasz noch vergunst da, sunder liebe. emeis 44a;

ist nit in ein sect noch orden gangen.
N. Manuel Barbali 619;

sie werden mir nicht gleuben, noch meine stimme hören. 2 Mos. 4, 1; wer nicht predigen noch schreiben kan. Luther 3, 56a; die kein unrecht noch ubel ... leiden wöllen. 118b; Christus ist nicht geborn noch gezeuget von David. 8, 127a;

der im kain args noch gts mag thn.
Schwarzenberg 155d;

weis ich .. mein kinder nicht zu nehren
noch des hungers uns erweren.
Rebhun Susanna 2, 2;

sie werden kein frawen schenden mehr
noch fälschlich brengen umb ihr ehr. 5, 5;

kein zucht noch straff (er) wolt nemen on.
H. Sachs 1, 84, 32;

und hab kein sünd noch unrecht lieb! 140, 13;

da ward niemands, nit vatter, nit son, noch freunde auszgenommen. Polychorius Sal. 10b; du habs es nicht gewisset noch verstanden. Witzel ps., vorrede; so ich doch dessen nichts höre noch lese. ebenda; so wolte er doch die krone nit annemen, noch wider seinen herren .. etwas handelen. eselkönig 53; alldieweil Justitia nicht liegen noch triegen kan. Philander (1650) 1, 31; sie hassen mich darumb, das ich nicht bin noch werden will der, für welchen sie mich offenlich angeben. 2, 174; du solt nicht gehorchen noch bewilligen. Schuppius 371; er habe nicht sehen noch warnemen können. Widmann Fausts leben 212 K.;

ich habe nie den tanz
der musen angeschaut, noch irgend einen kranz
... zu tragen mich beflissen.
Rachel 1, 3;

welche ihren ursprung nicht aus den sternen noch aus den dünsten der erden (hätte). Lohenstein Armin. 1, 433b;

den nie in hoher see das brausen wilder wellen,
noch der trompeten schall in bangen zelten weckt.
Haller die alpen 488;

kein laut, noch geräusch von redenden wurde
durch die versammlung gehört.
Klopstock Mess. 4, 100;

es ist nicht schuld noch wille.
Göthe 10, 212;

ich habe nicht gelernt zu hinterhalten,
noch jemand etwas abzulisten. 9, 65 (Iphig. 4, 1);

ich bin nicht müd noch hungrig. 8, 88; sie kann nichts davon, noch dazu thun. 175; die übrigen geschäfte ... liefen nicht alle so glücklich, noch so vergnügt ab. 18, 140; sie hat keine art noch geschick, ihren zustand zu verbergen. 19, 4; ziemt keinem soldaten noch liebhaber die arme eingewickelt zu haben. 8, 233; aber nichts wollte mir schmecken noch gelingen. 25, 10; er steht abgewendet und so, dasz Max ihm nicht beikommen, noch sich dem fräulein nähern kann. Schiller 12, 322 (Wallensteins tod 3, 23);

nicht himmel war noch erdgefild,
nicht stern- noch sonnenflimmer.
Rückert 3, 346;

hier helfen nicht sprüche noch kreuze noch schwüre.
Geibel juniuslieder (1883) 228.

[Bd. 13, Sp. 875]


auch im älteren nhd. kann zu noch eine verneinung treten, wenn es mit einem andern verb verbunden ist als das vorausgehende nicht: wir mügen in nit entreiten noch nit entlauffen. Tristr. 96, 7 Pfaff; er leufft auch nicht leichtlich ubel an, noch irret nicht. Luther tischr. 2a. — die verneinung des noch wird durch beigesetztes minder verstärkt (vergl. b):

und fragte nicht, wohin? woher?
noch minder, wie wir hieszen.
Bürger (1778) 192.

manchmal ist die negation des ersten gliedes schon im sinne der aussage enthalten: weil ir denn mein wort verachtet, noch meines vaters willen gethan habt (weder mein wort geachtet, noch). Luther 5, 454a; sich für winckelpredigern zu hüten, noch dieselben geister zu hören. 6, 349a.
b) weder, gekürzt aus ahd. niwëdar, newëder, mhd. newëder, enwëder (keiner von beiden), aber gewöhnlich schon mit abgefallenem ne, en in der nhd. form wëder (s. dasselbe): ahd. dâr ne weder ist ze heiʒ noh ze chalt. Notker ps. 65, 12; andere heiligon ne mugon imo gelîch sîn, neweder in divinitate, noh in humanitate. Williram 35, 3 Seemüller; mhd.

wand im wart von rechter liebe neweder wol noch wê.
Walther 14, 1;

nun hab ich weder schapel noch gebende
noch frowen zeinem tanze. 25, 9;

vrô enwas dâ niemen,weder man noch wîp. Nibel. 1005, 2;

nhd. z. b. so haben sy ... weder brot noch keinerlei ander speisz. Tristr. 98, 15 Pfaff; aber ich weder von inen noch sie von mir verstanden warn. Bocc. 123, 21 K.;

weder bapst noch mensch hat des gewalt.
N. Manuel Barbali 744;

ich bin doch weder gans noch fogel. Murner Eulensp. 18; gleich wie er es weder geboten noch verboten hat. Luther 3, 55b; weder jung noch alt. Aventin. 4, 1016, 29. 1108, 25; diser Caligula hat weder seim vater noch anherren nachgeschlagen. 755, 16; war weder scham noch zucht bei inen. Polychorius Sal. 16b;

verdienst mit (damit) weder dank noch lob.
Scheidt Grobian. 2834;

dich hier zu behalten, ist weder mein noch dein gelegenheit. Simplic. 1, 66, 12; dasz er weder hände noch füsze regen kundt. historia von d. Fausten 26 neudruck; es wird genug sein, wenn wir weder die ersten noch die letzten darinn (mode) sind, uns weder zu neu noch zu alt, weder zu geringe noch zu kostbar kleiden. Gellert moral. vorl. (1774) 1, 320; ich möchte .. in einer solchen sache weder streiten, noch den ausschlag geben. Göthe 17, 204; unsere reise war daher weder angenehm noch glücklich. 25, 44; izt fürcht ich weder quaal noch entzücken. Schiller 3, 153 (Fiesko 5, 3);

ich will .. mir ein örtlein suchen,
wo weder birk noch buchen,
wo weder tann noch eichen,
und gar nichts dergleichen.
Rückert 1, 414.

mit verstärkung des noch durch nachgesetztes weniger (vergl. Keller antibarb. 130): ein schauspiel, das weder geschrieben, noch weniger memorirt war, aufzuführen. Göthe 19, 110; und doch konnte er ihn weder als privatmann, noch viel weniger als regenten achten. Strausz Schubarts leben 2, 316.
3) die dem noch correspondierende negation kann auch fehlen, wie das eigentlich schon bei (aus neweder entstandenem) weder der fall ist.
a) die negation fehlt im ersten gliede: mhd.

in rüeret regen noch sunne. Iwein 570;

in beschirmet der tiuvel noch got. 4635;

dem sint die engel noch die frowen holt.
Walther 13, 9;


nhd.
α) noch ohne weitere verneinung: daʒ sie sich als vast mit geraisigem zeug noch mit fuszvolk bewurben. Schürstab 128, 6; also .. konnt ich dasz rosz um keren, noch absitzen. F. Platter 293 B.;

wird creutz noch peinen satt.
Spee trutzn. 4;

kan reden mehr noch dichten. 35;

der himmel .. als ein fewersflamm,
darunter wind noch wolke kam.
Ringwald Eck. E 4b;

und hatt für gott noch menschen scheu. H 1b;

darin ich ersterben noch genesen kan. J 1b;

seht stand noch alter an!
Gryphius 2, 262;

gottes erbarmen kennt gränzen noch zeiten. 267;

er schwor, in wasser noch in luft,
noch wo im blüthenhain die zweige balsam regnen,
noch wo der hagre greif ...
bei zauberschätzen wacht, ihr jemahls zu begegnen.
Wieland Oberon 8, 58;

[Bd. 13, Sp. 876]


niemand war mit sich selbst noch mit seinem platze unzufrieden. Göthe 19, 208.
β) noch vor nachfolgender, zur verstärkung dienender negation war namentlich im 16. jh. beliebt, ist aber nun wie überhaupt die doppelte negation nicht mehr gebräuchlich: die lilien des ackers .. arbeiten noch spinnen nit. bibel von 1483 472b (sie erbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Matth. 6, 28); aber sie ihn mit lieb noch leid von der schrifft nicht mögen bringen. Luther 3, 410b; falsche lere gehet noch feret nicht. 4, 266a; denn in deinem bosem noch in der welt wirst du sie nicht finden. 5, 511a; sie verteidingt noch entschüdligt sich nicht. 6, 120a; und ist an Rom noch einigen ort nicht gebunden. 8, 127a; aber er stiesz ihn noch den kaiser drumb nicht vom stuel. br. 2, 142; denn wir vertrawen, noch gläuben gott nicht. tischr. 2, 26 u. o.; si trauret noch weinet nichtsnit. Aventin. 4, 295, 2; ich will und kan noch mag nit z im. Th. Platter 73 B.; ich bitte, dasz du (gott) mir deine gnedige hülff noch geleit nicht entziehen wüllest. Amadis 356 K.; dasz du uns einer schmach .. beschuldigst, das mir noch andern in keinem weg zu leiden ist. buch d. liebe 225a;

liebe, die nicht ist erticht,
sieht, noch hört, noch gläubet nicht.
Koschwitz ged. des Königsberger dichterkreises 7, 18, 8 neudruck;

und dasz dein ruhm, preisz, noch ehr
(wie hoch immer) nimmermehr
deinem verdienst zu vergleichen.
Weckherlin 585;

sie asz, noch trank nichts. Zesen Assen. 129; der verräther schläfet noch schlummert nicht. 138.
b) selten steht noch im ersten gliede, dessen verneinung sich durch folgendes oder, und auch auf das zweite erstreckt: daʒ er noch essen oder drinken möcht. Murner Eulensp. 128;

er weisz, dasz göldne gaben
noch werth und würde haben,
zu kommen ins gesicht
für ein so himmlisch licht.
Logau, anhang 8, 45;

ihr kennt noch weg und steg.
Gryphius lustsp. 218 Palm.


 
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nochdann, adv., mhd. md. nochdan, nochtan, nhd. nochdann (oder noch dann), mnd. nochtan, nochten und andere formen, nl. nochtan, nochtans, nd. nogtans, zusammengerückt aus noch danne (s. DWB noch adv. II, 5, c), im 15. bis 17. jh. noch gebräuchlich statt des adversativen dannoch, dennoch: wie wol kein ersattung noch bengen do sein mocht, noch dann namen sy die zeit daran. Tristr. 53, 4 Pfaff; und sölte ich gewislich wissen, das man mich darumb hienge, als ein dieb, noch dann (var. dannocht) wölt ich dir helffen. 86, 24; wie woll Adam und Eva den tod darvon geessen haben, noch dan hat got den baum nit uszgehauen. Reuchlin augensp. 8b; noch dan sagen die lût, du seiest ein schalck. Murner Eulensp. 5; nochdan so hat er war gesagt. 18; wiewol wir ... dick gebetten, nochdan bleibt er in seinem stoltz und hochmt. Aimon A; und wiewol er sie halff bekriegen, nochdann het er sie natürlichen als seine kind lieb. X; der vatter weigert sich etwas hierin ..., nochdann liesz er sich ... erweichen. Kirchhof wendunm. 177b; nochdann behalf er sich. Zimm. chron. 4, 82, 9;

noch dann hat ihn (Jupiter) bewogen
Kupido mannigmal.
Rist auserles. ged. von W. Müller (1826);

nochtennecht (aus noch dennecht). Th. Platter 60 B.
 
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nochmal , adverbialer accusativ, gebildet wie abermal, mehrmal, niemal, oftmal u. dergl.
1) jetzt noch wie vorher, nach wie vor (vergl. DWB nochmals 1): der leiblich durst hat durch den tod an dir auffgehört ... aber der geistlich durst wehret nochmal an dir und wird auch nicht auffhören. Schuppius 452.
2) statt noch einmal, erst bei Rädlein 677b (vgl. DWB nochmalen, DWB nochmals 2): es ist ein salamander, sag ich dir nochmahl. Wieland 11, 173; ich sage nochmahl, ich vergebe dir. Schiller 1, 60; ein sohn? sprich das 'sohn' nochmal! 2, 307 (räuber, trauersp. 4, 17). hinter ausrufungen wie noch einmal (sp. 869): hagel nochmal, schulmeister, wie ist er an den bach gekommen. Siegfr. v. Lindenberg (1781) 1, 111; alle hagel nochmal. 3, 165; der blix nochmal. 2, 176.
 
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nochmalen, adverbialer dativ pl., zu wiederholten malen, aufs neue (lexicalisch zuerst bei Rädlein 677b): Walter ... hat in diesem jahre .. nochmahlen einen schweren krieg geführt. Wedel hausb. 18; hab ich diese arbeit nochmahln auff mich

[Bd. 13, Sp. 877]


genommen. Corner gesangb., vorr.; mich damit nochmaln .. empfehlende. Stieler sekretariatk. (1674) 2, 69; will ich sie nochmahlen inständigst gebeten haben. Liscov 73.
 
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nochmalig, ein erst im 18. jahrh. aus nochmal gebildetes adjectiv, abermalig, wiederholt Adelung: hiermit machte ich ein nochmahliges compliment. Felsenb. 1, 39; (er) verpflichtete sich, gegen einen nochmaligen ducaten .. ein tüchtiges stück dieses seltenen minerals zu verschaffen. Göthe 21, 58; ein nochmaliger allgemeiner überblick. 28, 777 H.; nach nochmaligem beschlafen der sache. Schiller an Göthe 200 (2, 167);

und Rom? es fiel nochmaliger nacht anheim.
Platen 2, 165.


 
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nochmals , adverbialer genetiv wie abermals, mehrmals, niemals, oftmals u. dergl.
1) wie nochmal 1: das gallisch volk ist nochmals von art fröhlich. Stumpf 144b; negativ nochmals nie, bisher noch nie, nie vorher: welches nochmals nie geschehen ist. Luther 1, 127b.
2) wie nochmal 2 (lexicalisch zuerst bei Rädlein 677b, sodann bei Ludwig 1334b und Hederich 1708, doch kommt es sonst schon im 17. jahrh. vor, nicht erst im 18., wie th. 3, 231 angenommen wird): er bat nochmals. Weise erzn. 30 neudruck; wir wiederholen unsern wunsch nochmals. Stieler sekretariatk. 2, 78; der bürgerschaft nochmals zureden. 906; nochmals ernstlich andeuten. 991 u. öfter; (da) letzten sich diese gute freunde nochmals. Ettner medic. maulaffe 83; und mein freund versichert euch nochmals. Zigler Banise 29, 11 Bobertag; wie nun diese solches nochmahls mit dank erkennen. 279, 19; nachdem sie nochmahls erwacht. Felsenburg 1, 145; (die) lieszen mich an dieser klippe nochmals scheitern. Lessing 12, 6 (vom jahre 1749); ich versichere ihnen nochmals. 12, 14; leben sie nochmals wol. 12, 16. 73; ohne diese bücher, sage ich ..., nochmals und nochmals: ohne diese bücher. 10, 145; die aufgehende sonne röthete nochmals das himmlische gesicht. Göthe 17, 406; indem ich es höchst langweilig fand, dasjenige nochmals aufzuzeichnen, was ich bei meinem vater ... oft genug wiederholt hatte. 25, 52; nun entsage ich ihnen nochmals. Leisewitz Jul. 2, 2; besinne dich nochmals. Schiller 2, 186 (räuber, schausp. 5, 1);

k. Johann. hier nochmals sitzen wir, nochmals gekrönt ..
Pembroke. diesz nochmals ...
... war éinmal überflüssig,
ihr ward zuvor gekrönt, und niemals war
euch dieses hohe königthum entrissen.
Schlegel könig Johann 4, 2;

ich sag euch nochmals dank.
Tieck 1, 107.


 
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nock, n. eine aus dem nl. stammende bezeichnung der äuszersten über das segel ragenden enden der rahe. Bobrik 509; die nocken eines segels oder die nockohren, die beiden oberen enden eines viereckigen segels. 510. vergl. nocke, hahnenbalken. Kilian 339a, nok first Kramer 1, 219c.
 
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nock, m., plur. nöcke, deminutiv nöckli, nockerli kurzer schlaf. Tobler appenz. sprachsch. 335a. s. DWB nuck, DWB nücken.
 
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nock, f. tirol. die betschwester, auch betnock, die halbschlummernd (nockend) betet. Schöpf 471; schweiz. die nocke, tölpisches frauenzimmer. Stalder 2, 240. vergl. das vorige und nucken.
 
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nock, m., bair.-tirol. der nock (plur. nöcke), kärnt. nock und ock kleiner hügel; als zweiter theil von bergnamen die bergspitze, die runde kuppe. Schm.2 1, 1723. Lexer 178. Schöpf 471. Hintner 173, der keltische abstammung annimmt (ir. cnocc, monticulus). vergl. th. 5, 1462 und nacke sp. 239.
 
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nock, nocke, nocken, m., plur. nocken, deminutiv nockelein, nöcklein, nockerl, kleine mehlklösze (ähnlich den spatzen), mit der nähern unterscheidung in butter-, gries-, käs-, milch-, rahm-, wassernocken u. a. Schm.2 1, 1723. Lexer 198. Schöpf 471. Hintner 173, der es für eine übertragung aus dem vorigen und das gleichbedeutende ital. gnocco (Diez4 376) für eine entlehnung aus dem deutschen hält, während Weigand2 2, 234 entlehnung aus dem ital. annimmt. zu beachten ist auch das böhm. gleichbedeutende wnock, da im frauenzimmerlex. 1335 die nocken geradezu ein böhmisches essen genannt werden; auf die nacht gab er uns meistentheils linsen, nocken, nudel und rüben. Jucundiss. 110; ein anderer rührt in der schmalzpfanne die nocken um. heimgarten 1884 322b;

komm, heiliger geist!
mit 'r schüszl voll fleisch,
mit 'r schüszl voll nocken,
lasz mi â (auch) derzue hocken.
Fromm. 3, 516 (sprüche aus dem tirol. Etschlande);

[Bd. 13, Sp. 878]


hennebergisch nocke, brocken, klöszchen. Spiesz 174; deminutiv nockelein. Castelli 209; Michele, willstu nockelen essen? Zingerle sagen 80; nockerl Schwabe tintenf. 3.