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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
jolen bis jora (Bd. 10, Sp. 2335 bis 2337)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) jolen, v. in naturlauten schreien, lärmen, jauchzen, eigentlich frequentativbildung zu der interj. jo, bair. joeln (und jodeln, s. d.), schweiz. schwäb. jolen, und schon mhd. jôlen, verächtlich im munde eines juden bezüglich des sanges der apostel bei Marias tode:

er sprach: Mârîa die ist dôt,
und hânt mit sange dise nôt
die apostolen, die sint hie
und gênt dâ jôlende umbe sie. Mariä himmelf. in Haupts zeitschr. 5, 548, 1224;

jolen, ovare Maaler 237b; ein hirtzen mit häftigem schreyen und jolen trengen, das er ins garn falt, premere clamore ad retia cervum. ebenda; dasz in dem geist und in der warheit gott anbeten jm das allergefälligest gsang ist, nit das mit jolen. Zwingli 1, 658; warum jolen, schreien und springen sie denn so ganz nichtsnutzig hier an dieser ernsten, melancholischen stelle? L. Tieck g. n. 10, 14; sie (die kühe) hören die alpenlieder und das juzen und jolen so gern. Felder Nümmamüllers 16;

lasz er doch sein nächtlich johlen,
poetaster Helikanus!
Uhland ged. 151;

hei, wie die buben johlen!
A. v. Droste-Hülshoff ged. (1873) 53;

[Bd. 10, Sp. 2336]


transitiv, wie singen:

ich will vom schlafe die matrosen holen,
dasz sie noch einmal diese lieder johlen.
Lenau Faust 158;

mit sächlichem subject: die ganze stadt zog dem spektakel nach, reiter und fuszgänger durcheinander und wagen, der lärm und der galgenpsalm jolten weit. Schiller räuber 2, 3, wie schallen gebraucht; jolen von hunden, wie sonst jaueln, jaulen sp. 2271, das aus dem niederdeutschen in die schriftsprache übernommen ist, aber auch mundartlich in Kärnten und in der Schweiz vorkommt (jaulen, jauren wehklagen Stalder 2, 75):

da stürmt von allen seiten es heran,
die bracken brechen durch genist und tann;
durch das gelände sieht in wüsten reifen
man johlend sie um den hornisten schweifen.
A. v. Droste-Hülshoff 32.

nebenform jölen: als sein junker im schlaf zu schreien und jölen anfing. Simpl. 3, 301 Kurz; nun wirstu das stetige spielen und saufen in den würtshäusern, das nächtliche kälbergeschrei und jöhlen auf der gassen, dein gewönliches raufen und schlagen auf dem kegel- und tanzplatz einmahl underwegen lassen. 4, 329; und jelen: alles schreien, jauchzen, jelen. Straszb. pol-ordn. bei Frisch 1, 490b.
 
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joljäger, m. name des wilden jägers, vgl. Grimm myth. 873.
 
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jolle, jölle,
1) in den nordischen gewässern und auf der Elbe und Spree gebrauchtes fahrzeug verschiedener grösze und einrichtung; bei Frisch 1, 490b jol und jelle. vgl. gölle.
2) eine muschelart, arca pella. Nemnich 1, 419.
 
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jonasfisch, eine haifischart, squalus cascharias, auch Jonashai.
 
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jonaskürbisz, m. cucurbita lagenaria.
 
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jonathan, bei älteren dichtern als typus eines treuen freundes verwendet, nach 1 Sam. 18, 1 ff.:

ein treuer Jonathan, des freundes rechte hand.
Abschatz verm. ged. 130;

ich weisz, dasz, was mich drückt, auch deine brust beschwert,
und das, was dir schon oft vergnügen zugeführet,
mich, deinen Jonathan, durch gleichen trieb gerühret.
Günther 793;

mein freund, mein Jonathan! getreuer von gemüthe! 804;

noch unbekannt und ungepriesen
lebt hier und dort ein Jonathan,
der gröszre treu dem freund erwiesen,
als man von brüdern hoffen kann.
Gellert 1, 239.


 
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joner, m. vgl. unter gauner th. 41, 1584 f.: unter anderen rotwelschen ausdrücken sefelgraber, wiltner, joner bei Fischart groszm. 50.
 
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jope, joppe, juppe, jüppe, f. anliegendes kleidungsstück beider geschlechter, jacke. das wort ist zunächst aus den romanischen sprachen eingedrungen: ital. giubba, giuppa, span. al-juba, prov. jupa, franz. jupe (neben ital. gibba, churw. gippa, was in der mhd. form gippe, neben joppe, zu tage tritt), die span. form aber weist auf das arab. algubbah, algobbah, baumwollenes unterkleid, vgl. Diez etym. wb. der rom. sprachen 1, 214. die mhd. form ist joppe und juppe, neben dem dim. juppel (s. unten jöpplein): juppel suppara Geaff 1, 579; bombasium jopp, joppen, joppe Dief. 78b; toga zwifach cleid vel jopp vel fride, jupp, joppe vel badhemet, gip 586b; bombasium ein untergoppen nov. gloss. 57a; wambosium wammes, jope ebenda; juppen oder jüppen, supparum Maaler 238d;

weiʒ er niht, daʒ Hiltebolt gelîch ist einer wannen
mit der joppen die der törper an sich hât geleit? minnes. Hagen 3, 274b.

als tracht der männer: dy manne trugen (1470 als modisch) joppen forne uffene mittenander .. und breite priszen an den jopenermeln. Stolle in Haupts zeitschrift 8, 319; als tracht geringer leute, vornehmlich auch der bauern: aber Esopum umb das er so ungestalt war, stellet er schwischen (so) sie in einer groben jüppen. Steinhöwel (1555) 5; thet burenkleider an, und stund für das rathus, und hielt sein wilpred under der juppen verborgen. Ulensp. no. 55 s. 81 Lappenb.; leg ein juppen oder kittel an. S. Frank chronica 28a; aber dieses wol (weisz ich), dasz .. der alte meinen kopf in seinem schosz, und vorn meine juppe geöffnet gehabt. Simpl. 1, 27 Kurz; David du hast die bären erschlagen, die haut davon getragen, hast ein joppen daraus gemacht. Abr. a S. Clara 1, 244; in unserer zeit ist die joppe von der bairischen und tirolischen volkskleidung her als bequeme tracht in schützen- und künstlerkreise gedrungen;

(die bauern trugen) ain grabe kappen und ein pösen huot
und ein kittel hänfein
und ein joppen leinein. fastn. sp. 440, 12;

als stück der rüstung oder als eine art uniform: (die söldner des fuszvolks) hetten dik jopen an und spisz und armbrust.

[Bd. 10, Sp. 2337]


d. städtechr. 1, 36, 5; die Osterreicher trugen all rot ermeln in röcken oder juppen, das was ir liberei. S. Frank chron. German. (1538) 223b; (die aus einem kriege heimgezogenen) zeigten da .. die filzhüt vol beulen, die nestel daran verloren, die juppen. und blatröck besudelt und zerrissen. Garg. 200a;

du hâst ein jopen, diu ist guot,
veste ist dîn îsenhuot. Seifr. Helbling 15, 261.

sprichwörtliches und redensarten: man plätzt nicht neue flecke auf alte juppen; wan mir der bitzel aufsteigt, aften sol enk enker lausige joppen wider recht ausgstebert werdn. Schwabe tintenf. 50; vor einem jeglichen stolzen bauren und verzagter belzjupp das hütlein herumdrähen. Fischart groszm. 46; bei Maaler 238a heiszt der tod juppenlärer; im spielverzeichnis des Garg. steht Liendel lasz dir die juppen blacken 168b;

suppen machen schnuppen,
und füllt dem bauren nicht die juppen. Garg. 44a.

als frauentracht: jopen oder brustleibe sollen die geschlechterstöchter von seiden-gewandt auszerhalb samit tragen dörfen, aber mit einer halben elle samit verbremt. Rostock. kleiderordn. v. 1585 bei Frisch 1, 490b; nachdem diese dame aus dem wasser gestiegen, legete sie keine bauern-juppe an, sondern ein ganz silbern stück mit guldenen blumen. Simpl. 3, 277 Kurz;

seidne jopen schön beschnürt.
B. Ringwald tr. Eck. J 3a;

so brann jr (der magd) auch die jupp am loch,
noch wolt sie nicht erwachen doch.
Fischart dicht. 2, 51, 1897 Kurz;

ihr (Hochdeutschen) drinket aus dem becher, wi drinken ut dem stope,
ewr magt ein leibchen hat, unse deeren drecht eine jope.
Lauremberg 72, 674 Lappenb.

oberhessisch ist joppe und juppe als jacke mit ermeln besonders dem weiblichen geschlechte eigen (Vilmar 186), bairisch wird sie von beiden geschlechtern gleich häufig getragen (Schm. 1, 1208 f. Fromm.).
 
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joppenapfel, m. eine apfelart, holl. joopenappel. Nemnich. Kilian gibt joopken malum Claudianum pleno saturoque colore tinctum als holländisch, bei Frisch 1, 490b heiszt eine apfelart in Schwaben juppenschwenk.
 
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jöpplein, jüpplein, n. kleine joppe: hatte keine schuhe, allein zerrissene strümpflein, kein baret, ein jöpplein ohne falten. Th. Plater 68; und etliche Schweizer bäurlein in weiszen jüpplinen sahe. 70.
 
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jora, freudenruf: jora je jo, wir sind fro, der pfarrherr ist do. Garg. 91a.