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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
drus bis druse (Bd. 2, Sp. 1458 bis 1461)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) drus druse, gewöhnlich drüse,f. ahd. drôs druos drôsi f.? Graff 5, 263, mhd. druos druose Ben. 1, 401b, altbair. drues drües f. sing. und pl. heutzutag druesen drüesen f. sing. und pl. Schmeller 1, 415. niederd. dröse Brem. wörterb. 1, 257 und dros Henisch 759, drull Strodtmann Osnabr. wb. niederländ. droes. ursprünglich scheint das wort eine schmutzige schmierige feuchtigkeit wie eiter und dergleichen zu bedeuten; dazu stimmt das angels. drŷsnian schmutzig, kotig sein, was mit dem gothischen driusan, draus, drusun fallen πίπτειν zusammen hängen kann. es hat sich in verschiedenen bedeutungen entwickelt,
1. ein schwammiger weicher theil am körper der menschen und thiere, meist eichelförmig. ein druse glans Diefenbach Voc. 1470. sp. 141. daher brustdrüse, die brüse, briese vom kalb oder lamm, kalbsmilch, halsdrüse, die mandeln am hals, tonsillae. in der Schweiz nennt man eine gesunde drüse cherna, cherneli und nur die kranke (verhärtete) truesza Tobler 175. schweinin fleisch voll mandelen und drüsen, so am hals beim stich stehet Henisch 759. trusz oder hegdrusz Voc. theut. 1482 f 3a.

der hals mager unde klein
und was unz ûf daz kragebein
mit druosen bevangen
und grôzen âdern langen,
beidiu hinden unde vorn
Heinrichs Krone 19700—704.


2. beule, geschwulst, geschwür, aussatz, pestbeule, glandula. drues apostema Voc. 1419. ein druze apostema Diefenbach Voc. 1470 sp. 33. trusz scrofula Voc. 1482 f 3a, jugulum das., trusz oder geschwere das. drusz am hals glans, est tumor in collo Voc. incip. teut. d 4. drusz unrein geschwer das. drusz bei den oren vulgariter buel das. drusz bei dem gemecht das. drüsz sonderer art panus panicula Frischlin Nomencl. 144. ein drüsz oder schwendten panus Maaler 93a. die trüsen, brüszen (brüsen) an schweinen oder seuwen 410c. trüsen oder kropf am hals das. pestilenz, drüsz und beul Aventin Bair. chron. drues und beul panus et tuber Schönsleder L 4. drüsz tuberculum Henisch 759. drüse glandula das. drüs, schlier, bei den ohren oder gemächten das. vergl. Diefenbach Gloss. lat. germ. unter apostema und glandula. drüsen kommen an dreien orten herfür, hinder den ohren vom gehirn, unter den armen von den membris spiritualibus, und an beinen von dem milz und nieren 560. drus druse trüse Stieler 346. 2345. drüse an der scham, schlier exulceratio spermatis, morbus penis das.

dô sich der werde sloufte
in der megede buosen
âne meines druosen (bildlich) Martina 7d, 93.

man mestet swîn mit klîen und eicheln
und swendet druose mit nüechter speichel Renner 5883.

swie lützel ein mensch verwundet wirt,
swie kleine an ime ein eizel swirt,
doch blasen die druose dem smerzen zuo 14294.

mit geschweren der trüsz, das ist pestilenz Westenrieder Beiträge 5, 55. pestilenz so die menschen genamtlich an der trusen oder platern sterben Regim. der gesundheit (1472) s. 30. da sol sie fünf drüszen (beulen von stockschlägen) für uberkumen Eulenspiegel c. 38. wenn gleich so viel drüse und pestilenz an inen waren als hare am ganzen leibe Luther 3, 395b. und läszt dich eine kleine drüs und ungewisse fahr mehr schrecken denn solche göttliche gewisse trewe verheiszunge sterken das. und frisset dich ein onmechtige drus oder pestilenz dahin 4, 478b. da sie sind glieder der kirchen, gleichwie speichel, rotz, blattern, drüse des leibs glieder sind 5, 64b. wenn in jemands fleisch an der haut ein drüs wird und wider heilet, darnach an demselben ort etwas weisz aufferet oder rötlich eiterweisz wird, sol er vom priester besehen

[Bd. 2, Sp. 1459]


werden. wenn denn der priester sihet das das ansehen tiefer ist denn die ander haut und das har in weisz verwandelt, so soll er in unrein urteilen, denn es ist gewis ein aussatzmal aus der drüs worden 3 Mos. 13, 18—20. der herr wird dich schlahen mit drüsen Egypti, mit feigwarzen, mit grind und kretz, das du nicht kannst heil werden 5 Mos. 28, 27. und Jesaia sprach 'bringet her ein stück feige', und da sie die brachten, legten sie sie auf die drüse und er ward gesund 2 Könige 20, 7. Jesaia 38, 21. und der erste (engel) gieng hin und gosz seine schale aus auf die erde und es ward ein böse und arg drüse an den menschen die das malzeichen des thiers hatten Offenb. Joh. 16, 2. und lesterten gott im himel fur irem schmerzen und fur iren drüsen 16, 11.

obschon ein welsch dem andern küszt die füsz,
so habens zsamen die bül und drüsz Klagrede
Hutteni C ij.

sterbedrüse ist die gift- oder pestbeule, sterfdros B. Waldis Verlorner sohn 899. aller trost war verschwunden, dieweil ein jegliche drüsz oder geschwer allenthalben am leibe der gewisse tod war in dreien tagen, und je eins vom andern die pestilenz erbet Bocc. 1, 2b. weinrauten gesotten und wie ein pflaster übergelegt vertreibet die drusen Tabernämont. 401. in einem alten lied,

oft hat eine kleine drüsen
geschlagen einen starken riesen.

im jahr 1349 kam ein groszes sterben in Teutschland, sie starben an der druisen, und wen das angieng, der starb an dem dritten tag Faust Limburg. chron. c. 5. es möcht haben die pest oder drüs das ist, es möcht so schlimm stehen als es wollte Frisch 1, 209b. der notleidende spricht

ob mich die grause drüse quälet,
quält, herr, doch mehr was mir jetzt fehlet,
dein trost, der seelen heil
A. Gryph. 2, 264.


3. im 15 ten, 16 ten und 17 ten jahrhundert häufig bei verwünschungen und ausrufungen, wo dann gewöhnlich die pestbeule darunter verstanden wird. da ward diser herlich man geschmecht, der narr ward uszgejaget von den dienern, und flchten im, 'wol usz, narr, das dich die trss müsz angon!' Keisersberg Sünden des munds 34a.

und (dasz) dich nit drus und peulen anget Fastnachtsp. 173, 1.

das euch die drus, peulen und der rit
erwurg und euch verschlint die ert! 178, 14.

habt euch die drues! 203, 4.

schweigt, das euch drus und peulen ange! 539, 10.a

die knecht schlugen den narren zum saal hinaus und sprachen 'narr, dasz du die drüsz müssest haben!' Pauli Schimpf u. ernst c. 194. so will ich dich auf den kopf hauen dasz dich die drüsz musz ankommen Götz v. Berlichingen 30. item, sie sagen 'gott gebe den faulen henden die drüse' Luther Tischreden 436b.

o gefatter (gevatterin) furcht ir euch so stark
for ewrem man, last in haben die drüse. Meisterlieder Berliner handschr. nr. 213 bl. 23.

das (l. des) gehe in drüsz ins maul an,
er leuget mich an, der unflat
H. Sachs 2. 4, 13c.

geh von mir, hab dir drüsz und peulen! 3. 3, 13.

desz geh dich die trüsz ins maul an! 4. 3, 4b.

dasz dich die drüs rür 5, 364c.

ich wil itzt selber zu in gehen,
sie sol die drüsse und peule bestehen:
ich wil in die leviten lesen,
sollen sagen ich sei dagewesen
Römolt C 3a.

'lieber herr, ich hab es trawen nicht gethan, sondern das kindlein.' 'ei, so geb gott dem balg die drüsz und beulen' Kirchhof Wendunmut 443a. der edelmann (spricht zum bauer) 'du bist ein narr: gott geb dir drüsz und beule!' der bawer verstund glück und heil Buch der liebe 201, 1. der pfaff ward zornig und sprach 'gott geb ihm die drüsz!' Frey Garteng. 58b. desz geb dir gott die drüsz, beul und pestilenz 83. aber die trsz! ich führt lieber wie unser abt Paxvobis ein hund am strick zum gejägt Fischart Garg. 243b. 'die trsz auf deinen kopf!', sprach der mönch, 'und das gesperr in den kropf' 252b.

dasz dich die drusz bestah Schauspiele des herzog
Heinr. Jul. v. Braunschw. 578.

dasz dich drusz und beul besteh! Katzip. h 3.

Hans. wer do? wer do? lasz mich doch schlafn!
Actœon. wil dir die trüsz, groszer maulaffn!
Gilhusius 81.

es beisz ein maus des ochsen fusz,
der ochs flucht ir ein böse drusz.
Alberus Esopus 115b.
Wolgemut 1, 266.

[Bd. 2, Sp. 1460]


der löwe zeigt dem wolf seinen palast,

hie lagen lange esels ohrn,
da lagen bein, dort lagen füsz:
der wolf gedacht 'hab dir die drüsz!' 118.

der junker wünscht im drusz darzu
Eyering 2, 118.

der satan sagt zu dem klagenden Hiob

gott will an dir so gnaw alles suchen,
mein kerl, thu im die drüse fluchen.
Joh. Bertesius Hiob Trag. comöd. (1603) F 2a.

ei halt das maul, hab dir die driesz.
J. Ayrer Trauersp. 23b.

und flucht der andern part die drüsz
Ringwald l. w. 263.

darumb kauf dir an deine füsz
ein paar schuch und hab dir die drüsz!
Wolgemut 160.

so bald
der liebe Phöbus hat erblickt
dasz man sich so ungestümb schickt
zum krieg, und sah das grewlich heer,
erschrack der gut mann treflich sehr
und sprach 'botz trüsz! was wil daz wern.'
Fuchs Mückenkrieg 1, 23.

bawr, ich glaub du hörst nicht wol,
dasz dich ankomm die drüsz! Sieben lächerliche geschnältz, fliegendes blatt um 1620.

dasz dich die drusz ankomme! dat dik de swarte drosz hale! Eccard bei Oberlin 257. die drusz (pestilenz) gehe dich an! ein fluch Henisch 750.
4. in dieser bedeutung hat man das wort auch persönlich genommen und einen bösen geist, den teufel darunter verstanden; es wird dann auch als masc. gebraucht, dasz dich der drus bestehe, verderbe! Eccard bei Oberlin 257. dat di de droos slaa! bim droos! Brem. wörterb. 1, 257. de droos in de helle. auch im niederl. hat droes diese bedeutung Weiland 2, 248b. vergl. Deutsche myth. 488. 955.
5. kropf, kehlsucht, krankheit junger pferde, wobei eine weiszliche oder gelbliche materie aus nase und mund flieszt, während die drüsen aufschwellen. in dieser bedeutung wird der umlaut nicht gebraucht. niederd. dröse Strodtmann Osnabr. idiot. 43, dat drösen Brem. wörterb. 1, 257. niederländ. droes, het paard heeft den droes Weiland 2, 248b. franz. gourme. das pferd wirft die druse ab, wenn die flieszende materie dicker wird, ein zeichen der bevorstehenden heilung. man unterscheidet die gutartige und die bösartige oder falsche druse; diese ist vorhanden, wenn von der drusenmaterie etwas ins geblüt zurücktritt und schlimme folgen hat, oft auch in die rotzkrankheit ausartet Nemnich Wörterb. 115.
6. s. DWB gekrösdrüse. gemächtdrüse. halsd. hauptd. hegd. hirsend. ohrend. pestd. schleimd. speicheld. talgd. zirbeld.
 
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drusch, s. driesch.
 
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drusch, m.
1. wie drasch, dreschung, niederd. droske f. Brem. wörterb. 1, 258. das einmalige dreschen, abdreschen, ausdreschen; s. DWB ausdrusch, DWB erdrusch. der ertrag des letzten drusches war nicht grosz. man hält einen probedrusch, wenn man eine kleine anzahl garben zur berechnung des ertrags ausdrischt.
2. die garben die sollen ausgedroschen werden.
3. der ertrag des ausgedroschenen. s. Schmeller 1, 416.
4. körperliche verletzung durch einen schlag; s. lendendrusch.
 
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drusche, f. quappe, gadus lota Nemnich 2, 3.
 
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drüschel, m.
1. wie drischel.

die ich nicht basz vergleichen kan
als einem drüschel an eim flegel
J. Ayrer Trag. 53b.


2. ein schlag.

hack holz, du fauler dropf,
odr ich gieb dir ein drüschl an kopf
H. Sachs 3. 3, 45a.


 
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druschel, m. eszbarer schwamm Schmid Schwäb. wörterb. 145. s. drüschling.
 
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drüschel, f. s. DWB drossel.
 
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druschemann, druschmann, m. ein angestellter narr, pickelhering. stille, stille, es ist schon gut, hier ist meine hand, ihr solt unser druschemann werden Chr. Weise Machiavel 21. wie unser bisheriger pickelhering oder druscheman anderswohin berufen worden 33. in Schlesien der hochzeitbitter und lustigmacher. er trägt eine bebänderte gerte, im obersten knopfloch ein langherabhängendes tuch und einen blumenstrausz mit flittergold Weinhold Schles. wörterb. 16a. in der Niederlausitz drauschmann, in der Oberlausitz drauschmer und drauschke, in Posen druschmer druschber, bei hochzeiten der führer der braut und der brautjungfern. er ist mit bändern am hut und arm, mit blumensträuszen, oft auch mit fliegenden tüchern geschmückt. nicht setten ist er zu pferd

[Bd. 2, Sp. 1461]


bei dem zug des brautpaars und der hochzeitgäste nach der kirche Bernd Deutsche sprache in Posen 45. polnisch heiszt der hochzeitführer družba, die braut družka.
 
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drüschling, m. der eszbare blätterschwamm, herrenschwamm, heidschwamm, champignon, agaricus campestris Nemnich 1, 104. weil sie auf dem driesch oder drusch wachsen. drüschling, rehling, pfifferling, hirschbrunst Frischlin Nomencl. 65. Henisch 760. druschling Rädlein 203b. altclevisch (1475) driesling Weigand Wörterb. 1, 258. solche nennt man zu teutsch heiderling und druschling, darumb das sie auf den heiden oder druschen gern wachsen. die Walhen nennen sie campiniones (champignons) Bock Kreuterbuch (Straszb. 1565) 34 7a. s. DWB druschel.
 
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druse, f. ein durchlöchertes, verwittertes erz, hölungen in deren gemülme sich noch silber, erzsteine und krystalle befinden Nemnich Wörterb. 115. aus groszen drusen quillt oft wasser, oder böse tödtliche wetter kommen aus denselben Scheuchenstuel 59. luft finde sich in klüften, drusen und des steins absetzen neben dem wasser Mathes. 32b. das grosze hölen, klüft und drusen da (im berge) worden sein 36a. drusen, hölchen der adern und klüfte Georg Agricola. erz in drusen angewittert Frisch 1, 209b. oft bricht es (das silbererz) auch in einer eisenschüszigen art, in eim gemülbe, zumal in drusen Mathes. 63b. trafen sie auf eine grosze druse, in welcher sich schöne bergkrystalle fanden Göthe 51, 120. diese bedeutung führt auf das vorhergehende drus 2; ob es dasselbe wort ist?
 
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druse, f. gestein das sich in den hölungen findet, schön poliert und abgeeckt ist Frisch 2, 209b, böhm. druza. daher steindruse, gypsdruse, krystalldruse, quarzdruse, spathdruse.

die wände schimmerten von mancherlei
glänzenden drusen und erzten
Zachar. 1, 342.

allein das ist schade, dasz die schönen drusen die in der nische befindlich sind, nicht (zur mineraliensammlung) mitgegeben worden Lichtenberg 8, 239.