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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
betasten bis betaumeln (Bd. 1, Sp. 1694 bis 1696)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) betasten, dasselbe, doch weit gebräuchlicher und edler als die vorausgehenden verba. schon mhd.

ach rîcher got, und wær daʒ wâr,
sô wolt ich noch den süeʒen hort betasten
dens sô wirdeclîchen hât behalten. MS. 2, 24a;

daʒ betasten, diz berüeren. der sunden widerstrît. cod. giss. s. 329.

nhd. dar zwischen wirt manch frau und mait
betast, gekust und ir furpoten. fastn. sp. 380, 17;

da nam Rahel die götzen und legt sie unter die strew der kamel und satzte sich drauf. Laban aber betastet die ganze hütte und fand nichts. 1 Mos. 31, 34; du hast alle mein hausrat betastet, was hastu deines hausrats funden? 31, 37; daselbst lieszen sie ire brüste begreifen und die zitzen irer jungfrawschaft betasten. Ez. 23, 3. 8, 21; das wir gehöret haben, das wir gesehen haben mit unsern augen, das wir beschauet haben und unser hende betastet haben. 1 Joh. 1, 1; sagt, wie er den schonsten lebendigen hasen kouft heb, den er in einem jar gesehen het, den sie all umbher nach einander betasten. Eulensp. cap. 55; ich schwere dir, das ich mich wol dreimal erhepte ir umb den hals z fallen, aber die scham, so ich hette, das ich si, die so durchausz wol gezieret was, in meinem zerrisznen rock und geflickten hesz betasten solt, hindert mich. Wirsung Cal. f 1b; betast und schmiert den puls. Garg. 72a;

oft glegenheit gewonnen han,
dasz ich sie wol betastet hab.
Ayrer fastn. sp. 85a;

nachdem er sich glücklich geschätzt, den bord (des schifs) mit seinen händen betastet und überstiegen zu haben. Felsenb. 4, 62; hierauf ist er hinaus gegangen und sein betastes wambsts und Schweizerhosen angezogen, hineingegangen und mit aller verwunderung sein consilium gegeben. unw. doct.

[Bd. 1, Sp. 1695]


521, wo betast, wie hernach das betastete band, vom öfteren berühren schmutzig ausdrückt; sie (die fremden schafe) hielten stille und lieszen sich von mir betasten und streichen. Pierot 2, 193;

und ich betastet ihm bauch und haupt.
Göthe 40, 115;

sasz die rücken der sämtlichen widder betastend.
Voss Od. 9, 441;

weil diese schönen sich ganz sicher darauf verlieszen, dasz sie auszer gefahr seien, von männlichen augen betastet zu werden. Wielands grazien s. 47; das gesicht ist der edelste sinn, die andern vier belehren uns nur durch die organe des tacts, wir hören, wir fühlen, riechen und betasten alles durch berührung. Göthe 23, 274; die philosophie betastet die sterne und das meer, um von ihnen zu erfahren, wer der ist, der sie gemacht. Claudius 7, 37; so etwas an einem deutschen hofe zu erreichen, setzet mehr winden, streben, geduld, tasten voraus ... genug ich kam, betastete, siegte. Klinger 9, 147; ein schmales betastetes band wäre eine gute ableitkette des elektrischen äthers. J. Paul Hesp. 1, 54; um die festen, westlichen wälder mit sehnenden augen zu betasten. 3, 173; den fehler betasten (greifen) und ihn sitzen lassen. grönl. proc. 1, 30;

wie lang ich keine schöne hand
mit meiner hand betastete.
Platen 83.

betasten, wie begreifen, ist härter als berühren und befühlen (vgl. Haupt 6, 8), daher auch nicht, wie berühren, abstractes erwähnen (attingere) ausdrückend. Göthes bemerkung scheint aber untreffend, da auch das gesicht, gleich den andern sinnen, berühren musz und wir ganz gewöhnlich sagen einen gegenstand mit den augen berühren, oculis attingere.
 
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betaster, m. palpator: der sehende sagt zum blinden betaster. Fichte nachg. werke 1, 10.
 
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betastung, f. der sinn der betastung liegt in den fingerspitzen und den nervenwärzchen. Kant 10, 154.
 
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betätscheln, palpare.
 
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betatschen, palpare, vgl. DWB betaschen und DWB bepatschen.
 
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betattern, turbare animo: ich bin betattert, erschrocken. Henisch 337, sonst ertattert.
 
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betäuben, exsurdare, obstupefacere, bei Stieler beteuben, mhd. betouben:

sît als ungeloubet
stêt der walt, wâ nement die vogele dach?
dâ sie sint betoubet,
dâ nam ich ouch ê den ungemach. MS. 2, 109b;

nu wil ein ander wolken dik
des kleinen liehtes kleinen blik
erleschen und betouben
unde mich des liehtes rouben. Barl. 346, 3;

sie (die worte) ensal nieman betouben,
wand sie wærlich sin alle wâr. pass. K. 105, 52;

laʒ ot dich nicht betouben
der widerwarten hertikeit. 162, 50.

nhd. bald ohne umlaut, bald wie heute mit ihm: sondern ich beteube meinen leib und zeme in (goth. ak leik mein vlizja jah anaþiva). 1 Cor. 9, 27; betöuben und gmüter betrüben, perturbare mentes hominum. Maaler 64c; hetten ein so unflätig schreien, davon nit z sagen ist, lieszen zum dickern mal die spiesz nider, das man an ihn zu beteuben het. Frank chron. 246b;

Sara, das lasz dich nit betauben.
H. Sachs III. 1, 14;

mit schmeichlerei in thun betauben. II. 2, 46c;

Agnes hat dich betaubet,
gott hast sein kirchen beraubet.
Soltau 447 (a. 1583);

des wachsenden sturmwinds betaubendes getösz.
Weckherlin 249;

verleumdung, deren mund die wahrheit selbst betäubet (überschreit).
Hagedorn 2, 44;

doch auf die weinenden sank der süszbetäubende schlummer.
Voss Od. 12, 311;

sucht bei musik und paukenschall
erholung für betäubte sinnen.
Gotter 1, 448;

betäubt von der gefahr. 2, 327;

die verhältnisse betäuben den wink der natur. Göthe 33, 111; er hat deinen verstand betäubt. Klinger 2, 121; mit diesen worten verliesz er den froh betäubten Mahal. 6, 71; mit betäubten sehnerven und mit voraus schwimmenden farbenflocken gieng er langsam in den wald. J. Paul Hesp. 1, 165; ein betäubender donnerschlag; sein gewissen betäuben.
 
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betäubung, f. stupor, torpor, perturbatio:

doch ihm deckte die augen der schlaf mit sanfter betäubung.
Voss Od. 13, 79;

unter der betäubung der liebe. J. Paul Hesp. 3, 189; balsamische betäubung. Fibel 119.

[Bd. 1, Sp. 1696]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) betauchen, mergi, untertauchen: nim ein gans, stecke sie in einen irdinen hafen, der enge sî, giuʒ daʒ waʒʒer ûf, daʒ sie betûche (darin untertauche, davon bedeckt werde). von guter speise 16; weil sie (die ochsenhäute) aber im wasser bedauchet (untergetaucht, versunken) lagen, beschlossen die wölfe, sie wolten das wasser aussaufen, damit sie die häute ergreifen könten. Lokman fab. 24.
 
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betauern, s. DWB bedauern.
 
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betaumeln, titubantem, ebrium reddere, in taumel versetzen: da der wein, die musik und das knallen des geschützes meine gäste so betaumelt machten. Pierot 2, 105;

die zwei, so soll die nachwelt sprechen,
betaumelte kein modewahn.
Lessing 1, 98;

sein glück hatte ihn betaumelt.