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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abschmutzen bis abschnippen (Bd. 1, Sp. 106 bis 107)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abschmutzen, sordidum facere, den schmutz fahren lassen: die stiefeln schmutzen ab, die wand schmutzt ab. transitiv maculare, schmutzig machen: viel wäsche abschmutzen; ihre abgeschmutzte wäsch und hemder. mägdelob 29.
 
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abschnallen, diffibulare, gegensatz von DWB anschnallen. das felleisen vom pferde abschnallen, den gurt vom leib abschnallen, sich den degen abschnallen:

er schnallt den harnisch ab, legt helm und lanze nieder.
Wieland.


 
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abschnappen, excidere, schnell ab oder zufahren, ablaufen, von schlosz und angel gebraucht: der hahn an der flinte, das schlosz schnappte ab, die thür ist abgeschnappt; einmal zerbricht mir der bogen, das andermal schnapt mir der bolzen ab. Weise comöd. 175; die uhr ist abgeschnappt. Figürlich sterben, wie abfahren, abgehn: wenn alle abschnappen, die von der sache wissen, bleibt auf die letzt keiner der mich verräth. Fr. Müller 3, 391. plötzlich im reden einhalten: mit einem seufzer abschnappen. Tieck 3, 308; musz ich nicht mitten in den zärtlichsten oder erhabensten stellen abschnappen? J. Paul uns. loge 3, 41 und sonst bei diesem schriftsteller oft. Transitiv das schlosz abschnappen; schnappe die thür ab, dasz uns niemand störe; und so läszt sich auch jenes abschnappen, einhalten fassen mit dem ausgelassenen acc. rede.
 
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abschnattern, crepitare, gleich der ente oder dem storch.
 
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abschneiden, amputare, davon schneiden, nnl. afsnijden, mhd. abe snîden. sinnlich: das korn vom acker, die blume vom strauch, die traube vom weinstock abschneiden; den ast vom baume, das bret vom stamm, das brot vom laib, den faden vom knäuel; das haupt vom hals, den finger von der hand, das glied vom finger abschneiden; die kehle, gurgel vom vogel. dann auch den acker abschneiden, ernten, und vögel abschneiden, schlachten: hüner abschneiden. pol. maulaffe 146; man sollte gesagt haben wegen der rothen farbe des auf den fuszboden gegossenen weins, dasz dar gänse oder vögel abgeschnitten worden. pers. baumg. 4, 6; das kind schlug heftig nach dem küchenmädchen, das einige tauben abgeschnitten hatte. Göthe 20, 139. In der anwendung auf andere gegenstände mit persönlichem dativ, einem etwas nehmen, entziehen: einem das wort abschneiden, couper la parole, einen redenden unterbrechen und schweigen machen: da sagte der weise könig in seiner sprache die verständigen worte: Benvenuto, ich schneide dir das wort im munde ab (io ti taglio

[Bd. 1, Sp. 107]


la parola). Göthe 35, 119; das brot von oder vor dem munde abschneiden: die denen, so etwas meritiert, das brod vorm maul abschnitten. Simplic. 1, 60; einem ehre, glimpf und guten namen abschneiden: auch (soll ich) helfen die unnützen meuler stopfen, so in ire ehre abschneiden oder stelen. Luther 6, 312b;

ja man schneidt oft mancher frauen
unschuldig ab ihr ehr und glimpf.
Ayrer 65a;

er hat mir meinen ehrlichen namen abgeschnitten. Gotter 3, 295; (die heuchelei) schnitt den Circassiern allen willen und alle kraft zur rückkehr ab. Klinger 10, 224; dem feinde die flucht, den weg abschneiden; was soll ich thun, da sie mir allen einflusz abzuschneiden suchen? Klingers theat. 2, 151; es fehlt nichts, als dasz dir deine frau auch noch den rauchtabak abschnitte. Gotter 3, 246; uns war die kleinste kunde von dieser sache abgeschnitten; alles ist uns abgeschnitten. Mit bloszem acc., etwas abschneiden, aufhören machen, tilgen, unterbrechen: ich hett mein dienst ee abgeschnitten (aufgegeben). fastn. sp. 166, 3; ich berste fast für zorn und widerwillen, und bitte, schneit (schneidet) die sache nur abe, höret auf weiter mit inen zu handeln. Luther 5, 147a;

und schneid nit ab der tugent kraft.
Schwarzenberg 158, 1;

damit ich schneid gar leichtlich ab
itz alle sorg umb zeitlich hab. das. 150, 2;

darumb wölle e. k. mai. solche ungereumbte parerga gnädig abschneiden. Ayrer proc. 1, 6;

eil doch ihr lästern und ihr leiden
nu beedes abzuschneiden.
Weckherl. 141.

Weiter auch sondern, trennen, unterscheiden, abstechen, abgrenzen: dieser wird so abgeschnitten, dasz er die taille abschneidet und die lippen des corsets bedeckt. Göthe 27, 65, wie schon unser mittelalter die taille der frauen dem gelenk und einschnitt der ameise verglich; eine schwarze linie, die sich von dem verdüsterten braunen erdreich scharf abschnitt. Göthe 30, 299; mit weiten schritten drang er gegen den wald, den ein breiter graben abzuschneiden schien. J. Paul Tit. 2, 50; das feindliche heer sah sich völlig von der stadt abgeschnitten. in diesem sinn heiszt genau und scharf abschneiden etwas unterscheiden und gesondert auffassen, das abgeschnittene läszt sich rein wahrnehmen, tritt aber auch schrof entgegen: scharf abgeschnittene eigenthümlichkeiten. Kant 10, 80; nichts ist unerträglicher als abgeschnittene eigenheit an demjenigen, von dem man eine reine, gehörige thätigkeit fordern kann. Göthe 20, 197; je älter er ward desto abgeschnittener fühlte er sich von aller gesellschaft. 20, 262. Bei den müllern hiesz abschneiden so viel als abrechnen, weil es durch einschnitte ins kerbholz geschah. im bergwerk sich abschneiden aufhören: die erze schneiden sich ab, der gang schneidet sich ab; der (gott) kan auch erz nach seinem willen wachsen und dasselb sich wider abschneiden und verlieren lassen. Mathesius 30b; so gehets auch in zechen, das sich oft das erz verdruckt oder gar abschneidt. das. 37b; da es sich alles abgeschnitten und verloren hat. 38a.
 
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abschneidsel, n. nnl. afsnijdsel, segmentum, sarmentum, s. abschnitzel und vgl. ahd. âsneita, âsneitaha sarmenta. Graff 6, 844.
 
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abschneien, ningere, niederschneien, ausschneien, nnl. afsnoeijen: so hat er doch das düstere gewölk an die berge geworfen, wo es dann abregnen, abschneien oder sich selbst verzehren kann. Göthe 45, 295.
 
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abschnellen, excutere, gewaltsam abfahren: der pfeil schnellt vom bogen ab; dasz mein lebensfaden achtfach genommen am ersten zehentheil (der schulden) abschnellen musz. Schiller 146; im augenblick schnellte der galgen ab. transitiv: den pfeil vom bogen abschnellen, fahren lassen:

dem stets abschnellenden ähnlich.


 
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abschneuzen, emungere, nnl. afsnuiten: die kerze abschneuzen; nach abgeschneuzten kohlen des kienholzes suchen. J. Paul kom. anh. zu Tit. 1, 44.
 
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abschnippeln, frustulatim abscindere, in kleinen stücken absondern, nnl. afsnipperen, frequentative des folgenden.
 
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abschnippen, abscindere, zerfetzen, abreiszen in kleinen enden und spitzen. der hochd. form wäre schnipfen gemäsz. haare, wolle abschnippen.