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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schmutzig bis schmutzlachen (Bd. 15, Sp. 1140 bis 1141)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schmutzig, adj. und adv. mit schmutz behaftet, nach den verschiedenen bedeutungen des subst.; als schmutzig und schmotzig seit dem 15. jahrh. nachzuweisen (vgl. unten und Germ. 28, 401): ausz einer schmotzigen beckelhaub trinken. Garg. 223a; auch in der form schmuzicht, pollutus, squalidus, foedus, immundus, putide, squalide, spurce, foede Stieler 1883; schmutzigt: rock, welcher ohne zweiffel im bauch desz wallfisches gantz schmutzigt und schmierigt worden war. Schuppius 400; die schreibung schmuzig zeigt entsprechende länge des stammvocals an, wie beim subst. (s. dort).
1) nach schmutz 1, fett, schmalzreich, besonders im alemannischen sprachgebiet: der (krammetsvogel) schmackt jm gar wol; er gedacht bei jm selbs: das sind gut schmutzig vogel! Wickram rollw. 143, 6 Kurz; es ist gar ein schmutziger dienst für die pfaffenkuchen. Fischart bienk. 113b; schmutzige butterbrief. 146b; aber wie vil nützlicher, schützlicher, hitziger, kützeliger ist uns der geruch und die kraft vom rebensaft, als dasz schwermütig schmutzig öl. Garg. (1590) 38; wirt, hast nicht ein volles kar, gar schmutzig klar, sultz von ochssenfüsen? 182;

das ist mit drinken yetz die art,
syn schmutzigen mundt wüscht keyner jm,
do mit das veiszt jm becher schwym.
Brant narrensch. 110a, 98;

ettlich die dnt also hofleren,
das sie das brot vast wol beschmieren,
mit schmutzgen henden, pfeffer bry,
do mit es wol gesalbet sy. 149;

das schmutzige maul als bild behäbigen lebens: mich irgend hin setzen und mit einem schmutzigen maul zum fenster aussehen. Simpl. 1, 300 Kurz. in der bedeutung fettig-schmierig, nach der folgenden bedeutung übergreifend: es will jm nit schmacken ausz den schwartzen schmutzigen hofbechern zu trinken. Fischart Garg. (1590) 82;

Kundel, unser magd ..
so ist sie auch fein schmutzig fett,
das allzeit ir anklebt das bett. flöhhaz 1887.

schmutzig als fett im alemann. sprachgebiete erhalten: schmuzig mit fett gekocht, als subst. das fett selbst Hunziker 226; schmuzig fett Seiler 258b; schwäbisch schmotzig, fett, schmierig Schmid 472; als bezeichnung eines festtages: schmotziga, schmutziga donstig, der feiste donnerstag, d. i. der donnerstag nach dem aschermittwoch Tobler 393a.
2) schmutzig nach der heute gewöhnlichen bedeutung von schmutz (s. d. 3), mit schmutz, unreinigkeit behaftet, gewählteres wort neben derberem dreckig, seit 17. jahrh. verbreitet: schmutzig, maculosus Schottel 1405; als schmotzig und umgelautet schmötzig voc. von 1618 bei Schm.2 2, 562; schmutzige wäsche, schmutzige kleider, schmutzige hände, sich schmutzig machen. Adelung; eine schmuzige wohnung, stube, wand, schmuzige gläser, teller, schmuzig sein. Campe; schmutziges wasser; schmutzige straszen, wege; ein schmutziger mensch, schmutzige kinder; ein frouw hab an wie ein arm smutzigs cleid sie well. Keisersberg bilg. 44c; die schmutzige kuchen- und stinkende stallratzen (küchen- und stallbediente). Simpl. 3, 149 Kurz; aus diesem schmutzigen märznebel. J. Paul Hesp. 2, 194; mit schmutzigem bart. Hebel 2, 143; es war eine gelbe schmutzige flüssigkeit. Freytag soll u. haben 2, 271;

ihn hüllt' ein schmutziger leibrock. Odyss. 24, 227;

schmutz bewirkend: es ist schmutziges wetter, wo man sich leicht schmutzig macht. Adelung; schmutzige arbeit, bei der man sich beschmutzt.
3) nach dem übertragenen sinne des subst., mehrfach.
a) allgemein von unsauberm, sittlich tief stehendem, der achtung barem; noch frisch bildlich in einem sprichworte:

[Bd. 15, Sp. 1141]


denn wer das schmutzge anfaszt, den besudelts.
H. v. Kleist werke 1, 35 (Schroffenst. 2, 2);

auch in der redensart schmutzige wäsche vor allen leuten waschen, sich unsaubere handlungen öffentlieh vorrücken; den beitritt zum bündnis musz man von cabinet zu cabinet verhandeln, sonst giebt es schmutzige wäsche im bunde. briefwechsel Gerlachs u. Bismarcks s. 165; verblaszter, von menschen, handlungen, dingen: das ist eine schmutzige geschichte; moral und .. religion, die, ob sie schon in heiligem kleide kommen, über die befleckung des blöden und schmuzigen haufens nicht erhaben sind. Schiller 2, 348; meisterstücke aus der naiven gattung werden daher gewöhnlich die plattesten und schmutzigsten abdrücke gemeiner natur. 10, 504; lassen wir diesen elenden sein schmutziges handwerk treiben. 14, 226 (parasit 3, 1); besonders auf geiz, eigennutz bezogen: ein schmutziger mensch, schnöde geizig oder gierig, auch in den mundarten: schmutzig, schmarotzerisch, eigennützig Schöpf 633; baslerisch e schmuzige mâ, filzig, geizig Seiler 258b; da der autor selbst drucken läszt: so ist nicht zu vermuthen, dasz er aus schmutziger gewinnsucht es daran (an sauberkeit des druckes) werde fehlen lassen. Lessing 11, 182.
b) von zotigem, unflätigem: schmutzige reden führen, ein schmutziges bild. Adelung; schmutzige ausdrücke, bücher, schmutzig schreiben; wenn es leute giebt, die sich an dem schmutzigen witz des herrn Blumauer erbauen und erlustigen können. Schiller 10, 477.
4) schmutzig in der sprache der kunst: beim maler ist schmutzig eine farbe, welche dem auge miszfällt, und aus einer üblen farbenbrechung oder aus einer mischung feindschaftlicher farben, z. b. des lasurs und zinnobers, entsteht. Jacobsson 4, 13a; eine farbe schmutzig machen, ihr durch brechung mit andern, welche dunkler oder grauer sind, schein, glanz und lebhaftigkeit benehmen. ebenda; schmutzige schrafflerung bei kupferstechern diejenige, welche in einem kupferstiche eben die wirkung thut, als ein federzug mit tinte auf papier, welches durchschlägt, schmutziger abdruck, voll kleiner fehlerhafter streifen. ebenda; allgemeiner von stumpfen, verwischten, nicht klaren farben: sordidus, squalidus schmutzig Nemnich 4, 1328. 1352; bestimmend zu andern farbenbezeichnungen: sordide albus, schmutzig weisz, sordide virescens, schmutzig grün u. s. w. 1328; luridus, schmutziggelb 3, 464; schmuziges glas (nicht rein durchsichtig). Campe; ein schmuziges gelb, roth, blau. ebenda.
 
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schmutzigel, m. scheltwort für einen schmutzigen menschen.
 
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schmutzigkeit, f. schmutziges wesen, schmutzige art, eigentlich und übertragen: schmutzigkeit eines weges, der gesinnung, der ausdrücke.
 
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schmutzkittel, m. schmutziger kittel; kittel der bei schmutziger arbeit zum schutz der kleidung übergezogen wird; scheltwort für einen schmutzigen menschen.
 
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schmutzkoch, m. schmutziger, unreinlicher koch, sudelkoch; fem. schmutzköchin. Kramer bei Campe.
 
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schmutzkolbe, m. schmutziger kopf und träger eines solchen (vgl. dazu kolbe 9, theil 5, 1607 fg.): der spiegel wird darumb nicht dunckeler, wann schon ein schmutzkolb drein sicht. Garg. 5.
 
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schmutzkolbig, adj.: die schmutzkolbige buben. Garg. 81a.
 
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schmutzkothig, adj. weichen, schmierigen koth habend: wir, die wir auf einem bald schmutzkothigen, bald staubigen, farblosen, die widerscheine verdüsternden boden ... leben. Göthe 27, 134.
 
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schmutzkübel, m. wie dreckkübel (th. 2, 1359), kübel für unreinigkeit. aber auch, nach der alten bedeutung von schmutz, scheltwort für eine fette, einem kübel verglichene person:

komm hieher Bacche du schmutzkübel,
und halt mir da mein dintenhorn. Grobian. A 2a (v. 90).


 
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schmutzlächeln, verb. (vgl. dazu das erste schmutzen 3), spöttisch lächelnd das gesicht verziehen: dorauff hand sie sehr spöttischer weise einander angesehen und nach jrem gebrauch schmutzlechlet. Thurneiszer nothgedr. ausschreiben 1, 73.
 
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schmutzlachen, verb. lächeln, sourire. Rondeau 504:

doch umb de selve sachen
begunde hey zo smutzlachen. Karl Meinet 138a, 17.