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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gienaffe bis gienmaul (Bd. 7, Sp. 7348 bis 7353)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gienaffe, m.; schelte, soviel wie gähnaffe teil 4, 1, 1, 1148. zu gienen B als einer, der gähnend oder dumm schauend, müszig den mund offen hat; vgl. DWB maulaffe, schlur-, schlaraffe, mhd. mundaffe; dazu gienöffel, gienlöffel, gienmaul; bei Keisersberg speciell als 'weltsüchtiger narr': ter tüffel isset gern affen, das seind narren und weltliche menschen ... wir habent: lobaffen, sorgaffen ... mundaffen, ginaffen, schluraffen brösaml. (1517) 1, 59a; es sind gienaffen, fürwitzig menschen, faul am gotzdienst. darumb kerend si sich usz vf weltliche ding hell. löw (1514) 23a; 'narr, tor' allgemein: aber ein ginaffe hatt mich bezüchtigtt, ich hab in dem vorigen meinem ersten theyl die groben possen mit klgen worten verblümet Val. Schumann nachtbüchlein 174 Bolte; und als rechte gn- oder maulaffen da saszen J. Riemer pol. hasenkopf (1689) 398; als schelte für junge, unerfahrene

[Bd. 7, Sp. 7349]


menschen: da nun die nechsten stett hrten, was sich verloffen hett und die jungen lappen das regiment der statt besessen, erdachten sie ein list wider die jungen ginaffen N. Höniger narrenschiff (1574) 168a. in neuerer zeit gleich dem simplex gienen obd. sonderform, vgl. Adelung 2, 683; mundartlich bei Staub-Tobler 1, 100, auch als ginaffel; gi~aff Schmeller-Fr. 1, 919.
 
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gienaffen, vb., dumm oder müszig gaffen; aus dem vorigen: das etzlich still stehen und gynaffen Carlstadt von bepstl. heylickeit (1520) c 2a;

wi steht ihr faullentzer also?
und was gienaffet ihr alldo?
Jak. Frischlin zwo comödien (1589) 44;

ein anderer sitzet immer und ginaffet, was andere sagen, lacht, wann sie lachen, schweigt, wann sie schweigen Joh. Riemer pol. hasenkopf (1689) 19; mundartlich als ginafflen Staub-Tobler 1, 100. —
 
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gienäffig, adj., zu gienaffe: sol doch der schriber, so er darz berfft wirdt, nit ginffig sin Riederer rhetor. (1493) c 6a.
 
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gienen, subst., was gienmuschel (s. d.), zu gienen B 1 a: gienende oder gienen sind eine art seehrngen auf der molluccischen insel Amboina, ... welche gemeiniglich gienend oder mit halb offenem munde auf und über dem grunde liegen Chomels öcon. lex. 4, 1080.
 
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gienen, vb. , klaffen, den mund aufsperren, gähnen; klagen, keuchen (lachen). herkunft und form.
ahd. ginên, ginôn, mhd. ginen; mit a-umlaut genen, vgl. dazu Wissmann nom. postverb. 144 u. anm. 5; 145 u. anm. 1), nhd. gähnen (s. d. teil 4, 1, 1, 1148); vgl. mnl. genen. entspricht as. ginon (von der hölle), ae. ginian gähnen, offen stehen, vgl. DWB gin, adj., weit, geräumig; gin, n., abyssus, hiatus, an. gin, n., rachen vom tier, frühnhd. gien (s. d.); vgl. mit vollstufenvokal ahd. geinôn offenstehen, gähnen, mhd. geinen, ae. gânjan hiare, oscitare, aperire, norw. schwed. geina mund aufsperren, seitwärts abschwenken, dial. gain weit offen, s. Torp nynorsk et. ordb. 151a, Wissmann nom. postverb. 156; as. gīnan, ae. gînan findi, aperiri, hiascere, an. gīna schnappen; dazu ae. gînung hiatus, s. DWB gienung; germ. gīn-, gain-, gĭn- sind n-präsentien zu idg. hēi-, hī- 'klaffen, offen stehen', vgl. altsl. ziną χαίνειν Walde-Pok. 1, 549. verbreitung.
gienen ist ein obd. wort (Notker hat es, dagegen fehlt es im Tatian und bei Otfrid); in heutiger mundart im gesamten alem.-schwäb. gebiet, im bair.-österr. und dessen südlichen sprachinseln verbreitet, vgl. Bacher Lusern 259; Schmeller cimbr. 125a, Tschinkel Gottschee 136; aber auch ostfrk. bezeugt, vgl. Sartorius Würzburg 47. seit dem 17. jh. tritt in der schriftsprache md. genen, gähnen auch obd. in wettbewerb mit gienen (im nd. ist gapen heimisch Schiller-Lübben 2, 11b), so z. b. bei Henisch (1616) 1438, Kirsch cornucopia (1718) 153a, Frisch t.-lat. 315b neben gienen angeführt; von nord- und md. autoren wird gienen als dialektisch empfunden, vgl. Stieler 598, Steinbach (1734) 1, 595, Adelung 2, 683, als veraltet von Campe 2, 374a; in gienfisch, gienmaul und hauptsächlich gienmuschel noch schriftsprachlich erhalten. bedeutung und gebrauch.
mhd. nur vom rachen des tieres (teufel und hölle) gebraucht; erst spätmhd. auch vom menschlichen munde und dingen aus mundartlicher sprachschicht heraus mit reicherer bedeutungsentfaltung (abgesehen von ansätzen im ahd.) entwickelt.
A. etymologie und auszerdt. verwandte erweisen als ursprüngliche bedeutung 'klaffen' im sinne von 'offenstehen' und 'sich öffnen'; sie kann in den ahd. glossierungen von hiare ahd. gl. 1, 170, 4 St.-S., 3, 301, 59; hiscere 2, 63, 28; dehiscere 3, 233, 60 enthalten sein; ebenso in den späteren für hiare Diefenbach 276c; n. gl. 203a, hiare, χαίνειν Decimator thes. (1618) 595, hiasco Garth (1657) 335b u. a.; faszbar zutage tritt sie bei anwendung auf dinge.

[Bd. 7, Sp. 7350]



1) allgemein als deren 'klaffen, sich spalten, aufbrechen'; dahin zielen die glossierungen: hiulcis i. apertis ginenten ahd. gl. 2, 476, 22 St.-S.; hiulcus gespalten, gekleckt, ginend Frisius (1556) 630b; hiare gynen, klecken, von im selbs oder durch gwalt sich aufthun ebda 629b; terra aestibus hiat gynet oder spaltet auf von hitz ebda 629b. hiasco ginen, eigentlich von den nussen wird es geredt 630a; von einander ginen arbores dishiascunt Schönsleder prompt. (1647) v 7b; ginen divaricare Dentzler (1716) 125; der knopff oder das schächtelein ist der gehalter des blusts oder der blume, fürnemlich der rose, eher sie sich spaltet und öffnet. zuweilen deutet man darmit an die erst ginnende, noch unaufgeschlossne rose, den rosenknopff J. v. Muralt eydgen. lustgarte (1715) 11; vgl. aufgienen, teil 1, 657 und aufgünen 659.
2) häufiger als 'offen- oder auseinanderstehen': item die fsz oder klawen (der kühe) sllend nit breit seyn ... sonder kleine kurtze klawen ..., welche nit von einanderen ginnind Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 117a;

auff, auff, ihr kleine bienen,
der winter ist frbey:
schon gaffen jetz und gienen
die blümlein allerley
Fr. Spee trutznachtigall (1649) 127,

wo auch poetische übertragung von B 1 c möglich ist, doch vgl. DWB gaffen 3 'offenstehen'; gern von öffnungen an sich gesagt: ez geschach z Rom ... daz sich ein fraislich gruft auf tet vnd weit offen stnd ... und grosz schwtz auf stnd von den gynunden löchern gesta roman. 34 K.; ein günents grab (16. jh.) bei Fischer schwäb. 3, 41; ginend klimsen hiantes rimae Maaler (1561) 245; ein ginnender risz quelle bei Staub-Tobler 2, 328; gleicher gebrauch im heutigen schweizer. spricht für das weiterleben einer ursprünglichen bedeutung, nicht für übertragung von B 1 d 'gähnen' her, vgl. ginnen und gīnen von offener wunde, gespaltener mauer, kleidungsstücken, die nicht gut schlieszen; der boden ginnet von enand Staub-Tobler 2, 328; giene 'klaffen, bersten' ebda 330.
B. die sonstige entwicklung des wortes geht von der engeren bedeutung als 'aufsperren des maules, rachens, mundes' aus; die grundvorstellung des offenstehens bleibt besonders deutlich beim part. adj. in der verbindung gienendes maul, gienender mund:

(der löwe war) mit wîte ginendem munde ...
in aller der gebære
sam er der tiuvel wære Gauriel v. Muntabel 1823 Khull;

darumb ... gehestu hungericher wolff mit ginendem mund hinwegk Hutten opera 4, 14 B.; gott führet fr ihn (Adam) ein thier (löwen), das hatte ... ein grossen ginnenden rachen Abr. a s. Clara reimb dich (1687) lobpred. Thoma Aqu. 12; geradezu 'breitgespalten, breit offen': (cocodrillus) hât kain zungen und hât ain weit ginendez maul unz an diu ôrn Konrad v. Megenberg 233, 11 Pf.; das k und q werden auszgesprochen mit ginendem und offnem mund, wie sich einer wirget oder nötet z undewen V. Ickelsamer teutsche grammatica b 2b; sie (ist) mit zerrissenen haaren, mit verstelltem angesicht, mit günnendem maul zu ihrem herr geloffen Abr. a s. Clara Judas 4 (1695) 271. zu B 2: Andreuczo ... wol einen sach ... als er von dem schlaffe erstanden were, mit ginendem maule sein augen reybe Arigo decam. 85 Keller.
1) im sinn 'den mund, rachen aufreiszen oder offen haben'; vgl. auch verginen teil 12, 1, 443.
a) vom tier allgemein:

so diu vipera gehien sol,
zu ir gemachede ist ir liep unde so wol,
daz si gint wite ander stunt
unde stozzet ir houbet in sinen munt Milstätter physiologus bei
Karajan dt. spr.-dkm. d. 12. jhs. 88, 3;

so tun ich offenlichen schin,
daz dar in wiz hermlin
ein ginder lewe was gesniten
Joh. v. Michelsperg in v. d. Hagens Germania 2, 95;

und liesz sich als di jungen fögel emen,
die weit auf ginen und vil begern fastnachtsspiele 640 K.;

[Bd. 7, Sp. 7351]


welcher mensch eim gienenden wolf in den halss sicht, der würt heiser Terenz (1499) 110b;

gienend kam herfr gekrochen,
mich zu wecken um die stund,
Chyl mein treuer schferhund
Harsdörfer gesprächspiele (1641) 3, 459.

bei schnecken und muscheln das öffnen der schalen (s. auch gienmuschel): (die schnecken) tuont ir schaln auf und ginent gegen dem tawe Konrad v. Megenberg 249, 26 Pf.; (donnert es) alle dieweil und sie (die perlmuschel) also gienend unterm thauw ligt, so klembt sie ihre schalen vor zeit z Heyden Plinius (1565) 376; s. auch Chomel unter gienen, subst; so auch in der wendung gienen mit dem mund, maul:

ich sach den wurm also wît
ginen mit sîme giele Virginal 834, 8 Zupitza;

(der drache) greint und ginet mit dem maul Konrad v. Megenberg 268, 23 Pf.; (er) einen löwen am gestade ersahe, der mit dem maul grausamlich gienete (da ihm ein knochen im hals steckte) Heyden Plinius (1565) 117.
b) bei verbindung mit object (frasz, beute) klingt die besondere vorstellung des begehrlichseins mit an, vgl. 3; vom tier und oft bildlich vom teufel und der hölle: es ist dir (dem gierigen erben) gleich wie einem wolff, der auffs asz ginet und den hungerigen raachen auffsperret Petrarche trostbücher (1559) 97b; vgl. bildlich: aperuerunt super me os suum sicut leo si gineton gagen mir also der lewo Notker ps. 21, 14 P.;

der tievel ginite an daz fleisc Ezzolied 17, 11 M. S. D.;

tiuvel, also wît du gienst,
daz du ir niht slindest ein teil!
Seifrit Helbling 2, 1350 Seemüller;

dann auch die helle ein solcher schlund ist, der nit zu sttigen, sondern giennet immer noch mehr auff die seelen volksbuch v. dr. Faust 36 ndr.
c) beim menschen mit dem sinne 'mit offenem munde müszig oder töricht gaffen und gucken, maulaffen feilhaben' (vgl. dazu überginen mhd. wb. 1, 527b):

ich bin glich ainem narren,
der an der gassen hat gienen und garren Christus u. d. minnende seele 315 Banz;

die siebend schell ist schweigen und gienen, dem rauraffen zusehen ... sie (die geistlichen im chor) ... singent nit, sy haben wol das maul offen, als wolten sie fliehen Geiler v. Keisersberg narrenschiff (1520) 181b;

(der acker) würd mir ie auch verderbet,
wenn mir die leut stünden darauff
und gienten an den galgen nauff
Hans Sachs 17, 98 K.;

vor staunen den mund aufreiszen:

dannach so kond ich (ablaszkrämer) aber erdenken
mit sunderbaren listen und renken,
wie etlich seelen wären erschinen.
do fiengend die lüt erst an zuo ginen
und losen flyssig, was ich seit,
sie wandend, es wär ein warheit
Nikl. Manuel 124 B.

gern in der verbindung gienen und gaffen:

ich gin und gaff und bin ir aff bei
Uhland volkslieder (1845) 642;

die weiber waren keüsch und schamhafftig und gafften oder ginten nit umb sich nach andern mnnern Seb. Münster cosmogr. (1550) 316; ebenso mundartlich, vgl. gīnen maul aufsperren, glotzen Tschinkel Gottschee 136; dazu gīne glotzer 221.
d) seit dem frühnhd. überwiegend als 'gähnen' im heutigen sinn, bei müdigkeit, trägheit, krankheit, gebraucht, so auch im mundartl. verbreitungsgebiet; vgl. die glossierungen für oscitare (1495) Diefenbach 402b; χάσμα, oscitatio das günen Frischlin nomencl. (1586) 83a; gienen, gieben sbadagliare Hulsius (1618) 137b;

das er (der übernächtige spieler) den gantzen tag uff gyent
Brant narrenschiff 75 Zarncke;

(anzeichen des todes sind) so er (der kranke) gienet (ubi hiat), so er stedtigs schlaft Khüffner Celsius (1531) 10a; die trgen, die ... gienen, bisz in gebratten enten ins maul fliegen klugreden (1548) 6b;

[Bd. 7, Sp. 7352]


denn kan sie schon nicht drinnen (im bett) sein,
so gienet sie doch stets darein
Fischart flöhhatz (1610) d 5b;

wenn einer gint, so gint auch der ander Lehman floril. (1662) 1, 786; 'und hernach, wann sie anfangen zu gienen oder zu gaumetzen?' Odo: das ist ein zeichen, dass ihnen die comödie nicht gefällt samml. v. schausp. (Wien 1764) 5, theater 95; auch bei tieren: ein yeder raubvogel leydet hitz aussenfür, so er offt ginet Heuszlin Gesners vogelbuch (1557) 123a; ein hund, der da wider sein natur günet mehr und anderst dann recht hündisch, bedeutt auch in seinem haus ein leich Paracelsus op. 10, 191 Huser.
2) von der vorstellung des atmens mit offenem munde auf die damit verbundenen geräusche übertragen, wobei auch ein lautmalendes element empfunden werden kann; 'hörbar (schwer) atmen': das kint ginte sibenstunt und tat auf seinen munt und seine ougen (oscitavit septies) Wenzelbibel bei Jelinek mhd. wb. 323; ebenso giente 1. dt. bibel 5, 364 (Luther: schnaubet siben mal 2. kön. 4, 35). mundartlich: 'rasch hinter einander atem schöpfen' Unger-Khull steir. 293b; 'schwer athmen, keuchen' Lexer kärnt. 114; 'pfeifen', vgl.s' ràkröpfel (rotkechlchen) géant schà~ (beim raschen atem holen) Frommann dt. maa. 6, 181; als 'heulen, stöhnen, klagen': bald darnach, do der frid kurcz hett geweret, wurden die jungen wölflin gynen und hülen Steinhöwel Äsop 159 lit. ver.;

wie soll ain krank dem andern dinen,
so sie vor schmerz zusammen ginen?
Fischart flöhhatz 582 ndr.;

in der mundart: 'leise schluchzen' Unger-Khull steir. 293b; 'weinerliches gesicht machen, weinen' Lexer kärnt. 114; geə~n verächtlich für 'schreien' Schmeller-Fr. 1, 919; anders als 'lachen' (vgl. 1greinen und 2grienen):

ob glck dem jaeger ginnet,
darauf lag sein gedicht 115 guter newer liedlein (1544).


3) von 1 b aus auf die mit der körperlichen bewegung verbundene seelische regung übertragen im sinne 'begehrlich sein, begehren', oft mit präpositionalem anschlusz des objects gegen, nach, auf etwas gienen; vgl. als übergang dazu: capessere cibum hiatu oris et dentibus ipsis nach der speysz ginen, oder essen Frisius (1556) 187a; appetere mammam nach dem püpple langen, darnach ginen 106b; inhiare (per translationem) eynbrünstig etwarauf gynen und begirlich darnach stellen dasselbig ze überkommen 698b; ähnlich noch in mundartl. ginnen als gebärde der gier, als gierig zusehen (beim essen) und essen Staub-Tobler 2, 329.
schon ahd. (nach dem lat.) vom menschen und seinen seelischen triebkräften: seva rapacitas vorans quesita alios pandit hiatus diu michela girheit ein verslindende ginet io sar gagen andermo Notker 1, 1, 64 P.; Paulinum ..., tes kuot tie hovegira ... iu verslunden habeton, ten zoh ih in ginenten uzer dero chelun (traxi ab ipsis faucibus hiantium) 27;

want bit deme gde weset de unmeziche mut,
de imer ginende is uppe dat unseliche gt die lilie 21, 8 W.;

darumb solten wir in einer ieklichen goben rechte ufgetenet und gespannen werden mit allen unsern sinnen und kreften und hertzen und ginender begerunge und quelunge also noch gotte selber Tauler 122, 11 V.; verschlickend all ding, noch dann günend sie, als umb des geytz willen (16. jh.) bei Fischer schwäb. 3, 41; disz gsind (die advocaten) auf beider (der streitenden) seckel ginet wie die rappen Seb. Franck kriegsbüchl. d. friedes (1550) 98a; disen ginenden rappen (den advocaten) ebda.
 
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giener, m.; zu gienen B 1 d, einer der viel gähnt, oscitator: hiletus (quasi hians) giner (15. jh.) Diefenbach 277b; gner ... oscitator ... alias giener Stieler (1691) 598. zu gienen B 1 a soviel wie gienfisch (s. d.): channus vel channa ein ginfisch, ein ginner Forer Gesners fischbuch (1563) 15b; auch meerginner ebda 15a.
 
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giener, pron., jener, s. teil 4, 2, 2304.
 
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gienfisch, m., auch gähnfisch, 'eine art ... lippfische, auch gähnfisch, gienmaul (labrus hiatula L.)' Campe 2, 374a: channus vel channa ein ginfisch, ein ginner,

[Bd. 7, Sp. 7353]


ein ginmaul. diser hat seinen namen ausz dem, dasz er alle zeyt mit offenem maul ginnet: ist ein steinfisch hnlich dem wolffisch Forer Gesners fischbuch (1563) 15b.
 
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gienloch, n., fachausdruck der anatomie, von Hyrtl kunstw. d. anat. (1884) 63 als äuszerer gehörgang (meatus auditorius externus) erklärt; wohl zu gienen A 1 'offenstehen' zu stellen: es bestehet (das jochbein) von 2. vorschusz oder processen, deren der eine vom obern kifel und dem kleinen augwinckel herausz wchst: der ander von diesen theilen dem schlaffgebain, welcher dem gienloch ubersetzt ist Jos. Schmidt spieg. d. anat. (1646) 14, dafür gehörloch 52.
 
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gienlöffel, m., scheltwort wie maulaffe; mit 1löffel, narr, tor (teil 6, 1120), von gienen B 1 c gebildet, vgl. DWB gienaffe, DWB gienöffel, auch gänselöffel (teil 4, 1, 1, 1274); redensartlich als maulaufreiszender laffe: wann ein gienlffel gienet, so gienet auch der ander Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 86b; fortlebend in der mundart: gēleifl, m., schelte für 'einen, der den mund aufsperrt' mundart v. Wadetstift in Südböhmen (mündlich); (zu gienen B 2) geléffel schreihals, schreimaul Schmeller-Fr. 1, 919; gewöhnlich als schimpfwort schlechthin für die (gaffende) person:

nu hort, ir zwen groben ginloffel! fastnachtssp. 222 K.;

sind lffel do, so sind wir fro, ginlffel, maullffel ..., gnslffel Fischart Garg. 131 ndr.; besonders für einen törichten, unwissenden menschen: aber die ginlffel, wann sie den schon sehen, so stehen sie wie ein kalb vor einem bischoff Paracelsus op. (1616) 1, 57 Huser; daher gern in verbindung mit jung als 'unerfahren': wo dann solche junge ginlffel inns hauszregiment kommen, da hat niemandt ie basz hausen knnen dann sie C. Huberinus spieg. d. hauszucht (1553) 164a; den jungen ginlffeln z folgen und der alten raht z verachten Kirchhof wendunmuth 1, 58 Öst.
 
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gienmaul, n. , auch m., zu gienen.
1) das aufgesperrte maul, sperrmaul; als schelte 'maulaffe'.
a) zu gienen B 1 a, als offenes maul:

halt, halt, mein lieber fabelhans,
ist dir noch kein gebratene gans
in dein gimaul geflogen ein? (1618) bei
Opel-Cohn dreiszigj. kr. 8;

vor allem mundartlich: einem s geə~mal zaəgng ihm die gefletschten zähne weisen Schmeller-Fr. 1, 919.
b) zu gienen B 1 c vom menschen, 'maulaffe, trottel', vgl. gienaffe, gienlöffel, gienöffel:

ey schweig, du ginmaul und du thor!
Hans Sachs 20, 33 K.-G.;

daselbst deinthalb sich red erhuben,
wie du eyn grosser gnmaul werest,
dann du eyns lieben blen gerest
und thst eyn andern (als boten) z yhr senden
Wickram w. 4, 50 Bolte.

mundartlich bei Ruckert unterfränk. 61; Schmeller-Fr. 1, 919; Loritza id. vienn. (1847) 51b. ebda gienmaulen (gimáln) gaffen, gähnen 51b.
2) fischname, synonym mit gienfisch: channus, vel channa ein ginfisch, ... ein ginmaul Forer Gesners fischbuch (1563) 15b; Campe 2, 374a.

 

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1) gaffen
 ... fieng er von neuem an mit weit offnen augen und gähnendem munde zu gaffen. Wieland 11, 254 ( Sylv.
 
2) gähnaffe
 ... machen, höhnend, wol wie pah! gesagt wird mit gähnendem munde: Amalia ( die um Petern wirbt ). nun, ihr
 
3) gähnen
 ... machte. 9, 13 ; am rande des gähnenden grabes. Göthe 8, 291 , ein vielgebrauchtes
 ... steigst ab in solcher gräuel mitten, im gräszlich gähnenden gestein. 41, 252 ;
 ... sie wird im mittelalter als gähnender rachen gebildet, im gähnenden grab wirkt das bild nach. ähnlich von der nacht:
 ... schwarz aus dem weiszen schaum klafft hinunter ein gähnender spalt. Schillers taucher;
 ... 2, 121 , sie wird im mittelalter als gähnender rachen gebildet, im gähnenden grab wirkt das bild nach.
 
4) geber
 ... geber , m. hiatus, gähnendes öffnen des mundes, der letzte geber eines sterbenden: das
 
5) genemeulen
 ... genemeulen , mit offnem ( gähnendem ) maule auf etwas blicken: unser schwermer ... gaffen
 
6) gewalt
 ... schwarz aus dem weiszen schaum klafft hinunter ein gähnender spalt, grundlos als giengs in den höllenraum.
 
7) gewand
 ... und nun von fern winkt gähnend das gespenst des alltags wieder im spinnwebgrauen, schleppenden
 
8) gienaffe
 ... 1, 1148. zu gienen B als einer, der gähnend oder dumm schauend, müszig den mund offen hat; vgl.
 
9) gienung
 ... ahd. gl. 3, 411, 41 St. - S.; der gähnende abgrund, spalte: ( die hölle ) heizet ouch baratrum, daz
 
10) grab
 ... personifizierenden gebrauchs zu einem ungetüm, mit einem rachen, der sich gähnend öffnet und die menschen zu verschlingen droht; wahrscheinlich wirkt das
 ... menschen zu verschlingen droht; wahrscheinlich wirkt das mittelalterliche bild vom gähnenden höllenrachen mit und noch nach. die hierher gehörigen prägungen zeigen
 ... hinüberzutreten. das grab gähnt: am rande des gähnenden grabes Göthe I 8, 297 W.;
 
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