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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
traulicht bis traumproduct (Bd. 21, Sp. 1436 bis 1471)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) traulicht, n., in westdeutschen maa. für irrlicht, literarisch nicht belegt. der erste bestandteil des wortes ist etymologisch dunkel. wahrscheinlich *drugilicht > drûlicht wie Sigevrit > Sîvrit, also eigentlich 'truglicht', vgl. Kehrein Nassau 411 und rhein. wb. 1, 1523. drauliht, tröhliht Follmann lothr. 100; traulicht luxemb. 441; Gangler Luxemb. 454; druwelicht, drüllicht Pfister nachtr. (1886) 57. — siehe truglicht.
 
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traulos, adj., s. DWB treulos.
 
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traum, m. , nord- und westgerm. wort, in älterer zeit ungleichmäszig stark verbreitet, vgl. W. Henzen diss. (Leipzig 1890) 5 ff.; ahd. mhd. troum; in der bedeutung 'schlaftraum' im as. neben swean m. auch seltenes drōm; afries. drâm; mndl., nndl. droom; ags. in dieser bedeutung nicht bezeugt, doch mengl. dream, dreem, drem; neuengl. dream; anord. draumr; norw.-dän. drøm; schwed. dröm; neunorw. draum. herkunft und form.
1) traum wird meist als germ. *draugma zu driugan 'trügen' gestellt (s. Wilmanns dt. gr. 1, 110; vgl. auch W. Schulze Kuhns zeitschr. 61, 189), wobei aber genau entsprechende

[Bd. 21, Sp. 1437]


lautliche parallelen fehlen. der deutung als bloszes 'trugbild' steht die tatsache entgegen, dasz man in alter zeit fest an die erfüllung des traumes glaubte und der traum überhaupt für den primitiven menschen hohen wirklichkeitsrang besasz, s. Tamm et. sv. ordb. 104; Hellquist sv. et. ordb. 104; K. Jarausch d. volksglaube in der Isländersaga (diss. Berlin 1925) 119 ff.; W. Henzen a. a. o. 11 ff.; S. Larsen antik og nordisk drømmetro aarb. f. nord. oldkyndighed III 7 (1917) 37; doch vgl., dasz die wurzel *dreugh im ai. die bedeutung 'zu schaden suchen', iranisch 'lügen, betrügen' hat, s. Walde-Pokorny 1, 874; vgl. dazu skr. drōha 'beleidigung, schädigung', druh 'beschädigung, unhold(in), gespenst', anord. draugr 'gespenst', as. gidrog an drôme Heliand 681 S.; ahd. gitroc 'verblendung', ags. drēag 'gespenst', gidrēag 'traumbild'. ursprünglicher anwendungsbereich ist der schlafzustand, da alle bedeutungen, die die vorstellung einer schlafsituation vernachlässigen, erst in der jüngeren und jüngsten entwicklungsstufe der sprache hervortreten. auch für das ags. musz ein *drēam 'schlaftraum' angesetzt werden nach mengl., neuengl. dream. gegen die bes. in älteren werken (J. Grimm gr. 3, 146a; Schade 2, 959b, doch auch noch Sehrt wb. z. Heliand 86) vertretene identifizierung von traum etwa als 'der fröhliche belebte zustand im schlaf' mit ags. dréam, as. drôm 'jubel, fröhliches treiben' bestehen semasiologische bedenken; bei zusammenstellung dieses drauma- mit got. driugan (so v. Bahder verbalabstr. 134) kommt der einwand hinzu, dasz germ. driugan 'kriegsdienste leisten' erst secundär und einzelsprachig eine allgemeinere bedeutung 'handeln, wirken, erleben' angenommen hat; zudem scheint dieses wort auf das ags. und as. beschränkt gewesen zu sein, doch vgl. einen merkwürdigen mhd. beleg aus Wittenweiler, der aber zu vereinzelt ist, um ihn mit dem ags. und as. dréam, drôm in verbindung zu bringen:

das gzöder michel ward und lang.
ieder sunderleichen sprang
auf und nider in dem traum
sam die äpfel von dem paum
Wittenweiler d. ring 6207 Wiessner.


2) veränderungen des stammdiphthongen (s. auch träumen, vb. und träumer): obd. tram Konrad v. Megenberg 434 Pf.; d. summertheil d. hl. leben (1472) 4b; tramm neben traum Sterzinger spiele 7, 160 u. 171; tram Schmeller-Fr. bair. 1, 662; Fischer schwäb. 2, 334; Hügel Wien. 166; Lexer kärnt. 67; Schöpf tir. 750; auch trom Diefenbach 542a (14. jh.); 543c (15. jh.); Seuse dtsche schr. 113 B.; Steinhöwel de cl. mul. 125 lit. ver.; tromweiss S. Franck chron. zeytb. (1531) 135; Martin-Lienhart elsäss. 2, 756. das md. zeigt im westen -â-, im mittleren und östlichen bereich -au-, auch -ô- z. b. trom Diefenbach 542a (a. d. j. 1440); trome M. Robinson sprichwörter (1726) 34 (schlesisch). im nd. ganz vorherrschend -ô-, pl. ȫ-: drom Schiller-Lübben 1, 581; Diefenbach 542a; Danneil altmärk. 41; Dähnert pomm.-rüg. 89; Frischbier preusz. 1, 152; Schütze holst. 1, 259; drȫm Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 339; im westfäl. meist diphthongiert zu -äu-: Woeste-N. 59. abschwächung des auslautenden -m > -n: troun Walther v. d. Vogelweide 94, 21 var.; Reinfried 368; trovn voc. opt. 1, 264 Wackernagel; trawn (1470 hd-böhm. gloss.) Diefenbach 542a. abfall des -e im nom. acc. pl. gelegentlich auch im md.: treum Luther 8, 504 W. neben häufigerem treume; Lehman flor. pol. (1662) 2, 775. andererseits gerade in obd. texten auch abundierendes -e im acc. sing.: durch den traume erste dtsche bibel 3, 169 lit. ver.; Steinhöwel Äsop 312 lit. ver. der grammatische umlaut im pl., schon mhd., s. Lexer 2, 1532, setzt sich auch obd. durch: träum und traum nebeneinander bei H. Sachs, vgl. 8, 639 lit. ver.; 19, 144 u. 8, 235; ebenso erste dtsche bibel 5, 120 u. 171 lit. ver.; -au- nur selten noch im 17. jh.: Dietrich v. Werder ras. Roland (1636) 1, 89; Äg. Albertinus Lucifer 14 Liliencron; Petri weish. 2, r 4v neben häufigerem treume. im schwäbischen und vor allem im md. vielfach entrundet zu -ai-, -â-, -ee-: træm Konrad v. Megenberg nat. 434 Pf.;

[Bd. 21, Sp. 1438]


trämb Hätzlerin 126b; trem Birgitte (1502) s 6b; tremlich ebda; träm H. Boner Herodian (1532) 20a; traym Schwarzenberg Cicero (1535) 151; traimer ebda 133b, vgl. auch Fischer schwäb. 2, 334; Gangler lux. 116; Christa Trier. 70; Hönig Köln. 36; Martin waldeck. 205; Crecelius oberhess. 290; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 241. übergreifen des umlauts auf den sing. nur in ausnahmen: im trum Ambach v. zusauffen (1543) c 1b; troym (nom. sing.) Stolle thür. chron. 78.
schwache formen treten nur vereinzelt auf, im gen. pl., wohl in anlehnung an die vorhergehenden oder folgenden worte: und entschlagen uns der geschweifften treumen und wenen der theologischen sprüchen Paracelsus op. (1616) 1, 18 Huser; wann man an mahlzeiten der träumen gedencket Dentzler (1716) 734. bedeutung und gebrauch.
traum bezeichnet die tätigkeit, das product, den zustand und die kraft des geistes, durch welche vorstellungen und gedanken zustande kommen, die an wirklichkeit und wahrheit nicht gebunden sind. der charakter dieses verhältnisses von subjectiver und objectiver wirklichkeit und wahrheit entscheidet über die bedeutungsnuancierung.
I. traum als schlaftraum: somniorum troumo ahd. gl. 2, 487, 7 St.-S.; traum im schlaff Diefenbach gl. 542a. der schlafzustand trennt subjective und objective wirklichkeit.
A. als geistiges phänomen schlechthin.
1) als ein bewusztseinserlebnis.
a) in fester verbindung mit verben. einen traum haben somniare Dasypodius (1537) 442b; Maaler 406c:

Joseph einen trǒm habete,vater unde brderen er in sagete Milst. genesis u. exodus 73, 26;

(er) het die nacht
ein traum, der in gantz frölich macht
Hans Sachs 21, 270 Götze;

von einem traum ..., den (er) gehabt haben soll Ranke 1, 211. einem kommt ein traum (vor) u. ähnl.: insomnium ein traum, ein gesicht, so einem im schlaf fürkompt Calepinus XI ling. (1598) 739b; 740a;

wande ir kom ein leider troum
in ir slâfe nahtes für
Konrad v. Würzburg Troj. 352;

als ich heut lag an meiner ruh,
(sprach er) mir bald ein traum frkam
Spreng Ilias 14b;

was einer nimpt am tag in acht,
daher kompt ihm ein trawm zu nacht
Petri d. Teutsch. weish. 2, y y 4b;

kommen tages mir die lieder,
kommen mir bei nacht die träume
Geibel 2, 38;

mir ist ein schwerer traum vorgangen
Hans Sachs 17, 56 lit. ver.

einem träumt ein traum, bzw. einen traum träumen:

mir troumte ein troum ... meier Helmbrecht v. 580;

vgl. Walther v. d. Vogelweide 94, 21 hs. C.; leg wir uns hie auf den weg slaffen, und wem der pest traum traumbt, der hab das brot gar gest. Rom. 74 Keller; und ewer alten treument die treume erste dtsche bibel 2, 285, 15;

ich hab die nacht geträumet
wol einen schweren traum
Mittler dtsche volkslieder 600;

zweimal, ihr lieben! ist kein traum zu träumen
Just. Kerner dichtungen 266;

einen eigenthümlichen traum musz ich ihnen erzählen, den ich diese nacht träumte Bismarck ged. u. erinn. 2, 221 volksausg.
b) auszerhalb dieser formelhaften verbindungen:

aber, wer wird mir beschreiben
die gleich ohne zentnerpein,
wenn mich wor ein traum nam ein,
C. Stieler geharnschte Venus 65 ndr.;

heunt hat mi gar a traam anpackt
Karl Stieler ged. 3, 7 Reclam;

und lege dich darunter,
so schläfst du ohne traum
Mittler dtsche volksl. 250;

[Bd. 21, Sp. 1439]


ein aus irgend einem grunde bewusztloses, z. b. ohne traum schlafendes gehirn du Boys-Reymond gr. d. naturerkennt. 3, 30; ich war eingeschlafen, doch weckte mich ein lebhafter angenehmer traum Göthe I 33, 101 W.; vgl. noch bei B 1 b.
2) als bewusztseinsinhalt: einen traum vergessen: man vergiszt nichts leichter als lügen oder einen traum maler Müller 1, 312; wir wollen diese nacht und ihre träume vergessen Hebbel w. 8, 270 Werner; sprachlich faszbarer: einen traum erzählen u. ähnl.:

mîn troume gote sîn geseit minnesinger 1, 104b v. d. Hag.;

wie er aber nach etlichen tagen erwachet, hat er seinen traum erzehlet J. Prätorius saturnalia (1663) 79; iren ... eltern solchen traum zu entdecken Scheidenraisser Odyssea (1537) 23b; und es geschach, daz er sach ein traume, den derkunte er seinen brüdern erste dtsche bibel 3, 169 lit. ver.
3) unter hinzufügung des traumgegenstandes; in der regel als präpos. attribut mit von:

von ir ain trǎmb mir senfter tt
dann von aller welt ain sehen
Hätzlerin liederb. 67;

dein wachen, treuer hirt, ist dir ein süszes schlafen,
dein schlaf ein steter traum von so viel tausend schafen,
die dir vertrauet sind
B. Neukirch ged. (1744) 184;

in form eines abhängigen genetivs: aufgeschröckt aus träumen der ewigkeit ... Franz Moor aus dem schlummer sprang Schiller 3, 515 G.; gedenkt des phasanentraums, der nun in erfüllung geht Göthe IV 8, 92 W.; oder als attributsatz:

der traum des vaters ist erfüllt, dasz wir
zu Reims uns vor der schwester würden neigen
Schiller 13, 296 G.;

und unser lieben frawen
der trawmet ihr ein traum,
wie unter ihrem hertzen
gewachsen wär ein baum
W. Bäumker kath. kirchenl. 2, 141.

unbestimmter durch attrib. adjective, vgl. auch DWB B 1 a, C 1 und D 2: wer in (den adamas) tregt, den sterkt er gegen seinem veint und vertreibt üppig træm und melt die vergift Konrad v. Megenberg buch d. natur 434 Pfeiffer;

lasz mich keine nacht gefahr,
keinen geilen traum bewegen
B. Neukirch ged. (1744) 58;

unzüchtige, unreine träume, ein närrischer, alberer traum Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1117c.
4) statt des gewöhnlichen bezugs auf den menschlichen geist als subject des traumes gelegentlich durch romantische naturbelebung auch von dingen: die wolken sind die träume des himmels Jean Paul w. 45/47, 429 Hempel;

lehrt sie allda seine lehre
von dem traum der elemente
Mörike w. 1, 148 Göschen;

vgl. dazu I E 3 und II C 1 d; vereinzelt auch von begriffen:

musz endlich deine rache
aus ihrem traum erwachen
A. Gryphius trauersp. 21 Palm.


B. mit bestimmung des gefühlswertes und zwar
1) als ausdruck der unlust
a) durch das adj. attribut gekennzeichnet, vor allem durch schwer: schwärer traum, der einen in angst und sorg bringt Maaler 406b. schon frühmhd. belegt: einen troum swâren gen. u. exod. 1, 83, 2 Diemer; Hartmann v. Aue Erec 6596, vgl. auch teil 9, 2546;

mein liebst, die liegt in schwären träumen Venusgärtl. 11 ndr.;

mir traumpt heint ain tramm so schber Sterzinger spiele 7, 160;

alles sei schwer und massig in diesem lande, sogar die träume Fontane ges. w. I 4, 54. im übrigen ohne dasz innerhalb des immer gröszer werdenden reichtums an adjectivischen verbindungen bestimmte bevorzugt würden, zumal

[Bd. 21, Sp. 1440]


sich in ihnen die möglichkeit bietet, gleichzeitig struktur (vgl. I D 2) und inhalt (vgl. I A 3) des traums näher zu bestimmen; vgl. z. b. die aufzählung bei Kramer: ein schwerer, ängstiger, schreckhafter, unruhiger, finster traum teutsch-ital. dict. (1702) 2, 1117c; vgl. noch mhd. leider troum oben I A 1 a; grausam träum Konrad v. Megenberg 471, 26 Pf.; wo die teuffel nicht mehr können, geben sie böse träume ein Luther bei Wander 4, 1106; e böser troüm alpdrücken Martin-Lienhart 2, 756; (sie) erzehlet ihrer mutter einen unglückseligen traum Lohenstein Ibr. Sultan vorr. b 4b; mit schweren, auch wol schrecklichen träumen W. Spangenberg ausgew. dicht. 4; Schiller 1, 161 G.; ein fürchterlicher traum hatte die Athalia erschreckt Ramler einl. in d. schön. wiss. 2, 330; heute nacht hatte ich ... ängstliche träume Göthe IV 8, 99 W.; (ich) habe viele unruhige träume gehabt Novalis 4, 57 M.; Klinger sturm u. drang 1, 3; von den schaurigen träumen ... kam man auf noch schauerlichere geschichten O. Ludwig 2, 83; ich hatte einen häszlichen traum Hebbel w. 8, 270 Werner.
b) durch das verb; am häufigsten schrecken; vgl. mhd.:

als der dâ wirt erwecket
von swærem troume erschrecket
Hartmann von Aue Erec 6596;

nie hat ihn ein traum geweckt,
der im schlummer ihn geschreckt
Chr. F. Weisze lied. f. kinder (1767) 33;

und böse träume schrecken hinterm vorhang
den unbeschützten schlaf!
Schiller 13, 43 G., vgl. noch 14, 50 G.;

ferner:

niuwan daz ich von träumen hân
erliten vil der sêre klage 1440;

uns hat noch kurtz vorhin traum oder geist beschweret
A. Gryphius trauersp. 83 lit. ver.;

schwere träume drückten meinen schlaf H. v. Barth Kalkalpen 6; was haben sie mit einem traum zu schaffen, der nacht für nacht sie ängstigt Holtei erz. schr. 2, 6; er schien nervös, war nachts von den unruhigsten träumen geplagt worden Fr. Huch Pitt u. Fox 67; vgl. noch:

nun richtet er sich auf, und rings er schaut,
wie ein vom traum gequälter beim erwachen
A. v. Droste-Hülshoff 2, 249 Sch.;

ich aber musz betrübt auf meinem lager liegen,
und in der einsamkeit mit schweren träumen kriegen
B. Neukirch ged. (1744) 285.


2) als ausdruck der lust
a) durch das adj. attrib.; besonders in der älteren literatur seltener als solche, die unlustgefühle beschreiben:

(der kaiser) ze naht in sînem bette entslief,
dô wart sîn vröude unmâzen tief,
wand im ein sælec troum erschein
Konrad v. Würzburg Silv. 1205 Gereke;

ein güldiner traum sprichwörter, sch. w. klugr. (1548) 149b;

ihr wecket sie stäts immerzu,
und hindert ihre gute träum
Fischart flöhhatz 46 ndr.;

ich hab einen artigen traum gehabt Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 2005; am häufigsten wohl süsz:

ein engel liez im süeze tröume
in dem slâfe werden kunt
Konrad v. Würzburg Engelhard 5440;

komm, süszer traum, geschwind!
R. Z. Becker mild. liederb. 36;

lasz mich endlich
des süszen traumes noch mich wachend freuen
Göthe I 11, 312 W.;

ferner:

schœner troum enwart nie mê
Walther v. d. Vogelweide 94, 37;

für dieses lange wachen wurde ich mit einem sehr schönen traume belohnt Gleim briefwechsel 1, 129 Körte; ich war eingeschlafen, doch weckte mich ein lebhafter angenehmer traum Göthe I 33, 101 W.;

der schlummer fessle dich an goldne träume
Grabbe w. 1, 340 Blumenthal;

[Bd. 21, Sp. 1441]


(die engel) tragen ... auch süszen frieden und selige träume dem menschen maler Müller 1, 37;

wie denkst du mein?
wie eines holden traumes
Hebbel w. 7, 97 Werner.


b) durch das verb:

von ir ain traumb mir senfter tut,
dann von aller welt ain sehen
Hätzlerin liederb. 67;

im schlaff traumt mir, ich flüss offt und vil, so ich erwacht, gefiel mir traum und fluss Eberlin v. Günzburg sämtl. schr. 2, 60 ndr.; ergetzende träume Lohenstein Arminius 1, 45b;

ein mägdlein, dem ein traum hat etwas warm gemacht
Fr. v. Logau 169 lit. ver.;

verliebten scherzt kein traum
Dusch verm. w. 132.


C. mit bestimmung des verhältnisses zur wirklichkeit, insbes. der zukünftigen in positivem und negativem sinne:
1) durch ein adjectiv, meist attributiv:

niht wegent ringe disiu wort
als einen üppeclichen (nichtigen) troum
Konrad v. Würzburg Troj. 4563;

vgl. noch 5688; Engelh. 5501; falsche träume s. teil 3, 1293; ein blinder traum sch. w. klugreden (1548) 149 s. v. lügen; und welcher under uns allen den wonderlichsten troum sehe, der sol das brot allein haben Steinhöwel Äsop 312 lit. ver.;

und mich schrecken ahnungsvolle träume
Schiller 14, 50 G.;

wie man ... auf das glück hoffte, auf günstige träume und zaubermittel G. Freytag 19, 191; die eidechse findet sich auch neben den bildern des schlafs, nicht als eingeberin von prophetischen träumen F. G. Welcker 1, 409. wahr erscheint durchweg in prädicativer fügung; sprichwörtlich:

drome sint so war
als se waren over hundert jar
Tunnicius sprichw. nr. 451;

wiewol underweyl die trem war sein und gut und von got Birgitte (1502) s 6b; wenn alle träume wahr wären, blieb keine nonne fromm Binder 196;

wie oft wir morgens unsre qual belacht,
wir armen seelen halten immer wieder
für wahr den dunklen traum der nächsten nacht
Frida Schanz ährenlese2 35;

mein traum ist wahr worden Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1117c; er versicherte ihr, dasz ihr traum sicher wahr werden müsse, da Horaz nach der mitte der nacht die zeit wahrer träume setzt Arnim 11, 220; vgl. DWB wahrtraum teil 13, 1005; war troumen bei Notker, s. u. sp. 1482.
2) durch den verbalen ausdruck
a) mit traum als object, den traum auslegen, ausdeuten, erklären, vgl. mythol.4 2, 959; 3, 331:

den traum ich nit anders auslegen kan Sterzinger spiele VI 160 Zingerle;

sie fährt fort die träume auszulegen Göthe I 16, 253 W.; vgl.: gestern hatte ich einen traum, dessen auslegung mir, der vielen traumbücher ungeachtet, grosze mühe machet Schwabe belustigungen 1, 553; einem seinen traum ausdeuten, auslegen Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1117c;

köng Agamemnon wolbedacht,
der fürsten vil zusammen bracht,
wellichen er den traum erklärt
J. Spreng Ilias 13a.

ferner: er deutete auch die träume Hegel w. 12, 121; in älterer sprache: ten troum antfristota imo so sin tohter Notker 1, 61, 17 P.; 3, 199, 5, vgl. die antfristunga dero troume 3, 199, 12 sowie estimatoris antfristes ahd. gloss. 1, 308, 28; coniector antprest 318, 51 St.-S.;

entsliezen und betiuten
hôrt ich in wilder träume vil
Konr. v. Würzburg Troj. 19261;

den troum bescheiden Milst. genesis u. exodus 83, 6; Nibel. 14, 2 B.; coniecturare trawm bescheyden, bedeuten (15. jh.) Diefenbach gl. 142c;

[Bd. 21, Sp. 1442]


wer sol uns den troum erscheinen? minnesinger 2, 139a v. d. Hagen;

tho er thie drouma sageta
Otfrid an Hartm. 83;

ich sag dir dein traum Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 2b;

die dir den deinen traum beschauen
H. Sachs 16, 153 lit. ver.

vgl. noch s. v. traumscheider.
b) traum in präpositionaler fügung, besonders in stehenden wendungen wie sich auf träume verlassen, an träume kehren u. ähnl.: narren verlassen sich auff trewme Jesus Sirach 34, 1;

swer sich an troume kêret,
der ist wol gunêret
Hartmann Iwein 3547;

die traum sind lauter phantasey,
daran man sich nit keren sol
H. Sachs w. 8, 235 lit. ver.;

die vil auff threum geben, solten vil mehr ires lebens acht haben G. Mayr sprüchw. (1567) C 5b; die dreyzehendt schell ist, auf träume halten Höniger narrenschiff (1574) 241b; ich halte nichts auf träume Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1117c; der uff gelooss (tierkot) und träum haltet Äg. Tschudi chron. helv. 1, 31; später: mutter viel von träumen hielt d. Leipz. avant. (1766) 1, 141; mit glauben: ich glaubet sölichen treumen ... gar nit Aymon (1535) c 4a; da er einst geträumt hatte, sein halbbruder sei im meere untergegangen, und fest an seine träume glaubte G. Keller ges. w. 2, 106.
c) mit traum als subject; der traum bedeutet etwas:

nû hât si mir bescheiden,
waz der troum bediute
Walther v. d. Vogelweide 94, 12.

könig, diss alles bedeut dein traum
Hans Sachs 16, 156 lit. ver.;

wiszt ihr denn nicht, dasz träume gerade das gegentheil bedeuten? Lenz ges. schr. 1, 50 Tieck; träume kommen ja aus dem bauch und träume bedeuten nichts Schiller 2, 177 G.; der traum wird erfüllt:

liebe, sprach er, dîn troum irgê dir ze heile kaiserchron. 1373 Schröder;

er wil uns nicht mê sament lân.
iuwer troum wil sich enden,
mîn vater wil mich senden
an der stunt ze Montôre
Konrad Fleck Flore 1117 Sommer;

mein traum ist glückselig vor sich gangen und war worden engl. kom. u. trag. (1624) H h 8a; da gehet mir mein traum aus Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1117c; Adelung 4, 655; dein traum ... geht eines theils in erfüllung Klinger 3, 91;

dasz die träume selber sich,
wenn du sie erzählst, erfüllen
Müllner dram. w. 1, 9;

meine träume treffen ein ebda 1, 8.

andrerseits der traum lügt und trügt:

troume hânt mir vil gelogenunz her alle mîne tage
und im slâfe mich betrogen
bruder Wernher in
v. d. Hagen minnesinger 3, 14a;

swie doch die troume triegent
und an wârheit liegent
Hugo v. Langenstein Martina 136, 5;

vgl. bei Röthe Reinmar von Zweter 615 anm. zu 179, 6;

... in betrouc der troum als er noch manegem tuot
Reinmar v. Zweter 179, 6 R.;

der traum betrügt Göckingk 1, 241; vgl. K. Schulze bibl. sprichw. 123;

wie eine zarte braut erwacht ...
ob irgend sie dabei ein süszer traum betrogen
Gottsched ged. (1751) 1, 36;

träume täuschen J. G. Pfranger mönch v. Libanon 41 Wendt; ein teuschender traum Voss Il. 2, 6. auszerhalb solcher festen verknüpfung:

... glaubst du nicht,
dasz träume dann und wann der zukunft uns belehren?
Wieland (1796) 22, 131;

und ging ein lamm mir in den wüsten bergen
verloren, immer zeigte mirs der traum
Schiller 13, 217 G.;

[Bd. 21, Sp. 1443]


eine edeljungfer, die ein traum kurz vorher warnete br. Grimm dtsche sag. 1, 87.
3) durch, z. t. synonymische, zusammenstellung mit substantiven: z dem gaben im auch hoffnung, sein trm und nchtliche gesichten Hier. Boner Herodian (1532) 20a; ich weiz nicht, obs durch einen traum oder sonsten durch ein gesichte mag geschehen seyn Prätorius Blockesberges verrichtung 13; auss den traumen und weissagungen Xylander Polybius 402; das ganze gebiet der ahnungen, träume, des hellsehens Fr. Th. Vischer ästhetik 2, 205; so fest wurzelt der glaube an ahnungen, an vorbedeutende träume u. dgl. noch immer Bavaria 1, 1, 319 (1860); obgleich sie ... einen blick in die zukunft ... durch ahndungen und träume gewährt glaubten Niebuhr röm. gesch. 1, 93. doch auch: können sie (die teufel) unsern verstand und sinn durch fantaseyen und traum wunderbarlicher weisz betrüben und verwirren Äg. Albertinus Lucifers kgr. 14 nat.-lit.; die einbildung und der traum, dann sie beide haben zu schaffen mit unnützen bildern der dinge Nigrinus v. zäuberern 120; die verwünschte aufmerksamkeit auf träume ... man wird selbst zum traum, ... wenn man sich ernstlich mit diesen phantomen beschäftigt Göthe br. IV 9, 69 W. in dieser negativen wertung besonders in sprichwörtern und redensarten: träume seint lügen sprichw., sch. w. klugreden (1548) 111a;

träume sind ja lauter lügen,
so die leute nur betrügen
J. G. Schmidt gestrieg. rockenphilos. (1705) 254;

habt, fraw, nun gten mt;
wann trämb das sein trüg!
Hätzlerin liederb. 126b;

man spricht wol ... träume sind triege M. Möller erklär. u. betracht. (1729) 113a; vgl. DWB en draum is en droog (westfäl.) bei C. Schulze bibl. sprichw. 123; Woeste westfäl. 59; Schiller-Lübben mnd. 1, 581a; träume sind schäume Binder 196; Novalis 4, 57 M. u. sehr oft; was redest du von träumen, träume sind schäume und lügen br. Grimm dtsche sagen 1, 149; in der Schweiz: träume sind fäume Kirchhofer schw. sprichw. 342; im Elsasz: e traum isch e laum Martin-Lienhart 1, 586. träume sind nichts Luther bei C. Schulze bibl. spr. 123;

und bild ich mir noch ein, dasz träume nichts als tand?
A. Gryphius lyr. ged. 531 Palm;

wo viele träume sind, da ist eitelkeit und viele worte C. Schulze bibl. sprichw. 123;

sun al die tröume sint ein wint,
die mir noch getroumet sint meier Helmbrecht 617.


D. mit bestimmung der structur, und zwar
1) als bildhaft-begrenzt, s. auch DWB E 2; vgl. begriffsbestimmungen wie: somnium ein traum, ein gesicht, so einem im traum fürkompt Megiserus 2, 535;

träum sind nichts anders, wie wir lesen,
denn ein bloses bild on alles wesen
Hans Sachs 19, 144 G.;

träume ... bilder ohne wesen, welche im schlafe durch die imagination entstehen allg. haushaltlex. (1749) 3, 531. vor allem durch den verbalen ausdruck: hleitar ... diu in traume ... keaugit uuard (apparuit) Benedictinerregel cap. 7; dem sy einen iren traume, der ir des nachtes in dem schlaf erschinen was, saget Arigo dec. 281 Keller; ich schlief erst spät ein und habe viele unruhige träume gehabt, bis zuletzt ein anmutiger traum mir erschien Novalis schr. 4, 57 M.;

dâ gesach ich einen troum
Walther v. d. Vogelweide 94, 31 L.;

ebenso gen. u. exod. 1, 83, 2 Diemer; und es geschach, daz er sach ein traume erste dtsche bibel 3, 169, 8 lit. ver.;

einen bösen traum hab ich heunt gesehen
Jac. Ayrer dramen 1823 lit. ver.;

ich sach durch den traume erste dtsche bibel 3, 169, 19 lit. ver.; auszerhalb solcher feststehenden fügungen: also do Paris ... eyn gesicht im troum hat Judas Nazarei v. alten u.

[Bd. 21, Sp. 1444]


neuen gott 6 ndr.; do bei sy wol ires traumes gesicht klärlich vernam Arigo dec. 279 Keller; sondern vermeinte, dieser augenlust würde mir vielleicht nur durch einen traum vorgestellt Grimmelshausen 2, 400, 12 Keller; vgl. noch:

der traum verschwand — ich wurde wach
und dachte diesem bilde nach
C. Stieler geharnschte Venus 58 ndr.;

das ist ein schöner traum,
doch ists ein traumbild eben
Geibel 3, 18.


2) als complex, chaotisch, unruhig bewegt; entsprechend definiert: mich dünkt der traum eine schutzwehr gegen die regelmäszigkeit und gewöhnlichkeit des lebens, eine freie erholung der gebundenen phantasie, wo sie alle bilder des lebens durcheinander wirft ... Novalis schr. 4, 58 M.; durch das beigefügte adj.: wilde tröume Konrad v. Würzburg Troj. 19261 lit. ver.; dunkele, undeutige, verwirrte träume Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1117c; traum ... warum er unordentlich Chr. Wolff vern. ged. v. gott, v. d. welt (1720) register; nichts soll mich mehr an Leipzig erinnern als ein ungestümer traum Göthe IV 1, 220 W.; ist nicht jeder, auch der verworrenste traum, eine wunderliche erscheinung Novalis 4, 58 M.; ein bunter traum Wieland w. I 1, 18 akad.; so noch wirre tr., wüste tr. u. ähnl. durch den metaphorischen ausdruck:

... ich wuszte nicht
im spiel des traumes, dasz sie mir gestorben war
Geibel 3, 234;

vgl. noch:

auf meinen wimpern lag der jugend schlaf,
doch ruhig nicht, mein traum war wie im fieber
A. v. Droste-Hülshoff 2, 94.


3) als flüchtig, leicht, zart; vor allem mit hilfe des bildlichen ausdrucks:

o verweht,
süsze träume! das erwachen
ist ja schöner als der traum
Houwald leuchtturm 750 Minor;

und in der süszen angst zerplatzte der schöne traum
Wieland (1796) 22, 191;

und hört es immer, als der traum zerrann
A. v. Droste-Hülshoff 2, 94;

kein traum von täuschender hoffnung schwebte ihm mehr vor (im festen schlafe) Moritz Anton Reiser (1785) 4, 376; vgl.: des traumes flügel Geibel 1, 45;

jeder halm wiegt einen traum
Bettine v. Arnim Cl. Brentanos frühl. 49;

vgl. noch die belege s. v. morgentraum teil 6, 2585.
4) romantische naturbelebung stattet den traum mit tätigkeiten aus, die sich z. t. aus seinen structureigentümlichkeiten ableiten:

als die wunderbarsten träume
morgenröthlich mich umtanzt
Göthe 4, 101 W.;

wenn die sterne der nacht lauschend heruntersehn,
träume flattern
Schiller 1, 40 G.;

seine miene war die eines schlafenden, den ein süszer traum in sanfte entzückungen wiegt Pfeffel pros. vers. 5, 22;

er ist entschlummert, doch ein süszer traum
umzieht sein haupt mit lieblichen gesichten
A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 339 Sch.;

welche albernheiten schwatzt nicht ein zwischen wachen und schlafen hin und her schwankender traum! Holtei erz. schr. 3, 43;

schlaf umschlieszt mich,
traum umtönt mich
Fouqué held d. nord. 1, 51.


E. traum als vorgang oder zustand in präpositionalen fügungen; meist im traum. auf biblischer grundlage schon ahd.: truhtines engil in troume araugta sih imo inti quad (in somnis apparuit) Tat. 5, 8 Siev.; 8, 8; 9, 1 u. ö., vgl. unten 2; kundt er (der engel) imo in droume Otfried I 8, 20; I 17, 74.

[Bd. 21, Sp. 1445]



1) ein erleben, tun, leiden umfassend:

do ich so wünneclîche
was in troume rîche,
dô taget ez unde muos ich wachen
Walther v. d. Vogelweide 75, 23;

im traum het si von ihm erlieden
gar vil
H. Sachs 1, 311 Keller;

als einer der im traum grosz reichthumb besessen theatr. amoris 194; es geht mir dabei, wie es einem im traum zu gehn pflegt Göthe IV 9, 119 W.; und meine phantasie erinnerte mich an die merkwürdigkeit, dasz sie (die hypothese) mir im traume aufgestoszen war Bahrdt gesch. s. lebens 2, 71. das tätigsein des geistes stärker betonend: von den ... gesetzen, welche ... ein ... hyperpatriot ... im traum gemacht zu haben schien E. M. Arndt 1, 189 R.-M.; im traume muszte sich das gepreszte herz bisweilen luft machen Holtei erz. schr. 5, 144. im tr. versetzt werden u. ähnl.:

auf diese flur, unendlich an genusz,
versetzte mich im traum mein genius
J. Fr. Löwen schr. (1765) 1, 77;

jüngst im traum ward ich getragen
über fremdes heideland
Mörike w. (1905) 1, 26 Göschen;

plural weit seltener: und finden wir nicht in den träumen, wo die sinne ruhen, in uns eine verborgene ganz wunderbare kraft J. A. Cramer d. nord. aufseher 1, 74; die tugenden, welche wir in den träumen der letzten nacht an land und leuten ... ausgeübt hatten Cl. Brentano ges. schr. 5, 9.
2) insbesondere bildhafte eindrücke beschreibend: vgl. oben unter D 1; vor allem in festen wendungen: einem kommt etwas im traume vor u. ähnl.:

nu tt is goume
wie mir chom in trme,
daz wir alle giengen Wiener genesis 3495 Dollmayr; ebda 4039;

swem er quæme in sînem troum
(var.: swem er fur kem in dem tröm hs. m)
Stricker Daniel 420 Rosenhagen;

vor nit langer zeit ist im Phalaris in einem traum vorkomen U. v. Hutten opera 4, 5 Böcking;

mann sagt, was einer denckt bey tag,
dasselb desz nachts eim leichtlich mag
im traum vorkommen so scheinbar,
als seh man es vor augen klar
Spangenberg anbindbriefe (1623) l 4b;

mir was hinacht vor in einem trome, daz ein junger himelscher knab stunde in diner lade H. Seuse dt. schr. 113 Bihlm.; mir kam ein gesicht in traumes schlaff Pfarrer von Kalenberg 59 ndr. in moderner ausdrucksweise gern vergleichend: so beinah ist sie mir diese nacht im traum vorgekommen Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 9; doch meist als ausdruck der ungewiszheit: im traum war es ihm einst vorgekommen, als stosze ihm ein hirsch ... sein geweih in den leib Ranke sämtl. w. 9, 108. einem erscheint etwas im tr.: die irem man nicht gelauben wolt, als im von ir in einem troum erschinen was Arigo dec. 573 Keller; beiden ists im traum erschienen Müllner dram. w. 1, 67; für gewöhnlich von gestalten, also vor allem menschen: erschein im in einem traum ein frauwenbild Stumpf Schweizerchr. (1606) 150a; zunächst erscheint ihm ... der engel im traum Göthe I 24, 15 W.; ... weil ihr sonst ... die furchtbarsten gespenster im traume erscheinen würden Langbein sämmtl. schr. 21, 50. im tr. zu jem. kommen u. ähnl.: aber gott kam zu Abimelech des nachts im troum Züricher bibel (1531) 1. Mose 20, 3; der alte war mir nicht mehr so beschwerlich, aber er kam manchmal im traume zu mir Göthe I 43, 246 W.; vergleichbar:

kommt noch oft, und stellt sie mir,
so wie jüngst, im traume für
Gottsched ged. (1751) 1, 233.

etwas im tr. sehen u. ähnl.: somnorinus dasz einer im traum sihet Er. Alberus dict. (1540) x 4v; im traum ersehen Moscherosch gesichte (1650) 1, 187; sie haben

[Bd. 21, Sp. 1446]


von ihm ... ein gesicht im traum und schlaff gesehen Moscherosch insomnis cura par. 118 ndr.;

wenn dein haupt zu meinen füszen
rollt, wie ichs im traume sah
Müllner dram. w. 1, 72;

wasz nemblich ich erblicket
zuvor in schwärem traum
Spee trutznachtig. (1619) 46;

sie werden jammern, in der nächte graun
im traum uns schaun
Uhland 1, 124.

auch mit plural:

diesz ist ja die gestalt der Cypria,
die ich bey nacht in träumen sah
Gerstenberg recensionen 83 lit.-denkm.;


3) das traumgeschehen greift in die wirklichkeit über; besonders im traume sprechen, reden u. ähnl., s. Adelung lehrgeb. 2, 168; vgl. auch II A 1 e β sowie III 7, ferner traumrede, f., und traumreden, vb. weniger formelhaft:

einmal im traume rief sie laut:
ach, Heinrich, sieh mich leiden!
Herder 25, 167 S.;

... träumte ihr ... so klar und deutlich, dasz sie im traume sagte: ach es ist wahrheit, es ist kein traum Cl. Brentano ges. schr. 5, 52; so projizieren die romantiker gern gewisse naturvorgänge wegen ihrer structurverwandtschaft auf ein traumgeschehen zurück:

im traum die wipfel weben
Geibel ged. (1850) 18;

im traume lächelnd scheint der mond zu beben
A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 110;

und in träumen rauschts der hain
Eichendorff sämtl. w. 1, 501.


4) ohne inhaltliche bestimmung: im traum liegen u. ähnl.: vergangne nacht lag ich in einem traum, und daucht, dasz unser rosz Beyart gar sehr verwundt war P. v. d. Aelst Heymonskinder 118 Pfaff; sie haben mir eine wochenschrift 'der vernünftige träumer' zugeschickt ... ich bildete mir ein, ich läg selbst im traum, so ermüdete mich seine erzählung Gottschedin br. 1, 49; im nd.: he ligt im drüdden droom er schläft sehr fest Schütze holst. idiot. 1, 259; auch im plural:

mein liebst die liegt in schwren trumen Venusgärtl. 11, 1 ndr.


so auch leicht synonym mit schlaf, indem im bedeutungsinhalt von traum von einem tätigsein des geistes immer weniger zu spüren ist; vgl. II C 2 und teil 9, 265 u. 267 ff.: so lag er zwischen traum und wachen Storm w. (1900) 1, 100; das erstaunen des mannes, der sich noch halb im traume unter den über ihm liegenden mobilien hervorarbeitete, vermehrte das lächerliche der scene Pückler briefw. u. tageb. 2, 40;

nun seid ihr längst versunken
in schlaf und tiefen traum
Hebbel w. 6, 228 Werner;

er ruht, versenkt im tiefen traume,
am fusz des altars wie auf flaume
Fr. Rückert w. 3, 24;

und sanck in einen traum gar tieff
Neumark fortgepfl. mus.-poet. lustw. 449;

und so schlosz er unwillkürlich die augen
und fiel in traum und vergessen
Fontane ges. w. I 5, 102;

dort will ich ... dich in traum singen Eichendorff sämtl. w. 2, 478;

endlich erwacht ich vom traum
Voss s. ged. 3, 107;

wo ... Deutschland nach einem langen traum ... erwachte E. M. Arndt sämtl. w. 1, 43 R.-M.; das hiesze einen nachtwandler aus seinem traum aufrufen Alexis ruhe ist d. erste bürgerpfl. 1, 70;

horcht! vor diesem glanze fahren
auch die vögel aus dem traum
Hebbel w. 6, 219 Werner.


5) im traum fictiv gesetzt, einen gesteigerten, auszerordentlichen vorgang oder zustand enthaltend; meist in verschiedenen festen wendungen, die traum stark sinnentleert

[Bd. 21, Sp. 1447]


zeigen, so dasz bei ihrer anwendung die schlafsituation nicht mehr deutlich fixiert wird.
a) negativ gerichtet: endlich erschien Lorenzo Bernini in der welt, ein mann von groszem talent und geiste, aber dem die grazie nicht einmal im traume erschienen ist Winckelmann 1, 265; ich habe mehr erlangt als ich verdiene, und als ich im traum mir bilden können derselbe bei Justi Winckelmann 2, 25;

würd er selbes auch im traume kaum berühren
Denis lied. Sineds d. barden (1772) 68, 3.

vor allem in der redensart einem fällt etwas (nicht) im traume ein u. ä.; vgl. sich etwas nicht träumen lassen ..., stets mit dem sinn einer verneinung entweder als ausdruck der verwunderung, da die tageswirklichkeit der traumwirklichkeit an seltsamkeit überlegen erscheint, oder der ablehnung einer sache, die nicht einmal im traume denkbar erscheint: wäre mirs aber auch nur im traume eingefallen, dasz Junker noch einen so ernsten vertreter gegen meine ... beschuldigung finden würde Gottsched d. neueste (1751) 4, 387; wer hätte sich diesen einen umstand nur im traum sollen einfallen lassen? Gerstenberg recensionen 75 lit.-denkm.; daher fällt es uns auch nicht im traume ein, mit unserm sittlichen urteil an sie heranzutreten O. Ludwig ges. schr. 5, 384; 't fällt mer net am dram an daran denke ich gar nicht luxemb. ma. 68; dat soll mi im drôme nitt infallen Woeste westfäl. 59. seltener: man trug eine absicht in seine schrift, die ihm nicht im traume beigefallen war H. P. Sturz schr. (1779) 1, 76; so dasz es mir endlich nicht im traume beigekommen wäre, dasz ich einmal ... zu diesem manne unterwegs sein würde A. Stifter s. w. 3, 194. ferner: im traume etwas (nicht) glauben, denken, ahnen, für möglich halten u. s. w.:

des geloubte ich nicht in einem troume
Hugo v. Trimberg renner 17010 Ehrism.;

(eine solche theologie), welcher die aller berumptisten lerer der christenheytt auch nit im traum gedacht haben Luther urtheil d. theol. 51 ndr.; aber erst in neuerer sprache häufig:

wer hätte
auch nur im traum geahndet und gedacht ...
dasz wir in solcher pracht sie würden schauen?
Schiller 13, 296 G.;

ich denke nämlich nicht im traum daran, mich zu schlagen Schnitzler ges. w. (1901) I 1, 308.
b) einem kommt etwas im traum u. ähnl., d. h. einem kommt etwas von selbst, mühelos; auf der vorstellung beruhend, dasz das traumgeschehen für die wirklichkeit, insbesondere die zukünftige, von bedeutung sei, in ihr sich fortsetze:

swer ze guote wirt geborn,
dem kumt bi troume in slâfe guot
Marner 15, 8;

tugent kömmt im traume nicht.
wachen, streben, laufen, kämpfen ...
dieses ists, was palmen bricht
Gottsched ged. (1751) 1, 209;

was der denker mühsam faszt,
dem dichter wirds im traum
O. Ludwig (1892) 1, 67;

jahre lang bildet der meister und kann sich nimmer genug thun,
dem genialen geschlecht wird es im traum bescheert!
Göthe I 5, 253 W.;

vergleichbar: ich möchte nicht gelehrt seyn, und wenn ich es im traume werden könnte Lessing 16, 535 L.-M.
F. traum als vergleich; in verschiedenen gebrauchsweisen seit dem mhd. in gehobener sprache, besonders nach romantischem geschmack, sehr verbreitet.
1) wie ein traum sein oder sich verhalten; von gegenständlichen und zuständlichen erscheinungen der geistigen und körperlichen wirklichkeit; die verschiedenen näheren bestimmungen über gefühlswert, verhältnis zur wirklichkeit und structur verbinden sich miteinander, oft innerhalb derselben festen redensart. schon mhd. üblich (s. unter c).
a) als ausdruck des unwahrscheinlichen, unglaubhaften: etwas kommt, schwebt einem vor, ist, scheint, erscheint

[Bd. 21, Sp. 1448]


einem wie ein traum: es kam mir vor, war mir als wie ein traum Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1117c; und dann müsse die erinnerung überstandener leiden ihnen wie ein verscheuchter traum vorkommen Knigge rom. m. leb. 1, 257; oft kam ihm die geschichte wie ein traum vor Göthe I 22, 58 W.; diese himmlische gestalt ... kam mir jetzt wie ein traum vor I 24, 29 W.; mein leben däucht mir als ein traum, den ich geträumt habe Geibel 2, 29; das vergangene schwebt ihm nur wie ein traum vor jahrb. d. Grillparzerges. 1, 215; der umgebung des kaisers war es wie ein traum Ranke w. 4, 329;

die liebe zog vorüber,
dem knaben wars wie traum
W. Müller ged. 169 Hatfield;

wer schaut hinab von diesem hohen raum
ins weite reich, ihm scheints ein schwerer traum
Göthe I 15, 10 W.;

da erschien ihm alles wie ein wüster traum und wie ein betrug um das leben G. Keller 4, 13; selten im plural: schauplätze von festen, die, gedenkt man ihrer in jetziger zeit, einem nur wie bunte träume erscheinen Kerner bilderb. 3; vgl. noch:

vorüber der hasz wie ein blutiger traum
und alle frei und gleich!
G. Kinkel ged. (1868) 2, 33.


b) als ausdruck des unwirklichen, verschleierten: jede thätigkeit, die gesamte auszenwelt, glich einem traum W. v. Polenz Grabenhäger 2, 201;

wie ein verwirklichter traum begrüszt dich das bunte Venedig
Hebbel w. 6, 337 Werner;

sie sah in die welt wie in einen traum Fontane ges. w. I 1, 95; übertragen: selbst wie ein traum der sonne, lag er (der mond) über der in sich gekehrten traumwelt Novalis 4, 128 Minor; die nuancierung gelegentlich durch adjectiv oder verb unterstrichen:

sieh her, da bebts aus dunklem hain hervor,
blasz wie ein traum mit ungewissem tritte
A. v. Droste-Hülshoff 2, 320 Sch.;

(gebirge, welches) vor uns lag ..., aber so fern wie ein traum G. Keller ges. w. 1, 196; es gibt solche herbsttage, in denen es ruhig auf feld und wäldern spinnt, wie ein traum A. Stifter 2, 332; von dichtungen, dann aber im plural und mehr mit dem tertium comparationis des bildhaft-verworrenen, zusammenhanglosen: genug von Ariosts phantasien, die gewisz eher den träumen eines kranken, ... als der vernünftigen dichtung eines poeten ähnlich sehen Gottsched crit. dichtk. (1751) 211; träumen ähnlich sind die dichtungen der späteren Griechen Niebuhr röm. gesch. 1, 149; vgl.: in der stillen morgenluft stiegen die bilder der dichtung wie träume in mir auf Storm w. (1899) 1, 50.
c) als ausdruck des nichtigen, vergänglichen, flüchtigen:
α) gegeben durch den häufig bildlichen sinn des verbums; z. t. in festen wendungen: wie ein traum dahinfahren, dahingehen, verfliehen u. ähnl.:

sîn lop zergât alsam der troun,
der blinden troumet umb ir sehen Reinfried 368 Bartsch;

o gott, wie ist es alles als ein troum
schnelliglich da hin fúr gefarn der ew. wiszheit betbüchl. (1518) 18b;

ehe mans versicht, kömpt ihre stund,
und seind nicht mehr fúrhanden,
gehn wie ein trawm gar schnell dahin
Ringwaldt handbüchl. b 3b;

die erste glückseligkeit vergieng wie ein traum M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 1, 196; dieses jahr ist mir wie ein traum vorübergegangen Göthe IV 8, 284 W.;

die frohe zeit verfloh, wie ein vergnügter traum
v. Kronegk schr. (1766) 2, 12;

so ist denn mein glück wie ein traum dahingeflohen? Ramler einl. in d. schön. wissensch. (1758) 1, 360; als die zeit ... mit ihrem schrecklichen ende wie ein verwehter traum ihnen entfloh O. Peschel völkerk. 306; häufig wie ein traum verschwinden; vgl. im mhd.:

[Bd. 21, Sp. 1449]


dîn lôn ist als ein rîcher troum,
der nâch dem slâfe swindet minnesinger 2, 233b v. d. Hagen;

so wird der tolle wahn verschwinden wie ein traum
J. Rachel satyr. ged. 94;

ferner:

o, wenn noch stets bei ihr ich dieser zeit genossen,
die schneller als ein traum, und wie ein strom verflossen!
v. Besser schr. 2, 380;

ihr glück war zu grosz, als dasz sie nicht hie und da die furcht hätte anwandeln sollen, es möchte wie ein traum zerflieszen M. Meyr erz. aus d. Ries (1868) 1, 163; allein diese groszen aussichten zerrannen wie ein traum Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 5, 27; unter weniger geläufigem bilde: wo ist er? er wirt nit funden als der hinfliegent traume erste deutsche bibel 7, 189 lit. ver.;

und wie die schifflein auff dem meer
bei gutem wind hinschieszen
gleich wie ein schlaf und traum bei nacht
P. Gerhardt lieder bei
Fischer-Tümpel 3, 440;

ich weisz nur, dasz der welt getümmel
seitdem mir wie ein traum verweht
Novalis schr. 1, 86 M.

wie ein traum betrügen: systeme, die von fern ins auge fallen, aber, bei näherer untersuchung, uns wie ein traum mit falschen erscheinungen betrügen G. Forster sämtl. schr. (1843) 1, 9.
β) gegeben durch den charakter des verglichenen: etwas ist wie ein traum u. ähnl.: ... ob ez nit allez alz ein traum gewesen, damit euch nach eurem düncken hievor so wol gewesen ist bei G. Steinhausen privatbr. d. mittelalt. 2, 6; die ere der welt ist als der lufft und die lustperlichen ding des leibs als ein tram d. buch d. himl. offenb. d. hl. Birgitte (1502) O 6a;

auch was sich endt und was entweicht,
würt wol behalten traym vergleicht
J. v. Schwarzenberg d. teutsch. Cicero 151;

betrachten sie jene begebenheit für das luftgebilde eines traumes Bauernfeld ges. schr. 2, 79; mit sinnverstärkendem adj.: wie vergangenheit und zukunft ... so nichtig als irgend ein traum sind A. Schopenhauer w. 1, 38 Grisebach; auch in mundarten: et was as een droom es verging gar zu bald Dähnert pomm.-rüg. 89; etwas wie einen traum vergessen: die ganze beschwerlichkeit des tags war vergessen wie ein traum Göthe IV 1, 236 W.;

dasz deine brust ihr grämen
wie einen traum vergiszt
Geibel 2, 15.


2) wie (als) im traum sein, etwas tun oder erleben von vorgängen und zuständen als ausdruck des entrücktseins aus der gegenwärtigen wirklichkeit. gelegentlich mit neigung zur formelhaftigkeit.
a) wie im traum sein u. ähnl.; vgl. mhd.:

ir manegen dûhte er wære in einem troume jg. Titurel 1752;

sie (anrede) empfinden meine verwirrung, meine verlegenheit, ich bin noch immer wie im traume Göthe I 24, 165 W.; so bin ich erst recht erlöst, mir ist gewesen, wie in einem traume kinder- u. hausmärchen 2, 15; Johannes befand sich wie in einem traume, so wunderbar ging ihm alles durch den kopf G. Keller 6, 53; s kümt mer für wie am trome Mich. Robinson sprüchw. (1726) 34; vgl. Rother 127.
b) wie im traum stehen, gehen, liegen, sitzen u. ähnl.: die prinzessin stund inzwischen als in einem traum, und konnte sich nicht einbilden, dasz einiger mensch gütiger als ein vater sein solte Ziegler asiat. Banise 635;

hielt ihn mit festem arm umwunden,
stand, als im traum
Hölty ged. 4 Halm;

weil wir im leben ... als in einem traum herumb gangen Moscherosch ins. cura par. 134 ndr.; der verdutzt über alles, was er gesehen und gehört hatte, wie im traume neben ihm hergieng Hebbel w. 8, 139 Wern.; er lag als im traume Zesen adr. Rosemund 12 ndr.; Sylvie sasz nicht anders als in einem traume Chr. Weise klüg. leute (1675) 354; wie im traum eines traumes erhob sie sich G. Keller 6, 384; also verfiel das sprichwort in tiefen schlaf, in

[Bd. 21, Sp. 1450]


welchem es sich nur noch einzeln und wie im traume vernehmen liesz W. Körte sprichw. xxvii; kurz vor seinem tode hat er noch einmal ganz leise gezwitschert und gesungen wie im traum H. Seidel Leberecht Hühnchen 66; Therese reicht mir die ihrige (hand) von ferne, wie im traume Göthe I 24, 189 W.;

er nickt als wie im traume
Rückert 1, 109.


c) wie im traum etwas oder jem. hören, vernehmen, fühlen u. ähnl.: ... dasz ich den gebrauch meiner sinne verlor, bis ich, wie im traume, Gaddo reden hörte Gerstenberg Ugol. 245 nat.-lit.; hie und da rief mich eine bekannte stimme, das hörte ich fern wie im traume O. Ludwig 2, 405;

fühl ich wie in halben träumen
meinen nacken sanft umfangen
O. Ludwig 1, 85;

wie im traum
der greis vernimmt die laute kaum
A. v. Droste-Hülshoff 2, 53;

vgl. oben E 3.
d) wie aus einem traum erwachen, emporfahren u. ähnl.: es war mir als wenn ich träumte, und dann gleich wieder, als ob ich aus einem traume erwachte Göthe I 24, 29 W.; da erwachten sie wie aus einem traume und empfahlen sich M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 52; nun aber fährt sie schaudernd wie aus einem traum empor Mörike 3, 81 Göschen; erst als (sie) sich wie von einem traume, der sich doch nicht festhalten liesz, wieder aufrichtete, sagte sie ... Fontane I 5, 148.
II. traum im wachzustand.
die verschiedenen bedeutungen stellen sich dar als erweiterungen der eigentlichen bedeutung durch vernachlässigung der vorstellung einer schlafsituation unter anknüpfung an ein bestimmtes merkmal des schlaftraumes; die hervortretenden bedeutungsbestandteile sind die des nichtigen (A), des zukunftweisenden (B), des phantasievollen (C) und des chaotischen (D). doch ergibt sich eine complizierung der bedeutungsunterscheidung daraus, dasz häufig mehrere elementeneben den genannten auch noch andere wie z. b. die des schönen, unbestimmten, bedrückendenzusammenwirken.
A. traum als nichtige einbildung.
wohl die älteste der bedeutungserweiterungen; vgl. mhd. wb. 3, 118 sowie Lexer 2, 1531; besondere beispiele s. u. A 1 c, e u. f, sowie A 2 a u. b; noch im 16. jh. sind belege, die den negativen accent deutlich zurücktreten lassen, auszerordentlich selten.
1) traum bezeichnet falsche vorstellungen und gedanken über dinge und verhältnisse der wirklichkeit.
a) selbsttäuschung der art, wie sie der schlaftraum mit sich bringt. dabei bezieht sich die bezeichnung traum zunächst noch durchweg auf den schlafzustand, indem eine situation der wirklichkeit vom subject als unwirklich gedeutet wird. in jüngerer sprache geht dann traum auf eine angenommene wirklichkeit selbst über. gern in sätzen, die von einem verbum des wähnens oder fürchtens abhängen: und ob im gleich dünket, das ein trawm sey odder von einem trawm trewmet, dennoch ist er gefangen, das er nicht seiner sinne gewaltig ist Luther 32, 446 W.; die ... alles nur für einen traum hielten Spee tugendbuch (1649) 55; Klärchen hielt wachend das spiel für traum Klinger 3, 107; und er meinte, ... alles, was er erlebt, sei nur ein traum gewesen A. v. Arnim 1, 279 Grimm; er sasz da, als ob er sich fürchtete, dasz alles ... ein bloszer traum seyn möchte Pfeffel pros. vers (1810) 2, 167; mit demselben zweifel gegenüber der selbsttäuschung in fragesätzen:

ihr götter! ists ein traum?
Ramler lyr. ged. (1772) 298;

ob traum, ob wirklichkeit, das fragt sich hier
A. v. Droste-Hülshoff w. (1879) 2, 112.

im übrigen erscheint solcher zweifel als beseitigt: wie gern überredte ich mich, dasz alles ein traum sei! Lessing 2, 355 L.-M.; ja! es ist wahr, ... es war kein traum, es ist

[Bd. 21, Sp. 1451]


wirklich! Göthe I 23, 279 W. der trauminhalt umfaszt meistens eine gesamtheit von eindrücken: alles, es; vgl. aber:

ich glaubte mich geliebt und fand mein glück darin.
es war ein traum
Wieland (1796) 22, 299;

meine glückseligkeit ist traum Schiller 1, 77 G. ob die selbsttäuschung lustvoll ist oder nicht, bleibt ohne einflusz auf die stärke des negativen accents:

nun komm und sprich mir kalt:
es war ein traum! wie schal, wie leer und tot ist neben
so einem traum mein vorigs ganzes leben!
Wieland Oberon 4, 7;

ich wünschte, dasz ich märchen nur erzählte
und sagen dürfte: alles war ein traum!
Schiller 13, 353 G.;

dagegen unterstreicht ihn gelegentlich ein adj.:

es dünckt mich deine lust ein bloszer traum zu sein
Hoffmannswaldau ged. (1697) 2, 148;

... dasz alles, was ich gesehen und empfunden, ein bloszes werck der imagination und ein falscher traum gewesen disc. d. mahlern (1721) 2, 8, oder eine adv. partikel, vor allem nur: bin ich so glücklich? oder ists nur ein traum? Lenz ges. schr. 1, 80 Tieck, oder das verb: täuscht mich ein traum? S. Geszner w. (1778) 2, 29; ha, ist dies die sprache der geister, so verschwindet mein traum, ich bin getäuscht Klinger 3, 56, oder auch die synonymik: es ist unglaublich, es ist ein traum, eine täuschung Schiller 2, 46 G.; alles andere ist wahn, ist illusion, ist traum Pückler briefw. (1873) 1, 268; vgl. noch die hervorkehrung des zuständlichen moments: denn er ist viel gewisser seiner tauffe durch der christen zeugnis, denn ob er sie selber gesehen hette, weil der teufel leichtlich ihn kund irre machen im kopf, das er dechte, er were im traum oder gespenst und nicht recht getauft Luther 26, 153 W.
b) besonders selbsttäuschung auf grund eines unechten sinneseindrucks: was für bilder, was für schreckliche bilder schwärmten um mich herum! ich wollte sie gern für träume halten Lessing 2, 274 L.-M.; ... aber sie (die gewaltigen der stadt) meinten, es were ein troym gewest (nämlich die erscheinung des hl. Quirinus) und achten des nicht grosz Stolle thür. chron. 78 lit. ver.;

nun ists nicht mehr ein kranker grillentraum,
es ist ein wahres unauslöschlichs bild
Göthe 10, 274 W.;

dabei kann ein den täuschenden eindruck veranlassendes concretum die bezeichnung traum auf sich ziehen: dasz Jacob wuszt, das die stimm ... gottes was, und si nit für ein lychtferigen troum hielt, was nit sines verstandes Zwingli dt. schr. 1, 69;

besorgt, das häuschen möcht, ein traum
vor meinem blick zerrinnen
Lenau sämtl. w. 5 Barthel.


c) nichtiges phantasieproduct, hirngespinst, als spezifische eigenleistung des geistes: meine eigene geschichte ... ist ein augenscheinlicher beweis, dasz alles was man von dem berufenen berggeiste sagt, leere träume sind Musäus volksm. 1, 61 H.; was die scholiasten vorgeben von den langen gesichtern der insel Euböa, sind ungereimte träume Winckelmann w. (1825) 4, 10; auch ohne solche bestimmte angabe des trauminhalts: ez ensin nicht traume (versicherungsformel) könig vom Odenwalde 1, 147 Schröder; deren betrachtungen weiter keinen nutzen hatten, als dasz sie durch ihre träume sich und andere verwirrten A. G. Kästner verm. schr. (1755) 1, 43; dasz dieses keine träume sind, werden wir nach und nach im einzelnen so deutlich als möglich zu zeigen suchen Göthe 47, 22 W.; wegen der unbestimmtheit des inhaltlichen bezuges selten im singular: beweises genug, dasz die physiognomik ein traum ... sey Lavater physiogn. fragm. (1775) 1, 137, vgl. DWB träumer 3 a. die gefühlscomponente ist eher die des lustvollen als des angstvollen und bedrückenden:

ist die welt so schön, wie seine träume?
Schiller 4, 7 Goed.

dagegen:

und plagstu dich mit leeren träumen!
Stoppe Parnasz 37;

[Bd. 21, Sp. 1452]


machen sie sich ... keine so düstre träume zurecht E. M. Arndt 1, 124 M.-R. hinzutretende adjective betonen neben dem inhaltlosen (wie vor allem leer) auch das törichte der mit traum bezeichneten vorstellung: hierauf folgt noch ein weit herzhafterer wahrsager, hr. Kindermann, mit allen seinen lächerlichen träumen, von zerplatzenden welten Gottsched anm. gelehrs. (1751) 1, 521; es ist wahr, hier wird ausdrücklich krummbeiniger träume gedacht Lessing 11, 26 L.-M.; ähnlich die synonymik: sie solche thorheiten und närrischen träumen glaubten Grimmelshausen 4, 602 lit. ver.; deine närrischen träume, deine eitlen einbildungen werden dich bei deinesgleichen zum gegenstande des hohnes machen Holtei erz. schr. 1, 31;

nicht träume sinds und leere wahngesichte,
was von dem volk den dichter unterscheidet
Eichendorff 1, 307.


d) ähnlich, doch inhaltlich näher bestimmt als unglaubwürdige vermutung, annahme, theorie: gegen Clarkes traum von homerischen sinnbildern alter naturphilosophie hatte der wache blick Ernestis ... bemerkt ... J. H. Voss antisymb. (1824) 2, 112; die sehnsucht, über die vielheit der erscheinungen hinweg zu einer einheit vorzudringen, wurde ... durch die romantischen und vorromantischen träume von einem urvolk, einer urreligion, einer ursprache ... genährt W. Scherer kl. schr. 1, 9; der traumgegenstand statt mit von mit über angeschlossen (vgl. I A 3): es sind träume und ahndungen eines groszen mannes über die pflanzen- und tierwelt A. v. Humboldt kosmos (1845) 3, 21. in bezeichnender fester fügung: es ist schwer, sich über gegenstände, die so weit auszer unserem gesichtskreise liegen, urtheile zu erlauben, ohne sich in träumen zu verlieren F. Th. v. Schubert verm. schr. (1823) 2, 180.
weiterhin näher bestimmt als wunschvorstellung, wunschgedanke, ideal, und zwar töricht und nichtig, weil nicht zu verwirklichen: die welt kennen, heiszt ... glauben, dasz kein philosophischer traum darin realisiert werden kann Schleiermacher athenäum 1-2, 105; von zielen menschlichen, insbesondere politischen strebens: und zu diesen enthousiastischen träumen von grösze und wirksamkeit durfte sich nur eine bitterkeit gegen die unidealische welt gesellen Schiller 2, 10 Goed.; wie schade, dasz ein mann von ihren kenntnissen ... nicht einsehen will dasz ... schönheit und ideal einem manne von verstand als ein traum erscheinen musz Göthe I 47, 164 W.; im bunde der natur ist treue kein traum Hölderlin 2, 193 L.; auch ist die freiheit kein leerer traum und kein wüster wahn E. M. Arndt 1, 271 R.-M.; dort, wenn sie nicht überhaupt ein traum ist, lebt die rechte deutschheit ebda 2, 50; vgl. II B 1 a. von hohen begriffen:

und der begriff von gott scheint ihm ein stolzer traum
Lichtwer recht d. vernunft (1758) 4, 83;

ohne die liebe wäre finsternis gottes name und die unsterblichkeit nichts als ein gespenstischer traum E. M. Arndt 1, 266 R.-M.; seltener von nicht gedanklichen wunschvorstellungen: leider wären aber diese regeln des höchsten anstandes in neuester zeit zu leeren träumen geworden E. Th. A. Hoffmann 10, 168 Grisebach.
e) wahn, irrtum, falscher glaube, selbstbetrug, beruhend auf falscher oder unzureichender erkenntnis der wirklichkeit; nicht nur als bezeichnung des inhalts der gedanken und vorstellungen, sondern auch des zustandes, in welchem der geist solchem selbstbetruge verfällt; in letzterem gebrauch erfährt die nuance 'nichtig' oft stärkere abschwächung.
α) als erscheinung schlechthin: wer kein miszgünstigen hat, und dabei meint, er sei im werth und ansehen, der hat ein bösen traum Lehman flor. pol. 2 (1662) 564; seit sieben monaten hatt ich den seltsamen traum, gräfin von Lavagna zu sein, er ist verflogen Schiller 3, 86 G.; mit subj. und obj. genitiv: er (der glücklich betrogene) lebt vom süszen traum des ... geistigen wahns Herder 15, 309 Suphan;

der stolze trägt nur härtre sklaverei
im traume des verlornen rechtes
Seume ged. (1804) 70;

[Bd. 21, Sp. 1453]


wegen des starken bezugs auf einen bestimmten inhalt selten im plural: wir ... betrügen uns mit unsern träumen, wenn wir uns einbilden, dasz wir durch störung fremder liebe denen liebenden kein unrecht anthun Lohenstein Arminius (1689) 2, 23a. als interjection:

doch morgen? —
kennt sie dich kaum;
nichtiger traum!
Schubart sämmtl. ged. (1825) 3, 74;

traum und wahn! die stille stunde
leise wandelnd, wandelt alles
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 232.

in formelhafter verbindung mit verben: (den) umstand, gegen den ich es umsonst versucht habe, mich in dem süszen traume von einer glücklichen entdeckung zu erhalten Lessing 10, 340 L.-M.; ich wünsche ihn in dem traume zu erhalten, dasz ich vor ihm nie geheimnisz hatte Iffland 6, 101; noch etliche grüne Teutschen under uns ... in dem traum stecken, ... als seien allein dieselbige land (Griechenland u. Rom) voll wunders, weiszheit und kunst gewesen Zinkgref apophthegmata (1628) vorr. 6b. mit aus der schlafsituation abgeleiteter metapher: der teufel erlaubte ihm gern, sich in diesem traume zu wiegen Klinger 3, 258; so wiegte er sich immer tiefer in einen traum hinein, der süszer und lieblicher schien, als alle früheren träume G. Keller 6, 219 (vgl. I E 4 und II B 4).
β) zugleich als zustand, und zwar allgemein der wirklichkeitsferne, im besonderen des irrtums, der geistesabwesenheit, der ungewiszheit:

er ist nun ausgeträumt der prüfung schwerer traum
Wieland (1796) 23, 290.

vor allem in bestimmten, z. t. formelhaften präpositionalen fügungen; schon mhd.:

die gênt in einem tumben troum
Hugo v. Trimberg renner 12071 Ehrism.;

ich sag dirs nit aus einem trom
du muost dich machen hin gen Rom
mit henden und mit füessen
Wittenweiler d. ring 816 Wieszner;

fürwar ich red nit usz eim troum
Joh. Aal tragödia Johannis (Bern 1549) h 5.

wir wollen sonder hohn
so froh als träumende doch nicht im traume sprechen
Chr. Günther ged. (1735) 640;

'träumst du?' — ich werde geliebt. — freilich, du redest im traum
Göthe I 1, 338 W.;

der pöbel lebt im traum, und zeigt in allen rollen,
die seine wahnsucht spielt, was wir belachen sollen
Hagedorn poet. w. (1769) 1, 19.

in ausdrücken, vor allem auch bildhafter art, die mit der schlafsituation in einklang stehen (vgl. I E 4, sowie II C 2):

ich habe
in einem langen, schweren traum gelegen
Schiller 5, 450 G.;

dies manöver brachte uns der küste so nahe, dasz wir in absicht der vermeinten basaltsäulen endlich aus dem traume kamen, es wären nichts anders als bäume J. G. Forster sämtl. schr. (1843) 3, 333; vgl. mundartlich: nu was ik ûtem drôme 'nun war mir die sache klar' Woeste-N. westf. 59; überhaupt besonders das ende jenes zustandes beschreibend: oft kann es auch nützlich sein, dasz durch einen fremden die einheimischen aus einem traume geweckt werden C. F. Nicolai reise d. Deutschland (1783) 1, 14; gott verblendet ihn, so dasz er kochtöpfe statt ihrer (der jungfrauen) umarmt und ... endlich durch seine frau aus dem traume gerissen wird Scherer litteraturgesch. 58.
γ) ebenso in der festen redensart jem. aus dem traum helfen 'jem. aufklären'. in eigentlicher bedeutung 'jem. aufwecken, der schwer träumt' nicht zu belegen trotz Adelung 4 (1780) 1036. traum bezeichnet dabei einen zustand der ungewiszheit, des zweifels, der unwissenheit, seltener des irrtums, des wahns; für gewöhnlich liegt die milderung des negativen accents darin, dasz der geist erst gleichsam in gefahr ist, einem selbstbetrug zu erliegen: ... ging ich zu dem pfarrer ... mit der bitte, er wolle mir doch aus dem traume helfen, damit ich wisse, wovor ich meine

[Bd. 21, Sp. 1454]


mitmenschen halten solle Grimmelshausen 1, 152 Keller; nun sihestu, wie übel der daran ist, der nicht studieret hat ... gleich jetzo du, da dir dein viel erspartes geld gleichwol nicht ausz dem traum helfen kan J. P. de Memel lustige gesellsch. (1656) 27; der an dem zweifelt, dem kan die Wienstadt aus dem traum helfen Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 41; aus diesem traume (d. i. irrtum) müssen sie (anrede) ihm helfen neue schauspiele (1771) 12, 29; und nach und nach hilft uns der werte mann selbst aus dem traume Göthe I 42, 61 W. in heutiger ausdrucksweise ungewöhnlich, doch in vielen maa. gebräuchlich: ik well di ûtem drôme helpen 'ich will dir die sache aufklären, deuten' Woeste-N. westfäl. 59; vgl. auch: Jakob Wiener dial. 194; Schambach Göttingen 47; Rother schles. sprichw. 174; Fischer schwäb. wb. 2, 334.
f) traum als etwas unbestimmtes, unwirkliches; unter bezug auf einen träumenden als unbestimmte vorstellung; in allen formulierungen die feststellung etwas ist ein traum variierend. im unterschied zu a leitet sich diese bedeutung nicht her aus dem zweifel, ob traumwirklichkeit vorliege oder nicht, sondern aus dem bestreben, den wirklichkeitscharakter von geschehnissen, dingen, begriffen und zuständen zu reduzieren, wenn nicht gar auszulöschen. daher liegt die wendung dem vergleich etwas ist wie ein traum (s. I F 1 u. 2) in allen fällen nahe. bereits mhd. in extremem sinn:

sprach Parzival: mirst freude ein troum,
ich trage der riwe swæren soum
Wolfram v. Eschenbach Parz. 461, 1 L.;

vgl. mhd. wb. 3, 118a. stets im singular.
α) allgemein von gegebenheiten der sinnlichen und geistigen wirklichkeit:

das radden ich allen luden glich,
dasz iedermann besinne sich
und losz em det nit sin ein traum Alsfelder passionssp. 18 Greiner;

oft mit umfassender und unbestimmter angabe des trauminhalts: was hat der mensch und jedes wesen mehr als die gegenwart? traum ohne wirklichkeit alles übrige Heinse sämmtl. w. 4, 141 Schüddekopf; wir mögen mit unsrer schätzung herauf oder herabsteigen: wir mögen die vollkommenern geschöpfe der sonne nah oder ihr fern setzen, so bleibt alles ein traum Herder 13, 18 S.; als bezeichnung für einzelne gegebenheiten:

unds (das gotteswort) ieder acht, hatts für ein troum schweiz. sp. d. 16. jh. 3, 306 Bächtold;

das leid anderer ist nur traum Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 43b; von vergangenem: es heiszt die letzte stunde, aber beim licht betrachtet, ... ist es die erste ... was vorherging, war ja doch nur ein traum Holtei erz. schr. 7, 96; von eigenen gemütszuständen:

da war mein jammer nur ein traum,
die welt die beste welt
E. M. Arndt w. 5, 46 R.-M.

die function der entwirklichung wird gelegentlich durch das verb beschrieben: so wandelt sich ihr die gräszliche wirklichkeit in einen schmerzlichen traum O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 150;

die welt wird traum, der traum wird welt
Novalis 4, 207 Minor;

man wird selbst zum traum, zur niete, wenn man sich ernstlich mit diesen phantomen (d. i. mit träumen) beschäftigt Göthe IV 9, 69 W.; vergleichbar:

traum deines frühern glücks, scheinkaiser! herr
im land der einbildung!
Immermann 17, 253 Boxb.

erst auf den jüngeren sprachstufen vermag dieser traum den bedeutungsbestandteil 'schön' hinzuzunehmen:

so ist die ganze herrlichkeit
ein traum von einem kurzen schmause
Stoppe Parnasz (1735) 191;

ein strahlenzeuge,
dasz der erden grösze nur ein traum
Stägemann kriegsges. (1813) 79.

der bezug auf einen träumenden vermag ganz wegzufallen:

[Bd. 21, Sp. 1455]


o lieber mensch, wehl doch das best,
ergreif im glauben Christum fest,
das ist der rechte lebens baum,
ohn ihn ist alles nur ein traum
G. Weissel bei
Fischer-Tümpel 3, 16;

tempel, gottesdienst, landesweise waren ein verschwundener traum Herder 19, 378 S. infolgedessen mit obj. genitiv verbunden:

treib, ewig helles licht, ...
die flüchtige begierd und dieser güter traum
hinweg
Gryphius lyr. ged. 237 Palm;

in charakteristischer synonymik, vor allen dingen mit schatten:

was ist dieser? was ist jener?
was ist einer? was ist keiner?
traum und schatten, mott und matten
sind wir alle
Petri d. Teutschen weish. 1, f 5v;

die schärfsten und strengsten linien, selbst eines Michel Angelo, sind traum und schatten gegen das hohe leben eines tizianischen kopfs Heinse sämmtl. w. 4, 15 Schüddekopf; und jedes urbild, das gott der menschlichen seele verliehen hat, sich in traum und nebel verschweben musz Göthe IV 25, 92 W.
β) besonders vom leben, das sprichwort das leben ist ein traum variierend:

irdesch leben ist ein troum minnesinger 3, 166b v. d. Hagen.

der zusammenhang und die parallelen fügungen (vgl. mhd. wb. 3, 118a; Lexer 2, 1531) ergeben für das mhd. extremen sinn, 'etwas nichtiges, unwirkliches, ein nichts'; auch im nhd. keineswegs mit einheitlicher bedeutung. mit hervorkehrung des bedeutungselementes 'täuschung, betrug':

des menschen leben ist ...
ein traum, der in den schlaff bethört
Harsdörffer secretarius (1656) 1, 131;

späterhin lediglich als zustand unvollkommener bewusztheit:

so kurz sind unsere lebenstage,
die eilen schnell zum untergang
und sind ein schwerer traum voll steter plage
D. W. Triller poet. betracht. (1750) 1, 17;

mich dünkt, es flüstre durch den raum:
o leben, leben! bist du nur ein traum?
A. v. Droste-Hülshoff w. (1879) 2, 117;

falls die negative accentuierung nicht durch adj. wie schwer, arm, kurz, dunkel, trüb etc. oder adv. partikel wie nur, nichts als etc. besonders betont wird, bringt ihn das verb oder der sinnzusammenhang zur geltung; vgl. noch:

leicht, wie frühlingsnebel schwinden,
ist des lebens traum entflohn
Matthisson schr. (1825) 1, 18;

traum, der mit weinen begann, und schlosz mit dem weinen des todes,
traum des lebens, nun bist du geträumt, und ich bin erwacht
Klopstock Messias 12, 421;

doch vermag sie in späterer zeit fast völlig zurückzutreten: (der dichter) lebt den traum des lebens als ein wachender Göthe I 21, 129 W., und gegebenenfalls kann auch das bedeutungselement 'schön' stark vordringen:

am kühlen bach, am luftgen baum
träum ich nun meines lebens traum
Herder s. w. 29, 101 S.;

was schmeck ich nicht für seligkeit
im traume dieses lebens
J. A. Cramer sämmtl. ged. (1781) 1, 40.


2) ähnlich, doch mit besonderer betonung der eigenwilligkeit und subjectivität der vorstellungen und gedanken, so dasz sich schon aus dieser eigentümlichkeit ihre nichtigkeit ergibt, nicht erst wie bei 1 aus dem vergleich mit wirklichkeit und wahrheit.
a) eigenwillige, subjective meinung im gegensatz zur wahrheit; in der umfassenderen bedeutung 'nichtiges phantasieproduct' (s. o. 1 c) aufgehend, sobald der accent auf eigenwilligkeit des denkens und gegensatz zur wahrheit geschwächt wird. häufig in der theologischen streitliteratur des 16. jh., insbesondere bei Luther: ich hab ... den propheten Mosen ... gepredigt, allermeist umb der

[Bd. 21, Sp. 1456]


rottengeister willen, ihre trewme zuverkomen 24, 1 W.; doch ziehen sie noch mehr ursach an, warumb beide gestalt nicht solle gereicht werden, nemlich, umb fehrligkeit willen, damit nicht etwa ein tröpflein aus dem kelche verschüttet werde. dergleichen treume bringen sie mehr für, umb welcher willen Christus ordnung billich nicht sol geendert werden Melanchton corp. doctr. christ. (Lpzg. 1560) 187; und auf das dise meine auszlegung und verstandt nicht mein traum von jemandt geachtet und verlacht würde, so höret ... Ambach von tantzen (1543) c 4a; ohne scharfe inhaltliche prägnanz, schweifend: ... wie gewis sie irer trunken trewme sind Luther 30, 2, 378 W.; darum selten mit angabe des trauminhalts in form eines präpos. attributs: und also mein ich, Bocks Emszer trawm von tzweierlei priesterschaft lige im sand und quatt (kot) Luther u. Emser 2, 62 ndr. die herleitung aus 'traum im schlaf' beschreibend: ... wenn er aber aufwachet, so ist nichts da; da sihet er denn, das es ein traum gewesen ist und gibt nichts drauf. also auch was diese (papisten) sagen, das ist anders nichts, denn ein lauter traum Luther 14, 78 W. den gegensatz zur wahrheit als antithese formulierend: da komt einer nach dem andern mit eim newen traum herfür, und gibts für die warheit aus Huber trewe warnung (1534) b 2b;

die ihr vor wahrheit nichts als falsche träum erwischt
A. Gryphius trauerspiele 149 Palm;

ähnlich: eur glaube ist nit ein traum und geticht, sondern es ist leben und that Luther 8, 385 W. noch in anderer auffälliger weise unterstreicht die sprachliche umgebung die besondere bedeutung, etwa das adj. eigen: ... wie dasz alles dasjenig ... der heiligen schrift ... nicht gemesz sei, sondern allein seine eigene treum Achacius chron. Sleidani (1557) 2a, ein charakterisierender subj. genitiv: des bapsts bullen und menschen trewme verachten wir Luther 8, 504 W., oder die synonymik: lugenprediger ... die ihre träume und ertichte lehre für glaubens artickel auszgeben theatr. diabol. (1569) 94b; so ists eitel menschentand, trewme, fabelwerck, irrthumb, und verfürung C. Spangenberg wider d. bösen sieben (1562) c 3b, oder das verb: ertichten sie ein solchen traum: die vordienst Christi mugen auf zweierlei weisz gepraucht werden Luther 7, 401 W. auch in präpos. fügung, also als zustand des dünkels:

aber ihr etlich (theologen) unser zeit
sind uber den sanct Paulum weit
in ihrem traum und wissen frei,
wie Christum in dem himmel sei
Ringwaldt die lauter warheit (1598) 192;

zugleich als zustand der geistesabwesenheit (s. o. 1 e β): hat er solchs aus Cyrillo ... gelernt, so hat er sie warlich im traum odder rauchloch gelesen, denn so leret ihr keiner Luther 26, 362 W. mit dem besonderen anwendungsbereich nach dem 17. jh. verschwindend, vgl. aber noch auf das besondere gegenüber 1 c hin:

stimmungen werden dir nun als confessionen gerechnet,
träume als ein system, launen als dogmen der kunst
Hebbel w. 7, 227 Werner;

dasz der gedanke von einem dinge, das an sich ... existenz ... haben soll, eine grille, ein traum, ein nichtgedanke ist Fichte sämtl. w. (1845) 1, 17.
b) einfall, laune; nur bei Fischart belegt, doch gestützt durch die entsprechende bedeutung von träumen II A 2 b:

nun wie ers pferd hett lang beschaut,
doch letzlich er der kunst nit traut,
sonder stelt es dem kaufmann heim
dasz er im sag sein dück und träum Eulenspiegel 404 Hauffen;

dantz ich nicht recht vor, so dantzt mir nicht nach, die Römer müszten sonst vonwegen eins bauren traum das spil wider ergentzen Gargant. 28 ndr.
c) erfindung, lüge; also absichtsvoll hergestellter gegensatz zu wahrheit und wirklichkeit: nach dem ich wurd sagen, ich wöll sie umb so vil geben: wurd er von stund an kuntschaft zuwegbringen ich heb sie verkauft. geltshalb wird es ein traum sein (de argento somnium) Boltz

[Bd. 21, Sp. 1457]


Terenz deutsch (1539) 89a; es meinen etliche, dasz die inquisitia ... verbotten sei ... ich zweifel nicht dasz sie ordentlicher weise zugelassen ... dann dasz sie ein unterscheidt machen zwischen der inquisition ist ein lauter traum Nigrinus v. zäuberern etc. (1592) 297; und hat männiglich vermeinet, die namen der städt und länder darinnen, weren ... nichts anders als vergebne träum H. Megiser chorographia Tartariae (1611) )( 2a. in anlehnung an die bedeutung 'nichtiges phantasieproduct' auch in neuerer sprache:

was ich in liedern manchesmal berichte
von küssen in vertrauter abendstunde,
von der umarmung wonnevollem bunde,
ach, traum ist leider alles und gedichte
Uhland 1, 114 Schm.-H.


B. mehr oder weniger unklare vorstellung von zukünftiger wirklichkeit. seit ende des 15. jh. die verbreitetste bedeutung von traum im erweiterten sinne, doch schon seit dem 15. jh. in klarer ausprägung aufzuzeigen:

hier ist ein ganzes schiff voll narren,
die auf ein bessers glücke harren,
als ihr beruf gibt an die hand.
sie gehen um mit süszen träumen,
dabei sie ihr gewerb versäumen
und fahren nach schlaraffenland
S. Brant 50 Zarncke;

von verbesserung der zeit ... aber hülfe und errettung erwarten, wäre ein traum der einfältigen Lohenstein Arminius (1689) 1, 24a; unter anknüpfung an die schlafsituation: welcher ... fürst meinet, das sich der Luther für ihm demütige ... und suche gnade, der betreugt sich selbs weidlich und macht ihm selber ein gülden traum, da er eitel dreck finden wird, so bald er aufwacht Luther 23, 28 Weim.
1) verschiedene bedeutungselemente gehen eine enge verbindung miteinander ein; doch lassen sich unterschiede in der art ihres zusammenwirkens feststellen:
a) nichtiges, aber schönes wunschbild; nichtige hoffnung: man könnte hoffen, ... allein dergleichen süsze träume, ohne deren erfüllung Deutschland gleichwohl niemals einen einzigen commerzientractat ... zu standen bringen wird, verbietet uns die reichsverfassung Möser 1, 341; in entsprechender synonymik: trotz aller deiner hoffnungen und träume Göthe I 23, 43 W.; die höchsten glückseligkeiten der erde, welche den meisten menschen nur als wunsch und traum erscheinen I 16, 236; oh — meine aussichten! meine goldenen träume! Schiller 2, 18 G. selten mit betonung des bildhaften: wie schwer ist es aber, der hoffnung zu entsagen ..., die selbst dem unglücklichsten schmeichelnde bilder der zukunft in täuschendem traume vorüberführt Pückler briefw. u. tageb. 1, 431. als erwartung: der träumende kann nichts dazu tun, dasz seine hoffnung in erfüllung geht: wie verschwanden die goldenen träume, die er sich davon (vom chorsingen) gemacht hatte! Moritz Anton Reiser 152 lit. denkm. als sehnsucht, wenn der ton auf der starken beteiligung des gefühls liegt: wenn vervollkommnung und ewiger friede ein traum ist, so laszt uns alle fortschritte unserer aufklärung verbannen Meinecke Boyen 1, 79; vgl. II A 1 d. als absicht, plan, wenn der wille des träumenden von einflusz sein kann: sie hielten Hertzbergs fein ausgesponnene vermittlung für einen bedenklichen traum L. Häusser dt. gesch. (1854) 1, 296; in solchen träumen verloren konnte Bonaparte für jetzt einen bruch mit Preuszen nicht wünschen Treitschke dt. gesch. im 19. jh. 1, 214. als idee, die wirklichkeit überhöhender gedanke:

noch ein geheimniss möcht er uns entdecken,
den letzten gröszten traum ins dasein recken
G. Herwegh ged. eines lebend. (1841) 187.

als ausruf der enttäuschung: ich habe ... mich in das professorische hineingeträumt. o schöner traum! S. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 154 (s. o. II A 1 e α).
b) ähnlich, aber unter starker oder völliger verdrängung des bedeutungselementes 'nichtig': der deutsche bund ist untergegangen, das ersehnte deutsche reich erstanden, der traum unsrer jugend erfüllt Kuszmaul jugenderinnerungen

[Bd. 21, Sp. 1458]


(1899) 158. in denselben engeren bedeutungen wie unter a möglich als erwartung, sehnsucht, plan, idee: mit welchen glänzenden träumen und aussichten in die zukunft dies R.s phantasie erfüllt habe, darf ich wol nicht erst sagen Moritz Anton Reiser (1786) 2, 16; mein traum war nur, was mein herz mir eingab Fontane I 5, 218; ob uns ein gedanke folgt, wenn wir hier abschied nehmen, ob wir mit allen unsern träumen in das kalte grab eingeriegelt werden — o das ist ein räthsel Tieck schr. (1828) 8, 9. übrigens scheint in dem masze, in dem der zusammenhang die negative accentuierung auslöscht, die wunschvorstellung an aktiver kraft zu gewinnen; vgl. noch: es ist einer meiner träume, der sich jedes jahr erneuert, einen ausflug dorthin zu machen Pückler briefw. u. tageb. 3, 392; gläubige kinder in grauen haaren, die das land ihrer träume sichtbar vor sich sahen Will Vesper d. harte geschlecht 299; ferner die formelhafte wendung ziel der träume: pfeifen können ... das war nun das ziel seiner träume, der gegenstand unaufhörlicher studien H. Sudermann frau sorge 28.
c) vision, prophezeiung; dunkle vorausempfindung, ahnung. auch das bedeutungselement des 'schönen' kann fortfallen, so dasz entweder die sachliche zukunftsbezogenheit oder aber die unbestimmtheit der vorstellung unter accent tritt (vgl. DWB träumen II B 2): die traum eines weltweiszen (es handelt sich um eine prophezeiung) werden vor disszes mahl der königlichen vätterlichen liebe weichen (18. jh.) bei Brenner u. Hartmann Bayerns mundarten 1 (1892) 207, 27; im gefühle des übergehens eines anderen wesens und seines genusses in mich und den meinigen lag der entzückende traum einer ewigkeit der wollust des kusses Cl. Brentano Godwi (1801) 1, 23; übertragen:

rasch in wilden wüsten träumen
jedes (element) nach der weite rang
Göthe I 3, 75 W.;

ohne bezug auf ein subject des traumes: ob sich etwa die welt ausruht zum auszerordentlichen? das speculieren, was so ernsthaft genommen wird, macht es wahrscheinlich, denn dies ist der traum der thätigkeit A. v. Arnim w. 13, 461.
2) häufig mit beziehung auf einen trauminhalt; hergestellt
a) durch die weitere oder nähere umgebung:

ich müszte
die tat vollbringen, weil ich sie gedacht, das herz
genährt mit diesem traum
Schiller 12, 214 G.;

als bezeichnung für das geträumte selbst vor allem von den sonst wohl synonymisch mit tr. genannten bewusztseinserscheinungen und gemütszuständen: möge mir ein solches frühjahr heran kommen, dasz dieser wunsch nicht blos ein traum bleibt Göthe IV 29, 5 W.;

doch wenns zum treffen kömmt, so musz er fein bekennen,
wie seine hoffnung nur ein leerer traum zu nennen
Ch. Fr. Henrici ged. (1727) 1, 270;

auch von gegenständlichem: sollte sie (die geplante kornhandlungsgesellschaft) auch nur ein bloszer traum bleiben, so ist es doch angenehmer, gute als schreckliche träume zu haben Möser 1, 387;

meines lebens schönster traum
hängt an diesem apfelbaum
W. Busch Max u. Moritz (1865) 7;

bildlich: da lagen die trümmer ihrer träume J. Mosen groszvaters brautwerbung (1904) 37 wiesb. volksb. 55.
b) durch attributive bestimmungen zu traum; substantivisch: noch war sein traum vom einigen Deutschland mehr eine hochherzige schwärmerei Treitschke dt. gesch. im 19. jh. (1897) 1, 272; ihre überschwenglichen träume von der wonne des lebens in der liebe R. Huch L. Ursleu (1930) 114; der traum einer groszen liberalen partei ... war ausgeträumt Benningsen d. nat.lib. partei (1892) 151; vorzüglich allgemein-abstract: träume der ehre Lessing 2, 357 L.-M.;

o lern dem traum des heldenthums entsagen!
G. Herwegh ged. eines leb. (1843) 164;

[Bd. 21, Sp. 1459]


als erster bestandteil der wortcomposition: liebestraum, wonnetraum, zukunftstraum, glückstraum etc. in der form eines attributiven nebensatzes: nun wiegte sie sich schon im voraus mit dem angenehmen traume, dasz durch ihn ihre familie ... zu den angesehensten des landes werde gezählt werden Nicolai Seb. Nothanker 2, 148; häufiger in der verkürzung zum infinitiv: der süsze traum, ein nationaltheater hier in Hamburg zu gründen, ist schon wieder verschwunden Lessing 10, 218 L.-M. adjectivisch: philosophische und patriotische träume eines menschenfreundes Gottsched d. neueste 9, 383; die triebfedern meiner politischen träume Wieland Agathon (1766) 1, 329. im übrigen vgl. unten 4.
3) das hinzutretende adj. ist in erster linie epitheton ornans, dient also nicht oder nur in geringem masze der charakteristik des trauminhalts (s. o. 2 b), sondern unterstreicht die bedeutungselemente; am häufigsten dasjenige des 'schönen', da dieses offenbar secundär ist und den eigentümlichen antithetischen sinn in das wort hineinträgt. von je her auszerordentlich beliebt süsz und golden (vgl. die belege unter B und B 1 a), ferner: schön, hoch, grosz, glänzend, herrlich, entzückend, reizend, überschwenglich, angenehm, gefällig u. ä.; der wortwahl sind hier durch die sprachgewohnheit kaum grenzen gesetzt: hat nicht etwan die begierde, das leiden meines volkes zu endigen, einen schmeichelhaften traum veranlaszet? samml. von schausp. (1764) 1, 7; es war nun erreicht, was einst als ein kecker traum erschienen war Th. Mommsen röm. gesch.4 3, 111. — solche, die das bedeutungselement 'nichtig' variieren, haben stärker pleonastischen sinn: die gemüter mit eiteln träumen angefüllt Grimmelshausen 2, 329 Keller; häufig noch leer, ferner täuschend, bedenklich, wesenlos, nichtig, blosz, utopisch u. ä.in vergegenwärtigung der herleitung von 'schlaftraum' nicht selten wachend: von dem frühsten morgen an habe ich dich bei mir gehabt und hoffe zu mittage auf die erfüllung dieses wachenden traumes Göthe IV 6, 85 W.endlich solche, die die unklarheit der vorstellung kennzeichnen: wirr, dunkel, verworren, seltsam, wüst, wild, s. oben 1 c.
4) verbale ausdrücke als prädikate, oder tr. in adverb. verbindung umschlieszend, übernehmen eine ähnliche function. den zukunftsbezug verdeutlichend: nenne dich nicht arm, weil deine träume nicht in erfüllung gegangen sind Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 87;

und wird der schöne traum je wahrheit werden?
Gaudy (1844) 2, 7;

wie wohl mirs ist, dasz sich soviele träume und wünsche meines lebens auflösen Göthe IV 8, 43 W.im dienste der negativen accentuierung:

warum hat dieser traum den weisen kopf bethöret?
A. Gryphius trauersp. 190 Palm;

... kann solch ein traum betrügen,
o so ist alles wahn! so kann die wahrheit lügen
Wieland (1796) 22, 147;

und nun wolltst du grillen fangen,
weil ein traum in schaum zergangen?
Geibel (1883) 4, 130;

in ähnlichem bilde: und nun zerrann dieser traum Fontane I 1, 431; besonders verbreitet und in mehrfacher abwandlung:

wenn man sieht, wie weit sein hochmuth flieget,
und wie er selber sich in seinen träumen wieget
Neukirch ged. (1744) 169;

in leere träume denkst du mich zu wiegen
Göthe 10, 345 W.;

und nun wiegte sie sich schon im voraus mit dem angenehmen traume Nicolai Seb. Nothanker 2, 148; er ... wiegt uns zu hohen träumen ... ein R. Z. Becker mildh. liederb. (1799) 5; vgl. noch als wendungen poetischer diction: ... eine wirklichkeit, die meine träume zerstiebt und der ich weichen musz G. Forster 8, 37; die träume des wärters verstiegen sich ... in solche höhen G. Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 14; ich löschte diese träume wieder aus A. Schnitzler d. grüne kakadu (1899) 28. — weit seltener und meist weniger ausdrücklich von dem bedeutungselement

[Bd. 21, Sp. 1460]


des schönen, lustvollen aus geformt: die schönen träume, die wir zum besten der menschheit schwärmen Klinger 11, 184; den tr. als etwas starkes, zwingendes erkennend: freilich kann ich mich oft des süszen traums nicht erwehren Schubart bei D. Fr. Strausz w. 9, 16; er gab sich allen träumen und idealen hoffnungen auf diese gesellschaft hin Gervinus gesch. d. dtsch. dicht. (1853) 5, 180; als etwas heimliches: propheten ... die mit falschen trewmen umbgehen J. Nas antipap. 1 (1567) a 1b;

sie hegte solche träume,
die hier lebendig eingemauert lebt
Schiller 12, 404 G.;

die goldnen träume, die ich zu nähren wagte Göthe I 18, 10 W.
C. product und zustand der phantasietätigkeit. eine erst jung belegte bedeutungserweiterung, die sich freilich bei der herausnahme von tr. aus der schlafsituation leicht ergeben konnte: so (mit geschlossenen augen) hab ich die volle freiheit, meine verliebten träume auszzuschütten Chr. Weise d. grünend. jugend 178 ndr.;

vergeszt,
was ich im wachen traum gesprochen
Schiller 52, 279 G. (don Carlos 3, 2).

tatsächlich hat sie sich erst im zusammenwirken mit B stärker verbreitet, da häufig nur der zukunftsbezug diese und jene trennt. auch hier starke bedeutungsdifferenzen, charakteristisch ist aber, dasz das bedeutungselement 'nichtig', sofern es überhaupt anklingt, nirgendwo mehr dominiert.
1) product der phantasietätigkeit; phantasievolle vorstellung, schweifender gedanke.
a) am häufigsten unter einschlusz oder mehr oder weniger tautologischer angliederung des bedeutungselementes 'schön, lustvoll': ich war wieder ... ohne ein plätzchen, wo ich meine träume spinnen konnte Storm 2, 118;

ihr seid mir hold, ihr gönnt mir diese träume
Göthe I 2, 142 W.;

goldne träume, kommt ihr wieder?
weg, du traum, so gold du bist I 1, 78 W.;

besonders von den phantasien der dichter und künstler:

du hast den dichter fein und zart geschildert,
der in den reichen süszer träume schwebt
Göthe I 10, 112 W.;

unter euch lebt ich im lande der träume und töne
(gemeint ist Deutschland)
Stefan George d. neue reich 10;

auf meiner dichtung blüthen,
da sollte wandeln dein fusz,
die geister meiner träume,
sie böten dir knechtesgrusz
Strachwitz ged. (1850) 92.

in gegensatz zum wirklichen gebracht, ist der anklang negativer wertung unvermeidlich: er habe ... die träume ... mit einer würcklichen ergetzligkeit verwechselt Chr. Weise klügste leute (1675) 2;

und für die kränkungen der wirklichkeit
sucht man sich heilung in des dichters träumen
Uhland ged. (1898) 1, 83 Schm.-H.

unter den adjectiven, die den charakteristischen bedeutungsbestandteil betonen, stehen wiederum an erster stelle golden und süsz (s. o. und B 3); daneben gibt es solche, die, da stärker gegenwartsbezogen, die bedeutung C klarer gegen B absetzen: darnach hatte ich eine ruhige stunde, hübsche träume Göthe IV 1, 105 W.;

liebliche träume
kürzten das weite
Müllner dram. w. (1828) 1, 44.

ähnliches gilt hier für den verbalen ausdruck; vgl. DWB B 4, ferner: die erzeugten kinder sind schwärmerische träume, die herz und seele eine zeit lang in wollüstigem schlummer wiegen maler Müller w. (1811) 2, 4; dagegen sind sehr charakteristisch:

wie rauschen die wellen, wie kützeln die träume
Chr. Weise d. grünend. jug. 170 ndr.;

und ich sitz im warmen stübchen,
lasse meine träume schweifen
heimwärts zu dem holden liebchen
Schneckenburger deutsch. lied. (1870) 66;

[Bd. 21, Sp. 1461]



dasz ein traum dich lind umwehe
aus der kindheit rosenzeit
Uhland ged. (1898) 1, 139.


b) ähnlich: die wirklichkeit überhöhender gedanke, idee, intuition: so findet der leser in diesen werken ... die verzerrungen des herzens und des verstandes, die erhabenen träume, den thierischen, verderbten, den reinen und hohen sinn Klinger 3, 7 vorrede; solange diese mutmaszungen ... für kurzweilige einfälle und gelehrte träume ausgegeben werden Triller poet. betrachtungen (1750) 4, 4;

ein mädchen, kaum von achtzehn jahren,
spricht nur von traum und von ideen
Blumauer ged. (1782) 154.

wohl zu unterscheiden von der bedeutung B 2 b: der traum der freiheit fuhr über ihn wie ein blitz in die nacht, der sie finsterer zurückläszt Schiller 2, 129 G.
c) ohne einschlusz des bedeutungsbestandteils 'schön, lustvoll'; nur im zusammenhang des ausdrucks als tagtraum zu erkennen: Johannes wurde von seinen inneren erscheinungen und träumen wie auf einem ewig wogenden meer dahin — dorthin getrieben E. Th. A. Hoffmann 1, 21 Grisebach; die rechte höhle für das menschenhassende murmeltier, da könne es hausen ... voll der unbeschreiblichsten kreuz- und querträume R. Huch L. Ursleu (1930) 368; daher die hinzusetzung von wachend: ihr brief hat einen tröstlichen eingang, der sich an die wachenden träume meiner letzten schlaflosen nacht schlieszt Caroline 1, 101 Waitz. als vision:

der leichte traum verschwand, der pilgrim eilte fort
Neukirch anfangsgründe (1724) 805;

so war unser geschlecht vor die wahl gestellt: ... frei zu sein von den bedrängnissen der einbildungskraft, oder aber ... eingeschüchtert zu werden von jedem fratzenhaften traum und eine beute zu bleiben der kindischen gespensterfurcht Peschel völkerkunde (1774) 158; das bild seiner tochter zog ihm in marternden träumen vorüber Hebbel w. 8, 54 Werner. wiederum von den phantasien des künstlers: er malte ... bacchanale, träume, launen, gesichte und fabeln Justi Winckelmann (1866) 1, 350. in moderner romantisch-dichterischer diction nicht selten die gefühlswerte des dunklen, lastenden in sich aufnehmend:

ich könnte reden wie von eignen tränen,
die ich, ergriffen von sehr groszen träumen,
einmal vergeudete und dann vergasz
Rilke buch d. bilder (1921) 145;

dein antlitz war mit träumen ganz beladen.
ich schwieg und sah dich an mit stummem beben
H. v. Hoffmannsthal ged. u. kl. dr. (1912) 10.

noch künstlicher:

und niemand
kann von der stirne mir nehmen den traurigen traum
Hölderlin 1, 209 L.

mit bezeichnender verbaler fügung zum deutlicheren ausdruck des unbestimmten, schweifenden:

welch lieblicher, jedoch auch schwerer traum
umnebelte mein wachendes gehirn
Lange-Pyra 43 lit.-denkm.;

... dasz alle meine träume, schlafende und wachende, sich um den wundervollen ring drehten Fouqué zauberring (1812) 1, 11.
d) als bezeichnung des inhaltes oder ergebnisses der phantasietätigkeit. von gegenständlichem, insbesondere menschen:

und wachend und im schlaf ist Rezia sein traum
Wieland (1796) 23, 257 Göschen;

lebe wohl, du süszer traum meines lebens, du schlaftrunk meiner leiden Göthe IV 6, 95 W. sodann von gemütszuständen, seelischen erlebnissen; immer als genitivattribut: der traum der ersten seligkeit hat der ernüchterung platz gemacht jahrb. d. Grillparzergesellsch. (1890) 5, 243;

nie doch vergiszt das herz
den traum der ersten liebe
Geibel 2, 18.

oder als erster teil der wortcomposition:

ein neuer wonnetraum, ein seliges entzücken
ins paradies, dünkt sie ihr gegenwärtger stand
Wieland (1796) 22, 234 Göschen;

[Bd. 21, Sp. 1462]


ebenso liebestraum, schmerzenstraum u. a.die wirklichkeit und ihre gebilde entwirklichend dadurch, dasz sie als ergebnis eines träumens aufgefaszt werden: nur sie (die welt, in der Göthe vor Weimar lebte) durfte er als ganzes unmittelbar zum traum wandeln Gundolf Göthe (1925) 610; übertragen:

für ernste wandrer liesz die urwelt liegen
in diesem thal versteinert ihre träume
Lenau 1, 153 Barthel;

sie wird dadurch märchenhaft schön: wie die götter dem fürsten erlaubt haben, einen traum um sich herum zu schaffen Göthe IV 3, 223 W.; inhaltlich noch unbestimmter; etwas märchenhaftes:

wir suchen unsern raum
und wandeln und singen
und tanzen einen traum
Göthe I 4, 101 W.

von kunstwerken oder ihren teilen: es (die gestalten auf einem gemälde Raphaels) sind schöne erscheinungen, beglückende träume aus dem goldenen zeitalter H. Meyer kl. schr. z. kunst (1886) 170 lit.-denkm.; insbesondere von dichtungen: mit der fahrenden sende ich dir ... einen traum von Fritz Stolberg in hexametern Göthe IV 6, 297 W.; ... beweist, dasz der verf. die träume seiner vorgänger nicht ohne nutzen gelesen hat W. Gerstenberg schlesw. literaturbriefe 177 lit.-denkm.; auch von modeschöpfungen: die woche der damen, die hier die neuesten träume der modeateliers ... ans licht bringen rh.-westf. zeitg (1932) 308, 2.
2) ähnlich, doch den zustand der geistesabwesenheit mehr oder weniger ausdrücklich voraussetzend. in bestimmter präpos. fügung unter verwendung verbaler formeln, die traum als synonym zu schlaf erscheinen lassen (vgl. I E 4):

nein! nicht länger ist zu säumen,
wecket ihn aus seinen träumen
(von Rinaldo, der im bann Armidens liegt)
Göthe I 2, 41 W.;

der doctor fuhr aus seinen träumen auf G. Freytag ges. w. (1886) 13, 43; weil er ein mann starken handelns war, rüttelte er ihn aus seinen träumen F. Holländer ges. w. 5, 5; denn wenn man ihn aus den träumen stört, da ist er so unartig wie ein kind Göthe I 17, 84 W.;

horch, drüben flötets so süsz und rein
und wiegt in gaukelnde träume dich ein
A. Grün 1, 323;

er ist ein künstler, der so ganz versunken
in seine goldnen träume ist, dasz ihm
die wirklichkeit zum bloszen traum geworden
O. Ludwig 3, 143;

in den heiszen himmelsstrichen, wo ... die seele ... sich in glänzende träume verliert J. v. Müller 1, 465; singularisch weitaus stärker das zuständliche betonend: der erzherzog versank in einen schönen traum A. v. Arnim sämtl. w. 1, 169 Grimm. inhaltliche bestimmungen sind selten im bereich des attributcomplexes gegeben: dasz er sich selbst darüber vergasz und wie in eine art von wachendem traum geriet, als ob er auch hier bleiben müsse und nicht von der stelle könne K. Ph. Moritz Anton Reiser 345 lit.-denkm.; auf dem umwege über das synonym: der jüngling schweift durch wald und wiesen in seinen träumen und gedanken an die geliebte J. Grimm kl. schr. (1864) 1, 104; doch gibt die präpos. fügung die möglichkeit, die inhaltliche bestimmung durch das verb und andere satzteile auszudrücken: (er) liesz unter behaglichen träumen alles an sich vorüberziehen, was der tag gebracht hatte Fontane ges. w. I 6, 36; kein anderes glied seiner heerde erschien ihm (dem pastor) so häufig als Cord in seinen träumen, wenn er ... vom ... ofen bis zu dem ... fenster auf- und abwandelte W. Raabe Horacker (1876) 71; singularisch als gesamtheit der phantasievorstellungen:

armes mägdlein, starb vielleicht dein freund?
siehst ihn nun im wachen tagestraume?
Kosegarten rhapsod. (1790) 3, 33.

besondere schattierungen ergeben sich daraus, dasz die mit traum bezeichnete gesamtheit der phantasievorstellungen gleichzeitig als kraft aufgefaszt wird (vgl. u. 5): wo die natur

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sich mächtig in bergen, sanft in thälern bezeichnet, da fliegt unser muth in kühnem traum empor Herder w. 22, 50 Suphan; mit spürbarem anklang negativer wertung: du beschäftigst deine empfindlichkeit mit unwesentlichen gegenständen, die du nur in der einbildung siehest, und nur im traume genieszest Wieland (1796) 1, 111; schlieszlich als schöpferischer vorgang:

versenkt im tiefen traum nachforschender gedanken
schwingt ein erhabner geist sich aus der menschheit schranken
Haller ged. 72 Hirzel.


3) für den zustand der geistesabwesenheit selbst, vor allem in der fügung im traum; nur singularisch: er war ganz im traum, da ichs ihm sagte Göthe IV 3, 106 W.;

verwirrt steht er, beklommen,
dem dasein fast entnommen,
in wachem traume da
Grillparzer 7, 232 Sauer.

infolge stilistischer identität sich oft kaum abhebend vom vorigen:

indessen ich hier still und athmend kaum
die augen zu den freien sternen kehre
und, halb erwacht und halb im schweren traum,
mich kaum des schweren traums erwehre
Göthe I 2, 146 W.;

doch kann die unmittelbare wortumgebung, also verb und attribut, keine inhaltlichen bestimmungen zu traum ausdrücken:

der könig sasz im wachen traum,
wenn er nicht lag im schlafe
Hebbel w. 7, 79 Werner;

o lasz im traume mich sterben
gewieget an seiner brust
A. v. Chamisso w. (1836) 3, 11;

auch in maa.: in droom gaan 'als ein träumer gehn, seine geschäfte nachlässig besorgen oder gar vergessen' brem.-niedersächs. wb. 1 (1767) 255.
4) zustand der halben, eingeengten, bedrückten bewusztheit: aber sein pack (die schäfer in Geszners idyllen) da ist nicht von herzen lustig, nicht von herzen traurig, alles im traume nur maler Müller w. 1, 233; was mir hoffentlich das nächste mal möglich sein wird, wenn ich aus meinem wachenden traum, diesem stupor, der mich befangen hält, aufgerüttelt bin L. Schücking an A. v. Droste-Hülshoff br. (1893) 39 Schücking; mit inhaltlicher bestimmung durch das genitiv-attribut: wenn unter dem druck eines shakespearischen alps das publicum seufzt und sich sehnt aus einem schweren traum des ernstes in die freie luft der thorheit Göthe IV 40, 218 W. auch auszerhalb der präpositionalen fügung; direkt als synonym zu bedrückung: eine seele, die sich des traumes, der sie umhüllet, der bürde, die auf ihr liegt, auf einige augenblicke zu entheben bereit ist Herder 27, 193 S.; lieblingswendung bei Novalis:

vorüber ging der lange traum der schmerzen,
Sophie ist ewig priesterin der herzen 4, 212 Minor;

ebenso 1, 77; 4, 223. vgl. noch o. 1 c.
5) kraft und tätigkeit der phantasie selbst:

ein herz, das die lieb empfand,
sie, die wirklicher wert, nicht der vergängliche
unsers dichtenden traums gebahr
Klopstock oden 1, 110 M.-P.;

nie stürze von des traumes stolzem fluge
ein trauriges erwachen dich herab
Schiller 6, 210 G.;

auszerhalb poetischer diction ungewöhnlich: um uns jene beiden triebe näher zu bringen, denken wir sie uns zunächst als die getrennten kunstwelten des traumes und des rausches (gemeint sind plastik und musik) Nietzsche w. (1895) 1, 20; und diese klage ist deshalb für uns ... so erschütternd, weil sie Goethes grabrede auf seine eigene jugendlichkeit, auf seinen sturm und drang, auf allen überschwang seines traumes ... ist Gundolf Göthe (1925) 329.
D. bildlich: mannigfaltigkeit, chaos. abgeleitet aus der traum zugehörigen structureigentümlichkeit des verworrenen, complexen (s. o. I D 2), eigenartig durch den wegfall des

[Bd. 21, Sp. 1464]


bezugs auf einen träumenden. bei Herder beliebt mit teils partitivem, teils possessivem genitivattribut: ein mannigfaltiges ohne deutliche einheit: ein traum sehr sinnlicher, klarer, lebhafter vorstellungen, ohne ein hauptgesetz des hellen wachens, das diesen traum ordne w. 5, 97 Suphan; er (der mensch) beweiset reflexion, wenn er aus dem ganzen schwebenden traum der bilder, die seine sinne vorbeistreichen, sich in ein moment des wachens sammeln ... kann 5, 35; in einem wortspiel zur bedeutung II C 5 in gegensatz gebracht: mit witz und scharfsinn hat sie (die kritische philosophie) ... sowohl das spiel des traums als den traum des spiels in wortkünsten erschöpfet 22, 167; sogar als chaos concreter gebilde: mitten im allegorischen traume unserer wochenblätter schlafe ich ein 3, 266.
III. compositionstypen.
die compositionsbildung mit traum- ist im ahd. und mhd. noch selten. im ahd. nur troumrâter, -rechâre ahd. gl. 1, 303, 40 St.-S.; troumsceido, -sceidâri (s. u. bei traumscheider), troumtrugenâri Notker 1, 823, 25 P. alle in der bedeutung 'traumdeuter', dazu troumscheid 'traumdeutung'. mhd. troumgescheide 'traumdeuter' Milst. gen. u. exod. 82, 12, -scheidære ebda 83, 6, traumsager Grazer brevier 15. jh. bei Lexer 3, nachtr. 376, trombedüter Niger Abbas 76, traumuszleger (15. jh.) Diefenbach 542a; dazu noch troumgesicht Daniel 758 Hübner; myst. 1, 337 Pf.; troumdôn Kolm. liederhs. 180 lit. ver.; troumrede (15. jh.) Diefenbach 225a. seit dem 16. jh. werden die fügungen zusehends häufiger, vgl. unten traumbild, -buch, -deuten, -fabel, -lehre bei Luther, -dichter Dietemberg (1523), -gläubig H. Sachs, -göttin Aventin, -prediger Eberlin v. Günzburg, -werk Dürer. das 17. jh. und vor allem die dichtung des 18. und 19. jh. stellt in ständig wachsendem masze vor eine unendliche mannigfaltigkeit, doch sind die wenigsten bildungen fester sprachgebrauch geworden, da die compositionsbildung mit traum groszenteils in der poetischen diction verharrt. eine typenübersicht wird dadurch erschwert, dasz sich die composita nicht immer auf eine bestimmte bedeutung von traum festlegen und oft zum mindesten die möglichkeit besteht, das betreffende wort noch in einem zweiten oder dritten sinne zu verwenden; vor allem bleibt es der willkür des sprechenden überlassen, den bezug auf den schlaf als traumsituation in die bedeutung einzubeziehen oder nicht. es müssen also gesichtspunkte berücksichtigt werden, die durch das verhältnis der beiden compositionsglieder zueinander gegeben sind. neben die alte und bis zum 15. jh. allein übliche, auch weiterhin vorherrschende form des ersten bestandteiles traum- treten seit dem 16. jh., häufiger im 19. jh., bildungen mit dem plural und dem gen. sing.: träumprediger Eberlin v. Günzburg, -fabel Luther, -gericht H. Sachs, -werk theatr. diab. (1569), -ausleger Paracelsus, -bild Harsdörfer. träumedeuter Hulsius (1618), -gott Neumark (1648), -macher allg. dtsche bibl. 87, 208. traumsdichter Dietemberger (1523), traumesweise H. Sachs; vgl. noch traum-, träum-, träumebuch sp. 1476, -deuter sp. 1477, traum-, träume-, traumesschwer sp. 1519 u. a. die wahl der bildungsart hängt vielfach vom individuellen stil oder von rhythmischen notwendigkeiten ab.
1) das grundwort nennt eine einzelheit der geträumten wirklichkeit. wenig verbreiteter, aber immer verwendungsfähiger typ von unbegrenzter bildungsmöglichkeit, bes. häufig bei Jean Paul; meist nach traum I A: traumengel D. Fr. Strausz ges. w. 4, 19; -feuer: wollen sie anders von diesem grausamen und schrecklichen tr. erlöset werden C. S. Curio der entzückte Padquinus (1667) 195; -insel A. v. Droste-Hülshoff br. 297 Cardanus; -leiter scalae somniatae J. C. Dannhawer catechismusmilch 4, 67; -reise H. Lindenborn Diogenes (1742) 2, register 11; Jean Paul 19, 44 Hempel; G. Keller gr. Heinrich (1849/50) 2, 516; -schiff: unsere weiszgeflügelten tr. J. v. Düringsfeld aus Italien 218; -weib: das brandmerkmal auf der stirn des dämonischen tr. Fr. Th. Vischer altes u. neues (1881) 3, 369.

[Bd. 21, Sp. 1465]



2) von festerem zusammenhalt scheinen einige derjenigen bildungen zu sein, deren grundwort formale bestimmungen über tr. enthalten: traumbegebenheit G. Forster sämtl. schr. (1843) 5, 88; -figur C. F. Meyer Jürg Jenatsch (1901) 124; -gruppe Rosegger schr. III 6, 182; -handlung Herder 5, 228 S.; -ordnung: so recht der tollen tr. gemäsz Jean Paul w. 55/58, 124 H.; -reihe: hatte er sich in eine so lange tr. verwickelt Gutzkow ges. w. (1872) 5, 141; -verfahren Fr. Th. Vischer altes u. neues 1, 191.
3) traum wirddes öfteren tautologischvom grundwort als ganzes charakterisiert.
a) allgemein als erscheinung, vorgang und zustand seelischer art: traumanschauung: die ... beziehung jener tr. zur auszenwelt Schopenhauer w. 4, 283 Gr.; -besinnen F. Gregorovius ged. 167; -empfindung: überkam es sie wie eine dunkle tr. v. Wildenbruch novellen (1883) 84; -erinnerung: schwebten ... in tr. die ... seelen der abgeschiedenen J. H. Voss antisymbolik 203; -erlebnis H. Stehr drei nächte (1909) 67; -gefühl:

ein jahr ist hin — triumph! sein hoffen wird belohnt
sein schmerz ein traumgefühl
Kotzebue sämtl. dr. 17, 314;

-stimmung, auch traumesstimmung: die wüste tr., in der ich mich befinde H. v. Bülow br. u. schr. 5, 401; in einer weltentrückten traumesstimmung Bayer studien (1908) 246; -wahrnehmung: somnambulen, welche ... jeden ... ort, ..., sofort in ihre anschauende tr. bringen Schopenhauer 4, 286; -zerflieszung: weil solche ohne tr. ... die welt anfassen und anschauen Jean Paul w. 49/51, 412 H.
b) nach traum I B und II C als urheber und träger eines bestimmten gefühlswertes: traumerquickung:

o geusz mir edenische
traumerquickung, schlummer, herab
C. A. Overbeck verm. ged. (1794) 9;

traumesbängnis P. Heyse 1, 238; traumfreude: seine genossene tr. J. Riemer d. polit. maulaffe (1679) 4; -friede, traumesfriede H. Watzlik Phönix 250; R. Hamerling sämtl. w. 2, 83 Rabenlechner; -gelüst W. v. Scholz d. spiegel 98; -genusz: das land der ideen, ... woher er uns nur halbes interesse, traumgenusz herüberzaubert Göthe I 37, 288 W. (vgl. auch comp. 8 a);

da sausend schwand
vergangenheit mit ihren traumgenüssen
W. v. Scholz d. spiegel 165;

-lust, traumeslust: dieser friedliche schlummer, ... diese tr. eines reinen, arglosen herzens P. Müller Bürger 1, 111; Nietzsche w. 1, 42; -qual: ein alpdrücken oder so was ähnliches von tr. A. Ruge ges. w. 2, 120; -schrecken A. Jung 1, 254; -weh, traumesweh:

und wen noch traumesweh umwunden,
fühlt im entzücken sich gesunden
A. Hertz ges. dichtungen 403;

-wonne: das kind in traumeswonnen ... sich verlor Lenau sämtl. w. 17 Barthel; Liliencron sämtl. w. 8, 48.
c) ähnlich adjective und part. prät.: traumaufgeschreckt Droysen Äschylos (1868) 75; träumebang:

die liebe ...
führt oft den wahn, den bleichen kummer,
den schmerz und träumebangen schlummer
und die verzweiflung im geleit
A. v. Klein Athenor (1802) 195;

-beglückt Raimund w. (1881) 3, 23; -beschwert: aus tr. schlummer ... erwacht Gökingk ged. (1780) 1, 141; übertragen:

mein herz ist still und traumbeschwert
Strachwitz ged. (1850) 181;

-beklommen: meiner tr. brust H. Arent u. a. mod. dichtercharaktere (1885) 21; -berauscht:

blumenaug im morgengrauen,
traumberauscht von thränenthau
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 1, 398;

-berückt Eichendorff sämtl. w. (1864) 3, 477; -bestrickt: schau ich staunend, tr. deutsche dichtung 11

[Bd. 21, Sp. 1466]


(1892) 27b K. E. Franzos; traumesfroh: die tr. gottrunkenheit R. Hamerling sämtl. w. 2, 107 Rab.; traumgeängstet B. Goltz kleinstädter in Ägypten 63; -gebannt: tr. glieder Geibel 2, 78; -gemut:

und in die herzen traumgemut
steigt ein kapellenloser glaube
R. M. Rilke erste ged. 82;

-gequält Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 345; traumesselig Immermann 12, 116; -siech: tr. menschen, hoffnungskranke thoren M. Waldau blätter im winde (1817) 29; traumestrunken:

nun steht das schlosz versunken
im abendrothe tief,
als ob dort traumestrunken
der alte spielmann schlief
Eichendorff sämtl. w. 1, 530;


d) nach traum I C, II A und II B 1 als nichtig und trügerisch: traumbetörung: aus der tr. zu spät erwacht ich A. F. v. Schack ges. w. 3, 515; -betrug Novalis 1, 160 Minor; -phantom fürst Pückler br. eines verstorbenen 3, 200; -wahn, traumeswahn: wenn ich im tr. von deiner seite weiche Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 384; ein häszlicher traumeswahn F. Kürnberger siegelringe 146; A. v. Droste-Hülshoff w. 3, 37; -wunsch: er wird gewisz den schönen tr. der menschheit ... trefflich ausgeführt haben (ironisch) Göthe IV 8, 233 W.
e) nach I C in seiner bedeutung für die wirklichkeit: traumahnung, traumesahnung Scherer aufsätze über Göthe 227; -anzeichen: die ... gründung religiöser bauten ... nach tr. Ritter erdkunde (1822) 11, 319; -befehl: ich danke dir auch ... vor den heiligen tr. K. K. v. Greiffenberg zwölf andächtige betrachtungen (1678) 606; -bote, traumesbote: zweideutig reden tr. oft Fouqué altsächs. bildersaal 1, 203; -mahnung Börne 1, 199; -offenbarung: gab dann seine antworten als tr. der gottheit Fr. A. Wolf verm. schr. u. aufs. 419; -orakel: einem lügenhaften tr. folgend Scherer litteraturgesch. 593; -warnung D. Fr. Strausz ges. w. 4, 75.
f) nicht selten auch als seelische kraft (vgl. DWB traum II C 5): traumfähigkeit: kann er durch diese tr. etwas auffassen, so sieht er weiter wie die meisten menschen Tieck schr. (1828) 20, 206; -gabe Bettine Göthes briefwechsel 2, 266; -kraft: (religion) sei mir heilig ... erhebung meiner tr. über ihre thierischen grenzen Pestalozzi s. schr. (1826) 7, 59; 13, 39; -sinn 13, 253; W. Schäfer lebenstag (1917) 117; -vermögen Herder w. 23, 583 S.; ebenso adjectiva: traumbegabt: dasz berg und thal ... den menschen dreister, frischer, auch traumbegabter machen Tieck schr. (1828) 26, 207; 2, 365; -sinnig Mosen 8, 383.
g) ebenso auf seine structurelemente hin (vgl. DWB traum I D): traumgemälde: weiter ... dehnte ich nie das tr. der sonntagsglückseligkeit aus Gaudy sämtl. w. (1844) 10, 9; -gemisch E. M. Arndt schr. für u. an seine l. Deutschen (1845) 3, 481; -gespenst: o, möchten wir uns nicht mit tr. quälen v. d. Trenck sämtl. ged. u. schr. 4, 3; -spuk Holtei erz. schr. 8, 80; -verwirrung Rückert w. 6, 14; -vision A. v. Düring Chaucer 1, 297; traumeswirren: die tr. lassen mich nicht los Liliencron w. 11, 46; 7, 124.
4) in einer fülle von bildungen wird traum- durch das grundwort metaphorisch beschrieben. sehr häufig statt traum- traumes-, auch träume-: traumband, traumesband: auch die tr. streife ich ab Spielhagen 4, 240; -bereich R. Wagner ges. schr. u. dichtungen (1897) 9, 77; -blüte: als Florio soeben seine tr. abgeschüttelt Eichendorff sämtl. w. 3, 128; -brücke:

und setzte über traumesbrücken
die jagd nach seinem wilde fort
G. Falke 4, 96;

-dämmerung: die nacht und ihre zauberischen und schauerlichen tr. E. M. Arndt schr. für u. an seine l. Deutschen (1845) 1, 12; -faden: wob sie aus ... tr. allerlei ... herrliche bilder Paul Barsch von einem der auszog (1905) 2, 109; -fessel:

von traumesfesseln ist das aug entbunden
F. Raimund w. (1881) 3, 468;

[Bd. 21, Sp. 1467]


-fittig: ahnungen die auf tr. den geist umgaukeln Fr. L. Jahn w. 1, 133; -flor: dieser tr. musz über ihm gelegen haben Jean Paul w. 1, 205 H.; -flug:

und vorbei, wie traumesflug
schwand der dörfer frieden
Lenau sämtl. w. 75 Barthel;

-flügel H. Hesse Peter Camenzind 48; -flut: eh die tr. überm haupt mir ... sich schlosz G. Hauptmann Anna (1921) 122; -gebäude: dieses ... politische tr. Immermann 5, 200; -gebiet Fr. Th. Vischer altes u. neues (1881) 2, 155; -gefieder:

ach, wenn nicht mehr in goldne fernen
mein geist auf traumgefieder eilt
Rückert w. 7, 310;

-gefilde Tiedge w. (1823) 1, 9; -geflecht:

lasz eines dumpfen dunkeln traumgeflechtes
verworrne todesnetze mich zerreiszen
Göthe I 10, 325 W.;

-gesäusel F. v. Sallet sämmtl. schr. 4, 360; -getümmel: während des schlafes ... schufen (sie) ... ein tr. G. Keller ges. w. 3, 102; -gewand: tr. der hoffnung Kotzebue erinnerungen aus Paris (1804) 2; -gewebe:

traumgewebe war es! noch empfunden,
schien es wahrheit dem getäuschten blick
J. J. Engel schr. (1801) 11, 529;

-gewimmel Bürger ged. (1778) 96b; -gewirr Fr. Halm 2, 119; -gewölk: des lebens tr. G. W. Groke ged. (1843) 146; -gewühl: tr. der melodie Mörike w. 1, 165; -glut:

wirst du noch alte traumglut gerne schüren
R. Hamerling sämtl. w. 2, 108 Rabenlechner;

-gut: einst hatte mein tr. gewicht Fr. v. Heyden br. eines flüchtlings (1838) 1, 3; -himmel Fr. L. Jahn w. (1884) 2, 741; -hülle Geibel 2, 69; -jagd:

seltsam gesichte schauten von den wänden,
und immer näher rückt die traumesjagd
Eichendorff sämtl. w. 4, 562;

-kranz: liebe! lasz uns tr. winden St. George übersetzungen 2, 111; -kreis: (er) konnte aus dem engsten tr. nicht heraus B. Weber charakterbilder 81; -luft: die von der tr. eingehüllte seele W. Speck zwei seelen (1926) 144; -meer: sie schwimmt tag und nacht auf diesem tr. Cl. Brentano ges. schr. 8, 417; -nebel:

im traumenebel liegt die wahrheit doch verborgen
D. Schirmer poet. rosengepüsche (1650) 137;

-netz B. Goltz ein jugendleben (1852) 2, 155; -palast: wie hat ich doch so kindlich meine tr. an diesen gährenden vulkan gelehnt! Kotzebue sämmtl. dramen (1828) 24, 48; -pracht M. Waldau blätter im winde (1847) 210; -region: was mir vielleicht auf lange in ferner tr. schwebt Bismarck br. an seine frau 269; -reich, träumereich Freiligrath ges. dichtungen (1870) 4, 21; -ring J. Kerner br. an Wolfg. Menzel (1908) 152; -saat: feuriger wünsche tr. R. Hamerling sämtl. w. 4, 38 Rab.; -schleier: lärmen über seinem kopfe zerrisz ... den leichten tr. W. Alexis Isegrim (1854) 3, 89; -sonne:

traumsonnen, die sich um die thorheit drehn
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 6, 72;

-tal: du sprichst schon wahrheit ... und kommst doch erst aus dem tr. herauf Jung-Stilling 2, 341; -teppich: diesen poetischen tr. Bettine dies buch gehört d. könig 1, 264; -tiefe: und versank in finstere tr. Paul Barsch von einem, der auszog (1905) 2, 144; -trank:

süszer hoffnung toller traumtrank
Heine w. 2, 145 Elster;

-welle: aus den ihn umflutenden tr. Gaudy sämmtl. w. (1844) 8, 114; -wirbel H. Stehr das abendrot 218; -wolke: tr. ihrer eitelkeit Pestalozzi s. schr. (1819) 9, 86; -wust Fr. v. Sallet sämmtl. schr. 2, 147; -verflechtung Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 410; -zug: ein schwebendes gewebe, eine blumenlese ... von mancherlei tr. Herder 8, 59 S.

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5) traum- ist für die im grundwort ausgedrückte oder angedeutete tätigkeit oder eigenschaft, oft im sinne von I C
a) object.
α) substantiva: traumbeurteiler Kinderling reinigk. d. deutsch. sprache (1795) 193; -erforschung C. A. Böttiger kl. schr. (1837) 1, 118 anm.; -erklärer Kramer teutsch-ital. 1, 789b; -erklärung Jean Paul w. 44, 129 H.; -erzähler Cl. Brentano ges. schr. 6, 322; -lehrer G. Nigrinus examen des schandtbüchleins (1571) P 4b; -litteratur Nietzsche w. (1895) 1, 26; -mitteilung R. Wagner ges. schr. u. dichtungen (1897) 9, 109; -schau: wenn ich mich irgend auf tr. ... verstehe G. Regis Rabelais (1832) 1, 396; -schwelger J. Schwabe harmlose geschichten 118; -seher Bandtke poln.-deutsch. wb. 2, 1371a; -seherei Jean Paul 15/18, 344 H.; -symbolik Holtei erz. schr. 21, 191; -verächter Geibel 1, 15; -verderben: diese zungendrescherei des unglaubens ..., dessen tiefes wort- und traumverderben ... auf keinen fall geeignet ist, uns zur stillen weisheit des glaubens ... hinzuführen Pestalozzi (1819) 5, 198; träumwahrsager H. Sachs 16, 154 lit. ver.; -weissager Voss bei Campe 4, 869b.
β) dazu einige adjectiva und participia: traumanschauend: unser doppeltes ich, den träumenden und den tr. geist Herder w. 23, 289 S.; -durstig: so sehnsüchtig schwer, so liebesmatt, so tr. Tieck ges. nov. 1, 201; träumekundig: graf Stolberg ges. w. (1820) 11, 152; -erfahren Bürger w. 160 Bohtz; -gewohnt: dieser tr. blick D. E. Mohr ged. 57; -freundlich: der tr. mann (Justinus Kerner) Hillebrand nat. literatur 3, 165; -verscheuchend Gaudy sämmtl. w. 11, 57.
γ) eine besondere gruppe verwandter art bilden diejenigen adjectiva, die traum- quantitativ werten: traumerfüllt: pfad des tr. lebens Cronegk schr. (1766) 2, 203; träumeleer:

wie todesmatte greise neigst
dein haupt du träumeleerem schlummer
M. Hartmann ges. werke 1, 56;

traumlos s. an alph. stelle; -reich, traumesreich Harsdörfer frauenzimmergesprächspiele (1641) 3, 383; -trächtig: tr. sehnsucht H. Watzlik Phönix 190; -voll s. an alph. stelle.
b) zugleich resultat.
α) substantiva: traumbaumeister: ein boshafter rezensent und tr. Jean Paul w. 27, 119 H.; -einbläser ebda; träumemacher allg. dtsche bibl. 87, 208; traumerreger: der amethyst, der tr. R. Hamerling sämtl. w. 3, 137 Rab.; traumgaukler (Morpheus) Lindenborn Diogenes (1742) 2, 451; -geber Jean Paul w. 27, 139 H.; -geberei 27, 126; träumeschmied T. Hübner Wilhelm v. Sallusts sieben tageszeit (1661) 165.
β) partic. präs.: traumerregend: die zeit ist nur das tr. princip bei Holtei br. an L. Tieck 1, 323; -schaffend: tr. dunkel, weiche dem tröstenden licht W. Robert-Tornow gedichte 7; träumezeugend Wieland I 2, 54 akad.; traumwebend: nie ist er tr. (Shakespeare) Fr. Th. Vischer auch einer (1879) 2, 339.
6) für entstehung und existenz des traums nennt das grundwort den besonderen localen oder temporalen umstand: traumjahr F. Nissel mein leben 45; -kammer C. F. Meyer novellen 1, 180; -nacht: dasz sie ... das rätsel jener tr. lösen wollte B. Auerbach schr. (1892) 15, 101; -schaukel: wo der schwengel der ... pumpe als tr. ... für mich bereit hing Fouqué bilderb. m. jugend (1922) 51; -schlaf: was sie im tr. gesehen K. Gutzkow zauberer (1858) 5, 93; -schlummer Bettine Goethes briefwechsel m. einem kinde (1835) 1, 295; -stätte Geibel 3, 233; -stüblein H. Stehr gesch. aus d. mandelhause (1913) 117; -stuhl Börne ges. schr. (1829) 9, 42; -stunde: das volk sah diese tage (des karneval) als tr. an Hauff 1, 100; -winkel Fr. Dingelstedt 2, 297.
7) umgekehrt ist in einer weiteren gruppe traum- die voraussetzung für die im grundwort genannte lebensäuszerung des träumenden. stets im sinne von I E 3: traumgänger: (Napoleon) wandelt mit der sicherheit des tr. Treitschke hist. u. polit. aufsätze 35, 215; -geflüster:

[Bd. 21, Sp. 1469]


hörte sie, wie man im schlaf hört,
fernes murmeln, traumgeflüster
Freiligrath ges. dichtungen (1870) 6, 49;

-gelächter: schon schwirrt dein tr. mir im ohr G. Keller ges. w. (1889) 9, 103; -gemurmel H. Kurz 1, 33; -schrei: erst dachte er, ... es sei nur ein tr. gewesen P. Rosegger laszt uns von liebe reden (1909) 41; -seufzer Hebbel w. 8, 69 Werner; -sprechen Gutzkow zauberer (1858) 5, 92; -stimme: der bleiche schläfer ... stöhnte mit dumpfer tr. C. F. Meyer Jürg Jenatsch (1901) 29; -wort: das fieberische tr. machte ihm die wange erglühen B. Auerbach schr. (1892) 16, 171; abweichend und mehr nach comp. 8 b: wozu denn, dasz ihr uns mit jenen tr., als mit geheimnissen des denkens immer neu störet Herder w. 19, 370 S.dazu einige adjectiva und participia: traumgängerisch: tr. sicherheit des genius Treitschke deutsche gesch. 1, 198; -flüsternd R. Hamerling sämtl. w. 2, 65 Rabenlechner; -lächelnd: der tr. mund Holtei erz. schr. 28, 193; -schwankend: tr. nahte mir ein stiller kahn R. Schaukal verse (1909) 9.
8) als attribut charakterisiert traum- sache und sachverhalt des grundwortes
a) nach I C, besonders aber mit dem negativen accentwert von II A als eingebildet, erträumt, nichtig: traumbauten: gelüste meiner kindheit und ihre tr. B. Goltz ein kleinstädter in Ägypten 128; -besitz G. Hauptmann griech. frühling (1908) 67; traumeslorbeer J. V. Widmann muse 152; -paradies Rückert w. 1, 409; traumgold: das tr. verschlang das wirkliche (gold) Storm (1899) 2, 20; -glauben: nach dem gemainen wahn und fleischlich eingebildeten tr. A. v. Franckenberg mir nach (1675) 20; -hoffnung: tr. narrt euch M. Greif ges. w. 2, 58; -idee:

ihr traumideen süszer freuden
Blumauer ged. (1782) 46;

-krone C. F. Meyer versuchung d. Pescara (1901) 35; -lehre, nach II A 2 a: dieser spruch ... schlecht den bapst mit allen seinen tr. und tollen gesetzen zu pulver in die erden Luther 8, 148 W.; 32, 324, 18; 34, 2, 389 u. öfter; -logik K. Gutzkow ges. w. (1872) 1, 122; -sieger: ein so schleuniger umsprung der sachen pflegt die tr. auf schreckliche art zu wecken Klopstock w. 9, 253; -theologie: nothwendige abmahnung von der tr. in glaubensartickeln Dannhawer catechismusmilch 3, 8; -triumph Fr. v. Heyden br. eines flüchtlings (1838) 1, 9; -wirklichkeit Nietzsche w. (1895) 1, 20. — adjectiva: -ideologisch: solche ... tr. verrenkte philosophie E. Dühring wert d. lebens 4; -wahr: (äuszerungen), die nur tr. waren fürst Pückler briefwechsel u. tageb. (1873) 1, 144.
b) nach II B und II C 1 als ersehnt, phantasievoll, märchenhaft, wunderbar, ideal, nicht immer mit gänzlicher beseitigung der negativen accentuierung: traumbraut: sonst hätte ich ganz gewisz die tr. nur im himmel gekriegt fürst Pückler br. eines verstorbenen 3, 69; -charakter: echtes kunstwerk hat ... immer tr. Fr. Th. Vischer auch einer (1879) 2, 362; traumesland: der tod verklärt sein tr. Spielhagen 7, 375; -mädchen Herder w. 29, 497 S.; -geliebte: ob er die tr. nicht im leben findet W. Scherer kl. schr. 1, 633; -geschwätz somnia Stieler (1691) 1960; den segen der elementarbildungsmittel aus dem tr. darüber in die realität einer wahren ... erziehungskraft zu umwandeln Pestalozzi sämtl. schr. (1819) 9, 121; -heimat: tr. meiner seele, Avalun B. v. Münchhausen balladen u. ritterl. lieder 167; -karte: diese idealische tr. des schönsten winkels der erde Herder w. 23, 450 S.; -könig G. Keller ges. w. 2, 199; -licht: dein licht ist tr. der höheren welt Bettine Göthes briefwechsel m. e. kinde 3, 98; -liebe Uhland briefwechsel 1, 12 (1808); -neigung: kann dich eine gedankenleidenschaft, eine tr. eifersüchtig machen Immermann 14, 49 Boxb.; -riese: Görres ges. schr. (1854) 4, 290; -schönheit: dasz Goethe die schönheit vor der dissonanz, die tr. ... gebracht hat Hebbel br. 4, 43 Werner; -studie: sein arbeitszimmer war ... voll von seinen

[Bd. 21, Sp. 1470]


lieblichen tr. B. Weber Tirol u. d. reformation (1841) 117; -theorie Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 5, 232; -volk: so kam es, dasz ihm die deutsche urmelodie süszer und voller flosz, als wenn er mit dem blute seines tr. geboren worden wäre R. H. Bartsch zwölf aus d. Steiermark 88.
c) nach traum II C 2 und 3. von verträumten menschen: traumbold A. Kerr ges. schr. 3, 374; -hans: so vertieft waren die zwei, dasz sie ganz auf die vesper vergaszen ... 'heda, ihr zwei traumhänse! der kaffee wird kalt!' R. Haas heimat in ketten (1924) 89; H. Watzlik aus Böhmen 9; -narr polit. hanswurst (1759) 42; C. Hauptmann Einhart 2, 82; -vettel J. G. Schmidt rockenphilosophie5 (1759) 705. ähnliche bildungen mundartlich sehr verbreitet: -bart unentschlossener, unaufmerksamer mensch Mensing 1, 876; -fritze Müller-Fraureuth 1, 241; -kloot schlafmütze Richey Hamburg. 42; Schütze holst. 1, 259; Danneil altm. 41; -liese Askenasy Frankf. 149; -schachtel altes geistesschwaches weib Hügel Wien. 166; -steert Strodtmann Osnabr. (1756) 42; Schambach Göttingen 49; -tüte in der Soester ma. u. s. w.adjectivisch und verbal mehr nach II C 4 als halbbewuszt, dumpf: traumbekannt: takte einer niegehörten, dennoch tr. melodie H. Lauscher hinterl. schr. 64; -bewuszt: auch uns selbst nur tr. H. v. Preuschen vom mondberg 16; -bewusztsein: indem man von einer art tr. leicht umflort ist Schopenhauer w. 4, 311 Grisebach; -dasein Ritter erdkunde (1822) 6, 1094; -eindruck: tr. belebter bilder und wörter von religiösen gegenständen Pestalozzi sämtl. schr. (1819) 4, 361; -sein:

die meere rufen dich, die ströme an,
dasz du sie lösest aus dem bann
des düstern traumseins, drin sie schmachten
v. Schack ges. w. 2, 39;

-wach: dieser tr. zustand währte nur einen moment Spielhagen 9, 99; -wachen: es war wie tr. Storm w. (1899) 2, 108.
d) nach traum II C 1 d als unwirklich, halbwirklich, verschleiert. von gegenständlichem, wobei traum selbst aus seiner beziehung zu einem träumenden gelöst und versinnlicht wird: traumaccord:

und wie ein traumakkord
traf leis von drauszen das geschluchze nur
der lauten liebessänger unser ohr
G. Falke ges. dichtungen 2, 24;

-blume: in seinem haar hing noch eine tr. aus dem garten Eichendorff w. (1864) 3, 254; -gesang: auf der wange des abendhimmels sterben traumgesänge F. Matthisson ged. 1, 2; -hand St. George übersetzungen 2, 28; -korn: wenn eine ... vollmondnacht ... die weiszen tr. ihres lichtes ... niederfallen liesz Stifter w. (1901) 1, 262; -rose G. Falke ges. dichtg. 2, 5; traumeswolke:

in traumeswolken eingehüllt,
wie läszt die welt sie kalt
Freiligrath ges. dichtungen (1870) 5, 113.


e) adjectiva und participia prät. nehmen dabei die im grundwort genannte eigenschaft als tert. comp. nach I F an: traumdämmerig: tr. silberlicht V. Scheffel waldeinsamkeit (1880) 10; -duftig: tr. bläue H. Allmers bei Siebs H. Allmers (1915) 164; -dünn: (es) bildet sich tr. die ahnung einer lehrmethode W. Schäfer lebenstag (1917) 266; -fern: tr. laut H. Arent u. a. mod. dichtercharaktere (1885) 176; -flüchtig Gaudy 23, 121; -geschwind A. Kahlert ged. 164; -hell: monden- und tr. nacht Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 2, 660; -schnell Heine w. 3, 299 Elster; -schön: ferne tr. spitzen Heer könig d. Bernina (1904) 116; -verworren: tr. brautwerben ... ging ... durch die lüfte W. Kirchbach weltfahrer 20; -weich: wie der flügelstaub eines nachtfalters, ... tr. E. G. Kolbenheyer Montsalvatsch 2; -wüst: die ... tr. ... spätherbsttage B. Goltz ein kleinstädter in Ägypten 11. eben diese vergleichung allgemein formulierend: traumgleich an alph. stelle; -mäszig: meine ... gattin ... hat manches geahnt, auch wohl tr. gebildet bei Holtei br. an L. Tieck 2, 360; -richtig: die leiber, tr. gezeichnet Heine 3, 285 E.; -verwandt: Fr. Th. Vischer altes u. neues (1881) 1, 211.

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9) das grundwort deutet auf traum- als seine ursache und gelegentlich zugleich inhaltliche bestimmung. vor allem part. prät., in denen tr. nach romantischem geschmack sinnlich verselbständigt, gleichwohl häufig aber nur noch als der träger eines stimmungswertes erscheint: traumbelebt:

ein traumbelebtes, holdes heiligenbild
G. Falke ges. dichtungen 1, 66;

-beschwingt: auf tr. sohle Cl. Brentano ges. schr. (1852) 3, 77; -besiegt:

da sinkt die schwing ihr, traumbesiegt
R. Hamerling sämtl. w. 4, 29 Rab.;

-bewegt Gaudy w. (1844) 10, 45; -bezwungen Liliencron w. (1896) 7, 39; -durchfunkelt: der tr. schlaf Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 4, 200; -entrückt J. Baggesen poet. w. (1836) 2, 155; -geblendet: meine tr. augen bei E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 9; -geboren:

in traumgeborner lust
M. Greif neue lieder 110;

-geschaffen Grillparzer 8, 191 Sauer; -getragen: als schwebe sie, tr. Fontane I 2, 493; -gewiegt: tr. nachtesdunkel H. Arent u. a. mod. dichtercharaktere (1885) 212; -heisz: mit tr. wangen H. Stehr drei nächte (1909) 190; -laut: eine unruhige, tr. nacht E. G. Kolbenheyer Montsalvatsch 247; -schwül R. Schaukal kapellmeister Kreisler (1906) 10; -umblüht:

schlummern möcht ich, traumumblüht
in dem mondlicht liegen
A. v. Berger ges. schr. 2, 19;

-umfangen: ich kleiner, tr. nesthaken H. Stehr drei nächte (1909) 68; -umflort: das tr. ... auge Spielhagen 1, 21; -umgaukelt A. v. Berger ges. schr. 2, 179; -umnachtet Gr. Strachwitz ged. (1850) 306; -umsponnen A. v. Berger ges. schr. 2, 76; -verhängt: sein blick ist fern und tr. R. Schaukal bilder (1909) 9; -verheiszen: nach tr. glück Geibel 2, 263; -verschleiert Spielhagen 8, 443; -verwirrt Liliencron sämtl. w. (1896) 1, 83. — hierher gehören auch einige substantiva: traumgeburt: die idee ist ... nicht wie gewöhnlich, krankhafte tr. Hebbel tageb. 1, 253 Werner; -geschöpf: tirannen ... sind tr. der dichter H. P. Sturz schr. (1779) 1, 146; -product: körperliche lust und wollust sind tr. Novalis 2, 215 Minor.

 

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1) traulicht
 ... traulicht , n. , in westdeutschen maa. für irrlicht,