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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
erwandern bis erwärtlich (Bd. 3, Sp. 1042 bis 1046)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) erwandern, invenire, experiri, wie erfahren sp. 789. 790: nun habe ich solches selbst erwandert, da ich ein junger kerle in der schule war. Weise freim. redn. vorrede;

[Bd. 3, Sp. 1043]


'sie sind, verzeihen sie mir, der unverschämteste knabe',
setzt sie halblächelnd hinzu, 'den ich erwandert habe'.
Wieland 4, 31;

ein neuer sturm, dergleichen seit die welt
in angeln geht, noch nie erwandert worden,
zersplitterte ihr schif. 4, 217;

viel erwandern. 19, 55. heute veraltet, eher gilt noch die sinnliche bedeutung: sich ruhe erwandern, von einem wandrer; ich habe viel länder erwandert; notizen, die der verfasser mühsam sich erwandert und erforscht hat. Bädeker Schweiz s. iv.
 
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erwannen, eventilare. Maaler 119b, die frucht durch schwingen in der wanne reinigen. heute lieber blosz wannen, ventilare.
 
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erwappen? Bechers jägercabinet cap. 7 s. 23 vom hirsch: im siebenten jahr ist sein gehörn vollkömmlich gestärket, erwappen und gezeichnet, wie es sein und bleiben soll. das wort kommt weder bei Döbel noch in andern jagdbüchern vor, scheint aber, gleich erblappen sp. 728, ein starkes part. praet., mit der bedeutung etwa von erwachsen, ausgebildet. einem schwachen wappen Herb. 5851 musz der sinn von schlottern zustehen:

deme wappete dër bart,

bebte, beberte, schwapperte, und bei Frommann 4, 195 steht wappeln schlottern, was zu erblappen stimmt. wie vereinbaren sich diese bedeutungen?
 
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erwarmen ,
1) calefieri, ahd. arwaramên, irwarmên, mhd. erwarmen:

mîn swëster Alte
enscal an dînim arme
niemir erwarmen. Rol. 213, 21;

gërne wolde ich bî eigenem fiure erwarmen.
Walth. 28, 3;

wê wieʒ mir erbarmet
daʒ ir vuoʒ bî vremdem viwer erwarmet.
Neidh. 42, 33;

und mir der muot
in riuwen müeʒe erwarmen. MS. 2, 184b;

mir ist erwarmet nu daʒ bluot. Bit. 8159;

lâʒ in an dînen armen
erwarmen eine naht. cod. kol. 221;

ich verbiut ouch mînen armen,
daʒ sie in niht erwarmen
lâʒen an den brusten mîn. 232.

nhd. anfahen erwarmen, intepescere; im reden erwarmen, effervescere in dicendo. Maaler 119b.c;

bis im erwarmbten seine glieder.
H. Sachs II. 1, 48a;

itzt wirst du, liebe leich, in deines treusten armen,
ich, ich bin lauter glut, zum leben neu erwarmen.
Gryphius 2, 79;

wie thörlich handeln doch, die manchmal so erwarmen (hitzig werden)
auf unser blut und gut.
Logau 1, 196, 3;

dasz er in den schneeweiszen armen
der liebesgöttin mag erwarmen.
Lohenst. Arm. 1, 1129;

wenn er auf schnee meint zu erwarmen. 2, 1406;

wann du nun im bistumb würdest erwarmet und ruhig sein. Zinkgref apophth. 11, 7; kaum war er also in dem gastfreien hause dieses guten mannes recht erwarmt. Wieland 8, 308;

Saturnia, die mit verschränkten armen
euch kurz zuvor wie eine seule stund,
ist kaum allein, errathet mir den grund,
so sieht der hirt den marmor schon erwarmen. 10, 172;

dasz ihn bedünkt ihr kaltes herz erwarme. 17, 291;

herein, in meinen armen,
herzliebster zu erwarmen!
Bürger 14a;

denn ein herz, das ihrer sich erbarme,
wo sie noch einmal wie sonst erwarme,
schlägt für sie auf erden nirgends mehr. 77a;

heftig faszt er sie mit starken armen
von der liebe jugendkraft durchmannt:
'hoffe doch bei mir noch zu erwarmen,
wärst du selbst mir aus dem grab gesandt!'
Göthe 1, 246;

so recht! in des mannes arme
flüchte sich das bange weib,
dasz ihr sanftgeschmiegter leib
an der starken brust erwarme. 45, 81;

in der natur getreuen armen
von kalten regeln zu erwarmen.
Schiller 80b;

diese schauder der bangigkeit müssen in einem rühmlichen eifer erwarmen. 168b;

ha, in schöner frauen armen
höre, was die klugheit spricht:
freudig darf dein herz erwarmen,
deine ruhe opfre nicht.
Körner 1, 299;

auf einmal da wirds ihm so eisig und kalt,
als sollt er nie wieder erwarmen. 4, 78.


2) tadelhaft für erwärmen:

ihr vögelchen (jungfern), die ihr mit euren schlanken armen
mehr als mit flügeln könt die andern arm erwarmen. jungfernlob 131;

[Bd. 3, Sp. 1044]



mein weinen soll, hoff ich, bald ewer herz erwarmen.
Weckherlin 841;

und niemand hat erwünschtes fest in armen,
der sich nicht nach erwünschterm thörig sehnte,
die sonne flieht er, will den frost erwarmen.
Göthe 41, 37.


 
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erwarmen, n. das warmwerden: versuche auf oxydation und desoxydation, auf erwarmen und erkalten. Göthe 31, 257.
 
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erwärmen, calefacere, mhd. erwermen: haben wir nicht gesegenet seine seiten (benedixerunt latera ejus), da er von den fellen meiner lemmer erwermet ward? Hiob 31, 20; ir kleidet euch und künd euch doch nit erwermen. Haggai 1, 6; damit köndestu dich erwermen und reizen, dasselbige deste lieber zu hören. Luther 6, 35a; ich meine ich wölle im sein oren mit worten also erwermen (io gli credo per si fatta maniera riscaldare gli orrecchi), das du hinfür von im solt rue und fride haben. Steinhöwel dec. 180, 25;

hauchet in seine beide hend,
darmit er sich erwermen thet.
H. Sachs II. 4, 43b;

oft erwärmt die sonne deinen hügel,
ihre glut empfindest du nicht mehr.
Schiller 6b;

darauf schieszt die sonne die pfeile von licht,
sie vergolden sie nur und erwärmen sie nicht. 50a;

der lenz erwacht, auf den erwärmten triften
schieszt frohes leben jugendlich hervor. 101b;

von euch verlangt man eine welt zur welt,
wo dichter, schauer, spieler sich verbinden,
sich wechselseits erwärmen und entzünden.
Göthe 4, 48;

die trägen geister zu erwärmen,
mit weisen freunden weise schwärmen.
Gotter 1, 418;

die umarmung erwärmte alle seine kalten wunden sanft. J. P. Hesp. 3, 65; die dünne eisrinde glitt ihm vom erwärmten herzen. uns. loge 1, 97. wenn Göthe schreibt: schmilzt aber von einer zurückkehrenden sonne der schnee, befreit sich ein erwärmender boden nun einigermaszen von dieser lästigen decke. 33, 148, so sollte wol stehen 'erwarmender'. doch der erste druck in der lit. ztg. 1804 no 91 gibt richtig 'erwärmter'.
 
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erwarmung, f. das erwarmen, Maaler 119c:

erregt an des lenzes erwarmung.
Platen 31.


 
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erwärmung, f. das erwärmen, Maaler 119b: aber indem er so sprach, sah er die glühende Rabette an und wollte durch diese erwärmungen gleichsam die blumenknospe seiner liebe gewaltsam sprengen. J. P. Tit. 2, 243.
 
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erwarten , exspectare, wofür goth. usbeidan, ags. âbîdan, ahd. irpîtan, mhd. erbîten und noch nhd. ehmals erbeiten (sp. 714) gesagt wurde, bis endlich erwarten aufkam, das sich schon bei Keisersberg findet. warten hiesz ursprünglich schauen, ahd. erwartên beschauen, ausschauen, mhd. ûf erwarten aufschauen (Reinh. 63), woraus sich leicht die vorstellung exspectare entfaltete, welches selbst zu spectare, spicere fällt. der wartende, erwartende schaut nach etwas, harrt bis es komme. Maaler 484d. 485a setzt warten exspectare, kein erwarten. in beidan, pîtan scheint ursprünglich die bedeutung von ertragen, aushalten, ferre, sustinere gelegen.
1) erwarten mit gen. der sache oder person: da einer frü iszt von gewonheit wegen und er mag der rechten zeit nit erwarten. Keisersb. s. d. m. 4a; das ein verlassener gedultig sei und seinen mund in den staub stecke und der hofnung erwarte. klagl. Jer. 3, 29; ich aber wil des gottes meines heils erwarten, mein gott wird mich hören. Micha 7, 7; denn des erwarte ich zum richter, das ers urteil spreche durch den römischen stuel. Luther 1, 55b; dieweil wir befehl von gott haben, sollen wir des ends erwarten. 3, 128b; darum musz ich des endes erwarten. Melanchth. an Albrecht ep. 39 ed. Faber; welcher (hunde) die löwen auf dem gejäg nit erwarten. Frank weltb. 192b; nach dem wolt Witzel des spils lenger nit erwarten. Alberus wider Witzel H 3a; wo sie des tags erwarteten, das Scipio das lager stürmen würde. Livius bei Rihel 325; mit solchen freundlichen worten sie beide des tanzes erwarteten. Galmy 156; der könig erwartet des tages kaum. buch d. l. 89, 1; sie kundten nicht erwarten des folgenden tages. 223, 1; mit groszem verlangen des zukünftigen tages erwarten. 240, 1; er im fürnam der zeit zu erwarten. 255, 2; dasz ich von allen meinen kräften kommen bin und nichts mehr erwarte denn des todes. 257, 4; aber der wolte ihrer nicht erwarten. Micrälius 2, 259; es ist jeder statt art und angeborne eigenschaft, dasz sie allen augenblick des feinds erwarten musz. Fronsp. 2, 34b;

ich musz der zeit erwarten,
bisz ich das glück erschleich. bergreien 94, 11;

[Bd. 3, Sp. 1045]


und erwarte eines gnädigen bescheids. Ayrer proc. 1, 4; und erwartet alda selbsten des Moysis. 1, 14; aber der hasz und grimm ewerer feinde würde des ausspruchs nicht erwarten. Opitz Arg. 1, 60; in meinung seiner ankunft zu erwarten. 1, 541;

erwartend deiner trew.
Weckherlin 278;

wir wollen, liebster freund, des endes nicht erwarten.
Fleming 106;

es waren ihrer viel, die sich gar sehr befahrten,
sie müsten vom Grifon des todes drinn erwarten.
Werders Ar. 18, 7;

erwarte nur der zeit,
so wirst du schon erblicken
der sonnen frölichkeit.
Gerhard in befiehl du d. w.;

erwarte nur der zeit
in deiner traurigkeit,
so wirstu noch erfreut.
Chr. Gryphius 1, 783;

und erwarteten unsers untergangs. pers. reiseb. 2, 2; das schif erwartete der gesandten. ebenda; ich weisz, dasz ich ein sterblicher mensch bin und jederzeit des todes erwarten musz. Scriver 1, 84; ein einiges ists, das ihn noch erhält, die göttliche langmuth und güte, welche seiner zur busze erwartet. 1, 107; des göttlichen berufes erwartend. Butschky Patm. 713; ich erwarte dannenhero dieser gunst. kanzl. 21; da Holofernes der schönen Judith erwartete. 717; laszt uns diser euszersten noth erwarten. 822; wolte des ausganges erwarten. Weise kl. leute 25; ich werde eines glücklichen ausganges erwarten können. überfl. ged. 2, 511; des götlichen segens erwarten. comödienpr. 59; von kummervollen ahnungen, die meiner zu Leipzig erwarteten, gedrückt. Reiskens lebensb. 41; er sagt, dasz der altar ihrer erwarte. Lessing 7, ...;

des todes zu erwarten.
Wieland 18, 15;

erwartete mein. 18, 230;

in Padua, wo seine studien
ihn fesselten, erwartete Fernando
des frohen augenblickes nur, der ihm
vergönnen sollte u. s. w.
Schiller 249a;

so kann der lehrer, der wolthäter ... einer spöttischen undankbarkeit erwarten (gewärtig sein). Göthe 29, 103; wenn Flora unter mandeln seiner erwartet. Fr. Müller 1, 149;

nun lauscht ich, der dinge
erwartend, im ringe
des lumpengerichts.
Thümmel 2, 42.


2) allmälich dringt der acc. vor: sihe er wird mich doch erwürgen und ich kans nicht erwarten (falls in es nicht der alte gen. steckt). Hiob 13, 15; stelle dich zu ir, wie einer der da ackert und seet, und erwarte ire gute früchte. Sir. 6, 19; wir erwarten ihn schon seit gestern; wir erwarten ihn mit schmerzen; den feind festes fuszes erwarten; sie erwartet ihre niederkunft im nächsten monat; ich erwarte von dir gehorsam; das ende geduldig erwarten; man erwartet in den nächsten tagen eine schlacht (sieht ihr entgegen);

nun der bescheidenheit genug!
denn sie nur immerdar zu hören, wo
man trockene vernunft erwartet, ekelt.
Lessing 2, 273;

ich habe
sehr wichtge gründe, vor der ganzen welt
den mann, den ich erwarte, zu verleugnen.
Schiller 268a;

geht, geht, und im audienzsaal
erwartet meine weiteren befehle. 275a;

auf rascher jugendthat erwart ich dich,
doch nicht auf thöricht kindischer. 502a;

aber wär ich nicht besser, zu widerstehen da vorne
an der grenze, als hier zu erwarten elend und knechtschaft?
Göthe 40, 268;

denk ich die zeiten zurück, wie manche nacht ich den mond schon
dort erwartet und schon so manchen morgen die sonne. 40, 273;

all erwarten sie straf im verschlosz, inclusi poenam expectant.
Voss Aen. 6, 614.


3) erwarten ohne beigefügten casus, im sinne des wartens, harrens: wol dem, der da erwartet, beatus qui expectat. Dan. 12, 12;

thu, was sie dir gebieten und erwarte.
Göthe 9, 33;

in einer felsenbucht verbargen sie
das schif und saszen traurig und erwartend. 9, 70;

erwartet nur und faszt euch in geduld,
bis nachricht uns herüber kommt vom walde.
Schiller 522a.


4) mit nachfolgendem, abhängigen satz: unterdessen ruheten die Teutschen nicht, erwartende, an welchem ort die Römer etwa herein brechen würden. Micrälius 1, 75;

[Bd. 3, Sp. 1046]


hier fielen nun die klägerinnen zusamt der wahrheit auf die knie,
in demut also zu erwarten, wie viel der vortrag wucher zieh.
Günther 437;

ich erwarte, dasz du mir augenblicklich gehorchest; erwarte nicht, dasz ich dir helfe; alle erwarteten, dasz der krieg zu ende gienge; er muste erwarten gesteinigt zu werden.
5) mit dem dat. des persönlichen pronomens:

nichts schont er selber und erwartet sich
nicht schonung.
Schiller 456a;

ich hatte mirs nicht erwartet, sie hier in Paris zu sehen. 641a; das haben wir uns doch nicht erwarten können.
 
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erwärtig, expectans, erwartend, gewärtig: wir sinds erwärtig. Weise nothw. ged. 137.
 
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erwärtlich, expectandus, zu erwarten:

das keine hilf in disem jamer mir erwärtlich noch behäglich.
Weckherlin 112.

 

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