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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zobelkleid bis zobeln (Bd. 32, Sp. 7 bis 8)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zobelkleid, n. , Jagemann 2, 2, 1428b, nicht mehr üblich, weil kleid gewöhnlich das oberkleid von frauen ist und dies nicht mit zobel gefüttert oder besetzt wird, s. th. 5, 1071, kleid 3 d, — zobelkragen, m. , als theures pelzwerk begehrt: dasz man aber nicht von seiner gage bestehen kann in einem verhältnisse, wo ein wintermantel mit unvermeidlichem zobelkragen einen ganzen jahresgehalt verschlingt, läszt sich bald berechnen Holtei erz. schr. 24, 37. in älterer zeit tracht des gelehrten im gegensatz zu der des kriegers: und meinten, .. ihr spitzbart stände besser überm zobelkragen, als unter der eisenhaube Alexis falsche Woldemar 2, 119. — zobelkürsen, f. , pelzrock aus zobel, mhd. vereinzelt: czabilkurse meleta (dachspelz!) Diefenbach - Wülcker 915. — zobellerche, f. , galerita cristata Brehm thierleben3 4, 228, in der 4. auflage nicht mehr angeführt.zobelmantel, m. , mit zobel gefütterter oder besetzter mantel Jagemann 2, 2, 1428b. — zobelmarder, m. , dasselbe wie zobel: zobelmarter martes scythica Stieler 1244; sie (die Houte in Centralasien) waren nomaden, hatten treffliche pferde, viele zobelmarder Ritter erdkunde 7, 623. — zobelmaus, f. , ältere bezeichnung für den

[Bd. 32, Sp. 8]


lemming Jablonski 2, 1222b. — zobelmuff, m. , in Nordwestdeutschland (Hamburg, Schleswig-Holstein) f., wie das einfache muff. muffe ist dort in dieser bedeutung unbekannt und bezeichnet vielmehr ein kurzes, hohles, gedrehtes stück eisen, das zur verbindung von metallröhren und -schläuchen dient. 'willst du wetten, ich schiesze auf zehen schritt diese muffschachtel durch und durch.' 'was? du wolltest durch meinen zobelmuff schieszen?' 'ist ein zobelmuff darin?' Kotzebue sämmtl. dram. w. 40, 188. nach Amaranthes ist zobelmuff ein 'von dergleichen fell oder schwanzspitzen zusammengesetzter überzug, in welchem das frauenzimmer die hände zu erwärmen pflegt' 2165. — zobelmütze, f. , 'eine mütze aus zobelfellen oder mit einem zobelgebräme' Campe 5, 877b: die krone des kaisers (von Ruszland) ist eine mit juwelen und gold geschmückte zobelmütze Meyer konversationslexikon 6 20, 972b; männer, weiber .. reich gekleidet, .. mit zobelmützen geschmückt Ritter erdkunde 3, 219. als frauentracht ende des 17. und im 18. jh. bezeichnet: weibermütze, propr. mitra, primo meretricum postmodum etiam honestarum fœminarum capitis tegumentum .. zobelmütze, mitra ex pelle martis scythicae Stieler 1316; hörnermütze ist eine meistens von schwarzem sammet verfertigte und mit vier hohen hörnern umgebene zobelmütze: wird insgemein von erbarn matronen getragen Amaranthes 853; eine kleine untersetzte person in rosenfarbnem seidnen korset und rok und einer zobelmütze (es ist ein gemeines frauenzimmer) Bahrdt geschichte meines lebens 1, 372. später als phantastische tracht eines magiers: der kühle des abends wegen hatte Hermod einen schwarzen schlafrock umgeworfen und eine zobelmütze aufgesetzt E. Th. A. Hoffmann 11, 79.
 
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zobeln, zöbeln, adj., zu zobel, was aus zobelpelz gemacht ist. ahd. mhd. zobelîn:

der wirt hete durch siecheit
grôʒ viur und an im warmiu kleit,
wît, lanc und zobelîn
Wolfram Parzival 231, 1-13;

daraus zabelyn, zöblein, zöblen, zöbeln, zoblen, zobeln: item 3 m. an 8 scot vor guldynne borten zu der zabelynnen schuben Marienburger tresslerbuch 319; auch sol hinfüro einicher unnser burger oder inwoner von mannsbilder nit tragen oder zu seinem leibe geprauchen einich hermelein, zöblein oder lassatein wat Nürnb. polizeiverordn. 104 lit. ver.; inn zöblenen mantelen Guarinonius grewel der verwüstung 625;

ein zobeln schaub und gülden kleydt
wird offt gefüttert mit hertzeleydt
Burkard Waldis Esopus 1, 29 Kurz;

sach sitzen einen herren prechtig,
herrlicher geberd, stoltz, fürstmechtig,
in einer köstling mardren schauben,
sammaten leybrock, zöblen hauben
H. Sachs 1, 438 Keller;

denn ihr gröster reichthum ist ein schnelles pferd, ein guter bogen und ein zoblener peltz Lohenstein Arminius 1, 542b.
mit dem ende des 17. jhs. hören die belege auf, seitdem verschwindet es aus dem gebrauche wie die andern adj. auf -în, welche pelzwerk oder thierfleisch bezeichnen J. Grimm gramm. 2, 171 neudr. Adelung hat das wort nicht mehr. anstatt dessen braucht man entweder zusammensetzungen oder sagt aus oder von zobel.
 
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zobeln, verb., an den haaren ziehen, zupfen, zausen, mundartlich in Nürnberg und Schwaben Schmeller 2 2, 1075 (quelle aus Oberschwaben); Schmid 550; danach Heyse 2102, nicht in der Schweiz (nach brieflicher mittheilung):

den kumbts in die stuben geloffen,
der busen stet ir oben offen,
ihr har verbilbitzt, zapfet und stroblet,
als ob sie hab der rab gezoblet
H. Sachs 5, 185 Keller.


es liesze sich dies wort von zobel ableiten, 'den pelz zausen', es wird aber, trotz der durch den reim bezeugten lautlichen abweichung im innern, zu mitteld. zobbeln, nd. tobbeln, tobben zu stellen sein, welche in der bedeutung nahe stehen, in Frankfurt zobbele zupfen: und

[Bd. 32, Sp. 9]


zobbelt den herr parrer am chorrock Askenasy 225; westfäl. 'tuəbeln zupfen, zerren': bai sik unner de süəge menget, dai maut līen dat se ne tuəbelt Woeste 272b; tobbeln 'im churbraunschw. nicht nur ziehen, sondern ein heimliches liebesverständnisz mit einer person haben' brem.-niedersächs. wb. 5, 83; mnd. tobben 'zupfen, locken, mit jemand sein spiel haben, jemand etwas (bes. geld) abzwacken' Schiller-Lübben 4, 553b; 5, 280b; hamb. im 18. jh. wie mnd. Richey 309, daneben die zusammensetzung aftobben; ostfries. 'ziehen, zerren, schleppen, locken' ten Doornkaat-Koolman 3, 418a, wo es mit tokken in der bedeutung zusammengeht 422; nl. tobben 'sich abmühen, abarbeiten, placken' und 'sich sorgen machen', dazu tobber, tobberd 'armer schlucker' Sicherer-Akveld 1, 1095a; im bereich des brem.-niedersächs. wb. entspricht in der bedeutung auch toppken: eenem dat geld aftoppken 5, 84. in der bedeutung berührt sich damit tocken s. bei zocken. diese verben haben sich in der bedeutung gegenseitig beeinfluszt, es ist daher schwierig, die ursprüngliche bedeutung von tobben festzustellen, und daher nicht möglich, seine formale vorgeschichte zu erkennen. das von Schmeller herangeholte zöpeln 'an den haaren ziehen', 2, 1075 gehört jedenfalls nicht zu zobbeln und tobben. eher paszt es zu H. Sachsens gezobelt, das damit aber von den andern verben abgerückt wird.